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	<title>Gujarat Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<title>Gujarat Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Kaufleute vor dem Mogulkaiser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 08:00:00 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn des Jahres 1616 stand Thomas Roe im Palast von Ajmer vor Jahangir. Der Engländer trug einen Brief König Jakobs I. und den Titel eines Botschafters. Im <em>Durbar</em>, der öffentlichen Audienz des Mogulkaisers, erhielt er einen Platz unmittelbar unter dem Herrscher. Sitzen durfte dort niemand. Roe lehnte sich während des Empfangs an eine silberverkleidete Säule.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Auftrag bestand darin, verlässliche Handelsbedingungen für die East India Company auszuhandeln. Die Gesellschaft war erst 15 Jahre alt und besaß in Indien weder Land noch politische Macht. Jahangir herrschte dagegen über eines der reichsten Reiche der damaligen Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die spätere Kolonialmacht trat zunächst als Bittsteller auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Gesellschaft erhält ein Monopol</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1600 erteilte Königin Elisabeth I. einer Gruppe Londoner Kaufleute eine königliche Charter. Der offizielle Name lautete <em>Governor and Company of Merchants of London trading into the East Indies</em>. Daraus entstand die East India Company.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Charter gewährte der Gesellschaft für zunächst 15 Jahre das Monopol auf den englischen Handel zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und der Magellanstraße. Andere englische Kaufleute durften in diesem riesigen Gebiet nur mit ihrer Zustimmung Geschäfte betreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Company gehörte privaten Investoren, stand jedoch unter dem Schutz der Krone. Ihre Leitung übernahmen ein Gouverneur und 24 sogenannte Committees, die Vorläufer eines Verwaltungsrates. Sie planten die Fahrten, beschafften Schiffe und verkauften die eingeführten Waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs wurde jede größere Expedition weitgehend als eigenes Unternehmen finanziert. Die Investoren zeichneten Kapital für eine bestimmte Fahrt und teilten anschließend Gewinn oder Verlust. Erst nach und nach entstand eine dauerhaft finanzierte Handelsgesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Flotte verließ England 1601 unter dem Kommando von James Lancaster. Ihr Ziel waren die Gewürzmärkte Südostasiens. Indien spielte in den ursprünglichen Plänen nur eine untergeordnete Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Suche nach Gewürzen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Englische Kaufleute hofften vor allem auf Pfeffer. Hinzu kamen Muskatnüsse und Gewürznelken aus den Inselwelten Südostasiens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort stießen sie auf niederländische Konkurrenten. Die 1602 gegründete Niederländische Ostindien-Kompanie verfügte über mehr Kapital und konnte größere Flotten ausrüsten. Sie schloss Verträge mit lokalen Herrschern und versuchte, die wichtigsten Anbaugebiete unter ihre Kontrolle zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Engländer hatten ein weiteres Problem. Wollstoffe und Metallwaren aus ihrer Heimat fanden in Asien kaum Käufer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Indische Baumwollstoffe boten einen Ausweg. Die leichten, farbenprächtigen Stoffe waren auf vielen asiatischen Märkten gefragt. Englische Händler konnten sie in Indien erwerben und anschließend gegen Gewürze eintauschen. Damit wurde der Subkontinent zu einem entscheidenden Bestandteil ihrer Handelsstrategie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Company richtete ihren Blick nun verstärkt auf Gujarat. Dort lag Surat, einer der wichtigsten Häfen des Mogulreiches.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Surat und der Handel des Mogulreiches</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Surat verband das indische Hinterland mit dem Persischen Golf und dem Roten Meer. Von hier brachen muslimische Pilger nach Mekka auf. Kaufleute verschifften Baumwollstoffe und Indigo aus Gujarat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt unterstand dem Mogulreich. Hafenbeamte erhoben Zölle, während einflussreiche Kaufleute Schiffe finanzierten und den Fernhandel organisierten. Europäische Händler trafen somit auf einen Markt mit eigenen Regeln und erfahrenen Akteuren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf See waren die Portugiesen weiterhin stark. Ihre Flotten kontrollierten wichtige Routen entlang der Westküste. Viele indische Schiffe führten einen portugiesischen Passierschein, den sogenannten <em>cartaz</em>, mit sich, um Angriffe oder Beschlagnahmungen zu vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Verwaltung von Surat stellte die Ankunft der Engländer deshalb eine politische Frage dar. Neue Händler konnten zusätzliche Zolleinnahmen bringen. Eine offene Begünstigung der Company drohte jedoch einen Konflikt mit den Portugiesen auszulösen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">William Hawkins am Kaiserhof</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="164" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Emperor_Jahangir_Praying-164x300.jpg" alt="" class="wp-image-8496" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Emperor_Jahangir_Praying-164x300.jpg 164w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Emperor_Jahangir_Praying-561x1024.jpg 561w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Emperor_Jahangir_Praying.jpg 750w" sizes="(max-width: 164px) 100vw, 164px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jahangir, Miniatur aus dem 17. Jhdt.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">1608 erreichte das englische Schiff <em>Hector</em> die Küste vor Surat. An Bord befand sich William Hawkins, der einen Brief König Jakobs I. für Jahangir mitführte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die portugiesische Konkurrenz versuchte, seine Mission zu behindern. Auch die örtlichen Behörden verhielten sich vorsichtig. Hawkins reiste deshalb ins Landesinnere und erreichte 1609 den Hof des Kaisers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahangir nahm den Engländer freundlich auf. Hawkins erhielt zeitweise einen Rang im kaiserlichen Dienst. Der Herrscher vermittelte ihm außerdem die Ehe mit einer armenischen Christin, die am Mogulhof lebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die persönliche Gunst des Kaisers brachte der Company jedoch keine dauerhaft gesicherten Handelsrechte. Portugiesische Vertreter und mit ihnen verbundene Jesuiten warnten vor den Engländern. Kaufleute aus Surat fürchteten, dass ein Konflikt zwischen den europäischen Mächten ihren Handel gefährden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hawkins verließ den Hof 1611. Seine Mission zeigte, dass ein freundlicher Empfang noch keine feste Rechtsgrundlage schuf. Die Company benötigte schriftliche Anordnungen, auf die sie sich gegenüber Provinzgouverneuren und örtlichen Beamten berufen konnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gewalt als Verhandlungsmittel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einige englische Kommandanten versuchten nun, die diplomatische Schwäche der Company mit Gewalt auf See auszugleichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schiffe unter Henry Middleton hielten im Roten Meer Handelsfahrzeuge auf, die nach Surat zurückkehren wollten. Davon waren auch Untertanen des Mogulkaisers betroffen. Middleton wollte damit die Behörden zu Zugeständnissen zwingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Vorgehen war innerhalb der Gesellschaft umstritten. Englische Händler in Surat fürchteten Vergeltungsmaßnahmen. Die Überfälle beschädigten außerdem das Ansehen der Neuankömmlinge, die zur selben Zeit um eine friedliche Handelserlaubnis baten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1612 traf eine weitere englische Flotte unter Thomas Best vor Surat ein. Die Portugiesen entsandten Kriegsschiffe aus Goa, um sie zu vertreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende November kam es vor Suvali, in europäischen Quellen meist Swally genannt, zu mehrtägigen Gefechten. Die englischen Schiffe hielten der zahlenmäßig überlegenen portugiesischen Flotte stand und zwangen sie schließlich zum Rückzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tausende Menschen sollen die Kämpfe von der Küste aus verfolgt haben. Für die Mogulbeamten war der Ausgang politisch bedeutsam. Er zeigte, dass die Portugiesen auf See verwundbar waren und die Engländer als Gegengewicht dienen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Gefechten erhielt die Company die Erlaubnis, in Surat Handel zu treiben. Ein kaiserlicher <em>farman</em>, eine schriftliche Anordnung, bestätigte die Vereinbarung in allgemeinen Zügen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="736" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/A_Fight_for_three_Days_between_two_English_East-India-Ships__four_Portugueze-Gallions__24_Frigats_cropped-1024x736.jpg" alt="" class="wp-image-8495" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/A_Fight_for_three_Days_between_two_English_East-India-Ships__four_Portugueze-Gallions__24_Frigats_cropped-1024x736.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/A_Fight_for_three_Days_between_two_English_East-India-Ships__four_Portugueze-Gallions__24_Frigats_cropped-300x216.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/A_Fight_for_three_Days_between_two_English_East-India-Ships__four_Portugueze-Gallions__24_Frigats_cropped-768x552.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/A_Fight_for_three_Days_between_two_English_East-India-Ships__four_Portugueze-Gallions__24_Frigats_cropped-1536x1104.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/A_Fight_for_three_Days_between_two_English_East-India-Ships__four_Portugueze-Gallions__24_Frigats_cropped-2048x1472.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/A_Fight_for_three_Days_between_two_English_East-India-Ships__four_Portugueze-Gallions__24_Frigats_cropped.jpg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schlacht bei Suvali, Gemälde von William Rayner, 1738</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Was eine Faktorei war</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Surat entstand eine englische <em>factory</em>, auf Deutsch Faktorei. Der Begriff bezeichnete keine Produktionsstätte. Gemeint war eine Handelsniederlassung, in der die Faktoren der Company arbeiteten und Waren lagerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Engländer bezogen gemietete Räume. Sie kauften indische Produkte, führten Geschäftsbücher und organisierten den Transport zur Küste. Ihre Zahl blieb gering.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lokale Vermittler waren für den Handel unverzichtbar. Sie kannten Preise und Qualitätsunterschiede, vermittelten Kredite und stellten Kontakte zu Produzenten her. Ohne ihre Unterstützung konnten die englischen Faktoren kaum Waren beschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Niederlassung unterstand weiterhin der Aufsicht mogulischer Beamter. Sie entschieden über Zölle und Unterkünfte sowie über die Bewegungsfreiheit der Händler. Die Company erhielt damit einen Handelsplatz innerhalb des Mogulreiches.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein wirklicher Botschafter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die bisherigen Unterhändler waren Angestellte einer Kaufmannsgesellschaft gewesen. Am Mogulhof minderte dieser Status ihr Ansehen. Die Company bat deshalb König Jakob I., einen offiziell akkreditierten Botschafter zu entsenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl fiel auf Thomas Roe. Die Gesellschaft bezahlte seine Mission, doch er trat als Vertreter des englischen Königs auf. Dadurch sollte er am Hof einen höheren Rang erhalten als gewöhnliche Kaufleute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roe erreichte Surat 1615. Nach seiner Reise ins Landesinnere stand er Anfang 1616 in Ajmer vor Jahangir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kaiser hielt sich damals mit seinem Hof in Ajmer auf und zog später weiter. Roe musste dem Herrscher folgen, wenn er seine Anliegen persönlich vorbringen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Botschafter hoffte auf einen umfassenden Vertrag. Dieser sollte der Company verbindliche Handelsrechte im gesamten Mogulreich sichern und die Entscheidungen örtlicher Beamter begrenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mogulhof vergab jedoch nur konkrete Privilegien, meist durch <em>farmans</em>. Roe musste deshalb über jede Bestimmung gesondert verhandeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Geschenke und Rang</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diplomatie am Mogulhof beruhte stark auf sichtbarem Rang und dem Austausch von Geschenken. Für Roe war es wichtig, als Vertreter eines Königs behandelt zu werden. Jahangir erwartete seinerseits außergewöhnliche europäische Waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Engländer brachten Gemälde und Glasarbeiten mit. Einige Geschenke weckten die Neugier des Kaisers, andere wirkten neben den Kostbarkeiten des Mogulhofes bescheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roe störte sich an den ständigen Erwartungen von Höflingen und Beamten. Er deutete den Austausch häufig als Bestechung. Innerhalb des Mogulreiches gehörten Geschenke jedoch zur politischen Kommunikation. Sie stellten Beziehungen her und machten Rangunterschiede sichtbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Botschafter musste sich an diese Umgebung anpassen, ohne den Anspruch aufzugeben, einen eigenständigen Herrscher zu vertreten. Sein Auftreten verschaffte ihm Aufmerksamkeit, beseitigte die politischen Hindernisse aber nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahangir betrachtete die Engländer als nützliche Händler und mögliche Partner gegen portugiesischen Druck.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vereinbarungen von 1618</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="246" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/SirThomasRoe-246x300.jpg" alt="" class="wp-image-8497" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/SirThomasRoe-246x300.jpg 246w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/SirThomasRoe.jpg 410w" sizes="(max-width: 246px) 100vw, 246px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sir Thomas Roe, 1640</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Später hieß es oft, Roe habe einen großen Vertrag erlangt, der der Company dauerhafte Handelsrechte für ganz Indien sicherte. Das überhöht den Erfolg seiner Mission.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1618 verbesserten Anordnungen Jahangirs und seines Sohnes Prinz Khurram, des späteren Kaisers Shah Jahan, die Position der Engländer. Besonders wichtig waren die Bestimmungen für Surat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Company durfte dort eine Unterkunft für ihre Händler mieten. Die Behörden sollten ihre Geschäfte schützen und sie bei portugiesischen Angriffen unterstützen. Englische Kaufleute erhielten außerdem gewisse Freiheiten bei der Regelung interner Streitfälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Zusagen machten Surat zu einer stabileren Basis. Die territoriale Herrschaft und die Rechtsprechung über die indische Bevölkerung blieben in der Hand des Mogulreiches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roe hatte eine bestehende Handelsbeziehung auf festeren Boden gestellt. Eine Eroberung lag noch in weiter Ferne.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Silber gegen indische Waren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Company bestanden fort. Weil englische Waren kaum Absatz fanden, mussten die Schiffe für größere Einkäufe vor allem Silber mitbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem Edelmetall erwarben die Faktoren Baumwollstoffe aus Gujarat. Auch Indigo wurde zu einer wichtigen Ware. Ein Teil der Produkte ging nach Europa, andere Ladungen waren für Märkte am Persischen Golf oder in Südostasien bestimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit wurde Indien mehr als eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Gewürzinseln. Der Subkontinent entwickelte sich zu einem eigenständigen Schwerpunkt des englischen Asienhandels.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gewinne entstanden innerhalb bereits bestehender Handelsnetze. Indische Kaufleute kontrollierten große Teile des Kapitals und des regionalen Warentransports. Die Company musste sich darin einfügen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Handel ohne Landkrieg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Roe warnte die Company vor territorialen Abenteuern. Festungen und Landkriege würden hohe Kosten verursachen und mögliche Gewinne aufzehren. Die Portugiesen und Niederländer galten ihm als Beispiele für eine kostspielige Verbindung von Handel und militärischer Expansion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er empfahl, die Stärke der Engländer auf See zu nutzen und an Land möglichst friedlich Handel zu treiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den damaligen Bedingungen war dieser Rat vernünftig. Die Company konnte einzelne portugiesische Flotten herausfordern. Gegen die Armeen des Mogulreiches besaß sie keine vergleichbare Macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Händler waren auf den Schutz indischer Herrscher angewiesen. Auch die Versorgung ihrer Niederlassungen hing von örtlichen Märkten und Arbeitskräften ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die spätere Entwicklung zum Territorialreich war 1619 keineswegs vorgezeichnet. Sie setzte politische Krisen voraus, die erst viele Jahrzehnte später entstanden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein geduldeter Gast</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1619 verließ Thomas Roe Indien. Surat blieb bis 1687 das westindische Hauptquartier der Company. Dann verlegte sie den Verwaltungssitz nach Bombay.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die englische Präsenz entstand über Jahre durch die königliche Charter, die Schiffe der Company und zähe Verhandlungen. Auch Gewalt auf See gehörte zu ihrer Strategie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahangir und Prinz Khurram blieben die entscheidenden politischen Autoritäten. Sie duldeten die Engländer, weil deren Handel Einnahmen versprach und ihre Flotte ein Gegengewicht zu Portugal bot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Sicht des Kaiserhofes war die Company einer von mehreren ausländischen Handelspartnern. Ihre Faktoren lebten in gemieteten Räumen und unterstanden mogulischen Beamten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1619 war die East India Company in Indien angekommen. Herrscherin war sie dort noch lange nicht.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roy, T. (2016): <em><a href="https://link.amazon/B0dKwJB46">The East India Company</a></em>.*.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Judd, D. (2004): <em><a href="https://link.amazon/B0i4dGq8h">The Lion and the Tiger: The Rise and Fall of the British Raj, 1600–1947</a></em>.*</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rothermund, D. (2018): <a href="https://link.amazon/B09ozNDAG">Geschichte Indiens: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Jahangir empfängt Roe, um 1616.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Bilder gemeinfrei.</p>
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		<title>Vasco da Gama vor Kalikut – Die portugiesische Ankunft von 1498</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/fruehe-neuzeit/vasco-da-gama-vor-kalikut-die-portugiesische-ankunft-von-1498/">Vasco da Gama vor Kalikut – Die portugiesische Ankunft von 1498</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 20. Mai 1498 erschienen vor der südwestindischen Küste mehrere fremde Segel. Drei kleine portugiesische Schiffe näherten sich Kalikut, einem der wichtigsten Handelsplätze an der Malabarküste. Ihr Befehlshaber Vasco da Gama hatte Lissabon mehr als 10 Monate zuvor verlassen. Seine Besatzung hatte den Atlantik durchquert und das Kap der Guten Hoffnung umrundet. Anschließend waren die Schiffe der ostafrikanischen Küste gefolgt. Von Malindi aus hatte ein erfahrener Lotse sie über den Indischen Ozean geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Portugiesen endete vor Kalikut eine Reise in eine weitgehend unbekannte Welt. Die Menschen an der Malabarküste sahen dagegen lediglich eine weitere Gruppe ausländischer Händler eintreffen. In ihrem Hafen begegneten sich seit Langem Kaufleute aus unterschiedlichen Teilen des Indischen Ozeans. Arabische Schiffe brachten Waren aus dem Roten Meer, während Händler aus Gujarat und von der Koromandelküste eigene Handelsnetze unterhielten. Über Malakka reichten die Verbindungen bis nach Südostasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vasco da Gama hatte Indien erreicht. Entdeckt hatte er es nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Seeweg um Afrika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reise von 1497 und 1498 bildete den vorläufigen Höhepunkt einer portugiesischen Expansion, die fast ein Jahrhundert zuvor begonnen hatte. 1415 eroberte König João I. die nordafrikanische Hafenstadt Ceuta. Portugiesische Seefahrer erreichten anschließend Madeira und die Azoren. Sie drangen entlang der westafrikanischen Küste nach Süden vor und bauten einen Handel mit Gold und versklavten Menschen auf.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Map_of_Portuguese_Carreira_da_India-1024x580.gif" alt="" class="wp-image-8081" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Map_of_Portuguese_Carreira_da_India-1024x580.gif 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Map_of_Portuguese_Carreira_da_India-300x170.gif 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Map_of_Portuguese_Carreira_da_India-766x434.gif 766w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Krone spielte dabei eine entscheidende Rolle. Sie vergab Handelsrechte, finanzierte Expeditionen und stellte die neuen Unternehmungen unter ihren Schutz. Kaufleute beteiligten sich mit Kapital und Schiffen. Adlige fanden in den Feldzügen und Entdeckungsreisen neue Möglichkeiten, Ämter oder Einkünfte zu gewinnen. Religiöse Vorstellungen verbanden sich eng mit diesen Interessen. Portugiesische Herrscher sahen ihre Expansion weiterhin im Zusammenhang mit dem Kampf gegen muslimische Mächte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1488 umsegelte Bartolomeu Dias die Südspitze Afrikas. Damit stand fest, dass der Atlantik mit dem Indischen Ozean verbunden war. Der weitere Weg blieb jedoch anspruchsvoll. Die portugiesischen Navigatoren mussten Windverhältnisse verstehen und sichere Ankerplätze entlang der ostafrikanischen Küste finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vasco da Gama verließ Lissabon im Juli 1497. Seine Flotte bestand aus drei eigentlichen Expeditionsschiffen und einem Versorgungsschiff. Statt der afrikanischen Küste eng zu folgen, führte er die Schiffe zunächst weit nach Westen in den Atlantik. Dort nutzte er Winde, die ihn anschließend in einem großen Bogen nach Südosten trugen. Diese Route verkürzte die Fahrt entlang der windarmen westafrikanischen Küste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Umrundung des Kaps folgte die Flotte der ostafrikanischen Küste. In Mosambik hielten die Bewohner die Portugiesen zunächst für Muslime. Sobald sie ihren Irrtum erkannten, schlug das Verhältnis in Misstrauen um. Auch in Mombasa fanden die Neuankömmlinge wenig Unterstützung. Erst der Herrscher von Malindi empfing sie freundlich und half ihnen bei der Überfahrt nach Indien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Hafen im Zentrum des Ozeanhandels</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kalikut verdankte seine Bedeutung dem Pfeffer aus dem Hinterland und seiner günstigen Lage. Der Herrscher der Stadt führte den Titel Samudri Raja, den die Portugiesen als Zamorin wiedergaben. Ein erheblicher Teil seiner Einkünfte stammte aus dem Handel. Daher hatte er ein Interesse daran, fremde Kaufleute anzuziehen und ihnen Schutz zu gewähren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Muslimische Händler nahmen in Kalikut eine wichtige Stellung ein. Sie verbanden die Malabarküste mit Aden und den ägyptischen Häfen am Roten Meer. Von dort gelangten Pfeffer und andere asiatische Waren nach Alexandria. Venezianische Kaufleute brachten sie anschließend auf die europäischen Märkte. Weitere Routen führten von Kalikut nach Gujarat oder ostwärts bis Malakka.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Handelsgeflecht beruhte auf eingespielten Verfahren. Kaufleute arbeiteten mit lokalen Vermittlern und zahlten Abgaben. Viele regelten ihre Geschäfte innerhalb eigener Gemeinschaften. Hinduistische Händler konnten Anteile an Ladungen besitzen, die muslimische Reeder transportierten. Küstenherrscher förderten den Verkehr durch sichere Häfen und günstige Bedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Politische Gewalt gehörte in dieser Handelswelt durchaus zum Alltag. Piraten bedrohten Schiffe, während örtliche Amtsträger mitunter willkürliche Gebühren verlangten. Zugleich verteidigten Kaufleute ihre Geschäftsbereiche gegen Konkurrenten. Eine Seemacht, die den gesamten Verkehr kontrollieren und fremde Schiffe zum Erwerb einer staatlichen Genehmigung zwingen wollte, hatte sich dort jedoch nicht etabliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Gama verstand die etablierten Regeln dieses Handels zunächst kaum. Bei seiner Ankunft begegneten ihm zwei aus Tunis stammende Muslime, die Kastilisch und Genuesisch sprachen. Die Portugiesen trafen damit auf Menschen, die ihnen sprachlich und kulturell überraschend vertraut waren. Schon dieses Zusammentreffen zeigte, wie eng Kalikut mit der Mittelmeerwelt verbunden war.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine schwierige Audienz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Da Gama wollte den Zamorin als Abgesandter König Manuels I. sprechen. Er hoffte auf Handelsrechte und auf ein Bündnis mit vermeintlichen indischen Christen. Die Portugiesen verfügten jedoch nur über ungenaue Kenntnisse der Religionen Indiens. Beim Besuch eines hinduistischen Tempels glaubten einige von ihnen, eine ihnen unbekannte Form des Christentums vor sich zu haben. Da Gama kehrte später nach Portugal zurück, ohne diesen Irrtum vollständig überwunden zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Begegnung mit dem Zamorin offenbarte die mangelnde Vorbereitung der Expedition. Da Gama überreichte Textilien sowie einige kleinere Gegenstände, die am portugiesischen Hof als annehmbare Geschenke erscheinen mochten. In Kalikut wirkten sie ärmlich. Kaufleute aus dem Indischen Ozean brachten Silber und hochwertige Handelswaren in die Stadt. Die Gaben der Portugiesen entsprachen nach Ansicht der Hofbeamten eher dem Auftreten eines unbedeutenden Händlers als dem Gesandten eines mächtigen Königs.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="823" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-1024x823.png" alt="" class="wp-image-8080" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-1024x823.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-300x241.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-768x617.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-1536x1235.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute.png 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Vasco de Gama vor dem Zamorin, Gemälde von Veloso Salgado, 1898</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Hinter diesem Missverständnis standen unterschiedliche Erwartungen. Da Gama wollte als königlicher Botschafter behandelt werden und verlangte besondere Handelsbedingungen. Der Zamorin sah keinen Anlass, die unbekannten Besucher gegenüber den bereits ansässigen Kaufleuten zu bevorzugen. Er war grundsätzlich bereit, die Portugiesen handeln zu lassen. Dafür mussten sie allerdings Waren anbieten, für die sich Käufer fanden, und die üblichen Abgaben entrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade daran scheiterte die Expedition. Die Portugiesen hatten nur wenige Güter mitgebracht, die auf dem indischen Markt gefragt waren. Europa bezog Pfeffer und andere asiatische Erzeugnisse, konnte dafür aber kaum gleichwertige Waren liefern. Für einen umfangreichen Handel benötigten die Portugiesen vor allem Edelmetall. Da Gamas Flotte war für die Suche nach dem Seeweg ausgerüstet, nicht für den dauerhaften Einkauf auf einem der größten Märkte Asiens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die muslimischen Fernhändler betrachteten die Neuankömmlinge unterdessen als mögliche Konkurrenten. Einige dürften zudem von den portugiesischen Angriffen auf Muslime an der afrikanischen Küste erfahren haben. Sie versuchten, den Zamorin vor den Fremden zu warnen. Dennoch entstand 1498 noch keine geschlossene Front gegen die Portugiesen. Die Spannungen ergaben sich ebenso aus da Gamas Forderungen und seinem Misstrauen gegenüber den örtlichen Amtsträgern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Verhandlungen und wechselseitigen Beschuldigungen verließ die Flotte Kalikut. Da Gama hatte weder ein Handelsmonopol noch einen festen Stützpunkt gewonnen. Er nahm lediglich eine überschaubare Ladung Gewürze mit. Auch die Rückfahrt zeigte die Grenzen des Unternehmens. Die Portugiesen brachen zu einer ungünstigen Zeit zur Überquerung des Indischen Ozeans auf. Krankheiten und Erschöpfung dezimierten die Besatzung. Ein Schiff musste aufgegeben werden, weil nicht mehr genügend Männer vorhanden waren, um es zu führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine folgenreiche Entscheidung in Lissabon</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 1499 kehrte Vasco da Gama nach Portugal zurück. König Manuel empfing ihn als erfolgreichen Entdecker des Seewegs nach Indien. Für den Hof zählten weniger die begrenzten Geschäfte in Kalikut als die Möglichkeiten, die sich aus der Reise ergaben. Portugiesische Schiffe konnten den Indischen Ozean vom Atlantik aus erreichen. Damit ließ sich der Gewürzhandel über eine Route führen, die den Weg durch das Rote Meer und den östlichen Mittelmeerraum umging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Erfolg blieb zunächst vor allem portugiesisch und europäisch. Für Kalikut veränderte die Ankunft einiger kleiner Schiffe im Jahr 1498 wenig. Die Stadt blieb ein bedeutender Handelsplatz, und ihre Kaufleute verfügten weiterhin über weitreichende Verbindungen. Die Portugiesen stellten noch keine Macht dar, die dem Zamorin ihre Bedingungen aufzwingen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend war die Reaktion des portugiesischen Königs. Manuel behandelte die Reise nicht als einmaliges Handelsunternehmen. Bereits im März 1500 schickte er Pedro Álvares Cabral mit 13 Schiffen und mindestens 1.200 Männern nach Indien. Diese Flotte sollte umfangreiche Warenladungen nach Indien bringen. Eine dauerhafte Niederlassung sollte zugleich Portugals Stellung festigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit begann sich der Charakter der Begegnung zu verändern. Die Portugiesen wollten künftig nicht mehr nur an einem bestehenden Handel teilnehmen. Sie beanspruchten das Recht, Handelswege zu kontrollieren und Konkurrenten mit Gewalt auszuschließen. Aus den Schiffen einer Erkundungsreise entstand in wenigen Jahren eine bewaffnete Präsenz. Kalikut sollte als erste indische Stadt erfahren, was dieser Anspruch bedeutete.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pearson, M. N. (1988): <a href="https://amzn.to/4r7tbm7"><em>The Portuguese in India</em>.</a>* Untersuchung der portugiesischen Präsenz mit besonderem Blick auf die begrenzte Reichweite ihrer Herrschaft und die bereits bestehenden Strukturen des Indischen Ozeans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Subrahmanyam, S. (2012): <em><a href="https://amzn.to/3UL6vMd">The Portuguese Empire in Asia, 1500–1700</a>.* A Political and Economic History</em>. Grundlegende Darstellung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des portugiesischen Imperiums in Asien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Disney, A. R. (2009): <em><a href="https://amzn.to/46glxfu">A History of Portugal and the Portuguese Empire. Volume 2: The Portuguese Empire</a></em>.* Umfassende Geschichte der portugiesischen Expansion und ihrer unterschiedlichen Herrschaftsräume.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Vasco de Gama kommt in Kalikut an. Gemälde von Roque Gameiro, 1900.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: Wikimedia Commons, Walrasiad. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Der Sturz am Ganges &#8211; Humayuns verlorenes Erbe</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Aug 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Die prunkvolle Zeremonie in Agra war kaum verklungen, als der junge Herrscher am 30. Dezember 1530 den Thron seines Vaters Babur bestieg. Nasir ud din Muhammad Humayun übernahm ein Reich, das eher einer losen Kette von Eroberungen glich als einem stabilen Staat. Sein Vater hatte ihm auf dem Sterbebett eingeschärft, niemals gegen seine Brüder das Schwert zu erheben – ein Versprechen, das Humayun in den kommenden Jahren teuer zu stehen kommen sollte. Während er in der Hauptstadt die Verwaltung nach den vier Elementen und dem Lauf der Planeten ordnete, formierten sich an den Rändern des Reiches bereits jene Kräfte, die ihn bald in die Flucht treiben würden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Astrologie und Schlachtfeld</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Humayun war ein Mann der Gegensätze. Er galt als hochgebildet, interessiert an Naturwissenschaften und Poesie, doch seine Leidenschaft für Astrologie grenzte an Obsession. Politische Entscheidungen und militärische Aufbrüche machte er oft von der Konstellation der Sterne abhängig. Diese Zögerlichkeit nutzte ein fähiger afghanischer Edelmann namens Sher Khan, der sich in Bihar eine eigene Machtbasis schuf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1534 zog Humayun zunächst gegen das Sultanat von Gujarat. Obwohl er glänzende Siege errang und die Festungen von Mandu und Ahmadabad einnahm, offenbarte sich hier sein größtes Laster: der Hang zum Müßiggang. Statt die Eroberungen zu sichern, gab er sich monatelangen Festlichkeiten und dem Konsum von Opium hin. In dieser Zeit festigte Sher Khan seine Position im Osten so massiv, dass er bald zur existenziellen Bedrohung für die Mogulherrschaft wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Katastrophe von Chausa und der Weg ins Exil</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Mughal_Emperor_Humayun_Mughal_art_circa_1650-300x300.jpg" alt="" class="wp-image-7678" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Mughal_Emperor_Humayun_Mughal_art_circa_1650-300x300.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Mughal_Emperor_Humayun_Mughal_art_circa_1650-1024x1024.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Mughal_Emperor_Humayun_Mughal_art_circa_1650-150x150.jpg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Mughal_Emperor_Humayun_Mughal_art_circa_1650-768x768.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Mughal_Emperor_Humayun_Mughal_art_circa_1650-1536x1536.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Mughal_Emperor_Humayun_Mughal_art_circa_1650.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Humayun, Gemälde von ca. 1650</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt mit Sher Khan, der inzwischen den Titel Sher Shah angenommen hatte, erreichte 1539 seinen Tiefpunkt. Am Ufer des Ganges bei Chausa standen sich die Heere gegenüber. Humayun, durch den Monsun geschwächt und von seinen Brüdern im Stich gelassen, die lieber eigene Ambitionen in Agra verfolgten, ließ sich auf Verhandlungen ein. Es war eine Falle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen des 25. Juni 1539 überfielen die Truppen Sher Shahs das noch schlafende Lager der Moguln. In der panischen Flucht stürzte Humayun mit seinem Pferd in den reißenden Strom des Ganges und entkam dem Tod nur durch die Hilfe eines Wasserträgers. Ein Jahr später, nach einer weiteren vernichtenden Niederlage bei Kannauj, war der Traum vom indischen Großreich vorerst beendet. Humayun wurde zum Gejagten im eigenen Land.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe mein Königreich nicht durch die Stärke meines Feindes verloren, sondern durch die Zwietracht meiner Brüder.“ – Traditionell zugeschriebene Klage Humayuns während seiner Flucht.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden drei Jahre glichen einer Odyssee. Mit einer schrumpfenden Schar Getreuer irrte er durch die Wüsten von Rajasthan und Sindh. In dieser Zeit der Not, im Fort von Umarkot, wurde 1542 sein Sohn Akbar geboren – jener Junge, der später das Werk seines Vaters vollenden sollte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Persische Hilfe und die Rückkehr</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne Boden unter den Füßen suchte Humayun schließlich Zuflucht am Hofe der Safawiden. Schah Tahmasp I. empfing ihn in Persien mit allem zeremoniellen Glanz, stellte jedoch Bedingungen: Humayun sollte zum schiitischen Glauben konvertieren und die strategisch wichtige Stadt Kandahar an Persien abtreten. In dieser Zeit kamen die Moguln intensiv mit der persischen Kunst und Kultur in Kontakt, was die spätere Architektur und Malerei Indiens nachhaltig prägen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem persischen Heer im Rücken begann 1545 die mühsame Rückeroberung. Zuerst fielen Kandahar und Kabul. Erst als das von Sher Shah begründete Sur-Reich nach dessen Tod in interne Machtkämpfe verfiel, sah Humayun seine Chance für die Rückkehr nach Indien gekommen. 1555 marschierte er fast ohne Widerstand in Delhi ein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein jähes Ende in der Bibliothek</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die mühsam wiedergewonnene Herrschaft währte nur kurz. Humayun widmete sich in Delhi bereits wieder seinen wissenschaftlichen Studien und plante eine umfassende Verwaltungsreform. Am Abend des 24. Januar 1556 eilte er die steile Steintreppe seiner Bibliothek <em>Sher Mandal</em> hinunter, als er den Ruf des Muezzins zum Gebet hörte. Er wollte aus Ehrfurcht niederknien, verhedderte sich in seinem Gewand und stürzte schwer. Zwei Tage später erlag er seinen Verletzungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Vermächtnis blieb zunächst fragil. Doch durch die kulturelle Brücke nach Persien und die Rückeroberung des Kernlandes schuf er das Fundament, auf dem sein Sohn Akbar das glanzvollste Reich der indischen Geschichte errichten konnte. Sein Grabmal in Delhi, das erste monumentale Garten-Mausoleum der Moguln, zeugt bis heute von der ästhetischen Vision eines Herrschers, der zwischen den Sternen und dem Schlachtstaub seinen Platz suchte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Humayuns_tomb-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-7676" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Humayuns_tomb-1024x681.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Humayuns_tomb-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Humayuns_tomb-768x511.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Humayuns_tomb-1536x1022.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Humayuns_tomb.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Grabmal von Humayun</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<p class="wp-block-paragraph">Muzaffar Alam / Sanjay Subrahmanyam (2000):&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Mughal-State-1526-1750-Oxford-Readings/dp/0195652258?crid=18SH0ZLILS2GK&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7fl03xyHYAzVBEHHhRfvgTkLAPRR1o26Xm8zJRbPGPC8wxHHDkYXlMKwR-zzXtc431taLgFijPF9XmE2EYO9SwfvFy8Q3v3U61k_kKZltmGOW8tcF3CcUGE9cyhvBKsgGjitYsioXLWtlup0eZfmlraEMMS-CrsHtcmsJiqZ4lumNCz6qWl_5FJp0wgk16yPVdt8ClsXYgW13pULRrMCGlUJRczAsYCKMwGBQVu7cmM.J4NYJc4dwfP0s4usz9jlcB9EWrYIgDLIljLs0eIWc_E&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Subrahmanyam%3A+The+Mughal+State%2C+1526%E2%80%931750&amp;qid=1766139452&amp;sprefix=subrahmanyam+the+mughal+state+1526+1750%2Caps%2C148&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=28d9632b34703733bfab76ed219e1d79&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Mughal State, 1526–1750</a></em>.*</p>



