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	<title>Portugiesische Expansion Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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		<title>Vasco da Gama vor Kalikut – Die portugiesische Ankunft von 1498</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/fruehe-neuzeit/vasco-da-gama-vor-kalikut-die-portugiesische-ankunft-von-1498/">Vasco da Gama vor Kalikut – Die portugiesische Ankunft von 1498</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 20. Mai 1498 erschienen vor der südwestindischen Küste mehrere fremde Segel. Drei kleine portugiesische Schiffe näherten sich Kalikut, einem der wichtigsten Handelsplätze an der Malabarküste. Ihr Befehlshaber Vasco da Gama hatte Lissabon mehr als 10 Monate zuvor verlassen. Seine Besatzung hatte den Atlantik durchquert und das Kap der Guten Hoffnung umrundet. Anschließend waren die Schiffe der ostafrikanischen Küste gefolgt. Von Malindi aus hatte ein erfahrener Lotse sie über den Indischen Ozean geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Portugiesen endete vor Kalikut eine Reise in eine weitgehend unbekannte Welt. Die Menschen an der Malabarküste sahen dagegen lediglich eine weitere Gruppe ausländischer Händler eintreffen. In ihrem Hafen begegneten sich seit Langem Kaufleute aus unterschiedlichen Teilen des Indischen Ozeans. Arabische Schiffe brachten Waren aus dem Roten Meer, während Händler aus Gujarat und von der Koromandelküste eigene Handelsnetze unterhielten. Über Malakka reichten die Verbindungen bis nach Südostasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vasco da Gama hatte Indien erreicht. Entdeckt hatte er es nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Seeweg um Afrika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reise von 1497 und 1498 bildete den vorläufigen Höhepunkt einer portugiesischen Expansion, die fast ein Jahrhundert zuvor begonnen hatte. 1415 eroberte König João I. die nordafrikanische Hafenstadt Ceuta. Portugiesische Seefahrer erreichten anschließend Madeira und die Azoren. Sie drangen entlang der westafrikanischen Küste nach Süden vor und bauten einen Handel mit Gold und versklavten Menschen auf.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Map_of_Portuguese_Carreira_da_India-1024x580.gif" alt="" class="wp-image-8081" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Map_of_Portuguese_Carreira_da_India-1024x580.gif 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Map_of_Portuguese_Carreira_da_India-300x170.gif 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Map_of_Portuguese_Carreira_da_India-766x434.gif 766w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Krone spielte dabei eine entscheidende Rolle. Sie vergab Handelsrechte, finanzierte Expeditionen und stellte die neuen Unternehmungen unter ihren Schutz. Kaufleute beteiligten sich mit Kapital und Schiffen. Adlige fanden in den Feldzügen und Entdeckungsreisen neue Möglichkeiten, Ämter oder Einkünfte zu gewinnen. Religiöse Vorstellungen verbanden sich eng mit diesen Interessen. Portugiesische Herrscher sahen ihre Expansion weiterhin im Zusammenhang mit dem Kampf gegen muslimische Mächte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1488 umsegelte Bartolomeu Dias die Südspitze Afrikas. Damit stand fest, dass der Atlantik mit dem Indischen Ozean verbunden war. Der weitere Weg blieb jedoch anspruchsvoll. Die portugiesischen Navigatoren mussten Windverhältnisse verstehen und sichere Ankerplätze entlang der ostafrikanischen Küste finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vasco da Gama verließ Lissabon im Juli 1497. Seine Flotte bestand aus drei eigentlichen Expeditionsschiffen und einem Versorgungsschiff. Statt der afrikanischen Küste eng zu folgen, führte er die Schiffe zunächst weit nach Westen in den Atlantik. Dort nutzte er Winde, die ihn anschließend in einem großen Bogen nach Südosten trugen. Diese Route verkürzte die Fahrt entlang der windarmen westafrikanischen Küste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Umrundung des Kaps folgte die Flotte der ostafrikanischen Küste. In Mosambik hielten die Bewohner die Portugiesen zunächst für Muslime. Sobald sie ihren Irrtum erkannten, schlug das Verhältnis in Misstrauen um. Auch in Mombasa fanden die Neuankömmlinge wenig Unterstützung. Erst der Herrscher von