Der Pusan-Perimeter

Serie: Korea-Krieg Folge 2

Ende Juni 1950 löst sich die südkoreanische Front im Zentrum der Halbinsel auf. Nach dem Fall von Seoul ziehen sich Einheiten hastig nach Süden zurück. Nordkoreanische Panzerverbände stoßen entlang der Hauptstraßen vor, Infanterie folgt dicht dahinter. Städte wie Taejon fallen innerhalb weniger Tage. Die Geschwindigkeit des Vormarsches übertrifft viele Erwartungen.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilt den nordkoreanischen Angriff Ende Juni und ruft die Mitgliedstaaten zur militärischen Unterstützung Südkoreas auf. Auf dieser Grundlage entsenden die Vereinigten Staaten Bodentruppen.

Verladung der M4-Sherman-Panzer der Marine Corps für Busan, 1950

Anfang Juli treffen die ersten amerikanischen Einheiten ein. Eine improvisierte Vorausabteilung von rund fünfhundertvierzig Soldaten, bekannt als Task Force Smith, erhält den Auftrag, den Vormarsch zu verzögern. Am 5. Juli kommt es bei Osan zum ersten Gefecht amerikanischer Bodentruppen mit nordkoreanischen Einheiten. Die eingesetzten 2,36-Zoll-Bazookas erweisen sich gegen die Panzerung der T-34-Panzer als nahezu wirkungslos. Die Stellung wird überrannt, die Einheit zieht sich unter Verlusten zurück.

Wenig später fällt Taejon. Der amerikanische Divisionskommandeur William F. Dean gerät in Gefangenschaft. Straßen sind überfüllt mit Militärfahrzeugen, Flüchtlingstrecks und zurückgelassenem Material. Brücken werden gesprengt, um den Vormarsch zu verzögern. Mit jedem Rückzugsschritt verkleinert sich der Raum, in dem organisierter Widerstand möglich bleibt.

Der Raum um Busan

Dieser verbliebene Raum liegt im äußersten Südosten der Halbinsel. Dort konzentrieren sich im Juli und August die südkoreanischen und amerikanischen Einheiten. Die Hafenstadt Busan wird zum zentralen Umschlagplatz für Soldaten und schweres Gerät. Täglich laufen Transportschiffe ein und entladen Artillerie, Fahrzeuge und Munition. Der Verteidigungsbereich erstreckt sich über etwa einhundertsechzig Kilometer von Nord nach Süd und rund achtzig Kilometer von Ost nach West. In der militärischen Planung erhält er die Bezeichnung Pusan-Perimeter.

Die Frontlinie folgt natürlichen Hindernissen. Besonders der Naktong-Fluss westlich von Taegu bildet auf weiten Strecken eine Verteidigungslinie. General Douglas MacArthur koordiniert die Gesamtstrategie von Tokio aus. Ab Mitte Juli führt General Walton Walker die 8. US-Armee in Korea. Südkoreanische Einheiten werden neu organisiert und in die Verteidigung integriert.

Für die Regierung unter Syngman Rhee wird Busan zur provisorischen Hauptstadt. Ministerien arbeiten in improvisierten Gebäuden. Hunderttausende Flüchtlinge drängen in den Südosten. Unterkünfte entstehen in Schulen und Lagerhallen, später auch in Zeltlagern. Die Versorgung mit Lebensmitteln steht ebenso unter Druck wie die medizinische Betreuung der Verwundeten.

Kämpfe am Naktong

Im August erreichen die nordkoreanischen Vorstöße den Rand dieses Verteidigungsraums. Besonders entlang des Naktong-Flusses versuchen sie, Übergänge zu erzwingen und Brückenköpfe auf dem südlichen Ufer zu bilden. Die Gefechte konzentrieren sich auf Flussbiegungen, auf die Straßen nach Taegu und auf Höhenzüge über dem Tal. Wer diese Höhen hält, kontrolliert die Zugänge ins Hinterland.

Zu diesem Zeitpunkt haben die UN-Streitkräfte die Luftherrschaft im Süden erlangt. Amerikanische Flugzeuge greifen nordkoreanische Nachschubkolonnen und Sammelpunkte nördlich des Perimeters an. Mehrfach gelingt es nordkoreanischen Einheiten, den Fluss zu überschreiten. Gegenangriffe werfen sie zurück. Die Angreifer verlieren Panzer, erfahrene Offiziere und einen großen Teil ihrer Munition. Ihre Vorstöße verlieren an Tiefe, ihre Reserven schrumpfen.

Der Verteidigungsring bleibt intakt.

Stabilisierung

Ende August 1950 ist der südöstliche Brückenkopf gesichert. Aus dem hastigen Rückzug des Juli ist eine organisierte Verteidigung entstanden. Der Hafen von Busan liefert stetig Verstärkungen und Material. Nordkoreanische Verbände haben einen erheblichen Teil ihrer Panzer und ausgebildeten Soldaten verloren.

Während die nordkoreanischen Einheiten ihre Angriffe einstellen müssen, sammeln die UN-Streitkräfte Kräfte für einen Gegenschlag. Im Hauptquartier entsteht der Plan für eine Operation tief hinter den nordkoreanischen Linien.


M26-Panzer, westlich von Masan, im Spätsommer 1950

Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Bernd Stöver (2021): Geschichte des Koreakriegs: Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt.*

Bildnachweis

Titel: UN-Soldaten des 27. US-Infanterieregiments erwarten nordkoreanische Angriffe über den Naktong-Fluss, September 1950.

Alle Bilder gemeinfrei.

Schreibe einen Kommentar