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	<title>Nationalismus Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<title>Nationalismus Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Zwischen Vermittlung und Verdacht – Die chinesische Minderheit in Niederländisch-Indien</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die chinesische Bevölkerung in Niederländisch-Indien wurde früh in eine doppelte Rolle gedrängt: als ökonomisch nützliche Vermittler und zugleich als soziale Außenseiter. Die niederländische Kolonialverwaltung nutzte diese Position gezielt. Chinesische Migranten &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/zwischen-vermittlung-und-verdacht-die-chinesische-minderheit-in-niederlaendisch-indien/">Zwischen Vermittlung und Verdacht – Die chinesische Minderheit in Niederländisch-Indien</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p>Die chinesische Bevölkerung in Niederländisch-Indien wurde früh in eine doppelte Rolle gedrängt: als ökonomisch nützliche Vermittler und zugleich als soziale Außenseiter. Die niederländische Kolonialverwaltung nutzte diese Position gezielt. Chinesische Migranten wurden in Schlüsselpositionen zwischen europäischen Behörden und einheimischer Bevölkerung gesetzt, etwa bei Steuereinzug, Handel oder Stadtverwaltung. Damit trugen sie zur Stabilisierung des Kolonialapparats bei, gerieten aber auch immer wieder ins Kreuzfeuer sozialer Spannungen.</p>



<p>Diese Zwischenstellung wurde von der Verwaltung als „praktisch“ beschrieben, von Zeitgenossen jedoch oft als „ausbeuterisch“ empfunden. Die Sichtbarkeit der Chinesen im kolonialen Alltag machte sie zur Projektionsfläche für wirtschaftlichen Neid und antikoloniale Wut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von der VOC zur modernen Verwaltung</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="262" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/960px-Glodok_Jakarta_Indonesia_Tanah_Airku_p94-262x300.jpg" alt="" class="wp-image-5277" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/960px-Glodok_Jakarta_Indonesia_Tanah_Airku_p94-262x300.jpg 262w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/960px-Glodok_Jakarta_Indonesia_Tanah_Airku_p94-894x1024.jpg 894w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/960px-Glodok_Jakarta_Indonesia_Tanah_Airku_p94-768x879.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/960px-Glodok_Jakarta_Indonesia_Tanah_Airku_p94.jpg 960w" sizes="(max-width: 262px) 100vw, 262px" /><figcaption class="wp-element-caption">Glodok, Jakarta</figcaption></figure>
</div>


<p>Schon unter der Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) im 17. und 18. Jahrhundert wurden chinesische Händler, Steuerpächter und Pachtverwalter gezielt eingesetzt. Sie fungierten als Barriere zwischen den niederländischen Kolonialherren und der javanischen Bevölkerung. Das administrative Prinzip: Europäer regieren indirekt, Chinesen vollstrecken. Dieses Modell setzte sich bis in die britische Interimszeit unter Raffles (1811–1816) fort und blieb auch im 19. Jahrhundert unter niederländischer Kontrolle stabil.</p>



<p>Die Kehrseite dieses Arrangements: Die chinesische Minderheit wurde funktional eingebunden, aber kulturell und rechtlich ausgeschlossen. Reisebeschränkungen, Sondergesetze und rassistische Zuschreibungen prägten ihren Alltag – gleichzeitig waren sie unverzichtbar für das Funktionieren des Systems.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Koloniale Vorstellungen im Wandel und ihre Fortsetzung</h3>



<p>Im späten Kolonialismus kam es zu Reformversuchen. Die sogenannte Ethical Policy (ab 1901) betonte die Förderung der einheimischen Bevölkerung durch Bildung und Infrastruktur. Doch auch diese Politik reproduzierte das Grundprinzip kolonialer Organisation: Die Chinesen blieben Vermittler, nicht Partner. Sie wurden in die Rolle des „fähigen, aber unzuverlässigen Geschäftsmanns“ gedrängt: kompetent genug für den Handel, aber nicht legitim für politische Mitbestimmung.</p>



<p>Diese Denkfigur überdauerte die Kolonialzeit. In den transnationalen Konzernstrukturen der Nachkriegszeit, wie zum Beispiel bei der Firma „TIMBER“ in Jakarta, findet sich ein vergleichbares Muster: westliche Führung, chinesische Mittelschicht, indigene Basis. Die offizielle Bezeichnung dieses Systems: „Chinese Middleman Policy“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Anerkennung und Abwertung</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="297" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/594px-COLLECTIE_TROPENMUSEUM_Chinese_woningen_en_winkels_in_oude_Chinese_stijl_Oud-Djakarta_West_Java_TMnr_10014932-297x300.jpg" alt="" class="wp-image-5280" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/594px-COLLECTIE_TROPENMUSEUM_Chinese_woningen_en_winkels_in_oude_Chinese_stijl_Oud-Djakarta_West_Java_TMnr_10014932-297x300.jpg 297w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/594px-COLLECTIE_TROPENMUSEUM_Chinese_woningen_en_winkels_in_oude_Chinese_stijl_Oud-Djakarta_West_Java_TMnr_10014932.jpg 594w" sizes="(max-width: 297px) 100vw, 297px" /><figcaption class="wp-element-caption">Straßenbild in Jakarta, 1949</figcaption></figure>
</div>


<p>Chinesischstämmige Mitarbeiter wurden in diesen Konzernen gelobt als fleißig, gebildet, effizient. Gleichzeitig kursierten unter westlichen Führungskräften stereotype Zuschreibungen: „die Juden des Ostens“, „gierig“, „illoyal“. Die Ambivalenz wurde zur Struktur. Die Chinesen waren zentral für das Funktionieren der Unternehmen – aber sie waren nie ganz Teil des „Wir“.</p>



<p>Selbst unter formal gleichgestellten Mitarbeitern wurde durch Sprache, Büroarchitektur und Kommunikationsverhalten eine soziale Hierarchie fortgeschrieben, die sich auf koloniale Vorstellungen stützt. Der „Chinesische Mittler“ blieb das Bindeglied. Funktional integriert, sozial distanziert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politischer Preis der Zwischenstellung</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="300" height="161" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Jakarta_riot_14_May_1998-300x161.jpg" alt="" class="wp-image-5281" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Jakarta_riot_14_May_1998-300x161.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Jakarta_riot_14_May_1998-1024x549.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Jakarta_riot_14_May_1998-768x412.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Jakarta_riot_14_May_1998.jpg 1200w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ausschreitungen in Jakarta, 1998</figcaption></figure>
</div>


<p>Die Ambivalenz der kolonialen Konstruktion zeigt sich auch in der späteren politischen Geschichte Indonesiens. Chinesen wurden in Phasen der Krise (z. B. 1965, 1998) schnell zu Sündenböcken. Die kolonial geprägte Vorstellung von wirtschaftlicher Übermacht bei politischer Fremdheit blieb wirksam. Der statistisch belegbare wirtschaftliche Einfluss (z. B. Kontrolle über große Teile des privaten Kapitals) verstärkte die sozialen Spannungen.</p>



<p>Zugleich war die chinesische Minderheit häufig von staatlicher Repression betroffen. Antikommunistische Kampagnen, Sprachverbote und Ausschluss aus öffentlichen Ämtern. Viele dieser Maßnahmen knüpften implizit an das koloniale Misstrauen gegenüber der chinesischen Mittelschicht an.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



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<ul class="wp-block-list">
<li>William H. Leggett: <em><a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/13691831003687709">Institutionalising the Colonial Imagination: Chinese Middlemen and the Transnational Corporate Office in Jakarta</a></em> – Analyse kolonialer Kontinuitäten</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Chinesische Händler in Jakarta. Wikimedia Commons, Collectie Stichting Nationaal Museum van Wereldculturen. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p>Straße: Wikimedia Commons, Collectie Stichting Nationaal Museum van Wereldculturen. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p>Alles weitern Bilder gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/zwischen-vermittlung-und-verdacht-die-chinesische-minderheit-in-niederlaendisch-indien/">Zwischen Vermittlung und Verdacht – Die chinesische Minderheit in Niederländisch-Indien</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Subhas Chandra Bose</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Herkunft und Ausbildung Subhas Chandra Bose wurde 1897 in Cuttack im heutigen Odisha geboren. Seine Familie war wohlhabend, sein Vater war ein angesehener Anwalt. Nach dem Besuch der Presidency School &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/subhas-chandra-bose/">Subhas Chandra Bose</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Chandra_Bose.mp3"></audio></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Herkunft und Ausbildung</h2>



<p>Subhas Chandra Bose wurde 1897 in Cuttack im heutigen Odisha geboren. Seine Familie war wohlhabend, sein Vater war ein angesehener Anwalt. Nach dem Besuch der Presidency School in Kalkutta studierte Bose Philosophie am Scottish Church College. Er schloss das Studium 1918 ab und setzte es in England fort. Dort bestand er 1920 die Prüfung für den Indian Civil Service. Er lehnte jedoch eine Laufbahn im kolonialen Dienst ab und kehrte nach Indien zurück, um sich der nationalistischen Bewegung anzuschließen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Konflikte mit Gandhi und der Kongressführung</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Subhas_Chandra_Bose_NRB-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-5257" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Subhas_Chandra_Bose_NRB-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Subhas_Chandra_Bose_NRB.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bose, 1930er</figcaption></figure>
</div>


<p>Bose war Mitglied der Indischen Nationalkongresspartei, doch seine Haltung unterschied sich deutlich von der Gandhis. Während Gandhi auf gewaltfreien Widerstand setzte, befürwortete Bose eine aktivere Konfrontation mit den Kolonialherren. 1938 wurde er zum Präsidenten des Kongresses gewählt, trat aber bereits 1939 zurück, da seine Vorstellungen von einer entschlossenen antikolonialen Front von der Parteiführung nicht mitgetragen wurden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Suche nach internationalen Bündnissen</h2>



<p>Nach seinem Rücktritt reiste Bose zunächst in die Sowjetunion, fand dort jedoch keine Unterstützung. Über Afghanistan gelangte er schließlich nach Italien und Deutschland. In Berlin gründete er das <em>Free India Centre</em> und die <em>Indische Legion</em>, eine Einheit indischer Kriegsgefangener, die unter deutscher Führung ausgebildet wurde. Ziel war es, Indien im Falle eines deutschen Angriffs auf das britische Empire zu befreien. Die Verbindung mit dem NS-Regime blieb in Indien umstritten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="818" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20221021_123819-1024x818.jpg" alt="" class="wp-image-5255" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20221021_123819-1024x818.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20221021_123819-300x240.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20221021_123819-768x613.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20221021_123819-1536x1227.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20221021_123819-2048x1636.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20221021_123819-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bose-Ausstellung, Kolkata 2022</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Der Aufbau der Indian National Army (INA)</h2>



<p>1943 reiste Bose mit einem U-Boot nach Südostasien. Dort übernahm er die Führung der <em>Indian National Army</em> (INA), die unter japanischer Oberhoheit stand und aus Kriegsgefangenen sowie indischen Auswanderern bestand. Bose rief eine provisorische Regierung im Exil aus und verlegte deren Sitz nach Singapur. Die INA nahm an militärischen Operationen in Burma und im Nordosten Indiens teil, konnte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg erzielen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tod und Wirkung</h2>



<p>Im August 1945 stürzte ein Flugzeug mit Bose an Bord in Taiwan ab. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht abschließend geklärt. Für viele blieb er ein Symbol des radikalen Widerstands gegen den Kolonialismus. In der indischen Geschichtsschreibung wird Bose häufig als Gegenspieler Gandhis dargestellt, doch beide verfolgten dasselbe Ziel mit unterschiedlichen Mitteln.</p>



<p>Sein Vermächtnis ist vor allem ideeller Natur. Die INA war militärisch unbedeutend, doch ihr Einsatz führte zu einer breiteren Diskussion über Loyalität, nationale Identität und das Ende der kolonialen Ordnung. In den Jahren nach dem Krieg wurde die britische Position in Indien zunehmend unhaltbar, auch durch Prozesse gegen ehemalige INA-Offiziere, die große öffentliche Solidarität erfuhren.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="530" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Netaji_Subhash_Chandra_Bose_International_Airport_Dum_Dum.jpg" alt="" class="wp-image-5258" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Netaji_Subhash_Chandra_Bose_International_Airport_Dum_Dum.jpg 640w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Netaji_Subhash_Chandra_Bose_International_Airport_Dum_Dum-300x248.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Flughafen in Kolkata trägt seinen Namen: Netaji Subhas Chandra Bose International Airport</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mehr erfahre</strong>n</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p>Tilmann Remme (2008): <a href="https://www.amazon.de/Pakt-mit-dem-Teufel-Unabh%C3%A4ngigkeit/dp/B0014BDQQ4?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2W21Q234NTCNM&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.usD9okh4ArWvv923P51kR4uD6wyvU6D4XizN1HBj-1Zm2Mk-tp8YtQHZPSpQQ7yzfRnUDRJYrfz3N4n8qeEuCokSpKhDgcbrrvAs5LXGNkj0D60Vior8kKE-zOQv5VCV6zs0ZhO8W4LAxJv-HShgySr7pyjDjnbA9oLdonmpdsPlMwYZFNcp9krRDL4gCs3NXVUFZ9eZ1EcRTjI--5F8r3Ucjkavr5d0-rspF6yj8mg.qpahxNJr5S2Kdm8zujyh1_7XLhjHbQKEbEGHppXYdAY&amp;dib_tag=se&amp;keywords=chandra+bose&amp;qid=1759041239&amp;sprefix=chandra%2Caps%2C787&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=2caaf77020e020b2988b41e929a33f6e&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Pakt mit dem Teufel &#8211; Chandra Boses Kampf um Indiens Unabhängigkeit</a>.* (Film)</p>



<p>Jan Kuhlmann (2012): <a href="https://www.amazon.de/Subhas-Chandra-Bose-Indienpolitik-Achsenm%C3%A4chte/dp/3844237364?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2W21Q234NTCNM&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.usD9okh4ArWvv923P51kR4uD6wyvU6D4XizN1HBj-1Zm2Mk-tp8YtQHZPSpQQ7yzfRnUDRJYrfz3N4n8qeEuCokSpKhDgcbrrvAs5LXGNkj0D60Vior8kKE-zOQv5VCV6zs0ZhO8W4LAxJv-HShgySr7pyjDjnbA9oLdonmpdsPlMwYZFNcp9krRDL4gCs3NXVUFZ9eZ1EcRTjI--5F8r3Ucjkavr5d0-rspF6yj8mg.qpahxNJr5S2Kdm8zujyh1_7XLhjHbQKEbEGHppXYdAY&amp;dib_tag=se&amp;keywords=chandra+bose&amp;qid=1759041239&amp;sprefix=chandra%2Caps%2C787&amp;sr=8-2&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=3324f06667d79d081dde87bed97a69b2&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Subhas Chandra Bose und die Indienpolitik der Achsenmächte</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Chandra Bose in Deutschland.</p>



<p>Alle Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>
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		<title>Mahatma Gandhi &#8211; eine kurze Biografie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewaltfreiheit]]></category>
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		<category><![CDATA[Teilung Indiens]]></category>
		<category><![CDATA[Unabhängigkeitsbewegung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kindheit und frühe Prägung Mohandas Karamchand Gandhi wurde 1869 in Porbandar im heutigen Bundesstaat Gujarat geboren. Seine Familie gehörte zur Händlerkaste (Bania) und war im Staatsdienst tätig. Der junge Gandhi &#8230; </p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Mahatma_Gandhi-1.mp3"></audio></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Kindheit und frühe Prägung</h3>



<p>Mohandas Karamchand Gandhi wurde 1869 in Porbandar im heutigen Bundesstaat Gujarat geboren. Seine Familie gehörte zur Händlerkaste (<em>Bania</em>) und war im Staatsdienst tätig. Der junge Gandhi wurde in traditionell-religiöser Atmosphäre erzogen, zeigte jedoch früh ein ausgeprägtes moralisches Empfinden. Mit 13 Jahren wurde er verheiratet, ein Umstand, den er später kritisch reflektierte.</p>



<p>1888 verließ er Indien, um in London Rechtswissenschaften zu studieren. In dieser Zeit näherte er sich westlichen Ideen von Rechtsstaatlichkeit und Sozialethik an, blieb aber religiös geprägt. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Gandhi kurz in Bombay, bevor er 1893 nach Südafrika ging, zunächst für einen juristischen Auftrag.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Südafrika: erste politische Erfahrungen</h3>



<p>In Südafrika erlebte Gandhi die rechtliche und soziale Diskriminierung von Indern im britischen Empire unmittelbar. Er begann, sich gegen diese Ungleichbehandlung zu organisieren. Aus einzelnen Protesten entstand eine systematische Strategie des zivilen Ungehorsams (<em>satyagraha</em>), die auf Gewaltverzicht, moralische Selbstdisziplin und politisches Ausharren setzte.</p>



<p>Gandhi gründete mit Unterstützern die <em>Natal Indian Congress</em> und veröffentlichte Schriften, in denen er koloniale Rechtsbrüche und rassistische Strukturen dokumentierte. Die Erfahrung in Südafrika wurde zur Schule seines politischen Denkens.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rückkehr nach Indien und erster politischer Aufstieg</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="194" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_and_Kasturba_Gandhi_on_their_return_to_India_from_South_Africa_in_1915-194x300.jpg" alt="" class="wp-image-5125" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_and_Kasturba_Gandhi_on_their_return_to_India_from_South_Africa_in_1915-194x300.jpg 194w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_and_Kasturba_Gandhi_on_their_return_to_India_from_South_Africa_in_1915.jpg 388w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mahatma und Kasturba Gandhi bei der Rückkehr aus Südafrika, 1915</figcaption></figure>
</div>


<p>1915 kehrte Gandhi nach Indien zurück. Er verzichtete zunächst auf große Reden und führte stattdessen lokale Kampagnen durch, etwa für Bauern in Bihar oder gegen die diskriminierende Indigo-Produktion. Unterstützt von Gopal Krishna Gokhale, einem führenden Reformer des Indischen Nationalkongresses, baute er sich ein Netzwerk auf.</p>



<p>Nach dem Massaker von <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/neuzeit/amritsar-1919/">Amritsar</a> und dem Rowlatt Act von 1919 rief Gandhi zum ersten Mal zu einem landesweiten <em>hartal</em> (Streiktag) auf. Ab diesem Zeitpunkt wurde er zur dominanten Figur der antikolonialen Bewegung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politik des gewaltlosen Widerstands</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="240" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931-240x300.jpg" alt="" class="wp-image-5126" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931-240x300.jpg 240w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931-821x1024.jpg 821w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931-768x958.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gandhi, 1931</figcaption></figure>
</div>


<p>Gandhis Strategie des Widerstands beruhte auf massenhafter Mobilisierung bei gleichzeitiger Vermeidung von Gewalt. Der <em>Salzmarsch</em> von 1930 gegen die britische Salzsteuer gilt als symbolischer Höhepunkt dieser Politik. Der Protest verband ein einfaches Alltagsgut mit der kolonialen Machtfrage und wurde international wahrgenommen.</p>



<p>Zugleich traten Spannungen zutage: Während Gandhi zur Einheit aufrief, verschärften sich ethnisch-religiöse Konflikte. Das Verhältnis zum Muslimführer Muhammad Ali Jinnah blieb schwierig. Auch in der Kongresspartei stießen seine moralischen Vorgaben nicht immer auf Zustimmung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Späte Jahre und Teilung</h3>



<p>Während des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich die Lage. Gandhi forderte 1942 den sofortigen Rückzug der Briten (<em>Quit India Movement</em>), wurde inhaftiert und verlor während dieser Zeit seine Frau Kasturba. Nach dem Krieg trat er gegen die geplante Teilung Indiens in ein hinduistisch geprägtes Indien und ein muslimisches Pakistan auf &#8211; erfolglos.</p>



<p>1947 wurde die <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/teilung-und-gewalt-der-sommer-1947/">Unabhängigkeit Indiens</a> verkündet. Die Teilung führte zu Massengewalt, Zwangsmigration und mehr als einer Million Todesopfern. Gandhi reiste durch die Krisengebiete, um zu schlichten. Seine Appelle zur Versöhnung wurden nicht überall gehört.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ermordung und Nachwirkung</h3>



<p>Am 30. Januar 1948 wurde Gandhi in Neu-Delhi von Nathuram Godse, einem radikal-hinduistischen Aktivisten, erschossen. Godse warf Gandhi vor, muslimischen Interessen zu sehr entgegenzukommen.</p>



<p>Gandhi wurde weltweit geehrt, sein politisches Konzept der Gewaltfreiheit blieb international einflussreich. In Indien aber ist seine Stellung ambivalent. Während der Staat ihn als „Vater der Nation“ verehrt, wurde er von Teilen der hindu-nationalistischen Bewegung abgelehnt. Die politische Instrumentalisierung seines Erbes hält bis heute an.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="472" height="354" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_Gandhi_5.jpg" alt="" class="wp-image-5127" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_Gandhi_5.jpg 472w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_Gandhi_5-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 472px) 100vw, 472px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mahatma Gandhi, irgendwann vor 1948</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mehr erfahren</strong></h3>