Malindi empfing sie freundlich und half ihnen bei der Überfahrt nach Indien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Hafen im Zentrum des Ozeanhandels</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kalikut verdankte seine Bedeutung dem Pfeffer aus dem Hinterland und seiner günstigen Lage. Der Herrscher der Stadt führte den Titel Samudri Raja, den die Portugiesen als Zamorin wiedergaben. Ein erheblicher Teil seiner Einkünfte stammte aus dem Handel. Daher hatte er ein Interesse daran, fremde Kaufleute anzuziehen und ihnen Schutz zu gewähren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Muslimische Händler nahmen in Kalikut eine wichtige Stellung ein. Sie verbanden die Malabarküste mit Aden und den ägyptischen Häfen am Roten Meer. Von dort gelangten Pfeffer und andere asiatische Waren nach Alexandria. Venezianische Kaufleute brachten sie anschließend auf die europäischen Märkte. Weitere Routen führten von Kalikut nach Gujarat oder ostwärts bis Malakka.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Handelsgeflecht beruhte auf eingespielten Verfahren. Kaufleute arbeiteten mit lokalen Vermittlern und zahlten Abgaben. Viele regelten ihre Geschäfte innerhalb eigener Gemeinschaften. Hinduistische Händler konnten Anteile an Ladungen besitzen, die muslimische Reeder transportierten. Küstenherrscher förderten den Verkehr durch sichere Häfen und günstige Bedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Politische Gewalt gehörte in dieser Handelswelt durchaus zum Alltag. Piraten bedrohten Schiffe, während örtliche Amtsträger mitunter willkürliche Gebühren verlangten. Zugleich verteidigten Kaufleute ihre Geschäftsbereiche gegen Konkurrenten. Eine Seemacht, die den gesamten Verkehr kontrollieren und fremde Schiffe zum Erwerb einer staatlichen Genehmigung zwingen wollte, hatte sich dort jedoch nicht etabliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Gama verstand die etablierten Regeln dieses Handels zunächst kaum. Bei seiner Ankunft begegneten ihm zwei aus Tunis stammende Muslime, die Kastilisch und Genuesisch sprachen. Die Portugiesen trafen damit auf Menschen, die ihnen sprachlich und kulturell überraschend vertraut waren. Schon dieses Zusammentreffen zeigte, wie eng Kalikut mit der Mittelmeerwelt verbunden war.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine schwierige Audienz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Da Gama wollte den Zamorin als Abgesandter König Manuels I. sprechen. Er hoffte auf Handelsrechte und auf ein Bündnis mit vermeintlichen indischen Christen. Die Portugiesen verfügten jedoch nur über ungenaue Kenntnisse der Religionen Indiens. Beim Besuch eines hinduistischen Tempels glaubten einige von ihnen, eine ihnen unbekannte Form des Christentums vor sich zu haben. Da Gama kehrte später nach Portugal zurück, ohne diesen Irrtum vollständig überwunden zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Begegnung mit dem Zamorin offenbarte die mangelnde Vorbereitung der Expedition. Da Gama überreichte Textilien sowie einige kleinere Gegenstände, die am portugiesischen Hof als annehmbare Geschenke erscheinen mochten. In Kalikut wirkten sie ärmlich. Kaufleute aus dem Indischen Ozean brachten Silber und hochwertige Handelswaren in die Stadt. Die Gaben der Portugiesen entsprachen nach Ansicht der Hofbeamten eher dem Auftreten eines unbedeutenden Händlers als dem Gesandten eines mächtigen Königs.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="1024" height="823" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-1024x823.png" alt="" class="wp-image-8080" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-1024x823.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-300x241.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-768x617.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute-1536x1235.