Temür 1304 – Ein Frieden zwischen den mongolischen Khans

Temür, der Yuan-Kaiser Chengzong, im historischen Yuan-Kaiseralbum.

Chapar erkannte 1304 den Vorrang des Großkhans Temür an. Sein Vater Qaidu hatte jahrzehntelang gegen Khubilai und dessen Nachfolger gekämpft. Nun verhandelten Angehörige derselben Herrscherfamilie über eine Verständigung, die die Wege zwischen ihren Reichen wieder öffnen sollte. Der Tschagatai-Herrscher Du’a trieb die Einigung voran.

Die Verständigung betraf das weite Gebiet zwischen China und den westlichen mongolischen Herrschaften. Seit den Bürgerkriegen des 13. Jahrhunderts hatten verschiedene Khans dort eigene Heere geführt und Gebiete beherrscht. Sie konnten sich auf einen gemeinsamen Vorfahren berufen und zugleich gegeneinander Krieg führen. 1304 versuchten sie, dieses Verhältnis neu zu regeln.

Ein Enkel übernimmt Khubilais Stellung

Khubilai war 1294 gestorben. Sein vorgesehener Nachfolger, Kronprinz Zhenjin, hatte nicht mehr gelebt. Die Nachfolge musste deshalb unter den nachrückenden Angehörigen der Familie entschieden werden. Temür, ein Sohn Zhenjins, erhielt die Unterstützung maßgeblicher Fürsten und Heerführer und übernahm die Herrschaft.

Er erbte die chinesische Yuan-Dynastie und den mongolischen Großkhantitel. In Dadu konnte er über die Behörden und Einnahmen eines großen Reiches verfügen. Gegenüber anderen mongolischen Khans reichte die Anerkennung seines Ranges jedoch nicht automatisch aus, um deren Entscheidungen zu bestimmen.

Die Fürsten im Westen führten ihre eigenen Kriege und verfügten über örtliche Amtsträger. Ihre Höfe empfingen Gesandte und trieben Abgaben ein. Ein Befehl des Großkhans musste dort politisch durchgesetzt werden, wenn er mehr sein sollte als ein Ausdruck seiner beanspruchten Vorrangstellung.

Die Beziehungen waren trotzdem nie vollständig abgerissen. Angehörige der Herrscherfamilie besaßen Ansprüche auf Einkünfte außerhalb des unmittelbar von ihnen regierten Landes, und zwischen den Höfen trugen Gesandte weiterhin Nachrichten. Von solchen Verbindungen konnten auch Kaufleute profitieren, sofern ihnen die Wege offenstanden.

Der lange Krieg mit Qaidu

Qaidu gehörte zur Linie Ögödeis. Er hatte die Durchsetzung Khubilais als Großkhan nicht anerkannt und seinen eigenen Machtbereich in Zentralasien ausgebaut. Der Widerstand beruhte damit auf einer anderen Vorstellung davon, wem innerhalb des Hauses Dschingis Khans der Vorrang gebührte.

Der Krieg traf Gebiete, die auch für die Verbindung zwischen China und Zentralasien wichtig waren. Heere mussten versorgt werden, während örtliche Machthaber ihre Stellung zwischen den Gegnern sicherten. Ein Sieg auf einem Feldzug konnte die Grenze verschieben, ohne die Ansprüche der unterlegenen Familie endgültig zu beseitigen.

Temür setzte den Kampf zunächst fort. Seine Befehlshaber mussten verhindern, dass die Angriffe die Verbindungen im Norden und Westen der Yuan gefährdeten. Qaidu starb 1301. Sein Tod eröffnete Spielraum für eine Verständigung, weil seine Nachfolger die gewonnene Stellung erst selbst sichern mussten.

Chapar trat als Erbe Qaidus auf. Du’a, der im Tschagatai-Reich über eigene Macht verfügte, hatte wiederum Gründe, sich aus der Abhängigkeit von Qaidus Familie zu lösen. Die Entscheidung zum Frieden entstand deshalb aus unterschiedlichen Interessen. Ein Ende der Kämpfe konnte allen Beteiligten Vorteile bringen, ohne dass sie dasselbe politische Ziel verfolgten.

Eine Verständigung über den Rang

1304 erkannte Chapar Temür als übergeordneten Großkhan an. Du’a vermittelte die Annäherung und bezog weitere Herrscher in die Verständigung ein. Die gemeinsame Herkunft aus der Familie Dschingis Khans lieferte eine Sprache, in der sich gegenseitige Anerkennung ausdrücken ließ.