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<p>Ilija Trojanow (Hrgs.)(2020): <a href="https://www.amazon.de/Mein-Leben-Geschichte-Experimente-Wahrheit/dp/3406757200?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2H3OKNPZ7U1R0&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.0Dx-6DMXnfb2e5lHRxNJMAa5hW3v_BW23qQHBgjjU9fpsgs9iMo1yXrbVQT9ri4TroET5Uw9QEC6ARgKhZOhWaAhVXn5s0M_GbZQtd10jICkUUb0qqzgMjQQqCnMdvs0Kn229e-A0ICfUxaY7m834JE2k8o8tiiwqeBsmxk91kSSYSRKl4n43sZ1vLf0pE6Uq6Vswwlc1rpOF6rSy-wyUAStEJE6PML8L0lkf9EBITY.Dj_TnPF0-VoUfuBmILeAGZdL6Vz7nc1uheEEP2yEJns&amp;dib_tag=se&amp;keywords=mahatma+gandhi+biografie&amp;qid=1758964470&amp;sprefix=mahatma+gandhi+biofraf%2Caps%2C358&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=76b8d6171d7847498ceaeb54c8444db8&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Mein Leben: oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Gandhi verlässt das Gefängnis in Kalkutta, 1938.</p>



<p>Alles gemeinfrei.</p>
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		<title>Dark Ages in Thailands Norden – Burmesische Herrschaft in Nordthailand</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/fruehe-neuzeit/dark-ages-in-thailands-norden-burmesische-herrschaft-in-nordthailand/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frühe Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Thailand]]></category>
		<category><![CDATA[16. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[Konbaung Dynastie]]></category>
		<category><![CDATA[Lan Na]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nordthailand]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Südostasien]]></category>
		<category><![CDATA[Taungoo Dynastie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die burmesische Herrschaft über das Königreich Lan Na zwischen 1558 und 1775 gilt in der thailändischen Geschichtsschreibung als &#8222;dunkles Zeitalter&#8220;. In Schulbüchern, TV-Serien und historischen Romanen erscheint diese Periode als &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/fruehe-neuzeit/dark-ages-in-thailands-norden-burmesische-herrschaft-in-nordthailand/">Dark Ages in Thailands Norden – Burmesische Herrschaft in Nordthailand</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Thailand_Burmesische_Herrschaft_Lan_Na-4.mp3"></audio></figure>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="190" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Southeast_Asian_history_-_Around_1540-190x300.png" alt="" class="wp-image-4908" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Southeast_Asian_history_-_Around_1540-190x300.png 190w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Southeast_Asian_history_-_Around_1540-650x1024.png 650w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Southeast_Asian_history_-_Around_1540.png 755w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lana, um 1540</figcaption></figure>
</div>


<p>Die burmesische Herrschaft über das Königreich Lan Na zwischen 1558 und 1775 gilt in der thailändischen Geschichtsschreibung als &#8222;dunkles Zeitalter&#8220;. In Schulbüchern, TV-Serien und historischen Romanen erscheint diese Periode als Epoche der Repression, der Verarmung und des kulturellen Verfalls. Doch dieser Blick ist nicht neutral. Vielmehr handelt es sich um ein nationales Deutungsmuster, das aus dem Schock der Zerstörung Ayutthayas 1767 durch burmesische Truppen hervorging. Die pauschale Abwertung der burmesischen Herrschaft in Nordthailand diente lange der Konstruktion eines homogenen Thai-Nationalbewusstseins. Der Historiker Ken Kirigaya zeigt, dass sich dieses Narrativ mit der Quellenlage nur bedingt vereinbaren lässt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Entstehung eines Feindbildes</h4>



<p>Die tief eingegrabene Feindbildstruktur hat eine doppelte Wurzel: Zum einen entstand sie aus den traumatischen Erfahrungen der letzten burmesischen Invasion unter der Konbaung-Dynastie. Zum anderen wurde sie im 19. und 20. Jahrhundert bewusst kultiviert, um einheitliche &#8222;Thainess&#8220; zu definieren.</p>



<p>Wie der Historiker Thongchai Winichakul darlegt, erfüllt die burmesische Fremdheit in der nationalen Historiographie eine projektive Funktion: Sie grenzt das Eigene negativ gegen das Andere ab. Diese Mechanik wirkt nicht nur in der Erfindung der &#8222;bösartigen Burmesen&#8220;, sondern auch in der nachträglichen Gleichsetzung von Lan Na mit dem heutigen Thailand. Die historische Vielfalt der Tai-Staaten wird durch ein vereinheitlichendes Narrativ verdeckt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Herrschaftsrealitäten</h4>



<p>Tatsächlich war die burmesische Herrschaft in Lan Na weder homogen noch durchgehend repressiv. Insbesondere unter der Taungoo-Dynastie (ab ca. 1615) zeigen Chroniken, Inschriften und ausländische Berichte ein differenziertes Bild.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="254" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Map_of_Taungoo_Empire_1580-254x300.png" alt="" class="wp-image-4915" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Map_of_Taungoo_Empire_1580-254x300.png 254w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Map_of_Taungoo_Empire_1580-868x1024.png 868w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Map_of_Taungoo_Empire_1580-768x906.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Map_of_Taungoo_Empire_1580.png 950w" sizes="auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px" /></figure>
</div>


<p>Nach einer Phase innerer Zersplitterung stabilisierten burmesische Eingriffe die Region. Gouverneure wurden eingesetzt, lokale Eliten integriert und die Wirtschaftsbeziehungen sowohl mit Ayutthaya als auch mit der Bucht von Bengalen aufrechterhalten. Die Stadt Chiang Mai blieb ein regionales Handelszentrum, das in den Quellen des VOC mehrfach als Umschlagplatz für indische Baumwollwaren erscheint. Selbst religiöse Institutionen konnten unter burmesischer Oberhoheit weiterbestehen, wie Stiftungen, Klosterbauten und literarische Traditionen belegen.</p>



<p>Besonders deutlich wird das in der Beurteilung der sogenannten &#8222;dreißig Jahre des Friedens&#8220; (ca. 1630–1660), in denen weder größere Aufstände noch Zwangsumsiedlungen verzeichnet sind. Ein Zeitraum, der in früheren Jahrhunderten so kaum vorkam. Auch der Vorwurf, burmesische Statthalter hätten die Bevölkerung systematisch ausgebeutet, lässt sich mit Blick auf die damals üblichen Steuerpraktiken und Preisverhältnisse relativieren.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h4 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h4>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p>Kirigaya, Ken (2015): <a href="https://so06.tci-thaijo.org/index.php/pub_jss/article/download/158136/114544/433031">Lan Na under Burma: A “Dark Age” in Northern Thailand?</a><br>Penth, Hans (2001): <a href="https://www.amazon.de/Brief-History-Lan-Na-Northern-ebook/dp/B00J3VPYFI?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=DFHCJTS36K4D&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.okGlc53GRqzqCObQj6upDtdYGbomY-Q-c-z8V9aiu_IImknQtWPOefg9n8qwy40_6lL8vgVaJOwUiDm7hiOMDg.p6NM5hy1DB9mpurf9XpQKwZEUMf70hxy2yGuqXI3slI&amp;dib_tag=se&amp;keywords=A+Brief+History+of+Lanna.&amp;qid=1758549840&amp;sprefix=a+brief+history+of+lanna.%2Caps%2C283&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=8498facac23941667e0ab187e204ee99&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl"> <em>A Brief History of Lanna</em></a>.* Kompakte, quellennahe Darstellung zur politischen Geschichte des Nordens.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Chedi Luang, Baubeginn im 14. Jahrhundert. Wikimedia Commons, Kingkidton.</p>



<p>Karte: Wikimedia Commons, Nyaungyan.</p>



<p>Königsstatuen: Wikimedia Commons, Sry85.</p>



<p></p>
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		<title>Aufbruch und Widerstand – Indochina zwischen Reform, Repression und Revolution</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indochina unter französischer Herrschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Serie: Indochina unter französischer Herrschaft Nach außen wirkte die französische Herrschaft in Indochina zu Beginn des 20. Jahrhunderts stabil. Die Verwaltung funktionierte, die Wirtschaft wuchs, die Ordnung schien gesichert. Doch &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/neuzeit/aufbruch-und-widerstand-indochina-zwischen-reform-repression-und-revolution/">Aufbruch und Widerstand – Indochina zwischen Reform, Repression und Revolution</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Widerstand_Indochina.mp3"></audio></figure>



<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indochina-unter-franzoesischer-herrschaft/">Serie: Indochina unter französischer Herrschaft</a></p>



<p>Nach außen wirkte die französische Herrschaft in Indochina zu Beginn des 20. Jahrhunderts stabil. Die Verwaltung funktionierte, die Wirtschaft wuchs, die Ordnung schien gesichert. Doch unter der Oberfläche gärte Unzufriedenheit: soziale Ungleichheit, kulturelle Entfremdung und die Erinnerung an frühere Widerstandsbewegungen ließen neue politische Kräfte entstehen. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildungsreform und neue Eliten</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="261" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Observation_au_microscope_en_Indochine-300x261.jpg" alt="" class="wp-image-4617" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Observation_au_microscope_en_Indochine-300x261.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Observation_au_microscope_en_Indochine-768x668.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Observation_au_microscope_en_Indochine.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">1920er-Jahre</figcaption></figure>
</div>


<p>Bereits unter Gouverneur Paul Beau (1902–1908) und später unter Albert Sarraut (1911–1914) wurden neue Schulen gegründet, darunter auch reformorientierte vietnamesische Initiativen wie die Tonkin-Schule (Đông Kinh Nghĩa Thục) in Hanoi. Dort wurde Geschichte, Literatur, Mathematik und Naturkunde in <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/vietnam/von-hanzi-zu-quoc-ngu-die-schriftgeschichte-vietnams/">quốc ngữ </a>unterrichtet, einem Alphabet, das auf lateinischen Buchstaben basiert. Dieses Orientieren an der westlichen Bildungsstruktur war sogleich ein Bruch mit der <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/titel/die-eliteschmiede-im-qing-china/">konfuzianischen Gelehrtenbildung</a>.</p>



<p>Die Kolonialverwaltung förderte einerseits auf diese Weise eine neue Elite, hielt sie aber zugleich in Abhängigkeit. Gut ausgebildete Vietnamesen erhielten untergeordnete Stellen in Verwaltung und Wirtschaft, nicht aber politischen Einfluss. Die Frustration einer gebildeten, aber machtlosen Generation wurde zum Nährboden für Opposition.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Reformer und Nationalisten</h3>



<p>Zwei einflussreiche Intellektuelle der Zeit waren Phan Bội Châu und Phan Chu Trinh. Phan Bội Châu forderte eine radikale Unabhängigkeit unter Rückgriff auf monarchistische Strukturen und reiste nach Japan, um ein neues Modell asiatischer Stärke zu studieren. Phan Chu Trinh hingegen setzte auf friedliche Reformen innerhalb des bestehenden Systems. Beide einte der Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung, doch ihre Wege und Zielvorstellungen unterschieden sich.</p>



<p>Inspiriert von Japan, China und zunehmend auch von Europa begannen vietnamesische Intellektuelle, Zeitungen zu gründen, Bücher zu publizieren und politische Netzwerke zu knüpfen. Die Kolonialverwaltung beobachtete diese Aktivitäten mit Misstrauen, tolerierte sie zeitweise und griff schließlich hart durch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Migration, Städte und neue Räume</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="214" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/La_rue_Catinat_Saigon_PV0019664-300x214.jpg" alt="" class="wp-image-4619" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/La_rue_Catinat_Saigon_PV0019664-300x214.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/La_rue_Catinat_Saigon_PV0019664-768x547.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/La_rue_Catinat_Saigon_PV0019664.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Stadtleben: Saigon in den 1920ern</figcaption></figure>
</div>


<p>Währenddessen veränderten sich auch die sozialen Strukturen. Die Migration in die Städte, besonders nach Saigon, Hanoi und Haiphong, schuf neue urbane Milieus. Dort entstanden Arbeitervereine, Lesezirkel und Diskussionsgruppen. Viele junge Vietnamesen kamen hier erstmals in Kontakt mit sozialistischen, anarchistischen oder nationalistischen Ideen.</p>



<p>Die politische Öffentlichkeit verlagerte sich von den Dörfern in die Städte. Auch Frauen fanden zunehmend Zugang zu Bildung, Erwerbsarbeit und öffentlichen Debatten, wenn auch in begrenztem Umfang.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Frankreichs Reaktion: Überwachung und Gewalt</h3>



<p>Die Kolonialverwaltung reagierte mit einem doppelten Ansatz: Modernisierung einerseits, Repression andererseits. Überwachung, Zensur und politische Prozesse nahmen zu. Aktivisten wie Phan Bội Châu wurden verhaftet, Zeitungen verboten, Schulen geschlossen. Besonders nach dem Ersten Weltkrieg verschärfte sich das Vorgehen.</p>



<p>Gleichzeitig investierte Frankreich in Infrastruktur, Gesundheitswesen und Bildung, jedoch stets unter kolonialen Vorzeichen. Fortschritt diente der Stabilisierung des Systems, nicht dessen Öffnung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Internationale Einflüsse und kommunistische Strömungen</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="234" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Ho_Chi_Minh_Sung_Man_Cho_Victoria_Prison_1930-234x300.png" alt="" class="wp-image-4620" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Ho_Chi_Minh_Sung_Man_Cho_Victoria_Prison_1930-234x300.png 234w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Ho_Chi_Minh_Sung_Man_Cho_Victoria_Prison_1930.png 500w" sizes="auto, (max-width: 234px) 100vw, 234px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ho Chi Minh, 1930</figcaption></figure>
</div>


<p>Ab den 1920er Jahren kamen neue Impulse aus dem Ausland. Vietnamesische Intellektuelle im Exil in Japan, China, Frankreich oder der Sowjetunion gründeten neue Bewegungen. Die Vietnamese Revolutionary Youth League, 1925 von Hồ Chí Minh in Guangzhou gegründet, verband nationalen Befreiungswillen mit marxistischer Analyse. Bald bildeten sich kommunistische Zellen in Vietnam selbst.</p>



<p>Der Einfluss der Oktoberrevolution und der internationalen Arbeiterbewegung verlieh dem vietnamesischen Antikolonialismus eine neue Richtung. Organisiert, ideologisch gefestigt und mit globaler Perspektive.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Kolonie in der Krise</h3>



<p>Die Weltwirtschaftskrise traf Indochina ab 1929 mit voller Wucht. Der Exportpreis für Reis brach um 60 Prozent ein, der für Kautschuk um über 90 Prozent. Französische Plantagenbesitzer und Minengesellschaften reagierten mit massiven Lohnkürzungen und Entlassungen. Gleichzeitig hielt die Kolonialverwaltung an hohen Steuern fest, die Bauern bis zu einem Viertel ihrer Ernte kosteten. Als 1930 in Nord-Annam eine Dürre die Reisernte vernichtete, eskalierten diese Faktoren zur humanitären Katastrophe: Zwischen 1930 und 1931 starben 1 bis 2 Millionen Menschen an Hunger. Reis wurde weiter nach China und Japan exportiert, um Devisen zu beschaffen, während lokale Behörden Hilfslieferungen blockierten. Diese Politik radikalisierte selbst gemäßigte Bevölkerungsgruppen und trieb Tausende in die Arme nationalistischer und kommunistischer Bewegungen.</p>



<p>In den späten 1930er Jahren war Indochina politisch aufgeladen. Die Kolonialverwaltung hatte die äußere Kontrolle behalten, aber den inneren Zusammenhalt verloren. Der Druck von unten wuchs, besonders in den Städten, bei Arbeitern, Schülern und ehemaligen Soldaten. Die Weltwirtschaftskrise verschärfte die Lage zusätzlich.</p>



<p>Frankreich reagierte mit weiteren Einschränkungen. Doch es war klar: Die Zeit des unangefochtenen Kolonialregimes ging zu Ende. Die Grundlagen für spätere Erhebungen waren gelegt, denn die Kolonie war politisiert, vernetzt und in Teilen zum Widerstand bereit.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Presidential_Palace_of_Vietnam-1-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-4621" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Presidential_Palace_of_Vietnam-1-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Presidential_Palace_of_Vietnam-1-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Presidential_Palace_of_Vietnam-1-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Presidential_Palace_of_Vietnam-1.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Präsidentenpalat in Hanoi war ab 1900 für den französischen Gouverneur gebaut worden</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p>Brocheux, Pierre: <em><a href="https://www.amazon.de/Indochina-Vietnam-Revolution-Global-Perspective/dp/0520269748?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.hp5IpbFnQZNSXro1Obt_ZPj3fJWWcFFr4EYS0P5NkhY.aaMIWMsug-wSBHg4_bmly7ktq_jdNH1yvFcur4u96g4&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Brocheux%2C+Pierre%3A+%22Indochina%3A+An+Ambiguous+Colonization&amp;qid=1755954043&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=2af6a59f1f71a99cb933eca1d8646d08&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Indochina: An Ambiguous Colonization, 1858–1954</a></em>, 2009.*</p>



<p>Großheim, Martin: <a href="https://www.amazon.de/Ho-Chi-Minh-geheimnisvolle-Revolution%C3%A4r/dp/3406622089?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2VL19C56F6EU2&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.nMK1nrYHMvvyu-keUnU7oFpqeRekPGWpLetq_WemYf9Jf9YfFJAgPdvPaeg57kdRl6CVilcWiQk5Nw9wEC507DfvPCOGD07FO2pU3EnTMcvIQ4psmLHEW0faBb56hK-wF52HgDLzAbUQUIDCNfZgC2iyMgkelC82PnYukNGWk8j7igmWCWwMobJGtuq8-VoNfqtBsZYQYtbZcRk7DvxT2gQQbXJ5NreWpisWIyj0orI.zuHWkHS9zI22DpisysygK_0kp61kq60w8fjODzTzcM0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=ho+chi+minh+biografie&amp;qid=1755954290&amp;sprefix=ho+chi+minh+biografie%2Caps%2C658&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=b6959922007a31fceebe13ef879dfbc6&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Ho Chi Minh: Der geheimnisvolle Revolutionär</a>, 2011.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Palast des Generalgouverneurs in Saigon, in den 1920ern.</p>



<p></p>



<p></p>
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		<title>Politik mit der Grenze – Preah Vihear in Kambodschas nationaler Strategie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Aug 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grenzziehung – Der Streit um Preah Vihear]]></category>
		<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
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		<category><![CDATA[Preah Vihear]]></category>
		<category><![CDATA[Südostasien]]></category>
		<category><![CDATA[UNESCO Welterbe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Aufnahme von Preah Vihear in die UNESCO-Welterbeliste im Juli 2008 war ein diplomatischer Erfolg für Kambodscha und zugleich ein innenpolitisches Signal. Premierminister Hun Sen nutzte den Tempel, um nationale &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/kambodscha/politik-mit-der-grenze-preah-vihear-in-kambodschas-nationaler-strategie/">Politik mit der Grenze – Preah Vihear in Kambodschas nationaler Strategie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Vihear_Preah_3.mp3"></audio></figure>



<p>Die Aufnahme von Preah Vihear in die UNESCO-Welterbeliste im Juli 2008 war ein diplomatischer Erfolg für Kambodscha und zugleich ein innenpolitisches Signal. Premierminister Hun Sen nutzte den Tempel, um nationale Einheit zu beschwören, seine Macht zu festigen und sich international als berechenbarer Akteur zu präsentieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Tempel als nationale Ressource</strong></h3>



<p>Preah Vihear galt in Kambodscha lange als Randgebiet. Die Ereignisse ab 2008 machten ihn zum zentralen Symbol nationaler Selbstbehauptung. Die Regierung inszenierte die UNESCO-Anerkennung als diplomatischen Triumph und als Wiederherstellung eines vermeintlich natürlichen Zustands: Der Tempel wurde zum Fokuspunkt für Vorstellungen von Souveränität, geschichtlicher Kontinuität und kultureller Tiefe. In Reden, Lehrbüchern und Medien wurde er als Beweis für historische Opferbereitschaft und internationale Anerkennung zugleich dargestellt. Diese symbolische Aufladung diente zur Konsolidierung nationaler Einheit und auch zur Mobilisierung politischer Loyalität. Grenzschutz und Denkmalpflege verschmolzen zu einem Instrument staatlicher Selbstvergewisserung.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Premier als Schutzpatron</strong></h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Hun_Sen_2012-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-4298" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Hun_Sen_2012-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Hun_Sen_2012.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hun Sen, 2012</figcaption></figure>
</div>


<p>Hun Sen reagierte auf thailändische Proteste mit militärischer Entschlossenheit und internationaler Vermittlung. Er brachte den Fall erneut vor den IGH, sicherte sich UN-Unterstützung und nutzte jede Eskalation zur innenpolitischen Profilierung. Die Rolle als Verteidiger der Nation überlagerte innenpolitische Kontroversen. Die Grenztruppen wurden gestärkt, neue Straßen gebaut, Militärbüros im Tempelareal eingerichtet. Gleichzeitig diente der Konflikt dazu, Hun Sens Sohn Hun Manet als künftigen Führungskandidaten in Szene zu setzen. Von Bedeutung war dabei auch Hun Sens enge Beziehung zu der thailändischen Politikerfamilie Shinawatra. Beide Seiten verbanden über Jahre wirtschaftliche und politische Kontakte, die ein informelles Netz der Zusammenarbeit bildeten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Rhetorik des Opfers</strong></h3>



