Zhang Shijie ließ die Schiffe seiner Flotte bei Yamen vor der südchinesischen Küste zu einer festen Verteidigung verbinden. Auf ihnen befanden sich Soldaten und Angehörige des geflohenen Song-Hofes. Auch der kindliche Kaiser Bing war an Bord. Die Flotte musste zugleich kämpfen und jene Menschen schützen, deren Anwesenheit den Kampf politisch begründete.
Im März 1279 griffen die Truppen Khubilais an. Der Kommandeur des Song-Heeres hatte seine Kräfte zu einer schwimmenden Stellung zusammengezogen. Als diese Verteidigung zusammenbrach, besaß der Hof kaum noch einen Ort, an den er hätte ausweichen können.
Ein Hof ohne Hauptstadt
Die Song-Hauptstadt Lin’an hatte sich 1276 ergeben. Kaiser Gong und Angehörige seines Haushalts waren nach Norden gebracht worden. Andere Mitglieder der Familie entkamen. Ihre Begleiter konnten sich auf Männer stützen, die den Krieg trotz der Kapitulation fortsetzen wollten.
An der südöstlichen Küste wurde zunächst Gongs Bruder Zhao Shi als Kaiser anerkannt. Er führte den Hof weiter und erhielt nach seinem Tod den Tempelnamen Duanzong. Zivile Amtsträger und militärische Befehlshaber mussten nun unter Bedingungen regieren, die ständig wechselten. Sie verfügten über Schiffe und einzelne Stützpunkte, während die Angreifer immer mehr Verbindungen an Land unterbrachen.
Nach Duanzongs Tod 1278 erhoben die Anhänger seinen jüngeren Bruder Zhao Bing zum Kaiser. Lu Xiufu gehörte zu den leitenden zivilen Amtsträgern, Zhang Shijie führte die Flotte. Die Erhebung des Kindes hielt den dynastischen Anspruch aufrecht. Sie schuf jedoch keine neuen Felder, von denen Lebensmittel eingezogen werden konnten, und keine sichere Stadt für den Hof.
Die Küste wird zum Rückzugsraum
Die südchinesischen Küstengebiete boten Häfen und Schiffe, deren Besatzungen mit den örtlichen Gewässern vertraut waren. Der Hof konnte sich dadurch einer unmittelbaren Gefangennahme entziehen. Solange die Flotte freie Zufahrt zu Märkten und Vorräten behielt, ließ sich der Widerstand fortsetzen.

Die Yuan-Truppen beschränkten sich allerdings nicht auf einen Vormarsch über Land. Sie setzten ebenfalls Schiffe ein und übernahmen Hafenorte. Unter ihren Kommandeuren befanden sich Männer aus Nordchina, die längst in den Diensten des mongolischen Herrscherhauses standen. Die Herkunft der Soldaten entsprach daher nicht einer einfachen Trennung zwischen chinesischen Verteidigern und ausschließlich mongolischen Angreifern.
Zhang Hongfan erhielt den Auftrag, die verbliebenen Kräfte der Song anzugreifen. Er führte seine Verbände in die südlichen Küstengewässer, während andere Truppen die Stützpunkte im Hinterland beseitigten. Für den geflohenen Hof wurden die Möglichkeiten, Menschen an Land zu versorgen oder neue Vorräte zu beschaffen, immer enger.
Auch der Widerstand im Landesinneren verlor seine Grundlage. Wen Tianxiang, ein bedeutender Amtsträger der Song, wurde gefangen genommen. Damit fiel ein Mann aus, der außerhalb der Flotte Truppen sammeln und die Dynastie vertreten konnte.
Eine schwimmende Festung
Bei Yamen im Gebiet des heutigen Jiangmen in Guangdong bereitete Zhang Shijie eine feste Stellung vor. Die miteinander verbundenen Schiffe sollten sich gegenseitig schützen. Die Anordnung erschwerte es einem Gegner, ein einzelnes Fahrzeug anzugreifen und den Verband an dieser Stelle aufzubrechen.
Die Verbindung hatte ihren Preis. Schiffe, die eng zusammenlagen und aneinander gebunden waren, konnten schlechter ausweichen. Sie mussten einen Angriff dort annehmen, wo sie lagen. Für die Versorgung brauchten die Menschen an Bord weiter Zugang zum Land und zu frischem Wasser.
