Der Vormarsch nach Norden

Serie: Korea-Krieg Folge 4

Der Schritt über den 38. Breitengrad

Überquerung des 38. Breitengrads

Mit der Rückeroberung Seouls im September 1950 stellt sich für die Führung der Vereinten Nationen eine grundlegende Frage. Soll der Einsatz auf die Wiederherstellung der Grenze am 38. Breitengrad beschränkt bleiben, oder soll der Krieg mit dem Ziel fortgeführt werden, ganz Korea unter die Kontrolle der südkoreanischen Regierung zu bringen. Präsident Harry S. Truman signalisiert Zustimmung für einen Vormarsch nach Norden, sofern keine fremde Macht direkt eingreift.

Anfang Oktober überschreiten südkoreanische Einheiten den 38. Breitengrad. Wenige Tage später folgen amerikanische Verbände. Der militärische Widerstand nördlich der bisherigen Grenze ist zunächst schwach. Viele nordkoreanische Einheiten befinden sich im Rückzug oder sind nach den Niederlagen im Süden zerschlagen. Der Krieg verlagert sich nun vollständig auf nordkoreanisches Territorium.

Der schnelle Vormarsch

Im Verlauf des Oktobers gewinnen die UN-Truppen rasch Gelände. Städte wie Wonsan fallen, am 19. Oktober 1950 wird Pjöngjang eingenommen. General Douglas MacArthur interpretiert die Lage als nahezu entschieden. Sein Hauptquartier geht davon aus, dass die nordkoreanische Armee keine geschlossene Verteidigung mehr organisieren kann. In Washington wächst die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kampfhandlungen.

Der Vormarsch erfolgt jedoch unter schwierigen Bedingungen. Im Westen folgen die Verbände den Hauptstraßen Richtung Norden. Im Osten bewegen sich Einheiten durch gebirgiges Gelände. Die Versorgungswege verlängern sich mit jedem Kilometer. Straßen sind schmal, Brücken beschädigt, das Terrain wird unwegsamer. Die Einheiten operieren zunehmend voneinander getrennt.

Warnungen aus Peking

Während die UN-Streitkräfte weiter nach Norden vorstoßen, warnt die Regierung der Volksrepublik China wiederholt vor einem Vorrücken fremder Truppen an ihre Grenze. Peking erklärt, fremde Truppen am Yalu würden nicht geduldet.

Soldaten rücken auf M4 Sherman vor

Aufklärungsberichte melden Truppenbewegungen jenseits des Grenzflusses. Ende Oktober kommt es zu ersten Gefechten mit bislang nicht eindeutig identifizierten Einheiten. Diese Zusammenstöße bleiben zunächst begrenzt und werden als lokale Zwischenfälle bewertet.

Gleichzeitig stehen Teile der UN-Truppen nur noch wenige Kilometer vom Yalu entfernt. Die Front ist über Hunderte Kilometer gestreckt. Kommunikation und Versorgung geraten unter Druck. Die Gefechte Ende Oktober markieren den Beginn einer neuen Phase, deren Ausmaß in diesem Moment noch nicht erkennbar ist.


Zum Weiterlesen

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Bernd Stöver (2021): Geschichte des Koreakriegs: Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt.*

Bildnachweis

Titel: Falschirmjäger des 187. Regiments, Oktober 1950.

Alle Bilder gemeinfrei.

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