<p>Kambodscha inszenierte sich wiederholt als Opfer kolonialer Ungleichheit und thailändischer Dominanz. In Medien, Schulen und Museen wurde der Tempel zu einem Ort nationaler Erinnerung umgedeutet. Die Bilder von Angriffen, Zerstörung und Opferbereitschaft wurden über Jahre hinweg konserviert und politisch aufgeladen. Der Streit um wenige Quadratkilometer wurde so zur Erneuerung einer historischen Identität genutzt, die sowohl auf kulturellem Erbe als auch auf erlittener Verletzung basiert.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Entwicklung unter nationalem Vorzeichen</strong></h3>



<p>Der Konflikt brachte neue Infrastruktur in eine vormals isolierte Region: befestigte Wege, Elektrizität, Mobilfunk, Schulbauten. Gleichzeitig entstanden Militärcamps, Kasinos und Verwaltungsposten entlang der Grenze. </p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eskalation 2025</strong></h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="252" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Prime_Minister_Narendra_Modi_at_the_Exchange_of_MoUs_and_Joint_Press_Statements_along_with_the_Prime_Minister_of_Thailand_Ms_Paetongtarn_Shinawatra_at_Bangkok_in_Thailand_o-252x300.jpg" alt="" class="wp-image-4300" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Prime_Minister_Narendra_Modi_at_the_Exchange_of_MoUs_and_Joint_Press_Statements_along_with_the_Prime_Minister_of_Thailand_Ms_Paetongtarn_Shinawatra_at_Bangkok_in_Thailand_o-252x300.jpg 252w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Prime_Minister_Narendra_Modi_at_the_Exchange_of_MoUs_and_Joint_Press_Statements_along_with_the_Prime_Minister_of_Thailand_Ms_Paetongtarn_Shinawatra_at_Bangkok_in_Thailand_o.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px" /><figcaption class="wp-element-caption">Premierministerin Paetongtarn Shinawatra, 2025</figcaption></figure>
</div>


<p>Im Juli 2025 kam es zu den schwersten Gefechten an der thailändisch-kambodschanischen Grenze seit mehr als 15 Jahren. Nach Angaben der Behörden wurden sowohl Soldaten als auch Zivilisten getötet und über 100.000 Anwohner evakuiert. Beobachter sehen in dieser Eskalation nicht nur einen territorialen Konflikt, sondern auch die Folge zerbrochener persönlicher Netzwerke.</p>



<p>Über Jahre hatten die Familie des ehemaligen kambodschanischen Premiers Hun Sen und die thailändische Familie Shinawatra enge politische und wirtschaftliche Kontakte gepflegt. Dieses Verhältnis zerbrach, als Hun Sen ein vertrauliches Telefonat mit der damaligen thailändischen Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra veröffentlichte, in dem sie ihn als „Onkel“ ansprach und thailändische Militärs kritisierte. Die Veröffentlichung führte in Bangkok zu einem politischen Skandal und zur Suspendierung Paetongtarns. Seitdem sind die bilateralen Beziehungen tief erschüttert und die Gefahr weiterer Auseinandersetzungen bleibt hoch</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Pawakapan, Puangthong R</strong>.: <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Uncivil-Society-Thailand-Temple-Vihear/dp/9814459909?crid=CKPNA4YD5ODZ&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.nRfYwOOnzLLgGN4jTYyT9WXwSIrvmRHAGV951UD_A4lb5JOBHMJUti_NW0na9TVu_9FQUHmergrXkMmQDhlSgfWd-EEYt3QT26RhmQuvR7uUKImpeWJ3Ex8LWh8xEUE5DPP2Pq9Quz8EVjWjAlcHNROUEtwT1ETgaGnaR8CXQDSKtCi7G_iNs4p6ko-bxTdt95pDoFbtlth-JIUJ-RD3Hr22RpvUGyyk9Q51HrJaeJM.5d4i5J593ZcrhtnEBdOVGWxXzlJ99BMkxMPff-pRldo&amp;dib_tag=se&amp;keywords=State+and+Uncivil+Society+in+Thailand+at+the+Temple+of+Preah+Vihear&amp;qid=1766153830&amp;sprefix=state+and+uncivil+society+in+thailand+at+the+temple+of+preah+vihear%2Caps%2C192&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=e3ca2685a025dc62b7cd1215b445b97c&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">State and Uncivil Society in Thailand at the Temple of Preah Vihear</a></em>. ISEAS, 2013. (Standardwerk zur Rolle der PAD und des Nationalismus)*</li>



<li><strong>Rattanasengchanh, P. Michael</strong> (2017): <em>Hun Sen, Cambodia and the Thai–Cambodian Temple Dispute: The Politics of Nationalist Discourse.</em> Asian Affairs (Analyse der politischen Instrumentalisierung des Tempels durch Hun Sen).</li>



<li><strong>Ngoun, Kimly</strong> (2016): <em>Narrating the National Border: Cambodian State Rhetoric vs Popular Discourse on the Preah Vihear Conflict.</em> Journal of Southeast Asian Studies. (Wahrnehmung der Grenzpolitik aus Sicht der lokalen Bevölkerung).</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Preah Vihear.</p>



<p>Shinawatra: Government Open Data Licence -India.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/kambodscha/politik-mit-der-grenze-preah-vihear-in-kambodschas-nationaler-strategie/">Politik mit der Grenze – Preah Vihear in Kambodschas nationaler Strategie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Vom Verlust zum Mythos – Preah Vihear in Thailands Erinnerungspolitik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Jul 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grenzziehung – Der Streit um Preah Vihear]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Serie: Grenzziehung &#8211; Der Streit um Preah Vihear Die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs von 1962, den Tempel von Preah Vihear Kambodscha zuzusprechen, wurde in Thailand als nationale Niederlage empfunden. Obwohl &#8230; </p>
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<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/der-streit-um-preah-vihear/">Serie: Grenzziehung &#8211; Der Streit um Preah Vihear</a></p>



<p>Die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs von 1962, den Tempel von Preah Vihear Kambodscha zuzusprechen, wurde in Thailand als nationale Niederlage empfunden. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="238" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Geschil_Cambodja-Thailand_voor_het_Internationale_Hof_van_Justitie_De_rechters__Bestanddeelnr_912-3278-300x238.jpg" alt="" class="wp-image-4237" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Geschil_Cambodja-Thailand_voor_het_Internationale_Hof_van_Justitie_De_rechters__Bestanddeelnr_912-3278-300x238.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Geschil_Cambodja-Thailand_voor_het_Internationale_Hof_van_Justitie_De_rechters__Bestanddeelnr_912-3278-1024x812.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Geschil_Cambodja-Thailand_voor_het_Internationale_Hof_van_Justitie_De_rechters__Bestanddeelnr_912-3278-768x609.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Geschil_Cambodja-Thailand_voor_het_Internationale_Hof_van_Justitie_De_rechters__Bestanddeelnr_912-3278.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Internationaler Gerichtshof zum Fall Preah Vihear</figcaption></figure>
</div>


<p>Obwohl das Land als UN-Mitglied Vertragsstaat des IGH ist, hatte es dessen obligatorische Gerichtsbarkeit nicht allgemein anerkannt. Durch die Teilnahme am Verfahren unterwarf sich Thailand jedoch dem Urteil und akzeptierte es schließlich zähneknirschend.</p>



<p>In der thailändischen Gesellschaft stieß das Urteil auf Ablehnung. Die Grundlage des Urteils, eine von französischen Kolonialbeamten erstellte Karte, galt vielen als Beweis für Fremdbestimmung. Diese Sichtweise verband sich mit einem latenten Misstrauen gegenüber internationalen Institutionen, das bereits in anderen Kontexten sichtbar geworden war. </p>



<h3 class="wp-block-heading">PAD und die Rückkehr der Territorialfrage</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Bangkok_Protests_on_26_August_2008-300x200.jpg" alt="" class="wp-image-4243" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Bangkok_Protests_on_26_August_2008-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Bangkok_Protests_on_26_August_2008-1024x681.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Bangkok_Protests_on_26_August_2008-768x511.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Bangkok_Protests_on_26_August_2008-1536x1022.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Bangkok_Protests_on_26_August_2008-2048x1363.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Bangkok_Protests_on_26_August_2008-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">PAD-Demo in Bangkok, 2008</figcaption></figure>
</div>


<p>Mit dem Welterbeantrag von Kambodscha 2008 entfachte sich in Thailand eine Protestbewegung, angeführt von der People&#8217;s Alliance for Democracy (PAD). Die PAD war ursprünglich als Teil der Anti-Thaksin-Opposition<sup data-fn="5947dad0-4edc-4adc-a753-1e3c07fdc423" class="fn"><a id="5947dad0-4edc-4adc-a753-1e3c07fdc423-link" href="#5947dad0-4edc-4adc-a753-1e3c07fdc423">1</a></sup> entstanden, entwickelte sich jedoch rasch zu einem Sammelbecken nationalistischer Strömungen. Im Fall Preah Vihear warf sie der Regierung Samak Sundaravej vor, durch ihre Zustimmung zum kambodschanischen Antrag Souveränitätsrechte preisgegeben zu haben. Die Bewegung mobilisierte zehntausende Anhänger, errichtete Protestlager an der Grenze und organisierte Demonstrationen in Bangkok. Ihre Rhetorik verband geopolitische Forderungen mit innenpolitischer Systemkritik: Der Streit um Preah Vihear wurde zum Beleg für Korruption, Versagen der Eliten und vermeintliche Ausverkaufspolitik.</p>



<p>Zugleich stellte die PAD die Legitimität internationaler Organisationen wie der UNESCO und des IGH infrage. Sie deutete deren Entscheidungen als Ausdruck einer gegen Thailand gerichteten Weltordnung. In dieser Lesart wurde der Tempel zur Projektionsfläche für innenpolitischen Protest, aber auch für eine Identität als angegriffene Nation. Die konkrete Grenzfrage trat hinter ein größeres Narrativ nationaler Selbstverteidigung zurück.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Akademische und öffentliche Debatte</h3>



<p>Versuche, die historische und juristische Lage differenziert darzustellen, stießen auf breite Ablehnung. Historiker wie Charnvit Kasetsiri produzierten Aufklärungsvideos, Informationsmaterial und Debattenbeiträge, in denen sie die Hintergründe des IGH-Urteils, die Rolle der Annex-I-Karte und die rechtlichen Entwicklungen seit 1904 erklärten. Diese Initiativen erreichten jedoch nur akademische oder urbane Kreise. Die öffentliche Debatte wurde hingegen stark durch Emotionalität bestimmt. In Nachrichtensendungen und politischen Reden dominierte weiterhin das Bild eines unrechtmäßigen Verlusts, ohne dass die historische Komplexität im Detail aufgearbeitet wurde. Die staatliche Zurückhaltung trug dazu bei, dass sich populäre Missverständnisse verfestigten. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Militär und Medien</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="233" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Prayut_Chan-o-cha_in_2012-233x300.jpg" alt="" class="wp-image-4244" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Prayut_Chan-o-cha_in_2012-233x300.jpg 233w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Prayut_Chan-o-cha_in_2012.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px" /><figcaption class="wp-element-caption">General Prayuth, 2012</figcaption></figure>
</div>


<p>Während die Regierung unter Premierminister Samak Sundaravej versuchte, den Konflikt diplomatisch zu entschärfen, traten Teile des Militärs offen mit nationalistischer Rhetorik auf. General Anupong Paochinda, Oberbefehlshaber der Armee, und General Prayuth Chan-ocha, später selbst Premierminister, äußerten sich wiederholt kritisch gegenüber der politischen Führung und unterstützten faktisch die Positionen der PAD. Regionale Kommandeure an der Grenze ließen grenznahe Truppen demonstrativ sichtbar werden. Gleichzeitig verstärkten nationale Fernsehsender wie ASTV, das Sprachrohr der PAD und Tageszeitungen wie die <em>Manager Daily</em> die Darstellung eines Verrats an nationalem Erbe. Kritische Differenzierungen blieben selten. Das Bild von Thailand als Opfer kambodschanischer und internationaler Doppelstandards verfestigte sich zunehmend in der breiten Öffentlichkeit.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p>Pawakapan, Puangthong R.: <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Uncivil-Society-Thailand-Temple-Vihear/dp/9814459909?crid=CKPNA4YD5ODZ&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.nRfYwOOnzLLgGN4jTYyT9WXwSIrvmRHAGV951UD_A4lb5JOBHMJUti_NW0na9TVu_9FQUHmergrXkMmQDhlSgfWd-EEYt3QT26RhmQuvR7uUKImpeWJ3Ex8LWh8xEUE5DPP2Pq9Quz8EVjWjAlcHNROUEtwT1ETgaGnaR8CXQDSKtCi7G_iNs4p6ko-bxTdt95pDoFbtlth-JIUJ-RD3Hr22RpvUGyyk9Q51HrJaeJM.5d4i5J593ZcrhtnEBdOVGWxXzlJ99BMkxMPff-pRldo&amp;dib_tag=se&amp;keywords=State+and+Uncivil+Society+in+Thailand+at+the+Temple+of+Preah+Vihear&amp;qid=1766153830&amp;sprefix=state+and+uncivil+society+in+thailand+at+the+temple+of+preah+vihear%2Caps%2C192&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=e3ca2685a025dc62b7cd1215b445b97c&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">State and Uncivil Society in Thailand at the Temple of Preah Vihear</a></em>. ISEAS, 2013. (Standardwerk zur Rolle der PAD und des Nationalismus)*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Preah Vihear, Wikimedia Commons, CHAMRAT CHAROENKHET.<br>PAD-Demo: Wikimedia Commons, Craig Martell.</p>



<p>Alles weitere public domain.</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="5947dad0-4edc-4adc-a753-1e3c07fdc423">Thaksin Shinawatra ist ein thailändischer Unternehmer und Politiker, der von 2001 bis 2006 als Premierminister Thailands amtierte. Er wurde durch einen Militärputsch abgesetzt und lebt seitdem größtenteils im Exil, bleibt jedoch eine einflussreiche Figur in der thailändischen Politik. <a href="#5947dad0-4edc-4adc-a753-1e3c07fdc423-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/vom-verlust-zum-mythos-preah-vihear-in-thailands-erinnerungspolitik/">Vom Verlust zum Mythos – Preah Vihear in Thailands Erinnerungspolitik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Amritsar 1919 – General Dyer und die Praxis kolonialer Gewalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jul 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Ort der Versammlung Am 13. April 1919 versammelten sich nach Schätzungen bis zu 25.000 Menschen im Jallianwala Bagh, einem ummauerten Gelände nahe dem Goldenen Tempel von Amritsar. Viele waren &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/neuzeit/amritsar-1919/">Amritsar 1919 – General Dyer und die Praxis kolonialer Gewalt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Indien_Amritsar_1919.mp3"></audio></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Ort der Versammlung</h3>



<p>Am 13. April 1919 versammelten sich nach Schätzungen bis zu 25.000 Menschen im Jallianwala Bagh, einem ummauerten Gelände nahe dem Goldenen Tempel von Amritsar. Viele waren aus Anlass des Baisakhi-Fests gekommen, andere aus Protest gegen die Repressionspolitik der Kolonialregierung. Die Versammlung war friedlich, es gab keine bewaffneten Teilnehmer. Dennoch ließ der britische Brigadier-General Reginald Dyer ohne Vorwarnung das Feuer eröffnen. In rund zehn Minuten gaben seine Soldaten über 1.600 Schuss Munition auf die unbewaffnete Menge ab. Der Haupteingang wurde von Radpanzern versperrt, andere Ausgänge waren schmal oder führten in enge Gassen. Eine Flucht war kaum möglich. Hunderte Menschen starben, viele weitere wurden schwer verletzt.</p>



<p>Die genaue Zahl der Toten ist bis heute umstritten. Die offizielle britische Schätzung lag bei 379, indische Quellen gingen von über 1.000 aus. Eine detaillierte Auswertung durch die Historikerin Kim Ati Wagner auf Grundlage von Opferlisten, Augenzeugenberichten und Geländeanalyse kommt auf etwa 500 bis 600 Tote. Die Zahl der Verwundeten dürfte etwa drei Mal so hoch gewesen sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politischer Kontext</h3>



<p>Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs herrschte in Indien politische Unruhe. Die britische Kolonialmacht hatte Reformen in Aussicht gestellt und zugleich unter dem Rowlatt Act von 1919 neue Notstandsmaßnahmen eingeführt. Diese erlaubten Inhaftierungen ohne Anklage sowie Einschränkungen der Pressefreiheit. Proteste gegen das Gesetz hatten sich in vielen Städten des Landes formiert.</p>



<p>Amritsar war ein Zentrum dieser Proteste. Zwei lokale Führer, Dr. Saifuddin Kitchlew und Dr. Satyapal, wurden kurz vor dem Massaker ohne Verfahren festgenommen. Die daraufhin ausbrechenden Unruhen am 10. April führten zu Ausschreitungen und zum Tod einiger europäischer Zivilisten. In der Folge verhängte die Kolonialregierung eine strenge Ausgangssperre. Es erfolgte jedoch keine systematische Kommunikation über Verbote oder Versammlungsauflagen, was später als schwerwiegendes Versäumnis eingestuft wurde.</p>



<p>Der für die Provinz politisch verantwortliche Lieutenant Governor Michael O’Dwyer unterstützte das Vorgehen Dyers und äußerte sich auch nach dem Massaker zustimmend zur Härte der Maßnahme. Er war in enger Abstimmung mit dem Militär vor Ort und galt als treibende Kraft hinter der repressiven Linie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Entscheidung zu schießen</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="258" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101335-300x258.jpg" alt="" class="wp-image-4124" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101335-300x258.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101335-768x661.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101335.jpg 901w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Reginal Dyer (1864-1927)</figcaption></figure>
</div>


<p>Brigadier-General Dyer war am Morgen des 13. April über eine geplante Menschenansammlung informiert worden. Er ließ einen Trupp von Gurkha- und Baluchi-Soldaten aufstellen und begab sich mit ihnen zum Jallianwala Bagh. Ohne Vorwarnung ließ er das Feuer auf die dicht gedrängte Menge eröffnen. Es wurde gezielt auf die Ausgänge geschossen, um die Flucht zu verhindern. Die <em>E</em>ntscheidung fiel offenbar unter dem Eindruck einer unerwartet großen Versammlung, deren Ausmaß Dyer weder kannte noch kontrollieren konnte.</p>



<p>Auch die Zusammensetzung der Versammlung war nicht eindeutig. Ein angekündigter Redner distanzierte sich später von der Veranstaltung. Der Organisator Hans Raj blieb umstritten. Ihm wurde zeitweise eine Nähe zur britischen Polizei nachgesagt, doch gesicherte Belege fehlen. Die Polizei hatte sich aus dem Stadtgebiet zurückgezogen, Nachrichtengeber waren kaum aktiv, und der Einsatz von Aufklärungsflugzeugen war nicht durch Dyer koordiniert. Er verfügte über kaum verlässliche Informationen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_102533-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-4123" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_102533-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_102533-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_102533-1152x1536.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_102533-1536x2048.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_102533-scaled.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jallianwala Bagh: In der Mauer sind noch die Einschusslöcher zu sehen.</figcaption></figure>
</div>


<p>Dyers Rechtfertigung stützte sich auf das Prinzip „minimaler Gewalt“. Ziel sei nicht die Kontrolle eines Aufstands gewesen, sondern eine abschreckende Wirkung auf die Bevölkerung. Dieses Verständnis war innerhalb der britischen Kolonialpolitik verbreitet. Gewalt sollte begrenzt, aber wirksam sein. Der Begriff „minimum force“ wurde in verschiedenen Kontexten genutzt, blieb jedoch unscharf. Die Praxis orientierte sich weniger an rechtsstaatlichen Maßstäben als an der Einschätzung einzelner Offiziere vor Ort. Verbindliche Vorgaben für den Einsatz militärischer Mittel in kolonialen Konflikten fehlten. Dyer veranlasste nach dem Feuerbefehl keine medizinische Versorgung der Verletzten. Der abends verhängte Kurzbefehl verhinderte gezielte Hilfeleistungen. Ärzte wurden am Betreten des Geländes gehindert, manche erhielten direkte Anweisungen, keine Opfer zu behandeln. Die Toten und Verwundeten blieben über Nacht auf dem Gelände. Aus Angst vor Repression wagte kaum jemand, ihnen zu helfen.</p>



<p>In den Tagen nach dem Massaker erließ Dyer zusätzliche Strafmaßnahmen. Besonders umstritten war eine Anordnung, die Menschen zwang, auf allen Vieren durch eine Gasse zu kriechen, in der zuvor eine britische Frau angegriffen worden war. Die Demütigung verstärkte die Wut in der Bevölkerung. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Reaktionen in Indien</h3>