Für Temür war die Einigung ein Erfolg. Ein Haus, das seinen Vorgängern den Rang streitig gemacht hatte, ordnete sich nun förmlich ein. Er konnte gegenüber den anderen Höfen mit größerem Gewicht auftreten und auf die Wiederherstellung von Verbindungen dringen.

Die beteiligten Reiche behielten ihre eigenen Khans und deren Machtmittel. Du’a konnte die Anerkennung Temürs gerade dazu nutzen, seine Stellung gegenüber Chapar zu stärken. Der Großkhan erhielt damit Partner, deren Unterstützung an konkrete Vorteile gebunden blieb.

Solche Beziehungen entsprachen einer Herrscherfamilie, deren Angehörige seit Generationen eroberte Gebiete und Einnahmen untereinander aufgeteilt hatten. Die Grenzen zwischen den Machtbereichen waren durch Kriege verhärtet worden. Die Ansprüche auf Vorrang und gemeinsame Zugehörigkeit bestanden daneben weiter.

Die Wege öffnen sich

Die Wiederaufnahme überregionaler Verbindungen gehörte zu den sichtbaren Folgen der Verständigung. Der mongolische Post- und Kurierdienst benötigte Stationen, an denen Reiter Pferde wechseln und sich versorgen konnten. Wenn feindliche Heere zwischen den Herrschaftsgebieten standen, war ein solcher Dienst über die gesamte Entfernung kaum verlässlich zu betreiben.

Der Ilkhan in Iran berichtete 1305 in einem Schreiben an den französischen König über die erneuerten Verbindungen. Der Brief stellte den Frieden als Wiedergewinnung mongolischer Gemeinsamkeit dar. Für Reisende hatte der Frieden einen konkreten Nutzen: Eine Botschaft konnte mehrere Höfe erreichen, ohne an jeder Grenze auf einen offenen Krieg zu treffen.

Öljeitüs Brief an den französischen König Philipp IV. von 1305. Der iranische Ilkhan berichtet darin über den Frieden zwischen den mongolischen Herrschern.
Öljeitüs Brief an den französischen König Philipp IV. von 1305. Der iranische Ilkhan berichtet darin über den Frieden zwischen den mongolischen Herrschern.

Auch der Handel gewann dadurch Spielraum. Kaufleute brauchten Schutz und die Erlaubnis, ihre Waren weiterzuführen. Sie mussten mit den jeweiligen Machthabern verhandeln, doch eine Verständigung zwischen diesen konnte die Reise erleichtern. Die gemeinsamen Interessen der Khans reichten hier über die Frage hinaus, wer welchen Titel trug.

Die Stationen wurden von Menschen unterhalten, die selbst keine Fernreisen unternahmen. Sie stellten Pferde und Verpflegung bereit und erfüllten staatliche Pflichten. Ein wieder geöffneter Weg bedeutete deshalb auch neue Anforderungen an die Bevölkerung entlang seiner Strecke.

Eigenständige Khans nach der Einigung

Der Frieden blieb nicht auf Dauer bestehen. Du’a und die Yuan gewannen in der Folge Einfluss auf Gebiete, die zuvor Qaidus Familie beherrscht hatte. Der gemeinsame Erfolg verschob damit erneut das Verhältnis unter den Beteiligten.

Temür starb 1307. In China begann ein neuer Streit darüber, wer seine Stellung übernehmen sollte. Die anderen mongolischen Höfe mussten nun abwarten, welcher Angehörige der Yuan-Familie die Unterstützung der Heerführer und des Hofes gewinnen würde.

Die Verbindungen nach Westen blieben für den künftigen Herrscher wichtig. Boten brachten weiterhin Ansprüche und Angebote über die großen Entfernungen. An ihren Zielorten entschieden jedoch Männer, die über eigene Armeen verfügten und den Rang des Großkhans mit ihren örtlichen Interessen in Einklang bringen wollten.


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Bildnachweis

Titel: Temür im Yuan-Kaiseralbum. Wikimedia Commons, Unbekannter Hofkünstler; National Palace Museum, Taipeh. Gemeinfrei.

Diplomatie: Öljeitüs Brief an Philipp IV., 1305. Wikimedia Commons, Kanzlei Öljeitüs; Reproduktion laut Dateiseite: Bibliothèque nationale de France. Gemeinfrei.

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