Ayurbarwada 1315 – Die Rückkehr der Beamtenprüfungen

Ayurbarwada, der Yuan-Kaiser Renzong, im historischen Yuan-Kaiseralbum.

Die Yuan-Regierung ließ 1315 erstmals nach ihrem neuen Prüfungsplan Kandidaten bis zur höchsten Stufe antreten. Kaiser Ayurbarwada hatte die Wiederaufnahme 1313 angeordnet. Männer, die sich mit den konfuzianischen Schriften vorbereitet hatten, konnten nun durch ein staatlich geregeltes Verfahren einen Abschluss und Aussicht auf ein Amt gewinnen.

Die Entscheidung veränderte einen wichtigen Zugang zum Dienst. Unter den Yuan war es lange vor allem auf persönliche Förderung und den Rang der Familie angekommen, wenn jemand eine Stelle erhalten wollte. Diese Wege blieben bestehen. Die Prüfung fügte ihnen eine Möglichkeit hinzu, deren Bedeutung weit über die Zahl der zunächst vergebenen Abschlüsse hinausging.

Stellen für die Gefolgschaft

Die Mongolen hatten zur Verwaltung ihrer Eroberungen Menschen unterschiedlicher Herkunft herangezogen. Einige gehörten zur unmittelbaren Gefolgschaft des Herrschers. Andere brachten Sprachkenntnisse oder Erfahrung aus den Behörden der besiegten Dynastien mit.

Für die Angehörigen verdienter Männer konnten solche Dienste zum Familienvorteil werden. Hochgestellte Amtsträger durften Nachkommen für Stellen vorschlagen. Der Rang des Vaters oder Großvaters eröffnete damit einen Weg, den ein Kandidat aus einer Familie ohne solche Beziehungen nicht in gleicher Weise benutzen konnte.

Die Herrscher mussten auf diese Gefolgschaften Rücksicht nehmen. Ihre Angehörigen stellten Soldaten und besetzten wichtige Ämter. Eine vollständig nach schriftlichen Leistungen neu verteilte Verwaltung hätte bestehende Ansprüche erheblich eingeschränkt. Khubilai hatte deshalb kein regelmäßiges Prüfungssystem nach dem Muster der Song eingerichtet.

Trotzdem bestanden Schulen und gelehrte Ausbildung fort. Manche dienten unmittelbar der Vorbereitung auf bestimmte Aufgaben. Besonders die Fähigkeit, zwischen Mongolisch und Chinesisch zu übersetzen, konnte einen Zugang zum Amt eröffnen. Ein Staat, dessen Befehle in mehreren Sprachen ausgefertigt wurden, benötigte solche Kenntnisse im Alltag.

Ein Kaiser mit gelehrten Beratern

Ayurbarwada übernahm 1311 nach dem Tod seines Bruders Khaishan die Herrschaft. Er wird als Kaiser Renzong in den chinesischen Dynastiegeschichten geführt. Seine Ausbildung hatte ihn mit konfuzianischen Texten und den damit verbundenen Vorstellungen über die Aufgaben eines Herrschers vertraut gemacht.

Für seine Berater bot die Rückkehr der Prüfungen eine Möglichkeit, den Einfluss gelehrter Amtsträger zu stärken. Ein Kandidat sollte zeigen, dass er die maßgeblichen Texte beherrschte und sich in deren Auslegung zurechtfand. Diese Kenntnisse galten als Grundlage, um Anordnungen zu verfassen und an der Regierung mitzuwirken.

1313 wurde das Vorhaben angeordnet. Der Erlass war noch nicht mit der ersten abgeschlossenen Auswahl gleichzusetzen. Die Durchführung verlangte Regeln für die Zulassung und Prüfer, die die Arbeiten bewerteten. Bis 1315 konnte das Verfahren über die verschiedenen Stufen bis zum höchsten Abschluss umgesetzt werden.

Damit stellte der Kaiser einen Zusammenhang zwischen Bildung und Staatsdienst wieder her, auf den viele gelehrte Familien Wert legten. Er griff zugleich in die Auswahl seiner Amtsträger ein. Die Prüfungen mussten zu einer Regierung passen, deren führende Stellen und Vorrechte aus der mongolischen Eroberung hervorgegangen waren.

Unterschiedliche Voraussetzungen

Die Kandidaten traten nicht unter einheitlichen Bedingungen an. Die Regierung unterschied Bewerber nach ihrer Zuordnung zu den Gruppen der Mongolen und der Semu sowie zu den Menschen aus den früher beherrschten Gebieten Nordchinas und dem eroberten Song-Süden.