<p>Die Nachricht von der Erschießung verbreitete sich rasch und führte landesweit zu Empörung. Mahatma Gandhi, der bis dahin einen gemäßigten Kurs vertreten hatte, radikalisierte seine Haltung gegenüber der Kolonialherrschaft. Der Vorfall stärkte den Zulauf zur indischen Nationalbewegung. Rabindranath Tagore, Literaturnobelpreisträger und Mitglied des kolonialen Ehrenordens, legte demonstrativ seinen Titel ab.</p>



<p>Ein symbolträchtiges Nachspiel ereignete sich 21 Jahre später: Am 13. März 1940 erschoss Udham Singh in London den früheren Punjab-Gouverneur Michael O’Dwyer. Vor Gericht erklärte Singh, er habe aus Rache gehandelt, weil O’Dwyer das Massaker veranlasst und verteidigt habe. Er wurde hingerichtet.</p>



<p>Das Massaker wurde zu einem zentralen Bezugspunkt für die Mobilisierung antikolonialer Bewegungen. Es zerstörte das Vertrauen in die Reformbereitschaft der britischen Administration und machte sichtbar, dass der Kolonialstaat bereit war, Gewalt gegen Zivilisten einzusetzen, um seine Kontrolle zu sichern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die britische Aufarbeitung</h3>



<p>In Großbritannien wurde 1920 eine parlamentarische Untersuchung eingesetzt, die sogenannte Hunter-Kommission. Dyer verteidigte dort sein Vorgehen nicht nur, sondern sprach offen über seine Beweggründe:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Q: &#8222;What reason had you to suppose that if you had ordered the&#8216; assembly to leave the Bagh they would not have done so without the necessity of your firing, continued firing for a length of time?&#8220;<br>A: &#8222;Yes, I think it quite possible that I could have dispersed them perhaps even without firing.&#8220;</p>



<p>Q:  &#8222;Why did you not adopt that course?&#8220;</p>



<p>A: &#8222;I could disperse them for some time; then they would all come back and laugh at me, and I considered I would be making myself a fool<em>.&#8220;</em><sup data-fn="30ad3033-e127-45c6-95c8-581f94e3a985" class="fn"><a id="30ad3033-e127-45c6-95c8-581f94e3a985-link" href="#30ad3033-e127-45c6-95c8-581f94e3a985">1</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Die Aussage unterstrich, dass es ihm nicht um Gefahrenabwehr ging, sondern um eine demonstrative Machtausübung. Die Kommission kritisierte das Vorgehen Dyers, vermied jedoch eine eindeutige Verurteilung. Dyer selbst wurde aus dem Dienst entlassen, erfuhr aber keine strafrechtlichen Konsequenzen. In konservativen Kreisen galt er als Verteidiger imperialer Disziplin. Eine Spendenaktion sammelte über 26.000 Pfund zu seinen Gunsten, getragen von über 50.000 Personen. Die Debatte über seine Person entwickelte sich zu einer nationalen Auseinandersetzung, in der sich unterschiedliche Deutungen britischer Selbstvergewisserung zeigten.</p>



<p>Auch kritische Stimmen wie Winston Churchill lehnten das Vorgehen nicht vollständig ab, sondern kritisierten vor allem dessen Ausmaß. Derek Sayer zufolge lag der Widerspruch nicht zwischen konservativen und liberalen Kräften, sondern innerhalb der liberalen Ordnung selbst. Das Massaker wurde nicht nur von imperialistischen Stimmen verteidigt, sondern auch durch ein Denken gerechtfertigt, das Ordnung als Voraussetzung von Fortschritt und Gewalt als deren mögliche Bedingung verstand. Rassistische Vorstellungen wirkten dabei stabilisierend. Sie unterstützten die Annahme, dass Gewalt gegen Kolonisierte unter bestimmten Umständen zulässig sei.</p>



<p>Nick Lloyd weist darauf hin, dass die Ereignisse von Amritsar keine tiefgreifende Reform der kolonialen Sicherheitspolitik auslösten. Die Gewaltpraxis blieb weitgehend unangetastet. Auch nach 1919 fehlten klare Richtlinien. Die strukturelle Spannung zwischen dem Anspruch auf rechtsstaatliche Kontrolle und der Realität imperialer Durchsetzungsmacht blieb bestehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Langzeitwirkung und Erinnerung</h3>



<p>In Indien ist Amritsar bis heute ein Mahnmal kolonialer Gewalt. Der Ort des Massakers ist nationaler Gedenkort, das Ereignis Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses. In Großbritannien hingegen blieb es lange marginalisiert und wurde erst in jüngerer Zeit stärker aufgearbeitet. Premierminister David Cameron besuchte 2013 das Gelände, sprach von einem tief beschämenden Ereignis, vermied jedoch eine offizielle Entschuldigung. Auch sein Nachfolger Rishi Sunak lehnte 2023 eine Entschuldigung ausdrücklich ab und verwies stattdessen auf die Bedeutung historischer Erinnerung. </p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="453" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101226-1024x453.jpg" alt="" class="wp-image-4125" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101226-1024x453.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101226-300x133.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101226-768x340.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101226-1536x680.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101226-2048x907.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20221103_101226-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p><strong>Nick Lloyd (2011):</strong> <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Amritsar-Massacre-Untold-Story-Fateful/dp/1848857233?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.YnEQ14AoKLwboBLURsPn_3VkQ95OzcBouQpnbBs9hq5KGMMJsDW1sCMyy4iYGIPrikcJe23fR_Bi0lt0112AWEqcA1HxNARb_cFtejcrXgRS-RVJMf3BthPCj0lGl1bJFuGsKoQ2Ns1G91WjWdJVFCaAdy69RKAM9DZ871_BUJK1_Ut8Z2FplL9Cv8CNZ16ucbKojVr7ZEMzAPkj5miGxfvOUt36Z5d62Bzj1eWF0J8.lTjttWBFFYtxLypxP7iOO2Pqk6brltVrfVBCNjAe13I&amp;qid=1766153365&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=393b67b90003650b1bac8a9183a1b71d&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Amritsar Massacre. The Untold Story of One Fateful Day</a></em>.*<br>– Detaillierte Rekonstruktion des Ablaufs, basierend auf britischen und indischen Quellen. Zeigt Dyers Entscheidung als situativ, nicht als geplant.</p>



<p><strong>Nick Lloyd:</strong> „<a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/09592318.2010.481436">The Amritsar Massacre and the Minimum Force Debate</a>“, in: <em>Small Wars &amp; Insurgencies</em> 21.2 (2010), S. 194–215.<br>– Analytischer Zugang zur kolonialen Sicherheitspolitik. Zeigt, wie Gewalt in imperialen Kontexten diskutiert und gerechtfertigt wurde.</p>



<p><strong>Derek Sayer:</strong> „<a href="https://www.jstor.org/stable/650872">British Reaction to the Amritsar Massacre 1919–1920</a>“, in: <em>Past &amp; Present</em> 131 (1991), S. 130–164.<br>– Argumentiert, dass das Massaker nicht gegen, sondern im Rahmen liberaler Ordnung gedacht wurde. Betont die Rolle rassistischer Legitimationsmuster.</p>



<p><strong>Kim A. Wagner (2019):</strong> <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Amritsar-1919-Empire-Making-Massacre/dp/0300250711?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.RU_X_b3vStNGA8iZT66Z0PTR2-pYT3YWl1QHMSrhdDWBCnLvGsmUtt-U4BFVYF6-w7yzOlvuBc4rAXekLuddRlmL99sq4ST8Dk6Qmst6duzOI3NgnrX0z5k2FgfJG2UQ._UbHA0iYZnejq_wat-Wk9VPk58__G0L_lRf2mPIrmq0&amp;qid=1766153464&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=d174a2149275ccb0e86bc8ec15296b3c&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">Amritsar 1919. An Empire of Fear and the Making of a Massacre</a></em>.* Systematische Auswertung indischer Opferlisten, Ortsanalysen und politischer Verantwortung. Klare Einordnung der Opferzahlen und der Rolle O’Dwyers.</p>



<p><strong><a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fe/Disorders_Inquiry_Committee_1919-1920_%28report%29_Calcutta-_Superintendent_Government_Printing%2C_India_1920_-_ape9901.0001.001.umich.edu.pdf">Disorders Inquiry Committee</a> (Hunter Report):</strong> <em>Report of the Disorders Inquiry Committee, 1919–1920</em>. Calcutta 1920.<br>– Offizieller Untersuchungsbericht zum Massaker, enthält Protokolle der Befragung Dyers. Dokumentiert die damalige britische Perspektive.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h4>



<p>Titel: Jallianwala Bagh Gedenkstätte, 2022.</p>



<p>Alles eigene Aufnahmen</p>



<p></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="30ad3033-e127-45c6-95c8-581f94e3a985"><em>Disorders Inquiry Committee 1919–1920 (Hunter Report)</em>, London 1920, S. 191.<br>Frage: „Welchen Grund hatten Sie zur Annahme, dass die Versammlung den Bagh nicht verlassen hätte, wenn Sie sie dazu aufgefordert hätten – ohne dass ein längeres Schießen notwendig gewesen wäre?“<br>Antwort: „Ja, ich denke, es wäre durchaus möglich gewesen, sie vielleicht sogar ohne Schüsse zu zerstreuen.“<br>Frage: „Warum haben Sie diesen Weg nicht gewählt?“<br>Antwort: „Ich hätte sie eine Zeit lang zerstreuen können. Dann wären sie alle zurückgekommen und hätten über mich gelacht, und ich hätte mich lächerlich gemacht.“, die Menge zu zerstreuen, ohne zu schießen. Aber ich hätte mich, so wie ich es sah, lächerlich gemacht.“ <a href="#30ad3033-e127-45c6-95c8-581f94e3a985-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p></p>
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		<item>
		<title>Die Pancasila als Fundament der indonesischen Verfassung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Feb 2025 13:45:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indonesien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Inhalt ➤ Einleitung ➤ Die Rede ➤ Persatuan Indonesia – Nationale Einheit ➤ Internasionalisme – Internationalismus ➤ Mufakat – Einigkeit ➤ Keadilan sosial – Soziale Gerechtigkeit ➤ Ketuhanan yang Maha &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/die-pancasila-als-fundament-der-indonesischen-verfassung/">Die Pancasila als Fundament der indonesischen Verfassung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<div style="max-width: 580px; margin: 20px auto; background-color: #e8f5e9; padding: 15px; border-radius: 8px; border-left: 6px solid #81c784; box-shadow: 0 2px 8px rgba(0, 0, 0, 0.1);">
    <h2 style="color: #388e3c; font-size: 22px; margin-bottom: 15px; text-align: center; font-family: Georgia, serif;">Inhalt</h2>
    <ul style="list-style-type: none; padding: 0;">
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966172" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Einleitung</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966173" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Die Rede</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966174" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Persatuan Indonesia – Nationale Einheit</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966175" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Internasionalisme – Internationalismus</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966176" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Mufakat – Einigkeit</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966177" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Keadilan sosial – Soziale Gerechtigkeit</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966178" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Ketuhanan yang Maha Esa – Das Prinzip des All-Einen</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966179" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Pancasila – Die 5 Prinzipien</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966180" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Fazit</a>
        </li>
    </ul>
</div>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966172"></a>1. Einleitung</h1>



<p>Das Gebiet des heutigen Indonesiens besteht aus einer vielgestaltigen Inselwelt, die von den unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen geformt wurde. So findet man beispielsweise ganz im Westen Sumatras strenggläubigen Muslime in Aceh, moderne Großstadtmenschen in Jakarta auf Java, hinduistische Priester auf Bali, und Jäger und Sammler in den Wäldern Neu Guineas. Dass alle vereint in einem Staat leben, hängt mit der Kolonialgeschichte zusammen.</p>



<p>Die Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) handelte bereits seit dem 17. Jahrhundert in Südostasien, weitete dort ihren Einfluss nach und nach aus und gründete Stützpunkte. 1799 wurde die VOC zwar aufgelöst, doch die Strukturen in Südostasien bestanden weiter und nach einer kurzen Übergangsphase konnten die Niederländer ein Kolonialreich errichten: Niederländisch-Indien. Es dauerte allerdings bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, bis alle Kleinstaaten der Region unterworfen waren. Bei der Ausweitung des Gebietes spielten die kulturellen Grenzen keine Rolle, der Profit stand im Vordergrund.</p>



<p>Im 2. Weltkrieg wurden die Niederländer vom Deutschen Reich besetzt und waren nicht in der Lage, ihre Kolonie in Südostasien vor den Japanern zu verteidigen. Diese übernahmen die Kontrolle im März 1942. Auch wenn sie nicht die erhofften Befreier waren, genehmigten sie den Indonesiern mehr Freiheiten als die Niederländer. So durfte ein einheimisches Heer aufgestellt werden. Es wurden sogar Schritte veranlasst, Indonesien in die Unabhängigkeit zu entlassen. Wahrscheinlich stand dahinter ein Selbstzweck für die Japaner, da man dadurch einen Verbündeten gewonnen hätte.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Pidato Bung Karno Saat Proklamasi 17 Agustus 1945 * Orasi * immank" width="735" height="413" src="https://www.youtube.com/embed/rP3bp0u0dGw?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Sukarno-Rede vom 17. August 1945 (Indonesisch, Übersetzung auf Youtube)</figcaption></figure>



<p>Ende Mai 1945 wurde ein Untersuchungsausschuss zur Vorbereitung der Unabhängigkeit eingesetzt. Bei dieser Gelegenheit hielt Sukarno am 1. Juni die vielbeachtete Pancasila-Rede. Für die Japaner wurde die Entwicklung in Indonesien schnell zweitrangig. Durch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wurden sie zur bedingungslosen Kapitulation am 15. August 1945 getrieben.</p>



<p>Bereits zwei Tage später wurde von Sukarno und Hatta die Unabhängigkeit ausgerufen. Sukarno wurde zum 1. Präsident des neuen Staates.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966173"></a>2. Die Rede</h1>



<p>Sukarno führte in der Rede die Pancasila als Grundlage einer zukünftigen Verfassung ein. Durch die Historie des Landes stand er vor der Herausforderung alle Ethnien und Kulturen ausreichend zu berücksichtigen, ohne seine Machtbasis bei der muslimischen Mehrheitsgesellschaft zu verlieren.</p>



<p>Daher stellt Sukarno die Pancasila breit auf. Er sieht insgesamt fünf Säulen, die das Fundament des neuen Staates bilden sollen:</p>



<div style="max-width: 400px; margin: 20px auto; background-color: #e8f5e9; padding: 20px; border-radius: 8px; border: 1px solid #c8e6c9; font-family: Georgia, serif;">
    <h2 style="color: #2e7d32; font-size: 20px; margin-bottom: 16px; text-align: center;">Die fünf Prinzipien</h2>
    <ol style="margin: 0; padding-left: 20px; color: #2e7d32; font-size: 17px; line-height: 1.7;">
        <li>Die nationale Einheit</li>
        <li>Der Internationalismus</li>
        <li>Die Einigkeit</li>
        <li>Die soziale Gerechtigkeit</li>
        <li>Das Prinzip des All-Einen</li>
    </ol>
</div>



<p>Hier ist der Islam gleich auf zwei Weisen ausgebremst worden. Zum einen ist der Glaube an den einen Gott nur eines der fünf Prinzipen und zum anderen ist nicht explizit der Islam als Staatsreligion gesetzt worden, sondern alle monotheistischen Glaubensrichtungen.</p>



<p>Daher ist es nachvollziehbar, wenn Karel Steenbrink in den Pancasila ein Instrument sieht, das den Islam in das gesellschaftliche Gefüge einordnet und die Muslime im Land „zähmen“ soll.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-9-16 wp-has-aspect-ratio" style="max-width: 240px;">
  <div class="wp-block-embed__wrapper">
    <iframe loading="lazy" title="Sukarno (1901-1970) - 1. Präsident Indonesiens" width="735" height="413" src="https://www.youtube.com/embed/2qdrOshliGk?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
  </div>
  <figcaption class="wp-element-caption">Kurzbiografie zu Sukarno (YouTube Shorts)</figcaption>
</figure>



<p>Sukarno muss dennoch die Gefühle der religiösen Menschen berücksichtigen. Das macht er, auf einer persönlichen Ebene. Er selbst bekennt sich zum Islam und verlangt auch von seinen Bürgern, die Religion ernst zu nehmen.</p>



<p>Die Auswahl der Pancasila wird historisch und philosophisch hergeleitet. Dabei greift er viele Ideen und Ereignisse aus dem Westen auf. Sukarno bemüht sich anschließend, diese in den indonesischen Kontext einzuordnen, gerne unter Zuhilfenahme alte javanischer Traditionen.</p>



<p>Ein einfacher Bürger würde Schwierigkeiten haben, die Rede Sukarnos zu verstehen. Er nutzt philosophische Fachtermini und zitiert Denker in ihren Muttersprachen. Der Text ist gespickt mit Wörtern aus fremden Sprachen, wie Deutsch, Niederländisch, Französisch und Englisch.</p>



<p>Hier wirkt es ambivalent, wenn neben dieser hochgestochenen Ideenwelt immer wieder sehr einfache Gedankengänge auftauchen, beispielsweise wenn Sukarno behauptet, dass ein Kind die Einheit Indonesiens auf der Karte sehen könne.&nbsp;</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966174"></a>3. Persatuan Indonesia – Nationale Einheit</h1>



<p>Sukarno stellt den Nationalismus als zentrales Anliegen gleich zu Beginn seiner Ausführungen der fünf Prinzipien des unabhängigen Indonesiens vor. Nicht nur das, er ordnet seine Wichtigkeit – aus Sicht des Staates – über den Islam ein:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ich selbst bin auch Muslim. Aber ich bitte euch, versteht mich nicht falsch, wenn ich sage, dass das erste Prinzip für Indonesien das Prinzip der Nationalität ist.“<sup data-fn="cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac" class="fn"><a id="cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac-link" href="#cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac">1</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Während es im Inselstaat mehrere Religionen gibt, die nur mittels geschickten Kunstgriffs vereint werden können, kann Sukarno mit dem Prinzip des Nationalstaats eine umfassendere Idee der Gemeinsamkeit vermitteln. Wie erfolgreich dieses Vorgehen ist, haben seit dem 19. Jahrhundert viele Länder, zuerst in Europa, später auch in anderen Teilen der Welt, gezeigt.</p>



<p>Das Objekt des Nationalismus ist die Nation. Der Begriff der Nation ist nicht eindeutig bestimmt. Nationalstaaten können höchst unterschiedlich organisiert sein und auf verschiedenen Grundlagen fußen.</p>



<p>Was ist also die Nation, die Sukarno vorschwebt?</p>



<p>Er führt in der Rede zunächst zwei Definition an. Nach Ernest Renan entstammt eine Nation einer Gruppe von Leuten, die den Wunsch hat sich zu vereinen. Nach Otto Bauer ist eine Nation eine aus einer Schicksalsgemeinschaft gewachsene Charaktergemeinschaft. Beide Ansätze hält Sukarno für unzureichend und veraltet.</p>



<p>Für ihn kann die Nation nicht unabhängig von der Geografie verstanden werden:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>“</em>Allah, der Erhabene, hat die Weltkarte geschaffen, die Weltkarte geordnet. Wenn wir uns die Weltkarte anschauen, können wir darauf die &#8218;Einheiten&#8216; erkennen. Selbst ein kleines Kind kann, wenn es die Weltkarte sieht, erkennen, dass der indonesische Archipel eine Einheit bildet. Auf dieser Karte ist deutlich eine zusammenhängende Gruppe von Inseln zu sehen – zwischen zwei großen Ozeanen, dem Pazifik und dem Indischen Ozean, und zwischen zwei Kontinenten, nämlich Asien und Australien. Ein kleines Kind könnte sagen, dass die Inseln Java, Sumatra, Borneo, Sulawesi, Halmahera, die Kleinen Sundainseln, die Molukken und die vielen kleinen Inseln dazwischen eine Einheit bilden.<em>”</em><sup data-fn="01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a" class="fn"><a id="01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a-link" href="#01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a">2</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Er wendet dieses Vorgehen nicht nur auf Indonesien an, sondern auch auf die anderen Nationalstaaten, wie Indien, Großbritannien und Griechenland.</p>



<p>Bemerkenswert ist, dass Sukarno behauptet, dass diese Tatsache so offensichtlich ist, dass sogar kleine Kinder sie erkennen würden. Mit diesem rhetorischen Trick möchte er vielleicht weitere Diskussionen zu dem Punkt umgehen, da ein zu genauer Blick auf die Weltkarte mit ihren Nationalstaaten seine These ins Wanken bringen könnte. Die Nationalstaaten bilden sich völlig unterschiedlich aus. Einige Grenzen werden durch Berge, Flüsse und Meere gebildet, andere durch sprachliche und kulturelle Unterschiede, wiederum andere allein aufgrund zufälliger historischer Ereignisse.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="636" height="326" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Indonesien.png" alt="" class="wp-image-2221" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Indonesien.png 636w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Indonesien-300x154.png 300w" sizes="auto, (max-width: 636px) 100vw, 636px" /><figcaption class="wp-element-caption">Indonesien &#8211; Die Einheit ist vielleicht nicht ganz so klar zu sehen</figcaption></figure>
</div>


