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	<title>Vietnamkrieg Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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		<title>Der Sturz Sihanouks &#8211; Kambodscha wird zum Kriegsschauplatz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/der-sturz-sihanouks-kambodscha-wird-zum-kriegsschauplatz/">Der Sturz Sihanouks &#8211; Kambodscha wird zum Kriegsschauplatz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_4.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Norodom Sihanouk hielt sich im März 1970 außerhalb Kambodschas auf, als seine Herrschaft in Phnom Penh zusammenbrach. Die Nationalversammlung entzog ihm die Macht. Ministerpräsident Lon Nol übernahm die Führung des Landes und stellte sich offen gegen die nordvietnamesischen Truppen, die Stützpunkte auf kambodschanischem Gebiet unterhielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Saloth Sar und die Kommunistische Partei Kampucheas veränderte dieser Machtwechsel die Lage grundlegend. Seit Jahren hatten sie Sihanouk bekämpft und seinen Sturz angestrebt. Nun beseitigten andere ihren wichtigsten innenpolitischen Gegner. Wenige Tage später geschah etwas, das noch kurz zuvor kaum vorstellbar gewesen wäre. Der entmachtete Prinz verbündete sich aus seinem Exil in Peking mit jenen Kommunisten, die gegen seine Regierung gekämpft hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit erhielt eine bis dahin vergleichsweise kleine Untergrundbewegung Zugang zu einem Namen, den Millionen kambodschanischer Bauern kannten und verehrten. Der Krieg, den Saloth Sar bislang gegen Sihanouk geführt hatte, wurde nun im Namen Sihanouks weitergeführt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Land unter wachsendem Druck</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Umsturz hatte eine längere Vorgeschichte. Der Vietnamkrieg griff seit Jahren über die kambodschanische Grenze hinaus. Nordvietnamesische Truppen und Einheiten der Nationalen Befreiungsfront nutzten Rückzugsgebiete im Osten Kambodschas. Gleichzeitig gelangten große Mengen Reis aus Kambodscha über die Grenze nach Vietnam. Die Regierung in Phnom Penh verlor dadurch Einnahmen und zunehmend die Kontrolle über Teile des Grenzraums.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sihanouk hatte versucht, zwischen den Kriegsparteien zu manövrieren. Seine Neutralitätspolitik stieß jedoch im eigenen Land auf wachsenden Widerstand. Politiker um Lon Nol verlangten ein härteres Vorgehen gegen die vietnamesischen Einheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Vereinigten Staaten griffen inzwischen direkt in Kambodscha ein. Amerikanische Flugzeuge bombardierten seit 1969 vietnamesische Stützpunkte auf kambodschanischem Gebiet. Der Krieg wurde damit auch dort geführt, wo Sihanouks Regierung offiziell Neutralität beanspruchte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="300" height="196" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/President_Richard_Nixon_Points_to_a_Map_of_Cambodia_during_a_Vietnam_War_Press_Conference_-_DPLA_-_dfcf78bd0869360bc1c98ea2858d931a-300x196.gif" alt="" class="wp-image-8407"/><figcaption class="wp-element-caption">Nixon vor einer Karte Kambodschas, 1970</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn des Jahres 1970 verlor die Grenze zu Vietnam unter diesem Druck zunehmend ihre Bedeutung. Menschen flohen nach Kambodscha, während militärische Verbände die Grenze in beide Richtungen überschritten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Situation setzte die politische Führung in Phnom Penh Sihanouk ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob und in welchem Umfang Washington auf den Umsturz selbst einwirkte, ist in der Forschung umstritten. Einzelne Indizien sprechen für eine amerikanische Beteiligung. Die unmittelbaren Entscheidungen in Phnom Penh trafen kambodschanische Politiker und Militärs. Sicher ist, dass die Regierung Lon Nols anschließend umfangreiche Unterstützung aus den Vereinigten Staaten erhielt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sihanouk ruft zum Widerstand auf</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="300" height="193" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Prince_Norodom_Sihanouk_of_Cambodia_at_the_United_Nations_1972-300x193.png" alt="" class="wp-image-8411" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Prince_Norodom_Sihanouk_of_Cambodia_at_the_United_Nations_1972-300x193.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Prince_Norodom_Sihanouk_of_Cambodia_at_the_United_Nations_1972-768x494.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Prince_Norodom_Sihanouk_of_Cambodia_at_the_United_Nations_1972.png 1012w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sihanouk auf einer UN-Versammlung, 1972</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der entmachtete Prinz reagierte aus Peking. Er stellte sich an die Spitze einer neuen Front gegen die Regierung Lon Nols und rief seine Landsleute zum Widerstand auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die als Rote Khmer bekannten kambodschanischen Kommunisten war dies ein politischer Gewinn, den sie aus eigener Kraft kaum hätten erreichen können. Bis 1969 hatte ihre Führung Sihanouk bekämpft. Seine Popularität auf dem Land begrenzte ihren Einfluss. Nach seinem Sturz konnten sie ihre eigenen Truppen nun als Teil eines Kampfes zur Wiederherstellung der Herrschaft des Prinzen präsentieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die drei linken Abgeordneten, die 1967 in den Untergrund geflohen waren, traten wieder hervor. Khieu Samphan, Hou Youn und Hu Nim meldeten sich über den Rundfunk und warben für den Widerstand. Sie erhielten später Ministerposten in der Exilregierung der neuen Front. Diese sichtbaren Ämter sagten allerdings wenig über die tatsächlichen Machtverhältnisse aus. Die entscheidenden Beschlüsse traf die geheime Parteiführung um Saloth Sar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sihanouk verlieh dem Bündnis seinen Namen und seine öffentliche Legitimität. Die Kommunisten verfügten dagegen über die Untergrundorganisation und zunehmend über die bewaffneten Verbände im Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Seiten brauchten einander.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Rückkehr der alten Kommunisten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Umsturz brachte noch eine weitere Gruppe zurück nach Kambodscha. Rund 1.000 ehemalige Issarak-Kämpfer, die nach 1954 nach Nordvietnam gegangen waren, kehrten zurück. Sie gehörten zur älteren Generation der kambodschanischen Kommunisten und hatten jahrelang enge Beziehungen zu Hanoi gepflegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit wuchs die kommunistische Bewegung erheblich, zugleich wurden ihre inneren Gegensätze größer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Kriegsjahren kämpften Anhänger Sihanouks neben Kommunisten, die sich weiterhin eng an Vietnam orientierten. Andere Kader folgten der Parteizentrale um Saloth Sar, die ihre politische Eigenständigkeit gegenüber Hanoi immer stärker betonte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gemeinsame Gegnerschaft zu Lon Nol verdeckte diese Unterschiede zunächst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Krieg erreicht das ganze Land</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im Frühjahr 1970 überschritten amerikanische und südvietnamesische Truppen die Grenze nach Kambodscha, um vietnamesische Stützpunkte zu zerstören. Gleichzeitig operierten nordvietnamesische Verbände weit innerhalb des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Bevölkerung bedeutete dies eine rasche Ausweitung der Kämpfe. Dörfer wurden geräumt und Verkehrsverbindungen unterbrochen. Die Zahl der Vertriebenen stieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Pentagon trieb die amerikanische Bodenoffensive von 1970 rund 130.000 Menschen in die Flucht. Bei einer Befragung von Flüchtlingen in kambodschanischen Städten nannte 1971 eine Mehrheit amerikanische Bombardierungen als Ursache ihrer Vertreibung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig verlor die Regierung Lon Nols große Teile des Landes. Die kommunistischen Kräfte und ihre vietnamesischen Verbündeten eroberten ländliche Gebiete, während Phnom Penh und mehrere Provinzstädte unter Kontrolle der Republik blieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Front verlief jedoch keineswegs sauber zwischen zwei geschlossenen Lagern. Regionale kommunistische Organisationen handelten teilweise eigenständig. Im Osten standen viele Kader weiterhin eng mit Vietnam in Verbindung. Andere Verbände orientierten sich stärker an der Parteizentrale.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede wurden im Laufe des Krieges immer wichtiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele junge Männer schlossen sich während dieser Jahre der Revolution an. In den Personalakten des späteren Foltergefängnisses S-21 datierten zahlreiche Kader ihren Eintritt in die Bewegung auf die Jahre zwischen 1970 und 1975. Für eine ganze Generation begann die politische Laufbahn also erst mit dem Bürgerkrieg.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="1282" height="832" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rue_2_pnom-penh.jpg" alt="" class="wp-image-8409" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rue_2_pnom-penh.jpg 1282w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rue_2_pnom-penh-300x195.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rue_2_pnom-penh-767x498.jpg 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rue_2_pnom-penh-1024x665.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1282px) 100vw, 1282px" /><figcaption class="wp-element-caption">Phnom Penh, 1973</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Sihanouks Name und Saloth Sars Partei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteiführung blieb weitgehend verborgen. Saloth Sar trat öffentlich kaum in Erscheinung. Selbst viele Menschen in den von den Kommunisten kontrollierten Gebieten wussten wenig über die Männer, die an der Spitze der Partei standen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein politischer Kommissar erklärte nach Kriegsende gegenüber einem früheren Lehrer, Sihanouk habe der Organisation seit 1970 geholfen. Deshalb habe man ihn weiterhin als Präsidenten präsentiert. Zugleich stellte derselbe Funktionär klar, dass der Prinz sich der Linie der Organisation unterordnen müsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darin lag die eigentliche Verschiebung der Macht. Sihanouk glaubte, eine breite Widerstandsfront gegen Lon Nol anzuführen. Die Kommunistische Partei benutzte dieselbe Front, um ihre eigene Organisation auszubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit jedem Kriegsjahr wurde sie weniger abhängig von ihrem prominenten Verbündeten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bomben über dem Land</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="155" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/US_aircraft_LORAN_bombing_over_Cambodia_c1973-300x155.jpg" alt="" class="wp-image-8410" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/US_aircraft_LORAN_bombing_over_Cambodia_c1973-300x155.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/US_aircraft_LORAN_bombing_over_Cambodia_c1973.jpg 330w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">US-Bomber über Kambodscha</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die amerikanischen Luftangriffe hatten bereits unter Sihanouk begonnen. Unter Lon Nol nahmen sie erheblich zu. Besonders intensiv wurden sie 1973.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. August 1973 bombardierten amerikanische Flugzeuge das Dorf Plei Loh im Nordosten. Ein amerikanischer Bericht verzeichnete 28 getötete Zivilisten und fünf getötete vietnamesische Guerillakämpfer. Einen Tag später trafen Bomben das nahegelegene Plei Lom. Dort starben nach den vorliegenden Berichten 20 Menschen, darunter Kinder. Weitere Angriffe folgten wenige Tage später.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Schätzung kosteten die amerikanischen Bombardierungen Kambodschas von 1969 bis 1973 bis zu 150.000 Zivilisten das Leben. Für diese Schätzung bestehen Unsicherheiten, weil die Opferzahlen vieler Angriffe nicht zuverlässig dokumentiert wurden. Sicher belegt ist jedoch die enorme Intensität der Angriffe. Zwischen 1969 und 1973 warfen amerikanische Flugzeuge rund eine halbe Million Tonnen Bomben über Kambodscha ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteikader nutzten die Zerstörungen für ihre Rekrutierung. Sie führten Überlebenden vor Augen, dass die amerikanischen Angriffe der Regierung Lon Nols halfen, und verbanden die Bombardierungen mit ihrem Kampf gegen Phnom Penh.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="205" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/View_of_Phnom_Penh_from_CH-53-300x205.jpg" alt="" class="wp-image-8408" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/View_of_Phnom_Penh_from_CH-53-300x205.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/View_of_Phnom_Penh_from_CH-53-135x93.jpg 135w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/View_of_Phnom_Penh_from_CH-53.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">US-Helikopter über Phnom Penh</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Damit wäre es allerdings zu einfach, den Aufstieg der Roten Khmer allein mit den amerikanischen Angriffen zu erklären. Die kommunistische Bewegung bestand lange vor den Bombardierungen. Sie verfügte über eigene Kader und hatte seit 1967 bewaffnet gekämpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Luftkrieg veränderte jedoch die Bedingungen, unter denen diese Bewegung wachsen konnte. Die Bombardierungen führten der Partei neue Rekruten zu und trugen dazu bei, die Macht gemäßigterer Kräfte innerhalb des Widerstands zu schwächen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1973 verändert sich das Kräfteverhältnis</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1973 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und Nordvietnam das Pariser Friedensabkommen über Vietnam. In Kambodscha gingen die Kämpfe jedoch weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vietnamesische kommunistische Truppen zogen sich zunehmend aus den Kämpfen gegen Lon Nol zurück. Die kambodschanischen Kommunisten führten den Krieg nun stärker mit eigenen Verbänden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit gewann auch die Parteiführung um Saloth Sar größere Kontrolle über die Bewegung. Noch zu Beginn des Bürgerkriegs hatten Sihanoukisten und ältere Kommunisten erheblichen Einfluss besessen. Bis 1974 hatte sich das Verhältnis deutlich zugunsten des Parteizentrums verschoben. Die Parteizentrale schaltete zunehmend jene Kräfte aus, die ihr politisch im Weg standen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gegenüber Vietnam wuchs die Distanz. Ein Funktionär im Nordwesten erinnerte sich später daran, dass vietnamesische Truppen bis 1973 beim Kampf gegen Lon Nol geholfen hätten. Die kambodschanischen Kommunisten hätten jedoch darauf bestanden, den Krieg selbst zu führen und unabhängig zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was als gemeinsamer Widerstand gegen Lon Nol begonnen hatte, verwandelte sich damit schrittweise in einen Krieg, den Saloth Sars Partei immer stärker nach ihren eigenen Vorstellungen führte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Revolution beginnt vor dem Sieg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen eroberten Gebieten begann die Partei schon vor der Einnahme Phnom Penhs, die Gesellschaft umzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kommunistische Kader organisierten die Bevölkerung während des Bürgerkriegs immer stärker. Regionale Unterschiede blieben beträchtlich. Manche Gebiete standen unter vergleichsweise gemäßigten Funktionären, während andere Führungen früh weitreichende Eingriffe durchsetzten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede führten sogar zu bewaffneten Konflikten innerhalb des Widerstands. Ende 1974 berichteten Flüchtlinge aus dem Osten von einer Gruppe überwiegend muslimischer Cham, die sich von der Kommunistischen Partei losgesagt hatte. Ihre Angehörigen unterstützten Sihanouk und wandten sich gegen die Kollektivierung von Eigentum. Auch Teile kommunistischer Truppen schlossen sich solchen oppositionellen Gruppen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon während des Krieges gegen Lon Nol stritten die Aufständischen in den von ihnen beherrschten Gebieten darüber, wer nach dem Sieg herrschen und über das Eigentum bestimmen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führung um Saloth Sar setzte sich dabei schrittweise durch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phnom Penh wird zur belagerten Stadt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Kommunisten auf dem Land vorrückten, wuchs Phnom Penh durch die Flüchtlinge immer weiter. Menschen, die ihre Dörfer wegen der Kämpfe verlassen hatten, suchten Schutz in der Hauptstadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1974 war die Frage kaum noch, ob die Republik militärisch unter Druck stand. Entscheidend wurde, wie lange sie sich halten konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1975 brach die Verteidigung endgültig zusammen. Die kommunistischen Verbände nahmen Provinzstädte ein und rückten auf Phnom Penh vor. In Battambang richteten sich die Sieger im April unmittelbar gegen den Flughafen. Sie hegten eine tiefe Feindschaft gegenüber den Piloten, die während des Krieges Angriffe auf die ländlichen Gebiete geflogen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Mekong wurde der Nachschub nach Phnom Penh immer schwieriger. Die Hauptstadt war mit Schutzsuchenden überfüllt und von der Versorgung aus der Luft abhängig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünf Jahre zuvor hatte Saloth Sar eine kleine und zerstrittene Aufstandsbewegung geführt. Nun standen seine Truppen vor der Hauptstadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Männer und Frauen in Phnom Penh wussten kaum, wer ihnen gegenüberstand. Viele hofften vor allem darauf, dass mit dem Einmarsch der Sieger endlich der Krieg enden würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 17. April 1975 marschierten die Roten Khmer in die Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch am selben Tag begannen sie, Phnom Penh zu räumen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: B-52D Stratofortress.