<p class="wp-block-paragraph">John F. Richards (2010):&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Mughal-Empire-Cambridge-History-India/dp/0521566037?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.OaB5lOG_vhWFifPnBs8ffAmv4dNXoHi8GHK_pscLU5ni2sOdpD6tpjvWhHwWpGnNKgAnGO14dOrTGIjEbs4QCf7IXYMtoWIoZEDJ-OxkwyhRIBiQeMljwvfEGfP-BKMKyuaunGDquFbRe7SczQeQguTeblTprDBdWXnOGqsueyxVDvsPLOXuYKIYzr_qiuMeLYv8L8XC93lSvgCQx_z4EUrjvFLW7WinhFZCBFUGEhM.0qYaLf7TbVRRodMfY-KBQjjiK3rBEtTA6u5Tmy6Zxso&amp;qid=1766139526&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=b3e71808fa1bbe555dc9b9b6f6b7b132&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Mughal Empire</a></em>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Shah Tahmasp I. empfäng Humayun, 1544. Malerei von ca. 1647.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grabmal: Wikimedia Commons, Santosh namby. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/1.0/deed.de">CC BY-SA 1.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
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		<item>
		<title>Konflikte um Monopol und Gewalt – Die East India Company zwischen Asien und England 1680–1698</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frühe Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Handelskompanien]]></category>
		<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[East India Company]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als sich die East India Company gegen Ende des 17. Jahrhunderts ihrem hundertjähriges Bestehen näherte, stand sie vor einer doppelten Herausforderung. In Asien weitete sie ihre Handelsaktivitäten aus und geriet &#8230; </p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/East_India_Company_1680-1700.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich die East India Company gegen Ende des 17. Jahrhunderts ihrem hundertjähriges Bestehen näherte, stand sie vor einer doppelten Herausforderung. In Asien weitete sie ihre Handelsaktivitäten aus und geriet immer stärker in Konflikte mit lokalen Herrschern. In England wurde ihr Monopol infrage gestellt, und die Auseinandersetzungen um die Zukunft des Unternehmens erreichten das Parlament.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Jahre markieren eine Übergangszeit: Die Gesellschaft begann, den Einsatz von Gewalt in ihre Kalkulationen einzubeziehen, während sie zugleich um ihre rechtliche Existenz rang.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="897" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/B26055938E_-_Exactissima_Asia_delineatio-1024x897.jpg" alt="" class="wp-image-5100" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/B26055938E_-_Exactissima_Asia_delineatio-1024x897.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/B26055938E_-_Exactissima_Asia_delineatio-300x263.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/B26055938E_-_Exactissima_Asia_delineatio-768x673.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/B26055938E_-_Exactissima_Asia_delineatio-1536x1346.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/B26055938E_-_Exactissima_Asia_delineatio-2048x1795.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/B26055938E_-_Exactissima_Asia_delineatio-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte von Frederick de Wit, 1675</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Handelsräume in Asien</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1680er Jahren hatte die Company ein Netz von Faktoreien aufgebaut. Madras an der Koromandelküste und Bombay, das sie von der Krone als Besitz übernommen hatte, entwickelten sich zu zentralen Stützpunkten. Sie dienten dem Handel, boten aber auch Möglichkeiten zur Befestigung. Der Wettbewerb mit den Niederländern, die im Gewürzhandel dominierten, lenkte die Engländer stärker auf Textilien, Indigo und später Tee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem die Beziehungen zu den Mogulprovinzen Bengalen und Gujarat gewannen an Gewicht. Dort entstand ein bedeutender Markt für Baumwollstoffe, die in Europa hohe Gewinne versprachen. Gleichzeitig blieb die politische Lage unsicher. Streit um Zölle, Zollfreiheit und den Einsatz bewaffneter Begleitungen führte regelmäßig zu Spannungen mit den Behörden des Mogulreichs.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Einsatz von Gewalt</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="213" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Hugli_Battle-213x300.jpg" alt="" class="wp-image-5101" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Hugli_Battle-213x300.jpg 213w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Hugli_Battle.jpg 330w" sizes="auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schlacht von Hugli</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">1686 versuchte die Company, ihre Position mit Waffengewalt auszubauen. Schiffe griffen den Hafen von Hugli in Bengalen an, um Handelsprivilegien durchzusetzen. Der Angriff war schlecht vorbereitet und endete in einer Niederlage. Der Mogulhof reagierte mit Härte, ließ englische Faktoreien schließen und Händler verhaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Vorgehen machte deutlich, dass die Company bereit war, militärische Mittel einzusetzen, auch wenn die Ressourcen dafür kaum ausreichten. Der Schritt blieb riskant und zeigte die wachsende Durchlässigkeit zwischen Handel und Herrschaft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Streit in London</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Agenten in Asien um ihre Stellung kämpften, verschärfte sich in England die Kritik am Monopol. Kaufleute, die von den Gewinnen ausgeschlossen waren, forderten Zugang zum Handel. Nach der Glorious Revolution gewann das Parlament an Gewicht, und die Frage nach der Legitimation der Company wurde Teil breiterer wirtschaftspolitischer Diskussionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1698 beschloss das Parlament die Gründung einer zweiten Ostindischen Gesellschaft. Diese „New Company“ erhielt ebenfalls ein königliches Privileg. Investoren mussten sich nun entscheiden, welcher Gesellschaft sie ihr Kapital anvertrauten. Die alte Company verfügte über Strukturen und Erfahrung, war aber durch Rückschläge in Asien geschwächt. Die neue Gesellschaft versprach Aufbruch, musste jedoch erst Netzwerke aufbauen. Über mehrere Jahre existierten beide parallel, was die englische Präsenz in Asien schwächte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<ul class="wp-block-list">
<li>K. N. Chaudhuri (2000):&nbsp;<em><a href="https://www.amazon.de/English-East-India-Company-International/dp/0415190762?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=15WRJE2JQB3YG&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.Y_ySj825m2BimP41tRrgq4zGHULaWH7SZozNRHtOr0nGjHj071QN20LucGBJIEps.waj30eZMelbuDSdD8hS8hjhN0UmuBbjR7vglgCdolP0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Chaudhuri%3A+The+English+East+India+Company&amp;qid=1758608848&amp;sprefix=chaudhuri+the+english+east+india+company%2Caps%2C250&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=f5cf4c4b342d4b9b565e66fd1e291ac7&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">The English East India Company: The Study of an Early Joint-Stock Company 1600–1640</a></em>&nbsp;*</li>