<p>Die moderne Forschung ist sich beim Nationsbegriff noch immer nicht einige. Es gibt unterschiedliche Versuche den Begriff treffend zu erfassen. Der erste Ansatz folgt Renan und betont das Subjekt: die Nation wird durch „innere und freiwillige Überzeugung“ ihrer Mitglieder gebildet.</p>



<p>Dem entgegengesetzt steht der objektive Ansatz, der feste Entitäten sieht, die außerhalb des Individuums stehen. Das können Sprache, Kultur, Tradition und Geschichte sein. Oder wie bei Soekarno das Territorium.</p>



<p>In den 1980er Jahren wurde eine radikale Form des subjektiven Ansatzes entwickelt, die heute vorherrscht. Denker, wie Rainer Lepsius und Eric Hobsbawm sehen in Nationen gedachte Ordnungen. Es gib weder objektive Elemente noch die Überzeugung oder Einwilligung ihrer Mitglieder.</p>



<p>Daneben gibt es noch Zwischenpositionen, beispielsweise geht Anthondy D. Smith davon aus, dass es mit der ethnischen Herkunft einen realen Kern der Nation gäbe.</p>



<p>Auch wenn Sukarnos objektiver Ansatz in der dargebrachten Form wissenschaftlich nicht haltbar ist, könnte er dennoch im Alltag ausreichend plausibel sein, um als Grundlage des Staates dienen zu können. In einem anderen Punkt ist die Forschung sich mit ihm einig: der Nationalismus birgt Gefahren in sich. Ulrich Wehler spricht von einem Janusgesicht. Die Idee einer homogenen Nation führt zu dem Ausschluss von Menschen, die nicht dazugehören.</p>



<p>Sukarno sieht vor allem die Gefahr, die chauvinistische Nationen für ihre Nachbarn bedeuten könnten. Er möchte einen sanften Nationalismus, der sich in eine Weltgemeinschaft eingliedert. Als Zeugen für die Möglichkeit dieses Vorhabens beruft er sich auf Gandhi:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Gandhi sagte: ‚Ich bin ein Nationalist, aber meine Nationalität ist die Menschlichkeit[&#8230;].‘ Der Nationalismus, den wir vertreten, ist kein abgeschotteter Nationalismus, kein Chauvinismus wie jener, der in Europa geschürt wurde – mit Parolen wie <em>Deutschland über alles</em>, als gäbe es nichts Höheres als Germania, als sei dieses Volk überlegen, mit hellem Haar, blauen Augen, als ‚arische Rasse‘, die angeblich die höchste auf der Welt sei, während andere Völker nichts wert sein sollen. Auf so einem Prinzip dürfen wir nicht stehen, meine Herren. Sagt nicht, das indonesische Volk sei das beste und edelste und alle anderen Völker seien minderwertig. Wir müssen auf eine weltweite Einheit, auf eine weltweite Brüderlichkeit hinarbeiten. Wir dürfen nicht nur einen freien indonesischen Staat gründen. Wir müssen auch auf die Gemeinschaft aller Nationen zugehen.“<sup data-fn="939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5" class="fn"><a id="939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5-link" href="#939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5">3</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Das Anliegen ist verständlich. Sukarno hielt die Rede im Jahr 1945. Er kannte den Aufstieg der europäischen Nationalstaaten, sah aber auch die Katastrophe, die durch das Hitler-Regime in Deutschland heraufbeschworen wurde.</p>



<p>Auch in Asien war aggressiver Nationalismus bekannt. Beispielsweise in Thailand unter der Herrschaft von Phibun Songkhram (1897-1964). In seiner Amtszeit verfolgte er eine ultranationalistische Agenda, die von Glorifizierung der Vergangenheit, Bildung paramilitärischer Jugendorganisationen, Paraden und Expansionsankündigungen an die Nachbarländer gekennzeichnet war.</p>



<p>Trotz dieser Gefahren setzte Sukarno auf den Nationalismus. Durch ihn war es möglich, eine einende Grundlage für den Inselstaat zu schaffen.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966175"></a><em>4. </em><em>Internasionalisme</em> <em>– Internationalismus</em></h1>



<p>Um die indonesische Nation friedlich in die Weltgemeinschaft einzuordnen, wird auch der Internationalismus zu einen der fünf Pfeiler der Verfassung von Sukarno ausgerufen.</p>



<p>Er grenzt den Begriff sofort vom Kosmopolitismus ab und unterstreicht mit einer im wahrsten Sinne des Wortes blumigen Anekdote, dass Internationalismus und Nationalismus sich gegenseitig bedürfen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Dies ist das zweite philosophische Prinzip, das ich Ihnen vorschlage: Ich nenne es Internationalismus. Wenn ich von Internationalismus spreche, meine ich damit jedoch nicht den Kosmopolitismus, der die Existenz von Nationen ablehnt und sagt, es gebe kein Indonesien, kein Japan, kein Birma, kein Großbritannien, kein Amerika und so weiter. Ein Internationalismus kann nicht gedeihen, wenn er nicht im Boden des Nationalismus verwurzelt ist. Und auch der Nationalismus kann nicht gedeihen, wenn er nicht im Garten des Internationalismus lebendig bleibt.”<sup data-fn="52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a" class="fn"><a id="52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a-link" href="#52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a">4</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Internationalismus kommt aus dem Lateinischen. „Natio“ ist mit „Volksgemeinschaft“ übersetzbar und „inter“ bedeutet „zwischen“. Das heißt, der Begriff setzt ein Vorhandensein von kleineren Einheiten, wie Nationen, voraus. Kosmopolitismus setzt sich hingegen aus den altgriechischen Wörtern „κόσμος“ für „Welt“ und „πολίτης“ für Bürger zusammen. Hier ist die nationale Einheit nicht mehr relevant: der Kosmopolit begreift sich losgelöst von regionalen Begebenheiten. Seine Heimat ist die Welt, doch das kann als besondere Form der Heimatlosigkeit verstanden werden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="199" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-300x199.jpg" alt="" class="wp-image-2213" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-300x199.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-1024x680.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-768x510.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-1536x1021.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-2048x1361.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sukarno mit Mao Zedon, 1956</figcaption></figure>
</div>


<p>Auf der einen Seite stärkt Sukarno mit dieser strikten Abgrenzung den indonesischen Nationalismus. Auf der anderen Seite ist es auch eine Einordnung seiner Sicht auf den Marxismus. Im Frühwerk von Marx gibt es durchaus kosmopolitische Untertöne, beispielsweise wird im Kommunistischen Manifest noch zu einer Vereinigung der Proletarier ohne Vaterland aufgerufen. Genauso wenig Erfolg wie in Europa, wo die Antinationalisten eine kleine Minderheit blieben, hatte diese Idee in Indonesien.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966176"></a>5. Mufakat – Einigkeit</h1>



<p>Das Prinzip der Einigkeit ist wichtig für den inneren Zusammenhalt. Indonesien ist ein Staat mit vielen unterschiedlichen Gruppierungen und dementsprechend unterschiedlichen Interessen. Ein Zusammenleben geht nur über ein gegenseitig faires Verhalten. Keine Gruppe soll von vornherein einen besseren Stand haben. Daher schlägt Sukarno ein Prinzip der Repräsentation vor, dass auf Beratung basiert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Dieses Prinzip ist das Prinzip der Übereinkunft, der Vertretung, der Beratung. Der Staat Indonesien ist kein Staat für eine Einzelperson, kein Staat für eine bestimmte Gruppe. Auch nicht für die wohlhabende Schicht. Wir gründen einen Staat: alle für alle, einer für alle, alle für einen. Ich bin überzeugt, dass eine repräsentative Beratung der unverzichtbare Grundpfeiler für die Stärke des indonesischen Staates ist.”<sup data-fn="af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a" class="fn"><a id="af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a-link" href="#af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a">5</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Im nachfolgenden Teil der Rede wendet sich Sukarno vor allem den Muslimen zu. Er selbst gehört wie die Mehrheit der Einwohner dem Islam an, doch dennoch möchte er nicht von vornherein eine Religion bevorzugen. Einen fairen Umgang schuldet man den Mitbürgern anderer Konfessionen, wie den Christen.</p>



<p>Dennoch haben Muslime die Chance, ihren Glauben in die Politik zu tragen. Sie haben die Mehrheit im Lande und wenn sie ihre Religion ernst nehmen und sich politisch für sie einsetzen, sollten sie in der Lage sein, ihre Interessen voranzubringen.</p>



<p>Vielleicht um der Klage nicht religiös genug zu handeln zuvor zu kommen, beklagt Sukarno selbst, dass der Islam nicht intensiv genug in der Bevölkerung gelebt wird. Das könnte man so interpretieren: Wer den Staat auf einen religiöseren Weg führen möchte, sollte sich nicht beklagen, sondern zuerst an sich selbst arbeiten und seine Nächsten auf den rechten Pfad bringen und dann für seine Überzeugungen einstehen.</p>



<p>Den Kampf unterschiedlicher Überzeugungen sieht Sukarno auch in anderen Staaten, in christlichen als auch in islamischen. Er sieht darin sogar etwas Gutes, da der Staat dadurch lebendig wird. Mit einer Analogie aus der indonesischen Vorstellungswelt unterstreicht er den positiven Aspekt dieses Kampfes. Es sei dem Candradimuka ähnlich, dem aus Wayang-Geschichten bekannten Ort, an dem der mythische Held Ghatotkacha seine außergewöhnlichen Fähigkeiten gewann, die ihn immun gegen Waffen machten und fliegen können ließ. Candradimuka kann als ein Trainingszentrum verstanden werden, das Personen auf eine neue Ebene steigen lässt.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966177"></a>6. Keadilan sosial – Soziale Gerechtigkeit</h1>



<p>Sukarno sieht die Notwendigkeit, die soziale Gerechtigkeit zu einem der fünf zentralen Prinzipien der Verfassung auszurufen. Er begründet dies mit einem Blick in die westliche Welt, in der viele Staaten über funktionierende parlamentarische Demokratien verfügen, die aber dennoch nicht in der Lage waren, eine allgemeine Wohlfahrt aufzubauen. Die einfachen Menschen hängen dort von der Gnade der Kapitalisten ab:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Wir sehen, dass es in den europäischen Ländern Vertretungskörper gibt, eine parlamentarische Demokratie. Aber herrschen dort nicht gerade die Kapitalisten? In Amerika gibt es ein Repräsentantenhaus und herrschen dort nicht auch die Kapitalisten? Herrschen die Kapitalisten nicht auf dem ganzen westlichen Kontinent?“<sup data-fn="56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082" class="fn"><a id="56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082-link" href="#56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082">6</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Sukarno hielt die Rede im Jahr 1945. Davor waren die Weltkriege, die den Kontinent in einer Ausnahmesituation hielten. Schaut man weiter zurück in das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, dann wirkt die Vorsicht des Indonesiers verständlich. Der französische Ökonom Thomas Piketty führt Europa im Jahre 1910 als eine Region mit einer hohen Ungleichheit bei der Einkommensverteilung. Während die oberen 10% die Hälfte des Einkommens verbuchten, erhielten die unteren 50% gerade ein Zehntel. Ausgedrückt im Gini-Koeffizienten bedeutet das einen Wert von 0,49. In der heutigen Welt würde das eine außergewöhnlich hohe Ungleichheit darstellen, die im weltweiten Vergleich einen Platz in den unteren Rängen bedeuten würde, zwischen Panama und Zimbabwe. Beim Vermögen klaffte die Schere noch weiter. Beispielsweise in Frankreich der Belle Époque zwischen 1880 und 1914 erreichte die Ungleichheit Höhen, die die der 1780er-Jahre übertrafen, also der Vorphase der Französischen Revolution.</p>



<p>Die Gründe dafür waren im Verhalten der Staaten zu finden. Die Zeit in Europa vor den Kriegen zeichnete sich durch einen tiefgreifenden Wandel der Industrie aus. Auf der einen Seite ermöglichte die neue Technik größeren Wohlstand, auf der anderen Seite gab es vor allem in den Städten eine starke soziale Ungleichheit und Armut. In dieser Zeit verzichteten die Regierungen auf harte Eingriffe in das soziale Gefüge. Steuernde Mittel, wie Lohn- und Steuerpolitik, Bildungspolitik und soziale Absicherung, waren zwar bekannt, wurden aber wenig eingesetzt.</p>



<p>Solche Zustände bieten ein gehöriges Potential an gesellschaftlicher Sprengkraft. In Europa entstanden die unterschiedlichsten sozialen und politischen Bewegungen mit teils radikalen Ideen.</p>



<p>Sukarno sieht vor allem die individuelle Problematik des westlichen Kapitalismus. Dazu verweist er auf den Historiker und sozialistischen Politiker Jean Jaurès:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„Ich erinnere mich an die Worte eines französischen Führers, Jean Jaurès, der die politische Demokratie beschrieben hat. In der parlamentarischen Demokratie, so sagte Jaurès, hat jeder Mensch das gleiche Recht. Jeder hat das gleiche politische Recht, jeder darf wählen, jeder kann ins Parlament einziehen. Aber gibt es soziale Gerechtigkeit? Gibt es tatsächlichen Wohlstand unter dem Volk? Darum sagte Jean Jaurès weiter: Ein Vertreter der Arbeiter, der dieses politische Recht hat, kann im Parlament einen Minister stürzen. Er ist wie ein König. Aber an seinem Arbeitsplatz, in der Fabrik: heute stürzt er einen Minister, morgen kann er auf die Straße geworfen werden, arbeitslos gemacht werden, ohne etwas zu essen zu haben.“<sup data-fn="1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b" class="fn"><a id="1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b-link" href="#1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b">7</a></sup></em></p>
</blockquote>



<p>Mit diesem Punkt deckt Sukarno einen Widerspruch der modernen Demokratie auf, der bis heute besteht. Jeder Bürger hat zwar politische und gesellschaftliche Freiheiten, doch im Bereich der Arbeit leiden viele an einer doppelten Unfreiheit. Sie sind dem Unternehmer bis zu einem gewissen Maß ausgeliefert und wenn sie über wenig finanzielle Mittel verfügen, sind sie nicht in der Lage, die anderen Freiheiten ausleben zu können.</p>



<p>Daher wendet er sich gegen eine Übernahme des politischen Systems aus dem Westen und schlägt einen eigenen Weg vor: ein Konzept namens Ratu Adil. Ratu Adil ist eine Figur der javanischen Mythologie, die für Frieden und Gerechtigkeit steht.</p>



<p>Sukarno verbindet mit ihr eine soziale Vision:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„Was mit der Vorstellung vom <em>Ratu Adil</em> gemeint ist, ist soziale Gerechtigkeit. Das Volk sehnt sich nach Wohlstand. Ein Volk, das sich bisher als unterversorgt empfand – zu wenig zu essen, zu wenig Kleidung –, will eine neue Welt schaffen, in der unter der Führung des <em>Ratu Adil</em> Gerechtigkeit herrscht.“<sup data-fn="5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab" class="fn"><a id="5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab-link" href="#5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab">8</a></sup></em></p>
</blockquote>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966178"></a>7. Ketuhanan yang Maha Esa – Das Prinzip des All-Einen</h1>



<p>Als letztes wendet sich Sukarno dem Thema Religion zu. Auch in diesem Punkt berücksichtigt er die Bedürfnisse aller Einwohner des Landes und verzichtet darauf, den Islam hervor zu heben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Das fünfte Prinzip soll lauten: Indonesien als freien Staat mit Ehrfurcht vor dem einen höchsten Gott zu gestalten. Das Prinzip der Gottesverehrung. Nicht nur das indonesische Volk insgesamt glaubt an Gott, sondern jeder Einzelne soll seinem eigenen Gott dienen. Die Christen beten Gott an nach der Lehre Jesu Christi, die Muslime nach der Lehre des Propheten Muhammad, die Buddhisten folgen ihren eigenen heiligen Schriften. Doch lasst uns alle an Gott glauben. Der Staat Indonesien soll ein Staat sein, in dem jeder Mensch seinen Gott auf freie Weise verehren kann. Das gesamte Volk soll in kultureller Weise an Gott glauben, ohne religiösen Egoismus.”<sup data-fn="2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6" class="fn"><a id="2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6-link" href="#2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6">9</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Sukarno fordert, dass alle Indonesier an Gott glauben, an ihren Gott. Explizit nennt er Christen, die dem Wort Jesus Christus folgen sollen, Moslems, die den Worten des Propheten Mohammed nacheifern sollen und Buddhisten, die gemäß den heiligen Schriften ihres Glaubens leben sollen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="201" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_on_the_hajj_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_242-300x201.jpg" alt="" class="wp-image-2214" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_on_the_hajj_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_242-300x201.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_on_the_hajj_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_242-768x515.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_on_the_hajj_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_242.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sukarno auf der Haddsch, 1955</figcaption></figure>
</div>


<p>Wie zu Zeiten der Rede die genaue Verteilung auf die Religionen aussah, ist schwer abzuschätzen. Beim Zensus von 1930 war das Land noch unter kolonialer Herrschaft und beim nachfolgenden Zensus im Jahre 1961 wurde die Religion nicht erfasst. Daten von 1969 zeigen, dass die Muslime in der absoluten Mehrheit waren. Insgesamt 87,1% der Indonesier gehörten dem Islam an. Die Christen waren die zweitstärkste Religion mit insgesamt 7,7%. Davon entfielen 5,2% auf Protestanten und 2,5% auf Katholiken. 2% waren Hindus und 1,1% Buddhisten. Die verbleibenden Prozente waren weitere Religionen.</p>



<p>Auffällig ist, dass in der Rede Sukarnos die Hinduisten nicht erwähnt wurden. Dabei ist diese Glaubensrichtung bereits seit vielen Jahrhunderten in Indonesien etabliert. Auf Bali ist es die wichtigste Religion und bestimmt noch immer die Kultur.</p>



<p>Hier sei darauf hingewiesen, dass Sukarno von „Tuhan yang Maha Esa“ spricht, von dem einem Gott. Der Hinduismus kennt allerdings eine Vielzahl von Göttern und fällt damit nicht darunter. Sukarno hatte zwar eine gewisse Verbindung zur hinduistischen Kultur, da seine Mutter Balinesin war,&nbsp;doch verzichtete er darauf, bei der Unabhängigkeitsrede für böses Blut in der Mehrheitsgesellschaft zu sorgen. Für viele Anhänger der monotheistischen Religionen war Vielgötterei eine Sünde.</p>



<p>Erst viele Jahre später gelang es den Hinduisten, mit Unterstützung von Sukarno, eine gleichgestellte Position zu erreichen. 1959 wurden sie offiziell als Religion in Indonesien akzeptiert.&nbsp;Da das Prinzip des Großen Einen nicht gelockert werden sollte, wurde die hinduistische Glaubensauffassung kreativ interpretiert: die unterschiedlichen hinduistischen Gottheiten wurden nun als verschiedene Aspekte des einen Gottes aufgefasst.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966179"></a>8. Pancasila – Die 5 Prinzipien</h1>



<p>Im abschließenden Teil der Rede zu den Pancasila führt Sukarno den Begriff selbst ein. Er überlegt, wie eine sinnvolle Benennung wäre:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„Panca Dharma? Nein. Der Name <em>Panca Dharma</em> ist hier nicht passend. <em>Dharma</em> bedeutet Pflicht, aber wir sprechen über eine Grundlage. Ich mag Symbolik – auch Zahlensymbolik. Der Islam hat fünf Säulen. Unsere Hand hat fünf Finger. Wir besitzen fünf Sinne. Was gibt es noch, das die Zahl fünf hat?“<br><em>(Ein Zuhörer ruft: „Die fünf Pandawa.“)</em><br>„Auch die Pandawa sind fünf an der Zahl. Nun zählen wir: Nationalismus, Internationalismus, Einigkeit, soziale Gerechtigkeit und Gottesglaube – auch das ergibt fünf Prinzipien. Es ist also nicht <em>Panca Dharma</em>, sondern – wie mir ein befreundeter Sprachwissenschaftler vorschlug – nenne ich es <em>Pancasila</em>.“</em><sup data-fn="a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1" class="fn"><a id="a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1-link" href="#a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1">10</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Den Dharma-Begriff lehnt Sukarno ab, da er „Dharma“ mit „Pflicht“ („kewajiban“) übersetzt und das für ihn der falsche Ausdruck ist. Da der Begriff aus der hinduistischen und buddhistischen Welt stammt, schwingt ein religiöser Unterton mit ihm. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="218" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/pancasila-218x300.jpg" alt="" class="wp-image-2202" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/pancasila-218x300.jpg 218w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/pancasila.jpg 743w" sizes="auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px" /></figure>
</div>


<p>Auch aus diesem Grund könnte die Wahl einer anderen Bezeichnung für die Prinzipien sinnvoll sein, da ansonsten die Gefahr bestünde, dass negative Gefühle in der monotheistischen Bevölkerung ausgelöst werden könnten. Mit „sila“ das für „Prinzipien“ steht, scheint ein besserer Begriff gefunden zu sein.</p>



<p>Sukarno erwähnt seine Vorliebe für Symbolik und unterbreitet gleich das Angebot, die 5 positiv einordnen zu können. Er erwähnt dazu die 5 Säulen des Islams, die 5 Sinne, die 5 Finger und die 5 Pandavas, die über das Epos Mahabharata den Einzug in die indonesische Kultur gefunden haben.</p>



