1664 schloss Ayutthaya einen Vertrag mit der niederländischen Ostindienkompanie. Dem Abschluss war eine Blockade durch niederländische Schiffe vorausgegangen. Die Kompanie hatte ihre Stellung auf See eingesetzt, um den Hof unter Druck zu setzen. Der Vertrag betraf Handelsrechte und schränkte die königliche Gerichtsbarkeit über ihre Angehörigen ein.
Der Hof wollte ausländische Verbindungen nutzen und zugleich über den Handel im eigenen Reich bestimmen. Mit der Kompanie stand ihm ein Geschäftspartner gegenüber, der seine Forderungen durch bewaffnete Schiffe durchsetzen konnte.
Portugiesische Kontakte
Die Beziehungen zu europäischen Mächten hatten gut anderthalb Jahrhunderte zuvor begonnen. Nach der Eroberung Malakkas 1511 erreichten die ersten portugiesischen Gesandten Ayutthaya. Portugal hatte einen wichtigen Handelsplatz an der Verbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer besetzt. Kontakte zum siamesischen Hof halfen den Portugiesen, sich in den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der Region zurechtzufinden.
Für Ayutthaya eröffneten die Portugiesen zusätzliche Möglichkeiten. Waffen und militärische Kenntnisse waren nützlich, während Kaufleute Verbindungen zu weiteren Häfen unterhielten. Portugiesen traten in den Dienst siamesischer Herrscher. Mit der Zeit entstand in Ayutthaya eine christliche Gemeinde mit eigenen religiösen Einrichtungen.
Wer dauerhaft in den Dienst eines siamesischen Herrschers trat, band sich enger an dessen Hof als ein privater Kaufmann, der nach kurzem Aufenthalt weiterfuhr. Portugals Gesandte wiederum handelten im Auftrag ihres Königs. Die gemeinsame Herkunft verband somit Menschen, deren Interessen und Verpflichtungen sich erheblich unterscheiden konnten.
Ein bereits verbundener Handelsplatz
Die Europäer kamen in eine Stadt, die schon lange Kontakte über das Meer besaß. Chinesische Händler verbanden Ayutthaya mit den Küsten Ostasiens. Muslimische Kaufleute unterhielten Verbindungen nach Indien und in den persischen Raum. Der Hof konnte auf Menschen zurückgreifen, die Sprachen beherrschten und mit den Handelsbedingungen in anderen Regionen vertraut waren.

Die Vermittler brachten Kenntnisse darüber ein, welche Waren sich verkaufen ließen und wie ein Geschäftspartner seine Zusagen verstand. Manche übernahmen Ämter im königlichen Dienst. Ihre ausländischen Verbindungen konnten so unmittelbar den Geschäften des Hofs dienen.
Im Handel wurden die Produkte des Hinterlands mit den Waren ferner Märkte zusammengeführt. Hirschhäute fanden unter anderem in Japan Absatz. Stoffe aus Indien wurden in Südostasien nachgefragt. Die Beteiligten verdienten daran, dass Waren in unterschiedlichen Regionen einen anderen Wert besaßen. Eine Konkurrenz um den Einkauf konnte deshalb ebenso wichtig sein wie der Streit um den Verkauf.
Die VOC und das königliche Geschäft
Die Vereinigte Ostindische Kompanie, meist mit dem niederländischen Kürzel VOC bezeichnet, baute im frühen 17. Jahrhundert eine Niederlassung in Ayutthaya auf. Sie war ein Handelsunternehmen mit weitreichenden politischen und militärischen Befugnissen. Von Batavia auf Java, dem heutigen Jakarta, aus verband sie ihre Geschäfte in Siam mit Niederlassungen in anderen Teilen Asiens.

Der siamesische Hof war für sie zugleich Geschäftspartner und Obrigkeit. Bestimmte Waren wurden über die königliche Handelsverwaltung abgewickelt. Der König besaß damit Möglichkeiten, ausländischen Käufern Bedingungen zu setzen. Die Kompanie wiederum wollte günstig und möglichst verlässlich einkaufen. Aus dieser unterschiedlichen Stellung entstanden wiederholt Konflikte.
