Guo Shoujing 1293 – Ein Kanal versorgt Dadu

Moderne Gedenkskulptur für Guo Shoujing am Huitong-Tempel in Beijing.

Getreideschiffe konnten 1293 von Tongzhou bis nach Dadu fahren. Am Jishuitan, einem See innerhalb der Hauptstadt, endete nun ein Wasserweg, für den Guo Shoujing die Zuflüsse untersucht und eine neue Führung vorgeschlagen hatte. Der Tonghui-Kanal schloss eine Lücke zwischen den Ferntransporten aus dem Süden und den Speichern der Residenz.

Für die Beamten, die den Hof versorgen mussten, war das eine erhebliche Erleichterung. Solange die Schiffe in Tongzhou entladen werden mussten, legten Wagen die letzte Strecke zurück. Das Umladen benötigte Arbeitskräfte und Zugtiere. Es verzögerte die Ankunft des Getreides und verteuerte den Unterhalt der Hauptstadt.

Eine Stadt lebt von entfernten Feldern

Khubilai hatte Dadu als Mittelpunkt seiner Herrschaft ausbauen lassen. Angehörige des Hofes lebten mit ihren Bediensteten in den Palästen; in der Stadt standen Wachen im Dienst. Die Behörden beschäftigten Beamte, während Handwerker für kaiserliche Aufträge arbeiteten. Viele dieser Menschen waren auf Lebensmittel angewiesen, die sie nicht selbst erzeugten.

Das Umland konnte einen Teil des Bedarfs decken. Die lange Kriegführung hatte die Landwirtschaft Nordchinas jedoch schwer belastet. Mit der Eroberung der südlichen Song erhielten die Yuan Zugriff auf weitere, ertragreiche Regionen. Von dort ließen sich Abgaben in Form von Reis nach Norden transportieren.

Die Regierung nutzte dafür Schiffe. Neben den Binnenwasserwegen gewann die Fahrt entlang der Küste an Bedeutung. Für große Getreidemengen war der Wassertransport günstiger, als über die gesamte Entfernung Wagen einzusetzen. Er blieb jedoch von Häfen und schiffbaren Verbindungen zum Ziel abhängig.

Tongzhou östlich von Dadu war ein wichtiger Umschlagplatz. Dort kamen die Lieferungen der Hauptstadt bereits nahe. Der Landweg auf dem letzten Abschnitt blieb trotzdem ein Engpass, an dem sich Fuhrleistungen und Kosten sammelten.

Der Mann für Wasser und Messgeräte

Guo Shoujing arbeitete seit Jahrzehnten für Khubilai. Zu seinen Aufgaben gehörten die Untersuchung von Wasserwegen und der Entwurf technischer Anlagen. Er war zugleich an astronomischen Beobachtungen und der Erarbeitung des Shoushi-Kalenders beteiligt.

Beide Aufgaben verlangten genaue Messungen. Wer Wasser ableiten wollte, musste die Höhen und Gefälle des Geländes bestimmen. Wer einen Kalender aus Beobachtungen gewinnen wollte, benötigte geeignete Instrumente und genaue Verfahren. Guo verband solche Kenntnisse mit der Fähigkeit, dem Hof ausführbare Vorhaben vorzuschlagen.

Bereits in den 1260er Jahren hatte er Möglichkeiten einer schiffbaren Verbindung nach Tongzhou untersucht. Die Schwierigkeiten lagen vor allem darin, ausreichend Wasser auf eine geeignete Höhe zu bringen. Ein Kanal konnte nicht allein dadurch entstehen, dass Arbeiter eine Rinne zwischen zwei Orten aushoben. Ohne verlässliche Zuflüsse blieb er zu flach, während unkontrolliertes Wasser die Umgebung überfluten konnte.

Frühere Arbeiten im Hauptstadtgebiet hatten solche Risiken sichtbar gemacht. Der Versuch, Wasser eines schlammführenden Flusses für Bau und Transport zu nutzen, führte zu Ablagerungen und Überschwemmungen. Größere Wassermengen waren nicht unter allen Bedingungen ein Vorteil. Entscheidend war, woher sie kamen und wie sie sich im Kanal verhielten.

Wasser aus dem Norden

1291 legte Guo einen überarbeiteten Vorschlag vor. Er wollte Wasser aus der Baifu-Quelle bei Changping im Norden heranführen. Die geplante Strecke nutzte die Verhältnisse am Rand der westlichen Berge und verband weitere Gewässer, bevor das Wasser in die Hauptstadt gelangte.

