Gaoyou – Die Absetzung des Feldherrn Toqto’a

Der Danao-Fluss in Gaoyou, heutige Ansicht.

Toqto’a führte 1354 ein großes Yuan-Heer gegen Gaoyou. In der Stadt hatte sich Zhang Shicheng mit seinen Anhängern festgesetzt. Der kaiserliche Befehlshaber gewann im Umland Gelände und ließ die Befestigungen angreifen. Dann erreichte ihn im Winter 1354/55 die Nachricht, dass der Kaiser ihn seines Amtes enthoben hatte.

Die Entscheidung kam aus Dadu, während die Armee vor dem Gegner stand. Toqto’a befolgte den Befehl und gab das Kommando ab. Sein Abgang unterbrach einen Feldzug, auf den die Regierung große Mittel verwendet hatte. Die zusammengerufenen Truppen verloren den Mann, unter dem sie als gemeinsames Heer eingesetzt worden waren.

Ein Kanzler übernimmt das Heer

Toqto’a gehörte zu den führenden Männern der Regierung Kaiser Toghon Temürs. Er war als Kanzler für weitreichende Entscheidungen zuständig und hatte den Versuch unterstützt, durch große Wasserbauarbeiten die Verhältnisse am Gelben Fluss zu verbessern. Die Aufstände machten nun den unmittelbaren Einsatz militärischer Gewalt zur Aufgabe des Hofes.

Die Yuan mussten an vielen Orten zugleich handeln. Eine rebellierende Gruppe konnte eine Stadt übernehmen und dort Waffen und Vorräte gewinnen. Ihr Erfolg ermutigte weitere Gegner der örtlichen Behörden. Wartete die Regierung ab, konnten aus einzelnen Erhebungen befestigte Machtbereiche werden.

Der Hof konnte Truppen aus unterschiedlichen Regionen zusammenziehen. Ihre Kommandeure und Mannschaften besaßen jedoch nicht überall dieselben Bindungen. Die gemeinsame Führung musste ihren Einsatz verbinden und dafür sorgen, dass die Männer rechtzeitig versorgt wurden.

Ein Kanzler, der selbst den Oberbefehl übernahm, brachte den Rang der Zentralregierung in das Heer. Seine Befehle konnten auf Entscheidungen verweisen, die unmittelbar beim Kaiser lagen. Für die örtlichen Kommandeure war dadurch klarer, wer über ihre Aufgabe und spätere Belohnung entscheiden sollte.

Zhang Shicheng an den Wasserwegen

Zhang Shicheng stammte aus dem Salztransport und hatte sich 1353 gegen die Yuan erhoben. Der Handel und die Arbeit auf den Wasserwegen hatten ihn mit Menschen verbunden, die sich in der Region auskannten und Waren bewegen konnten. Aus diesen Beziehungen gewann er Unterstützung für seine eigene bewaffnete Macht.

Gaoyou im heutigen Jiangsu lag an wichtigen Wasserverbindungen zwischen dem Huai-Gebiet und dem unteren Jangtse. Eine dort befestigte Gruppe konnte den Verkehr behindern und Einnahmen an sich ziehen. Für die Regierung ging es deshalb um mehr als die Rückgewinnung einer einzelnen Stadt.

Zhang hatte einen eigenen Herrschaftsanspruch erhoben. Er war nicht einfach ein Untergebener aller anderen Anführer, die gegen die Yuan kämpften. Der Hof musste daher damit rechnen, dass mehrere Gegner nebeneinander selbstständige Gebiete ausbauten und sich dabei auch untereinander bekämpften.

Toqto’as Angriff bedrohte einen solchen Machtbereich, bevor er sich dauerhaft festigen konnte. 1354 schlugen die Yuan-Truppen gegnerische Verbände zurück. Zhang zog sich hinter die Befestigungen Gaoyous zurück. Die kaiserliche Armee belagerte die Stadt und setzte den Angriff fort.

Stadtmauer und Kui-Turm von Gaoyou in ihrem heutigen Zustand. Die Anlage enthält jüngere Bau- und Restaurierungsphasen.
Stadtmauer und Kui-Turm von Gaoyou in ihrem heutigen Zustand. Die Anlage enthält jüngere Bau- und Restaurierungsphasen.

Ein mächtiger Mann fern vom Hof

Der Feldzug stärkte zunächst den Oberbefehlshaber. Wenn Toqto’a Erfolg hatte, konnte er als der Mann auftreten, der dem Kaiser ein wichtiges Gebiet zurückgewann. Seine Stellung als Kanzler verband sich dabei mit der unmittelbaren Führung eines großen Heeres.

