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	<title>Minderheiten Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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	<title>Minderheiten Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Gemeinschaft, Götter, Geschlechterrollen – Eine kurze Kulturgeschichte der Naxi</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[China]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Gesellschaft im Schatten des Jade-Drachen-Bergs Im Nordwesten der chinesischen Provinz Yunnan, nahe der alten Stadt Lijiang, leben rund 280.000 Naxi. Ihre Sprache gehört zur tibetobirmanischen Sprachgruppe, ihre Kultur ist &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/gemeinschaft-goetter-geschlechterrollen-eine-kurze-kulturgeschichte-der-naxi/">Gemeinschaft, Götter, Geschlechterrollen – Eine kurze Kulturgeschichte der Naxi</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<h3 class="wp-block-heading">Eine Gesellschaft im Schatten des Jade-Drachen-Bergs</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_20251018_134617-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-7111" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_20251018_134617-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_20251018_134617-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_20251018_134617.jpg 1020w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blue Moon Valey, Lijiang.</figcaption></figure>
</div>


<p>Im Nordwesten der chinesischen Provinz Yunnan, nahe der alten Stadt Lijiang, leben rund 280.000 Naxi. Ihre Sprache gehört zur tibetobirmanischen Sprachgruppe, ihre Kultur ist von jahrhundertealten Handelsbeziehungen mit Tibet und Han-China geprägt. Die Naxi sind eine der 55 offiziell anerkannten Minderheiten Chinas. Ihre traditionelle Religion, der Dongba-Glaube, verknüpft animistische Weltbilder mit buddhistischen Einflüssen – und strukturierte über Jahrhunderte nicht nur den religiösen Alltag, sondern auch Umweltverhalten und Geschlechterrollen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren matrilineare Strukturen verbreitet. Heute lassen sich viele dieser Muster nur noch fragmentarisch beobachten &#8211; aber sie wirken weiter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Shu – Naturgeister zwischen Mythos und Moral</h3>



<p>Im Zentrum des Dongba-Glaubens steht die Verehrung der Shu, der vielgestaltigen Naturgeister, die Bäche, Quellen, Wälder oder Berge bewohnen. Die gängige Darstellung vereint einen Froschkopf (Symbol des Weiblichen), einen menschlichen Rumpf und ineinander verschlungene Schlangenschwänze (Symbol des Männlichen). Als Archetyp verkörpert Shu eine weibliche, gebärende Urkraft, die sowohl Leben spendet als auch Strafe bringen kann.</p>



<p>In rituellen Zeremonien wird Shu keine Gewalt angetan: Blut ist tabu. Stattdessen werden Eier, Milch und Kräuter geopfert. Die wichtigste Zeremonie findet im dritten Monat des Mondkalenders statt und heißt „Schuldenrückzahlung an Shu“. Das Verhältnis zur Natur wird als Austausch verstanden: Wer Holz, Wasser oder Jagdwild nimmt, muss durch Ritualgaben einen Ausgleich schaffen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wälder im Besitz der Gemeinschaft</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="295" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_20251018_172003-295x300.jpg" alt="" class="wp-image-7115" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_20251018_172003-295x300.jpg 295w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_20251018_172003.jpg 704w" sizes="(max-width: 295px) 100vw, 295px" /></figure>
</div>


<p>Bis in die 1980er Jahre hinein waren viele Naxi-Gemeinden kollektiv organisiert. Besonders deutlich zeigt sich das in Longquan und Enzong, zwei Dörfern bei Lijiang. Dort wurden Wälder in verschiedene Zonen unterteilt: Dorfwälder, gemeinschaftlich verwaltete Berge, heilige Quellen. Nutzung und Schutz folgten komplexen Regeln, die teils schriftlich fixiert, teils rituell kodiert waren.</p>