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Vasco_da_Gama_perante_o_Samorim_de_Calecute.png 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Vasco de Gama vor dem Zamorin, Gemälde von Veloso Salgado, 1898</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Hinter diesem Missverständnis standen unterschiedliche Erwartungen. Da Gama wollte als königlicher Botschafter behandelt werden und verlangte besondere Handelsbedingungen. Der Zamorin sah keinen Anlass, die unbekannten Besucher gegenüber den bereits ansässigen Kaufleuten zu bevorzugen. Er war grundsätzlich bereit, die Portugiesen handeln zu lassen. Dafür mussten sie allerdings Waren anbieten, für die sich Käufer fanden, und die üblichen Abgaben entrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade daran scheiterte die Expedition. Die Portugiesen hatten nur wenige Güter mitgebracht, die auf dem indischen Markt gefragt waren. Europa bezog Pfeffer und andere asiatische Erzeugnisse, konnte dafür aber kaum gleichwertige Waren liefern. Für einen umfangreichen Handel benötigten die Portugiesen vor allem Edelmetall. Da Gamas Flotte war für die Suche nach dem Seeweg ausgerüstet, nicht für den dauerhaften Einkauf auf einem der größten Märkte Asiens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die muslimischen Fernhändler betrachteten die Neuankömmlinge unterdessen als mögliche Konkurrenten. Einige dürften zudem von den portugiesischen Angriffen auf Muslime an der afrikanischen Küste erfahren haben. Sie versuchten, den Zamorin vor den Fremden zu warnen. Dennoch entstand 1498 noch keine geschlossene Front gegen die Portugiesen. Die Spannungen ergaben sich ebenso aus da Gamas Forderungen und seinem Misstrauen gegenüber den örtlichen Amtsträgern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Verhandlungen und wechselseitigen Beschuldigungen verließ die Flotte Kalikut. Da Gama hatte weder ein Handelsmonopol noch einen festen Stützpunkt gewonnen. Er nahm lediglich eine überschaubare Ladung Gewürze mit. Auch die Rückfahrt zeigte die Grenzen des Unternehmens. Die Portugiesen brachen zu einer ungünstigen Zeit zur Überquerung des Indischen Ozeans auf. Krankheiten und Erschöpfung dezimierten die Besatzung. Ein Schiff musste aufgegeben werden, weil nicht mehr genügend Männer vorhanden waren, um es zu führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine folgenreiche Entscheidung in Lissabon</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 1499 kehrte Vasco da Gama nach Portugal zurück. König Manuel empfing ihn als erfolgreichen Entdecker des Seewegs nach Indien. Für den Hof zählten weniger die begrenzten Geschäfte in Kalikut als die Möglichkeiten, die sich aus der Reise ergaben. Portugiesische Schiffe konnten den Indischen Ozean vom Atlantik aus erreichen. Damit ließ sich der Gewürzhandel über eine Route führen, die den Weg durch das Rote Meer und den östlichen Mittelmeerraum umging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Erfolg blieb zunächst vor allem portugiesisch und europäisch. Für Kalikut veränderte die Ankunft einiger kleiner Schiffe im Jahr 1498 wenig. Die Stadt blieb ein bedeutender Handelsplatz, und ihre Kaufleute verfügten weiterhin über weitreichende Verbindungen. Die Portugiesen stellten noch keine Macht dar, die dem Zamorin ihre Bedingungen aufzwingen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend war die Reaktion des portugiesischen Königs. Manuel behandelte die Reise nicht als einmaliges Handelsunternehmen. Bereits im März 1500 schickte er Pedro Álvares Cabral mit 13 Schiffen und mindestens 1.200 Männern nach Indien. Diese Flotte sollte umfangreiche Warenladungen nach Indien bringen. Eine dauerhafte Niederlassung sollte zugleich Portugals Stellung festigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit begann sich der Charakter der Begegnung zu verändern. Die Portugiesen wollten künftig nicht mehr nur an einem bestehenden Handel teilnehmen. Sie beanspruchten das Recht, Handelswege zu kontrollieren und Konkurrenten mit Gewalt auszuschließen. Aus den Schiffen einer Erkundungsreise entstand in wenigen Jahren eine bewaffnete Präsenz. Kalikut sollte als erste indische Stadt erfahren, was dieser Anspruch bedeutete.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pearson, M. N. (1988): <a href="https://amzn.to/4r7tbm7"><em>The Portuguese in India</em>.</a>* Untersuchung der portugiesischen Präsenz mit besonderem Blick auf die begrenzte Reichweite ihrer Herrschaft und die bereits bestehenden Strukturen des Indischen Ozeans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Subrahmanyam, S. (2012): <em><a href="https://amzn.to/3UL6vMd">The Portuguese Empire in Asia, 1500–1700</a>.* A Political and Economic History</em>. Grundlegende Darstellung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des portugiesischen Imperiums in Asien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Disney, A. R. (2009): <em><a href="https://amzn.to/46glxfu">A History of Portugal and the Portuguese Empire. Volume 2: The Portuguese Empire</a></em>.