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Phnom Penh, 1973: Wikimedia Commons, Mjcd71. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Thích Quảng Đức und die Buddhistenkrise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vietnam]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mönche hatten den Fotografen der Associated Press gebeten, am Morgen des 11. Juni 1963 in die Xá-Lợi-Pagode zu kommen; es werde etwas Außergewöhnliches geschehen. Malcolm Browne fand dort Mönche und &#8230; </p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mönche hatten den Fotografen der Associated Press gebeten, am Morgen des 11. Juni 1963 in die Xá-Lợi-Pagode zu kommen; es werde etwas Außergewöhnliches geschehen. Malcolm Browne fand dort Mönche und Nonnen, die bereits Totengebete sangen, und folgte dem Zug, der sich durch die Stadt bewegte, bis er an der Kreuzung von Phan Đình Phùng und Lê Văn Duyệt einen Kreis bildete. Ein Wagen hielt, ein alter Mönch stieg aus und ließ sich mitten auf der Kreuzung im Lotossitz nieder, während zwei Begleiter ihm knapp zwanzig Liter Benzin über Kopf und Schultern gossen. Thích Quảng Đức, sechsundsechzig Jahre alt, riss ein Streichholz an. In dem Moment, in dem die Flammen über ihm zusammenschlugen, begann Browne zu fotografieren, so schnell er den Film wechseln konnte; ringsum warfen sich Mönche und Nonnen zu Boden, und der Verkehr kam zum Erliegen. Etwa zehn Minuten später sank der Körper zur Seite. Als die Mitbrüder ihn in einen herbeigeschafften Sarg heben wollten, ließen sich die verbrannten Gliedmaßen nicht mehr beugen, sodass ein Arm während der Prozession zurück zur Xá-Lợi-Pagode aus dem Sarg ragte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/2023-12-10_Bodhisattva_Thich_Quang_Duc_Monument_Dai_tuong_niem_Bo_tat_Thich_Quang_Duc_05-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-8266" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/2023-12-10_Bodhisattva_Thich_Quang_Duc_Monument_Dai_tuong_niem_Bo_tat_Thich_Quang_Duc_05-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/2023-12-10_Bodhisattva_Thich_Quang_Duc_Monument_Dai_tuong_niem_Bo_tat_Thich_Quang_Duc_05-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/2023-12-10_Bodhisattva_Thich_Quang_Duc_Monument_Dai_tuong_niem_Bo_tat_Thich_Quang_Duc_05-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/2023-12-10_Bodhisattva_Thich_Quang_Duc_Monument_Dai_tuong_niem_Bo_tat_Thich_Quang_Duc_05-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/2023-12-10_Bodhisattva_Thich_Quang_Duc_Monument_Dai_tuong_niem_Bo_tat_Thich_Quang_Duc_05.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bodhisattva-Thích-Quảng-Đức-Monument</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Da die Zensur den Film zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfasste, gab Browne ihn einem Passagier einer Linienmaschine mit, der ihn nach Manila trug, wo die Agentur über die nötige Übertragungstechnik verfügte. Tags darauf stand die Aufnahme in Zeitungen rund um die Welt. Kennedy sprach sie am 15. August gegenüber Henry Cabot Lodge an, den er als Botschafter nach Saigon entsandte; Lodge hielt in seiner Erinnerung an das Gespräch fest, kaum ein Nachrichtenbild der jüngeren Geschichte habe weltweit so viele Emotionen ausgelöst. Ein einzelnes Foto aus Saigon verschärfte damit eine Krise, die Washington seit Wochen in den Berichten seiner Diplomaten verfolgte – nun stand sie in jeder Zeitung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fahnen in Huế</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="212" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Bishop_Thuc_Sept._11_1963-212x300.jpg" alt="" class="wp-image-8265" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Bishop_Thuc_Sept._11_1963-212x300.jpg 212w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Bishop_Thuc_Sept._11_1963.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pierre Martin Ngô Đình Thục</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt, der in diese Flammen mündete, schwelte seit Jahren. Die Regierung Diệms, getragen von der katholischen Minderheit, bevorzugte Katholiken bei der Vergabe von Ämtern und Land, während die buddhistische Mehrheit – nach zeitgenössischen Schätzungen der weit überwiegende Teil der Bevölkerung – sich zurückgesetzt sah. Zum offenen Bruch kam es am 8. Mai 1963 in Huế, der alten Kaiserstadt und dem Zentrum des vietnamesischen Buddhismus. Wenige Tage zuvor hatte die Regierung anlässlich eines Jubiläums von Diệms Bruder, dem Erzbischof Ngô Đình Thục, päpstliche Fahnen wehen lassen; nun untersagte sie den Buddhisten, zum Geburtstag Buddhas ihre eigenen Gebetsfahnen zu zeigen. Als sich Demonstranten dagegen auflehnten und vor dem Rundfunkgebäude zusammenströmten, gingen Regierungstruppen gegen sie vor; neun Menschen kamen um, darunter zwei Kinder, die unter Schützenpanzern zu Tode kamen. Die Angaben zu den Todesursachen blieben widersprüchlich. Die Regierung führte die Toten auf den Sprengsatz eines Vietcong-Agenten zurück, während Augenzeugen berichteten, die Truppen hätten in die Menge geschossen. Der Krankenhausdirektor Dr. Quyen, der die Leichen untersuchte, hielt die tödlichen Verletzungen für Folgen einer Explosion, erklärte einem Ermittler von Amnesty International jedoch, weder er noch die Augenzeugen könnten sagen, woher sie gekommen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Tage später veröffentlichte eine Gruppe buddhistischer Würdenträger, unter ihnen Thích Trí Quang, ein Manifest mit fünf Forderungen. Sie verlangten, das Verbot der Gebetsfahnen zurückzunehmen und die Buddhisten jenem Sonderstatus gleichzustellen, den die Verordnung Nr. 10 allein den Katholiken einräumte – den Buddhismus führte sie rechtlich als bloßen Verein. Weiter forderten sie, die Verhaftungen und Einschüchterungen zu beenden, Predigt und Religionsausübung freizugeben sowie die Hinterbliebenen von Huế zu entschädigen und die Urheber der Tötungen zu bestrafen. Ngô Đình Nhu jedoch, der die antibuddhistische Politik vorantrieb, bekämpfte jeden Kompromiss, und Diệm schrieb die Unruhen kommunistischer Unterwanderung zu. Aus einer religionspolitischen Auseinandersetzung wurde so binnen Wochen ein Sammelbecken für alle, die dem Regime ohnehin ablehnend gegenüberstanden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine alte Praxis, eine neue Wirkung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Selbstverbrennung, zu der Thích Quảng Đức griff, hatte in der mahayana-buddhistischen Überlieferung eine lange Geschichte; seit dem chinesischen Mittelalter sind solche Opfer zu Ehren Buddhas bezeugt, in Vietnam selbst allerdings nur vereinzelt. Neu war die Öffentlichkeit, in die der Mönch sie stellte – eine Straßenkreuzung der Hauptstadt, in Reichweite eines wachsenden ausländischen Pressekorps, dem man den Termin zuvor gesteckt hatte. Bei der Einäscherung, so berichteten die Mönche, blieb sein Herz unversehrt; sie bewahrten es als Reliquie in der Xá-Lợi-Pagode auf, wo es zum Symbol des Widerstands wurde. Weitere Mönche und eine Nonne folgten ihm in den kommenden Monaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Washington kehrte sich damit eine Rechnung um, die ein Jahrzehnt lang aufgegangen war. Diệms Härte gegen seine Feinde hatte Mitte der fünfziger Jahre als politischer Trumpf gegolten; 1963 erschien sie als schwere Belastung. Die amerikanischen Beamten wünschten sich einen Präsidenten, der die verschiedenen Kräfte der südvietnamesischen Gesellschaft zu einer breiten antikommunistischen Front zusammenführte, doch die beiden Brüder trieben die Zersplitterung nur voran. Vollends empörte man sich in den Vereinigten Staaten über Madame Nhu, die die Selbstverbrennungen als „Barbecues&#8220; verspottete und sich erfreut über die Aussicht auf weitere zeigte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Nacht der Pagoden</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/ChuaXaLoi002-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-8264" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/ChuaXaLoi002-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/ChuaXaLoi002-768x1024-1.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/ChuaXaLoi002.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Xá-Lợi-Pagode</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Fünf Tage nach der Selbstverbrennung schien der Streit beigelegt. Am 16. Juni unterzeichneten Regierungsvertreter und eine buddhistische Abordnung unter dem Patriarchen Thích Tịnh Khiết ein gemeinsames Kommuniqué, das auf alle fünf Forderungen einging; Diệm setzte seine Unterschrift darunter und fügte handschriftlich an, das Zugestandene habe er ohnehin längst gebilligt. Umgesetzt wurde davon wenig. Schon wenige Tage darauf meldete die amerikanische Botschaft, das Umfeld der Nhus betreibe eine Kampagne gegen die Vereinbarung: Nhu ließ die Republikanische Jugend Eingaben einreichen, die deren Widerruf verlangten, und strich die Verhandlungen mit den Buddhisten aus den Wochenschauen der Regierung. Die Freilassung der Verhafteten blieb eine offene Forderung, und die Schikanen gegen Pagoden und Mönche dauerten den Sommer über an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt weiter einzulenken, schlug das Regime schließlich zu. Kurz nach Mitternacht des 21. August 1963 stürmten Sondereinheiten und Kampfpolizei zeitgleich buddhistische Pagoden in mehreren Städten des Landes; die Xá-Lợi-Pagode, das größte Heiligtum der Hauptstadt und das Zentrum des Protests, traf es am schwersten. Über 1.400 Mönche und Anhänger wurden verhaftet; wie viele Menschen in jener Nacht starben oder verschwanden, blieb ungeklärt. Am frühen Morgen verkündete Diệm über den Rundfunk den Belagerungszustand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausführung dieser Razzien lag in den Händen der Sonderverbände unter Oberst Lê Quang Tung, der unmittelbar der Präsidentschaft unterstand und eng mit Nhu zusammenarbeitete. Ein Teil der eingesetzten Kampfpolizisten trug dabei Fallschirmjägeruniformen – eine Täuschung, die Nhu die Verantwortung für ein Vorgehen, das Vietnamesen wie Amerikaner erzürnen musste, auf die Streitkräfte abwälzen und zugleich das Vertrauen in jene Generalität untergraben sollte, die längst gegen ihn plante. Was sich in jener Nacht hinter den Mauern abspielte, ließ sich kaum nachprüfen. Die amerikanische Untersuchung des Verteidigungsministeriums verzeichnete für Xá Lợi rund dreißig Verletzte und einige Vermisste; eine gesicherte Bilanz kam nie zustande, zumal das Kriegsrecht die Presse in ihrer Arbeit beschnitt und die ausländischen Korrespondenten sich überwiegend auf buddhistische Quellen stützen mussten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Regime ohne Rückhalt</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="245" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Ngo_Dinh_Diem_from_the_book_Ngo_Dinh_Diem_of_Viet-Nam-245x300.jpg" alt="" class="wp-image-8263" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Ngo_Dinh_Diem_from_the_book_Ngo_Dinh_Diem_of_Viet-Nam-245x300.jpg 245w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Ngo_Dinh_Diem_from_the_book_Ngo_Dinh_Diem_of_Viet-Nam-768x941.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Ngo_Dinh_Diem_from_the_book_Ngo_Dinh_Diem_of_Viet-Nam-835x1024.jpg 835w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Ngo_Dinh_Diem_from_the_book_Ngo_Dinh_Diem_of_Viet-Nam-1253x1536.jpg 1253w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Ngo_Dinh_Diem_from_the_book_Ngo_Dinh_Diem_of_Viet-Nam.jpg 1305w" sizes="auto, (max-width: 245px) 100vw, 245px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ngô Đình Diệm</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die amerikanischen Vertreter verlangten von Diệm, sich mit den Buddhisten zu verständigen, und erhielten widerwillige Zusicherungen, die Unterdrückung werde enden. Hinter den Kulissen aber wuchs der Groll der Brüder über den amerikanischen Druck. Nhu klagte seit Monaten, die amerikanische Präsenz sei zu groß und zu aufdringlich geworden und die Amerikaner setzten sich über die Souveränität Südvietnams hinweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bilder aus Saigon hatten unterdessen eine Wirkung entfaltet, die sich nicht mehr zurücknehmen ließ. Brownes Aufnahme wurde zum World Press Photo des Jahres 1963 gewählt, und für ihre Berichterstattung über Südvietnam erhielten er und David Halberstam von der New York Times im Frühjahr 1964 den Pulitzerpreis für internationale Berichterstattung. Ein Beamter der amerikanischen Botschaft räumte ein, das Foto habe der buddhistischen Sache einen Schock von unschätzbarem Wert verschafft. Für ein amerikanisches Publikum, das Südvietnam als Erfolgsgeschichte präsentiert bekommen hatte, wurde der brennende Mönch zum Bild eines Staates, der auseinanderfiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Wochen steigerte sich die Wut der beiden über die amerikanische Bevormundung zu einer offenen Konfrontation. Anfang September warf eine Saigoner Zeitung, die den Nhus nahestand, dem amerikanischen Geheimdienst vor, einen Staatsstreich gegen Diệm zu betreiben. Der Vorwurf griff reale amerikanische Kontakte zu Putschisten auf, verband sie jedoch mit unbelegten Behauptungen. Zwei Monate später stürzten südvietnamesische Generäle Diệm mit amerikanischer Billigung; was die Zeitung im Einzelnen behauptet hatte, bestätigte sich damit nicht.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<p class="wp-block-paragraph">David L. Anderson (Hg.):&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/Columbia-History-Vietnam-War-English-ebook/dp/B0064CZ0DU?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.8uZoR0hUH28tx93rswMEa7mTKX2p580ucLNgsTBimi5qTOZi2KeauOvEbt4P593ufxzFxwSv8UG11Qwm77Xo9lCAUflO0CIDZGOn7pfQwjFPjGI2bM5xMNpOy27k5N4VNYVLdvrknNdppVhOC0_EYhnT-IJAzhl49azNgUxLWwKcrclCpZ_AtPJGhfRYOOLPM7An7xrIjnCKGuu-adBHmuIUkwIueknfMgE65MhVKLM.JwSLyDBva2tB1ypImVeMLPc5f0VeBmLHKBanbC6eJ-w&amp;dib_tag=se&amp;keywords=The+Columbia+History+of+the+Vietnam+War&amp;qid=1762234583&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=541a1e089bfe2d68e233e6f5e2489ded&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Columbia History of the Vietnam War</a></em>. New York 2010.*<br>Umfassender Sammelband mit Beiträgen zu militärischer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Dimension.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernd Greiner:&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/Krieg-ohne-Fronten-Die-Vietnam/dp/3868542078?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=F1J2DVWDT2B&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7eZNGNq63CMoARsSOMAGZhIxNwwoMe9q0D-CtNia4RzEF9apvtuDT827Pskdc8_4stccruov9HgMGJtrXQLyFmiiRB1BsHIZ6OUuWAJTvvYPd2OjZbskCxLzYJC_YZQFZwwz34U5cn0bc8mkRSrBuVZDZ58bpFvTAQGIM4PdV85fK10sm8c9SGZRsdw9RQZLbwiW-eAn-EPq7FtydLE8G817X1Bh5nEkJ_d2hRuRyGg.q8sMUG0XhU5XePW-KcYX5UDQEu5bvvuDJwTYPTXVjnM&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Krieg+ohne+Fronten.+Die+USA+in+Vietnam&amp;qid=1762234621&amp;sprefix=the+columbia+history+of+the+vietnam+war%2Caps%2C486&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=366cce6220356ed255fc9df2f2f050b6&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam</a></em>. Hamburg 2009.*<br>Analytisch fundierte Studie zur Kriegsführung, Kriegsverbrechen, Eskalationslogik und Gewaltpraxis der US-Armee.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Präsident Diệms  mit Mönchen, Vietnam Press, ca. 1955.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bodhisattva-Thích-Quảng-Đức-Monument: Wikimedia Commons, 源義信. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en" data-type="link" data-id="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pierre Martin Ngô Đình Thục: Wikimedia Commons, TommyJapan1. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Bilder gemeinfrei.</p>
