Die Geschichte von Bernard Trink und der Entstehung der Soi Cowboy

In der Redaktion der Bangkok World herrscht im Jahr 19661 eine besondere Atmosphäre. Zwischen dem Klappern der Schreibmaschinen sticht ein Geräusch hervor: das langsame, fast rhythmische Tippen einer alten Olympia. Am Gerät sitzt ein Mann mit markanten Hosenträgern, die seine Hose bis fast unter die Achseln ziehen. Um den Hals trägt er ein massives Eulen-Medaillon – das Geschenk einer philippinischen Sängerin. Bernard Trink, ein 35-jähriger New Yorker, übernimmt gerade eine bereits existierende, aber lahme Kolumne und beginnt, sie in das berüchtigte Format „Nite Owl“ zu verwandeln.

Von Deutschland nach Japan: Ein weiter Weg nach Bangkok

Mit dem Vietnam-Krieg kamen viele amerikanische Soldaten nach Thailand. Hier die USS Bradley, 1970, auf dem Chao-Praya-Fluss

Bernard Trinks Weg in die thailändische Hauptstadt war alles andere als geradlinig. Entgegen weitverbreiteter Legenden kam er nicht als Soldat im Koreakrieg nach Asien; seinen Militärdienst hatte er im Nachkriegsdeutschland geleistet. Nach Jahren als Englischlehrer in über 50 Ländern fand die entscheidende Wende in Japan statt. Dort lernte er Mitte der 1960er-Jahre Aree kennen, eine thailändische Rotkreuz-Freiwillige. Die beiden heirateten 1965, und kurz darauf folgte Trink seiner Frau in ihre Heimat, da sie ihr erstes Kind nahe der Familie zur Welt bringen wollte.

Nach seiner Ankunft in Bangkok fand er 1966 seine Bestimmung, als er das Entertainment-Ressort der Bangkok World übernahm. Er wurde zum Auge der Nacht – in einer Stadt, die sich durch die Präsenz der US-Truppen während des Vietnamkriegs rasant veränderte.

Die Geburtsstunde der Soi Cowboy

Bangkok, 2009

Eines der Zentren dieses Wandels war eine kleine Gasse nahe der Sukhumvit Road. Dort betrieb T. G. Edwards, ein afroamerikanischer Ex-Luftwaffensoldat, seit Anfang der 1970er-Jahre eine Bar. Edwards, der wegen seines stets präsenten Cowboyhuts nur „The Cowboy“ genannt wurde, war ein Pionier jener Veteranen-Kultur, die das Nachtleben nachhaltig prägte. Trink, der die Gasse regelmäßig besuchte, taufte sie in seiner Kolumne schlicht „Soi Cowboy“. Ein Name, der heute auf jedem Stadtplan steht, der aber ursprünglich eine Hommage an einen ehemaligen G.I. war.

Der asketische Beobachter des Lasters

Das Paradoxon Bernard Trink war seine Lebensweise. Während er über fast vier Jahrzehnte hinweg die „Watering Holes“ und „Demimondaines“ der Stadt beschrieb, blieb er selbst fast abstinent. Statt Bier bestellte er Orangensaft mit Maraschino-Kirschen. Er reiste mit überfüllten öffentlichen Bussen und kämpfte privat leidenschaftlich um seine Lieblingsmarke für Dosen-Eintopf.

Seine Texte überlebten dabei sogar den Zeitungstitel, bei dem er begonnen hatte: Nachdem die Bangkok Post die Bangkok World übernommen hatte, wanderte die „Nite Owl“ schließlich in das Flaggschiff des Verlagshauses. Dort blieb Trink bis zum Ende seiner Karriere im Dezember 2003 eine Institution. Er war kein Fan der Szene, die er beschrieb; er war ihr Chronist und oft ihr schärfster Kritiker. Seine Warnungen vor Geschlechtskrankheiten waren ebenso legendär wie sein Abschluss-Satz: „But I don’t give a hoot“ – aber das schert mich nicht. Trink blieb dabei ein Mann der alten Schule: Bis in das hohe Alter weigerte er sich, eine Tastatur anzurühren, die nicht an ein Farbband gekoppelt war.

Im Jahr 2003 endete die „Nite Owl“ abrupt. Die neue Redaktionsleitung der Bangkok Post sah in der Nennung von Bar-Nummern und Massage-Ladys eine Förderung der Prostitution und ein Risiko für das Image der Zeitung.


Zum Weiterlesen

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Roger Willemsen (2012): Bangkok Noir.*

Bildnachweis

Titel: Bangkok 1971. Wikimedia Commons, wilford peloquin. CC BY-SA 2.0.

Bangkok 2009: Wikimedia Commons, VasenkaPhotography. CC BY-SA 2.0.

Fußnoten

  1. Die hier verwendeten Daten folgen dem offiziellen Nachruf der Bangkok Post sowie zeitgenössischen Interviews. In anderen Quellen können andere Datumsangaben gefunden werden. Während Trink ab 1966 für die Bangkok World tätig war und die Rubrik „Nite Owl“ übernahm, entwickelte sich der spezifische Fokus auf das Bar-Viertel-Nachtleben in seiner ikonischen Form verstärkt ab dem Jahr 1972 im Zuge der Wochenendbeilage „Impact“. Je nach Fokus werden andere Startpunkte herausgepickt. ↩︎

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