* Umfassende Geschichte der portugiesischen Expansion und ihrer unterschiedlichen Herrschaftsräume.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Vasco de Gama kommt in Kalikut an. Gemälde von Roque Gameiro, 1900.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: Wikimedia Commons, Walrasiad. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die versunkene Glocke von Dhammazedi</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Aug 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/myanmar/die-versunkene-glocke-von-dhammazedi/">Die versunkene Glocke von Dhammazedi</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wer heute am Zusammenfluss von Bago- und Yangon-Fluss in Myanmar steht, blickt auf eine undurchsichtige Wasserfläche. Darunter, auf dem schlammigen Grund, liegt möglicherweise eine der größten Glocken, die je gegossen wurde und mit ihr eine Geschichte von königlicher Frömmigkeit, kolonialer Gier und jahrhundertelangen, vergeblichen Suchaktionen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein König und sein Astrologe</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="200" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_2251-200x300.jpg" alt="" class="wp-image-4655" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_2251-200x300.jpg 200w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_2251-683x1024.jpg 683w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_2251-768x1152.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_2251-1024x1536.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_2251-1365x2048.jpg 1365w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_2251-scaled.jpg 1067w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Shwedagon-Pagode, 2013</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Am 5. Februar 1484 ließ der Legende nach König Dhammazedi von Hanthawaddy Pegu eine Bronzeglocke für die Shwedagon-Pagode gießen. Sein Astrologe hatte ihm davon abgeraten: Das Krokodil-Sternbild stehe ungünstig, die Glocke werde keinen schönen Klang haben. Der König ignorierte den Rat und der Astrologe sollte recht behalten. Die fertige Glocke klang tatsächlich unangenehm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch war das Werk beeindruckend. Zeitgenössische Texte berichten von 180.000 Viss Metall – umgerechnet etwa 294 Tonnen Bronze, Silber und Gold. Zwölf Ellen hoch und acht Ellen breit soll sie gewesen sein. Falls diese eher unwahrscheinliche Angaben stimmten, wäre sie schwerer als die heute größte Glocke der Welt gewesen .</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der italienische Edelsteinhändler Gasparo Balbi besuchte 1583 die Shwedagon-Pagode und maß die Glocke persönlich: &#8222;sieben Schritte und drei Handbreiten lang&#8220;, notierte er in sein Tagebuch. Von oben bis unten war sie mit Inschriften bedeckt, die niemand entziffern konnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Portugiesische Räuber</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="294" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Namban_Elefante_Filipe_de_Brito_1-300x294.jpg" alt="" class="wp-image-4656" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Namban_Elefante_Filipe_de_Brito_1-300x294.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Namban_Elefante_Filipe_de_Brito_1-768x754.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Namban_Elefante_Filipe_de_Brito_1.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Filipe de Brito e Nicote (~1566-1613)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Filipe de Brito e Nicote kam in den 1590er Jahren nach Unterburma. Der portugiesische Söldner, den die Burmesen Nga Zinka nannten, machte sich zunächst als Gouverneur des Hafens Syriam nützlich. 