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		<title>Die Geschichte von Bernard Trink und der Entstehung der Soi Cowboy</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 16:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In der Redaktion der Bangkok World herrscht im Jahr 1966 eine besondere Atmosphäre. Zwischen dem Klappern der Schreibmaschinen sticht ein Geräusch hervor: das langsame, fast rhythmische Tippen einer alten Olympia. &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/thailand/der-moralist-mit-dem-eulen-medaillon-bernard-trink-und-das-erbe-der-g-i-s/">Die Geschichte von Bernard Trink und der Entstehung der Soi Cowboy</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Thailand_Regional_Bangkok_-_Soi_Cowboy.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der Redaktion der <em>Bangkok World</em> herrscht im Jahr 1966<sup data-fn="b4d53e4e-24cc-44ce-bc63-42a34c500d57" class="fn"><a href="#b4d53e4e-24cc-44ce-bc63-42a34c500d57" id="b4d53e4e-24cc-44ce-bc63-42a34c500d57-link">1</a></sup> eine besondere Atmosphäre. Zwischen dem Klappern der Schreibmaschinen sticht ein Geräusch hervor: das langsame, fast rhythmische Tippen einer alten Olympia. Am Gerät sitzt ein Mann mit markanten Hosenträgern, die seine Hose bis fast unter die Achseln ziehen. Um den Hals trägt er ein massives Eulen-Medaillon – das Geschenk einer philippinischen Sängerin. Bernard Trink, ein 35-jähriger New Yorker, übernimmt gerade eine bereits existierende, aber lahme Kolumne und beginnt, sie in das berüchtigte Format „Nite Owl“ zu verwandeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von Deutschland nach Japan: Ein weiter Weg nach Bangkok</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="198" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/USS_Bradley_DE-1041_moored_in_the_Chao_Phraya_River_in_February_1970-300x198.jpg" alt="" class="wp-image-6744" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/USS_Bradley_DE-1041_moored_in_the_Chao_Phraya_River_in_February_1970-300x198.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/USS_Bradley_DE-1041_moored_in_the_Chao_Phraya_River_in_February_1970-768x507.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/USS_Bradley_DE-1041_moored_in_the_Chao_Phraya_River_in_February_1970.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mit dem Vietnam-Krieg kamen viele amerikanische Soldaten nach Thailand. Hier die USS Bradley, 1970, auf dem Chao-Praya-Fluss</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Bernard Trinks Weg in die thailändische Hauptstadt war alles andere als geradlinig. Entgegen weitverbreiteter Legenden kam er nicht als Soldat im Koreakrieg nach Asien; seinen Militärdienst hatte er im Nachkriegsdeutschland geleistet. Nach Jahren als Englischlehrer in über 50 Ländern fand die entscheidende Wende in Japan statt. Dort lernte er Mitte der 1960er-Jahre Aree kennen, eine thailändische Rotkreuz-Freiwillige. Die beiden heirateten 1965, und kurz darauf folgte Trink seiner Frau in ihre Heimat, da sie ihr erstes Kind nahe der Familie zur Welt bringen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Ankunft in Bangkok fand er 1966 seine Bestimmung, als er das Entertainment-Ressort der <em>Bangkok World</em> übernahm. Er wurde zum Auge der Nacht – in einer Stadt, die sich durch die Präsenz der US-Truppen während des Vietnamkriegs rasant veränderte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Geburtsstunde der Soi Cowboy</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="169" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/Bangkok_street_signs-300x169.jpg" alt="" class="wp-image-6743" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/Bangkok_street_signs-300x169.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/Bangkok_street_signs-768x432.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/Bangkok_street_signs.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bangkok, 2009</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Eines der Zentren dieses Wandels war eine kleine Gasse nahe der Sukhumvit Road. Dort betrieb T. G. Edwards, ein afroamerikanischer Ex-Luftwaffensoldat, seit Anfang der 1970er-Jahre eine Bar. Edwards, der wegen seines stets präsenten Cowboyhuts nur „The Cowboy“ genannt wurde, war ein Pionier jener Veteranen-Kultur, die das Nachtleben nachhaltig prägte. Trink, der die Gasse regelmäßig besuchte, taufte sie in seiner Kolumne schlicht „Soi Cowboy“. Ein Name, der heute auf jedem Stadtplan steht, der aber ursprünglich eine Hommage an einen ehemaligen G.I. war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der asketische Beobachter des Lasters</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Paradoxon Bernard Trink war seine Lebensweise. Während er über fast vier Jahrzehnte hinweg die „Watering Holes“ und „Demimondaines“ der Stadt beschrieb, blieb er selbst fast abstinent. Statt Bier bestellte er Orangensaft mit Maraschino-Kirschen. Er reiste mit überfüllten öffentlichen Bussen und kämpfte privat leidenschaftlich um seine Lieblingsmarke für Dosen-Eintopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Texte überlebten dabei sogar den Zeitungstitel, bei dem er begonnen hatte: Nachdem die <em>Bangkok Post</em> die <em>Bangkok World</em> übernommen hatte, wanderte die „Nite Owl“ schließlich in das Flaggschiff des Verlagshauses. Dort blieb Trink bis zum Ende seiner Karriere im Dezember 2003 eine Institution. Er war kein Fan der Szene, die er beschrieb; er war ihr Chronist und oft ihr schärfster Kritiker. Seine Warnungen vor Geschlechtskrankheiten waren ebenso legendär wie sein Abschluss-Satz: „But I don&#8217;t give a hoot“ – aber das schert mich nicht. Trink blieb dabei ein Mann der alten Schule: Bis in das hohe Alter weigerte er sich, eine Tastatur anzurühren, die nicht an ein Farbband gekoppelt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2003 endete die „Nite Owl“ abrupt. Die neue Redaktionsleitung der <em>Bangkok Post</em> sah in der Nennung von Bar-Nummern und Massage-Ladys eine Förderung der Prostitution und ein Risiko für das Image der Zeitung.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roger Willemsen (2012): <a href="https://amzn.to/4krtl4d">Bangkok Noir</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Bangkok 1971. Wikimedia Commons, wilford peloquin. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bangkok 2009: Wikimedia Commons, VasenkaPhotography. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fußnoten</h3>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="b4d53e4e-24cc-44ce-bc63-42a34c500d57">Die hier verwendeten Daten folgen dem offiziellen Nachruf der <em>Bangkok Post</em> sowie zeitgenössischen Interviews. In anderen Quellen können andere Datumsangaben gefunden werden. Während Trink ab 1966 für die <em>Bangkok World</em> tätig war und die Rubrik „Nite Owl“ übernahm, entwickelte sich der spezifische Fokus auf das Bar-Viertel-Nachtleben in seiner ikonischen Form verstärkt ab dem Jahr 1972 im Zuge der Wochenendbeilage „Impact“. Je nach Fokus werden andere Startpunkte herausgepickt. <a href="#b4d53e4e-24cc-44ce-bc63-42a34c500d57-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/thailand/der-moralist-mit-dem-eulen-medaillon-bernard-trink-und-das-erbe-der-g-i-s/">Die Geschichte von Bernard Trink und der Entstehung der Soi Cowboy</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Diệms Aufstieg und das Referendum von 1955</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/diems-aufstieg-und-das-referendum-von-1955/">Diệms Aufstieg und das Referendum von 1955</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vietnam_Ngo_Dienh_Diem_1955.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Saigon zählten die Wahlkommissionen am Abend des 23. Oktober 1955 mehr Stimmen für Ngô Đình Diệm, als die Stadt Wahlberechtigte besaß. Rund 605.000 Bürger wählten vermeintlich Ministerpräsidenten, obwohl kaum 450.000 in den Listen standen; landesweit wies das amtliche Ergebnis ihm 98,2 Prozent zu. Die Zahl verriet das Verfahren, das sie beglaubigen sollte, denn ein Ergebnis, das die Zahl der Stimmberechtigten übersteigt, kann nur gefälscht sein. Mit diesem Plebiszit setzte Diệm den Staatschef Bảo Đại ab und machte sich selbst zum Präsidenten einer neu ausgerufenen Republik Vietnam. Wie ein katholischer Mandarin ohne eigene Hausmacht binnen anderthalb Jahren an diesen Punkt gelangte, ist die eigentliche Geschichte hinter der grotesken Arithmetik jenes Oktobertages.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Mandarin ohne Hausmacht</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="238" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/1stIndochinaWar003-300x238.jpg" alt="" class="wp-image-7851" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/1stIndochinaWar003-300x238.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/1stIndochinaWar003-768x610.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/1stIndochinaWar003.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Indochina-Konferenz, 1954</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Als Bảo Đại im Juni 1954 – während in Genf noch über die Teilung des Landes verhandelt wurde – Ngô Đình Diệm zum Ministerpräsidenten des Staates Vietnam ernannte, übernahm dieser ein Amt fast ohne Grundlage. Der Süden, in dem sich die französischen und antikommunistischen Kräfte gemäß der Genfer Waffenstillstandsregelung sammelten, glich weniger einem Staat als einem Flickenteppich rivalisierender Mächte: Im Mekongdelta herrschten die bewaffneten Anhänger der religiösen Bewegungen Cao Đài und Hòa Hảo, in Saigon selbst kontrollierte das Verbrechersyndikat der Bình Xuyên die Polizei und das lukrative Glücksspiel- und Rotlichtgewerbe, während die Verwaltung Bảo Đạis kaum mehr besaß als den Schatten einer Armee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diệm brachte für diese Aufgabe eine ungewöhnliche Biografie mit. Er stammte aus einer katholischen Mandarinfamilie aus Huế, hatte den Franzosen ebenso die Gefolgschaft verweigert wie den Kommunisten und lehnte 1946 sogar ein Angebot Hồ Chí Minhs ab, weil die Việt Minh im Jahr zuvor seinen Bruder Ngô Đình Khôi getötet hatten. In den frühen fünfziger Jahren lebte er in katholischen Seminaren in den Vereinigten Staaten, wo er einflussreiche Fürsprecher fand, unter ihnen den Kardinal Francis Spellman und den jungen Senator John F. Kennedy. Seine glühende Ablehnung des Kommunismus und sein katholischer Glaube empfahlen ihn amerikanischen Politikern als möglichen Gegenspieler Hồ Chí Minhs, auch wenn ihn viele für einen weltfremden Einzelgänger hielten. Der amerikanische Botschafter in Paris warnte, Diệm wirke wie ein Mystiker – ein Urteil, das die Zweifel spiegelte, ob dieser Mann eine zerfallende Gesellschaft würde zusammenhalten können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Kampf um Saigon</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst hing Diệms Herrschaft an einem seidenen Faden. General Nguyễn Văn Hinh, der Stabschef der südvietnamesischen Armee, drohte 1954 offen mit einem Sturz des Ministerpräsidenten, und in Washington wuchs die Neigung, auf ein anderes Pferd zu setzen. Präsident Eisenhower entsandte den General J. Lawton Collins als Sonderbeauftragten nach Saigon, und dieser kam im Frühjahr 1955 zu dem Schluss, Diệm sei der Lage nicht gewachsen; das Außenministerium bereitete bereits eine Weisung vor, die den unbequemen Schützling fallen lassen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diệm jedoch kam der Absetzung mit einem Gewaltstreich zuvor. Ende April 1955 ließ er seine Truppen gegen die Bình Xuyên vorgehen, deren Verbände sich in den Straßen von Saigon und im angrenzenden Chợ Lớn verschanzt hatten. Tagelange Kämpfe legten ganze Viertel in Schutt und Asche und trieben Zehntausende in die Flucht, doch am Ende zerschlug die Armee die Macht des Syndikats. Anschließend unterwarf Diệm auch die Privatarmeen der Sekten im Delta. Der Erfolg auf dem Schlachtfeld entschied die Frage in Washington, die die Diplomatie offengelassen hatte: Wer eben noch als untragbar galt, erschien nun als der starke Mann, den man gesucht hatte, und die Eisenhower-Regierung stellte sich hinter ihn. Beraten wurde Diệm dabei von dem amerikanischen Geheimdienstoffizier Edward Lansdale, dessen Team in Saigon operierte und dessen Rat den Aufstieg des Ministerpräsidenten von nun an begleitete.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Rote und grüne Zettel</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="230" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Portrait_of_Emperor_Bao_Dai_Harcourt_Paris-230x300.jpg" alt="" class="wp-image-7852" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Portrait_of_Emperor_Bao_Dai_Harcourt_Paris-230x300.jpg 230w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Portrait_of_Emperor_Bao_Dai_Harcourt_Paris-786x1024.jpg 786w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Portrait_of_Emperor_Bao_Dai_Harcourt_Paris-768x1000.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Portrait_of_Emperor_Bao_Dai_Harcourt_Paris.