Semu war eine Verwaltungskategorie, unter der Menschen verschiedener Herkunft zusammengefasst wurden, darunter zahlreiche Personen aus Zentral- und Westasien. Sie bezeichnete kein einheitliches Volk. Ebenso wenig waren die Gruppen der nördlichen und südlichen Untertanen allein durch die Sprache voneinander getrennt. Frühere politische Zugehörigkeiten wirkten in der Einteilung fort.

Die Zuordnung beeinflusste Prüfungsanforderungen und die Verteilung der zugelassenen Abschlüsse. Mongolische und Semu-Kandidaten erhielten dabei Vorteile. Für sie sah die Ordnung zwei schriftliche Prüfungsabschnitte vor, für Kandidaten aus Nord- und Südchina drei. Die große Zahl gelehrter Bewerber im Süden konnte sich deshalb nicht einfach entsprechend ihrer Größe in Prüfungserfolge umsetzen.

Bei der Vergabe eines staatlichen Abschlusses mussten die Behörden entscheiden, welcher Kategorie sie einen Bewerber zurechneten. Das geschah in einer Gesellschaft, in der Menschen ihren Aufenthaltsort wechselten und die Sprache anderer Untertanen lernten. Ehen verbanden zudem Menschen über die Gruppengrenzen hinweg.

Was im Prüfungsraum zählte

Prüfungsstelen im Pekinger Konfuziustempel. Das Ensemble bewahrt die Namen von Absolventen aus mehreren Dynastien.
Prüfungsstelen im Pekinger Konfuziustempel. Das Ensemble bewahrt die Namen von Absolventen aus mehreren Dynastien.

Die maßgeblichen konfuzianischen Texte bestimmten den Stoff. Ihre Auslegung folgte besonders den Kommentaren des Gelehrten Zhu Xi aus der Song-Zeit. Die Kandidaten sollten ihre Kenntnisse in schriftlichen Arbeiten anwenden und in einer Form darstellen, die die Prüfer anerkannten.

Das verlangte lange Vorbereitung. Familien mussten Bücher und Unterricht ermöglichen. Ein formell zugängliches Verfahren hob die Unterschiede im Besitz und in der verfügbaren Lernzeit nicht auf. Wer täglich für den Unterhalt arbeiten musste, konnte sich schlechter über Jahre auf die Texte konzentrieren.

Ein erfolgreicher Abschluss verschaffte Ansehen. Er gab seinem Träger einen staatlich bestätigten Rang in der gelehrten Welt und konnte den Weg in ein Amt erleichtern. Die vorhandenen Stellen wurden jedoch weiterhin auch über andere Verfahren vergeben. Erbliche Vorrechte und Empfehlungen blieben für die Yuan-Regierung wichtig.

Für den Kaiser konnten die Absolventen zusätzliche Mitarbeiter sein, die ihre Stellung stärker dem neuen Verfahren verdankten. Sie ersetzten aber nicht jene Familien und Kommandeure, auf deren Unterstützung die Dynastie beruhte. Die Zusammensetzung der Behörden änderte sich deshalb schrittweise und blieb vom jeweiligen Herrscher abhängig.

Bildung und der Zugriff auf Ämter

Ayurbarwada bemühte sich auch darum, den Einfluss eigenständig auftretender Fürsten auf die Vergabe örtlicher Ämter einzuschränken. Seine Regierung wollte Entscheidungen stärker an die zentralen Behörden binden. Die Wiederaufnahme der Prüfungen gehörte in dieses Umfeld, in dem der Hof neue Mitarbeiter gewinnen und bestehende Ansprüche begrenzen wollte.

Die Fürsten verfügten ihrerseits über Einkünfte und Gefolgsleute. Sie mussten ihre Befugnisse nicht widerstandslos abgeben. In den folgenden Auseinandersetzungen zeigte sich, dass eine kaiserliche Anordnung nur so weit reichte, wie ihre Träger sie gegenüber mächtigen Empfängern durchsetzen konnten.

In den Schulen bereiteten sich unterdessen neue Kandidaten vor. Für sie bedeutete die Entscheidung von 1313, dass die Arbeit an den alten Schriften wieder unmittelbar zu einer staatlichen Prüfung führen konnte. Ob daraus ein Amt wurde, entschied sich nach dem Erfolg im Prüfungsraum weiterhin auch an den Beziehungen und Entscheidungen außerhalb davon.


Zum Weiterlesen

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Bildnachweis

Titel: Ayurbarwada im Yuan-Kaiseralbum. Wikimedia Commons, Unbekannter Hofkünstler; National Palace Museum, Taipeh. Gemeinfrei.

Prüfungen: Prüfungsstelen im Pekinger Konfuziustempel. Wikimedia Commons, Aaron Zhu. CC BY-SA 3.0.

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