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	<title>Mumbai Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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		<title>Terror in Mumbai &#8211; Der 26. November 2008</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Stadt im Belagerungszustand Am Abend des 26. November 2008 landeten zehn schwer bewaffnete Männer mit Schlauchbooten an der Küste Mumbais. Innerhalb weniger Stunden verübten sie koordinierte Angriffe auf zentrale &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/terror-in-mumbai-der-26-november-2008/">Terror in Mumbai &#8211; Der 26. November 2008</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Anschlaege_Mumbai.mp3"></audio></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Eine Stadt im Belagerungszustand</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="250" height="260" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Bombaymapconfirmed_attacks.png" alt="" class="wp-image-5118"/><figcaption class="wp-element-caption">Ziele der Anschläge 2008</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 26. November 2008 landeten zehn schwer bewaffnete Männer mit Schlauchbooten an der Küste Mumbais. Innerhalb weniger Stunden verübten sie koordinierte Angriffe auf zentrale Orte der Stadt: den Hauptbahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus, das Hotel Taj Mahal Palace, das Oberoi-Trident-Hotel, ein jüdisches Zentrum sowie mehrere Restaurants. Ziel war es, möglichst viele Zivilisten zu töten, die öffentliche Ordnung zu destabilisieren und maximale mediale Wirkung zu erzielen. In Indien ist für diese Ereignisse die Kurzbezeichnung 26/11 gebräuchlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angriffe dauerten fast 60 Stunden. Am Ende waren 175 Menschen tot, darunter indische Polizisten, Gäste internationaler Hotels und Bewohner Mumbais unterschiedlichster Herkunft. Hunderte wurden verletzt. Die Stadt stand unter Schock. Für viele Beobachter war dies ein Einschnitt in der jüngeren Geschichte Indiens, vergleichbar mit dem 11. September in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Historischer Hintergrund</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anschläge von Mumbai können nicht ohne den geopolitischen Kontext Südasiens verstanden werden. Seit der <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/teilung-und-gewalt-der-sommer-1947/">Teilung Britisch-Indiens im Jahr 1947</a> steht die Region im Zeichen des indisch-pakistanischen Konflikts. Der Streit um Kaschmir, drei Kriege und eine Reihe grenzüberschreitender Zwischenfälle führten zu tiefem Misstrauen und nationalistischen Gegenbewegungen auf beiden Seiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wuchs seit den 1980er Jahren das Netz islamistischer Gruppen in Pakistan. Die Unterstützung der USA und Saudi-Arabiens für die Mudschahedin in Afghanistan trug zur Entstehung einer militanten Infrastruktur bei. Auch Indien blieb nicht verschont. Organisationen wie Lashkar-e-Taiba (LeT), die sich ursprünglich auf den Kaschmir-Konflikt konzentrierten, verfolgten zunehmend auch ein globales jihadistisches Narrativ. Aus diesem Umfeld sollten die Männer stammen, die Mumbai ins Visier nahmen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Angreifer</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die zehn Attentäter waren junge Männer aus Pakistan, die sich über Monate in einem Ausbildungslager von Lashkar-e-Taiba auf den Einsatz vorbereitet hatten. Einer von ihnen, Ajmal Kasab, wurde lebend gefasst und später zum Tode verurteilt. Seine Aussagen wurden zur zentralen Quelle für die Rekonstruktion der Ereignisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgehörte Gespräche belegen eine präzise geplante Operation mit zentraler Steuerung. Die Täter standen in Echtzeit über VoIP und Telefonverbindungen mit ihren Koordinatoren in Kontakt. Als operative Schlüsselfigur gilt Sajid Mir, der die Täter aus Pakistan anleitete. Ziel war die Tötung von Zivilisten, die Verbreitung von Angst und die Demütigung des indischen Staates.