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bảo Đại, Paris, um 1950</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Das letzte Hindernis seiner Alleinherrschaft saß in Frankreich: der Staatschef Bảo Đại. Dessen Absetzung kleidete Diệm in ein Plebiszit, das die Umwandlung des Staates in eine Republik unter seiner Präsidentschaft besiegeln sollte. Die Inszenierung überließ er wenig dem Zufall. Die Stimmzettel für ihn selbst waren rot gehalten, in der vietnamesischen Symbolik die Farbe des Glücks, jene für Bảo Đại grün, eine Farbe des Unglücks und der Schande. Wahlkabinen gab es zwar, doch musste die nicht verwendete Hälfte des Stimmzettels weggeworfen werden – ein Verfahren, das das Wahlgeheimnis faktisch unterlaufen konnte und Wähler des Ex-Kaisers unter Druck setzte. Lansdale soll den Ministerpräsidenten gewarnt haben, ein allzu triumphales Ergebnis werde niemand glauben, und ihm zu einer maßvolleren Mehrheit geraten haben. Der Rat verhallte: Diệms Bruder Ngô Đình Nhu, der die Wahlmaschinerie steuerte, ließ die 98,2 Prozent verkünden, deren Saigoner Überhang den Betrug für jeden sichtbar machte, der nachrechnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 26. Oktober 1955 rief Diệm die Republik Vietnam aus und übernahm ihre Präsidentschaft. Der Staat Bảo Đạis, ein Geschöpf der französischen Kolonialpolitik, hatte damit aufgehört zu bestehen, und mit ihm schwand der letzte formale Rest jener Ordnung, die Frankreich im Süden hinterlassen hatte. Kurz darauf zog Paris auch seine Armee ab, verbittert darüber, von den Amerikanern als führende westliche Macht in Vietnam verdrängt worden zu sein – ein Rückzug, der die Bindung zwischen Washington und Saigon noch enger knüpfte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Staat der Familie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Republik, die aus dem Plebiszit hervorging, trug von Beginn an die Züge einer Familienherrschaft. Diệm regierte im Verein mit seinen Brüdern, allen voran dem Berater und Geheimdienstlenker Nhu, und stützte sich auf die verdeckt organisierte Cần-Lao-Partei sowie auf einen wachsenden Sicherheitsapparat. Gegen die zurückgebliebenen Anhänger der Việt Minh richtete das Regime ab 1955 Denunziationskampagnen, in deren Verlauf mutmaßliche Kommunisten verhaftet und vielfach getötet wurden – eine Verfolgung, die weit über den harten Kern der Untergrundkämpfer hinausgriff und die Landbevölkerung gegen Saigon aufbrachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf internationaler Ebene ließ Diệm zugleich die folgenreichste Erwartung von Genf ins Leere laufen. Die für Juli 1956 vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen, die das Land wiedervereinigen sollten, standen in Ziffer 7 der Schlusserklärung – einem Text, den niemand unterzeichnete und dem der Staat Vietnam ausdrücklich widersprochen hatte, weshalb bis heute umstritten ist, wieweit Saigon rechtlich gebunden war. Diệms Regierung lehnte die Wahlen rundheraus ab und verweigerte jedes Gespräch mit Hanoi über deren Durchführung. Washington, das eine Abstimmung fürchtete, weil Hồ Chí Minh sie mit großer Wahrscheinlichkeit gewonnen hätte, ließ ihn gewähren. Die beiden Genfer Vorsitzmächte, Großbritannien und die Sowjetunion, wandten sich am 8. Mai 1956 mit gemeinsamen Botschaften an die Beteiligten und sammelten deren Antworten; ihre diplomatischen Vorstöße blieben jedoch wirkungslos, und zu einer Durchsetzung der Wahlen kam es nicht. Die Teilung, in Genf ausdrücklich als vorläufig bezeichnet, verhärtete sich damit zur Dauergrenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Vereinigten Staaten galt Diệm um 1957 vielen als Erfolgsgeschichte, als der Mann, der aus dem Chaos einen Staat geformt hatte; Kennedy nannte die junge Republik gar einen Grundpfeiler der freien Welt in Südostasien. Doch der Preis dieser Ordnung war eine Herrschaft, die ihre Legitimität aus gefälschten Zahlen bezog und ihre Sicherheit aus der Verfolgung. Auf dem Land, wo die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lebte, ging das Regime binnen weniger Jahre dazu über, ganze Dörfer zwangsweise umzusiedeln, um sie den Aufständischen zu entziehen. Der Boden, auf dem der Aufstand wuchs, war damit bereitet.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="509" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Ngo_Dinh_Diem_at_Washington_-_ARC_542189.jpg" alt="" class="wp-image-7853" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Ngo_Dinh_Diem_at_Washington_-_ARC_542189.jpg 640w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Ngo_Dinh_Diem_at_Washington_-_ARC_542189-300x239.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eisenhower empfängt Diệm in Washington, 1957</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marc Frey:<a href="https://www.amazon.de/Geschichte-Vietnamkriegs-Trag%C3%B6die-amerikanischen-Paperback/dp/3406787835?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=GVBA1VS3M5VW&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9._A2qUeISHcqBRAbUwSLFUnoEvdsImUEmhmN-AekAQAPNjYLlxx3923f2UzzlBi7SEZf8Eq0s_SRWK4ddHKSh9RTjvOzzBo-PdC2t4fYhmuQlNvXidafPpvGJX0ndko3sWnyLIbKgx2kMB6JQF2IWElEfCVsPgWCjY_BNMIGAsDRRI9-Pk3RfWkl4UOZhCJncQcF30BwtkzZSr_tIYJli7YfGLh8-i08qzUV2R2uhGhs.zpK-7K7q-X0tPzAVcEZoeV9NphlzS5t0NhNj56U7cA8&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Marc+Frey%3A+Geschichte+des+Vietnamkriegs&amp;qid=1762234310&amp;sprefix=marc+frey+geschichte+des+vietnamkriegs%2Caps%2C307&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=166f1512120b9f31edef189dc8ec2a0b&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">&nbsp;<em>Geschichte des Vietnamkriegs</em></a>. München 2022.*<br>Gut lesbare und quellengestützte Einführung in Ursachen, Verlauf und internationale Verflechtung des Konflikts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">David L. Anderson (Hg.):&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/Columbia-History-Vietnam-War-English-ebook/dp/B0064CZ0DU?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.8uZoR0hUH28tx93rswMEa7mTKX2p580ucLNgsTBimi5qTOZi2KeauOvEbt4P593ufxzFxwSv8UG11Qwm77Xo9lCAUflO0CIDZGOn7pfQwjFPjGI2bM5xMNpOy27k5N4VNYVLdvrknNdppVhOC0_EYhnT-IJAzhl49azNgUxLWwKcrclCpZ_AtPJGhfRYOOLPM7An7xrIjnCKGuu-adBHmuIUkwIueknfMgE65MhVKLM.JwSLyDBva2tB1ypImVeMLPc5f0VeBmLHKBanbC6eJ-w&amp;dib_tag=se&amp;keywords=The+Columbia+History+of+the+Vietnam+War&amp;qid=1762234583&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=541a1e089bfe2d68e233e6f5e2489ded&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Columbia History of the Vietnam War</a></em>. New York 2010.*<br>Umfassender Sammelband mit Beiträgen zu militärischer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Dimension.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernd Greiner:&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/Krieg-ohne-Fronten-Die-Vietnam/dp/3868542078?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=F1J2DVWDT2B&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7eZNGNq63CMoARsSOMAGZhIxNwwoMe9q0D-CtNia4RzEF9apvtuDT827Pskdc8_4stccruov9HgMGJtrXQLyFmiiRB1BsHIZ6OUuWAJTvvYPd2OjZbskCxLzYJC_YZQFZwwz34U5cn0bc8mkRSrBuVZDZ58bpFvTAQGIM4PdV85fK10sm8c9SGZRsdw9RQZLbwiW-eAn-EPq7FtydLE8G817X1Bh5nEkJ_d2hRuRyGg.q8sMUG0XhU5XePW-KcYX5UDQEu5bvvuDJwTYPTXVjnM&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Krieg+ohne+Fronten.+Die+USA+in+Vietnam&amp;qid=1762234621&amp;sprefix=the+columbia+history+of+the+vietnam+war%2Caps%2C486&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=366cce6220356ed255fc9df2f2f050b6&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam</a></em>. Hamburg 2009.*<br>Analytisch fundierte Studie zur Kriegsführung, Kriegsverbrechen, Eskalationslogik und Gewaltpraxis der US-Armee.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Diem mit Militärs, Oktober 1954.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Bilder gemeinfrei.</p>
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		<title>Zwischen Lotusblüte und Bajonett &#8211; Thailands Weg durch das 20. Jahrhundert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wintersonne glitzert auf dem Genfersee, während zwei junge Brüder in der Schweiz ihre Skier wachsen. Ananda und Prinz Bhumibol führen in den 1940er Jahren ein Leben geprägt von europäischer &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/zwischen-lotusbluete-und-bajonett-thailands-weg-durch-das-20-jahrhundert/">Zwischen Lotusblüte und Bajonett &#8211; Thailands Weg durch das 20. Jahrhundert</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Wintersonne glitzert auf dem Genfersee, während zwei junge Brüder in der Schweiz ihre Skier wachsen. Ananda und Prinz Bhumibol führen in den 1940er Jahren ein Leben geprägt von europäischer Bildung. Sie büffeln Latein und sprechen fließend Deutsch. Doch die Idylle endet abrupt: Ein Telegramm aus Bangkok ruft die Brüder in die Heimat zurück. Nach Jahren im Schatten der japanischen Besatzung stand Thailand 1945 vor der Trümmerlast seiner Bündnispolitik und dem dringenden Bedürfnis nach einer stabilen Führung..</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein ungeklärter Schuss im Großen Palast</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am 5. Dezember 1945 setzen die Brüder ihren Fuß auf thailändischen Boden. Am Flughafen Don Mueang bereitet ihnen Pridi Phanomyon, der zivile Kopf des Widerstands gegen die japanische Besatzung, einen triumphalen Empfang. Das Volk jubelt dem jungen König Ananda Mahidol (Rama VIII.) zu. In ihm sehen die Menschen den Garanten für eine Rückkehr zur Demokratie.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="601" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/King_Ananda_with_Srinagarindra_and_Bhumibol_1945-1024x601.png" alt="" class="wp-image-7258" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/King_Ananda_with_Srinagarindra_and_Bhumibol_1945-1024x601.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/King_Ananda_with_Srinagarindra_and_Bhumibol_1945-300x176.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/King_Ananda_with_Srinagarindra_and_Bhumibol_1945-768x451.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/King_Ananda_with_Srinagarindra_and_Bhumibol_1945-1536x901.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/King_Ananda_with_Srinagarindra_and_Bhumibol_1945-2048x1202.png 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/King_Ananda_with_Srinagarindra_and_Bhumibol_1945-scaled.png 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">König Ananda mit Srinagarindra und Bhumibol, 1945</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Diese Hoffnung zerbricht am Morgen des 9. Juni 1946. Ein einziger Schuss hallt durch die Gemächer des Boromphiman-Palastes. Kammerdiener stürzen in das Schlafzimmer und finden den 20-jährigen König tot in seinem Bett vor. Bis heute bleibt dieser Moment ein nationales Trauma. Ob es ein tragisches Unglück oder eine gezielte Tat war, bleibt ungeklärt. Die Justiz lässt später drei Palastbeamte hinrichten, doch die historischen Akten bieten keine Gewissheit. Inmitten dieses Vakuums tritt der 18-jährige Bhumibol Adulyadej das schwere Erbe an. Er kehrt zunächst nach Lausanne zurück, um sein Studium auf Rechtswissenschaften und politische Verwaltung umzustellen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Rückkehr der starken Männer</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="288" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Phibun_1947-288x300.jpg" alt="" class="wp-image-7259" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Phibun_1947-288x300.jpg 288w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Phibun_1947.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px" /><figcaption class="wp-element-caption">Phibun Songkhram, 1947</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Während der junge König in Europa weilt, zerreißt in Bangkok das politische Gefüge. 1948 putscht sich Feldmarschall Phibun Songkhram zurück an die Macht. Es ist eine paradoxe Situation: Phibun führte Thailand im Krieg noch an die Seite der Achsenmächte. Nun aber erkennt Washington in ihm einen nützlichen Partner gegen die kommunistische Gefahr in Südostasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thailand wandelt sich zum militärischen Vorposten der USA. In den Reisfeldern wird die Propaganda gegen den Kommunismus zum Alltag. Als 1950 der <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/korea-krieg/">Koreakrieg</a> ausbricht, zögert die thailändische Führung nicht. Insgesamt entsendet das Land im Verlauf des Konflikts über 11.000 Soldaten an die Front. Das erste Kontingent von rund 1.200 Mann erwirbt sich aufgrund seiner Tapferkeit bald den Ruf als „Little Tigers“. Im selben Jahr, am 5. Mai 1950, kehrt Bhumibol zur feierlichen Krönung nach Bangkok zurück. Er schwört, zum Wohle des thailändischen Volkes zu regieren – ein Versprechen, das er durch seine Reisen in die ärmsten Provinzen einzulösen versucht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Allianz von Thron und Kaserne</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="231" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Sarit_Thanarat_in_1950s-231x300.jpg" alt="" class="wp-image-7260" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Sarit_Thanarat_in_1950s-231x300.jpg 231w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Sarit_Thanarat_in_1950s.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sarit Thanarat, 1950er</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">1957 übernimmt General Sarit Thanarat durch einen unblutigen Umsturz die Regie. Er sucht die Nähe zum Thron und bindet den König aktiv in seine Herrschaft ein. Sarit versteht, dass er für sein autoritäres Regime die moralische Autorität des Monarchen benötigt. Er belebt alte höfische Rituale wieder und stärkt so die öffentliche Präsenz Bhumibols.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Sarit und seinem Nachfolger Thanom Kittikachorn erlebt Thailand einen rasanten wirtschaftlichen Wandel. Mit US-Geldern entstehen riesige Staudämme und ein dichtes Netz aus Fabriken. Das Land öffnet sich dem westlichen Kapital. In Bangkok entstehen moderne Kaufhäuser, während die Jugend westliche Mode für sich entdeckt. Doch der Preis ist hoch: Wer gegen die Generäle aufbegehrt, riskierte Verhaftung oder das plötzliche Verschwinden aus dem öffentlichen Leben. Die Schere zwischen der Stadtbevölkerung und den verarmten Bauern auf dem Land klafft immer weiter auseinander.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Im Schatten des Vietnamkriegs</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ende der 1960er Jahre erreicht der Kalte Krieg in Südostasien seinen Siedepunkt. Thailand wird zur zentralen Logistikdrehscheibe für den US-Einsatz in Vietnam. Auf Luftwaffenstützpunkten wie U-Tapao sind zeitweise 45.000 US-Soldaten stationiert. Riesige B-52-Bomber starten von hier zu ihren Einsätzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Präsenz der Amerikaner bringt Dollar ins Land, verändert aber auch die gesellschaftlichen Strukturen massiv. Das Rotlichtmilieu in Bangkok wächst sprunghaft an. Gleichzeitig radikalisiert sich die thailändische Linke. In den dichten Wäldern des Nordens formiert sich die Kommunistische Partei Thailands (CPT) zum bewaffneten Kampf. Inspiriert von Mao Zedong versuchen sie, die ländliche Bevölkerung für eine Revolution zu gewinnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Schuss am 14. Oktober</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unzufriedenheit über die korrupte Militärdiktatur Thanoms entlädt sich im Oktober 1973. Zehntausende Studenten und Arbeiter strömen auf die Ratchadamnoen-Allee in Bangkok. Sie fordern eine Verfassung und die Abschaffung der Tyrannei. Am 14. Oktober eskaliert die Situation: Die Polizei eröffnet das Feuer auf die unbewaffnete Menge. Panzer rollen durch die Straßen, während Hubschrauber die Universitätsgebäude unter Beschuss nehmen. 77 Menschen sterben, über 800 werden verletzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Moment greift König Bhumibol direkt ein. Er lässt die Tore seines Palastes für die flüchtenden Studenten öffnen. Er zwingt die Generäle Thanom und Praphas zum Rücktritt, woraufhin diese das Land verlassen. Mit der Ernennung des Professors Sanya Dharmasakti beginnt eine kurze Phase der Demokratie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Trauma an der Thammasat-Universität</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Sculpture_of_6_October_1976_Memorial-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-7261" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Sculpture_of_6_October_1976_Memorial-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Sculpture_of_6_October_1976_Memorial-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/04/Sculpture_of_6_October_1976_Memorial.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Denkmal an der Thammasat-Universität</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die neue Freiheit ist fragil. Während Studenten für Landreformen demonstrieren, formieren sich am rechten Rand militante Gruppen wie die „Dorfpfadfinder“. Sie sehen die Monarchie durch den „roten Geist“ bedroht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spannungen gipfeln am 6. Oktober 1976. Nach einer vermeintlichen Beleidigung des Kronprinzen stürmen rechte Milizen das Gelände der Thammasat-Universität. Es folgt ein Gewaltexzess von erschütternder Grausamkeit: Studenten werden gelyncht oder auf offener Straße verbrannt. Die offizielle Bilanz spricht von 46 Toten, Augenzeugen berichten von weit über hundert Opfern. Ein erneuter Militärputsch beendet das demokratische Experiment und treibt Tausende junge Aktivisten in den Untergrund.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weg zur Stabilität</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1980er Jahren vollzieht die Führung unter General Prem Tinsulanonda eine strategische Wende. Prem erkennt, dass die kommunistische Guerilla nicht allein mit Waffen zu besiegen ist. Er setzt auf Versöhnung statt auf reine Repression. Durch kluge Amnestieprogramme bietet die Regierung den Kämpfern im Dschungel eine Rückkehr in die Gesellschaft an. Die kommunistische Bewegung bricht zusammen, auch weil China seine Unterstützung einstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als 1991 der Kalte Krieg auch global endet, hat sich Thailand zu einer führenden Industrienation Südostasiens gewandelt. Die tiefen Gräben zwischen konservativen Kräften und dem Ruf nach Mitspracherecht bleiben jedoch unter der Oberfläche bestehen. </p>



