Planung einer Landung

Im Spätsommer 1950 ist die Front im Südosten stabilisiert. Der Pusan-Perimeter hält. Während die Kämpfe am Naktong andauern, arbeitet das Hauptquartier der Vereinten Nationen an einem Plan, der den Krieg weit hinter der bestehenden Front entscheiden soll. General Douglas MacArthur drängt auf eine Landung an der Westküste Koreas. Ziel ist die Hafenstadt Incheon, nur wenige Kilometer von Seoul entfernt.
Der Plan gilt als riskant. Incheon weist einen extremen Tidenhub auf. Bei Ebbe fallen weite Wattflächen trocken, bei Flut steigt das Wasser um mehrere Meter. Die schmale Fahrrinne, verminte Zufahrten und ausgebaute Küstenstellungen erschweren eine Annäherung. Mehrere amerikanische Marineoffiziere äußern Bedenken. MacArthur hält an dem Vorhaben fest. Er geht davon aus, dass der Gegner gerade wegen dieser ungünstigen Bedingungen keinen Angriff an diesem Ort erwartet.
Operation Chromite

Am 15. September 1950 beginnt die Operation. Unter dem Codenamen Chromite laufen Landungsverbände in die Hafenanlagen ein. Vorausgehende Luftangriffe und Marineartillerie treffen nordkoreanische Stellungen auf der Insel Wolmi-do und entlang der Uferbefestigungen. Kurz nach der Flut setzen die ersten Wellen von US-Marines an Land. Der Widerstand bleibt lokal begrenzt. Innerhalb weniger Stunden sichern die Angreifer zentrale Positionen und erweitern den Brückenkopf. Mit der Sicherung des Hafens steht der Weg nach Osten offen.
Die Rückeroberung Seouls

Von Incheon aus rücken die UN-Truppen nach Osten und erreichen rasch die Hauptstadt. Seoul steht seit Ende Juni unter nordkoreanischer Herrschaft. Es kommt zu schweren Gefechten um Regierungsgebäude und wichtige Brücken, auch zentrale Verkehrsknoten geraten unter Beschuss. Artillerie und Häuserkampf bestimmen das Geschehen. Am 28. September 1950 wird Seoul an die südkoreanische Regierung übergeben.
Parallel zur Offensive an der Westküste gehen die UN-Streitkräfte am Pusan-Perimeter zum Gegenangriff über. Nordkoreanische Verbände geraten zwischen zwei Fronten. Ihre Nachschubwege werden unterbrochen. Viele Einheiten verlieren den Zusammenhalt, andere versuchen, sich nach Norden abzusetzen.
Entscheidung am 38. Breitengrad
Seoul ist zurückerobert, der Süden gesichert, große Teile der nordkoreanischen Armee sind zerschlagen. Über 100 000 Soldaten geraten in Gefangenschaft. Der Vormarsch des Juni ist vollständig umgekehrt.
Nun stellt sich eine neue Frage. Soll der Vormarsch am 38. Breitengrad enden, der seit 1948 die Trennlinie zwischen Nord und Süd markiert, oder sollen die UN-Truppen weiter nach Norden vorstoßen. In Washington und Tokio beginnen Beratungen über das weitere Vorgehen. Die Entscheidung, die in diesen Wochen fällt, wird den Krieg in eine neue Phase führen.
Zum Weiterlesen
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Bernd Stöver (2021): Geschichte des Koreakriegs: Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt.*
Bildnachweis
Titel: Amerikanische Truppen landen einen Tag nach Beginn der Schlacht von Incheon im Hafen von Incheon, 1950.
Alle Bilder gemeinfrei.