Zu seinen Gegnern gehörte der hohe Amtsträger Hama, den Toqto’a zuvor zurückgesetzt hatte. Während des Feldzugs brachte Hama Anschuldigungen gegen ihn vor. Toghon Temür musste damit über einen Mann entscheiden, den er selbst mit den wichtigsten militärischen Mitteln ausgestattet hatte.

Der Kaiser ließ ihn absetzen. Toqto’a erhielt den Befehl, die Führung abzugeben, während die Belagerung noch nicht entschieden war. Seine persönlichen Gegner konnten damit eine Veränderung herbeiführen, deren Folgen weit über die Verteilung eines Amtes in der Residenz hinausreichten.

Für den Befehlshaber stand die Frage im Raum, ob er gehorchen oder seinen Feldzug zunächst weiterführen sollte. Er entschied sich zur Befolgung. Toqto’a trat zurück und wurde in die Verbannung geschickt; die ihm unterstellten Truppen führte er nicht gegen den Kaiser. 1356 wurde er getötet.

Ein Heer verliert den Zusammenhalt

Die Versammlung großer Truppenmengen bedeutete nicht, dass sie nach dem Verlust ihres Oberbefehlshabers ohne Weiteres unter einer neuen Führung zusammenblieben. Die einzelnen Verbände hatten eigene Kommandeure. Ihre Verbindung zum Hof konnte über die Person Toqto’as vermittelt worden sein.

Nach seiner Absetzung zerfiel der große Heeresverband. Männer entfernten sich oder kehrten unter anderen Befehlshabern in ihre bisherigen Gebiete zurück. Die Belagerung verlor damit jene gebündelte Kraft, die den Gegner unmittelbar bedroht hatte. Zhang Shicheng behauptete sich.

Wie sicher der Fall Gaoyous ohne die Absetzung gewesen wäre, lässt sich nicht feststellen. Die Annahme eines bereits gewonnenen Krieges würde dem Hof im Rückblick eine Gewissheit geben, die ein laufender Feldzug nicht besaß. Der Abzug Toqto’as ist auch ohne diese Annahme ein schwerer Eingriff: Die Regierung schwächte die eigene gemeinsame Führung vor einer noch nicht eroberten Stadt.

Zugleich lernten die überlebenden Gegner der Yuan, dass sie Zeit gewinnen konnten, wenn sich die Regierung selbst blockierte. Eine belagerte Stadt musste nicht in jeder Lage aus eigener Kraft siegen. Es konnte genügen, die Kämpfe zu überstehen, bis sich bei den Angreifern die Befehle änderten.

Der Hof benötigt neue Verbündete

Nach dem Scheitern der großen Unternehmung mussten die Yuan stärker auf Befehlshaber zurückgreifen, die sich in einzelnen Regionen behaupteten. Diese Männer verfügten dort über eigene Truppen und konnten deren Versorgung mit örtlichen Einnahmen verbinden.

Der Kaiser verlieh ihnen Ämter und erwartete dafür Unterstützung. Ihre tatsächliche Macht hing jedoch zunehmend daran, welche Gebiete sie hielten und welche Soldaten ihnen folgten. Eine Anweisung aus Dadu musste deshalb gegen die Interessen eines Mannes abgewogen werden, der sie vor Ort ausführen sollte.

Auch frühere Gegner konnten durch Titel und Zugeständnisse in solche Beziehungen eintreten. Zhang Shicheng nahm später selbst Yuan-Ämter an, ohne seine eigenständige Machtbasis aufzugeben. Der Hof gewann damit vorübergehend einen Partner und blieb zugleich auf dessen Bereitschaft zur Zusammenarbeit angewiesen.

Vor Gaoyou hatte die Regierung noch einmal versucht, einen Gegner mit einem großen, gemeinsam geführten Heer zu beseitigen. Nach Toqto’as Abgang musste sie mit Männern verhandeln, deren Truppen sie brauchte und deren Ämter sie vergeben konnte. Ob diese Männer einem Befehl folgten, hing nun immer stärker auch davon ab, was sie ohne den Hof durchzusetzen vermochten.


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Bildnachweis

Titel: Gaoyous Danao-Fluss. Wikimedia Commons, Huangchenhai. CC BY-SA 4.0.

Befestigung: Stadtmauer und Kui-Turm von Gaoyou. Wikimedia Commons, Huanokinhejo. CC BY-SA 4.0.

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