Die Eingänge der Häuser wiesen nach innen. Vor ihnen lag eine freie Fläche, auf die viele Bewohner blicken konnten. Hinter den Wohnhäusern verlief ein Graben um das Dorf. Wer von außen kam, überschritt damit eine sichtbare Grenze. Wer im Inneren lebte, bewegte sich täglich zwischen der eigenen Feuerstelle und einem gemeinsamen Mittelpunkt.
Dieser Aufbau ist besonders gut in Jiangzhai zu erkennen, einem jungsteinzeitlichen Dorf beim heutigen Lintong in der Nähe von Xi’an. Die frühe Siedlungsphase gehört in die Zeit zwischen ungefähr 5000 und 4000 v. Chr. Weiter westlich, am Rand des heutigen Xi’an, lag Banpo, der bekannteste Fundort derselben regionalen Tradition. Beide werden der frühen Yangshao-Kultur zugerechnet.
Die Bezeichnung ist ein archäologischer Begriff für Gemeinschaften mit ähnlichen Keramik- und Siedlungsformen in weiten Teilen des mittleren Gelben Flusses. Die einzelnen Gemeinschaften besaßen keine gemeinsame Führung. Banpo und Jiangzhai zeigen, wie größere Dörfer ihren Raum ohne Könige oder eine zentrale Verwaltung ordneten.
Häuser um eine freie Mitte
Der bekannte Plan von Jiangzhai zeigt 5 Gruppen von Wohnhäusern. In jeder Gruppe stand ein größeres Gebäude nahe am zentralen Platz. Kleinere Häuser lagen dahinter oder seitlich davon. Zwischen ihnen befanden sich Vorratsgruben und Flächen für alltägliche Arbeiten.
Die Gruppen könnten von erweiterten Familien oder anderen eng verbundenen Haushalten genutzt worden sein. Ihre genaue Zusammensetzung lässt sich aus Grundrissen allein nicht bestimmen. Der Plan wuchs über Generationen. Alte Häuser verschwanden und neue traten an ihre Stelle. Neuere Untersuchungen der Bauphasen zeigen dennoch, dass die Gliederung über längere Zeit erhalten blieb.
Der freie Platz in der Mitte bildete den gemeinsamen Bezugspunkt. Dort konnten Bewohner arbeiten oder Nahrung verteilen. Auch Zusammenkünfte fanden möglicherweise auf dieser Fläche statt. Welche Handlungen tatsächlich ausgeübt wurden, ist unbekannt. Die Lage sorgte jedoch dafür, dass viele Vorgänge von den umliegenden Häusern aus sichtbar waren.
Auch Banpo besaß eine nach innen gerichtete Siedlungsordnung. Nur Teile des ursprünglichen Dorfes blieben erhalten, weshalb sein vollständiger Plan unsicherer ist. Die ausgegrabenen Häuser lagen ebenfalls um einen offenen Bereich. Größere Gebäude hoben sich von den meist kleinen Wohnbauten ab und konnten mehreren Hausgemeinschaften als Versammlungs- oder Arbeitsraum gedient haben.

Ein Graben als Grenze
Um den bewohnten Bereich verlief ein Graben. Er konnte Regenwasser ableiten und den Zugang erschweren. Zugleich trennte er den Raum der Häuser von den Flächen außerhalb. Eine hohe Befestigungsmauer brauchten die Bewohner dafür noch nicht. Schon der ausgehobene Boden und die Unterbrechungen an den Zugängen machten sichtbar, wo das Dorf begann.
Bei den Ausgrabungen in Banpo kamen 45 Hausgrundrisse zum Vorschein. Hinzu kamen ungefähr 200 Vorratsgruben und 6 Keramiköfen. Insgesamt fanden die Ausgräber etwa 250 Gräber.
Feuerstellen und Vorratsgruben
Die meisten Häuser waren rund oder viereckig und teilweise in den Boden eingetieft. Pfosten trugen Dächer aus leichtem Material. Im Inneren lag gewöhnlich eine Feuerstelle. Der abgesenkte Fußboden schützte vor Wind und glich Temperaturschwankungen aus.
Neben den Häusern gruben die Bewohner Speicher in den Lössboden. Darin ließen sich Hirse und andere Vorräte lagern, wenn die Öffnung sorgfältig verschlossen wurde. Mahlsteine sowie Geräte für Ernte und Bodenbearbeitung belegen die Bedeutung des Ackerbaus. Schweine und Hunde lebten im Umfeld der Siedlung. Jagd und das Sammeln wilder Pflanzen ergänzten weiterhin die Ernährung.
Zahl und Fassungsvermögen der Vorratsgruben unterschieden sich zwischen den Haushalten. Auch Tierknochen und Werkzeuge häuften sich in verschiedenen Teilen von Jiangzhai unterschiedlich stark. Manche Bewohnergruppen konnten offenbar größere Überschüsse aufbewahren oder widmeten sich bestimmten Arbeiten intensiver als ihre Nachbarn.
Die wirtschaftlichen Unterschiede blieben begrenzt. Hinter dem geordneten Grundriss standen dennoch Hausgemeinschaften mit eigener Arbeitskraft und unterschiedlichen Vorräten. Gemeinschaftliche Regeln und wirtschaftliche Eigenständigkeit bestanden nebeneinander.