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ideologische Grundlage der Täter war eine Mischung aus politischem Islamismus, Feindbildrhetorik gegen Indien, antijüdischer Propaganda und Opfernarrativen aus dem Kaschmir-Konflikt. Die Auswahl der Ziele, darunter eine jüdische Einrichtung, spiegelt diese Radikalisierung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf und Reaktionen</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="197" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mumbai_CST_clock-197x300.jpg" alt="" class="wp-image-5119" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mumbai_CST_clock-197x300.jpg 197w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mumbai_CST_clock.jpg 635w" sizes="(max-width: 197px) 100vw, 197px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mumbai Chhatrapati Shivatji Terminus (CST), 2007</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Täter näherten sich auf dem Seeweg. Sie kaperten den indischen Trawler M. V. Kuber, töteten die Besatzung und setzten im Bereich Badhwar Park und Cuffe Parade in Schlauchbooten über. An Land teilten sie sich in fünf Zweier-Teams auf und griffen zeitgleich mehrere Ziele an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Team eröffnete im Chhatrapati Shivaji Terminus das Feuer und bewegte sich anschließend zum Cama and Albless Hospital für Frauen und Kinder. Ein weiteres drang in das Nariman House, auch Chabad House, ein und nahm Geiseln. Zwei Täter attackierten das Café Leopold in Colaba und wechselten danach zum Taj Mahal Palace. Andere stürmten das Oberoi Trident am Marine Drive. In den Hotels kam es zu langwierigen Gefechten mit Geiselnahmen und Bränden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sicherheitskräfte waren zu Beginn unzureichend vorbereitet. Erst mit Eintreffen von Spezialeinheiten der Marine und der National Security Guard gelang es, die Täter zu stellen und die Geiseln zu befreien. Neun Angreifer wurden bis zum Abend des 29. November getötet. Nur Ajmal Kasab überlebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei erlitt schwere Verluste. Unter den Getöteten waren Hemant Karkare, Ashok Kamte und Vijay Salaskar. Für ihren Einsatz wurden zahlreiche Beamte posthum geehrt. Zu den prägenden Namen der Rettungsoperation zählen außerdem Tukaram Omble, Sandeep Unnikrishnan und Gajender Bisht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Politisch folgten rasche Debatten über Fehler im Krisenmanagement. Premierminister Manmohan Singh kündigte Reformen an. Innenminister Shivraj Patil trat zurück, der bisherige Finanzminister P. Chidambaram übernahm.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Geheimdienste und Vorwissen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Schon Monate vor den Anschlägen lagen verschiedenen Diensten Hinweise vor. Deren Tragweite wurde unterschätzt und unzureichend ausgewertet. Früh wurde über die Rolle des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI spekuliert. Der Forschungs- und Ermittlungsstand zeigt ein Spektrum von Deutungen. Es reicht von der Annahme staatlicher Mitwirkung über das Wirken abtrünniger Elemente bis zur Zurückweisung jeder staatlichen Beteiligung. Unstrittig ist die Nähe zwischen Teilen des ISI und Gruppen wie Lashkar-e-Taiba in der Vergangenheit. Technische Spuren und Zeugenaussagen belegten die Rolle führender LeT-Kader bei Planung, Aufklärung und Steuerung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/2008_Mumbai_terror_attacks_Nariman_House_side_view-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-5120" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/2008_Mumbai_terror_attacks_Nariman_House_side_view-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/2008_Mumbai_terror_attacks_Nariman_House_side_view.jpg 500w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nariman House, 2008. Hier wurden Juden getötet</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Als Konsequenz wurden Strukturen, Ausrüstung und Ausbildung der Sicherheitskräfte ausgebaut. Mit dem National Investigation Agency Act vom 31. Dezember 2008 erhielt die nationale Ermittlungsbehörde erweiterte Kompetenzen für Terrorfälle. Regionale Außenstellen der National Security Guard wurden eingerichtet. Die Zusammenarbeit mit Partnerstaaten wurde intensiviert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verhältnis zu Pakistan verschlechterte sich deutlich. Indien übte diplomatischen Druck aus, gegen Drahtzieher vorzugehen. Hafiz Muhammad Saeed wurde in den Jahren 2020 bis 2022 in