Gelber Fluss 1351 – Die Deicharbeiten und die Roten Turbane

Toghon Temür in der Überlieferung einer Yuan-Hofbildrolle; vorhandener Ausschnitt.

Die Yuan-Regierung ließ 1351 Menschen zu großen Arbeiten am Gelben Fluss einziehen. Deiche mussten geschlossen und beschädigte Wasserwege wiederhergestellt werden. Der Eingriff sollte überschwemmtes Land sichern und die Transporte erleichtern, auf die auch die Hauptstadt Dadu angewiesen war. Für die herangezogenen Männer bedeutete er, das eigene Haus und die Arbeit auf den Feldern zu verlassen.

Im selben Jahr brach in der Region ein Aufstand aus, dessen Anhänger als Rote Turbane bekannt wurden. Die Arbeiten am Fluss und der Beginn der Rebellion trafen in einer Landschaft zusammen, in der Überschwemmungen den Lebensunterhalt bereits schwer beeinträchtigt hatten. Die Regierung versuchte die Folgen der Katastrophen zu beheben und verlangte dafür erneut erhebliche Leistungen von ihrer Bevölkerung.

Wenn der Fluss sein Bett verlässt

Der Gelbe Fluss führt große Mengen feinen Erdmaterials mit sich. Wo sich die Strömung verlangsamt, lagert es sich ab. Das Flussbett kann dadurch ansteigen, während Deiche das Wasser in einer bestimmten Richtung halten sollen. Werden sie durchbrochen, können sich große Wassermengen einen neuen Weg durch bewohntes und bebautes Land suchen.

Sedimentreiches Wasser des Gelben Flusses an den Hukou-Wasserfällen. Der Ort liegt flussaufwärts der im Artikel behandelten Deicharbeiten.
Sedimentreiches Wasser des Gelben Flusses an den Hukou-Wasserfällen. Der Ort liegt flussaufwärts der im Artikel behandelten Deicharbeiten.

1344 hatten schwere Durchbrüche die ohnehin schwierigen Verhältnisse verschärft. Das Wasser beschädigte Felder und Häuser und störte die Verbindungen zwischen den Regionen. Veränderungen des Flusslaufs betrafen auch jene Gewässer, die für den Transport von Getreide nach Norden benötigt wurden.

Für Bauern konnte eine Überschwemmung mehrere Ernten gefährden. Mit den Vorräten ging das Saatgut verloren; beschädigte Gräben mussten repariert werden, bevor wieder verlässlich angebaut werden konnte. Selbst nach dem Rückgang des Wassers blieb deshalb Arbeit, die unter normalen Bedingungen über das Jahr verteilt worden wäre.

Die Yuan hatten in den Jahrzehnten zuvor bereits wiederholt auf schwere Naturereignisse reagieren müssen. Amtsträger meldeten Missernten und baten um Unterstützung. Dürre konnte auf Überschwemmungen folgen, ohne dass die Menschen sich inzwischen von den früheren Verlusten erholt hatten. Die Schwierigkeiten lagen daher nicht allein in einem einzelnen Deichbruch.

Der Hof benötigt offene Wege

Kaiser Toghon Temür regierte seit 1333. Seine Behörden mussten die Hauptstadt versorgen und zugleich auf die Schäden in den Provinzen reagieren. Die beiden Aufgaben waren eng verbunden: Wenn weniger Getreide geerntet oder ein Transportweg unterbrochen wurde, fehlten dem Hof Mittel, während die örtliche Bevölkerung Hilfe benötigte.

Kanzler Toqto’a unterstützte den großen Eingriff in die Wasserwege. Eine Wiederherstellung versprach, Land nutzbar zu machen und die Lieferungen zu erleichtern. Die Regierung konnte die Folgen des Flusses nicht dauerhaft nur durch Entschädigungen behandeln. Sie musste versuchen, den Lauf des Wassers selbst wieder zu beherrschen.

Für die Arbeiten hatten die Beamten eine große Zahl von Menschen heranzuziehen und zu versorgen. Damit an den Baustellen gearbeitet werden konnte, mussten auch Arbeitsgeräte und Baumaterial dorthin gelangen. In den einzelnen Bezirken wurden aus dem Befehl aus Dadu örtlich festgelegte Pflichten, die unter den jeweiligen Bedingungen durchgesetzt werden mussten.

Gerade diese Durchführung schuf Konflikte. Eine Familie, die ihre Arbeitskraft verlor, musste ihren eigenen Unterhalt weiter sichern. Die Zuteilung von Verpflegung und die Behandlung durch Aufseher entschieden darüber mit, wie die eingezogenen Männer den Einsatz erlebten. Der beabsichtigte Schutz der Felder war mit einer zusätzlichen Belastung jener Menschen verbunden, die von ihnen lebten.

Eine Hoffnung auf eine andere Zeit

In dieser Situation gewannen Gruppen Zulauf, die religiöse Erwartungen mit dem Widerstand gegen die bestehenden Machthaber verbanden. Sie konnten auf Verbindungen zurückgreifen, die schon vor dem offenen Aufstand bestanden hatten. Gemeinsam abgehaltene religiöse Übungen boten Menschen eine Möglichkeit, sich auch außerhalb der staatlichen Ämter zu organisieren.

