Kurjey: Wie Guru Rinpoche in Bhutans Geschichte kam

Die Tempelanlage von Kurjey, 2015.

Der König von Bumthang liegt krank in seinem Palast. Die Gottheiten, deren Verehrung er aufgegeben hat, sollen ihm die Lebenskraft geraubt haben. Seine Helfer schicken nach Padmasambhava, einem buddhistischen Meister, der in Nepal lebt. So beginnt eine Überlieferung, die den Tempelort Kurjey im heutigen Zentralbhutan mit der Einführung des Buddhismus verbindet. Sie erzählt von Ereignissen des 8. Jahrhunderts. Aufgeschrieben wurde sie in den erhaltenen Fassungen erheblich später.

Der Lehrer bezwingt die Schutzgottheit

Figur des Padmasambhava aus Bhutan, 17. bis 18. Jahrhundert; LACMA.
Figur des Padmasambhava aus Bhutan, 17. bis 18. Jahrhundert; LACMA.

In Bhutan wird Padmasambhava meist Guru Rinpoche genannt, der kostbare Lehrer. Die Geschichte führt ihn an einen roten Felsen bei Bumthang. Dort meditiert er und bezwingt den Geist, der den König geschädigt hat. Der Herrscher gewinnt seine Lebenskraft zurück und verpflichtet sich, dem buddhistischen Weg zu folgen. Am Felsen soll der Körper des Meisters einen Abdruck hinterlassen haben. Davon leitet sich der Name Kurjey ab.

Die Erzählung gibt der neuen Religion einen konkreten Platz. Eine örtliche Macht, die Krankheit verursacht und Verehrung verlangt, begegnet einem Lehrer mit überlegenen Fähigkeiten. Ihre Existenz wird dabei vorausgesetzt. Der Buddhismus beansprucht, diese Macht binden und zum Schutz seiner Anhänger verpflichten zu können. Für Menschen, die den Gottheiten ihrer Umgebung Opfer darbrachten, ließ sich eine neue religiöse Praxis so mit vertrauten Vorstellungen verbinden.

Die Fassungen unterscheiden sich allerdings. In einem älteren Text steht die Geschichte im Zusammenhang mit einem Schutzamulett. Ein späterer Bericht erweitert sie um die Vorgeschichte des Königs und die Gestalt seines Palastes. Auch mündliche Erzählungen fügen weitere Wunder hinzu. Die Einzelheiten gehören deshalb jeweils zu einer bestimmten Überlieferung; sie lassen sich zu keinem gesicherten Reisebericht zusammensetzen.

Was die Texte tatsächlich bezeugen

Padmasambhava wirkte nach dem heutigen Forschungsstand bei der Übertragung des Buddhismus nach Tibet im 8. Jahrhundert mit. Für seine Reisen in das Gebiet des heutigen Bhutan fehlen ähnlich frühe, eindeutige Belege. Die Texte über seinen Besuch in Bumthang gehören zur Tradition der verborgenen religiösen Schätze. Ihre Entdecker erklärten, Padmasambhava oder seine Schüler hätten die Schriften einst versteckt, damit sie zur geeigneten Zeit wieder zugänglich würden.

Anhaltspunkte für die Datierung liefern die Lebensdaten der Schatzentdecker. Eine knappe Heilungserzählung wird einem solchen Entdecker zugeschrieben, der wohl um die Wende zum 12. Jahrhundert lebte. Die ausführlichere örtliche Fassung stammt von Ugyen Zangpo, dessen Wirken gewöhnlich an das Ende des 13. oder den Beginn des 14. Jahrhunderts gesetzt wird. Damit bezeugen die Schriften die Verehrung eines erheblich früher gedachten Besuchs.

Die Tempel von Kurjey wurden um die verehrte Höhle errichtet. Ihr Mittelpunkt blieb der Felsen, an dem der Körperabdruck gezeigt wird. Besucher können dort den Ort aufsuchen, den die späteren Texte mit der Heilung des Königs verbinden.


Darstellung von Guru Rinpoche, 17. Jhdt., Bhutan

Zum Weiterlesen

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Phuntsho, K. (2013): The History of Bhutan.* Unterscheidet die frühen Textzeugnisse von den späteren Ausformungen der Padmasambhava-Überlieferung.

Aris, M. (1979): Bhutan: The Early History of a Himalayan Kingdom.* Quellenorientierte Untersuchung der religiösen und politischen Anfänge des Landes.

Bildnachweis

Titel: Die Tempelanlage von Kurjey, 2015. Wikimedia Commons, Gerd Eichmann. CC BY-SA 4.0.

Motiv: Figur des Padmasambhava aus Bhutan, 17. bis 18. Jahrhundert; LACMA. Wikimedia Commons, unbekannter bhutanischer Künstler; Los Angeles County Museum of Art. Gemeinfrei.

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