Der Waffenstillstand von 1953 – Die Demarkationslinie und die dauerhafte Teilung

In der Nacht vom 17. auf den 18. Juni 1953 verlassen mehr als 25.000 nordkoreanische Kriegsgefangene ihre Lager in Südkorea. Präsident Syngman Rhee hat angeordnet, die als antikommunistisch eingestuften Männer freizulassen. Südkoreanische Wachmannschaften öffnen die Lager oder lassen die Flucht zu. Viele Männer tauchen anschließend in der Bevölkerung unter.

Die Entscheidung trifft die Unterhändler in Panmunjom kurz vor dem Abschluss ihrer Gespräche. Am 8. Juni hatten sich die Kriegsparteien auf ein Verfahren für jene Gefangenen geeinigt, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollten. Rückkehrwillige sollten ausgetauscht werden. Die übrigen sollten zunächst einer neutralen Kommission unter indischer Leitung übergeben werden.

Rhee lehnt diese Vereinbarung ab. Ein Waffenstillstand entlang der bestehenden Front würde die Teilung Koreas festschreiben und die Hoffnung auf eine militärische Vereinigung unter seiner Regierung beenden. Er will den Krieg fortsetzen und verlangt von den Vereinigten Staaten Unterstützung für einen weiteren Vormarsch nach Norden. Mit der Freilassung der Gefangenen versucht er, die Einigung zwischen dem UN-Kommando, Nordkorea und China zu verhindern.

In Washington löst sein Vorgehen Empörung aus, während die kommunistische Seite den Vereinigten Staaten vorwirft, ihren südkoreanischen Verbündeten nicht unter Kontrolle zu haben. Dennoch hält Präsident Dwight D. Eisenhower am Waffenstillstand fest. Seine Regierung macht Rhee deutlich, dass sie keinen neuen Feldzug zur Eroberung Nordkoreas unterstützen wird. Zugleich bietet sie Südkorea weitere Militärhilfe und Verhandlungen über einen gemeinsamen Verteidigungsvertrag an. Die südkoreanische Regierung unterzeichnet das Abkommen nicht, erklärt sich aber schließlich bereit, es nicht mit militärischen Mitteln zu verhindern.

Die letzten Kämpfe

Während die Diplomaten nach einer Lösung suchen, dauern die Gefechte an. Beide Seiten wissen, dass der Verlauf der Front darüber entscheidet, welche Gebiete nach dem Waffenstillstand kontrolliert werden. Artillerie beschießt Höhenzüge, Patrouillen suchen nach Schwachstellen, Infanterie greift befestigte Stellungen an.

Besonders südkoreanische Einheiten geraten in den letzten Kriegswochen unter Druck. Die chinesische Führung will ihre Position vor der Unterzeichnung verbessern und den Krieg mit einem sichtbaren militärischen Erfolg beenden. Die Angriffe treffen vor allem südkoreanische Verbände.

Am 13. Juli beginnt eine weitere Offensive im Raum von Kumsong. Chinesische Truppen brechen in südkoreanische Stellungen ein und drängen die Verteidiger bis zu etwa 13 Kilometer zurück. UN-Truppen greifen gegen und stabilisieren schließlich eine neue Linie am Kumsong-Fluss. Beide Seiten setzen große Mengen Artilleriemunition ein, obwohl die Unterhändler in Panmunjom bereits an den letzten Fassungen des Abkommens arbeiten.

Die Kämpfe verändern den Ausgang des Krieges nicht mehr. Sie verschieben jedoch an einzelnen Stellen die Linie, an der sich die Armeen wenige Tage später gegenüberstehen. Soldaten sterben damit noch um Gelände, dessen Verlauf wenige Tage später die neue Demarkationslinie mitbestimmt.

Die Unterschrift in Panmunjom

William Kelly Harrison Jr., 1949

Am Morgen des 27. Juli 1953 betreten die Delegationen die eigens errichtete Halle in Panmunjom. Generalleutnant William K. Harrison unterzeichnet für das Kommando der Vereinten Nationen. General Nam Il unterschreibt für die nordkoreanische Armee und die chinesischen Volksfreiwilligen. Die Zeremonie dauert nur wenige Minuten.

Später setzen auch die militärischen Oberbefehlshaber ihre Namen unter das Abkommen. Für das UN-Kommando unterschreibt General Mark W. Clark. Kim Il-sung zeichnet als Oberbefehlshaber der nordkoreanischen Armee, Peng Dehuai für die chinesischen Verbände. Ein Vertreter der südkoreanischen Regierung fehlt.