<p>Wälder wurden nicht beliebig abgeholzt, sondern in einem festen Rhythmus bewirtschaftet. In regelmäßigen Jahren wurde mit Losverfahren festgelegt, welche Haushalte welche Bäume schlagen durften. Wächter:innen – teils aus anderen ethnischen Gruppen, um Vetternwirtschaft zu vermeiden – überwachten die Einhaltung. Der Gedanke war nicht der des maximalen Ertrags, sondern der des Gleichgewichts: Jeder Eingriff erforderte einen symbolischen Ausgleich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Frauenarbeit im Wandel</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="169" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Naxi_02-169x300.jpg" alt="" class="wp-image-5068" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Naxi_02-169x300.jpg 169w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Naxi_02-576x1024.jpg 576w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Naxi_02-768x1365.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Naxi_02-864x1536.jpg 864w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Naxi_02-1152x2048.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Naxi_02-scaled.jpg 900w" sizes="(max-width: 169px) 100vw, 169px" /></figure>
</div>


<p>In diesen Systemen spielten Frauen eine tragende Rolle. Sie sammelten Feuerholz, Nadeln und Wildpflanzen, trugen Sorge für das Hausfeuer und verkauften Brennmaterial auf dem Markt in Lijiang. Die Wächterin He Junshu bewachte über zwei Jahrzehnte hinweg die Wälder zweier Dörfer, eine Ausnahme in einer sonst männlich dominierten Funktion. Ihr Handeln stützte sich auf kollektive Rückendeckung, aber auch auf die religiöse Vorstellung, dass die Berggeister selbst hinter den Wächtern stehen.</p>



<p>Die Rolle der Frauen wandelte sich jedoch mit der Kollektivierung nach 1958. Die industrielle Nachfrage nach Brennholz stieg, religiöse Tabus wurden als „Aberglaube“ bekämpft, Wälder massiv abgeholzt. Später reduzierten technische Innovationen wie Gasherde, Strom und chemischer Dünger die Notwendigkeit für tägliches Holzsammeln. Dennoch blieb die Arbeitsbelastung der Frauen hoch, besonders, weil viele Männer in die Städte zogen und die Landarbeit zurückließen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Ritual zur Regel – Ethik, Ökologie und Geschlechterordnung</h3>



<p>Die Rituale rund um Shu, die einst ein spirituelles Verständnis von Natur vermittelten, wurden in vielen Dörfern durch Verordnungen ersetzt. Dabei blieb der moralische Kern erhalten: das Bewusstsein, dass menschliche Eingriffe in die Natur nicht folgenlos bleiben. Die traditionellen Glaubensvorstellungen – etwa das Verbot, Bäume an Quellen zu fällen – führten in vielen Fällen zu nachhaltigerem Verhalten als staatliche Regelungen.</p>



<p>Mit dem Aufkommen des konfuzianischen Bildungssystems im 18. Jahrhundert gerieten weibliche Ahnenfiguren und Matrilinearität zunehmend unter Druck. Die einst prägenden Frauenbilder, etwa in den Dongba-Piktogrammen, wurden durch männliche Dominanz ersetzt. Dennoch ist in vielen Dörfern die Entscheidungsgewalt über Haushalt, Ressourcen und Kinderfragen bis heute eng mit weiblicher Handlungsfähigkeit verknüpft, ein stilles Erbe matrifokaler Tradition.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit: Erinnerung an eine andere Moderne</h3>



<p>Die Geschichte der Naxi-Gesellschaft zeigt, wie eng ökologische Praxis, soziale Organisation und spirituelle Vorstellungen miteinander verwoben sein können. Frauen waren Trägerinnen von Umweltwissen, Vermittlerinnen religiöser Praxis und zentrale Akteurinnen der Alltagswirtschaft. Die Naturgottheit Shu, halb Mensch, halb Tier, verkörpert dieses Verhältnis symbolisch: komplex, ambivalent, lebensspendend, aber nicht verfügbar.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="718" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Cultural_Centre_Dance_Item_Jade_Water_Village.jpg" alt="" class="wp-image-7114" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Cultural_Centre_Dance_Item_Jade_Water_Village.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Cultural_Centre_Dance_Item_Jade_Water_Village-300x224.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Cultural_Centre_Dance_Item_Jade_Water_Village-768x574.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Naxi-Tanz im Jade Water Village</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Heberer, Thomas (2017): <em><a href="https://www.amazon.de/China-Its-National-Minorities-Assimilation-ebook/dp/B074CCLHK8?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=16ARDQ8MNON6M&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.K-YkXw0WVC5WUn9wErffmXevL6DTF1I_QXF19ox4z2ZbmhBXrph9uwNvF_UNiV4rIkovgmlx7VXIbX4mKMPqUa3Pew1T4laTHxuvQskEqvk.P8MKEpJ_rLUHhdVl8PegIx8awWd2ui4OWr6FE1Ewg-E&amp;dib_tag=se&amp;keywords=China+and+Its+National+Minorities&amp;qid=1758808886&amp;sprefix=china+and+its+national+minorities%2Caps%2C253&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=fbd7096c35bb84182862894c896f039a&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">China and Its National Minorities</a></em>.*</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildernachweis</h3>