Schalen mit Fischen
Die Töpfer von Banpo formten rote Gefäße und bemalten ausgewählte Stücke mit dunklen Mustern. Linien liefen um Schalen, Dreiecke gliederten ihre Oberfläche. Besonders bekannt sind Darstellungen von Fischen und menschlichen Gesichtern. Einige verbinden beide Motive zu schwer deutbaren Bildern.
Ihre Bedeutung ist nicht überliefert. Fische gehörten zur beobachtbaren Umwelt und wurden gefangen. Auf einem Gefäß konnten sie zugleich auf Geschichten oder Zugehörigkeiten verweisen. Frühere Deutungen erklärten die Bilder gern zu Zeichen eines Fischclans oder einer Gottheit. Dafür fehlen eindeutige Belege.
Die Keramik war dennoch mehr als ein neutraler Behälter. Bemalte Schalen begleiteten Mahlzeiten und konnten bei Bestattungen verwendet werden. Einzelne Gefäßtypen und Muster tauchten über mehrere Siedlungen hinweg auf. Ihre Herstellung verband handwerkliches Können mit Formen, die viele Menschen wiedererkannten.
Auf Gefäßen aus Banpo und Jiangzhai finden sich außerdem eingeritzte Markierungen. Meist bestehen sie aus geraden Strichen oder einfachen Winkeln; auch Kreuze kommen vor. Sie wurden häufig erst nach dem Brand angebracht und stehen einzeln. Manche könnten Mengen oder Zugehörigkeiten bezeichnet haben. Für Schrift fehlen zusammenhängende Folgen und ein erkennbarer Bezug zu gesprochener Sprache.

Kinder bei den Häusern
Die Bestattung von Kindern in Keramikurnen gehört zu den auffälligsten Praktiken von Banpo. Manche Urnen lagen dicht an Häusern oder unter Flächen innerhalb der Siedlung. Öffnungen in den Deckeln wurden gelegentlich als Zugang für die Seele gedeutet. Die Ausgrabung zeigt jedoch nur, wie das Gefäß gestaltet und niedergelegt wurde. Die Vorstellungen der Angehörigen bleiben unbekannt.
Erwachsene wurden auf einem gesonderten Friedhof bestattet. Die meisten Gräber enthielten wenige Beigaben. Unterschiede im Alter und in der Behandlung der Toten zeigen, dass nicht jeder Mensch denselben Stellenwert in der Erinnerung der Gemeinschaft erhielt. Eine kleine Gruppe mit dauerhaft herausgehobenem Reichtum lässt sich dort aber noch nicht erkennen.
Banpo galt lange als Beispiel einer mutterrechtlich organisierten Gesellschaft. Diese Deutung stützte sich auf vermeintlich reichere Frauengräber und bestimmte Mehrfachbestattungen. Genauere Vergleiche tragen diese Schlussfolgerung nicht. Frauen wurden insgesamt nicht reicher ausgestattet als Männer, und Kinder mussten nicht zusammen mit ihren Müttern bestattet werden. Aus der Lage der Gräber lässt sich deshalb weder eine mütterliche Abstammungsordnung noch die politische Vorherrschaft von Frauen ableiten.
Ordnung ohne Herrscher
Ein Graben von beträchtlicher Länge entstand nur durch abgestimmte Arbeit. Auch der freie Platz und die wiederkehrende Ausrichtung der Häuser verlangten gemeinsame Entscheidungen. Größere Gebäude boten Raum für Tätigkeiten, an denen mehr Menschen beteiligt waren als die Bewohner eines einzelnen Hauses.
Die Ordnung des Dorfes lag damit im gebauten Raum. Hausgruppen gaben kleineren Gemeinschaften einen eigenen Bereich. Der zentrale Platz verband sie miteinander, während der Graben die Siedlung nach außen absetzte. Solche Grenzen mussten gepflegt und nach einem Umbau neu hergestellt werden.
Banpo und Jiangzhai zeigen eine politische Ordnung, die ohne Hof und Palast auskam. Entscheidungen entstanden vermutlich zwischen Haushalten, deren Einfluss nicht vollkommen gleich war. In späteren Yangshao-Siedlungen wurden Gemeinschaftsbauten größer und Befestigungen aufwendiger. Auch die Unterschiede zwischen Gräbern traten deutlicher hervor. Der Weg zu dauerhafter Herrschaft führte über die Fähigkeit, Menschen und Arbeit im gemeinsamen Raum zusammenzuführen.
Zum Weiterlesen
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Liu, Li (2005): The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States.* Untersuchung jungsteinzeitlicher Siedlungen, Bestattungen und gesellschaftlicher Veränderungen mit ausführlicher Einordnung von Jiahu.
Li, Feng (2013): Early China. A Social and Cultural History. Überblick über die regionalen Anfänge von Landwirtschaft und dauerhaften Siedlungen sowie die weitere Entwicklung des frühen China.
Bildnachweis
Titel: Archäologische Stätte Banpo. Wikimedia Commons, David Stanley from Nanaimo, Canada. CC BY-SA 2.0.
Schüssel: Wikimedia Commons, Rosemania. CC BY 2.0.