<li>John Keay (1993):&nbsp;<a href="https://www.amazon.de/Honourable-Company-History-English-India/dp/0006380727?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=19SPVB2WU5M6H&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.iE6SPeKCEswSJao2cGJtCfOHeyUdrFDQMS-ggDyZp5aa1HTppFsLfGV6HMhLJv3h9HwY5rLvaRn0l0YimmHf7-4rv5nstodXJNHWjiLbVS0su1sW3HYJEMrHysIvdz9RFu34v0mR2tvMp42VOGdcJdgwxw4lhmexH_6thPsOauJXDYrZoZZ8xhDP7rjRI7KPnLB3Angq5J-zI54qRwIuGrUBBvLCAZODchH-va3F2Lo.nW8Hubpe6c0v4HohogAcg_pcsCB7SY0EWOMN_ZmJKiA&amp;dib_tag=se&amp;keywords=The+English+East+India+Company&amp;qid=1758608769&amp;sprefix=the+english+east+india+company%2Caps%2C256&amp;sr=8-2&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=26f604d1b2a5d31bf17315741628c267&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Honourable Company: A History of the English East India Company.</a>*</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Das englische Fort von Bombay, von Philip Baldaeus, 1672.<br>Karte: Wikimedia Commons, Danckerts, Theodore.<br>Schlacht von Hugli: Wikimedia Commons, Hugo Refachinho.<br>Alles weiteren Bilder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>Mahatma Gandhi &#8211; eine kurze Biografie</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/mahatma-gandhi-eine-kurze-biografie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Britisches Empire]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gujarat]]></category>
		<category><![CDATA[Indischer Nationalkongress]]></category>
		<category><![CDATA[Indischer Subkontinent]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Neu Delhi]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Porbandar]]></category>
		<category><![CDATA[Satyagraha]]></category>
		<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[Südasien]]></category>
		<category><![CDATA[Teilung Indiens]]></category>
		<category><![CDATA[Unabhängigkeitsbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Ziviler Ungehorsam]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kindheit und frühe Prägung Mohandas Karamchand Gandhi wurde 1869 in Porbandar im heutigen Bundesstaat Gujarat geboren. Seine Familie gehörte zur Händlerkaste (Bania) und war im Staatsdienst tätig. Der junge Gandhi &#8230; </p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Mahatma_Gandhi-1.mp3"></audio></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Kindheit und frühe Prägung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mohandas Karamchand Gandhi wurde 1869 in Porbandar im heutigen Bundesstaat Gujarat geboren. Seine Familie gehörte zur Händlerkaste (<em>Bania</em>) und war im Staatsdienst tätig. Der junge Gandhi wurde in traditionell-religiöser Atmosphäre erzogen, zeigte jedoch früh ein ausgeprägtes moralisches Empfinden. Mit 13 Jahren wurde er verheiratet, ein Umstand, den er später kritisch reflektierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1888 verließ er Indien, um in London Rechtswissenschaften zu studieren. In dieser Zeit näherte er sich westlichen Ideen von Rechtsstaatlichkeit und Sozialethik an, blieb aber religiös geprägt. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Gandhi kurz in Bombay, bevor er 1893 nach Südafrika ging, zunächst für einen juristischen Auftrag.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Südafrika: erste politische Erfahrungen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In Südafrika erlebte Gandhi die rechtliche und soziale Diskriminierung von Indern im britischen Empire unmittelbar. Er begann, sich gegen diese Ungleichbehandlung zu organisieren. Aus einzelnen Protesten entstand eine systematische Strategie des zivilen Ungehorsams (<em>satyagraha</em>), die auf Gewaltverzicht, moralische Selbstdisziplin und politisches Ausharren setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gandhi gründete mit Unterstützern die <em>Natal Indian Congress</em> und veröffentlichte Schriften, in denen er koloniale Rechtsbrüche und rassistische Strukturen dokumentierte. Die Erfahrung in Südafrika wurde zur Schule seines politischen Denkens.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rückkehr nach Indien und erster politischer Aufstieg</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="194" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_and_Kasturba_Gandhi_on_their_return_to_India_from_South_Africa_in_1915-194x300.jpg" alt="" class="wp-image-5125" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_and_Kasturba_Gandhi_on_their_return_to_India_from_South_Africa_in_1915-194x300.jpg 194w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_and_Kasturba_Gandhi_on_their_return_to_India_from_South_Africa_in_1915.jpg 388w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mahatma und Kasturba Gandhi bei der Rückkehr aus Südafrika, 1915</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">1915 kehrte Gandhi nach Indien zurück. Er verzichtete zunächst auf große Reden und führte stattdessen lokale Kampagnen durch, etwa für Bauern in Bihar oder gegen die diskriminierende Indigo-Produktion. Unterstützt von Gopal Krishna Gokhale, einem führenden Reformer des Indischen Nationalkongresses, baute er sich ein Netzwerk auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Massaker von <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/neuzeit/amritsar-1919/">Amritsar</a> und dem Rowlatt Act von 1919 rief Gandhi zum ersten Mal zu einem landesweiten <em>hartal</em> (Streiktag) auf. Ab diesem Zeitpunkt wurde er zur dominanten Figur der antikolonialen Bewegung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politik des gewaltlosen Widerstands</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="240" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931-240x300.jpg" alt="" class="wp-image-5126" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931-240x300.jpg 240w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931-821x1024.jpg 821w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931-768x958.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma-Gandhi_studio_1931.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gandhi, 1931</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Gandhis Strategie des Widerstands beruhte auf massenhafter Mobilisierung bei gleichzeitiger Vermeidung von Gewalt. Der <em>Salzmarsch</em> von 1930 gegen die britische Salzsteuer gilt als symbolischer Höhepunkt dieser Politik. Der Protest verband ein einfaches Alltagsgut mit der kolonialen Machtfrage und wurde international wahrgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zugleich traten Spannungen zutage: Während Gandhi zur Einheit aufrief, verschärften sich ethnisch-religiöse Konflikte. Das Verhältnis zum Muslimführer Muhammad Ali Jinnah blieb schwierig. Auch in der Kongresspartei stießen seine moralischen Vorgaben nicht immer auf Zustimmung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Späte Jahre und Teilung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich die Lage. Gandhi forderte 1942 den sofortigen Rückzug der Briten (<em>Quit India Movement</em>), wurde inhaftiert und verlor während dieser Zeit seine Frau Kasturba. Nach dem Krieg trat er gegen die geplante Teilung Indiens in ein hinduistisch geprägtes Indien und ein muslimisches Pakistan auf &#8211; erfolglos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1947 wurde die <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/teilung-und-gewalt-der-sommer-1947/">Unabhängigkeit Indiens</a> verkündet. Die Teilung führte zu Massengewalt, Zwangsmigration und mehr als einer Million Todesopfern. Gandhi reiste durch die Krisengebiete, um zu schlichten. Seine Appelle zur Versöhnung wurden nicht überall gehört.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ermordung und Nachwirkung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am 30. Januar 1948 wurde Gandhi in Neu-Delhi von Nathuram Godse, einem radikal-hinduistischen Aktivisten, erschossen. Godse warf Gandhi vor, muslimischen Interessen zu sehr entgegenzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gandhi wurde weltweit geehrt, sein politisches Konzept der Gewaltfreiheit blieb international einflussreich. In Indien aber ist seine Stellung ambivalent. Während der Staat ihn als „Vater der Nation“ verehrt, wurde er von Teilen der hindu-nationalistischen Bewegung abgelehnt. Die politische Instrumentalisierung seines Erbes hält bis heute an.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="472" height="354" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_Gandhi_5.jpg" alt="" class="wp-image-5127" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_Gandhi_5.jpg 472w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mahatma_Gandhi_5-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 472px) 100vw, 472px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mahatma Gandhi, irgendwann vor 1948</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mehr erfahren</strong></h3>