1603 erklärte er seine Unabhängigkeit und begann, die Umgebung zu plündern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1608 war die Shwedagon-Pagode an der Reihe. De Brito und seine Männer rollten die massive Glocke den Singuttara-Hügel hinunter zu einem Floß am Pazundaung-Bach. Elefanten zogen die Beute zum Bago-Fluss, wo sie an de Britos Flaggschiff festgebunden wurde. Das Ziel: Syriam, wo die Glocke zu Kanonen eingeschmolzen werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Last war zu schwer. Am Zusammenfluss der beiden Flüsse brach das Floß auseinander, die Glocke versank – und riss de Britos Schiff mit in die Tiefe. Fünf Jahre später eroberten burmesische Truppen Syriam zurück. De Brito starb durch Aufspießung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die endlose Suche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit über vier Jahrhunderten liegt die Glocke nun im Flussschlamm. Viele haben versucht, sie zu finden. Der professionelle Tiefseetaucher James Blunt unternahm 115 Erkundungstauchgänge. Die Suche ist schwierig: Das Wasser ist trüb, mindestens drei Schiffswracks liegen in der Gegend, und die Glocke könnte unter 7,6 Metern Schlamm begraben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2000 beauftragte die burmesische Regierung den englischen Meeresforscher Mike Hatcher mit der Bergung. Ein internationales Team aus japanischen, australischen und amerikanischen Unternehmen sollte helfen, sogar Richard Gere war an der Finanzierung beteiligt. Das Projekt kam nie richtig in Gang – möglicherweise, weil Hatcher gleichzeitig mit anderen Unterwasserprojekten beschäftigt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2010 versuchte es der australische Dokumentarfilmer Damien Lay. Sein Team führte Sonar-Untersuchungen über vier Quadratkilometer Flussboden durch, identifizierte vierzehn Schiffswracks und behauptete schließlich, sowohl die Glocke als auch de Britos Galeone lokalisiert zu haben. Der genaue Standort wurde nicht veröffentlicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2012 stellte eine Firma aus Singapur zehn Millionen Dollar für einen neuen Versuch bereit. 2014 behauptete der Forscher San Linn, die Glocke sei gefunden worden. Diese Meldung erwies sich als falsch.</p>


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<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="502" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Bago_River_between_That_Pyu_Village_and_Kywae_Kue_Seik_Village-1024x502.jpg" alt="" class="wp-image-4657" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Bago_River_between_That_Pyu_Village_and_Kywae_Kue_Seik_Village-1024x502.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Bago_River_between_That_Pyu_Village_and_Kywae_Kue_Seik_Village-300x147.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Bago_River_between_That_Pyu_Village_and_Kywae_Kue_Seik_Village-768x377.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Bago_River_between_That_Pyu_Village_and_Kywae_Kue_Seik_Village-1536x753.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Bago_River_between_That_Pyu_Village_and_Kywae_Kue_Seik_Village-2048x1005.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Bago_River_between_That_Pyu_Village_and_Kywae_Kue_Seik_Village-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bago-Fluss</figcaption></figure>
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<h2 class="wp-block-heading">Geister und Legenden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die erfolglose Suche hat lokale Mythen befeuert. Manche Einheimische behaupten, sie hätten die Glocke bei Vollmond auftauchen sehen. Andere glauben, Naturgeister bewachten sie zusammen mit anderen Schätzen aus der Shwedagon-Pagode.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahrheit dürfte prosaischer sein: Der schlammige Flussgrund, die schlechte Sicht und die vielen Schiffswracks machen die Suche extrem schwierig. Ob die Glocke tatsächlich so schwer war, wie die historischen Quellen behaupten, bleibt fraglich. Sollte sie jemals gefunden werden, könnte sich herausstellen, dass auch mittelalterliche Chronisten zur Übertreibung neigten.</p>



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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



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<h3 class="wp-block-heading">Bildernachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Aktuelle Glocken an der Spitze der Shwedagon-Pagode.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bago-Fluss: Wikimedia Commons, ခင်မောင်မောင်လွင်.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles weitere eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>
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