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<table class="timeline-table">
  <thead>
    <tr>
      <th>Jahr</th>
      <th>Ereignis</th>
    </tr>
  </thead>
  <tbody>
    <tr><td>1910</td><td>Rama VI. besteigt den Thron und fördert Nationalismus und thailändische Identität.</td></tr>
    <tr><td>1917</td><td>Thailand erklärt Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg im Ersten Weltkrieg.</td></tr>
    <tr><td>1929</td><td>Weltwirtschaftskrise trifft Thailand und führt zu wirtschaftlicher Instabilität.</td></tr>
    <tr><td>1932</td><td>Staatsstreich beendet die absolute Monarchie, Einführung einer Verfassung mit Volksvertretung.</td></tr>
    <tr><td>1934</td><td>Phibun Songkhram errichtet autoritäres Regime mit nationalistischen Reformen.</td></tr>
    <tr><td>1942</td><td>Thailand erklärt auf japanischen Druck den USA und Großbritannien den Krieg.</td></tr>
    <tr><td>1945</td><td>Kapitulieren Japans; Thailand distanziert sich von den Achsenmächten.</td></tr>
    <tr><td>1946</td><td>Tod von König Ananda Mahidol (Rama VIII.) unter ungeklärten Umständen.</td></tr>
    <tr><td>1948</td><td>Phibun Songkhram kehrt an die Macht zurück; Beginn der US-Orientierung Thailands.</td></tr>
    <tr><td>1957</td><td>General Sarit übernimmt die Macht und etabliert ein autoritäres Regime.</td></tr>
    <tr><td>1973</td><td>Blutige Niederschlagung von Massenprotesten in Bangkok, über 70 Tote.</td></tr>
    <tr><td>1991</td><td>Ende des Kalten Krieges mit Auflösung der Sowjetunion.</td></tr>
  </tbody>
</table>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Grand Palace, Bangkok.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denkmal: Wikimedia Commons, Xiengyod. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>
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		<title>Die Geburt einer Nationallegende &#8211; Wie die Phở in die Garküchen von Hanoi kam</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein massiver gusseiserner Topf dampft in der feuchten Hitze Hanois, während französische Soldaten am Ende des 19. Jahrhunderts ihren Fleischtopf, den Pot-au-feu, verzehren. Was für die Besatzer ein Stück Heimat &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/vietnam/die-geburt-einer-nationallegende-wie-die-pho-in-die-garkuechen-von-hanoi-kam/">Die Geburt einer Nationallegende &#8211; Wie die Phở in die Garküchen von Hanoi kam</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein massiver gusseiserner Topf dampft in der feuchten Hitze Hanois, während französische Soldaten am Ende des 19. Jahrhunderts ihren Fleischtopf, den <em>Pot-au-feu</em>, verzehren. Was für die Besatzer ein Stück Heimat ist, bildet für die findigen Straßenverkäufer der Stadt die Grundlage einer kulinarischen Revolution: Sie beziehen die damals fast wertlosen Rinderknochen direkt von den Schlachthöfen, um daraus eine preiswerte, aber nahrhafte Brühe für die Hafenarbeiter und Lastenträger zu kochen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Kolonialherrschaft und Straßenhandel</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entstehung der Phở ist eng mit der französischen Kolonialverwaltung ab den 1880er Jahren verknüpft. Da Wasserbüffel in Vietnam als wertvolle Arbeitstiere galten, schonten die Bauern ihre Bestände. Um den Hunger französischer Beamter und Offiziere nach Rindfleisch zu stillen, importierten chinesische Großhändler daher monatlich hunderte Rinder aus Kambodscha. In den Gassen Hanois nutzten die vietnamesischen Verkäufer dieses neue Angebot an Rinderschlachtresten und kombinierten sie mit einer bereits etablierten Zutat: den flachen Reisbandnudeln (<em>Bánh Phở</em>). Diese Nudelsorte hatten chinesische Einwanderer bereits Jahrzehnte zuvor aus dem südchinesischen Raum nach Nordvietnam gebracht. Während die Nudeln also längst zum Stadtbild gehörten, war die Verwendung von Rinderbrühe ein radikaler Bruch mit der bisherigen Tradition, die auf Schweinefleisch oder Büffel basierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name des Gerichts selbst zeugt von diesem Aufeinandertreffen zweier Welten. Sprachhistoriker sehen in „Phở“ die vietnamesische Antwort auf das französische Wort „Feu“ (Feuer). Die Wanderverkäufer am Straßenrand verfeinerten das Aroma, indem sie Ingwer und Zimtstangen über offenem Feuer rösteten. Besonders der Einsatz von schwarzem Kardamom verleiht dem Gericht jene rauchige Note, die es bis heute unverwechselbar macht.</p>



