Ayutthaya 1767 – Eine Hauptstadt fällt

Prangs in Wat Mahathat, Ayutthaya, 2025.

Die Überschwemmungszeit konnte für ein Heer vor Ayutthaya zum Problem werden. Wasser bedeckte Teile der Ebene, und für Lager sowie Transporttiere mussten geeignete Plätze gefunden werden. Die Verteidiger der Hauptstadt konnten darauf hoffen, dass ein Gegner seine Belagerung deshalb abbrechen würde. Im Feldzug von 1765 bis 1767 erfüllte sich diese Erwartung nicht.

Der Krieg erreicht die Hauptstadt

In Myanmar hatte sich seit der Mitte des 18. Jahrhunderts die Konbaung-Dynastie durchgesetzt und ihr Herrschaftsgebiet erweitert. Ihr König Hsinbyushin ließ 1765 den Feldzug gegen Ayutthaya führen. Bereits 1760 hatte ein birmanisches Heer die Hauptstadt angegriffen, sie damals aber nicht eingenommen.

Die Angreifer näherten sich auf unterschiedlichen Wegen. Ein Heer kam über den Norden, ein anderes rückte von Westen her vor. Dabei eroberten sie Städte und Gebiete, die Ayutthaya mit Truppen und Vorräten hätten unterstützen können. Mit jedem solchen Verlust wurde es für den Hof schwieriger, Hilfe von außerhalb der Hauptstadt zu erhalten.

In Teilen der älteren Geschichtsschreibung erschien dieser Feldzug als kaum geplanter Raubzug, dessen Teilnehmer erst angesichts siamesischer Schwäche bis zur Hauptstadt vorgestoßen seien. Die birmanischen Chroniken schildern dagegen vorbereitete Operationen und das Zusammenwirken der Heere. Auch diese Darstellung ist aus der Sicht einer Kriegspartei verfasst. Sie überliefert jedoch Entscheidungen der Angreifer, die erklären helfen, warum die Verteidigung der Hauptstadt diesmal scheiterte.

Mehr als eine Mauer

1766 standen die Heere vor Ayutthaya. Wasserläufe und Befestigungen erschwerten den Zugang zur Stadt. Um die bedrohten Stellen zu halten, brauchte die Besatzung jedoch Nachschub. Je länger die Einschließung dauerte, desto wichtiger wurden die noch offenen Verbindungen ins Umland.

Historischer Stadtplan von Ayutthaya aus La Loubères Reisebericht.
Historischer Stadtplan von Ayutthaya aus La Loubères Reisebericht.

Die Verteidiger griffen die Angreifer außerhalb ihrer Befestigungen an. Überlieferte Berichte nennen solche Ausfälle ebenso wie Kämpfe auf dem Wasser. Sie konnten die Einschließung jedoch nicht dauerhaft lösen.

Auch eine Armee, die von außen Hilfe bringen sollte, musste gegen die birmanischen Stellungen im Umland vorgehen. Solange die Angreifer diese Wege beherrschten, konnten sie verhindern, dass Verstärkung die Verteidiger erreichte.

Die Angreifer bleiben

Die Überschwemmungen stellten die Fortsetzung der Belagerung infrage. Nach der überlieferten Darstellung wollten einige birmanische Befehlshaber vorübergehend abziehen und nach dem Hochwasser zurückkehren. Ihr Oberbefehlshaber Mahanoratha lehnte das ab. Er befürchtete, Ayutthaya könnte die Unterbrechung nutzen, um Vorräte aufzufüllen und seine Verteidigung zu verstärken.

Die Truppen richteten ihre Lager deshalb auf erhöhten Plätzen ein, darunter Tempelgelände. Tiere wurden an geeignete Standorte gebracht; gesammelte Boote ermöglichten den Verkehr zwischen den Lagern. Die Angreifer sicherten ihre eigene Versorgung während des Hochwassers und konnten die Stadt weiter einschließen. Ayutthaya bekam damit keine Gelegenheit, sich während eines feindlichen Rückzugs neu zu versorgen.