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<p class="wp-block-paragraph">Ilija Trojanow (Hrgs.)(2020): <a href="https://www.amazon.de/Mein-Leben-Geschichte-Experimente-Wahrheit/dp/3406757200?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2H3OKNPZ7U1R0&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.0Dx-6DMXnfb2e5lHRxNJMAa5hW3v_BW23qQHBgjjU9fpsgs9iMo1yXrbVQT9ri4TroET5Uw9QEC6ARgKhZOhWaAhVXn5s0M_GbZQtd10jICkUUb0qqzgMjQQqCnMdvs0Kn229e-A0ICfUxaY7m834JE2k8o8tiiwqeBsmxk91kSSYSRKl4n43sZ1vLf0pE6Uq6Vswwlc1rpOF6rSy-wyUAStEJE6PML8L0lkf9EBITY.Dj_TnPF0-VoUfuBmILeAGZdL6Vz7nc1uheEEP2yEJns&amp;dib_tag=se&amp;keywords=mahatma+gandhi+biografie&amp;qid=1758964470&amp;sprefix=mahatma+gandhi+biofraf%2Caps%2C358&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=76b8d6171d7847498ceaeb54c8444db8&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Mein Leben: oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Gandhi verlässt das Gefängnis in Kalkutta, 1938.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/mahatma-gandhi-eine-kurze-biografie/">Mahatma Gandhi &#8211; eine kurze Biografie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<item>
		<title>Ein Imperium mit System – Akbar als Reichsarchitekt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 May 2025 10:02:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frühe Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Mogulreich]]></category>
		<category><![CDATA[16. Jahrhundert]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im 16. Jahrhundert erreichte das Mogulreich unter Jalal-ud-din Muhammad Akbar eine neue politische Qualität. In einer Zeit, in der Europa tief gespalten war und Herrschaft häufig nur schwach institutionalisiert funktionierte, &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akbar.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im 16. Jahrhundert erreichte das Mogulreich unter Jalal-ud-din Muhammad Akbar eine neue politische Qualität. In einer Zeit, in der Europa tief gespalten war und Herrschaft häufig nur schwach institutionalisiert funktionierte, baute Akbar im Norden des indischen Subkontinents ein Imperium auf, das seinesgleichen suchte. Mit einer Bevölkerung von geschätzt hundert Millionen Menschen übertraf das Mogulreich das England Elisabeths I. (1533-1603) um das Zwanzigfache. </p>



<div style="display: flex; justify-content: center; margin: 2em 0;">
  <div style="border: 1px solid #bfd8b8; padding: 16px; background: #eef7ee; border-radius: 6px; max-width: 500px; font-family: system-ui, sans-serif; color: #2a4d2e;">
    <h3 style="margin-top: 0; font-size: 18px; text-align: center; color: #1e3921;">Bedeutende Herrscher des Mogulreichs</h3>
    <table style="width: 100%; border-collapse: collapse; font-size: 14px; color: #2a4d2e;">
      <thead>
        <tr>
          <th style="text-align: left; padding: 6px;">Name</th>
          <th style="text-align: left; padding: 6px;">Regierungszeit</th>
          <th style="text-align: left; padding: 6px;">Bedeutung</th>
        </tr>
      </thead>
      <tbody>
        <tr>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">
            <strong><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/beitraege/zwischen-schwert-und-feder-babur-der-gruender-der-moguldynastie/" target="_blank" style="color: #1e3921; text-decoration: underline;">Babur</a></strong>
          </td>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">1526–1530</td>
          <td style="padding: 6px;">Begründer des Reichs, Sieg bei Panipat, timuridischer Hintergrund</td>
        </tr>
        <tr>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;"><strong>Humayun</strong></td>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">1530–1540 / 1555–56</td>
          <td style="padding: 6px;">Verlor das Reich vorübergehend, Rückkehr kurz vor dem Tod</td>
        </tr>
        <tr>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">
            <strong><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/fruehe-neuzeit/ein-imperium-mit-system-akbar-als-reichsarchitekt/" target="_blank" style="color: #1e3921; text-decoration: underline;">Akbar</a></strong>
          </td>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">1556–1605</td>
          <td style="padding: 6px;">Reichseiniger, Verwaltung, religiöse Toleranz, Fatehpur Sikri</td>
        </tr>
        <tr>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;"><strong>Jahangir</strong></td>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">1605–1627</td>
          <td style="padding: 6px;">Festigung der Strukturen, Förderung von Kunst und Kultur</td>
        </tr>
        <tr>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;"><strong>Shah Jahan</strong></td>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">1628–1658</td>
          <td style="padding: 6px;">Erbauer des Taj Mahal, Höhe höfischer Kultur</td>
        </tr>
        <tr>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">
            <strong><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/fruehe-neuzeit/aurangzeb/" target="_blank" style="color: #1e3921; text-decoration: underline;">Aurangzeb</a></strong>
          </td>
          <td style="vertical-align: top; padding: 6px;">1658–1707</td>
          <td style="padding: 6px;">Größte Ausdehnung, religiöser Konservatismus, Beginn des Zerfalls</td>
        </tr>
      </tbody>
    </table>
    <p style="margin-top: 12px; font-size: 13px; color: #1e3921; text-align: center;">
      <em>Weitere Herrscher regierten nach Aurangzeb, meist unter stark eingeschränkter Macht.</em>
    </p>
  </div>
</div>



<h4 class="wp-block-heading">Von der Thronfolge zur Machtsicherung</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="241" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Mogulreich_Akbar-300x241.png" alt="" class="wp-image-2170" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Mogulreich_Akbar-300x241.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Mogulreich_Akbar.png 432w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Akbar übernahm 1556 als Jugendlicher die Nachfolge seines Vaters Humayun. Die politische Lage war zu diesem Zeitpunkt instabil, ein gegnerischer General stand kurz vor der Eroberung Delhis. Doch Akbars Regenten gewannen die entscheidende Schlacht bei Panipat. In den folgenden Jahrzehnten dehnte Akbar seine Kontrolle systematisch aus – über den Punjab, Gwalior, Ajmer und später auch Gujarat, Bengalen und große Teile des Dekkan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die frühen Jahre seiner Herrschaft standen unter der Vormundschaft Bayram Khans. Doch mit sechzehn setzte sich Akbar gegen seinen einflussreichen Mentor durch, zwang ihn zur Pilgerreise nach Mekka und festigte so die eigene Position. Als Bayram Khan unterwegs ermordet wurde, übernahm Akbar endgültig die alleinige Kontrolle. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch innerfamiliäre Rivalen schaltete er konsequent aus. Als sich sein Pflegebruder Adham Khan gegen ihn stellte, ließ Akbar ihn vom Balkon seiner Residenz werfen, zweimal. Der erste Sturz hatte nicht zum Tod geführt. Dieser Akt demonstrierte unmissverständlich, dass er keine Nebenmacht neben sich duldete.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Verwaltung statt Willkür</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="166" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akbar_receives_homage_from_the_Gujarat_nobles-166x300.jpg" alt="" class="wp-image-2174" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akbar_receives_homage_from_the_Gujarat_nobles-166x300.jpg 166w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akbar_receives_homage_from_the_Gujarat_nobles.jpg 515w" sizes="auto, (max-width: 166px) 100vw, 166px" /><figcaption class="wp-element-caption">Akbar vor Edelmännern aus Gujarat, 1572</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Akbars Herrschaft zeichnete sich nicht nur durch militärischen Erfolg aus. Er strukturierte das Reich neu und schuf mit dem sogenannten Mansabdar-System eine auf Leistung und Loyalität ausgerichtete Verwaltungselite. Die Mansabdare, militärisch-administrative Amtsträger mit festem Rang, wurden regelmäßig versetzt. Ihre Ämter waren nicht erblich. So verhinderte Akbar die Bildung regionaler Machtbasen, wie sie im spätmittelalterlichen Europa zum Problem geworden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Finanzierung dieses Systems basierte auf konsequenter Steuererhebung. Akbars Beamte ließen das Land systematisch vermessen. Die Steuerpflicht richtete sich nach einem zehnjährigen Ertragsdurchschnitt und den lokalen Marktpreisen. Ein Teil der Abgaben wurde in Geld eingefordert, was auch die Bauern zwang, sich vom reinen Eigenbedarf zu lösen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zentralismus mit Flexibilität</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Verwaltung beruhte nicht nur auf Systematik, sondern auch auf der persönlichen Machtstellung des Herrschers. Im Zentrum der Macht stand Akbar selbst. Er schaffte den Posten eines allmächtigen Premierministers ab und setzte stattdessen auf eine klare Ressortaufteilung mit vier gleichrangigen Ministern. Dieses System wurde auch auf Provinzebene übernommen, wobei die Gouverneure direkt dem Mogul unterstanden. Die Hauptstadt wechselte mehrfach – von Agra über Fatehpur Sikri nach Lahore und zurück – doch das Entscheidende war die Mobilität des Hofs: Akbar verbrachte über ein Drittel seiner Herrschaftszeit in einer Zeltstadt, die mit ihm durch das Reich zog. Der Machtkern blieb stets bei seiner Person.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Toleranz als Herrschaftsprinzip</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="175" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/AbulFazlPresentingAkbarnama-175x300.jpg" alt="" class="wp-image-2173" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/AbulFazlPresentingAkbarnama-175x300.jpg 175w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/AbulFazlPresentingAkbarnama-597x1024.jpg 597w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/AbulFazlPresentingAkbarnama-768x1318.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/AbulFazlPresentingAkbarnama-895x1536.jpg 895w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/AbulFazlPresentingAkbarnama-1193x2048.jpg 1193w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/AbulFazlPresentingAkbarnama-scaled.jpg 933w" sizes="auto, (max-width: 175px) 100vw, 175px" /><figcaption class="wp-element-caption">Abu &#8218;l-Fazi überreicht Akbar das Akbar-nāma, 1598</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Trotz dieser zentralisierten Macht verfolgte Akbar kein dogmatisches Regierungsideal. Ein wesentliches Element seiner Herrschaft war die religiöse Offenheit. Akbar strebte keine Islamisierung seines multiethnischen Reiches an. Vielmehr erlaubte er religiöse Vielfalt, ließ sich von verschiedenen theologischen Schulen beraten und initiierte interreligiöse Gespräche. Sein synkretisches Denken zeigte sich etwa im <em>Din-i Ilahi</em>, einem von ihm gegründeten philosophischen Orden, der Elemente verschiedener Glaubensrichtungen aufnahm, ohne Anspruch auf Massenverbreitung zu erheben. Diese Haltung stieß bei orthodoxen Muslimen auf Widerstand, unterstrich aber Akbars Bereitschaft zum religiösen Experiment. Die pragmatische Offenheit gegenüber lokalen Traditionen trug entscheidend zur inneren Stabilität seines Reiches bei.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bilanz einer Herrschaft</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Akbar der Große war kein bloßer Eroberer. Seine Stärke lag in der Fähigkeit, Macht zu organisieren. Er schuf ein System, das nicht auf Personalunion und dynastischem Zufall, sondern auf Planung und Integration beruhte. Damit durchbrach er das Muster der kurzlebigen Reiche seiner Vorfahren. Die von ihm eingeführten Verwaltungsstrukturen blieben noch über Generationen hinweg bestehen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20221030_132502-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-2172" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20221030_132502-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20221030_132502-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20221030_132502-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20221030_132502-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20221030_132502-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20221030_132502-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fatehpur Sikri, 2022</figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Muzaffar Alam / Sanjay Subrahmanyam (2000): <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Mughal-State-1526-1750-Oxford-Readings/dp/0195652258?crid=18SH0ZLILS2GK&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7fl03xyHYAzVBEHHhRfvgTkLAPRR1o26Xm8zJRbPGPC8wxHHDkYXlMKwR-zzXtc431taLgFijPF9XmE2EYO9SwfvFy8Q3v3U61k_kKZltmGOW8tcF3CcUGE9cyhvBKsgGjitYsioXLWtlup0eZfmlraEMMS-CrsHtcmsJiqZ4lumNCz6qWl_5FJp0wgk16yPVdt8ClsXYgW13pULRrMCGlUJRczAsYCKMwGBQVu7cmM.J4NYJc4dwfP0s4usz9jlcB9EWrYIgDLIljLs0eIWc_E&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Subrahmanyam%3A+The+Mughal+State%2C+1526%E2%80%931750&amp;qid=1766139452&amp;sprefix=subrahmanyam+the+mughal+state+1526+1750%2Caps%2C148&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=28d9632b34703733bfab76ed219e1d79&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Mughal State, 1526–1750</a></em>.*</p>



