Khubilai ließ 1286 im Süden nach Männern suchen, die seiner Regierung dienen konnten. Unter den Ausgewählten war Zhao Mengfu aus Wuxing, dem heutigen Huzhou. Er war ein Nachkomme des Song-Kaiserhauses. Wenige Jahre nach dem Untergang dieser Dynastie nahm er die Einladung an und trat in den Dienst des Herrschers, dessen Armeen ihre Herrschaft beseitigt hatten.
Zhao war als Schriftkundiger und Künstler ausgebildet. Am Yuan-Hof wurde er jedoch als Amtsträger tätig. Seine Entscheidung stellte ihn in eine Lage, die sich mit der Herkunft aus dem besiegten Kaiserhaus nicht einfach auflösen ließ. Er arbeitete an der Regierung der neuen Dynastie mit und hielt zugleich an Überlieferungen fest, die er aus der gelehrten Welt der Song kannte.
Ein Leben nach dem Dynastiewechsel
Zhao Mengfu wurde 1254 geboren. Seine Familie lebte im wohlhabenden Süden, in einer Landschaft, deren Städte Gelehrte und Sammler miteinander verbanden. Bücher und Schriftstücke gehörten zu jener Ausbildung, mit der ein Mann sich auf ein Amt vorbereiten konnte. Malerei stand daneben in engem Austausch mit Kalligrafie und Dichtung.

Der Untergang des Song-Staates veränderte die möglichen Lebenswege. Die bisherigen Prüfungen und Stellen standen nicht mehr in gewohnter Form offen. Einige Angehörige der gebildeten Familien zogen sich zurück. Sie lebten von eigenem Besitz oder von Tätigkeiten, die ihnen außerhalb des Staatsdienstes offenstanden.
Andere nahmen Ämter unter den Yuan an. Dafür gab es keine einheitliche persönliche Erklärung. Ein Einkommen konnte ebenso wichtig sein wie die Aussicht, in der Regierung Einfluss auszuüben. Für Nachkommen des Kaiserhauses kam eine zusätzliche Frage hinzu: Wie würde der Dienst unter dem Sieger gegenüber Verwandten und Freunden erscheinen, die an der besiegten Dynastie festhielten?
Zhao blieb zunächst im Süden. Als Khubilais Beauftragter Cheng Jufu nach geeigneten Männern suchte, fiel die Wahl auch auf ihn. Der Weg nach Norden führte ihn in eine Hauptstadt, in der die Regierung auf Menschen unterschiedlicher Herkunft zurückgriff. Sein Rang beruhte dort auf den Aufgaben, die ihm übertragen wurden, und auf dem Zugang zur Gunst des Herrschers.
Als Beamter im Norden
Khubilai konnte mit der Berufung eines Angehörigen des früheren Kaiserhauses zeigen, dass er auch Menschen aus dem Süden für seine Herrschaft gewann. Die Zusammenarbeit gab ihm Zugang zu ihrer Bildung und zu den Verbindungen, die sie mitbrachten. Eine Einladung an einen einzelnen Gelehrten erreichte dadurch auch dessen gesellschaftliches Umfeld.
Für Zhao bedeutete der Dienst konkrete Arbeit in den Behörden. Sein Aufenthalt in Jinan Anfang der 1290er Jahre verband ihn mit einer nordchinesischen Landschaft, die in seiner Familie und im Kreis der Freunde zuvor vor allem durch Texte bekannt gewesen war.
Die Teilung Chinas hatte solche Begegnungen lange erschwert. Der Norden war bereits seit dem 12. Jahrhundert von anderen Dynastien beherrscht worden. Unter den Yuan konnten südliche Gelehrte dort Bilder und ältere Kunstüberlieferungen kennenlernen, zu denen ihre Vorgänger über Generationen nur begrenzten Zugang gehabt hatten.
Zhao nutzte diese Möglichkeiten in seiner eigenen Arbeit. Er griff auf ältere Malweisen zurück und verband die Führung des Pinsels mit seiner Erfahrung als Kalligraf. Die sichtbare Linie konnte dadurch eine eigene Bedeutung gewinnen. Sie musste nicht allein dazu dienen, einen Gegenstand möglichst naturgetreu abzubilden.
Berge für einen Freund
1295 malte Zhao die Herbstfarben in den Qiao- und Hua-Bergen für seinen Freund Zhou Mi. Dessen Familie stammte ursprünglich aus dem Gebiet von Jinan. Zhou war jedoch im Süden geboren worden und hatte die Landschaft seiner Vorfahren nie selbst besucht. Er nahm unter den Yuan kein Amt an.