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        <h2>DIE VIER SÄULEN</h2>
        <div class="divider"></div>
    </div>
    
    <div class="pho-sym-grid">
        <div class="sym-card">
            <div class="indicator bg-bones"></div>
            <h3>Rinderknochen</h3>
            <p>Das französische Erbe. Langsam ausgekocht bilden sie das kräftige Fundament der klaren Brühe.</p>
        </div>

        <div class="sym-card">
            <div class="indicator bg-noodles"></div>
            <h3>Bánh Phở</h3>
            <p>Der chinesische Einfluss. Sanfte Reisbandnudeln, die die Aromen der Suppe perfekt aufsaugen.</p>
        </div>

        <div class="sym-card">
            <div class="indicator bg-spice"></div>
            <h3>Kardamom</h3>
            <p>Die vietnamesische Seele. Verleiht der Ur-Phở aus Hanoi ihre unverwechselbar rauchige Tiefe.</p>
        </div>

        <div class="sym-card">
            <div class="indicator bg-quay"></div>
            <h3>Quẩy</h3>
            <p>Das Symbol der Resilienz. Frittierte Teigstangen, die aus der Notzeit zur festen Tradition wurden.</p>
        </div>
    </div>
</div>



<h3 class="wp-block-heading">Spiegel einer geteilten Nation</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Genfer Konferenz 1954 das Land in Nord- und Südvietnam spaltete, trugen Flüchtlinge das Rezept mit sich in den Süden. In Saigon veränderte sich die Mahlzeit unter dem Einfluss des tropischen Überflusses: Die dortigen Gastronomen ergänzten die schlichte, klare Variante des Nordens – bekannt als <em>Phở Bắc</em> – um frische Kräuterbüschel, knackige Bohnensprossen und süßliche Saucen. Der Inhalt der Schüsseln wurde vielfältiger und üppiger, ganz so wie es der landwirtschaftliche Reichtum des Mekong-Deltas erlaubte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Norden hingegen diktierte der Indochinakrieg das Rezept. Da Rindfleisch in den 1960er Jahren fast vollständig vom Markt verschwand, verkauften die staatlichen Kantinen eine fleischlose Notvariante gegen offizielle Lebensmittelgutscheine. Die Bewohner Hanois tauschten ihre mühsam ersparten Staatspapiere gegen eine magere Brühe ein, die sie mit bitterem Humor <em>Phở không người lái</em> nannten – „Phở ohne Pilot“, benannt nach den unbemannten US-Drohnen am Himmel. Um den Magen dennoch zu füllen, tunkten sie frittierte Teigstangen (<em>Quẩy</em>) in die heiße Flüssigkeit. Diese Sitte hat die Jahre der Entbehrung überdauert und gehört heute fest zum morgendlichen Bild in der Hauptstadt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von den Gassen Hanois in die Welt</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/Homemade__Pho_ga__by_A-300x300.jpeg" alt="" class="wp-image-6737" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/Homemade__Pho_ga__by_A-300x300.jpeg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/Homemade__Pho_ga__by_A-150x150.jpeg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/02/Homemade__Pho_ga__by_A.jpeg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Phở gà &#8211; Pho-Suppe mit Hühnchen</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Wiedervereinigung 1975 und die darauffolgenden Fluchterfahrungen machten das Nationalgericht schließlich zu einem weltweiten Phänomen. Auswanderer in den USA oder Australien bereiteten die Speise in der Fremde als greifbare Erinnerung an ihre Heimat zu. In den Metropolen der Welt entstanden kleine Lokale, die den Duft von Kardamom und kräftigem Fond in westliche Innenstädte brachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Phở hat sich so von der Resteverwertung am Schlachthof zu einem Symbol für die vietnamesische Identität entwickelt, die selbst unter schwierigsten Bedingungen Bestand hat. Ob das Gericht künftig durch vegetarische Trends oder moderne Garmethoden eine weitere Wandlung erfährt, bleibt eine der spannenden Beobachtungen für die kommende Generation von Gastronomen und Genießern.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Simi und Stefan Leistner (2019): <a href="https://amzn.to/3O3tqz3">Authentic Pho: Die Kult-Suppe aus Vietnam &#8211; Geschichten und Rezepte zu Vietnams berühmter Nudelsuppe &#8211; authentische, leckere Rezepte zum Teil auch vegetarisch &amp; vegan</a>.*</p>



<p class="wp-block-paragraph">Englischer Blog von <a href="https://vickypham.com/blog/vietnamese-beef-noodle-soup-pho-bo/">Vicky Pham</a> mit Kochtipps zu Pho und anderen vietnamesischen Gerichten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Phở Bò &#8211; Rindfleisch Pho-Suppe. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Bilder gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/vietnam/die-geburt-einer-nationallegende-wie-die-pho-in-die-garkuechen-von-hanoi-kam/">Die Geburt einer Nationallegende &#8211; Wie die Phở in die Garküchen von Hanoi kam</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Vergessene Folgen des Vietnamkriegs &#8211; Laos und die Streubomben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2025 04:30:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das vergessene Erbe des Vietnamkriegs: Laos und die Streubomben Während des Vietnamkriegs suchten Vietcong-Kämpfer Zuflucht in den laotischen Grenzgebieten. Die Antwort der USA war verheerend: Sie bombardierten das neutrale Laos &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/das-vergessene-erbe-des-vietnamkriegs-laos-und-die-streubomben/">Vergessene Folgen des Vietnamkriegs &#8211; Laos und die Streubomben</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Das vergessene Erbe des Vietnamkriegs: Laos und die Streubomben</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-2630" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-1152x1536.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-1536x2048.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-scaled.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eingang COPE-Center</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Während des Vietnamkriegs suchten Vietcong-Kämpfer Zuflucht in den laotischen Grenzgebieten. Die Antwort der USA war verheerend: Sie bombardierten das neutrale Laos mit einer beispiellosen Intensität. Besonders perfide war dabei der Einsatz von Streubomben – einer Waffengattung, die bis heute Menschenleben fordert und für unzählige Verstümmelungen verantwortlich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jede dieser Waffen besteht aus hunderten kleiner Bomben, sogenannten Submunitionen&nbsp; oder &#8222;Bomblets&#8220;. Zwischen 1964 und 1973 führten die USA 580.000 Luftangriffe gegen Laos durch und warfen dabei 270 Millionen dieser kleinen Sprengkörper ab. Das Tückische daran: Etwa 30 Prozent explodierten nicht beim Aufprall. So verwandelten sich geschätzte 80 Millionen nicht detonierte Bomblets in Todesfallen, die das ganze Land übersäten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Leben mit dem unsichtbaren Tod</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-2631" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-1152x1536.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-1536x2048.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-scaled.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Grausamkeit dieser Waffe offenbart sich im Alltag der Menschen. Stellen Sie sich einen Reisbauern während des Krieges vor: Er hört das Dröhnen der Bomber über seinem Dorf, weiß um die tödliche Fracht, die sie abwerfen. Am nächsten Morgen muss er dennoch hinaus auf seine Felder – dorthin, wo der Tod unsichtbar im Boden lauert, getarnt als harmlose Metallkugel zwischen den Reishalmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den 80 Millionen Blindgängern konnten zwischen 1996 und 2009 lediglich eine Million entschärft werden. Noch immer explodieren jährlich etwa 300 dieser Relikte des Krieges und fordern Tote und Verletzte. Es wird noch Generationen dauern, bis Laos wieder sicher ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hoffnung durch Hilfe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Organisation COPE (Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise) widmet sich den Opfern dieser Explosionen und stellt Prothesen bereit. Doch ihre Arbeit geht weit über die medizinische Versorgung hinaus: Sie kämpft aktiv gegen den Einsatz von Streubomben weltweit und betreibt in Vientiane ein Museum, das über die anhaltenden Gefahren dieser Waffen aufklärt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="863" height="1024" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-863x1024.png" alt="" class="wp-image-2632" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-863x1024.png 863w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-253x300.png 253w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-768x912.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-1294x1536.png 1294w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_.png 1348w" sizes="auto, (max-width: 863px) 100vw, 863px" /></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Links</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="http://www.copelaos.org/">COPE (Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise)</a><br><a href="https://www.facebook.com/LaosPictures/photos/pcb.977852252312045/977851938978743/?type=3&amp;theater">Facebook-Seite von Laos Pictures: Bilder von Bomben im Alltag</a></p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Wikimedia Commons, Department of Foreign Affairs and Trade website – www.dfat.gov.au.<br>Karte: Wikimedia Commons, VerifiLord.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles andere eigene Aufnahmen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/das-vergessene-erbe-des-vietnamkriegs-laos-und-die-streubomben/">Vergessene Folgen des Vietnamkriegs &#8211; Laos und die Streubomben</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<item>
		<title>Die Dominofalle &#8211; wie sich Amerika in den Vietnamkrieg dachte</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/die-dominofalle-wie-sich-amerika-selbst-in-den-vietnamkrieg-dachte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Dec 2024 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/die-dominofalle-wie-sich-amerika-selbst-in-den-vietnamkrieg-dachte/">Die Dominofalle &#8211; wie sich Amerika in den Vietnamkrieg dachte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Dominofalle.mp3"></audio></figure>



<h5 class="wp-block-heading">Die Dominosteine des Präsidenten</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="242" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Dwight_D._Eisenhower_-_NARA_-_531434-242x300.jpg" alt="" class="wp-image-1342" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Dwight_D._Eisenhower_-_NARA_-_531434-242x300.jpg 242w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Dwight_D._Eisenhower_-_NARA_-_531434.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 242px) 100vw, 242px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dwight D. Eisenhower</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Washington D.C., 7. April 1954. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus spricht Präsident Dwight D. Eisenhower über die Situation in Südostasien. Seine Worte werden die amerikanische Außenpolitik für Jahrzehnte prägen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Schließlich müssen wir die weiterreichenden Folgen betrachten, die sich aus dem ergeben könnten, was man das &#8218;Prinzip der fallenden Dominosteine&#8216; nennen könnte. Stellen Sie sich eine aufgestellte Reihe von Dominosteinen vor: Wenn Sie den ersten umstoßen, können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass der letzte sehr schnell fallen wird. Dies könnte der Beginn eines Zerfallsprozesses sein, der tiefgreifende Auswirkungen hätte.&#8220; (eigene Übersetzung)<sup data-fn="a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8" class="fn"><a id="a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8-link" href="#a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8">1</a></sup></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erfahrungen der 1930er Jahre hatten sich tief in das Denken der US-Führung eingebrannt. Wie Dominosteine, die einer nach dem anderen umfallen, so fürchtete man nun auch das Kippen ganzer Länder in den kommunistischen Machtbereich. Die gescheiterte Appeasement-Politik gegenüber Hitler und der daraus folgende Weltkrieg schienen eine eindeutige Lektion zu lehren: Aggression müsse früh gestoppt werden, bevor sie sich ausbreiten könne. Diese sogenannte „München-Analogie&#8220; prägte die amerikanische Außenpolitik nachhaltig. Sie führte zu der vereinfachenden Annahme, jede regionale Krise bedrohe automatisch die gesamte internationale Ordnung &#8211; ein Denkmuster, das auf Asien nicht übertragbar war.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/image-300x300.png" alt="" class="wp-image-1349" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/image-300x300.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/image-150x150.png 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/image.png 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Doch Eisenhower führt in seiner Rede weiter aus: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Aber wenn wir zur möglichen Abfolge der Ereignisse kommen – dem Verlust von Indochina, Birma, Thailand, der Malaiischen Halbinsel und Indonesien –, sprechen wir über Gebiete, die nicht nur die Nachteile durch den Verlust von Rohstoffen und Rohstoffquellen vervielfachen, sondern auch über Millionen und Abermillionen von Menschen. Schließlich bringt die dadurch erreichte geografische Position zahlreiche Konsequenzen mit sich. Sie untergräbt die sogenannte Insel-Verteidigungskette von Japan, Formosa, den Philippinen und weiter südlich; sie rückt näher, um Australien und Neuseeland zu bedrohen.&#8220; (eigene Übersetzung)<sup data-fn="8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035" class="fn"><a id="8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035-link" href="#8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035">2</a></sup></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Damit war die sogenannte &#8222;Domino-Theorie&#8220; geboren &#8211; ein außenpolitisches Konzept, das die USA in den Vietnamkrieg führen sollte. Wie konnte eine einfache Metapher solch weitreichende Konsequenzen haben? Und warum wirkte diese Theorie weiter, selbst als sich ihre Grundannahmen als falsch erwiesen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Eisenhower an jenem Apriltag 1954 formulierte, entwickelte sich zu einer umfassenden außenpolitischen Doktrin. Der Politikwissenschaftler Jerome Slater hat in seiner Analyse von 1993<sup data-fn="cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546" class="fn"><a id="cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546-link" href="#cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546">3</a></sup> die Kernelemente dieser Theorie seziert und ihre Schwächen offengelegt:</p>



