China greift in den Koreakrieg ein

Serie: Korea-Krieg Folge 5

Die ersten chinesischen Verbände

Ende Oktober 1950 stoßen UN-Truppen im Norden Koreas auf Widerstand, der sich rasch als mehr als ein lokales Gefecht erweist. Die bislang nicht eindeutig identifizierten Einheiten gehören zur sogenannten Chinesischen Volksfreiwilligenarmee. Die Führung in Peking vermeidet eine formelle Kriegserklärung. Statt regulärer Verbände treten „Freiwillige“ auf, um einen direkten Krieg zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten zu vermeiden.

Überquerung des Yalu-Flusses

Am 19. Oktober 1950 überschreiten erste chinesische Einheiten heimlich den Yalu-Fluss. Sie bewegen sich überwiegend nachts, nutzen Gebirgspfade und verzichten weitgehend auf Funkmeldungen. Ihr Ziel ist es, die weit auseinandergezogenen UN-Verbände überraschend anzugreifen. Die chinesische Führung unter Mao Zedong betrachtet das Vorrücken der UN-Truppen bis an die Grenze als unmittelbare Bedrohung der eigenen Sicherheit.

Die Offensive im November

Anfang November kommt es zu koordinierten Angriffen auf UN-Posten im Nordwesten und im gebirgigen Nordosten. Die chinesischen Einheiten greifen mit hoher Beweglichkeit an, ziehen sich zurück und schlagen an anderer Stelle erneut zu. Ihre Taktik setzt auf Überraschung und zahlenmäßige Überlegenheit im jeweiligen Frontabschnitt.

Bis Ende November hat China rund 300 000 Soldaten in etwa 30 Divisionen nach Nordkorea verlegt. Ein Großteil dieser Verbände bleibt für die UN-Führung unsichtbar. Die chinesischen Truppen bewegen sich nachts, vermeiden offene Kommunikation und tarnen sich im Gelände. Luftaufklärung liefert nur bruchstückhafte Informationen. In Tokio und Washington geht man weiterhin von einer begrenzten Intervention aus.

Am 24. November 1950 beginnt eine neue UN-Offensive mit dem Ziel, die verbliebenen nordkoreanischen Kräfte zu zerschlagen und den Krieg rasch zu beenden. Bereits am 25. November 1950 setzt die chinesische Führung im Westen zu einer groß angelegten Gegenoffensive an.

Der Zusammenbruch der Front

Ende November greifen chinesische Verbände entlang einer breiten Front an. Besonders im Raum des Chosin-Reservoirs im Nordosten geraten amerikanische und südkoreanische Einheiten unter schweren Druck. Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius verschärfen die Lage. Waffenöle gefrieren, Fahrzeuge versagen, zahlreiche Soldaten erleiden Erfrierungen.

Im Westen brechen chinesische Truppen durch die Linien und stoßen tief nach Süden vor. Die UN-Verbände müssen sich zurückziehen.

Im Dezember 1950 ordnet die UN-Führung den allgemeinen Rückzug an. Pjöngjang wird aufgegeben. Die Front verschiebt sich wieder in Richtung Süden. Der Krieg tritt in eine neue Phase ein.

Eine neue strategische Lage

Mit dem Eingreifen chinesischer Verbände wird der Konflikt zu einem offenen Krieg zwischen internationalen Akteuren auf koreanischem Boden. In Washington beginnt eine Debatte über Ziel und Umfang des amerikanischen Engagements. Die Frage ist nun, wie weit der Krieg ausgeweitet werden darf, ohne einen größeren Konflikt zwischen Großmächten auszulösen.


Chinesische Briefmarke von 1952

Zum Weiterlesen

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Bernd Stöver (2021): Geschichte des Koreakriegs: Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt.*

Bildnachweis

Titel: Chinesische Kommandeure in Korea: Chen Geng, Peng Dehuai, Deng Hua.

Alle Bilder gemeinfrei.

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