Bolod Temür 1364 – Ein Feldherr besetzt Dadu

Toghon Temür in der Überlieferung einer Yuan-Hofbildrolle; vorhandener Ausschnitt.

Bolod Temür zog 1364 mit seinen Soldaten in Dadu ein. Der Kronprinz Ayushiridara floh aus der Hauptstadt. Kaiser Toghon Temür blieb in seiner Residenz, musste nun aber mit einem Heerführer regieren, der sich durch die Anwesenheit eigener Truppen unmittelbaren Einfluss auf den Hof verschafft hatte.

Erhaltener Stampflehmwall von Dadu im heutigen Yuan-Stadtmauerpark in Beijing.
Erhaltener Stampflehmwall von Dadu im heutigen Yuan-Stadtmauerpark in Beijing.

Bolod trat mit dem Anspruch auf, schädliche Einflüsse aus der Umgebung des Kaisers zu entfernen. Ein solcher Anspruch konnte den Vormarsch gegen andere Amtsträger rechtfertigen, ohne sich offen gegen den Herrscher zu richten. Tatsächlich änderte der Einzug bewaffneter Gefolgsleute, wer am Hof Entscheidungen durchsetzen konnte.

Die Hauptstadt braucht Soldaten

Toghon Temür regierte seit 1333. In den folgenden Jahrzehnten hatten Aufstände weite Teile seines Reiches erfasst. Die Roten Turbane drangen zeitweise bis in die Nähe Dadus vor. Andere Anführer hielten Gebiete im Süden, deren Steuern und Lebensmittel der Hauptstadt fehlten.

Die Regierung konnte sich dabei auf Menschen stützen, die weiterhin für die Yuan kämpfen wollten. Doch die bedeutenden Truppenverbände standen zunehmend unter Männern mit eigenen regionalen Machtgrundlagen. Der Kaiser verlieh ihnen Titel und verlangte Unterstützung. Wie weit sie seine Anweisungen ausführten, hing auch davon ab, ob diese mit ihren Interessen übereinstimmten.

Zu diesen Kommandeuren gehörte Bolod Temür, dessen Kräfte im Norden Chinas standen. Köke Temür, ein weiterer bedeutender Heerführer, verfügte über Truppen in Shanxi. Beide stützten militärisch eine Dynastie, deren unmittelbarer Zugriff auf das Land geschrumpft war.

Eine Truppe konnte gegen Aufständische eingesetzt werden und zugleich zum Mittel eines Streits innerhalb der Regierung werden. Wer den Kaiser schützen sollte, besaß unter Umständen genügend Soldaten, um seine Umgebung zu beherrschen. Die Sicherheit des Hofes und seine Abhängigkeit von Heerführern wuchsen dadurch gemeinsam.

Der Kronprinz verlässt den Hof

Ayushiridara war der Sohn und Thronfolger Toghon Temürs. Er musste seine eigene Stellung für die Nachfolge sichern und arbeitete an Entscheidungen der laufenden Regierung mit. Daraus entstanden Interessen, die nicht immer mit denen seines Vaters und dessen Mitarbeitern übereinstimmten.

Bolods Einmarsch traf die Gruppe um den Kronprinzen. Ayushiridara verließ Dadu und suchte Unterstützung bei Köke Temür. Der Konflikt am Hof verlagerte sich dadurch in das Verhältnis zwischen zwei militärischen Machtbereichen. Der Prinz brachte seinen dynastischen Rang mit; sein Verbündeter konnte die Soldaten stellen.

Bolod gewann in Dadu Einfluss auf die Regierung. Seine Stellung beruhte darauf, dass sich der Kaiser und die Behörden in Reichweite seiner Truppen befanden. Die Flucht des Kronprinzen beseitigte jedoch keine gegnerische Dynastie. Sie brachte einen berechtigten Thronfolger zu einem anderen Heerführer, der den Anspruch auf Schutz des Kaiserhauses ebenfalls für sich nutzen konnte.

Für die Beamten in der Hauptstadt wurde damit unklarer, wie sie sich gegenüber den konkurrierenden Gruppen verhalten sollten. Ein Befehl konnte den Namen des Kaisers tragen und zugleich unter den Bedingungen des militärischen Drucks entstehen. Wer sich mit der gerade stärkeren Gruppe verband, musste mit deren möglicher Niederlage rechnen.

Ein Erlass Toghon Temürs aus Dadu von 1362 in Phagspa-Schrift.
Ein Erlass Toghon Temürs aus Dadu von 1362 in Phagspa-Schrift.

Der Kaiser lässt Bolod töten

Die Gegner bereiteten die Rückkehr vor. Der Kronprinz erhielt militärische Unterstützung, während Bolod in der Hauptstadt blieb. Toghon Temür nutzte 1365 die veränderte Lage, um gegen den Mann vorzugehen, der sich im Vorjahr mit Gewalt Einfluss verschafft hatte.