Die Yuan-Truppen konnten diese Abhängigkeit ausnutzen. Sie setzten die Song-Flotte unter Druck und erschwerten den Nachschub. Die Berichte über die letzten Tage schildern Mangel an Trinkwasser und Erkrankungen. Ein Verband, der auf eine Seeschlacht vorbereitet worden war, musste nun zugleich eine Belagerung überstehen.
Die Zahl der Menschen auf den Schiffen erhöhte die Belastung. Der Hof führte Bedienstete und Familien mit sich. Ihre Versorgung verbrauchte Vorräte, doch ihre Trennung vom militärischen Verband hätte sie dem Gegner überlassen. Die Schutzaufgabe band Zhang Shijie an die Entscheidung, möglichst viele Schiffe zusammenzuhalten.
Der Angriff mit den Gezeiten
Im März 1279 griff die Yuan-Flotte die Stellung an. Die Befehlshaber nutzten die wechselnde Strömung der Gezeiten, um gegen die verankerten Schiffe vorzugehen. Angriffe aus verschiedenen Richtungen erschwerten es den Verteidigern, die bedrohten Stellen gegenseitig zu unterstützen.

Die feste Anordnung konnte den Zusammenbruch nicht verhindern. Ein großer Teil der Song-Flotte ging verloren. Zhang Shijie entkam mit einem kleineren Verband, konnte den Kaiser und den übrigen Hof aber nicht in gleicher Weise herauslösen.
Die dynastischen Geschichtswerke berichten, Lu Xiufu habe das Kind auf sich genommen und sich mit ihm ins Wasser gestürzt. Damit wollte er den Kaiser vor der Gefangennahme bewahren. Der Tod beider ist zum bekanntesten Bild des Untergangs der Song geworden. Die später vielfach wiederholte Szene darf jedoch nicht dazu verleiten, die übrigen Menschen an Bord aus dem Blick zu verlieren.
Die Berichte nennen sehr hohe Zahlen von Ertrunkenen. Sie lassen sich nicht zuverlässig in eine genaue Verlustrechnung überführen. Die Zerstörung des Hofes und seiner Flotte ist auch ohne solche Angaben eindeutig. Die verbliebenen Befehlshaber besaßen anschließend keinen lebenden Kaiser mehr, um den sie eine gemeinsame Regierung hätten bilden können.
Ein Reich unter neuer Herrschaft
Der Untergang bei Yamen beseitigte 1279 den letzten handlungsfähigen Song-Hof. Khubilais Yuan-Dynastie beherrschte nun auch die großen südchinesischen Gebiete, deren Bevölkerung und Einnahmen zuvor einen eigenen Kaiser unterhalten hatten.
Das Land war deshalb nicht überall sofort ruhig. Einzelne Gruppen setzten den Widerstand fort. Die neuen Machthaber mussten Beamte einsetzen und die Abgaben aus den eroberten Bezirken einziehen. Männer, die bisher für die Song gearbeitet hatten, standen vor der Entscheidung, ein Amt unter den Yuan anzunehmen oder sich dem Dienst zu entziehen.
Für Gefangene wie Wen Tianxiang blieb die Entscheidung persönlich. Er weigerte sich, Khubilai zu dienen, und wurde später in Dadu hingerichtet. Andere ehemalige Song-Beamte nahmen Ämter an und wirkten an der Verwaltung der neuen Dynastie mit.
Die Hafenorte, von denen der geflohene Hof seine Schiffe erhalten hatte, wurden unterdessen zu Stützpunkten der Yuan. Ihre Schiffbauer und Besatzungen arbeiteten nun für einen Herrscher, der seine Forderungen auch an Reiche jenseits der chinesischen Küste richtete.
Zum Weiterlesen
Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.
Weatherford, J. (2005): Genghis Khan and the Making of the Modern World.*
Franke, H. & Twitchett, D. (1994): The Cambridge History of China, Vol. 06: Alien Regimes and Border States, 907-1368.*
Bildnachweis
Titel: Erinnerungsort der Seeschlacht von Yamen. Wikimedia Commons, (Long night without wind) 长夜无风. CC BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.