<p>Titel: Dongba-Schrift.</p>



<p>Jade Water Village: Wikimedia Commons, Tdxiang. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p>Alles Weitere eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>
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		<item>
		<title>Die Qing Dynastie und die Hochländer</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/china/die-qing-dynastie-und-die-hochlaender/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Zomia_Die_Qing_Dynastie_und_die_Hochlaender-2.mp3"></audio></figure>



<p>Im 18. Jahrhundert versuchte die Qing Dynastie, ihre Herrschaft in den südlichen Grenzregionen zu festigen. Besonders Yunnan und Guizhou galten als schwierig. Dort lebten hochlandtypische Dorfgemeinschaften, die nur locker an die kaiserliche Verwaltung gebunden waren. Beamte forderten Abgaben, verlangten Sesshaftigkeit und wollten lokale Autoritäten enger in die Verwaltung einbinden. Die Topografie, die Streulage der Siedlungen und die Wirtschaftsweise setzten dem enge Grenzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Spannungen in Guizhou und Yunnan</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="173" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Yungui_map-300x173.jpg" alt="" class="wp-image-5014" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Yungui_map-300x173.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Yungui_map-1024x590.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Yungui_map-768x443.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Yungui_map.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Yunnan und Guizhou</figcaption></figure>
</div>


<p>Viele Gemeinden betrieben Brandrodungswirtschaft und wechselten Felder nach einigen Jahren. Das erschwerte Erfassung und Besteuerung. Belastungen stiegen, wenn lokale Beamte Zusatzabgaben verlangten. In diesem Umfeld kam es bereits im frühen 18. Jahrhundert zu Erhebungen. Die Hmong sind hierfür ein häufig genanntes Beispiel. Sie lebten in verstreuten Siedlungen, nutzten Waldsaum und Hänge und waren auf Beweglichkeit angewiesen. Eingriffe in Landnutzung und Dorfordnung verstärkten Spannungen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aufstände und Gegenmaßnahmen</h3>



<p>Die Qing Behörden reagierten mit Feldzügen und Verwaltungsreformen. Wiederkehrende Unruhen prägten das späte 18. Jahrhundert. Eine groß angelegte Erhebung erfasste um 1795 bis 1806 Teile von Guizhou, Hunan und Guangxi. In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es in Guizhou erneut zu langen Kämpfen, die erst in den 1870er Jahren abebbten. Das Gelände begünstigte die Aufständischen. Enge Pässe und Walddecken erschwerten Operationen. Versorgung und Kommunikation blieben störanfällig. Die kaiserlichen Truppen setzten auf befestigte Stützpunkte, auf Bündnisse mit lokalen Eliten und auf Umsiedlungen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Migration nach Süden</h3>



<p>Viele Familien wählten die Flucht. Seit dem späten 18. Jahrhundert tauchen Hmong Siedlungen in den Hochländern von Laos und Vietnam auf. Später folgten Gruppen nach Nordthailand. Diese Bewegungen verbanden die südchinesischen Bergregionen enger mit den Grenzgebieten des siamesischen und vietnamesischen Einflussraums. Die neuen Gemeinden blieben meist kleinräumig organisiert. Handel mit Salz, Opium oder Waldprodukten wurde genutzt, ohne dauerhafte Abhängigkeiten einzugehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Panthai-Rebellion</h3>