Bolod wurde bei einem Anschlag im Palastbereich getötet. Damit verlor sein Verband den führenden Mann, und die unmittelbare Herrschaft des Generals über den Hof endete. Der Kaiser konnte sich auf diese Weise eines gefährlichen Helfers entledigen, ohne selbst ein großes Heer gegen ihn im Feld geführt zu haben.

Die Unterstützung, die dies ermöglicht hatte, blieb jedoch bestehen. Köke Temür und die mit ihm verbundenen Truppen gewannen ihrerseits Einfluss. Der Kronprinz kehrte zurück. Das Verhältnis zwischen Kaiser, Thronfolger und Kommandeur musste nun neu ausgehandelt werden.

Köke hatte sich als unverzichtbarer militärischer Helfer erwiesen. Gerade dieser Erfolg machte ihn für die übrigen Beteiligten bedrohlich. Er konnte für seine Gefolgschaft Vorteile verlangen und Entscheidungen beeinflussen. Aus Sicht des Hofes stellte sich damit erneut die Frage, wie viel eigene Befehlsgewalt ein Mann besitzen durfte, dessen Soldaten gebraucht wurden.

Kämpfe innerhalb der eigenen Seite

Der Konflikt endete daher nicht mit Bolods Tod. Toghon Temür versuchte, Köke Temürs Stellung einzuschränken. Anordnungen gegen ihn führten zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Kommandeuren, die formal derselben Dynastie dienten.

Die Kriege banden Truppen in Nordchina. Soldaten mussten auf Märschen versorgt werden und griffen dabei auf die Vorräte der Bevölkerung zurück. In Gebieten, die schon unter früheren Kämpfen gelitten hatten, erschwerte jeder neue Durchzug die Bestellung der Felder. Die Versorgung der Hauptstadt wurde dadurch zusätzlich belastet.

Der Hof konnte diese Belastung nicht einfach vom übrigen Reich abtrennen. Seine Einnahmen mussten in eben jenen Bezirken erhoben werden, in denen Truppen für rivalisierende Heerführer standen. Ein militärischer Sieg eines Verbündeten schützte ihn vor einem Gegner, konnte aber dessen eigenen Zugriff auf das Gebiet verstärken.

Auch die Lieferungen aus dem Süden blieben unsicher. Zeitweise waren über die Küste wieder Getreideschiffe nach Dadu gelangt. Die Regierung hatte dafür mit Machthabern zusammenarbeiten müssen, die aus früheren Aufständen hervorgegangen waren. Als diese Unterstützung ausblieb, zeigte sich erneut, wie wenig eine kaiserliche Anweisung allein die Weiterfahrt der Schiffe sichern konnte.

Ein Gegner im Süden gewinnt Raum

Während die Yuan-Heerführer gegeneinander kämpften, setzte sich Zhu Yuanzhang im Süden gegen seine Rivalen durch. Sein Machtbereich bot ihm die Möglichkeit, Truppen und Vorräte für weitere Feldzüge zusammenzuziehen. Die inneren Kämpfe der Yuan erleichterten seine Lage, weil deren stärkste Verbände nicht verlässlich zu einer gemeinsamen Abwehr verbunden wurden.

Der Hof in Dadu bestand weiter. Toghon Temür war nach Bolods Tod im Amt geblieben, und sein Sohn hielt an der Nachfolge fest. Ihre Fähigkeit, größere militärische Unternehmungen nach einem gemeinsamen Plan zu führen, war jedoch durch das Verhältnis zu den Kommandeuren eingeschränkt.

Die Erfahrungen von 1364 und 1365 zeigten den Beteiligten sehr konkret, wie sich Macht am Hof verschieben ließ. Ein Heer konnte einen Kronprinzen vertreiben; ein Anschlag konnte den verantwortlichen Feldherrn beseitigen. Nach jeder solchen Entscheidung mussten die übrigen Männer erneut prüfen, auf welche bewaffnete Unterstützung sie zählen konnten.

Als neue Heere aus dem Süden nach Norden vorrückten, blieben diese offenen Rechnungen bestehen. Die Verteidigung Dadus hing an Befehlshabern, deren Verhältnis zum Kaiser zuvor selbst Gegenstand von Kämpfen gewesen war.


Zum Weiterlesen

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Bildnachweis

Titel: Toghon Temür in der Überlieferung einer Hofbildrolle. Wikimedia Commons, Zhou Lang zugeschrieben; Palastmuseum Beijing; Ausschnitt über Wikimedia Commons. Gemeinfrei.

Hauptstadtmauer: Dadus erhaltene Stampflehmwälle. Wikimedia Commons, rheins. CC BY 3.0.

Herrschaftszeugnis: Ein Erlass Toghon Temürs aus Dadu, 1362. Wikimedia Commons, Unbekannter Schreiber im Auftrag Toghon Temürs. Gemeinfrei.

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