Zhao konnte ihm eine Gegend zeigen, die er im Dienst der neuen Dynastie kennengelernt hatte. Das Bild machte sie als Landschaft mit Wasserflächen und verstreuten Häusern gegenwärtig. Der persönliche Austausch führte damit Menschen zusammen, die nach dem Dynastiewechsel unterschiedliche Wege gewählt hatten.
Die Rolle war ein Geschenk, in dem Erinnerung und Freundschaft mit der Darstellung eines Ortes verbunden wurden; einen amtlichen Bericht über den Bezirk lieferte sie nicht. Gerade die Wahl des Empfängers zeigt, dass der Staatsdienst den Kontakt zu einem zurückgezogen lebenden Freund nicht ausschloss.
Die Freundschaft darf umgekehrt nicht als Beleg dafür gelesen werden, dass die Entscheidung für den Hofdienst belanglos geworden wäre. Zhaos Stellung blieb durch seine Herkunft geprägt. Seine Bilder eröffneten ihm jedoch eine Form des Austauschs, in der ein Mensch mehr darstellen konnte als seine jeweilige amtliche Zugehörigkeit.
Pferde und die Verwendung von Fähigkeiten
Zu Zhaos wichtigen Bildthemen gehörten Pferde. Sie waren am mongolischen Hof naheliegende Gegenstände; in der älteren chinesischen Überlieferung konnten sie zugleich für die Fähigkeiten eines Menschen stehen. Wer ein gutes Pferd erkannte und richtig einsetzte, bot ein Bild für die Auswahl geeigneter Amtsträger.
Eine 1296 entstandene Darstellung eines Pferdes mit seinem Pfleger lässt sich in diesem Zusammenhang lesen. Die Beziehung zwischen dem geführten Tier und dem Menschen berührte eine Frage, die auch für Zhao selbst galt: Wie wurde Können erkannt, und wem stand es zur Verfügung?
Eine solche Deutung ist keine verschlüsselte Erklärung jedes einzelnen Pinselstrichs. Sie beruht auf einem Bildthema, das Betrachtern aus der gelehrten Überlieferung vertraut war. Dass der Künstler selbst als Beamter arbeitete, gab dem Thema zusätzlichen Bezug zu seiner Lebenswelt.
In Dadu trafen Maler auf weitere Förderer. Mitglieder des Hofes sammelten Bilder und konnten Künstler durch Ämter oder Aufträge unterstützen. Die Werkstätten und die Kreise der Gelehrten waren miteinander verbunden, ohne dass jede künstlerische Arbeit unmittelbar vom Kaiser bestellt werden musste.
Ein Bild wandert weiter
Zhaos Werke wurden auch nach seinem Tod gesammelt und mit Inschriften versehen. Spätere Betrachter fragten nach seiner Stellung in der Kunst ebenso wie nach seinem Verhältnis zur Yuan-Herrschaft. Der Wert eines Bildes konnte damit aus einer Arbeit erwachsen, deren ursprünglicher Anlass längst vergangen war.
Der Dynastiewechsel blieb in seiner Laufbahn greifbar: Ein Mann aus dem alten Kaiserhaus hatte für den neuen Herrscher gearbeitet und dabei ältere künstlerische Formen neu verwendet. Seine amtlichen Aufgaben und seine Bilder lassen sich zusammen betrachten, ohne jede Darstellung auf ein politisches Bekenntnis festzulegen.
Die Landschaft für Zhou Mi ging als Geschenk an einen Freund im Süden. Dort konnte Zhou Mi die Rolle ausrollen und eine Landschaft betrachten, die er selbst nie besucht hatte. Zhao hatte sie während seiner Amtszeit im Norden kennengelernt.
Zum Weiterlesen
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- Franke, H. & Twitchett, D. (1994): The Cambridge History of China, Vol. 06: Alien Regimes and Border States, 907-1368.*
- Weatherford, J. (2005): Genghis Khan and the Making of the Modern World.*
Bildnachweis
Titel: Mann und Pferd, 1296 – Bildausschnitt. Wikimedia Commons, Zhao Mengfu (1254–1322); Metropolitan Museum of Art. Gemeinfrei.
Personenbild: Zhao Mengfu in einem späteren Hängeporträt. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler; Metropolitan Museum of Art. Gemeinfrei.
Landschaft: Herbstfarben in den Qiao- und Hua-Bergen. Wikimedia Commons, Zhao Mengfu (1254–1322); National Palace Museum, Taipeh; Reproduktion: The Yorck Project. Gemeinfrei.