Pakistan in mehreren Verfahren wegen Terrorfinanzierung verurteilt. Zaki ur Rehman Lakhvi wurde im Januar 2021 wegen Terrorfinanzierung festgenommen und verurteilt. Tahawwur Hussain Rana, der in den USA wegen Unterstützung von LeT verurteilt worden war, wurde am 10. April 2025 an Indien ausgeliefert. Diese Maßnahmen veränderten das bilaterale Klima, beseitigten aber nicht das strukturelle Misstrauen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erinnerung und politischer Gebrauch</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anschläge von Mumbai sind bis heute Teil der kollektiven Erinnerung in Indien. Jährliche Gedenkveranstaltungen, Medienberichte und kulturelle Aufarbeitungen wie Filme oder Dokumentationen halten das Ereignis präsent. Die Bezeichnung als „indischer 9/11“ ist politisch umstritten, verweist aber auf die traumatische Wirkung und die daraus resultierende Verschiebung der Sicherheitsdoktrin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zugleich wurde das Ereignis politisch instrumentalisiert. Parteien nutzten es zur Profilierung ihrer sicherheitspolitischen Agenda. Die Radikalisierung des politischen Diskurses in Indien und die Stärkung nationalistischer Rhetorik sind auch auf das Nachwirken der Anschläge zurückzuführen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-5121" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf die Küste Mumbais, 2025</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mehr erfahren</strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Fair, C. Christine: <em>In Their Own Words: Understanding Lashkar-e-Tayyaba.</em> Analyse der Ideologie und Organisation der Täter.</li>



<li>Riedel, Bruce: <em>The Search for Al Qaeda.</em> Überblick über regionale jihadistische Netzwerke.</li>



<li>Swami, Praveen: <em>India, Pakistan and the Secret Jihad.</em> Kontextualisierung des Konflikts aus sicherheitspolitischer Perspektive.</li>



<li>Tellis, Ashley J.: <em>Lessons from Mumbai.</em> Analyse der Reaktion des indischen Staates.</li>



<li>Gupta, Sumit: <em>The Politics of Anti-Terrorism in India.</em> Einordnung der innenpolitischen Dynamiken nach 2008.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Hotel Taj Mahal Palace, 2025.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: Wikimedia Commons, geni open street maps.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mumbai CST: Wikimedia Commons, Shabbir Siraj.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nariman House: Wikimedia Commons, Nicholas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles weitere eigene Aufnahmen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/terror-in-mumbai-der-26-november-2008/">Terror in Mumbai &#8211; Der 26. November 2008</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<item>
		<title>Die Entstehung der indischen Filmindustrie</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/indien/die-entstehung-der-indischen-filmindustrie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/indien/die-entstehung-der-indischen-filmindustrie/">Die Entstehung der indischen Filmindustrie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="169" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Phalke-1-169x300.jpg" alt="" class="wp-image-7089" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Phalke-1-169x300.jpg 169w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Phalke-1.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dadasheb Phalke (1870-1944)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im April 1913 lässt sich Dadasaheb Phalke in einem Fotostudio in Girgaum porträtieren. Neben ihm steht eine hölzerne Filmkamera, vor ihm liegt ein Stapel handbeschriebener Titelkarten. Wenige Wochen später, am 3. Mai 1913, läuft im Coronation Cinema in Bombay sein Film „Raja Harishchandra“. Das Publikum sieht die Geschichte eines Königs, der um seiner Wahrhaftigkeit willen alles verliert und am Ende göttliche Gnade erfährt. Für die Zuschauer ist der Stoff vertraut. Neu ist, dass er als abendfüllender indischer Spielfilm erscheint und als einheimische Produktion beworben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem Abend beginnt in den Darstellungen der Filmgeschichte regelmäßig die indische Filmindustrie. Der Weg dorthin führt durch Theater, koloniale Stadtgesellschaft und eine Reihe improvisierter Experimente.