<p>&nbsp;Für Leute, deren Lieblingszahl die 3 ist, bricht Sukarno die 5 Prinzipien auf 3 herunter, die „trisila“: Sozialnationalismus, Sozialdemokratie und Gott („socia-nationalisme, socio-demokratie, dan ketuhunan“).</p>



<p>Schließlich geht Sukarno noch einen Schritt weiter und versucht die 5 Prinzipien mit einem genuin indonesischen Begriff auszudrücken: „Gotong Royong“.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„</em>‚Gotong Royong‘ ist ein dynamisches Konzept, dynamischer als das der ‚Familiengemeinschaft‘, meine Freunde. Die Familiengemeinschaft ist ein statisches Konzept. Gotong Royong hingegen steht für Einsatz, für gemeinsames Handeln, für Arbeit. Der ehrenwerte Soekardjo hat es ein Werk genannt, ein gemeinsames Schaffen. Lasst uns dieses Werk, diese Aufgabe, diese Arbeit gemeinsam vollenden. Gotong Royong bedeutet, gemeinsam die Schultern zu belasten, gemeinsam Schweiß zu vergießen, gemeinsam im Kampf einander zu helfen. Einsatz im Dienst aller, Schweiß für das Glück aller. <em>Ho-lopis-kuntul-baris</em> – alle zusammen für das gemeinsame Wohl. Das ist Gotong Royong.<em>”</em><sup data-fn="46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227" class="fn"><a id="46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227-link" href="#46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227">11</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Nach diesen Worten kam es zu einem stürmischen Applaus. Sukarno hat mit dieser Verdichtung noch einmal das Gemeinsame unterstrichen. Der Begriff ist der traditionellen javanischen Lebenswelt entlehnt und bezeichnet die gemeinsame, wechselseitige Hilfe in einer Dorfgemeinschaft.<a href="#_ftn36"></a> Dahinter steckt die Vorstellung von einer relativ egalitären Gesellschaft, die sich gegenseitig beisteht und unterstützt.</p>



<p>Sukarno möchte alle Gruppen zu einer großen Gemeinschaft vereinen. Das versucht er nicht nur durch den Inhalt seiner Rede direkt zu vermitteln, sondern auch indirekt durch sprachliche Mittel, indem er den Begriff der „Arbeit“ in mehreren unterschiedlichen Sprachen des Landes aufführt („pekerjaan“, „gawe“, „karyo“). Das soll zeigen, dass alle Sprachgruppen, bzw. Ethnien gemeint sind.</p>



<p>Im Anschluss weitet er den Ansatz auf weitere Identitäten aus: ob reich oder arm, ob Muslim oder Christ, ob gebürtiger Indonesier oder Zugewanderter – sie alle sollen zusammenhalten und zusammenarbeiten.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966180"></a>9. Fazit</h1>



<p>Die Rede Sukarnos stoß bei einigen Muslimen auf Widerstand, da die Rolle des Islams in den künftigen Planungen ihnen nicht wichtig genug erschien.</p>



<p>Einige Tage nach der Rede, am 22. Juni 1945, trat ein neunköpfiges Planungskomitee für die Zeit nach der Unabhängigkeit zusammen. Sie akzeptierten grundsätzlich die Pancasila, wünschten doch einige Änderungen. Zum einen sollte das Prinzip des All-Einen an erster Stelle geführt werden, um auf die Wichtigkeit hinzuweisen. Und zum anderen sollten dort folgende Worte angefügt werden:<em> „dengan kewajiban menjalankan syariat Islam bagi pemeluk-pemeluknya”</em> &#8211; die Vepflichtung das islamische Gesetz für Muslime anzuwenden. Damit sollten die Anhänger einer islamischen Staatsverfassung zufrieden gestellt werden.</p>



<p>Auch wenn durch diese Formel die Christen zu nichts verpflichtet wurden, fühlten sie sich dadurch diskriminiert. Denn damit würde das Prinzip der Gleichbehandlung aller Indonesier aufgegeben und in der Verfassung würde damit ihr Status als „Andere“ deutlich.</p>



<p>Doch die Mitglieder im Komitee der Neun verständigten sich schließlich nach einem privaten Meeting am 18. August darauf, die umstrittene Formel zu streichen.</p>



<p>In den 1970er-Jahren entstand die Idee der „civil religion“ in den USA. Darunter wurde eine Sammlung von Doktrinen und Ritualen in einer Gesellschaft verstanden. Unter diesem Begriff fällt nicht nur die amerikanische Ideologie, sondern auch der Shintoismus in Japan, wie auch die Pancasila in Indonesien.</p>



<p>Hat Sukarno sein Ziel mit den Pancasila langfristig erreicht? Diese Frage hat zu viele unterschiedliche Dimensionen, um sie hier beantworten zu können. Indonesien hat es geschafft, das Gebiet Niederländisch-Indiens für ein Dreiviertel Jahrhundert zusammen zu halten. Allerdings gab es in dieser Zeit eine Reihe blutiger Konflikte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund der unterschiedlichsten Motive. Einige Gewalttaten hatten einen ideologischen Hintergrund, andere einen religiösen, wieder andere wurden durch Besitzansprüche getrieben.</p>



<p>Die Pancasila haben alle diese Ereignisse überlebt und sind von ihrer Ausrichtung durchaus modern. Bis auf das Prinzip des All-Einen findet man die Grundsätze in unterschiedlicher Ausprägung auch in vielen Verfassungen der westlichen Staaten.</p>



<p>Die Aufnahme des religiösen Prinzips in die indonesische Verfassung hat nicht den Weg in einen Gottesstaat geebnet. Die meisten Einwohner des Landes wünschen keine Islamisierung des Staates. Das könnte ein Indiz sein, dass Sukarno tatsächlich erfolgreich war und ihm die Einordnung der Religion in das Staatsgefüge glückte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-2216" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Große Moschee von Malang, 2023</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Literatur</h3>



<p>Borggräfe, Henning/Jansen, Christian (2020). Nation &#8211; Nationalität &#8211; Nationalismus. Frankfurt, New York.</p>



<p>Bowen, John R. (1986). On the Political Construction of Tradition: Gotong Royong in Indonesia. The Journal of Asian Studies 45 (3), 545–561.</p>



<p>Committee for International Cooperation in National Research in Demography (1974): The Population of Indonesia. World Population Year 1974.</p>



<p>Grabowsky, Volker (2010). Kleine Geschichte Thailands. München.</p>



<p>Haug, Wolfgang, Fritz (Hg.) (1985). Kritisches Wörterbuch des Marxismus. Berlin.</p>



<p>Kaelble, Hartmut (2017). Mehr Reichtum, mehr Armut. Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Frankfurt.</p>



<p>Nagel, Jürgen G. (2011). Abenteuer Fernhandel. Die Ostindienkompanien. 2. Aufl. Darmstadt.</p>



<p>Piketty, Thomas (2014). Capital in the twenty-first century. Cambridge Massachusetts.</p>



<p>Piketty, Thomas (2020). Capital and Ideology. Cambridge Massachusetts/London.</p>



<p>Ramstedt, Martin (2005): Hinduism in Modern Indonesia. London.</p>



<p>Soekarno (1945). Pidato Soekarno: Lahirnya Pancasila, 17.08.1945.<br>Online verfügbar unter https://kepustakaan-presiden.perpusnas.go.id/speech/?box=detail&amp;id=39&amp;from_box=list_245&amp;hlm=1&amp;search_tag=&amp;search_keyword=&amp;activation_status=&amp;presiden_id=1&amp;presiden=sukarno (abgerufen am 13.08.21).</p>



<p>Stange, Gunnar/Jordan, Rolf/Großmann, Kristina (Hg.) (2015). Handbuch Indonesien. Angermünde, Horlemann.</p>



<p>Steenbrink, Karel (2015). Pancasila as an ambiguous instrument for interreligious harmony and development in Indonesia, 1945-2015. Bulletin of the Nanzan Center for Asia-Pacific Studies.</p>



<p>Wehler, Hans-Ulrich (2002). Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen. München.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966182"></a>Online-Ressourcen</h1>



<figure class="wp-block-embed"><div class="wp-block-embed__wrapper">
https://data.worldbank.org
</div></figure>



<figure class="wp-block-embed"><div class="wp-block-embed__wrapper">
https://www.kompasiana.com/parlin_nainggolan
</div></figure>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac">„Sayapun orang Islam. Tetapi saya minta kepada saudara- saudara, janganlah saudara-saudara salah faham jikalau saya katakan bahwa dasar pertama buat Indonesia ialah dasar kebangsaan.“ <a href="#cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a"><em>Allah s.w.t membuat peta dunia, menyusun peta dunia. Kalau kita melihat peta dunia, kita dapat menunjukkan dimana ‘kesatuan-kesatuan’ disitu. Seorang anak kecilpun, jukalau ia melihat peta dunia, ia dapat menunjukkan bahwa kepulauan Indonesia merupakan satu kesatuan. Pada peta itu dapat ditunjukkan satu kesatuan gerombolan pulau-pulau diantara 2 lautan yang besar, lautan Pacific dan lautan Hindia, dan diantara 2 benua, yaitu benua Asia dan benua Australia. Seorang anak kecil dapat mengatakan, bahwa pulau-pulau Jawa, Sumatera, Borneo, Selebes, Halmaheira, Kepulauan Sunda Kecil, Maluku, dan lainlain pulau kecil diantaranya, adalah satu kesatuan.</em> <a href="#01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5"><em>Gandhi berkata: ‘Saya seorang nasionalis, tetapi kebangsaan saya adalah perikemanusiaan. My nationalism is humanity’. Kebangsaan yang kita anjurkan bukan kebangsaan yang menyendiri, bukan chauvinisme, sebagai dikobar-kobarkan orang di Eropah, yang mengatakan „Deutschland uber alles&#8220;, tidak ada yang setinggi Jermania, yang katanya, bangsanya minulyo, berambut jagung dan bermata biru, ‚bangsa Aria‘, yang dianggapnya tertinggi diatas dunia, sedang bangsa lain-lain tidak ada harganya. Jangan kita berdiri di atas azas demikian, Tuan-tuan, jangan berkata, bahwa bangsa Indonesialah yang terbagus dan termulya, serta meremehkan bangsa lain. Kita harus menuju persatuan dunia, persaudaraan dunia. Kita bukan saja harus mendirikan negara Indonesia Merdeka, tetapi kita harus menuju pula kepada kekeluargaan bangsa-bangsa</em> <a href="#939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a"><em>Inilah filosofisch principe yang nomor dua, yang saya usulkan kepada Tuan-tuan, yang boleh saya namakan „internasionalime&#8220;. Tetapi jikalau saya katakan internasionalisme, bukanlah saya bermaksud kosmopolitisme, yang tidak mau adanya kebangsaan, yang mengatakan tidak ada Indonesia, tidak ada Nippon, tidak ada Birma, tidak ada Inggris, tidak ada Amerika, dan lain-lainnya. Internasionalisme tidak dapat hidup subur, kalau tidak berakar di dalam buminya nasionalisme. Nasionalisme tidak dapat hidup subur, kalau tidak hidup dalam tamansarinya internasionalisme.</em> <a href="#52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a"><em>Dasar itu ialah dasar mufakat, dasar perwakilan, dasar permusyawaratan. Negara Indonesia bukan satu negara untuk satu orang, bukan satu negara untuk satu golongan, walaupun golongan kaya. Tetapi kita mendirikan negara ‘semua buat semua’, ‘satu buat semua, semua buat satu’. Saya yakin syarat yang mutlakuntukkuatnya negarra Indonesia ialah permusya waratan perwakilan.</em> <a href="#af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082"><em>Kita sudah lihat, di negara-negara Eropah adalah Badan Perwakilan, adalah parlementaire democracy. Tetapi tidakkah di Eropah justru kaum kapitalis merajalela? Di Amerika ada suatu badan perwakilan rakyat, dan tidakkah di Amerika kaum kapitalis merajalela? Tidakkah di seluruh benua Barat kaum kapitalis merajalela?</em> <a href="#56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b"><em>Saya ingat akan kalimat seorang pemimpin Perancis, Jean Jaures, yang menggambarkan politieke democratie. ‚Di dalam Parlementaire Democratie, kata Jean Jaures, di dalam Parlementaire Democratie, tiap-tiap orang mempunyai hak sama. Hak politiek yang sama, tiap orang boleh memilih, tiap-tiap orang boleh masuk di dalam parlement. Tetapi adakah Sociale rechtvaardigheid, adakah kenyataan kesejahteraan di kalangan rakyat?‘ Maka oleh karena itu Jean Jaures berkata lagi: ‚Wakil kaum buruh yang mempunyai hak politiek itu, di dalam Parlement dapat menjatuhkan minister. Ia seperti Raja! Tetapi di dalam dia punya tempat bekerja, di dalam paberik, &#8211; sekarang ia menjatuhkan minister, besok dia dapat dilempar keluar ke jalan raya, dibikin werkloos, tidak dapat makan suatu apa‘.</em> <a href="#1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab"><em>Yang dimakksud dengan faham Ratu Adil, ialah sociale rechtvaardigheid. Rakyat ingin sejahtera. Rakyat yang tadinya merasa dirinya kurang makan kurang pakaian, menciptakan dunia-baru yang di dalamnya a d a keadilan di bawah pimpinan Ratu Adil.</em> <a href="#5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6"><em>Prinsip yang kelima hendaknya: Menyusun Indonesia Merdeka dengan bertakwa kepada Tuhan yang Maha Esa. Prinsip Ketuhanan! Bukan saja bangsa Indonesia bertuhan, tetapi masing-masing orang Indonesia hendaknya bertuhan Tuhannya sendiri. Yang Kristen menyembah Tuhan menurut petunjuk Isa al Masih, yang Islam bertuhan menurut petunjuk Nabi Muhammad s.a.w., orang Buddha menjalankan ibadatnya menurut kitab-kitab yang ada padanya. Tetapi marilah kita semuanya ber-Tuhan. Hendaknya negara Indonesia ialah negara yang tiap-tiap orangnya dapat menyembah Tuhannya dengan cara yang leluasa. Segenap rakyat hendaknya ber-Tuhan secara kebudayaan, yakni dengan tiada ‘egoisme-agama’.</em> <a href="#2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1"><em>Panca Dharma? Bukan! Nama Panca Dharma tidak tepat disini. Dharma berarti kewajiban, sedang kita membicarakan dasar. Saya senang kepada simbolik. Simbolik angka pula. Rukun Islam lima jumlahnya. Jari kita lima setangan. Kita mempunyai Panca Inderia. Apa lagi yang lima bilangannya? (Seorang yang hadir: Pendawa lima). Pendawapun lima oranya. Sekarang banyaknya prinsip; kebangsaan, internasionalisme, mufakat, kesejahteraan dan ketuhanan, lima pula bilangannya. Namanya bukan Panca Dharma, tetapi &#8211; saya namakan ini dengan petunjuk seorang teman kita ahli bahasa namanya ialah Pancasila</em>. <a href="#a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227"><em>‘Gotong Royong‘ adalah faham yang dinamis, lebih dinamis dari ‚kekeluargaan‘, saudara-saudara! Kekeluargaan adalah satu faham yang statis, tetapi gotong-royong menggambarkan satu usaha, satu amal, satu pekerjaan, yang dinamakan anggota yang terhormat Soekardjo satu karyo, satu gawe. Marilah kita menyelesaikan karyo, gawe, pekerjaan, amal ini, Bersama-sama! Gotong-royong adalah pembantingan-tulang bersama, pemerasan-keringat bersama, perjoangan bantu-binantu bersama. Amal semua buat kepentingan semua, keringat semua buat kebahagiaan semua. Ho-lopis-kuntul-baris buat kepentingan bersama! Itulah Gotong Royong!</em> <a href="#46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/die-pancasila-als-fundament-der-indonesischen-verfassung/">Die Pancasila als Fundament der indonesischen Verfassung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Von Rajputen zu Royals &#8211; Die Maharajas von Jaipur unter britischer Herrschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Oct 2024 14:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Reichtum und Pracht prägten das Bild der Maharajas von Jaipur, doch ihre wahre Kunst lag in der politischen Anpassungsfähigkeit. Vom Mogulreich bis zur britischen Kolonialherrschaft mussten sie sich stets neu &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/neuzeit/die-rajputen-in-jaipur/">Von Rajputen zu Royals &#8211; Die Maharajas von Jaipur unter britischer Herrschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/10/Maharajas_von_Jaipur-1.mp3"></audio></figure>



<p>Reichtum und Pracht prägten das Bild der Maharajas von Jaipur, doch ihre wahre Kunst lag in der politischen Anpassungsfähigkeit. Vom Mogulreich bis zur britischen Kolonialherrschaft mussten sie sich stets neu positionieren. Mit diplomatischem Geschick gelang es ihnen, ihre Interessen zu wahren.</p>



<p>Dieser Artikel beleuchtet drei prägende Maharajas der britischen Ära: Sawai Ram Singh II., der geschickte Verhandler; Sawai Madho Singh II., der wirtschaftliche Modernisierer; und Sawai Man Singh II., der zwischen Tradition und britischem Lebensstil balancierende Lebemann. Jeder von ihnen fand einen eigenen Weg im Umgang mit der Kolonialverwaltung.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Vorgeschichte: Die Rajputen und der Kachhawa-Klan</strong></h3>



<h5 class="wp-block-heading">Die Rajputen: Krieger und Herrscher</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="278" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Map_of_the_Rajputana_1525-300x278.png" alt="" class="wp-image-1065" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Map_of_the_Rajputana_1525-300x278.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Map_of_the_Rajputana_1525.png 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Rajputana, 16. Jhdt.</figcaption></figure>
</div>


<p>Die Rajputen waren Kriegerbanden aus dem nördlichen Indien, die ab dem 7. Jahrhundert in die Region Jaipur einwanderten. Organisiert in Klans und Unterklans, sicherten sich die Kachhawas über viele Generationen die Macht in Jaipur. Die Maharajas von Jaipur und auch die &#8222;gewöhnlichen&#8220; Adeligen gehörten diesem Klan an.</p>



<p> In der Rajputen-Ideologie hat der Klan eine zentrale Bedeutung und stach andere gesellschaftliche Strukturen aus. So war Loyalität aufgrund von Klan-Hierarchien oft wichtiger als aufgrund von Posten. </p>



<p>Während des 18. Jahrhunderts verlor das <a href="https://imperien-und-inseln.de/tag/mogulreich/">Mogulreich </a>seinen Einfluss auf Rajputana, dem Land der Rajputen. Die Zustände scheinen ungeordnet gewesen zu sein. Die herrschende Klasse hinterließ auf britische Reisende einen negativen Eindruck. Es finden sich Berichte, dass die Adligen Drogen und Alkohol konsumierten, verschuldet seien, wenig über ihre Angelegenheiten wüssten und andere die Arbeit tun lassen würden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_100744-1-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-1052" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_100744-1-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_100744-1-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_100744-1-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_100744-1-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_100744-1-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_100744-1-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fort Amber,  von Raja Man Singh (1550-1614) erbaut</figcaption></figure>
</div>


<p>Nichtsdestotrotz fand in dieser Zeit die Grundsteinlegung für das moderne Rajasthan statt. Maharaja Sawai Jai Singh II. (1688-1743), der u. a. in den Diensten des Moguls Aurangzebs stand, regierte von 1700 an in der Kachhawa-Raj. In einem wegweisenden Schritt gründete er 1727 Jaipur und verlegte die Hauptstadt seines Reiches von der alten Festungsstadt Amber dorthin. Jaipur, konzipiert als erste Planstadt Indiens, markierte den Beginn einer neuen Ära für die Region. Diese Verlegung symbolisierte nicht nur einen geografischen Wechsel, sondern auch eine Modernisierung der Verwaltung und des höfischen Lebens.</p>



<p>Nach dem Tode Jai Singhs führten zwei seiner Söhne einen Erbfolgekrieg. Dies war der Auftakt einer Serie von Kriegen, die die Region erschütterten.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Das Auftreten der Europäer und die Englische Ostindienkompanie</h5>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_105442-1-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-1054" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_105442-1-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_105442-1-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_105442-1-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_105442-1-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_105442-1-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221029_105442-1-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fort Amber</figcaption></figure>
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<p>In anderen Teilen Indiens änderte sich zu dieser Zeit die politische Lage durch das Auftauchen der Europäer. Die Englische Ostindienkompanie war bereits seit dem 17. Jahrhundert in Südasien aktiv, doch die Schlacht bei Plassey im Jahre 1757 änderte ihre strategische Ausrichtung. Sie trat nicht mehr wie eine Handelsgesellschaft auf, sondern wie eine Kolonialmacht. Die Briten sicherten sich zunächst die Vormachtstellung in Bengalen und drangen von dort aus Stück für Stück in andere Landesteile vor.</p>



<p>Anfang des 19. Jahrhunderts intensivierte sich der Kontakt der Briten zu den Rajputen. 1818 sorgte ein Vertrag der East India Company mit Jaipur für eine Beruhigung in der Region. Der Vertrag war direkt mit dem Maharaja, nicht mit dem Staat geschlossen. Die Company sagte ihm zu, ihn und seine Nachkommen zu beschützen. Sie sollten das Raj behalten dürfen, d.h. es sollte nicht in British India eingegliedert werden.</p>