<p class="wp-block-paragraph">John F. Richards (2010): <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Mughal-Empire-Cambridge-History-India/dp/0521566037?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.OaB5lOG_vhWFifPnBs8ffAmv4dNXoHi8GHK_pscLU5ni2sOdpD6tpjvWhHwWpGnNKgAnGO14dOrTGIjEbs4QCf7IXYMtoWIoZEDJ-OxkwyhRIBiQeMljwvfEGfP-BKMKyuaunGDquFbRe7SczQeQguTeblTprDBdWXnOGqsueyxVDvsPLOXuYKIYzr_qiuMeLYv8L8XC93lSvgCQx_z4EUrjvFLW7WinhFZCBFUGEhM.0qYaLf7TbVRRodMfY-KBQjjiK3rBEtTA6u5Tmy6Zxso&amp;qid=1766139526&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=b3e71808fa1bbe555dc9b9b6f6b7b132&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Mughal Empire</a></em>.*</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Akbar trifft Guru Amar Das im Jahr 1567 oder 1569.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: Wikimedia Commons, Jungpionier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle anderen Bilder Public Domain oder eigene Aufnahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/fruehe-neuzeit/ein-imperium-mit-system-akbar-als-reichsarchitekt/">Ein Imperium mit System – Akbar als Reichsarchitekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Niedergang der indischen Textilindustrie</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/neuzeit/der-niedergang-der-indischen-textilindustrie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Mar 2025 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
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		<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit dem Aufstieg Indiens zu einer globalen Wirtschaftsmacht drängt sich die Frage auf, warum der bevölkerungsreiche Subkontinent in Südasien über mehr als ein Jahrhundert hinweg nur eine kleine Rolle in &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/neuzeit/der-niedergang-der-indischen-textilindustrie/">Der Niedergang der indischen Textilindustrie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Aufstieg Indiens zu einer globalen Wirtschaftsmacht drängt sich die Frage auf, warum der bevölkerungsreiche Subkontinent in Südasien über mehr als ein Jahrhundert hinweg nur eine kleine Rolle in der Weltökonomie gespielt hat.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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<p class="wp-block-paragraph">Der indische Politiker und Schriftsteller Shashi Tharoor sieht einen Grund in der britischen Kolonialzeit. Für ihn baut der Erfolg der Industriellen Revolution im Vereinigten Königreich auf der Zerstörung der indischen Textilindustrie auf. Die zeitliche Korrelation ist offensichtlich: Im frühen 18. Jahrhundert hatten die indischen Produkte einen Anteil von rund 25 Prozent am Welthandel. Während der Kolonialzeit fiel dieser Wert auf 2 Prozent, und Indien wurde durch die vielen europäischen Waren zu einem Netto-Importeur von Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Sichtweise hat eine lange Tradition. Schon Karl Marx erhob in seiner Schrift „Die britische Herrschaft in Indien“ den Vorwurf:</p>



<pre class="wp-block-verse">„Es war der britische Eindringling, der den indischen Handwebstuhl zerstörte und das Spinnrad zerbrach. England begann damit, dass es den indischen Kattun vom europäischen Markt verdrängte; dann führte es Maschinengarn nach Hindustan ein und überschwemmte schließlich das eigentliche Mutterland des Kattuns mit Kattunwaren.“</pre>



<p class="wp-block-paragraph">Doch diese eindeutige Schuldzuweisung wird von einigen modernen Historikern nicht geteilt. Tirthankar Roy weist darauf hin, dass der relative Niedergang nach prozentualen Anteilen am Welthandel nichts darüber aussagt, ob Indien einst reich war und nun arm ist. Es zeigt nur, dass die Produktivität im Westen sich vervielfacht hat. Er vermutet, dass das Narrativ der kolonialen Ausplünderungen attraktiv für die Medien sei, allerdings würde dabei eine falsche Logik angewandt und die vorhandenen Daten würden voreingenommen interpretiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was stimmt nun wirklich? In diesem Artikel werde ich dieser Frage anhand eines diachronen Abrisses nachgehen. Zunächst lenke ich den Blick auf die Textilindustrie in der vorkolonialen Phase. Anschließend skizziere ich kurz den Übergang von der Mogulzeit zur Kolonialherrschaft und schließlich zum unabhängigen Indien. Zum Abschluss untersuche ich, wie sich die Textilwirtschaft seit dem Jahr 1700 entwickelt hat.</p>



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    <title>Inhaltsübersicht</title>
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    <div class="toc-container">
        <h2>Inhalt</h2>
        <ul>
            <li><a href="#i2">Die Textilindustrie in der vorkolonialen Zeit</a></li>
            <li><a href="#i3">Ein Blick in die Geschichte: Moguln und Briten</a></li>
            <li><a href="#i4">Die Textilindustrie seit der Kolonialzeit</a></li>
            <li><a href="#i5">Fazit</a></li>
        </ul>
    </div>

</body>
</html>



<h3 class="wp-block-heading" id="i2">Die Textilindustrie in der vorkolonialen Zeit</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Produktion</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Textilherstellung war in Bezug auf Produktdifferenzierung, regionale Spezialisation und komplexen Produktionstechniken das am weitesten entwickelte Handwerk in Indien in der vorkolonialen Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch diese Aspekte garantieren keine stabile Industrie. Die Stärken und Schwächen der Textilbranche können nur durch einen Blick auf das Detail freigelegt werden. Dazu müssen die unterschiedlichen Teilnehmer des Produktionsprozesses betrachtet werden. Nicht nur ihre Funktion in der Industrie ist entscheidend, sondern auch ihre soziale und wirtschaftliche Lage. Langfristig kann ein Handwerk nur gedeihen, wenn es genügend Geld generieren kann, um den Beteiligten den Lebensunterhalt zu sichern.</p>


<div class="wp-block-image">
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</div>


<p class="wp-block-paragraph">Vor Beginn der kolonialen Phase scheint die wirtschaftliche Situation in der Textilindustrie stabil gewesen zu sein.  In älteren Berichten europäischen Reisenden aus dem 15. Jahrhundert wird zwar von ärmlich gekleideten und unterernährten Menschen berichtet, doch diese Beschreibungen sollten nicht zu vorschnellen Urteilen verleiten. Der Historiker Parthasarathi sieht dahinter eine vorübergehende Armut und verweist auf Forschung, die für das 18. Jahrhundert ein relativ gesichertes Auskommen ausmacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Situation der Arbeiter erfassen zu können, muss eine differenzierte Betrachtung erfolgen, denn durch Spezialisierung und Arbeitsteilung unterschied sich ihre Situation je nach Region und Tätigkeit. Diese beiden Faktoren hatten einen Einfluss auf den sozialen Status und die Höhe des Einkommens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach Ort gab es eine Spezialisierung auf bestimmte Zielgruppen, die Einfluss auf die eingesetzten Techniken, die genutzten Rohstoffe und auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Arbeiter hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der südostindischen Koromandelküste saßen die führenden Produzenten von günstigen Textilien, die entweder einfarbig waren oder ein gewebtes Muster besaßen. Oft waren diese Stoffe mit vegetarischen, kräftigen Farben gefärbt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="832" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1261px-Bay_of_Bengal_Coromandel_Coast_and_its_colonial_wars_c.1746-56-1024x832.jpg" alt="" class="wp-image-1567" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1261px-Bay_of_Bengal_Coromandel_Coast_and_its_colonial_wars_c.1746-56-1024x832.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1261px-Bay_of_Bengal_Coromandel_Coast_and_its_colonial_wars_c.1746-56-300x244.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1261px-Bay_of_Bengal_Coromandel_Coast_and_its_colonial_wars_c.1746-56-768x624.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1261px-Bay_of_Bengal_Coromandel_Coast_and_its_colonial_wars_c.1746-56.jpg 1261w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">In Bengalen wurde der Luxussektor abgedeckt. Hier gab es besonders edle Baumwolle, Seide und gemischte Stoffe. Daher waren hier produzierte Stoffe nicht für die lokale Bevölkerung, sondern vor allem für den Fernhandel bestimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gujarat, im nordwestlichen Indiens, deckte die ganze Palette ab: von einfachen Textilien bis hin zur Seide.</p>



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<p>Die Tätigkeiten bei der Herstellung von Stoffen lassen sich in drei Produktionsphasen aufteilen:</p>
<ul>
    <li><span class="production-phase spinning">Garnherstellung (Spinnen)</span></li>
    <li><span class="production-phase weaving">Herstellung von Kleidung (Weben)</span></li>
    <li><span class="production-phase finishing">Veredeln (Färben, Bemalen, Bedrucken, Verzieren)</span></li>
</ul>



<h5 class="wp-block-heading">Spinnen</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="266" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/otni-266x300.jpg" alt="" class="wp-image-1569" style="width:266px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/otni-266x300.jpg 266w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/otni-908x1024.jpg 908w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/otni-768x866.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/otni-1362x1536.jpg 1362w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/otni-1816x2048.jpg 1816w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/otni-scaled.jpg 1419w" sizes="auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Textile Gallery&#8220; im CSMVS in Mumbai, 2025.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Das Spinnen benötigte ein hohes Maß an Geschicklichkeit und wurde zumeist von Frauen unter 30 durchgeführt, denen die größte Fingerfertigkeit zugestanden wurde. Es wurden Spindeln genutzt, die im Vergleich zum Spinnrad ein feineres Garn hervorbrachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Garn aus dem bengalischen Dhaka hatte den Ruf besonders hochwertig zu sein. Hier wurde die Überlegenheit der Handarbeit gegenüber der maschinellen Produktion sichtbar: es war sowohl feiner als auch haltbarer als das Konkurrenzmaterial.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die soziale Stellung der Spinnerinnen war schwach. Sie waren nicht organisiert und daher den Marktentwicklungen ausgeliefert. Das galt sowohl beim Einkauf von Werkzeugen und Rohstoffen wie auch beim Verkauf des Garns – sie waren Preisnehmer und konnten, wenn überhaupt, ihre Produktionsmenge anpassen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Weben</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weber waren in einer anderen Situation. Hier arbeiteten in erster Linie Männer zusammen im Team. Es wurden bei vielen Techniken mindestens zwei Leute benötigt. Einer webte und der andere kümmerte sich um die anderen Tätigkeiten, wie beispielsweise das Vorbereiten der Fäden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Arbeitsaufwand unterschied sich stark. Gewöhnliche Stoffstücke wurden in einem Zeitraum von 10 bis 60 Tagen hergestellt. Die edelsten Materialien benötigten noch weit länger, bis zu sechs Monate für ein halbes Stück.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="658" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134629-1024x658.jpg" alt="" class="wp-image-1583" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134629-1024x658.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134629-300x193.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134629-768x494.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134629-1536x987.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134629-2048x1316.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134629-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeitsverhältnisse der Weber veränderten sich mit den verarbeiteten Rohstoffen. In Indien wurde vor allem Baumwolle zur Textilproduktion genutzt, doch in den kühleren Regionen, im Hochland oder im Gebirge, wurde daneben auch Wolle eingesetzt. Die Wolle wurde von Ziegen gewonnen, deren Hirten sowohl das Garn vorbereiten als auch das Weben übernahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mehrheit der Baumwollweber hingegen waren professionelle Weber, die allein mit dieser Tätigkeit ihren Lebensunterhalt verdienten. Diese Gruppe produzierte eine weite Bandbreite an unterschiedlichen Textilien, die sowohl für den lokalen Markt als auch für den Fernhandel bestimmt waren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="251" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134416-251x300.jpg" alt="" class="wp-image-1570" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134416-251x300.jpg 251w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134416-857x1024.jpg 857w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134416-768x917.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134416-1286x1536.jpg 1286w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134416-1714x2048.jpg 1714w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134416-scaled.jpg 1339w" sizes="auto, (max-width: 251px) 100vw, 251px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Weber gehörten bestimmten Kasten an. Die vier Hauptkasten (<em>Varna</em>) sind in Untergruppen gegliedert, die <em>Jatis</em> genannt werden. Die Weber in Südindien wurden zum Großteil vier <em>Jatis</em> zugeordnet: den <em>kaikolar</em>, <em>devanga</em>, <em>sale</em> und <em>seniyar</em>. Zwischen ihnen gab es kleine Unterschiede. Zwar waren alle hauptsächlich als Weber beschäftigt, doch die <em>kaikolar</em> waren auch Händler und Ackerbauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle Weber gehörten diesen Kasten an. Eine Ausnahme bildeten die manniwars, die zur untersten gesellschaftlichen Stufe, den Unberührbaren, gehörten. Trotz ihres niedrigen sozialen Status galten ihre Textilien als die besten in Baramahal, einer südindischen Gegend westlich der Koromandelküste.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="262" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_133559-262x300.jpg" alt="" class="wp-image-1588" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_133559-262x300.jpg 262w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_133559-895x1024.jpg 895w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_133559-768x878.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_133559-1343x1536.jpg 1343w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_133559-1790x2048.jpg 1790w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_133559.jpg 1399w" sizes="auto, (max-width: 262px) 100vw, 262px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Weber nutzen verschiedene Techniken, um unterschiedliche Stoffe zu erstellen. Beispielsweise wurden mit Gewichtswebstühlen Teppiche hergestellt und mit Zugwebstühlen gemusterte Stoffe. Doch die überwiegende Zahl der Arbeiter in Südindien setzte den Grubenwebstuhl ein. Der Vorteil dieses Gerätes war seine Handlichkeit. Es war leicht und bestand nur aus wenigen Holzstücken. So konnte es leicht zusammen- und auseinandergebaut werden und ermöglichte damit einen mobilen Lebensstil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die soziale Ausgangslage der Weber war günstiger als die der Spinnerinnen. Sie arbeiteten in organisierten Verbänden zusammen und konnten Einfluss auf die Preise nehmen. Beispielsweise stieg der Kleidungspreis zwischen 1725 und 1732 aufgrund ihres Drucks um 50 Prozent. Zusätzlich waren sie in der Lage ihre Kosten zu senken, indem sie auf günstigeres Garn wechselten.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Färben</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Eine wichtige Eigenschaft der Textilien war ihre Farbe. Entweder wurde bereits vor dem Weben das Garn gefärbt oder hinterher Farben aufgemalt oder aufgedruckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 17. und 18. Jahrhundert konnten Farben noch nicht synthetisch hergestellt werden. In Indien gab es die Expertise auch komplizierte Prozesse zur Farbgewinnung anwenden zu können. Dazu wurden entweder Pflanzen, aber auch Insekten verarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blaue und grüne Farben wurden beispielsweise durch Indigo hergestellt. Da keine günstigeren Alternativen für Blau zu finden waren, wurden damit sowohl Produkte für den lokalen Markt als auch für den Fernhandel gefärbt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Terminalia_belerica_sprouting_young_leaves_in_Bannerghatta_NP_AJTJ_P1010459-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-1573" style="width:300px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Terminalia_belerica_sprouting_young_leaves_in_Bannerghatta_NP_AJTJ_P1010459-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Terminalia_belerica_sprouting_young_leaves_in_Bannerghatta_NP_AJTJ_P1010459-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Terminalia_belerica_sprouting_young_leaves_in_Bannerghatta_NP_AJTJ_P1010459.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Terminalia bellirica. Wikimedia Commons, A. J. T. Johnsingh, WWF-India and NCF.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">In Farbrezepten aus dem 18. Jahrhundert lässt sich für Purpur und tiefrote Farben der Einsatz von Myrobalanen finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bestimmte Regionen waren für ihre Spezialitäten bekannt. Beispielsweise galt die Chay-Wurzel, die an der nördlichen Koromandelküste wuchs, als die beste Wahl, um rote Farbe zu gewinnen. Die hiermit behandelten Textilien erfreuten sich im Westen eine große Beliebtheit, da die Europäer nicht in der Lage waren, ein ähnliches Rot zu reproduzieren. Dies lag nicht nur an den fehlenden Fertigkeiten, sondern auch an den fehlenden Ressourcen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Handel</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Kleidung und Stoffe decken ein Grundbedürfnis und werden daher überall auf der Welt benötigt. Die Bedingungen zur Herstellung unterscheiden sich von Land zu Land. Nicht überall gibt es Rohstoffe in gleicher Qualität und die technischen Fähigkeiten variieren. Indien konnte in der präkolonialen Phase einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Produzenten erarbeiten. In Südasien konnte sowohl hochwertig als auch günstig produziert werden. Die Fertigkeiten hätten vielleicht Unternehmen in anderen Teilen der Welt auch erwerben können, doch die Preise wären für die meisten unerreichbar gewesen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="239" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134314-239x300.jpg" alt="" class="wp-image-1579" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134314-239x300.jpg 239w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134314-816x1024.jpg 816w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134314-768x964.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134314-1224x1536.jpg 1224w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134314-1632x2048.jpg 1632w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134314.jpg 1275w" sizes="auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px" /><figcaption class="wp-element-caption">Indische Kleidungsstücke</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Daher eigneten sich dies indischen Waren gut für den Fernhandel. Bereits in der vorkolonialen Zeit wurden Textilien aus Indien weit über die Landesgrenzen hinaus gehandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein entscheidender Punkt für die starke Stellung der indischen Anbieter auf dem globalen Markt war, dass sie bereits früh über eine gut aufgestellte Industrie mit einem breiten Produktangebot verfügten. Bevor andere Produzenten durch die Industrielle Revolution zu einer ernsthaften Konkurrenz wurden, konnten indische Händler ihr Warensortiment anbieten und Netzwerke etablieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem 15. Jahrhundert lässt sich der globale Textilmarkt grob in zwei Zonen einteilen. Die eine reicht vom Horn von Afrika nach Südostasien und Japan. Sie wurde von indischen Baumwollprodukten dominiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zweite reichte von Europa nach Nord- und Südamerika. Die europäischen Waren wurden zumeist aus Wolle oder Kammgarngewebe hergestellt. Diese Materialien könnten der Grund sein, warum die europäische Ware nicht über Anatolien hinaus nach Asien verkauft werden konnten: im warmen Klima sind leichtere Stoffe angenehmer zu tragen. Ein weiterer Grund könnte die falsche Marketing-Strategie der Händler im Fernen Osten gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund konnte sich die indische Textilindustrie mit wenig Konkurrenz aus Europa entwickeln. Um 1700 produzierte Südasien ungefähr ein Viertel der weltweiten Textilien; der Anteil am globalen Handel ist noch höher einzuschätzen.</p>