Im Stadtgebiet sollte es sich im Jishuitan sammeln. Von dort führte die Verbindung durch Dadu und weiter in Richtung Tongzhou. Die Führung musste den Höhenunterschied zwischen den Abschnitten so bewältigen, dass Schiffe passieren konnten und das Wasser nicht zu rasch ablief.

Schleusen und Wassertore teilten die Strecke. Sie ermöglichten es, die Wasserhaltung abschnittsweise zu regeln. Ein Schiff konnte so zwischen unterschiedlich hohen Bereichen weiterbewegt werden, ohne dass der gesamte Kanal den Stand des tieferen Endes annahm. Die Anlage brauchte danach Menschen, die die Tore bedienten und auf ausreichenden Wasserstand achteten.

Die Wanning-Brücke in Beijing, heutige Ansicht. Die im Kern von 1285 stammende Brücke liegt am historischen Chengqing-Schleusenbereich.
Die Wanning-Brücke in Beijing, heutige Ansicht. Die im Kern von 1285 stammende Brücke liegt am historischen Chengqing-Schleusenbereich.

Khubilai billigte den Vorschlag. 1292 begannen die Arbeiten, die im folgenden Jahr abgeschlossen wurden. Soldaten und Handwerker waren am Bau beteiligt. Sie gruben Verbindungen aus und errichteten die Anlagen, deren Lage zuvor vermessen worden war.

Schiffe in der Hauptstadt

Nach der Fertigstellung konnten die Getreideschiffe die Hauptstadt direkt erreichen. Ein zeitgenössischer Bericht beschreibt den Jishuitan als mit dicht aneinanderliegenden Fahrzeugen bedeckt. Die Formulierung zeigt, welchen Eindruck die Ankunft der Transporte in einem innerstädtischen Gewässer hinterließ.

Der Kanal nahm den Fuhrleuten einen erheblichen Teil der bisherigen letzten Strecke ab. Er beseitigte aber nicht alle Arbeiten, die zwischen den südlichen Feldern und den Küchen Dadus lagen. Getreide musste weiterhin eingezogen und auf den langen Wegen bewacht werden. In der Stadt wurde es entladen und auf Speicher verteilt.

Ein Teil des Reises floss in die Versorgung des Hofes. Getreide gelangte außerdem zu anderen Empfängern, die es als Bestandteil ihres Unterhalts oder ihrer Besoldung erhielten. Weil der Staat zudem Getreide an Einwohner der Stadt abgab, konnten Lieferprobleme weit über den Palast hinaus spürbar werden.

Der Wasserweg war außerdem keine einmalige, danach erledigte Baumaßnahme. Ablagerungen mussten entfernt und Beschädigungen behoben werden. Ein Tor, das nicht rechtzeitig geöffnet oder geschlossen wurde, konnte die Fahrt auf einem ganzen Abschnitt behindern. Das technische Wissen aus der Planung musste in einen regelmäßigen Betrieb übergehen.

Getreide aus dem Süden

Bis Tongzhou blieb die Regierung auf die Erträge der südlichen Provinzen und den Ferntransport angewiesen; Guos Kanal erleichterte den letzten Abschnitt bis Dadu.

Diese Abhängigkeit gehörte zum Betrieb einer großen Residenz. Die Hauptstadt versammelte Menschen, deren Aufgaben der Herrschaft dienten; die Mittel für ihren Lebensunterhalt kamen zu einem erheblichen Teil von außerhalb. Mit jedem Transport wurde diese Verbindung praktisch vollzogen.

Guo Shoujing hatte dafür eine Lösung auf dem Gelände gefunden. Sein Kanal verband Wasserquellen und vorhandene Wege so, dass sich eine Last bis in die Stadt bewegen ließ. Nach der Eröffnung übernahmen Schleusenwärter und Schiffsbesatzungen die tägliche Arbeit an dieser Verbindung. Für sie entschied sich ihr Nutzen daran, ob das nächste beladene Fahrzeug passieren konnte.


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Bildnachweis

Titel: Guo Shoujing am Huitong-Tempel. Wikimedia Commons, Rolfmueller. CC BY-SA 3.0.

Wasserbau: Die Wanning-Brücke am historischen Schleusenbereich. Wikimedia Commons, N509FZ. CC BY-SA 4.0.

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