<p>Über zwei Generationen hinweg sollten der Klan der Nathawat die Hauptstütze der Briten in der Region bilden. Es gab wenig Zweifel an ihrem Nutzen für die Briten und keinen Zweifel an dem Nutzen für sie selbst. </p>



<h5 class="wp-block-heading">Die britische Strategie in Rajputana</h5>



<p>Die Briten hatten eine simple Zielsetzung: Rajputana sollte, als Grenzgebiet zu British India, befriedet werden und Einnahmen einbringen. Jaipur sollte sich selbst verwalten und die Briten wollten sich in die internen Angelegenheiten nicht einmischen. Dieser Vorsatz wurde allerdings immer wieder gebrochen, wenn die Europäer ihre eigenen Interessen in Gefahr sahen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="924" height="821" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/RajStaaten.jpg" alt="" class="wp-image-1058" style="width:735px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/RajStaaten.jpg 924w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/RajStaaten-300x267.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/RajStaaten-768x682.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 924px) 100vw, 924px" /></figure>



<p>Für die feudalen Strukturen der indischen Staaten hatten die Briten aufgrund ihrer eigenen konstitutionellen Monarchie Verständnis. Das unterschied sie beispielsweise von den Franzosen, die nach der Revolution die Herrscher in ihrem Kolonialgebiet feindlicher betrachteten. Die Briten versuchten mit Geschick die Politik in Indien zu steuern. Zwischendurch mussten sie dennoch zu militärischen Mitteln greifen. Auch in Jaipur, beispielsweise bei den inneren Konflikten um 1830, bei denen sie gegen Banden und einige Adlige vorgingen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sawai Ram Singh II (1833-1880)</h2>



<h5 class="wp-block-heading">Die britische Strategie in Rajputana: Von Plünderung zu Investition</h5>



<p>Die 1830er waren eine Zeit der Ränkespiele im Land der Rajputen. Die Briten hatten kein Interesse, sich die Herrschaft zu sichern. Es gab zwar interessante Rohstoffe, vor allem Mineralien, doch die wurden nicht effektiv abgebaut. Dafür gab es Probleme: beispielsweise Banditen bedrohten den Frieden und Dürren sorgten für Hungersnöte. Um die Provinz einzugliedern, hätte man daher eine große Truppenstärke benötigt. So war es einfacher, die Rajputen-Staaten zu befriedeten Randgebieten zu machen. Die Kosten für diese Befriedung konnten an die lokalen Fürsten, Durbar genannt, weiter gereicht werden.</p>


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<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221024_133313-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-1063" style="width:225px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221024_133313-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221024_133313-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221024_133313-1152x1536.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221024_133313-1536x2048.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_20221024_133313-scaled.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Thronsaal, Mehrangarh Fort, Jodhpur</figcaption></figure>
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<p>Die Briten versuchten die Balance der Adligen in Rajputana herzustellen und boten eine Zusammenarbeit an. Sie verfolgten dabei zwei eigene Ziele: „ihr“ Regent sollte akzeptiert werden und die britische Verwaltung sollte nicht gestört werden.</p>



<p>Ihr Regent, das sollte Sawai Ram Singh II sein, der im Kleinkindalter das Gaddi, das Sitzkissen des Herrschers, bestieg.</p>



<p>Doch bereits in den 1840er Jahren korrigierten die Briten ihre Strategie. Jaipur wurde zwar kein Teil des Empires, aber British India und die anderen eigenständig verwalteten indischen Provinzen, auch Princely India genannt, wurden nun gemeinsam betrachtet. Die Briten handelten nach der Devise: nicht mehr plündern, sondern investieren. Gelder, die durch die Ausbeutung von Ressourcen eingenommen wurden, sollte teilweise zurückgegeben werden, der Tribut wurde halbiert. Der Klan der Nathawats, mit denen die Briten zusammen gearbeitet hatten und denen Korruption nachgesagt wurde, geriet in die Kritik.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Sawai Ram Singh II: Der Diplomat auf dem Thron</h5>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="187" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ram_Singh_II_of_Jaipur-187x300.jpg" alt="" class="wp-image-1061" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ram_Singh_II_of_Jaipur-187x300.jpg 187w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ram_Singh_II_of_Jaipur-637x1024.jpg 637w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ram_Singh_II_of_Jaipur.jpg 747w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sawai Ram Singh II</figcaption></figure>
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<p>Der junge Maharaja Sawai Ram Singh II war kein Kriegerfürst, wie man es vielleicht von einem Rajputen-Herrscher erwarten würde. Seine Stärke waren die Verhandlungskünste. Er konnte häufig einen Ausgleich zwischen britischen, indischen und seinen Interessen finden. Der moderne Staat Jaipur war ein Produkt seines Geschicks. Die Europäer erkannten die Stärken des ambitionierten Herrschers und machten ihn zu einer Person von imperialer Wichtigkeit. </p>



<p>Zusammen mit dem Rajputana-Agenten Lawrence schränkte Sawai Ram Singh die Macht der Nathawats ein. Lawrence sah hier ein Einmischen der Briten als geboten an, da er den öffentlichen Frieden gefährdet sah, was aus menschlichen und aus interessensgeleiteten Gründen ein Problem darstellte. Bei der Besetzung des Postens des bei dieser Gelegenheit aus dem Amt gejagten „chief minister“ unterschieden sich Ram Singhs und die britischen Ansichten. Der Maharaja setzte wieder einen Nathawat ein. Das wirkte erst befremdlich auf die Briten, löste aber Probleme, indem es weitere Aufruhr verhinderte.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der Sepoy-Aufstand und seine Folgen für Jaipur</h5>



<p>Und dies war weitsichtig: 1857 erschütterte der Sepoy-Aufstand Indien. Sepoy waren indische Soldaten in den Diensten der Briten. Die Revolte begann in Bengalen und breitete sich über das Land aus. Doch es schlossen sich nicht alle Sepoy den Meuternden an. Viele von ihnen blieben den Europäern gegenüber loyal, gerade in den wichtigen Regionen. Das galt sowohl für die Truppen in Rajputana, Bombay und Madras, aber auch für drei Viertel der bengalischen Armee.</p>



<p>In England hatte die Rebellion große Wellen geschlagen. Die britische Regierung sah die Ostindienkompanie in der Hauptverantwortung und übernahm selbst die Verwaltung in Indien. Durch den Government of India Act vom 2. August 1858 wurde Indien zur Kronkolonie.</p>



<p>Diese Wende der britischen Politik sollte für den Maharaja nicht nachteilig werden. Ram Singhs Verhalten wird als „good and faithfully“ von den Briten beurteilt und zur Belohnung wurde ihm ein großes Lehnsgebiet, jagir genannt, zugestanden. Ihnen war nicht entgangen, dass der Maharaja eine eigene Agenda verfolgte, doch blinder Gehorsam wurde von den Briten weder geschätzt noch erwartet &#8211; Loyalität genügte ihnen. Ein gewisses Maß an Eigeninteresse war natürlich und solange es mit den imperialen Belangen nicht in Konflikt geriet, war es für Leute wie George Lawrence kein Problem. 1864 wird Ram Singh sogar als erster Rajput-Prinz zum Ritter geschlagen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Modernisierung unter Ram Singh: Bildung, Bürokratie und Eisenbahn</h5>



<p>Ram Singh modernisierte das Land. Er schaute über die Grenzen der Region und der Tradition hinweg und stieß eine Reihe von Änderungen an: z.B. die partielle Bürokratisierung &#8211; auch wenn das Niveau weit von dem der europäischen Verwaltungen entfernt blieb &#8211; oder die Gründungen von Schulen mit englischsprachigen Unterricht.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indian_locomotive_B-26-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-1066" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indian_locomotive_B-26-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indian_locomotive_B-26-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indian_locomotive_B-26.jpg 799w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lokomotive B-26, Oudh &amp; Rohilkhand Railway. Wikimedia Commons, Miya.m&#8217;s file.</figcaption></figure>
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<p>Ab 1870 wurde Rajputana an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Schienen verbanden den Norden, die Ganges-Ebene, Bombay und Jaipur. Doch die Modernisierung wurde nicht nur mit Freude aufgenommen. Viele Nobelmänner hatten Angst, ihre Transit-Einnahmen zu verlieren. Ram Singh nutzte diese Gelegenheit, um durch den Bau von Zubringerstraßen sowohl die Einnahmen zu steigern als auch politische Allianzen zu schmieden.</p>



<p>Die Briten profitierten ganz konkret von der ausgebauten Infrastruktur: Die Sambhar-Lake-Salzmine wurde 1870 von ihnen übernommen und an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Es gab ein Leasing-Agreement mit Ram Singh und Sambhar Lake wurde zum Hauptsupplier des Salzmonopols in British India.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wirtschaftliche Reformen und wachsende Spannungen</h5>



<p>Im Jahr 1879 folgte wieder eine Verwaltungsreform – das komplette Princely India sollte zu einer Freihandelszone werden. Die indischen Herrscher verloren dadurch Zolleinnahmen wurden aber durch jährliche Zahlungen kompensiert. Ram Singh konnte 400.000 Rs. pro Jahr aushandeln. Das war mehr als er zu dieser Zeit durch den Zoll verdient hatte, allerdings lagen die Prognosen für die nächsten Jahre höher.</p>



<p>In seinen letzten Regierungsjahren kam es zu Spannungen mit der britischen Verwaltung: Der Maharaja entzog einige Bereiche der britischen Kontrolle und nutzte die neu entstandene Presse geschickt, um politischen Druck auszuüben. Besonders störte die Kolonialmacht ein Punkt: Ram Singh wollte niemanden adoptieren. Dies hätte Schwierigkeiten für die Zukunft bedeutet. Am 18.9.1880 starb Ram Singh, doch auf dem Sterbebett folgte die Wende und er adoptierte Sawai Madho Singh II.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sawai Madho Sing II&nbsp;(1862-1922)</h2>



<h5 class="wp-block-heading">Ein junger Herrscher mit unerwartetem Potenzial</h5>


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<figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2023/03/Wilson_-_Voyage_autour_du_monde_1923_page_352_crop-599x1024.jpg" alt="" class="wp-image-200074" style="width:300px;height:512px"/><figcaption class="wp-element-caption">Sawai Madho Sing II.</figcaption></figure>
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<p>Der neue Maharaja war erst 18, als er das Gaddi bestieg. Auf den ersten Blick schien er eine unpassende Wahl für das Amt gewesen zu sein: Er war ungebildet und hatte keine Erfahrung in Bezug auf die kommenden Aufgaben. Doch seine Durchsetzungsstärke machte diese Nachteile wieder wett und die politischen Änderungen dieser Zeit eröffneten ihm viele Chancen.</p>



<p>Die Briten schlossen Princely India weiterhin an ihr Kolonialreich an und versorgten die Durbars verstärkt mit Ressourcen. Sie förderten den Anbau von Cash-Crops wie Baumwolle, Zucker und Opium. Madho Singh war geschickt, diese Mittel auszunutzen. Innerhalb der vier Dekaden seiner Herrschaft konnte er die Einnahmen Rajputanas verdoppeln – von geschätzt 2,7 Mio. Rs. auf 4,5 Mio. im Jahr 1922.</p>



<p>Innenpolitisch verfolgte er einen härteren Kurs gegenüber den anderen Adligen als sein Vorgänger. Während dieser auf einen Interessensausgleich bedacht war, betonte Madho Singh seinen Machtanspruch gegenüber den anderen Nobelleuten.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Zwischen britischem Lob und wachsender Kritik</h5>



<p>Die Briten waren mit dem neuen Maharaja zufrieden. In den ersten Jahren finden sich vor allem positive Beurteilungen Madho Singhs. Er galt als gutartig, loyal und zugänglich für Anweisungen. Jaipur galt als gut regiert. Im Verlaufe der Zeit wurden die Stimmen allerdings kritischer: Es wurde bemängelt, dass er Anweisungen abwies, wenn sie ihm nicht gefielen, und es gab häufiger Auseinandersetzungen zwischen ihm und der britischen Rajputana-Agency. Doch diese Probleme führten nicht zu einem größeren Konflikt. Die Europäer schätzen die gute Arbeit, die Madho Singh leistete und er war einer der loyalsten Feudalherren ihrer Majestät.</p>



<p>Wie gut das Land tatsächlich verwaltet war, konnten die Briten allerdings nur schätzen, denn die Administration Rajputanas war nicht sehr transparent. Der Maharaja erzählte so wenig wie möglich und sendete auch keine Reports. Die gute Verwaltung ließ sich nur von den Ergebnissen herleiten: Rajputana war ein reicher Staat und in vielen Bereichen, wie medizinische Versorgung und Bildung, wurde gute Arbeit geleistet. Allerdings gab es auch Schwachstellen: Militär, Polizei, Hygiene und Fiskus galten als ausbaufähig.</p>



<p>Die Schwächen im militärischen Bereich veranlasste die Briten zu reagieren. Ihnen war wichtig, dass Rajputana in der Lage war, im Inneren und nach Außen, wo Afghanen und Russen drohten, für Stabilität und Abschreckung zu sorgen. Sie schickten Kanonen und Geld und Madho Singh stellte ein Pony-Korps auf, da die Briten Hilfstruppen benötigten.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Eisenbahnausbau und gewagte Investitionen</h5>



<p>Wie schon Ram Singh profitierte auch der neue Maharaja vom weiteren Ausbau der Eisenbahn. Bis zu seinem Tode war jeder wichtige Ort der Region mit der Bahn verbunden, insgesamt 800 km Schienen wurden verlegt. Madho Singh spülte das viel Geld in die Kasse, bis zu 2 Mio. Rs.</p>



<p>Der Maharaja schreckte nicht vor windigen Projekten zurück. So lieh er sich 5 Mio. Rs. in London für die Nagda-Mathura-Bahnlinie. Die ausgemachten 4,5% return of investment, die das staatliche Railway-Board prognostiziert hatten, wurden aufgrund der wirtschaftlichen Lage nicht eingehalten. Allerdings kam nach dem Tode Madho Singhs heraus, dass dieser innerhalb von 20 Jahren 9,5 Mio. Rs. aus dieser Investition herausgezogen hatte.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die späten Jahre: Esoterik und wachsendes Selbstbewusstsein</h5>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="210" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/R._B._Khawas_Bala_Bux-210x300.jpg" alt="" class="wp-image-1067" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/R._B._Khawas_Bala_Bux-210x300.jpg 210w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/R._B._Khawas_Bala_Bux.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kasji Bala Bux, 1912.</figcaption></figure>
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<p>In den letzten Lebensjahren stand Madho Singh unter dem Bann einer „weiblichen Rasputin“ namens Rup Rai. Sie war eine Konkubine und ihr Patron, der berüchtigte Kasji Bala Bux, war Schatzmeister und graue Eminenz in Rajputana. Madho Singh schloss sich nach außen stärker ab, ignorierte medizinische Ratschläge der Briten und politische Ratschläge seines bengalischen Vertrauten. Er widmete sich vermehrt der Esoterik. Rup Rai beschwor Geister von Verstorbenen, die der Maharaja vermisste und sprach von ihm als Inkarnation des Ganga Mata, einer Manifestation von Gott, die vor allem am Ganges verehrt wird.</p>



<p>Madho Singh steigerte in dieser Phase weiter sein Selbstvertrauen. Es war die Zeit des 1. Weltkrieges und Mahatma Gandhis &#8211; das indische Nationalgefühl wuchs. Der Maharaja erkannte seinen Einfluss und seine herausgehobene Stellung im Empire und trat dementsprechend stark auf. So konnte er, selbst als er sterbenskrank war, trotz aller Intrigen seinen Wunschnachfolger durchsetzen: Sawai Man Singh II.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sawai Man Singh II (1912-1970)</h2>



<h5 class="wp-block-heading">Ein junger Maharaja unter Vormundschaft</h5>


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<figure class="alignleft size-full"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2023/03/Man_Singh_II.jpg" alt="" class="wp-image-200217"/><figcaption class="wp-element-caption">Sawai Man Singh II.</figcaption></figure>
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<p>Sawai Man Singh II wurde 1922 neuer Maharaja. Weil der Prinz noch minderjährig war, benötigte er einen politischen Vormund, einen „head of regency“. Der alte und kranke Madho Singh sprach sich für Charles Cleveland aus. Der galt als freundlich und wenig ambitioniert. Doch die britische Regierung Indiens sträubte sich dagegen.</p>



<p>Cleveland war kein unbeschriebenes Blatt. Er war zu Reichtum gelangt und einer seiner Geschäftspartner war Kwasji Bala Bux, der von den Briten als korrupt eingestuft wurde. Er war unter anderem im illegalen Landhandel involviert und nutze Insiderwissen, um seine Gewinne zu optimieren. Cleveland war an einigen dieser Geschäfte beteiligt.</p>



<p>Die britische Regierung suchte nicht die direkte Konfrontation mit Madho Singh und entschloss sich, nicht direkt gegen Cleveland vorzugehen. Anstatt ihn abzusetzen, wurde ihm ein Vorgesetzter zugeteilt, worauf Cleveland eigenständig zurücktrat.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Zwischen britischer Kontrolle und Playboy-Lifestyle</strong></h5>



<p>Bis 1931 wurde der Maharaja vom politischen Vormund geleitet. Die politische Macht wurde von Jaipurs „chief minister“ ausgeübt, der zugleich der Senior Officer der Rajputana Agency war.</p>



<p>Zwischen 1931 und 1941 konnte der Maharaja seine „chief minister“ selbst wählen. Allerdings mussten diese von der imperialen Verwaltung genehmigt werden. Die Folge war, dass diese Regenten, zumindest bis 1939, loyaler der britischen Agency als dem Maharaja gegenüber waren.</p>



<p>Für Man Singh war dies kein großes Problem, denn Politik schien ihn wenig zu interessieren. Er konzentrierte sich mehr auf sein Privatleben und reiste viel. „He loved being a Indian maharaja in Europe and having a maharaja’s wealth“. Sein Lebenswandel orientierte sich am Lebensstil der britischen Offiziere. Er spielte gerne Polo und wurde dabei sogar Champion. Dazu galt er als Playboy.</p>



<p>Der imperialen Verwaltung war der Lebemann suspekt. Sie überwachten die Post in Jaipur und konnten in den Briefen Man Singhs Unzuverlässigkeiten finden. Beispielsweise mussten sie zu Zeiten der Sikar-Rebellion lesen, dass der Maharaja hoffte, schnell aus dem heißen Geschehen heraus kommen zu können, um sein Urlaub genießen zu können.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wirtschaftlicher Aufschwung und konservative Reformen</h5>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="286" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Cecil_Beaton_Photographs-_Political_and_Military_Personalities_IB698-286x300.jpg" alt="" class="wp-image-1044" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Cecil_Beaton_Photographs-_Political_and_Military_Personalities_IB698-286x300.jpg 286w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Cecil_Beaton_Photographs-_Political_and_Military_Personalities_IB698.jpg 762w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gayatra Devi, Fotografie von Cecil Beaton (1950).</figcaption></figure>
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<p>Rajputana blieb dennoch in einer ruhigen Spur. Die Staatseinnahmen stiegen weiter, da Landeinnahmen und Investments lukrativ waren. Mit Mirza Ismail (1883-1959) warb Man Singh einen erfahrenen „chief minister“ an, der zuvor 15 Jahre lang in einer ähnlichen Position in Mysore erfolgreich gedient hatte. Ismael kann als konservativer Reformer eingestuft werden, vielleicht vergleichbar mit Bismarck oder Disraeli. Die Briten hatten wenig Vertrauen in ihn, unternahmen aber keinen Versuch, ihn loszuwerden.</p>



<p>Unruhe gab es eher in Bereichen fernab der Staatsgeschäfte. Zum einen polarisierte die 3. Frau des Maharajas, Gayatra Devi, die Bevölkerung. Während ein Teil sie aufgrund ihrer Ethnie ablehnte, war sie in anderen Teilen sehr beliebt. Doch dazu an anderer Stelle mehr. Gayatra Devi bietet genügend Stoff für einen eigenen Artikel.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Aufstieg des indischen Nationalismus und das Ende der Princely States</h5>



<p>Zum anderen wurde die indische Nationalbewegung immer stärker und Man Singh versuchte, eine günstige Position für den sich abzeichnenden neuen Staat zu erreichen. Dazu kooperierte er mit der Partei Rajya Praja Mandal, die sich für die Unabhängigkeit einsetzte. Mizra versuchte direkt im Indischen Kongress die Reputation des Maharajas zu steigern.</p>



<p>Als der spätere indische Premierminister und Nationalheld Jawaharlal Nehru (1889-1964) Jaipur besuchte, wird er vom Volk wie ein Held empfangen. Die Menschen wedelten mit Flaggen und riefen, dass die Briten aus dem Land verschwinden sollten. Das Ende British Indias und der Princely States war nahe. 1945 gab es die ersten und letzten „general elections“ Rajputanas in Jaipur.</p>