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Theater, Mythologie und visuelle Erzähltraditionen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor bewegte Bilder in Indien heimisch werden, existiert eine dichte Unterhaltungslandschaft. In Bombay, Kalkutta und Madras spielen Parsi-Theatertruppen historische und mythologische Stoffe. Sie verbinden Dialog, Musik, Gesang und spektakuläre Bühnenbilder. Wanderbühnen ziehen durch kleinere Städte. Religiöse Feste präsentieren Episoden aus dem Ramayana oder dem Mahabharata als öffentliche Aufführungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Formen prägen Sehgewohnheiten. Das Publikum erwartet klare moralische Konflikte, starke Gesten, erkennbare Helden und Bösewichte. Musik und Gesang gehören selbstverständlich zur dramatischen Erzählung. Als das Kino auftritt, trifft es auf Zuschauer, die mit seriellen Erzählungen und starähnlicher Verehrung von Darstellern vertraut sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erste Filmvorführungen im kolonialen Kontext</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="197" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/LArrivee_dun_train_en_gare_de_La_Ciotat-300x197.jpg" alt="" class="wp-image-7094" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/LArrivee_dun_train_en_gare_de_La_Ciotat-300x197.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/LArrivee_dun_train_en_gare_de_La_Ciotat-1024x674.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/LArrivee_dun_train_en_gare_de_La_Ciotat-768x505.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/LArrivee_dun_train_en_gare_de_La_Ciotat.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Arrival of the train, 1895</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 1896 zeigen Vertreter der Brüder Lumière in Bombay kurze Filme. Programme mit Titeln wie „Arrival of a Train“ oder „Baby’s Dinner“ laufen zunächst in Hotels und Theatern. Zeitungen berichten über die „bewegten Photographien“. Bald folgen Vorführer mit eigenen Apparaten und Zelten. Sie spielen in Theatersälen, auf offenen Plätzen und in provisorischen Kinos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Programme bestehen aus einer Mischung aus ausländischen Kurzfilmen, Varieténummern und lokalen Attraktionen. Das Kino erscheint als Teil kolonialer Unterhaltungskultur. Europäische Firmen liefern Technik und Filmkopien. Indische Unternehmer erkennen früh die wirtschaftlichen Möglichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Jahren entstehen vor allem Dokumentaraufnahmen von Prozessionen, Paraden oder religiösen Festen. Sie bleiben kurz und werden in gemischten Programmen gezeigt. Eine eigenständige Spielproduktion entwickelt sich nur zögernd.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von „Pundalik“ zu „Raja Harishchandra“</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="238" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/PundalikAd-238x300.jpg" alt="" class="wp-image-7095" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/PundalikAd-238x300.jpg 238w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/PundalikAd-812x1024.jpg 812w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/PundalikAd-768x969.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/PundalikAd.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px" /><figcaption class="wp-element-caption">Werbung für &#8222;Pundalik&#8220;, 1912.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">1912 kommt mit „Pundalik“ ein längerer Film in die Kinos von Bombay. Er basiert auf einem religiösen Bühnenstück aus Maharashtra. In der Forschung gilt er als Vorläufer, auch wenn technische Aspekte und die Beteiligung ausländischer Kameraleute seine Stellung ambivalent erscheinen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Phalke geht einen Schritt weiter. Er studiert europäische Filme, experimentiert mit Trickaufnahmen und entschließt sich zu einem abendfüllenden Spielfilm auf Grundlage eines mythologischen Stoffes. Die Wahl fällt auf die Geschichte des Königs Harishchandra, die in Theater und Literatur weit verbreitet ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Produktion erfolgt unter einfachen Bedingungen. Phalke übernimmt Regie, Drehbuch, Kameraorganisation