Zu den Führern gehörte Han Shantong. In seinem Umfeld verbanden sich die Erwartung einer neuen Zeit und der Anspruch, die Herrschaft der Yuan zu beseitigen. Die Berufung auf die frühere Song-Dynastie gab dem Widerstand zudem eine politische Vergangenheit, an die er anknüpfen konnte.

Solche Erwartungen setzten keinen ausgearbeiteten Plan für eine künftige Regierung voraus. Sie boten aber eine Erklärung für das erlebte Leiden und die Aussicht, dass es unter einer anderen Herrschaft enden könne. Wer Abgaben und Arbeitsdienste als immer schwerer erfüllbar empfand, konnte darin einen Grund finden, sich einer Gruppe anzuschließen.

Die Deicharbeiten schufen diese Erwartungen nicht erst. Sie bündelten jedoch Menschen und verschärften Beschwerden über den Zugriff des Staates. Der Beginn des Aufstands lässt sich deshalb nicht auf einen einzelnen Befehl oder eine einzige Ursache reduzieren. Im Jahr 1351 traf der neue Arbeitseinsatz auf bereits bestehende Unruhe.

Han Shantong wird getötet

Die Behörden erfuhren von den Vorbereitungen der Gruppe. Han Shantong wurde gefasst und getötet. Die Maßnahmen verhinderten den Aufstand jedoch nicht. Sein Mitstreiter Liu Futong entkam und setzte den bewaffneten Widerstand fort.

Im Gebiet von Yingzhou, dem heutigen Fuyang in Anhui, sammelten sich Kämpfer gegen die Yuan. Rote Kopftücher wurden zu ihrem Erkennungszeichen und gaben der Bewegung ihren bekannten Namen. Die Anhänger konnten örtliche Behörden angreifen und Vorräte an sich bringen. Dadurch wurden sie selbst zu einer Macht, die Menschen versorgen und zum Dienst heranziehen musste.

Der Widerstand breitete sich aus, ohne dass alle Gruppen einer einzigen Führung gehorchten. Andere Anführer nutzten die Schwächung der Behörden, um eigene Verbände aufzubauen. Die Bezeichnung Rote Turbane erfasste damit eine größere Bewegung, deren Mitglieder nicht überall dieselben unmittelbaren Ziele verfolgten.

Für die Regierung erhöhte sich die Belastung. Neben den Reparaturen an den Wasserwegen mussten nun Truppen aufgestellt und versorgt werden. Gebiete, aus denen Abgaben nach Norden hätten kommen sollen, wurden zu Kriegsschauplätzen. Ein Teil der staatlichen Maßnahmen, die Erträge wiederherstellen sollten, musste unter Bedingungen wachsenden militärischen Widerstands fortgesetzt werden.

Der Transport wird zur Kriegsfrage

Die Arbeiten am Fluss konnten an einzelnen Stellen erfolgreich abgeschlossen werden. Der Aufstand ging trotzdem weiter. Technische Verbesserungen beseitigten weder die bewaffneten Gruppen noch die Verbindungen, über die sich neue Anhänger sammeln ließen.

1355 erhoben Liu Futong und seine Unterstützer Han Shantongs Sohn Han Lin’er zum Kaiser einer erneuerten Song-Dynastie. Damit erhielt ein Teil des Widerstands eine eigene dynastische Spitze. Andere Führer behaupteten daneben ihre selbstständigen Verbände. Der Yuan-Hof stand einer wachsenden Zahl von Gegnern gegenüber.

Für Dadu hatte dies Folgen, die über die Kämpfe in einer Provinz hinausgingen. Der Hof war auf Lieferungen aus dem Süden angewiesen. Wer einen Hafen oder einen Abschnitt der Wasserwege beherrschte, konnte über die Weiterfahrt von Getreide entscheiden. Anordnungen aus der Hauptstadt verloren ihre Wirkung, wenn die Menschen entlang der Strecke anderen Befehlshabern folgen mussten.

Die Behörden hatten 1351 Arbeiter entsandt, um den Wassertransport wieder zu sichern. Wenige Jahre später mussten sie mit Heerführern verhandeln, die an diesen Wegen eigene Machtbereiche aufbauten. Die Frage, ob ein beladenes Schiff Dadu erreichte, wurde nun auch auf den Schlachtfeldern entschieden.


Moderne Übersicht über langfristige Laufverlagerungen des Gelben Flusses. Keine Detailkarte der Deicharbeiten von 1351.
Moderne Übersicht über langfristige Laufverlagerungen des Gelben Flusses. Keine Detailkarte der Deicharbeiten von 1351.

Zum Weiterlesen

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Bildnachweis

Titel: Toghon Temür in der Überlieferung einer Hofbildrolle. Wikimedia Commons, Zhou Lang zugeschrieben; Palastmuseum Beijing; Ausschnitt über Wikimedia Commons. Gemeinfrei.

Hukou: Sedimentreiches Wasser am Gelben Fluss. Wikimedia Commons, H2v5o68z. CC0 1.0.

Karte: Die wechselnden Läufe des Gelben Flusses. Wikimedia Commons, Stevenliuyi; Bearbeitung: Esiymbro. CC BY-SA 4.0.

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