<!DOCTYPE html>
<html lang="de">
<head>
   <meta charset="UTF-8">
   <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
   <title>Die Dominotheorie &#8211; Grundannahmen</title>
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       <h2>Die vier Annahmen der Dominotheorie</h2>
       <ul class="annahmen">
           <li>
               <strong>Externe Steuerung</strong>
               Washington ging davon aus, dass Revolutionen in Südostasien nicht aus inneren Konflikten entstanden, sondern von außen gesteuert wurden. Die kommunistische Bewegung wurde als monolithischer Block gesehen, der vom Kreml oder Peking aus gelenkt wurde.
           </li>
           <li>
               <strong>Kettenreaktion</strong>
               Man nahm an, dass der Fall eines Landes automatisch zum Sturz der Nachbarländer führen würde – wie bei einer Reihe von Dominosteinen. Diese mechanistische Sicht der internationalen Beziehungen unterschätzte die Komplexität regionaler Politik dramatisch.
           </li>
           <li>
               <strong>Sofortiges Eingreifen</strong>
               Die US-Strategen glaubten, sie müssten sofort und entschieden eingreifen, sobald der erste „Dominostein&#8220; wackelte. Diese Überzeugung führte zu vorschnellen und oft überzogenen Reaktionen auf lokale Krisen.
           </li>
           <li>
               <strong>Existenzielle Bedrohung</strong>
               Es wurde angenommen, dass selbst der Verlust kleiner, strategisch unbedeutender Länder eine existenzielle Bedrohung für vitale amerikanische Interessen darstellte.
           </li>
       </ul>
   </div>
</body>
</html>



<h5 class="wp-block-heading">Faktencheck Vietnam</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Realität des Vietnamkonflikts widerlegte diese Annahmen Punkt für Punkt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bürgerkrieg im Süden entwickelte sich zunächst unabhängig von Hanoi. Erst als die USA ihr Engagement massiv verstärkten, intensivierte auch Nordvietnam seine Unterstützung für den Vietcong. &#8222;Die USA begannen 1950 in die internen Angelegenheiten Vietnams einzugreifen&#8220;, schreibt Slater, &#8222;und ihre Intervention weitete sich in den folgenden fünfzehn Jahren aus, bis sie 1965 zu einem vollwertigen militärischen Kampfeinsatz wurde.&#8220;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="215" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Ho_Chi_Minh_1946_and_signature-215x300.jpg" alt="" class="wp-image-1367" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Ho_Chi_Minh_1946_and_signature-215x300.jpg 215w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Ho_Chi_Minh_1946_and_signature.jpg 381w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hồ Chí Minh, 1946.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die vermeintliche Einheit des kommunistischen Blocks erwies sich als Illusion. China und die Sowjetunion waren tief zerstritten, und Vietnam verfolgte seine eigenen nationalen Interessen. Hồ Chí Minh, der sowohl die französische als auch die japanische Besatzung bekämpft hatte, war in erster Linie Nationalist. Schon 1946 brachte er seine Haltung gegenüber China unmissverständlich zum Ausdruck:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ihr Narren! Begreift ihr nicht, was es bedeutet, wenn die Chinesen bleiben? Erinnert ihr euch nicht an eure Geschichte? Das letzte Mal, als die Chinesen kamen, blieben sie tausend Jahre! Die Franzosen sind Fremde. Sie sind schwach. Der Kolonialismus stirbt aus. Die Franzosen mögen eine Weile bleiben, aber sie werden gehen müssen, denn der weiße Mann ist in Asien am Ende. Aber wenn die Chinesen jetzt bleiben, werden sie niemals wieder gehen. Was mich betrifft, ich ziehe es vor, fünf Jahre lang französischen Mist zu riechen, anstatt mein Leben lang chinesischen Mist zu essen.“ (eigene Übersetzung).<sup data-fn="9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360" class="fn"><a id="9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360-link" href="#9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360">4</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h5 class="wp-block-heading">Die Kommunisten gewinnen den Krieg &#8211; keine weiteren Dominosteine fallen</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-1348" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-1152x1536.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-1536x2048.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-scaled.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Widerlegung der Dominotheorie lieferte die Geschichte selbst. Als Saigon am 30. April 1975 fiel, schien sich zunächst der schlimmste Albtraum der US-Strategen zu bewahrheiten. Laos und Kambodscha, die vor der Unabhängigkeit wie Vietnam zu Französisch-Indochina gehörten, gerieten tatsächlich unter kommunistische Kontrolle. Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Die Dominosteine fielen nicht weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenteil: Die nicht-kommunistischen Staaten Südostasiens gingen gestärkt aus der Krise hervor. Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien und die Philippinen erlebten in den folgenden Jahren einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch überraschender war, was im kommunistischen Lager geschah. Statt sich zu einem machtvollen Block zusammenzuschließen, zerstritten sich die vermeintlichen Verbündeten. 1979 marschierte Vietnam in Kambodscha ein, um das Regime der Roten Khmer zu stürzen. China reagierte mit einer &#8222;Strafaktion&#8220; gegen Vietnam. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier zeigt sich die zu starke Vereinfachung der Dominotheorie. Die verschiedenen Bedingungen in den asiatischen Ländern bedürften eine differenzierte Betrachtung &#8211; die Gefahr, dass ein Land &#8222;kippt&#8220;, und die potentiellen Auswirkungen auf den Westen, war unterschiedlich hoch. Die wahrscheinlichsten Dominoeffekte – etwa in Laos und Kambodscha – waren für die USA am wenigsten bedrohlich. Die wirklich gefährlichen Szenarien, wie eine kommunistische Machtübernahme in Japan, waren hingegen höchst unwahrscheinlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die Realität erwies sich als weitaus komplexer als die vereinfachende Metapher der Dominosteine&#8220;, resümiert Slater. Der Nationalismus erwies sich als stärkere Kraft als die kommunistische Ideologie. Die ASEAN-Staaten entwickelten erfolgreiche Strategien gegen kommunistische Infiltration. Und ausgerechnet Vietnam, der gefürchtete erste Dominostein, wurde zum Bollwerk gegen chinesische Expansionsbestrebungen in der Region.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn die Dominotheorie zugetroffen hätte &#8211; die amerikanischen Interessen wären kaum ernsthaft bedroht gewesen. Die wirtschaftliche Bedeutung Südostasiens für die USA war in den 1960er Jahren gering. Eine militärische Bedrohung des amerikanischen Festlands war selbst im Falle einer kommunistischen Machtübernahme unrealistisch.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-1345" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto im War Remnants Museum Ho-Chi-Minh-City, 2024</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die wahren Kosten der Theorie waren immens: Über 58.000 gefallene US-Soldaten, geschätzte zwei Millionen tote Vietnamesen, ein gespaltenes Amerika und ein beschädigtes internationales Ansehen der Vereinigten Staaten. &#8222;Was auf dem Spiel stand&#8220;, so Slater, &#8222;war nicht die nationale Sicherheit Amerikas, sondern sein Selbstbild als globale Macht.&#8220;</p>



<h5 class="wp-block-heading">Das Erbe der Dominotheorie</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dominotheorie wurde in den internen Strategiedebatten der US-Regierung kaum je grundsätzlich hinterfragt. Sie fungierte weniger als analytisches Werkzeug denn als Ideologie, die eine Politik des globalen Interventionismus legitimieren sollte. Selbst wenn alle ihre Annahmen zugetroffen hätten, wäre ein kommunistisches Südostasien keine existenzielle Bedrohung für die USA gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dominotheorie als außenpolitische Doktrin mag ein Relikt des Kalten Krieges sein. Doch ihr Denkmuster ist auch im 21. Jahrhundert erstaunlich lebendig. &#8222;Die Gefahr liegt in der Vereinfachung komplexer internationaler Beziehungen&#8220;, warnt Slater in seiner Analyse. Komplexe regionale Konflikte werden in vereinfachende globale Bedrohungsszenarien übersetzt, die dann drastische Interventionen rechtfertigen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die Lektion Vietnams ist nicht, dass Interventionen immer falsch sind&#8220;, resümiert Slater. &#8222;Die Lektion ist, dass wir die Komplexität regionaler Konflikte ernst nehmen müssen.&#8220; Jede Situation erfordere eine differenzierte Analyse:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Welche lokalen Faktoren treiben den Konflikt?</li>