und Teile der Ausstattung. Frauenrollen spielen zunächst Männer, da sich kaum Darstellerinnen finden lassen. Gedreht wird mit natürlichem Licht, Szenen werden in festen Einstellungen aufgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Uraufführung am 3. Mai 1913 im Coronation Cinema markiert einen Wendepunkt. Der Film umfasst rund 3700 Fuß Länge und wird mit weiteren Kurzfilmen kombiniert. Zeitungen berichten positiv. Die Aufführungen verlängern sich über mehrere Wochen. Der Film reist nach Poona, Surat und Kalkutta. Die Einnahmen zeigen, dass eine lokale Produktion wirtschaftlich tragfähig sein kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mythologie als Strategie</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="268" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Kamalabai_Gokhale-268x300.jpg" alt="" class="wp-image-7097" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Kamalabai_Gokhale-268x300.jpg 268w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Kamalabai_Gokhale.jpg 408w" sizes="auto, (max-width: 268px) 100vw, 268px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kamlabai Gokhale (1900-1997) spielte in Mohini Bhasmasur eine der Hauptrollen</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung für mythologische Stoffe ist pragmatisch. Religiöse Erzählungen besitzen breite Bekanntheit. Sie vermeiden direkte politische Konfrontation mit der kolonialen Verwaltung. Zugleich erlauben sie moralische Botschaften, die mit Ideen von Wahrhaftigkeit, Opferbereitschaft und Gerechtigkeit arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Phalkes zweite und dritte Produktionen, „Mohini Bhasmasur“ und „Satyavan Savitri“, greifen erneut auf mythologische Themen zurück. In diesen Filmen treten erstmals Frauen vor die Kamera. Mit Durgabai und ihrer Tochter Kamla erscheinen 1913 die ersten indischen Filmschauspielerinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mythologische Filme schaffen eine wiedererkennbare Marke. Sie verbinden religiöse Tradition mit moderner Technik und stärken das Argument einer eigenständigen, einheimischen Filmproduktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalkutta, Madan und das entstehende Netz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel zu Phalkes Arbeit entsteht in Kalkutta ein starkes Vertriebs- und Kinonetz unter Jamshedji Framji Madan. Seine Firma betreibt zahlreiche feste Kinos, importiert britische und amerikanische Filme und kontrolliert große Teile des Marktes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Madan steigt bald selbst in die Produktion ein. 1917 entsteht in Kalkutta eine weitere Version des Harishchandra-Stoffs, diesmal länger und stärker an eine erfolgreiche Theaterfassung angelehnt. Bengal entwickelt früh eine Verbindung zwischen Literatur, Theater und Film.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kolhapur gründet Baburao Painter 1918 die Maharashtra Film Company. In Madras entstehen erste Studios für südindische Produktionen. Regionale Zentren beginnen, eigene Sprachen und Themen einzubringen. Bombay bleibt jedoch durch seine Infrastruktur, seine Häfen und seine wachsende Industrie ein zentraler Standort.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Regulierung und Zensur</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Wachstum des Kinos wächst auch staatliche Kontrolle. Der Indian Cinematograph Act von 1918 führt Lizenzpflichten für Kinos ein und etabliert Zensurbehörden. Filme müssen vor öffentlicher Aufführung geprüft werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Regulierung betrifft sowohl ausländische als auch indische Produktionen. Politisch sensible Themen geraten unter Beobachtung. Mythologische und historische Stoffe bleiben vergleichsweise unproblematisch und dominieren weiterhin die Produktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die 1920er Jahre als Konsolidierungsphase</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1920er Jahren steigt die Zahl der produzierten Filme deutlich. Feste Studios, spezialisierte Techniker und ein wachsendes Star-System entstehen. Filmzeitschriften berichten über Darsteller, neue Produktionen und Premieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kino wird zu einem festen Bestandteil urbaner Freizeit. Wanderkinos