Druck von der Seeseite
Die Auseinandersetzung von 1663 und 1664 machte diese Machtmittel sichtbar. Die VOC zog sich aus ihrer Niederlassung zurück und setzte Schiffe an den Zugängen zum Chao Phraya ein. Eine solche Blockade traf eine Hauptstadt, deren Handel auf Verbindungen zum Meer angewiesen war. Der Hof konnte über Waren im Landesinneren verfügen, aber die Passage von Handelsschiffen wurde verwundbar.
Der Vertrag von 1664 sicherte der VOC ein Monopol auf die Ausfuhr von Hirsch- und Rinderhäuten. Andere Käufer sollten von diesem Exportgeschäft ausgeschlossen werden. Damit erhielt die Kompanie einen rechtlichen Anspruch gegen Konkurrenten um Waren, die sich etwa in Japan verkaufen ließen.
Auch die Gerichtsbarkeit wurde eingeschränkt. Kompanieangehörige, denen schwere Straftaten vorgeworfen wurden, sollten ihrer Niederlassung übergeben und nach niederländischem Recht beurteilt werden. Der König räumte der Kompanie damit eine Befugnis ein, die sonst zu seiner Herrschaft gehörte. Eine weitere Vertragsbestimmung sollte den Einsatz chinesischer Mannschaften auf siamesischen Handelsschiffen unterbinden und erschwerte so die Konkurrenz des königlichen Handels mit der VOC.
Der Hof setzte den Handel mit den Niederländern nach dem Konflikt fort. Er konnte weiterhin eigene Geschäfte betreiben, musste dabei aber mit den vertraglichen Ansprüchen der Kompanie umgehen. Auch deren Monopol beseitigte den Streit nicht: In späteren Verhandlungen blieb umkämpft, welche Mengen an Häuten die Niederländer tatsächlich erhielten und welche Waren auf königlichen Schiffen ausgeführt wurden.
Frankreich am Hof Narais
Unter König Narai gewannen französische Gesandtschaften und katholische Missionare an Bedeutung. Der König konnte darin zusätzliche Verbindungen sehen, die seine Abhängigkeit von vorhandenen Partnern verringerten. Französische Akteure verbanden mit den Beziehungen jedoch eigene Erwartungen. Handelsinteressen standen neben der Hoffnung, den Herrscher für das Christentum zu gewinnen.
Der Austausch von Gesandtschaften in den 1680er-Jahren machte die Verbindung öffentlich sichtbar. 1687 trafen französische Truppen ein und bezogen befestigte Stellungen in Siam. Damit verfügte ein weiterer europäischer Partner über Soldaten im Land, deren Einsatz für die Machtverhältnisse am Hof wichtig werden konnte.
Während Narai 1688 schwer erkrankt war, ergriff der hohe Amtsträger Phetracha die Macht. Die französischen Truppen mussten nach Kämpfen abziehen. Mit der VOC erneuerte der neue Hof dagegen seine Beziehungen. Die gewaltsame Beendigung der französischen Militärpräsenz ging damit einher, dass der Handel mit einer anderen europäischen Kompanie fortgesetzt wurde.
Zum Weiterlesen
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Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands*, 2010– Deutsches Standardwerk zum schnellen Einstieg.
Chris Baker & Pasuk Phongpaichit: A History of Ayutthaya*. Cambridge University Press, 2017 – Standardwerk zur Geschichte des Reiches.
Bildnachweis
Titel: Japanisches Handelsschiff mit japanischen und portugiesischen Seeleuten, frühes 17. Jahrhundert. Wikimedia Commons / Philadelphia Museum of Art, unbekannter japanischer Künstler. Gemeinfrei.
Handelsausstellung: Keramikgefäße und Felle in der Handelsausstellung des Japanese Village, Ayutthaya, 2025. Herodot, eigene Aufnahme. Eigene Aufnahme.
Niederländische Handelsstation: Baan Hollanda auf dem Gelände der ehemaligen niederländischen Handelsstation in Ayutthaya. Wikimedia Commons, Paakpoomnoywat. CC BY-SA 4.0.