<li>Welche regionalen Dynamiken sind am Werk?</li>



<li>Sind vitale Interessen wirklich bedroht?</li>



<li>Gibt es Alternativen zur militärischen Intervention?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ironie der Geschichte: Heute ist Vietnam ein aufstrebender Wirtschaftspartner der USA und wichtiger Verbündeter in der Eindämmung chinesischen Einflusses in Südostasien. Die Dominosteine sind nicht gefallen &#8211; die Welt hat sich geändert, in einer Weise, die 1954 niemand vorhersehen konnte. Eine Lektion, die auch für heutige Krisenregionen gelten könnte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<figure class="wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div><figcaption class="wp-element-caption">Auch als Video auf Youtube verfügbar</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marc Frey:<a href="https://www.amazon.de/Geschichte-Vietnamkriegs-Trag%C3%B6die-amerikanischen-Paperback/dp/3406787835?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=GVBA1VS3M5VW&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9._A2qUeISHcqBRAbUwSLFUnoEvdsImUEmhmN-AekAQAPNjYLlxx3923f2UzzlBi7SEZf8Eq0s_SRWK4ddHKSh9RTjvOzzBo-PdC2t4fYhmuQlNvXidafPpvGJX0ndko3sWnyLIbKgx2kMB6JQF2IWElEfCVsPgWCjY_BNMIGAsDRRI9-Pk3RfWkl4UOZhCJncQcF30BwtkzZSr_tIYJli7YfGLh8-i08qzUV2R2uhGhs.zpK-7K7q-X0tPzAVcEZoeV9NphlzS5t0NhNj56U7cA8&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Marc+Frey%3A+Geschichte+des+Vietnamkriegs&amp;qid=1762234310&amp;sprefix=marc+frey+geschichte+des+vietnamkriegs%2Caps%2C307&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=166f1512120b9f31edef189dc8ec2a0b&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">&nbsp;<em>Geschichte des Vietnamkriegs</em></a>. München 2022.*<br>Gut lesbare und quellengestützte Einführung in Ursachen, Verlauf und internationale Verflechtung des Konflikts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">David L. Anderson (Hg.):&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/Columbia-History-Vietnam-War-English-ebook/dp/B0064CZ0DU?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.8uZoR0hUH28tx93rswMEa7mTKX2p580ucLNgsTBimi5qTOZi2KeauOvEbt4P593ufxzFxwSv8UG11Qwm77Xo9lCAUflO0CIDZGOn7pfQwjFPjGI2bM5xMNpOy27k5N4VNYVLdvrknNdppVhOC0_EYhnT-IJAzhl49azNgUxLWwKcrclCpZ_AtPJGhfRYOOLPM7An7xrIjnCKGuu-adBHmuIUkwIueknfMgE65MhVKLM.JwSLyDBva2tB1ypImVeMLPc5f0VeBmLHKBanbC6eJ-w&amp;dib_tag=se&amp;keywords=The+Columbia+History+of+the+Vietnam+War&amp;qid=1762234583&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=541a1e089bfe2d68e233e6f5e2489ded&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Columbia History of the Vietnam War</a></em>. New York 2010.*<br>Umfassender Sammelband mit Beiträgen zu militärischer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Dimension.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernd Greiner:&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/Krieg-ohne-Fronten-Die-Vietnam/dp/3868542078?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=F1J2DVWDT2B&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7eZNGNq63CMoARsSOMAGZhIxNwwoMe9q0D-CtNia4RzEF9apvtuDT827Pskdc8_4stccruov9HgMGJtrXQLyFmiiRB1BsHIZ6OUuWAJTvvYPd2OjZbskCxLzYJC_YZQFZwwz34U5cn0bc8mkRSrBuVZDZ58bpFvTAQGIM4PdV85fK10sm8c9SGZRsdw9RQZLbwiW-eAn-EPq7FtydLE8G817X1Bh5nEkJ_d2hRuRyGg.q8sMUG0XhU5XePW-KcYX5UDQEu5bvvuDJwTYPTXVjnM&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Krieg+ohne+Fronten.+Die+USA+in+Vietnam&amp;qid=1762234621&amp;sprefix=the+columbia+history+of+the+vietnam+war%2Caps%2C486&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=366cce6220356ed255fc9df2f2f050b6&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam</a></em>. Hamburg 2009.*<br>Analytisch fundierte Studie zur Kriegsführung, Kriegsverbrechen, Eskalationslogik und Gewaltpraxis der US-Armee.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Bilder gemeinfrei oder eigene Aufnahmen.</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8">&#8222;Finally, you have broader considerations that might follow what you would call the ‘falling domino’ principle. You have a row of dominoes set up, you knock over the first one, and what will happen to the last one is the certainty that it will go over very quickly. So you could have a beginning of a disintegration that would have the most profound influences.&#8220;, The President&#8217;s News Conference&#8220;, 7. April 1954, in: Foreign Relations of the United States, 1952-1954, Indochina, Volume XIII, Part 1, Document 716. <a href="https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1952-54v13p1/d716">https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1952-54v13p1/d716</a> <a href="#a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035">&#8222;But when we come to the possible sequence of events, the loss of Indochina, of Burma, of Thailand, of the Peninsula, and Indonesia following, now you begin to talk about areas that not only multiply the disadvantages that you would suffer through loss of materials, sources of materials, but now you are talking really about millions and millions and millions of people. Finally, the geographical position achieved thereby does many things. It turns the so-called island defensive chain of Japan, Formosa, of the Philippines and to the southward; it moves in to threaten Australia and New Zealand.&#8220;, The President&#8217;s News Conference&#8220;, 7. April 1954, in: Foreign Relations of the United States, 1952-1954, Indochina, Volume XIII, Part 1, Document 716. <a href="https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1952-54v13p1/d716">https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1952-54v13p1/d716</a> <a href="#8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546">Jerome Slater (1993) The Domino Theory and International Politics: The Case<br>of Vietnam, Security Studies, 3:2, 186-224, DOI: <a href="https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/09636419309347547">10.1080/09636419309347547 <span><a href=""><img decoding="async" title="Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt übernehmen" class="citavipicker" style="border: 0px none!important;width: 16px!important;height: 16px!important;margin-left:1px !important;margin-right:1px !important" src="data:image/svg+xml;base64,PD94bWwgdmVyc2lvbj0iMS4wIiBlbmNvZGluZz0idXRmLTgiPz48IURPQ1RZUEUgc3ZnIFBVQkxJQyAiLS8vVzNDLy9EVEQgU1ZHIDEuMS8vRU4iICJodHRwOi8vd3d3LnczLm9yZy9HcmFwaGljcy9TVkcvMS4xL0RURC9zdmcxMS5kdGQiPjxzdmcgdmVyc2lvbj0iMS4xIiBpZD0iRWJlbmVfMSIgeG1sbnM9Imh0dHA6Ly93d3cudzMub3JnLzIwMDAvc3ZnIiB4bWxuczp4bGluaz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMTk5OS94bGluayIgeD0iMHB4IiB5PSIwcHgiIHdpZHRoPSIxNnB4IiBoZWlnaHQ9IjE2cHgiIHZpZXdCb3g9IjAgMCAxNiAxNiIgZW5hYmxlLWJhY2tncm91bmQ9Im5ldyAwIDAgMTYgMTYiIHhtbDpzcGFjZT0icHJlc2VydmUiPjxnPjxnPjxwYXRoIGZpbGw9IiNGRkZGRkYiIGQ9Ik04LjAwMSwxNS41QzMuODY0LDE1LjUsMC41LDEyLjEzNiwwLjUsOGMwLTQuMTM1LDMuMzY1LTcuNSw3LjUwMS03LjVTMTUuNSwzLjg2NCwxNS41LDhTMTIuMTM3LDE1LjUsOC4wMDEsMTUuNXoiLz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNOC4wMDEsMUMxMS44NiwxLDE1LDQuMTQxLDE1LDhzLTMuMTM5LDctNi45OTksN0M0LjE0LDE1LDEsMTEuODU5LDEsOFM0LjE0LDEsOC4wMDEsMSBNOC4wMDEsMEMzLjU4MiwwLDAsMy41ODIsMCw4czMuNTgyLDgsOC4wMDEsOEMxMi40MTgsMTYsMTYsMTIuNDE4LDE2LDhTMTIuNDE4LDAsOC4wMDEsMEw4LjAwMSwweiIvPjwvZz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNNi43NDUsMTIuNTg5Yy0wLjIyNywwLjEyMi0wLjQ5NywwLjI0Ny0wLjY4NCwwLjI0N2MtMC4zMTgsMC0wLjUwMS0wLjE2NC0wLjUwMS0wLjQ1MmMwLTAuMjA3LDAuMTQtMC4zNzUsMC41OTUtMC42MjJjMS41NDktMC45MDQsMi41OTQtMi4yNzIsMi41OTQtMy43MjFjMC0wLjgyNS0wLjIyNy0xLjExOS0wLjY4MS0xLjExOWMtMC4xMzUsMC0wLjMyLDAuMjE5LTAuNjM2LDAuMjE5SDcuMTU3QzYuMTAyLDcuMTQzLDUuMzMzLDYuMjY0LDUuMzMzLDUuMjNjMC0xLjE1MiwwLjk1OC0yLjAwNiwyLjI4LTIuMDA2YzEuNzc3LDAsMy4wNTMsMS4zNzMsMy4wNTMsMy40M0MxMC42NjYsOS4yMTUsOS4yMDMsMTEuMjcsNi43NDUsMTIuNTg5Ii8+PC9nPjwvc3ZnPg"></a></span></a> <a href="#cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360"><em>“</em>You fools! Don&#8217;t you realize what it means if the Chinese stay? Don&#8217;t you remember your history? The last time the Chinese came, they stayed one thousand years! The French are foreigners. They are weak. Colonialism is dying out. Nothing will be able to withstand world pressure for independence. They may stay for a while, but they will have to go because the white man is finished in Asia. But if the Chinese stay now, they will never leave.&#8220;As for me, I prefer to smell French shit for five years, rather than Chinese shit for the rest of my life.<em>”</em>, <a href="https://en.wikisource.org/wiki/United_States_%E2%80%93_Vietnam_Relations,_1945%E2%80%931967:_A_Study_Prepared_by_the_Department_of_Defense/I._C._Ho_Chi_Minh:_Asian_Tito%3F">Pentagon-Papers, Wikisource</a>. <a href="#9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/die-dominofalle-wie-sich-amerika-selbst-in-den-vietnamkrieg-dachte/">Die Dominofalle &#8211; wie sich Amerika in den Vietnamkrieg dachte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Ros Serey Sothea &#8211; das tragische Leben eines kambodschanischen Musikstars</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Sep 2024 06:08:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/ros-serey-sothea-das-tragische-leben-eines-kambodschanischen-musikstars/">Ros Serey Sothea &#8211; das tragische Leben eines kambodschanischen Musikstars</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Die Entstehung des kambodschanischen Rock’n’Roll</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vietnam-Krieg führte viele amerikanische Soldaten nach Südostasien. Ende der 1960er-Jahre betrug ihre Truppenstärke mehr als 500.000 Mann. Mit ihnen kam die amerikanische Infrastruktur und Lebensweise in die Region. Die Radiosender der US-Armee spielten die Hits ihrer Zeit und wurden nicht nur von Soldaten, sondern auch von der einheimischen Bevölkerung gehört. So gelangte der Rock&#8217;n&#8217;Roll nach Kambodscha. </p>



<figure class="wp-block-embed alignleft is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div><figcaption class="wp-element-caption">Auch als Video auf Youtube verfügbar</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einheimische Musiker mischten die neuen Einflüsse mit der klassischen Musik und heraus kam eine eigenwillige, unverkennbare Mischung. Eine der größten Stars dieser Epoche wurde Ros Serey Sothea, die als Ros Sothea 1948 im kleinen Dorf Battambong geboren wurde. Sie wuchs in einer armen Familie auf, die es sich nicht leisten konnte, sie zur Schule zu schicken. Der Legende nach verkaufte sie in jungen Jahren gekochte Schnecken auf der Straße und erhielt dadurch den Spitznamen &#8222;Boiled Snail Girl&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Teenager-Zeit begann sie und ihre Familie mit regelmäßigen musikalischen Auftritten Geld zu verdienen. Der gute Ruf der Band lockte schnell Publikum von weit her an. Der ursprüngliche Name der Gruppe ist verloren gegangen, da die Zuschauer sie einfach nach ihren beiden Sängern &#8222;Serey Sothea&#8220; nannten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Musik-Industrie war zu dieser Zeit eine Boom-Branche in Kambodscha und erfolgreiche Musiker wurden zu landesweiten Stars. Ros Sothea und ihre Bruder Serey wollten die Chance nutzen und gingen in die Hauptstadt Phnom Penh. Ihr Glück ließ nicht lange auf sich warten: Bereits in der ersten Nacht wurden sie von einem Club fest engagiert.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Ros Serey Sotheas Aufstieg zur „goldenen Stimme der Hauptstadt“</h5>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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<p class="wp-block-paragraph">Sothea fesselte das Publikum mit ihrem Auftritt, und schon bald wurden die Plattenbosse auf ihr Talent aufmerksam. Ihre Stimme war perfekt für die Mischung aus westlichen Rock und traditioneller Khmer-Musik. Sie erhielt einen Vertrag und produzierte mit &#8222;Stung Khieu&#8220; 1967 ihren ersten Hit. In den 60er und 70er Jahren folgten viele erfolgreiche Alben und sie spielte in einigen Filmen mit. König&nbsp;Norodom Sihanouk gab ihr den Titel “Preah Rheich Teany Somlang Meas&#8220; (die goldene Stimme der königlichen Hauptstadt).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie arbeitete mit einer weiteren Pop-Größe der Zeit,&nbsp;&nbsp;Sinn Sisamouth, dem kambodschanischen Elvis, zusammen und prägte mit ihm eine neue Stilrichtung, die&nbsp;&#8222;Psychedelic Rock&#8220; oder &#8222;Garage Rock&#8220; genannt wurde. Ein Markenzeichen ist der Widerspruch zwischen Text und Musik. Gerne wird ausgelassene und fröhliche Musik mit Geschichten über Herzschmerz und traurigen Schicksalen vermengt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So erfolgreich Sotheas Karriere auch verlief, ihr Privatleben war von Unglück geprägt. Sie konnte als hübsche Frau mit einer tollen Stimme zwar einfach Männer kennen lernen, allerdings verhielten sich diese oft wenig respektvoll. Als Sängerin verkaufte sie ihre Stimme als ein öffentliches Gut und damit verringerte sich in den Augen vieler Menschen ihr Ansehen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In den späten 60er Jahren war sie mit dem Sänger Suos Mat verheiratet. Die Ehe hielt aber nur einige Jahre, wahrscheinlich auch deswegen, weil er sie wild geschlagen haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre glücklichste Liebschaft war mit einem Fallschirmspringer der Armee. Sie folgte seinem Vorbild, trat in die Armee ein und machte ebenfalls ein paar Sprünge mit dem Fallschirm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1975 wurde zu einem schwarzen Jahr. Sotheas Freund wurde bei einem Kampfeinsatz getötet und die Roten Khmer übernahmen die Macht. </p>



<h5 class="wp-block-heading">Das tragische Ende unter dem Regime der Roten Khmer</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die neuen Machthaber scheuchten alle Menschen aus den Städten in ländliche Arbeitslager. Sothea versuchte in der kulturfeindlichen Epoche unerkannt zu bleiben. Doch lange konnte sie sich nicht verbergen. Nachdem sie entdeckt wurde, musste sie neben der Landarbeit den Roten Khmer zu Diensten sein und Lieder zu ihren Ehren singen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1977 wurde verfügt, dass sie einen Assistenten von Pol Pot heiraten musste. Auch diese Ehe blieb unglücklich, denn der Ehemann neigte zur Eifersucht und schlug sie.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Penh Jet Thai Bong Mouy Ago Go   Ros Sereysothea" width="735" height="551" src="https://www.youtube.com/embed/sq0ClUnVebc?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Nur kurze Zeit später verschwand Sothea. Im Arbeitslager wurde vermutet, dass die schlechte Beziehung zu ihrem Mann der Grund dahinter sein könnte. Gerüchten zu folge wurde sie auf einem Karren gesehen, der sie mit anderen Leuten zusammen in eine unbekannte Stadt bringen sollte. Diese Aussage könnte jedoch ein verschleiernder Ausdruck für das grausame Schicksal gewesen sein, das viele Menschen unter dem Regime erlitten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sotheas Schwester, die die düstere Epoche überlebte, wurde zugetragen, dass die Sängerin unterernährt in ein Krankenhaus in Phom Penh eingeliefert wurde und dort kurz vor dem Einmarsch der vietnamesischen Truppen verstarb.<ins></ins></p>



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