bringen Filme in kleinere Städte. Gleichzeitig konkurriert das Medium mit Theater, Musik und später mit neuen Formen der Unterhaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende des Jahrzehnts existiert in Indien eine klar erkennbare Filmindustrie. Sie verfügt über Produktionsfirmen, Verleihnetze, feste Kinos und ein Publikum, das einheimische Stoffe erwartet. Die Grundlagen für den Tonfilm und das Studiosystem der 1930er Jahre sind gelegt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Medium zwischen Kolonie und Nation</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entstehung der indischen Filmindustrie vollzieht sich im Spannungsfeld zwischen kolonialer Struktur und wachsendem nationalem Selbstbewusstsein. Technik, Kapital und Teile der Organisation stammen aus einem globalen Kontext. Stoffe, Erzählweisen und Publikumsbindung greifen auf lokale Traditionen zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Raja Harishchandra“ wird diese Verbindung sichtbar. Ein mythologischer König erscheint auf einer modernen Leinwand in einer kolonialen Hafenstadt. Aus dieser Konstellation entwickelt sich in wenigen Jahrzehnten eine der produktivsten Filmkulturen der Welt. Die Phase der Stummfilmzeit bildet dafür das Fundament, auf dem Tonfilm, Studiosystem und später das, was man als Bollywood kennt, aufbauen können.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<figure class="wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rajadhyaksha, A. und Willemen, P. (2014):<a href="https://amzn.to/4rPo093"> <em>Encyclopaedia of Indian Cinema</em></a>.* Standardwerk mit detaillierten Einträgen zu Filmen, Personen und Firmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dissanayake, W. (Hg.) (1994): <em><a href="https://amzn.to/4rLOo3o">Colonialism and Nationalism in Asian Cinema</a></em>.* Einordnung des frühen Kinos in koloniale und nationale Kontexte Asiens.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Girgaum, Mumbai, 1905.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Bilder gemeinfrei.</p>
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		<title>Der Bau des Gateway of India</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Nov 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Indien_Gateway-1.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Morgenluft über dem Hafen von Bombay war klar, als sich am 31. März 1913 einige Dutzend Gäste am Apollo Bunder versammelten. Aus den Schuppen der Fischer stieg der Geruch von getrockneten Netzen auf, während Arbeiter die letzten Holzplanken für eine provisorische Bühne festklopften. Der Gouverneur von Bombay setzte den Stein, der den Beginn eines Projekts markierte, das die Silhouette der Stadt bis heute bestimmt. Niemand ahnte, wie langwierig die Arbeiten werden würden und wie grundlegend sich die Uferlinie verändern sollte.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Planung für ein koloniales Symbol</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgangspunkt war der Besuch von König George V und Königin Mary im Dezember 1911. Die Monarchen sahen bei ihrer Ankunft nur ein aufgestelltes Modell aus Holz und Farbe, doch die Kolonialverwaltung entschied, einen dauerhaften Eingang zur Hafenstadt entstehen zu lassen. Der britische Architekt George Wittet erhielt den Auftrag. Er hatte zuvor in Bombay gearbeitet und kannte die lokalen Bautraditionen. Seine frühen Entwürfe verbanden Elemente aus verschiedenen indischen Regionen mit klassischen Formen eines Triumphbogens. Die Regierung bestätigte seinen Vorschlag im August 1914.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="600" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Apollo-bunder_0.jpg" alt="" class="wp-image-5560" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Apollo-bunder_0.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Apollo-bunder_0-300x188.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/Apollo-bunder_0-768x480.