Phaulkon am Hof Narais – Der Machtkampf von 1688

Festungsplan von Bangkok aus Jean Vollant des Verquains’ Bericht, 1691.

1687 wurden französische Truppen in Bangkok und Mergui stationiert. Bangkok lag am unteren Chao Phraya, dem Flussweg zur Hauptstadt Ayutthaya. Mergui erschloss dem siamesischen Reich den Handel über den Indischen Ozean. Aus den diplomatischen Beziehungen zwischen König Narai und dem französischen König Ludwig XIV. war eine Militärpräsenz an wichtigen Zugängen des Reiches geworden.

Eine wichtige Rolle bei der Annäherung spielte Constantine Phaulkon. Der aus dem griechischen Kefalonia stammende Mann war in den 1670er-Jahren nach Siam gekommen. Er kannte den europäischen Handel und hatte für die englische Ostindienkompanie gearbeitet. Im Dienst Narais wurde er zu einem besonders einflussreichen Vermittler.

Zugang zum König

Constantine Phaulkon. Historischer Bildnisstich.
Constantine Phaulkon. Historischer Bildnisstich.

Phaulkon stellte seine Sprachkenntnisse und seine Erfahrung im Handel in den Dienst des Königs. Er erläuterte Schreiben und bereitete Verhandlungen mit ausländischen Partnern vor. Dadurch beeinflusste er, welche Vorschläge den Herrscher erreichten. Seine Macht beruhte wesentlich auf dem Vertrauen, das Narai ihm bei diesen Aufgaben entgegenbrachte.

Phaulkon erhielt den siamesischen Titel Wichayen. Neben ihm standen andere erfahrene Amtsträger im Dienst des Königs. Kosa Pan führte 1686 die siamesische Gesandtschaft nach Frankreich und vertrat Narai am Hof Ludwigs XIV. Die europäischen Beziehungen blieben dadurch auch an Amtsträger gebunden, die ihre eigene Erfahrung in der Diplomatie sammelten.

1682 trat Phaulkon zum Katholizismus über und heiratete Maria Guyomar de Pinha. Ihre Familie gehörte zur katholischen Bevölkerung Ayutthayas und hatte Verbindungen in die portugiesische und japanische Welt. Durch die Ehe wurde Phaulkon Teil dieser bereits bestehenden Gemeinschaft; seine Familie war zugleich von seiner Stellung am Hof abhängig.

Unterschiedliche Erwartungen an Frankreich

Narai regierte seit 1656. Seine Außenbeziehungen dienten dem königlichen Handel und der Suche nach nützlichen Partnern. Die niederländische Ostindienkompanie, kurz VOC, hatte bereits gezeigt, dass sie zur Durchsetzung ihrer Interessen militärischen Druck ausüben konnte. Kontakte zu Frankreich boten dem Hof zusätzliche Möglichkeiten.

Die Gesandten Ludwigs XIV. sollten die Beziehungen im Interesse ihres Königs ausbauen. Kaufleute erhofften sich davon Handelsvorteile, während Missionare auf eine Bekehrung Narais hinarbeiteten. Sie hätte dem Christentum eine herausragende Stellung in Siam verschafft. Phaulkon musste bei seinen Verhandlungen mit diesen unterschiedlichen Erwartungen umgehen und zugleich Narais Interessen vertreten.

Die Gesandtschaft von 1685 und der Empfang siamesischer Abgesandter in Frankreich gaben der Verbindung großes Gewicht. Mit den Truppen von 1687 kamen französische Befehlshaber hinzu, die über befestigte Plätze verfügten. Ihre Garnisonen konnten in einen Konflikt am Hof eingreifen; ihre Anwesenheit berührte deshalb auch die Frage, wer nach Narai regieren würde.

Für Gegner Phaulkons war dessen Nähe zu Frankreich deshalb angreifbar. Seine Vermittlerstellung ließ sich als Zugang fremder Interessen zum König darstellen. Religiöse Befürchtungen verstärkten die politische Auseinandersetzung. Die Aussicht auf eine Bekehrung Narais berührte die Beziehung des Herrschers zum Buddhismus, dessen Förderung zu den Grundlagen seiner Legitimation gehörte.

Narais Krankheit

1688 erkrankte Narai schwer. Damit wurde dringlich, was die königliche Unterstützung für Phaulkon bisher überdeckt hatte: Seine Stellung hing an einem Herrscher, dessen Nachfolge nicht gesichert war. Die französischen Verbindungen gaben ihm keinen selbstverständlichen Rückhalt unter den entscheidenden Gruppen am Hof.

Phetracha, ein hoher Amtsträger mit militärischer Stellung, sammelte Gegner Phaulkons um sich. Er konnte sich auf Unterstützung im Militär und in der buddhistischen Geistlichkeit stützen. Damit verfügte er über Verbündete, die über den Zugang des griechischen Vermittlers zum König hinaus Einfluss ausübten.

Phetracha ließ Phaulkon verhaften und noch zu Lebzeiten Narais hinrichten. Auch mögliche Thronerben ließ er töten. Während der König schwer erkrankt war, schaltete Phetracha damit Konkurrenten um die Nachfolge aus. Narai starb im Juli 1688; Phetracha übernahm selbst den Thron.

Die französischen Truppen konnten Phaulkons Stellung nicht bewahren. Nach der Belagerung ihrer befestigten Stellung in Bangkok mussten sie abziehen. Phetracha hatte damit auch die Militärpräsenz beendet, auf die sich Narais Verbindung mit Frankreich zuletzt gestützt hatte.

Eine Neuordnung der Verbindungen

Kosa Pan, dargestellt von Antoine Benoist, 1686.
Kosa Pan, dargestellt von Antoine Benoist, 1686.

Maria Guyomar überlebte den Sturz ihres Mannes. Sie suchte Schutz bei den Franzosen, wurde aber wieder an die siamesische Seite ausgeliefert. Sie geriet in Unfreiheit und musste in der königlichen Küche arbeiten. Mit Phaulkons Hinrichtung hatte auch seine Familie den Schutz verloren, den ihr seine Nähe zu Narai geboten hatte.

Der neue Hof erneuerte seine Beziehungen zur VOC. Ein 1689 in Batavia, dem niederländischen Sitz auf Java, eingegangenes diplomatisches Schreiben behandelte die weitere Zusammenarbeit. Für Phetracha übernahm Kosa Pan nun als Phrakhlang die Zuständigkeit für die königliche Schatzverwaltung und die Außenbeziehungen. Der frühere Gesandte nach Frankreich führte damit unter Narais Nachfolger die Geschäfte mit der niederländischen Kompanie weiter.


Zum Weiterlesen

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Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands*, 2010– Deutsches Standardwerk zum schnellen Einstieg.

Chris Baker & Pasuk Phongpaichit: A History of Ayutthaya*. Cambridge University Press, 2017 – Standardwerk zur Geschichte des Reiches.

Bildnachweis

Titel: Festungsplan von Bangkok aus Jean Vollant des Verquains’ Bericht, 1691. Wikimedia Commons, Jean Vollant des Verquains. Gemeinfrei.

Phaulkon: Constantine Phaulkon. Historischer Bildnisstich. Wikimedia Commons / Bibliothèque Roger-Maltais, historischer Buchstich; Stecher nicht sicher bestimmt. Gemeinfrei.

Kosa Pan: Kosa Pan, dargestellt von Antoine Benoist, 1686. Wikimedia Commons, Antoine Benoist. Gemeinfrei.

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