<style>
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        color: #FFFFFF; /* Weißer Text für bessere Lesbarkeit */
    }

    /* Produktionsphasen */
    .spinning { background-color: #FF9933; } /* Safran */
    .weaving { background-color: #138808; } /* Grün */
    .finishing { background-color: #000080; } /* Dunkelblau */

    /* Handels-Kategorien */
    .regional { background-color: #FFD700; } /* Gold */
    .intraasian { background-color: #8B0000; } /* Dunkelrot */
    .globaltrade { background-color: #4682B4; } /* Stahlblau */
</style>



<p>Der Handel mit indischen Textilien kann in drei unterschiedliche Kategorien unterteilt werden:</p>
<ul>
    <li><span class="highlight regional">Regionaler Handel</span></li>
    <li><span class="highlight intraasian">Innerasiatischer Handel</span></li>
    <li><span class="highlight globaltrade">Fernhandel nach Europa und Afrika</span></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die Händler der verschiedenen Kategorien mussten sich auf unterschiedliche Kundenwünsche und Wettbewerbssituationen einstellen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="188" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134020-188x300.jpg" alt="" class="wp-image-1578" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134020-188x300.jpg 188w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134020-642x1024.jpg 642w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134020-768x1224.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134020-964x1536.jpg 964w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134020-1285x2048.jpg 1285w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20250218_134020-scaled.jpg 1004w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" /><figcaption class="wp-element-caption">Indische Kleidungsstücke</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im Gebiet des Indischen Ozeans waren die indischen Waren dominant. Das lag nicht nur an den günstigen Preisen, sondern auch an den Eigenschaften der Produkte, wie zum Beispiel an den kräftigen Farben. Die waren vor allem in Südostasien beliebt. Dort legte man viel Wert auf gute Kleidung. Besucher im 16. Jahrhundert berichteten überrascht, dass mehr Geld in Kleidung und Körperschmuck floss als in Häuser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch waren die Inder nicht in der Lage, die Konkurrenz komplett auszuschalten. Ab 1660 lässt sich in niederländischen Quellen ein Hinweis auf den Batik-Färbeprozess auf Java finden. Zum Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich, wahrscheinlich mithilfe von indischen Webern und chinesischen Händlern, eine javanische Textilindustrie, die in der Lage war, auf dem lokalen Markt, z. B. in Süd-Sumatra, indische Waren zu ersetzen. Bugi-Schiffe brachten die Waren sogar bis nach Kambodscha.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings waren diese Rückschläge für die Inder zu verkraften, der asiatische Markt war groß &#8211; nach Schätzungen wurde dort im Jahr 1820 59 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der vorkoloniale Handel innerhalb Asiens unterschied sich von der späteren Zeit. Britisch-Indien war geprägt von Monopolismus und Protektionismus. Schiffe luden in Indien Textilien, brachten sie beispielsweise nach Indonesien und nahmen dort Gewürze auf. Zuvor war der Handel kleinteiliger. Kaufleute handelten mit einem breiten Sortiment an Produkten im asiatischen Raum: mit Textilien, Aromen, Medizin Farben, Gewürzen, Lebensmitteln, Holz, Edelsteinen, Metallen, Ornamenten, Pflanzen und Tierprodukten. Durch eine solche Strategie konnten Händler ihr Risiko minimieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fernhandel nach Europa stieg zum Ende des 17. Jahrhunderts stark an. Die europäische Mode wandelte sich und Stoffe aus indischer Baumwolle und Seide wurden hochbegehrt. Auch die Aristokratie kleidete sich mit indischen Textilien und sogar die englische Königin wurde als Kundin vermeldet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch darf die Wichtigkeit dieses Handels für die indische Textilindustrie nicht überschätzt werden. Für die Zeit um 1750 wird der Anteil aller Exporte von Indien nach Europa auf einen Wert von 0,9 bis 3,8 Prozent am Bruttoinlandsprodukt geschätzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Region, die am meisten vom Europa-Handel profitierte, war Bengalen, das auf Luxusprodukte spezialisiert war. Zur Wende zum 18. Jahrhundert stammten 40 Prozent der von Engländern und Niederländern transportierten Waren von dort.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="i3">Ein Blick in die Geschichte: <strong>Moguln und Briten</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im 16. Jahrhundert veränderten einschneidende Ereignisse das politische und sozioökonomische Leben in Indien. Zum einen war da das Eintreffen der Europäer auf dem Subkontinent. Scheiterte Columbus noch mit seiner Suche nach einem Seeweg nach Indien, so waren die Portugiesen über die Ost-Route erfolgreicher, indem sie das Horn von Afrika umsegelten. 1510 eroberten sie Goa, das als Basis der Kolonie Estado da India diente.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch diese Verbindung mit den Portugiesen wurde Indien stärker in das globale Handelsnetzwerk einbezogen als die Großreiche des Vorderen Orients. Aufgrund des Handels mit den Europäern gelangte spanisches Silber in das Land, das ein Fundament der Steuererhebung in der nachfolgenden Zeit bildete und damit Anteil daran hatte, dass eine stärkere Zentralisierung der Reichsverwaltung möglich wurde.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="232" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Babur-232x300.jpg" alt="" class="wp-image-1580" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Babur-232x300.jpg 232w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Babur.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px" /><figcaption class="wp-element-caption">Babur</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Dies kam dem Mogulreich zugute. Es wurde im Jahr 1526 von dem Heerführer <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/beitraege/zwischen-schwert-und-feder-babur-der-gruender-der-moguldynastie/">Babur </a>(1483-1530) begründet, nachdem dieser einen militärischen Sieg über das Delhi-Sultanat erringen konnte und damit die Vormachtstellung in Nordindien übernahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Babur stammte aus Samarkand und führte seine Herkunft auf Timur und Dschingis Kahn zurück. Daher übernahm er einige Traditionen der Mongolen. Unter anderem wurde die Herrschaft nach den timuridischen Erbfolgegesetzen weitergereicht, die besagten, dass alle Söhne des Herrschers gleichberechtigtes Anrecht auf die Nachfolge hatten. Der älteste Sohn war bestenfalls ein primus inter pares und musste in der Lage sein, sich mit Gewalt gegen seine Konkurrenten durchzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Regelung führte zu regelmäßigen Machtkämpfen, die häufig schon vor dem Tod des Vaters ausbrachen. Besonders langwierig war der Kampf um den Thron zu Zeiten Aurangzebs. Er musste sich in einem zweijährigen Bruderkrieg durchsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch diese Kämpfe wurde gewährleistet, dass nur starke Herrscher den Thron bestiegen, doch wurde dadurch die Reichsverwaltung &#8211; zumindest vorübergehend &#8211; geschwächt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Akbar (1542-1605), der beinahe 50 Jahre regierte, breitete sich das Mogulreich stark aus. Im Norden kontrollierte er das gesamte Gebiet von Südafghanistan bis nach Bengalen, dazu Teile Zentralindiens. Durch erfolgreiche Verwaltungsreformen florierte die Wirtschaft und die Städte des Reiches erlebten einen Aufschwung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2022/12/image.png" alt="" class="wp-image-188805"/><figcaption class="wp-element-caption">Mogulreich unter Aurangzeb, 1707 (Wikimedia Commons)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Akbar zeichnete sich durch religiöse Toleranz aus. Er akzeptierte die Hindus und ihre Institutionen und integrierte ihre Fürsten in den Herrschaftsapparat. Im Gegensatz zu dem Delhi-Sultanat, das ebenfalls weite Teile Indiens vereinte, wirkte das Mogulreich unter Akbar nicht wie eine Fremdherrschaft, sondern wie ein gesamtindisches Reich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem kriegerischen Herrscher Aurangzeb (1658-1707) konnte das Mogulreich seine größte Ausdehnung erreichen. Beinahe der gesamte Subkontinent stand unter seinem Einfluss, mit Ausnahme vom südlichen Zipfel und Sri Lanka.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings war das Reich weniger geeint als in den vorigen Zeiten. Aurangzeb war ein Anhänger des orthodoxen Islams und ließ sogar seine Brüder Dara Shokoh und Murad als Häretiker hinrichten, da sie den Hindus gegenüber zu aufgeschlossen waren. Da ein Großteil der Bevölkerung dem hinduistischen Glauben angehörte, verlor der Mogul ihre Unterstützung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder hatte Aurangzeb mit Aufständen zu kämpfen. Besonders die nicht enden wollenden Kämpfe gegen die Marathen wurden zu einem Problem. Die gut organisierten Marathen-Fürsten bauten ihre Macht besonders in den ländlichen Gegenden des Dekkan aus und Aurangzeb musste von Festung zu Festung ziehen, um Rebellionen niederzuschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dieser Zeit begann bereits die englische Ostindienkompanie (EIC) in Indien Fuß zu fassen. 1619 richteten sie sich in Surat ein, das eine Zeit lang die wichtigste britische Basis im Lande war. Einige Jahrzehnte später, im Jahr 1661, gründeten sie zwei befestigte Niederlassungen in Madras und Bombay, sowie eine dritte im Jahr 1690 in Kalkutta. Diese Orte sollten das Fundament für die britische Kolonialisierung Indiens werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den Briten waren auch andere europäische Mächte in Südasien aktiv: die Portugiesen hielten Goa, Daman und Diu, die Franzosen Pondicherry, Mahé, Chanernagore, Yanaon und Karikal. Doch aufgrund ihrer starken Seestreitmacht waren die Briten in der Lage, ihre Interessen durchzusetzen. Während des 18. Jahrhunderts kämpften sie drei Mal gegen die Franzosen, die nur bis 1750 gegenhalten konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Ereignis änderte die Verhältnisse in Indien langfristig. Zwischen den Nawab und der Ostindienkompanie brach ein Konflikt aus, der zu der Schlacht bei Plassey im Jahr 1757 führte, durch die sich die Briten die Vormachtstellung in Bengalen sicherten. Bengalen war die reichste Provinz des Mogulreiches. Anschließend begann die Ostindienkompanie den indischen Subkontinent Stück für Stück zu übernehmen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="996" height="620" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Plassey_1757-1.jpg" alt="" class="wp-image-1582" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Plassey_1757-1.jpg 996w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Plassey_1757-1-300x187.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Plassey_1757-1-768x478.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 996px) 100vw, 996px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hardy, E. Stuart, &#8222;Plassey, 1757&#8220;, Malerei von 1935.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die EIC war keine einfache, private Handelsgesellschaft, sondern handelte wie eine staatliche Institution. Sie unterhielt Soldaten und setzte Steuern fest. Ein Teil der Einnahmen musste an die britische Regierung abgeführt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1784 wurde sie schließlich unter die Aufsicht einer staatlichen, britischen Kontrollbehörde gestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Außen trat die Ostindienkompanie robust und erfolgreich auf. Sie konnte ihre indischen Geschäfte kontrollieren und die anderen Europäer zurückdrängen. Im Inneren gab es aber Probleme in der Verwaltung. Besonders die Korruption, die unter den Offiziellen grassierte, war schlecht einzudämmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Briten waren regelmäßig in Kriege und Konflikte verwickelt und vergrößerten ihr Territorium. 1818 führten sie siegreich den 3. Marathen-Krieg, von 1824 bis 1826 den 1. Burma-Krieg, von 1839 bis 1842 den 1. Afghanischen Krieg und 1843 wurde Sindh erobert. 1844 folgte eine Niederlage in der Provinz Gwalior. Doch die Gebietserweiterungen gingen trotz dieses Rückschlages weiter. Zwischen 1845 und 1849 wurden die beiden Sikh-Kriege geführt, die zur Annexion des Punjabs führten. Der 2. Burma-Krieg endete mit der Inbesitznahme des gesamten birmanischen Gebiets. Nagpur wurde 1853 eingenommen, Avadh und Ouhd im Jahr 1856.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Briten strebten nicht danach alle Provinzen zu erobern. Pragmatisch, ohne sinnlos Ressourcen zu verschwenden, wurden mit einigen regionalen Herrschern Abkommen geschlossen, die den Einheimischen formal Autonomie beließen, aber de facto mussten sie sich der EIC unterordnen. Diese Fürstentümer wurden als &#8222;princely states&#8220; bezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungefähr 70 Prozent des gesamten indischen Subkontinents standen 1856 unter direkter oder indirekter Kontrolle der Briten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2022/12/image-2.png" alt="" class="wp-image-188807"/><figcaption class="wp-element-caption">Britisch-Indien (Wikimedia Commons, Kmusser)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Europäer besaßen durch ihre fortschrittliche Militärtechnik einen großen Vorteil gegenüber den Indern. Dennoch benötigten sie einheimische Hilfstruppen, um das große Gebiet absichern zu können. Diese mit Musketen bewaffneten indischen Soldaten wurden Sepoy genannt, nach dem persischen Begriff für ‚Soldat‘.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige von diesen waren an dem nach ihnen benannten Sepoy-Aufstand beteiligt, der die politische Lage des Subkontinents änderte. Am 10. Mai 1857 begann eine Rebellion der indischen Söldner gegen die Briten. Der Auslöser war das Gerücht, dass Patronen mit Schweine- und Rinderfett behandelt wurden. Da die Geschosse vor der Benutzung aufgebissen werden mussten, war dies für gläubige Inder eine Missachtung ihrer Glaubensgrundsätze. Denn für Muslime gelten Schweine als unrein und für Hindus Kühe als heilig, beides wichtige Gründe, Kontakt zu diesen Tierfetten zu meiden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="604" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Sepoy_Mutiny_1857.png" alt="" class="wp-image-1584" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Sepoy_Mutiny_1857.png 900w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Sepoy_Mutiny_1857-300x201.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Sepoy_Mutiny_1857-768x515.png 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sepoy-Aufstand 1857, zeitgenössischer Holzstich.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings kann die Rebellion nicht nur auf diese eine Ursache geschoben werden. Es gab eine Vielzahl andere Gründe, warum die Soldaten Aufstande wagten: neben wirtschaftlichen und sozialen Gründen war es die Angst vor christlichen Missionierungsversuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rebellion breitete sich in weiten Teilen des Landes aus. Da ein Teil der britischen Regimenter aufgrund des Einsatzes in Persien nicht einsatzbereit war, waren wichtige strategische Ziele ungeschützt. Allerdings schlossen sich nicht alle Sepoy den Meuternden an. Viele von ihnen blieben den Europäern gegenüber loyal, gerade in den wichtigen Regionen. Das galt sowohl für die Truppen in Bombay und Madras, aber auch für drei Viertel der bengalischen Armee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fehlte ein einheitliches Ziel bei den Rebellen und durch Plündereien verloren sie an Beistand in der Bevölkerung. Die Europäer hingegen griffen hart durch und konnten den Aufstand beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In England hatte die Rebellion große Wellen geschlagen. Die britische Regierung sah die Ostindienkompanie in der Hauptverantwortung und nahm eine große Umstrukturierung vor. Durch den Government of India Act vom 2. August 1858 wurde Indien zur Kronkolonie und die EIC wurde zu einem reinen Handelsunternehmen zurückgestuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde der Posten des Staatssekretärs für Indien geschaffen, der die politische Verantwortung für die Kolonie trug und Mitglied im britischen Parlament war. Die letzte Entscheidungsgewalt lag damit in London. Vor Ort wurde ein Generalgouverneur eingesetzt, der von einem Exekutiv- und Legislativrat unterstützt wurde. Auf Provinzebene wurde ähnlich gearbeitet: die Provinzgouverneure wurden ebenfalls von Exekutiv- und Legislativräten unterstützt. Provinzen wurden in Distrikte unterteilt, die von Kommissaren geleitet wurden. Sie dienten oft als „Eintreiber“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ostindienkompanie hatte bereits Steuern ab 1765 eingetrieben, da das Mogulreich dazu nicht mehr in der Lage war. Die britische Regierung behielt dies bei und das Steuereintreiben gehörte zu den zentralen Punkten ihrer Indienpolitik. Allerdings fanden sich durchgehend Stimmen, die die Steuerlast kritisierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In die Wirtschaft griffen die Europäer nicht direkt ein, sie setzen auf private Unternehmen. Doch viele ihrer Handlungen beeinflussten die Ökonomie indirekt. So bauten sie ein modernes Eisenbahnnetz auf. 1910 besaß Indien das viertgrößte Streckennetz der Welt. Auch wenn der Truppentransport und der Handelsverkehr die Hauptgründe für den Bau dieser Infrastruktur waren, hatte dies eine Reihe weiterer sozio-ökonomischer Auswirkungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die britische Politik wurde von den indischen Zeitgenossen ambivalent aufgenommen. R. C. Dutt, der als einer der ersten Inder im Dienst des Imperial Civil Service stand, schrieb ein Buch zur Wirtschaftsgeschichte des Landes. Dort klagte er über die Briten, dass sie die indische Textilindustrie unterdrückten. Sie nutzen indische Rohstoffe, um in England maschinell Textilprodukte zu erstellen, um sie dann wieder in Asien zu verkaufen. Auf der positiven Seite vermerkte er die gewachsene innere Sicherheit und die Einheit des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1885 wurde der indische Nationalkongress gegründet. Diese Institution war ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit Indiens, doch in den ersten Jahren konnte von hier aus nur wenig Einfluss ausgeübt werden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1931_Flag_of_India.svg_-300x200.png" alt="" class="wp-image-1509" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1931_Flag_of_India.svg_-300x200.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1931_Flag_of_India.svg_-1024x683.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1931_Flag_of_India.svg_-768x512.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1931_Flag_of_India.svg_.png 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Flagge, die ab 1931 von der provisorischen Regierung des Freien Indiens genutzt wurde. In der modernen Flagge ist das Spinnrad symbolisiert.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Mit dem 20. Jahrhundert wurde der indische Nationalismus stärker. Unterschiedliche Interessensgruppen kämpften für die Unabhängigkeit. Dazu gehörten Gandhi und seine Anhänger und die Muslim League. Regelmäßig gab es gewaltsame Zusammenstöße zwischen Indern und der Kolonialmacht. Beispielsweise als Reaktion auf die Teilung Bengalens im Jahr 1905 oder 1919 beim Amritsar-Massaker, bei dem 400 Inder ihr Leben verloren und mehr als 1000 verwundet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Government of India Act wurde 1935 die Unabhängigkeit in Aussicht gestellt, doch erst nach dem 2. Weltkrieg wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Am 15. August 1947 übergaben die Briten die Macht an die lokalen Politiker. Zwei neue Staaten entstanden: Indien und Pakistan, das aus den muslimischen Regionen im Nordwesten und Nordosten Indiens bestand. Ostpakistan erkämpfte sich 1971 gegen Westpakistan die Unabhängigkeit und benannte sich in Bangladesch um.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="i4"><strong>Die Textilindustrie seit der Kolonialzeit</strong></h3>