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Apollo Bunder, um 1905</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der Standort war festgelegt, die baulichen Voraussetzungen jedoch nicht. Die Hafenzone des Apollo Bunder bestand aus unebenem Gelände, das Fischer seit Generationen nutzten. Bevor mit dem eigentlichen Bau begonnen werden konnte, musste das Areal erweitert und befestigt werden. Zwischen 1915 und 1919 entstanden eine lange Ufermauer und aufgeschüttete Flächen, die den Bogen tragen sollten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Material und Konstruktion</strong></h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="282" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/jati-300x282.png" alt="" class="wp-image-5565" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/jati-300x282.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/jati.png 607w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jai am Taj Mahal. Jali bezeichnet in der indischen Architektur ein dekoratives, steinernes Gitter mit durchbrochenen Mustern, das Licht und Luft durchlässt und zugleich als ornamentales Element wirkt.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl der Baustoffe orientierte sich an der Umgebung. Gelber Basalt aus der Region gab dem Monument seinen warmen Ton. Durchbrochene Jali-Gitter aus Gwalior, eine traditionelle Form ornamentaler Steinarbeit, ergänzten die Fassaden. Wittet entwarf ein Gebäude, das in der Grundform einem achtsäuligen Gedenkbogen entsprach. Der mittlere Durchgang erhielt eine Höhe von 26 Metern und eine eigene Aufstockung, aus der vier Türmchen aufragten. Drei parallele Bögen auf der Längsseite und weitere auf der Schmalseite sollten den Besucherfluss lenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gammon India übernahm die Bauarbeiten und musste mit dem wechselhaften Klima der Hafenstadt umgehen. Die Arbeiten rückten nur langsam voran, da erst das Fundament vollständig trocknen musste. Erst 1920 war dieser erste Abschnitt abgeschlossen. Die schweren Basaltblöcke wurden vor Ort zugeschnitten und mit Kränen auf den Unterbau gehoben. Zeitgenössische Berichte beschreiben tagelanges Klopfen und Sägen, das bis zu den Lagerschuppen am Hafen zu hören war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verzögerungen steigerten die Kosten. Insgesamt belief sich das Budget auf mehr als 21 Lakh Rupien, über zwei Millionen nach damaliger Zählweise. Es war vorgesehen, eine repräsentative Zufahrt zu schaffen, doch dafür fehlten Mittel. Der Bogen blieb dadurch leicht versetzt zur Straße stehen. Dieser Winkel fällt bis heute im Blick vom Hafen über die esplanadeartige Fläche auf das Monument auf.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ein Monument nimmt Gestalt an</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1924 erreichte der Bau seine Vollendung. Die hellen Steinbänder über dem Hauptbogen wurden geglättet, und an der Seeseite legten Arbeiter eine breite Treppe an, die den Übergang zum Ufer erleichtern sollte. Auf jeder Seite entstanden große Säle, die bei Zeremonien genutzt werden konnten. Ihre Kapazität reichte für mehrere Hundert Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 4. Dezember 1924 öffnete der Vizekönig, der Marquess of Reading, den Bogen für die Öffentlichkeit. Die Regierung organisierte eine schlichte Zeremonie. Das Meer lag ruhig, und die geschmückten Schiffe der Hafenbehörde bildeten den Hintergrund für die Ansprache. Das Bauwerk bildete einen symbolischen Eingang zur Kolonialverwaltung und einen Ort für Ankünfte hochrangiger Beamter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa zwanzig Jahre später erhielt das Monument eine weitere Bedeutung. Am 28. Februar 1948 marschierten britische Truppen zum letzten Mal durch den Bogen und bestiegen ein Schiff, das sie aus Indien bringen sollte. Die Szene wurde vielfach fotografiert und ist seitdem ein fest verankertes Bild in der Geschichte der Stadt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der historische Hintergrund des Geländes</strong></h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20250218_121155-Kopie-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-5570" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20250218_121155-Kopie-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20250218_121155-Kopie-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20250218_121155-Kopie-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20250218_121155-Kopie-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_20250218_121155-Kopie.