<p>Als die Briten Indien verließen, musste Rajputana eine neue Stellung im Land finden. Es folgte der Wandel vom Klient-Staat der British Raj hin zum führenden Teil des neuen Staates Rajasthan und zum integralen Bestandteil der indischen Union.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: Das Erbe der Maharajas von Jaipur</strong></h2>



<p>Die Geschichte der Maharajas von Jaipur während der britischen Kolonialzeit zeigt politische Anpassungsfähigkeit und geschicktes Navigieren in sich wandelnden Machtstrukturen. Sawai Ram Singh II., Sawai Madho Singh II. und Sawai Man Singh II. verkörperten jeweils unterschiedliche Ansätze im Umgang mit der Kolonialverwaltung:</p>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/10/IMG_20221029_090020-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-1073" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/10/IMG_20221029_090020-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/10/IMG_20221029_090020-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/10/IMG_20221029_090020-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/10/IMG_20221029_090020-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/10/IMG_20221029_090020-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/10/IMG_20221029_090020-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jaipur. Palast der Winde</figcaption></figure>
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<p>Ram Singh II. erwies sich als geschickter Diplomat und Modernisierer, der Jaipur in eine neue Ära führte. Madho Singh II. nutzte die wirtschaftlichen Chancen seiner Zeit und festigte die Macht des Maharaja. Man Singh II. balancierte zwischen traditioneller Herrschaft und britischem Lebensstil, während er Jaipur durch die Jahre des aufkommenden indischen Nationalismus steuerte.</p>



<p>Diese Ära verdeutlicht den Wandel indischer Fürstenstaaten unter britischer Herrschaft &#8211; von semi-autonomen Reichen zu Klientenstaaten und schließlich zu Teilen eines unabhängigen Indiens. Die Maharajas von Jaipur bewiesen dabei die Fähigkeit, ihre Interessen zu wahren und gleichzeitig ihr Reich zu modernisieren.</p>



<p>Das Erbe dieser Zeit prägt Jaipur bis heute: in der Architektur, den kulturellen Institutionen und der politischen Landschaft Rajasthans. Die Geschichte der Maharajas von Jaipur bietet Einblicke in die Komplexität der indisch-britischen Beziehungen und die Transformation traditioneller Herrschaftsstrukturen in der Moderne.</p>



<p>Diese Epoche zeigt, wie lokale Herrscher aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft mitwirkten, statt nur passive Empfänger kolonialer Politik zu sein. Dieses Verständnis trägt zu einer differenzierten Betrachtung der indischen Kolonialgeschichte und ihrer Nachwirkungen im heutigen Indien bei.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<p>Rima Hooja (2017): <a href="https://amzn.to/4aVdyYc">Rajasthan: A Concise History</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Sawai Ram Singh II, Sawai Maddho Singh II, Sawai Man Singh II.</p>



<p>Karte: Wikimedia Commons, Dr. Andreas Birken.</p>



<p>Alle weiteren Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>
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		<title>Die Sukarno-Ära</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Sep 2024 06:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Geheime Diplomatie und Machtspiele - Indonesien im Kalten Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Indonesien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 2 In Geheime Diplomatie und Machtspiele untersuchen wir Indonesiens Rolle im Kalten Krieg. Die Serie widmet sich der komplexen, oft &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg/"></a><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 2</a></p>



<figure class="wp-block-embed alignleft is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div><figcaption class="wp-element-caption">Auch auf Youtube</figcaption></figure>



<p>In <a href="https://imperien-und-inseln.de/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg/">Geheime Diplomatie und Machtspiele</a> untersuchen wir Indonesiens Rolle im Kalten Krieg. Die Serie widmet sich der komplexen, oft verborgenen Dynamik zwischen den USA und Indonesien in einer Zeit voller politischer Turbulenzen.</p>



<p>Das heutige Indonesien ging aus dem Kolonialreich der Niederländer hervor, die seit dem siebzehnten Jahrhundert in der Region aktiv waren und schrittweise ihren Einfluss vergrößerten. 1816 übernahm die niederländische Regierung selbst die Herrschaft in dem Gebiet und gliederte es als Niederländisch-Indien in das Kolonialreich ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="367" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Nederlandsindie-1024x367.png" alt="" class="wp-image-146" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Nederlandsindie-1024x367.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Nederlandsindie-300x108.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Nederlandsindie-768x276.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Nederlandsindie.png 1254w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Auch unter staatlicher Verwaltung wurde weiter expandiert, bis in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts ungefähr die heutigen Grenzen erreicht waren.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Sukarno und die Unabhängigkeit Indonesiens</h5>



<p>Der Zweite Weltkrieg führte zu einer Veränderung der geopolitischen Situation, als die Niederlande unter deutsche Besatzung gerieten und somit nicht in der Lage waren, ihre Kolonien effektiv zu schützen. Infolgedessen erlangte Japan die Kontrolle über Indonesien. Nach einer kurzen Phase japanischer Herrschaft erklärte der Inselstaat am 17.  August 1945 seine Unabhängigkeit. Sukarno wurde daraufhin zum ersten Staatspräsidenten Indonesiens ernannt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="247" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_National_Party-300x247.png" alt="" class="wp-image-156" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_National_Party-300x247.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_National_Party-768x632.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_National_Party.png 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Logo der PNI</figcaption></figure>
</div>


<p>Sukarno war der Kopf der Partai Nasional Indonesia (PNI), die er im Jahr 1927- anfangs unter dem Namen &#8222;Perserikatan Nasional Indonesia&#8220; – mitgründete. Mohammed Hatta, der langjährige Weggefährte, wurde Vizepräsident. Beide prägten die indonesische Politik in den nächsten Jahrzehnten.</p>



<p>Sukarno engagierte sich bereits in jungen Jahren für die Unabhängigkeit von der niederländischen Kolonialverwaltung und für die Einheit der Indonesier. In dieser Zeit richtete er einen Appell an Marxisten, Nationalisten und Muslime und versuchte einen gemeinsamen Nenner herauszuarbeiten. &#8222;Gott habe die Welt geschaffen, Marx habe die Gesetzmäßigkeiten erkannt, nach denen sie sich entwickle, und die Bildung von Nationen sei die natürliche Ordnung der Welt&#8220;.</p>



<p>Seine Versuche, gemeinsame Positionen in unterschiedlichen Weltanschauungen zu erkennen, wurden von Gegnern als Vereinfachung kritisiert. Doch war dies eine nützliche Einstellung, um die Herausforderungen der Unabhängigkeit des Landes zu meistern.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die Pancasila und die Herausforderungen der nationalen Einheit</h5>



<p>Denn 1945 standen die neuen Staatslenker um Sukarno aufgrund der Kolonialgeschichte vor dem Problem, eine sehr diverse Bevölkerung zusammenzuführen. Das war die größte und wichtigste Herausforderung in der Anfangszeit des jungen Staates.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="431" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/2560px-Indonesia_Ethnic_Groups_Map_English.svg_-1024x431.png" alt="" class="wp-image-150" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/2560px-Indonesia_Ethnic_Groups_Map_English.svg_-1024x431.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/2560px-Indonesia_Ethnic_Groups_Map_English.svg_-300x126.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/2560px-Indonesia_Ethnic_Groups_Map_English.svg_-768x323.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/2560px-Indonesia_Ethnic_Groups_Map_English.svg_-1536x646.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/2560px-Indonesia_Ethnic_Groups_Map_English.svg_-2048x862.png 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/2560px-Indonesia_Ethnic_Groups_Map_English.svg_.png 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Neben vielen Ethnien gab es auch unterschiedliche Religionen, die alle zu ihrem Recht kommen sollten. Zwar war, auf das ganze Land gesehen, der Islam am weitesten verbreitet, doch in einzelnen Regionen konnten Anhänger anderer Glaubensrichtungen eine wichtige Rolle einnehmen, wie beispielsweise die Hindus, die auf Bali die Mehrheit stellen, oder die Christen auf den Molukken und an anderen Orten.</p>



<p>Daher wies Mohammed Hatta darauf hin, dass es entscheidend für den neuen Staat war, christliche Minderheiten nicht wie Bürger zweiter Klasse zu behandeln, um zu verhindern, dass sie in die Arme der rückkehrwilligen Niederländer getrieben werden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="218" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Garuda_Pancasila_Poster_color-218x300.jpg" alt="" class="wp-image-149" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Garuda_Pancasila_Poster_color-218x300.jpg 218w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Garuda_Pancasila_Poster_color.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px" /></figure>
</div>


<p>Um die vielfältigen Unterschiede zu berücksichtigen, wurde eine ausgewogene Staatsverfassung ausgehandelt, die auf fünf Prinzipien fußte: die Pancasila. Dies waren Ein-Gottes-Glaube, Menschlichkeit/Humanismus, Nationalismus, Demokratie und Soziale Gerechtigkeit.</p>



<p>Bereits vor der offiziellen Unabhängigkeit, am 1. Juni 1945, hielt Sukarno eine vielbeachtete Rede beim Untersuchungsausschuss zur Vorbereitung der Unabhängigkeit Indonesiens, bei dem er diese Ausrichtung erläuterte.</p>



<p>Die nationale Einheit und die Einigkeit waren für die Existenz des Staates von besonderer Bedeutung. Sie dienten dazu, dem neu entstehenden Gebilde Stabilität zu verleihen. Sukarno lässt über die Grenzziehung keine Diskussion aufkommen. Er spricht davon, dass selbst ein Kind, das auf die Karte schaut, die Einheit des indonesischen Archipels erkennen würde. Innerhalb des Landes sollte &#8222;alle für einen, einer für alle&#8220; gelten. Die unterschiedlichen Gruppen müssen sich gegenseitig akzeptieren und fair behandeln.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="190" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Hatta_ratulangi_sukarno-300x190.jpg" alt="" class="wp-image-148" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Hatta_ratulangi_sukarno-300x190.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Hatta_ratulangi_sukarno.jpg 604w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sukarno (links), Hatta (2. von rechts)</figcaption></figure>
</div>


<p>Doch auch die soziale Gerechtigkeit taucht in den Pancasila auf und setzt einen Abgrenzungspunkt zur westlichen Welt. Sukarno attestiert diesen Staaten, zwar über demokratische Strukturen zu verfügen, doch herrscht in ihnen der Kapitalismus. Die Folge ist, dass die Bürger aufgrund ihrer politischen Teilhabe in der Lage sind, Minister zu stürzen und sich dadurch wie Könige verhalten können, doch in der Arbeitswelt sind sie den Kapitalisten ausgeliefert, die sie in die Arbeitslosigkeit entlassen können, in der Hunger droht.</p>



<p>Sukarno möchte Demokratie, aber nicht die westliche Variante. Unter dem Banner der Ratu Adil, einer mythischen Figur Javas, die für Gerechtigkeit und Frieden steht, sollen die Einwohner des Landes Wohlstand erfahren.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Indonesiens Außenpolitik und die Bewegung der Blockfreien Staaten</h5>



<p>Dieser ambivalente Blick auf den Westen schlug sich in der indonesischen Außenpolitik nieder. Im aufkommenden Kalten Krieg versuchte man, auf keiner Seite zu stehen. Zusammen mit dem indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru und dem chinesischen Präsidenten Zhou Enlai übernahm Sukarno eine aktive Rolle bei der Organisation der blockfreien Staaten; dies waren in erster Linie Länder aus Afrika und Asien, die sich von westlichen Kolonialverwaltungen lösen konnten.</p>



<p>Die drei asiatischen Staatsführer, die alle von der marxistischen Ideologie beeinflusst waren, setzten sich für eine friedliche Koexistenz ein und verwoben dies mit dem Panchsheel-Konzept, das zwar namentlich eine Ähnlichkeit mit den Pancasila aufwies, aber buddhistischen Ursprungs war und für eine asiatische Note sorgen sollte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="172" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/09/Sukarno_and_council_in_front_of_Bandung_Court_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_227-300x172.jpg" alt="" class="wp-image-729" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/09/Sukarno_and_council_in_front_of_Bandung_Court_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_227-300x172.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/09/Sukarno_and_council_in_front_of_Bandung_Court_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_227-1024x587.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/09/Sukarno_and_council_in_front_of_Bandung_Court_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_227-768x440.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/09/Sukarno_and_council_in_front_of_Bandung_Court_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_227-1536x880.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/09/Sukarno_and_council_in_front_of_Bandung_Court_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_227-2048x1174.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/09/Sukarno_and_council_in_front_of_Bandung_Court_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_227-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sukarno bei der Bandung-Konferenz</figcaption></figure>
</div>


<p>Indonesien veranstaltete im April 1955 die Bandung-Konferenz, an der insgesamt neunundzwanzig Staaten aus Afrika und Asien teilnahmen und bei der diese Zielsetzung im finalen Kommuniqué fixiert wurde. Den offiziellen Startschuss zur Bewegung der Blockfreien Staaten bildete allerdings erst die Belgrader Konferenz im Jahr 1961.</p>



<p>Noch wichtiger als die außenpolitischen Aufgaben war für die indonesische Regierung um Sukarno und Hatta die innenpolitische Ordnung. Der neue Staat musste an Stabilität gewinnen und so griff die Politik mehrmals in dessen Struktur ein. 1950 wurde der Föderalstaat zu einem zentralistischen Einheitsstaat (Negara Kesatuan) abgewandelt.</p>



<p>1957 proklamierte Sukarno das Gotong-Royong-Kabinett, das die Kommunistische Partei miteinschließen sollte. Der Begriff &#8222;Gotong Royong&#8220; lässt sich kurz als gemeinsames, hartes Arbeiten und sich gegenseitig helfen zusammenfassen. Alle sollten ohne Ausnahme zusammenarbeiten.</p>



<p>Dem Zusammenhalt standen die vielen unterschiedlichen Interessen in diesem weit ausgedehnten Land entgegen. Häufig gab es rebellische Kräfte, die gegen die indonesische Zentralregierung aufbegehrten. Um mit Härte dagegen vorgehen zu können, wurde das Kriegsrecht ausgerufen. Auch die PKI unterstützte dieses Vorgehen, obwohl es in der Armee antikommunistische Strömungen gab.</p>



<p>Im Februar 1958 revoltierten einige Teile der Armee gegen Sukarno. Dieses Ereignis wurde unter dem Namen Permesta-Rebellion bekannt und betraf vor allem die äußeren Inseln Sumatra und Sulawesi. Die entschlossene Reaktion der indonesischen Regierung konnte den Aufstand bis zum Jahr 1961 niederschlagen.</p>



<p>Um die drängenden Probleme im Land in den Griff zu bekommen, wurde 1958 die &#8222;Gelenkte Demokratie&#8220; (&#8222;Demokrasi Terpimpin&#8220;) eingeführt &#8211; ein weiterer Schritt weg von den demokratischen Idealen des Westens.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="263" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Nasakom-263x300.jpg" alt="" class="wp-image-151" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Nasakom-263x300.jpg 263w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Nasakom.jpg 590w" sizes="auto, (max-width: 263px) 100vw, 263px" /></figure>
</div>


<p>Das Parlament wurde nicht mehr gewählt, sondern ernannt, ebenso waren nur noch ausgewählte Parteien geduldet. Dieses Verfahren sicherte dem Militär und den Kommunisten eine feste Machtbasis. Sukarno selbst ernannte sich zum lebenslangen Präsidenten, der sich vom Nasakom-Konzept leiten ließ, ein Kunstwort aus den Abkürzungen der indonesischen Wörter für Nationalismus (Nasionalisme), Religion (Agama) und Kommunismus (Komunisme). Dieser autoritäre Kurs sorgte für Verstimmungen im Land und hatte destruktive Folgen.</p>



<p>Als Gegner wurden die Nekolim ausgemacht; auch dies war ein Akronym und stand für Neokolonialismus (Neokolonialisme), Kolonialismus (Kolonialisme) und Imperialismus (Imperialisme).</p>



<p>In der Gelenkten Demokratie war die Armee ein wichtiges Instrument zur Problemlösung. Im Inneren des Landes konnte sie rebellische Gruppierungen, wie die islamistischen Darul Islam, unter Kontrolle bringen und nach außen diente sie, um die Grenzen zu festigen. 1962 wurden Truppen auf Westneuguinea eingesetzt, um die Unabhängigkeitsbestrebungen dort zu beenden und den Inselteil einzugliedern.</p>



<p>Doch die Armee selbst war nicht einfach zu kontrollieren. Sie bestand aus unterschiedlichen Faktionen, die sowohl die militärische als auch die politische Effektivität senkten. Zusätzlich war die Angst vor einem Staatsversagen, das die Stabilität des Landes gefährdet, weit verbreitet.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Logo_of_the_Communist_Party_of_Indonesia.svg_-300x300.png" alt="" class="wp-image-154" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Logo_of_the_Communist_Party_of_Indonesia.svg_-300x300.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Logo_of_the_Communist_Party_of_Indonesia.svg_-150x150.png 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Logo_of_the_Communist_Party_of_Indonesia.svg_-768x768.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Logo_of_the_Communist_Party_of_Indonesia.svg_.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Logo der PKI</figcaption></figure>
</div>


<p>Außenpolitisch suchte Indonesien die Konfrontation mit seinem Nachbarn Malaysia. Die Meinung innerhalb des Landes war gespalten: sowohl moderate Intellektuelle und Muslime, die nicht gegen ihre Glaubensbrüder vorgehen wollten, lehnten den Konflikt ab. Doch die machtpolitisch wichtigeren Gruppen sahen dies anders: die PKI war verärgert, dass die malaysische Regierung die kommunistische Rebellion unterdrückt hat; die Sukarno-Anhänger sahen in Malaysia Neo-Kolonialisten, obwohl es dafür wenige Anzeichen gab; und in der Armee gab es Bedenken, dass Malaysia durch seine chinesische Community und damit indirekt von China kontrolliert sein könnte.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wirtschaftliche Schwierigkeiten und die wachsende Macht der PKI</h5>



<p>Die indonesische Wirtschaft war ein großes Problem in den Sukarno-Jahren. Die Phase von 1950 bis 1957 konnte aufgrund des guten Exports noch Wachstum ausweisen, aber die gesamte Periode bis 1965 war ökonomisch wenig erfolgreich.</p>



<p>Besonders die indonesische Landwirtschaft verlor in den zwanzig Jahren der Unabhängigkeit stark an Leistungsfähigkeit. Das Land, das von der Qualität seiner Böden in der Lage sein sollte, sich selbst zu versorgen, musste Nahrungsmittel importieren. Beim Reis lag die Unterversorgung bei circa zehn Prozent.</p>



<p>Vor dem Zweiten Weltkrieg war Indonesien ein wichtiger Zucker-Exporteur, doch die Produktion fiel von Millionen Tonnen auf nur noch Hunderttausende im Jahre 1965. Auch wichtige Industrien, wie die Kleidungsherstellung, entwickelten sich zurück: die Webfabriken liefen nur zu ungefähr zwanzig Prozent, da die indonesischen Plantagen zu wenig Baumwolle produzierten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="150" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesia_Riau_1960_5r_o-300x150.jpg" alt="" class="wp-image-153" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesia_Riau_1960_5r_o-300x150.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesia_Riau_1960_5r_o.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>In der Zeit von 1961 bis 1964 litt das Land unter einer Hyperinflation von ungefähr hundert Prozent pro Jahr. Die hohe Inflation traf alle Bürger, entwertete das ersparte Geld und sorgte für weitere Spannungen in der Bevölkerung.</p>



<p>Diese prekäre Lage sorgte für Verschiebungen im politischen Machtgefüge. Die PKI konnte besonders auf Java eine starke Rolle einnehmen. Ihre soziale Ausrichtung begünstigte ihren Erfolg. Java hatte besonders große Herausforderungen zu bestehen. Die Insel ist zwar grün und fruchtbar, doch die Bevölkerungsdichte wurde zu einem ernsten Problem. Während die Fläche Javas nur ein Siebtel des gesamten Landes einnimmt, lebten zu dieser Zeit zwei Drittel der hundertfünf Millionen Indonesier dort. Die Folge waren Armut, Hunger und Frustration.</p>



<p>Durch ihre wachsende Bedeutung war die PKI in der Lage, in größerem Maßstab politisch zu agieren und sogar außenpolitisch aktiv zu werden. Ihr Generalsekretär, Dipa Nusantara Aidit, besuchte 1963 die Sowjetunion und China. Im Anschluss nahm er eine eindeutige pro-chinesische Position ein.</p>



<p>Ebenfalls im Jahre 1963 wurde Sukarno vom indonesischen Parlament als Präsident auf Lebenszeit gekürt. Von einer Demokratie war zu dieser Zeit nur noch schwer zu sprechen.</p>



<p>Für Beobachter aus dem Westen waren die Entwicklungen in Indonesien mit Besorgnis aufzunehmen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Bildernachweis</h3>



<p>Karte Niederländisch Ost-Indien: Wikimedia Commons, Clockwork Orange.<br>PNI: Wikimedia Commons, Parshov.<br>Ethic Groups: Wikimedia Commons, Gunawan Kartapranata.<br>Pancasila: Wikimedia Commons, Chris Woodrich.<br>Hatta: Wikiwand.<br>Nasakom: Wikimedia Commons, Femionisme.<br>PKI: Wikimedia Commons, Historyandideology.<br><br><br><br></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-die-sukarno-aera/">Die Sukarno-Ära</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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