<h4 class="wp-block-heading">Gesamtwirtschaftliche Entwicklung</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor der Frage nachgegangen werden kann, was der Grund für den Niedergang der Textilindustrie gewesen sein könnte, muss zuerst geklärt werden, ob es den Niedergang überhaupt gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesamtwirtschaftlich gesehen scheint die Lage klar: vor dem Eintreffen der Briten war der Anteil der Inder an der globalen industriellen Produktion ähnlich hoch wie der der Europäer und nach ihrem Abzug 1947 ist der Anteil auf einen Bruchteil des vorigen Wertes geschrumpft. Besonders die nationalistischen Inder ziehen diese Entwicklung heran und führen sie auf schädigende Eingriffe der Briten zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Aussagen sind sehr allgemein gehalten und werden von vielen Wirtschaftshistorikern nicht geteilt. Anhand des konkreten Beispiels der Textindustrie zeigt sich, dass im Detail die Analyse kompliziert ist. Denn was ist genau unter Niedergang zu verstehen? Wie kann man ihn messen? Ist der Rückgang der produzierten Waren in absoluten Zahlen ausschlaggebend? Oder die Anzahl der Webstühle oder Arbeiter? Oder der umgesetzte Warenwert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt, dass die Entwicklungen je nach Teilbereich, Zeit und Region unterschiedlich verlaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das ganze Bild der Entwicklung der indischen Textilindustrie zeichnen zu können, sollen zunächst allgemeine Einflüsse und Entwicklungen betrachtet werden. Anschließend folgt der Blick auf das Detail, auf die Veränderungen bei den unterschiedlichen Tätigkeiten der Textilproduktion.</p>



<style>
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        color: #FFFFFF; /* Weißer Text für besseren Kontrast */
    }
    /* Perioden der Industrialisierung */
    .highphase { background-color: #138808; } /* Grün – Blütezeit */
    .rapiddecline { background-color: #FF9933; } /* Safran – starker Umbruch */
    .slowdecline { background-color: #8B0000; } /* Dunkelrot – langsamer Verfall */
    .reindustrialization { background-color: #000080; } /* Dunkelblau – Stabilisierung */
</style>

<p>Um für die Analyse einen groben zeitlichen Rahmen zu stecken, soll hier die Periodisierung nach David Clingingsmith verwendet werden. Er unterteilt die Zeit von 1700 bis 1913 in vier unterschiedliche Phasen der indischen Industrialisierung:</p>