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">The Taj Mahal Palace</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Diese Umgestaltung veränderte den Charakter des Hafens grundlegend. Aus dem kleinteiligen Fischerviertel entstand eine offene Fläche, die mit dem neuen Hotelkomplex gegenüber korrespondierte. Sie sollte Ankommenden den Eindruck einer modernen, strukturierten Hafenstadt vermitteln. Der Hafenvorplatz wurde schrittweise erweitert, und die neue Uferlinie erleichterte das Manövrieren größerer Schiffe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nach seiner Fertigstellung erforderte das Monument regelmäßige Wartung. Die salzhaltige Luft ließ Ablagerungen entstehen, die die Steine nach und nach verfärbten. Spätere Untersuchungen wiesen Unterschiede zwischen den äußeren, sonnenexponierten Bereichen und den schattigen Innenzonen nach. Diese Beobachtungen fließen heute in Konservierungsmaßnahmen ein.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Weitere Entwicklung der Umgebung</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Unabhängigkeit entwickelte sich der Platz um den Bogen zu einem städtischen Treffpunkt. Die Aufstellung einer Statue des Maratha-Herrschers Shivaji im Jahr 1961 verschob die symbolische Orientierung des Platzes. Sie ersetzte das Denkmal für George V, das zuvor dort gestanden hatte. Diese Veränderung spiegelte die politischen Prioritäten der jungen Republik.</p>



<figure class="wp-block-embed alignleft is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anlegestege am Bogen wurden zu Ausgangspunkten für Fährverbindungen. Besonders die Route zu den Elephanta Caves führte zu starkem Verkehr im Hafenbecken. Verschiedene Behörden überwachen Sicherheit und Genehmigungen der Schiffe.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Bogen im heutigen Stadtbild</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Jahrzehnte wurde der Ort mehrfach umgestaltet. Fußwege wurden verbreitert, Gärten neu angelegt und Beleuchtungssysteme modernisiert. 2014 erhielt das Monument eine farbige LED-Illumination. Die Anlage ist als geschütztes Denkmal eingestuft und wird regelmäßig untersucht, um Schäden durch Feuchtigkeit zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verbindung aus kolonialer Bauweise, regionalen Ornamenten und der Lage am Meer macht den Bogen zu einem markanten Bauwerk im Stadtgefüge von Mumbai. Die Konstruktion verweist auf die administrativen Abläufe einer Hafenstadt, die technischen Herausforderungen eines Uferprojekts und die Vorstellungen kolonialer Repräsentation. Besucher blicken heute durch die große Öffnung auf das Hafenbecken, während Boote an den Stegen anlegen und Händler durch die Menge rufen. Das Bauwerk, das einst für eine monarchische Ankunft entstand, bleibt ein Ort, an dem sich Stadtgeschichte und alltägliche Szenen begegnen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/gateway2-3-1024x768.png" alt="" class="wp-image-5564" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/gateway2-3-1024x768.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/gateway2-3-300x225.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/gateway2-3-768x576.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/gateway2-3-1536x1152.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/gateway2-3-2048x1536.png 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/gateway2-3-scaled.png 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Metcalf, Thomas (1989): <a href="https://www.amazon.de/Imperial-Vision-Indian-Architecture-Britains/dp/0571154190?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=3F61IW4NBF44I&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.PRtu6x6gfmguY8zzr3LrIDZqMO1r6AdT2bwUmGcSNCEZirjY9DDzYBCXzS24viBUbq2HzuHMfh3THfVgoudVLQ.zakU9lULtf6TSOVTgNA5g7Op0jVf5HAY7fvMdywU7Bg&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Metcalf+An+Imperial+Vision&amp;qid=1763730317&amp;sprefix=metcalf+thomas+1989+an+imperial+vision%2Caps%2C332&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=4d44ed33ecda724448d2a5af4a1dab63&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl"><em>An Imperial Vision</em>: Indian Architecture and Britain&#8217;s Raj</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Apollo Bunder, Wikimedia Commons, Paper Jewels.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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