Der Waffenstillstand tritt zwölf Stunden nach der Unterzeichnung in Kraft. Am Abend verstummen die Geschütze entlang der Front. Die Soldaten erhalten den Befehl, das Feuer einzustellen. Innerhalb von 72 Stunden ziehen sich beide Seiten aus dem vereinbarten Grenzstreifen zurück. Nach mehr als drei Jahren enden die regulären Kampfhandlungen.

Das Dokument ist kein Friedensvertrag. Es wird von militärischen Befehlshabern geschlossen und soll die Kämpfe beenden, bis die beteiligten Regierungen eine politische Lösung finden. Über die staatliche Zukunft Koreas entscheidet es nicht.

Eine neue Linie durch Korea

Die neue militärische Demarkationslinie folgt im Wesentlichen dem Frontverlauf vom Juli 1953 und weicht damit vom alten 38. Breitengrad ab. Im Westen bleibt Kaesong bei Nordkorea. Im Osten kontrolliert Südkorea Gebiete nördlich der früheren Trennlinie.

Beide Seiten müssen ihre Truppen zwei Kilometer von der Demarkationslinie zurückziehen. Dadurch entsteht ein vier Kilometer breiter Streifen, die Demilitarisierte Zone. Sie zieht sich quer über die Halbinsel und trennt die beiden Armeen voneinander. Innerhalb dieser Zone dürfen nur begrenzte Kräfte für Zivilverwaltung und Hilfsaufgaben sowie die im Abkommen vorgesehenen Kontrollorgane tätig sein.

Eine Militärische Waffenstillstandskommission soll Verstöße untersuchen und den Kontakt zwischen den Kriegsparteien sichern. Eine Kommission aus neutralen Staaten erhält den Auftrag, bestimmte militärische Bestimmungen zu überwachen. Schweden und die Schweiz werden vom UN-Kommando benannt. Polen und die Tschechoslowakei benennt die nordkoreanisch-chinesische Seite.

Auch die Rückführung der Gefangenen beginnt. Männer, die in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollen, werden im Rahmen eines großen Austauschs übergeben. Rückkehrverweigerer kommen zunächst unter die Aufsicht der neutralen Rückführungskommission. Vertreter der jeweiligen Herkunftsseite dürfen mit ihnen sprechen, eine gewaltsame Rückführung ist jedoch ausgeschlossen.

Deligierte von beiden Seiten unterschreiben das Abkommen

Ein Waffenstillstand ohne Frieden

Das Abkommen empfiehlt eine politische Konferenz, die über den Abzug ausländischer Truppen und eine friedliche Regelung für Korea beraten soll. Nach ergebnislosen vorbereitenden Gesprächen tritt im April 1954 die Genfer Konferenz zusammen. Vertreter Nord- und Südkoreas sowie der beteiligten Großmächte legen dort gegensätzliche Vorschläge vor. Eine Einigung über Wahlen oder eine Wiedervereinigung kommt nicht zustande.

Rhee akzeptiert die Einstellung der Kämpfe nur, weil die Vereinigten Staaten die Sicherheit seines Staates enger an ihre eigene Politik binden. Im Oktober 1953 schließen beide Länder einen Verteidigungsvertrag. Amerikanische Truppen bleiben in Südkorea, während die Regierung in Seoul ihre Armee weiter ausbaut.

Auch Nordkorea und China ziehen aus dem Krieg andere Schlüsse als ihre Gegner. Pjöngjang beginnt mit dem Wiederaufbau unter sowjetischer und chinesischer Unterstützung. China hat verhindert, dass eine mit den Vereinigten Staaten verbündete Armee bis an seine Grenze vorrückt. Dafür hat es hohe Verluste getragen und sich dauerhaft in die koreanische Teilung verstrickt.

Der Waffenstillstand beendet das Töten an der Front, löst aber den Konflikt nicht. Aus einer vorläufigen militärischen Linie entsteht eine dauerhaft bewachte Trennlinie. Die Genfer Konferenz scheitert ein Jahr später an Fragen, die seit 1945 ungelöst geblieben sind: Wer soll Korea regieren, unter welchen Bedingungen können Wahlen stattfinden, und welche Rolle dürfen ausländische Mächte auf der Halbinsel spielen?


Zum Weiterlesen

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Bernd Stöver (2021): Geschichte des Koreakriegs: Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt.*

Bildnachweis

Titel: Kim Il-sung unterzeichnet das Waffenstillstandsabkommen, 1953.

Alle Bilder gemeinfrei.

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