<ul>
    <li><span class="highlight highphase">1700 bis 1760: die Hochphase der indischen Textilindustrie</span></li>
    <li><span class="highlight rapiddecline">1760 bis 1810: die Phase des rapiden Abstiegs</span></li>
    <li><span class="highlight slowdecline">1810 bis 1860: eine Phase des langsamen Niedergangs</span></li>
    <li><span class="highlight reindustrialization">1860 bis 1913: langsame Re-Industrialisierung</span></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Hier muss angemerkt werden, dass sich die Historiker bei dieser Einteilung nicht einig sind. Einige sehen beispielsweise einen Abstieg über vier Jahrhunderte hinweg. Doch die meisten sehen eine florierende Industrie in der frühen Neuzeit, besonders in der Zeitspanne von 1600 bis 1750, und eine Phase des Abstiegs im späteren 18. und 19. Jahrhundert. An dieser Stelle wurde das Clingingsmith-Modell gewählt, da es gut zu den wichtigsten Indikatoren der Textilindustrie passt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgreich für die indische Textilindustrie gewertet werden konnte, waren bereits die ersten Probleme zu spüren. Das Mogulreich war im Zerfallen begriffen und durch die gewalttätigen Auseinandersetzungen der neuen Mächte wurden die ökonomischen Abläufe gestört. Viele Spinnerinnen und Weber benötigten Geldvorschüsse, um Rohmaterialien erwerben zu können. Durch Kriege und Konflikte wurde dieses Zahlungssystem gestört. Es kam auch zu direkten Zerstörungen: beispielsweise beim Einfall der Marathen in Bengalen in den 1740er wurden gezielt Webstühle vernichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründe für die Deindustrialisierung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts sind vielfältig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab Veränderungen außerhalb des menschlichen Einflussbereichs, wie die stärkeren Auswirkungen von El Niño, der die Wassertemperatur vor Indien erhöhte und damit den Regenfall in der Monsunzeit beeinflusste. Die Folge war, dass es in Südasien häufiger Dürren gab, die Gesellschaft und Ökonomie zerrütteten. In der Phase von 1650 bis 1774 war die Anzahl der Düren mit 22 für indische Verhältnisse sehr niedrig. Von 1775 bis 1899 waren es dagegen 39.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesen Zeiten trafen Dürren Menschen hart. Viele starben und teilweise wurden Dörfer entvölkert. Zusätzlich erschwerte der steigende Nahrungsmittelpreis das Leben der Menschen und hatte Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft, da die Arbeiter mehr Geld benötigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Briten unternahmen wenig, um die Bevölkerung vor den Auswirkungen der Dürren zu schützen, obwohl der wachsende Welthandel und der wissenschaftliche Fortschritt Möglichkeiten geboten hätten. Der Historiker Tirthankar Roy sieht dahinter aber keine böse Absicht, sondern die schwache staatliche Verwaltung, die nicht in der Lage war, ärmere ländliche Gebiete vor derartigen Katastrophen zu schützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wetterphänomene bedeuteten Härten für die Einwohner Südasiens. Doch es waren zeitlich und regional begrenzte Katastrophen. Daher lässt sich bei der Bevölkerung Indiens ein langfristiger Wachstumstrend aufzeigen. Beim Eintreffen der Ostindienkompanie waren es ca. 135 Millionen Einwohner, 1700 ca. 163 Millionen und 1820 ca. 209 Millionen. Anschließend folgte eine Phase mit stärkeren Wachstum, sodass nach dem Abzug der britischen Kolonialverwaltung im Jahr 1950 ca. 350 Millionen Menschen im Land lebten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2022/12/image-5.png" alt="" class="wp-image-188810"/><figcaption class="wp-element-caption">Entwicklung der indischen Bevölkerung</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Eine größere Bevölkerung bedeutet ein größeres wirtschaftliches Potenzial. Das ist zwar nicht gleichzusetzen mit tatsächlicher wachsender Wirtschaftskraft, doch bietet es Chancen, da der lokale Markt für viele Waren wächst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Beispiel der Textilindustrie lässt sich das ebenfalls sehen: in der schlechtesten Phase lag der Gesamtkonsum an Baumwollkleidung bei 5,1 sqare yard pro Kopf (1 yd² ≈ 0,84 m²) und 1840 bei 5,7 yd². Anschließend stieg der Wert stark an: 1860 waren es 8,0 yd² pro Kopf, 1900 10,9 yd², 1920 13,5 yd² und 1940 15,2².&nbsp; Der Absatz verändert sich vor allem aufgrund der Preise. Wenn Produktions- und Transport-Kosten günstig sind, können günstige Endprodukte angeboten werden und die Kunden können sich viel leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese konkreten Zahlen zeigen, dass sowohl Bevölkerungswachstum als auch individueller Konsum eine wichtige Rolle für die langfristige Entwicklung des Marktes darstellten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in das späte 18. Jahrhundert: Ein weiteres Problem war mit den Briten verbunden. Es gab einen großen finanziellen Abfluss von Indien nach Europa. Indien exportierte in den Westen, ohne allerdings äquivalente Importgüter zu erhalten. In der Zeit von 1784 bis 1782 betrug die Bilanz 1.014.000 Pfund, 1782 bis 1792 waren es 477.000 Pfund und von 1808 bis 1815 nur noch 77.000 Pfund.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="202" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1280px-20151111_Industriemuseum_Chemnitz_004-300x202.jpg" alt="" class="wp-image-1586" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1280px-20151111_Industriemuseum_Chemnitz_004-300x202.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1280px-20151111_Industriemuseum_Chemnitz_004-768x516.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/1280px-20151111_Industriemuseum_Chemnitz_004.jpg 876w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Spinning Jenny, erfunden um 1764 im Industriemuseum Chemnitz.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Mit den Erfolgen der Industriellen Revolution in England änderte sich die Situation weiter und Indien stand anderen Problemen gegenüber: der Deindustrialisierung-durch-Globalisierung-Hypothese zur Folge verursachte die schnell wachsende Produktivität in Europas Manufakturen und Fabriken einen Preisverfall bei den Waren. Hersteller, die nicht konkurrenzfähig waren, verschwanden vom Markt. Die indische Textilindustrie war durch diese Vorgänge unterschiedlich stark betroffen. Das wird später erläutert, wenn auf die einzelnen Produktionsabschnitte eingegangen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erholung in der vierten Phase lässt sich unter anderem durch die besseren klimatischen Bedingungen und technische Änderungen erklären. Die Inder setzten vermehrt auf moderne Technik und konnten dadurch den Vorsprung der Europäer verringern.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Produktion</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Weiteren Aufschluss bringt eine Detailbetrachtung. Ein Blick auf die unterschiedlichen Bereiche der Textilproduktion bringt ein klareres Bild über die Lage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im ersten Teil der Arbeit wurde der Produktionsprozess in die drei Teilaspekte Garnherstellung, Kleidungsherstellung und Veredelung unterteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In allen diesen Bereichen standen die indischen Hersteller mit Produzenten aus aller Welt in Konkurrenz. Aufgrund der britischen Kolonialherrschaft waren die Inder nicht in der Lage, ihre Wirtschaft mit protektionistischen Mitteln zu schützen. Denn die Konkurrenz waren hauptsächlich die Kolonialherren selbst, die dementsprechend offene Märkte bevorzugten. Für die indische Industrie bedeutete das, wenn Waren nicht über den Preis oder die Qualität bestehen konnten, verschwanden sie vom Markt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Garnherstellung konnten die indischen Spinnerinnen mit den europäischen Preisen des maschinell erstellten Garns nicht mithalten. Sie hatten ein niedriges Einkommen und waren beim Rohstoffeinkauf Preisnehmer, sodass es kaum Sparmöglichkeiten gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weber, die wenig Geld ausgeben wollten, kauften das günstige britische Material.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings war das europäische Material nicht überall in Indien gleich gut verfügbar. Weber in Industriezentren, nahe von Seehäfen oder Handelsstraßen, konnten maschinell erstelltes Garn in ausreichenden Maß kaufen, doch auf dem Lande nutzten die Produzenten weiter die einheimischen Produkte. Für besonders hochwertige Kleidung blieb indisches Garn aufgrund seiner Qualität ebenfalls einsetzbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 19. Jahrhundert entstanden in Indien ebenfalls Baumwollspinnereien, die mit Maschinen arbeiteten und das traditionelle Gewerbe verdrängten. Die erste Fabrik eröffnete 1817 oder 1818 in Kalkutta. 1880 gab es 58 Fabriken in Indien, die 40.000 Arbeiter beschäftigten und 1914 bereits 271 Anlagen mit 260.000 Beschäftigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach und nach wurde die traditionelle Spinnerin verdrängt. Sogar das hochwertige handgemachte Garn aus Dhaka kam unter Druck und bis zum späten 19. Jahrhundert stellten alle einheimischen Weber auf importiertes Garn um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Indien verlor ein traditionelles Handwerk. Im Gegenzug konnte es aber eine große Baumwollspinnerei-Industrie aufbauen, die in der Zeit von 1860 bis 1930 die viertgrößte im weltweiten Vergleich war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bereich der Färberei gab es durch die Entdeckung synthetischer Farben ebenfalls eine Transformation. Ab dem letzten Quartal des 19. Jahrhunderts wurden die chemisch hergestellten Färbemittel in Europa eingesetzt und versetzten damit die Kleidungsproduzenten in die Lage, wettbewerbsfähige Waren in Massenproduktion herzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Indien wurden die synthetischen Farben ebenfalls genutzt und stellte die einheimische Industrie vor Probleme. Das alte Wissen über die Anwendung von Farben, einst eine große Stärke der Inder, wurde zum Großteil irrelevant. Dafür wurde neues Know-how benötigt, dass erst aufgebaut werden musste. Agenten der Farbhersteller reisten durch das Land, um durch Demonstrationen die Arbeiter zu schulen, doch der Erfolg blieb begrenzt, da gerade kleine Anwender wenig Interesse an den Schulungen hatten. Dadurch gab es einen Verfall an Qualität im Bereich der Färberei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weber hatten verschiedene Optionen, um diesen Qualitätsverlust entgegenzuwirken. Sie konnten bereits rot gefärbtes Garn aus den Spinnereien erhalten, sie konnten den Fokus auf Webmuster anstatt auf Farben legen oder sie konnten weiterhin natürliche Farben nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur Spinnen und Färben wurden mit der Zeit automatisiert, auch kleinere Tätigkeiten rund um die Textilverarbeitung veränderten sich. Das Baumwollpflücken, das Reinigen des Materials, das Schären von Kettfäden, der Transport – alle diese Arbeiten wandelten sich.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20221028_143758-1-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-1590" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20221028_143758-1-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20221028_143758-1-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/IMG_20221028_143758-1.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Beim Weben war die Situation ein wenig anders. Mit den elektrischen Webstühlen entstand eine starke Konkurrenz, doch Teile des traditionellen Handwerks konnten überlebten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die strukturellen Änderungen durch die Ostindienkompanie schränkten die Handelsmöglichkeiten der Weber ein. In Südindien litten sie unter weniger Möglichkeiten beim Aushandeln von Preisen. Für Westindien fehlen diese Daten, aber da dort eine größere Autonomie herrschte, sollten die Einschränkungen geringer gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Textilindustrie folgt diesem generellen Trend der Wirtschaft. Nach einer schnellen und einer langsamen Phase des Abstiegs wurde der Umschwung geschafft. Besonders am Anfang des 20. Jahrhundert konnte die Produktion gesteigert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Grund dafür waren der Anstieg der lokalen Nachfrage und der Rückgang der importierten Textilien ab 1900. Innerhalb von 40 Jahren reduzierte sich der Import von Kleidung von 2005 Mio. yd² auf 579 Mio. yd².</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund wandelnder Kundenwünsche änderte sich die indische Textilindustrie weiter. Während in vorigen Zeiten Stoffe gekauft und vom lokalen Schneider angepasst wurden, waren die Kunden nun bereit Konfektionsware zu konsumieren. Die traditionelle Variante verschwand nicht schnell und nicht komplett. Sogar heute ist es noch möglich, die traditionellen Stoffe zu erwerben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfektionsware konnte einfach von modernen Webmaschinen Webmaschinen&nbsp;(engl. „power looms“) erstellt werden und das gute Eisenbahnnetz und die Urbanisation verringerten die Kosten für Arbeitsmigration. Große Fabriken wurden dadurch begünstigt. Die ländlichen Familienbetriebe der vergangenen Zeit waren nicht in der Lage, die technische Ausstattung zu erwerben, die eine moderne Produktion ermöglichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Handelszentren entstanden. Beispielsweise die Industrie in Varanasi wuchs extrem in den Jahren von 1881 bis 1961. Die Anzahl der Weber verfünffachte sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Ende der Kolonialzeit erreichte die Produktionsmenge an Baumwollkleidungsstücken Rekordzahlen. 1939 wurden 426 Millionen Pfund in Garn oder äquivalenten Material verarbeitet. Damit wurde das Ergebnis von 1901 mehr als verdoppelt. Allerdings war dies nicht auf mehr Webstühle oder Arbeiter zurückzuführen, sondern auf die höhere Produktivität. Die Zahl an Webstühle nahm ungefähr um 10 Prozent auf 2 Millionen ab. Die Anzahl der Beschäftigten der Textilindustrie ist für 1939 nicht erfasst, doch bereits 1932 sank die Zahl von 3,3 Millionen auf 2.1 Millionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Regional gab es starke Verschiebungen. In Bengalen verringerte sich die Anzahl der Webstühle in den letzten Jahrzehnten der Kolonialzeit. Der Fokus lag hier beinahe komplett auf Handarbeit. Ganz im Gegensatz dazu war die Entwicklung im Großraum Bombay und Südindien. Dort nahmen sowohl Handarbeit wie auch maschinelle Fertigung stark zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Abzug der Briten, im Jahre 1948, fanden sich noch viele Handwebstühle in Indien. Im Stadtgebiet Bombay standen neben 100 Webmaschinen noch 1000 Handwebstühle. In Malegaon, Bhiwandi und Surat, die als Hauptorte der Webmaschinen-Produktion zählten, waren jeweils mindestens 2.000 Handwebstühle vorhanden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="222" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Gandhi_spinning_1929-300x222.jpg" alt="" class="wp-image-1552" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Gandhi_spinning_1929-300x222.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Gandhi_spinning_1929.jpg 480w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gandhi am Spinnrad, 1929.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im unabhängigen Indian sollte Handarbeit wieder gestärkt werden. Dies war im Geiste Gandhis, der jeden dazu animierte, nur handgewobene Kleidung zu tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1950 wurde eine neue Verordnung zur Textilproduktion erlassen, die traditionelle Herstellungsverfahren stärken sollte. Die Ausweitung der Kapazitäten der Baumwollspinnereien wurde unterbunden, bestimmte Produkte durften nur noch in Handarbeit hergestellt werden und Webmaschinen waren nur bis zu einer bestimmten Kapazität erlaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich wurde staatliches Geld in die traditionellen Hersteller investiert. Bei einem Zensus im Jahr 1987/88 wurden beinahe 4 Millionen Handwebstühle gemeldet, mehr als in den 1930er Jahren. Aber diese Zahlen sind nicht glaubwürdig. Wahrscheinlich ist, dass hier betrogen wurde, um Gelder zu erhalten oder um Webmaschinen als Handwebstühle zu tarnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1982/83 kam es zu weiteren großen Veränderungen. Durch den Textil-Streik in Bombay mit Fabrikschließungen und eine Serie von Insolvenzen in Ahmedabad, Kanpur und Madras nahm die Anzahl der Baumwollspinnereien schlagartig ab. Von dieser Änderung profitierten die Webmaschinen-Fabriken, die Arbeiten übernahmen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Handel</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Schaut man auf die absoluten Zahlen, dann sieht die Entwicklung der indischen Industrie wenig dramatisch aus. Wenn man jedoch auf ihren Anteil an der Weltproduktion blickt, scheint Indien im Vergleich zu den Europäern den Anschluss verloren zu haben. Allerdings ist dieses Verhältnis eine Folge des Aufstiegs der Industriestaaten und nicht des Niedergangs der indischen Industrie.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2022/12/image-4.png" alt="" class="wp-image-188809"/></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die indische Textilindustrie bediente in erster Linie den einheimischen Markt und konnte, im Zeitalter des rasant wachsenden Welthandels, seinen Textilexport im Fernhandel nicht in den Maßen wie die europäischen Konkurrenten steigern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das lässt sich beispielsweise an den von Singapur aus verschifften Waren erkennen. Von hier wurden die Waren nach Malaysia, Siam und Cochinchina gesandt. Ursprünglich wurde dieser Markt von den Indern dominiert, doch im 19. Jahrhundert wurden sie von den Europäern, allen voran von den Briten, weit überholt. 1828/29 wurden in Singapur Waren im Gesamtwert von 861.286 Spanischen Dollar registriert. Davon waren es indische Waren im Wert von 616.510 Spanische Dollar. In den nachfolgenden Jahren vervielfältigte sich der Warenumsatz in Singapur. 1865/66 konnte ein Gesamtwert von 4.123.195 spanischen Dollar vermeldet werden. Davon waren nur noch 107.660 Spanische Dollar auf indische Textilien zurückzuführen. 97,4 % des Gesamtumsatzes wurden durch die Europäer abgewickelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="i5"><strong>Fazit</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 17. Jahrhundert erlebte Indien mehrere politische Umwälzungen und technische Revolutionen. Die indischen Nationalisten konnten den Niedergang der Textilindustrie für ihre Zwecke nutzen, da sie sich auf eine einfache Vorher/Nachher-Betrachtung fokussierten. Schaut man genauer auf die Datenlage, wird das Bild komplizierter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Besitznahme Bengalens durch die englische Ostindienkompanie gehörte die indische Kleidungsindustrie zu den führenden in der Welt, doch die ersten Probleme waren aufgrund der politischen Zustände im Mogulstaat deutlich geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verwaltung durch die EIC und später durch die britische Regierung brachten sowohl positive als auch negative Aspekte mit sich. Sie verfolgten eigene Interessen im Land und schädigten es beispielsweise durch den Warenabfluss in Richtung Europa. Zu den positiven Einflüssen gehörte, dass durch den Aufbau der Infrastruktur, wie dem Bau der Eisenbahnstrecken, die Modernisierung der Industrie erleichtert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne die britische Fremdherrschaft wäre das Instrumentarium zum Schutz der indischen Wirtschaft größer gewesen. Es hätten protektionistische Maßnahmen und Förderungen eingesetzt werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Zeit ihrer Herrschaft in Indien erlebte Britannien eine industrielle Revolution, die vor allem die Textilproduktion revolutionierte. Durch die hohen Produktionszahlen sank der Preis für Kleidung. Durch ihre Seemacht und die Kolonien waren die Briten in der Lage, diesen Vorteil in der Produktion strategisch auszunutzen und damit zum mit Abstand führenden Textilproduzenten zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die indischen Hersteller mussten Wege finden, ihre Industrie ebenfalls moderner aufzustellen. Bestimmte Teilbereiche der Textilindustrie fielen den Innovationen zum Opfer oder waren einem vollständigen Wandel unterwerfen. Das Spinnen wurde automatisiert und die traditionellen Färbetechniken, in denen Indien führend war, wurden nahezu vollständig durch den Gebrauch von synthetischer Farbe ersetzt. Dadurch büßte die Kleidung ein Alleinstellungsmerkmal ein, das beispielsweise in Indonesien beliebt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem im 18. und 19. Jahrhundert lange Phasen des Niedergangs die Kleidungshersteller hart trafen, wurde ungefähr ab dem Jahr 1900 der Umschwung geschafft und die Produktion stieg steil an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erholung vollzog sich vor allem aufgrund des florierenden lokalen Marktes. Im Fernhandel, ob in Asien oder weltweit, konnten sich die Inder nicht durchsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Ende der Kolonialzeit verfügte Indien über eine Industrie, die sowohl aus modernen Webmaschinen bestand, die Massenware herstellen konnte, als auch über eine große Zahl an Handwebstühlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schaut man auf die absoluten Produktionszahlen hat die Textilindustrie im Verlaufe der britischen Besetzung an Stärke gewonnen. Doch relativ zur Weltproduktion gesehen, wurden die Inder von den Europäern abgehängt. Der Grund war der extreme Anstieg der westlichen Produktion, nicht der Abfall der indischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wäre die Entwicklung in Indien ohne die britische Herrschaft besser gewesen? &nbsp;Mit Sicherheit ist das nicht zu sagen. Die technische Adaption hätte mit einer indischen Regierung schneller sein können, allerdings zeigen die ersten Jahre der Unabhängigkeit, dass dies nicht zwangsläufig so hätte sein müssen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2022/12/IMG_20221028_143813.jpg" alt="" class="wp-image-188812"/><figcaption class="wp-element-caption">Traditionelles Weben 2022 am Barefoot College in Rajasthan.</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading"><strong>Literatur</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bandyopādhyāẏa, Śekhara (2014): From Plassey to partition. A history of modern India. New Delhi.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Barnes, Ruth (Hg.) (2005): Textiles in Indian Ocean societies. London, New York.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Clingingsmith, David; Williamson, Jeffrey G. (2008): Deindustrialization in 18th and 19th century India: Mughal decline, climate shocks and British industrial ascent. In: Explorations in Economic History 45 (3), S. 209–234.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Faruqui, Munis D. (2015): The princes of the Mughal Empire, 1504-1719. New York.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ferguson, Niall (2008): Empire. The rise and demise of the British world order and the lessons for global power. Epub-Version. New York.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Houghteling, Sylvia; Shibayama, Nobuku (2019): Tools of the Master Dyer: Dye Materials in Seventeenth and Eighteenth Century South Asian Painted Cotton Textiles at the Metropolitan Museum of Art. In: The Textile Museum Journal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Judd, Denis (2010): The lion and the tiger. The rise and fall of the British Raj, 1600 &#8211; 1947. Oxford.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kulke, Hermann (2005): Indische Geschichte bis 1750. München.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maddison, Angus (2010): The world economy. Volume 1: A millennial perspective. Paris.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marx, Karl; Engels, Friedrich (1960): Werke. Band 9. Berlin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitra, Debendra Bijoy (1975): The cotton Weavers of Bengals 1757 to 1833: Kolkata.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mukund, Kanakalatha (1992): Indian textile industry in 17th and 18th Centuries: Structure, organisation and responses. In: Economy &amp; Political Weekly 27 (38), S. 2057–2065.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parthasarathi, Prasannan (2001): The transition to a colonial economy. Weavers, merchants, and kings in South India, 1720-1800. Cambridge, New York: Cambridge University Press (Cambridge studies in Indian history and society, 7). =77953.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Riello, Giorgio; Roy, Tirthankar (Hg.) (2009): How India clothed the world. The world of South Asian textiles, 1500-1850. Leiden, Boston: Brill (Global economic history series, volume 4).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Riello, Giorgio (Hg.) (2011): The spinning world. A global history of cotton textiles, 1200 &#8211; 1850. 1. publ. Oxford: Oxford Univ. Press (Pasold studies in textile history, 16).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roy, Tirthankar (2012): Consumption of Cotton Cloth in India, 1795-1940. In: Australian Economic History Review 52 (1), S. 61–84.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roy, Tirthankar (2019): How British Rule Changed India&#8217;s Economy. The Paradox of the Raj. London.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roy, Tirthankar (2020): The crafts and capitalism. Handloom weaving industry in colonial India. New Delhi.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roy, Tirthankar (2020b): The economic history of India, 1857-2010. New Delhi, India.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Roy, Tirthankar (2022): An economic history of India, 1707-1857. London, New York.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Specker, Konrad (1989): Madras handlooms in the nineteenth century. In: The Indian Economic &amp; Social History Review 26 (2), S. 131–166.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tharoor, Shashi (2016): Inglorious empire. What the British did to India. Epub-Version. Minneapolis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wolpert, Stanley A. (Hg.) (2006): Encyclopedia of India. A-D. Gale (Firm). Detroit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wood, Jolie M.F. (2014): Weavers Unravelled: Comparing Associationalism among Handloom Weavers and Boatmen in Varanasi, India. In: South Asia: Journal of South Asian Studies 37 (1), S. 43–59.</p>
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