Mit der Dauer der Belagerung verschlechterte sich die Lage der Eingeschlossenen. Die Überlieferung berichtet von Hunger. Die Angaben zur Versorgung sind allerdings an unterschiedliche Zeitpunkte und Perspektiven gebunden: Vorräte, die in einer frühen Phase noch vorhanden waren, konnten später aufgezehrt sein.

Die Einnahme der Stadt

Im April 1767 gelang den Angreifern der Durchbruch. Als Datum des Falls gilt gewöhnlich der 7. April. Die Überlieferungen stimmen in den Einzelheiten der letzten Kämpfe nicht vollständig überein.

Die Einnahme brachte schwere Zerstörungen. Gebäude brannten, und königlicher Besitz wurde geplündert. Menschen wurden getötet oder als Gefangene fortgeführt. Die Verschleppung entzog dem besiegten Zentrum Arbeitskräfte und Fachkenntnisse. Für die Betroffenen bedeutete sie den erzwungenen Verlust ihres bisherigen Lebensraums.

Nach der Eroberung griffen Menschen weiter in die Bausubstanz ein. Sie trugen Gebäude ab; spätere Umbauten und Restaurierungen veränderten die erhaltenen Reste. Der Hauptprang von Wat Mahathat, der zentrale Tempelturm, stürzte erst 1911 ein. An den heutigen Ruinen lässt sich deshalb nicht jeder Schaden einer bestimmten Handlung von 1767 zuordnen. Sie bewahren Spuren der Verwüstung ebenso wie ihrer späteren Baugeschichte.

Buddhakopf in Baumwurzeln in Wat Mahathat, Ayutthaya, 2025.
Buddhakopf in Baumwurzeln in Wat Mahathat, Ayutthaya, 2025.

Nach dem Ende des Hofs

Mit der Hauptstadt verlor das Reich sein bisheriges politisches Zentrum. Mehrere Machthaber versuchten, in den zuvor verbundenen Gebieten eigene Herrschaften zu errichten. Die Sieger bauten dort keine dauerhafte, flächendeckende birmanische Verwaltung auf.

Der siamesische Befehlshaber Taksin hatte Ayutthaya noch vor dem Fall verlassen und im Osten neue Kräfte gesammelt. Von dort aus kehrte er an den Chao Phraya zurück und ging gegen die verbliebenen birmanischen Truppen vor. Thonburi am Unterlauf des Flusses wurde zum Zentrum seiner neuen Herrschaft. Um die auseinandergefallenen Gebiete wieder zusammenzuführen, musste Taksin sich auch gegen andere regionale Machthaber durchsetzen.

Ayutthaya wurde als königliche Hauptstadt nicht wiederhergestellt. Menschen und religiöse Überlieferungen überdauerten jedoch den zerstörten Hof. Die späteren Herrscher knüpften an dieses Erbe an, während sie ihre Macht von anderen Orten aus aufbauten.


Zum Weiterlesen

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Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands*, 2010– Deutsches Standardwerk zum schnellen Einstieg.

Chris Baker & Pasuk Phongpaichit: A History of Ayutthaya*. Cambridge University Press, 2017 – Standardwerk zur Geschichte des Reiches.

Bildnachweis

Titel: Prangs in Wat Mahathat, Ayutthaya, 2025. Herodot, eigene Aufnahme. Eigene Aufnahme.

Stadtplan: Historischer Stadtplan von Ayutthaya aus La Loubères Reisebericht. Wikimedia Commons / Hagley Museum and Library, nach Simon de La Loubère. Gemeinfrei.

Buddhakopf: Buddhakopf in Baumwurzeln in Wat Mahathat, Ayutthaya, 2025. Herodot, eigene Aufnahme.

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