<p>In Yunnan kam es im 19. Jahrhundert zu einer weiteren, besonders folgenreichen Revolte. Die sogenannte Panthay-Rebellion (1856 bis 1873) entstand nach Massakern an muslimischen Gemeinden und weitete sich zu einem multiethnischen Aufstand aus. Unter Führung von Du Wenxiu entstand in Dali das „Pacified Southern Kingdom“ (Pingnan Guo), das fast zwei Jahrzehnte bestand. Du Wenxiu präsentierte den Kampf als antiman­churische Bewegung und gewann auch Han-Chinesen und nichtmuslimische Minderheiten. Die Qing konnten die Rebellion nur unter großen Verlusten niederschlagen, Schätzungen sprechen von bis zu einer Million Toten. Viele Hui-Muslime flohen nach Birma, wo sie als „Panthay“ bekannt wurden und neue Siedlungen gründeten. Damit verknüpfte sich Yunnan noch enger mit den Grenzregionen Südostasiens.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="544" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Capture_of_the_Provincial_Capital_Dali_Yunnan-1024x544.jpg" alt="" class="wp-image-5017" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Capture_of_the_Provincial_Capital_Dali_Yunnan-1024x544.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Capture_of_the_Provincial_Capital_Dali_Yunnan-300x159.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Capture_of_the_Provincial_Capital_Dali_Yunnan-768x408.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Capture_of_the_Provincial_Capital_Dali_Yunnan.jpg 1191w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Einnahme von Dali durch die Qing-Truppen</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Ein Muster der Staatsvermeidung</h3>



<p>Die Auseinandersetzungen zwischen Qing Behörden und Hochlandgemeinden lassen ein wiederkehrendes Muster erkennen. Staaten versuchten, Berggesellschaften zu erfassen, zu besteuern und sesshaft zu machen. Gemeinschaften reagierten mit Ausweichbewegungen, mit verstreuter Siedlungsweise und mit begrenzter Einbindung in regionale Märkte. Gleichzeitig prägte Gewalt den Alltag. Feldzüge, Massaker und Zwangsumsiedlungen begleiteten die Versuche staatlicher Durchdringung ebenso wie Flucht, Aufstand und Vergeltung.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



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<ul class="wp-block-list">
<li>James C. Scott: <em><a href="https://www.amazon.de/Art-Not-Being-Governed-Anarchist/dp/0300169175?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1MTRZX3IJJNJ5&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.pAuWMnR6ZPvlW7AxABuIc7Ijvjf383rJSkO-YhvgXzeLWrgywIG4ejr3TIdYv8tl4nOgyOFvr45oThJJnBvgi1n5uETPvIhFBQjBPl-XADBzeQC9FHnlxYd5o2jVxa3N.eoNfPUcERGnPHPJAbEZB1DThkw86NHjEFzHbfSIngkQ&amp;dib_tag=se&amp;keywords=The+Art+of+Not+Being+Governed&amp;qid=1757755182&amp;sprefix=%2Caps%2C609&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=8b0327b442c456281befeab2883f1bc0&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Art of Not Being Governed</a></em> (2010)* – Standardwerk zu Zomia.</li>



<li>Victor Lieberman: <em>Strange Parallels. Southeast Asia in Global Context, c. 800–1830</em> (2003) – Standardwerk zu den Staaten des Tieflands.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Yungui Plateau, Nähe Guiyang. </p>



<p>Alles gemeinfrei.</p>
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		<title>Geschichte der Rohingya – Zwischen Migration, Identität und Konflikt</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/myanmar/geschichte-der-rohingya-zwischen-migration-identitaet-und-konflikt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Oct 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Herkunft und frühe Geschichte Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit, die vor allem im Rakhine-Staat im Westen von Myanmar (ehemals Birma) lebt. Ihre Herkunft ist umstritten und komplex. Historische Quellen &#8230; </p>
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<h4 class="wp-block-heading">Herkunft und frühe Geschichte</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="143" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-143x300.png" alt="" class="wp-image-5000" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-143x300.png 143w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-488x1024.png 488w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-768x1613.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-731x1536.png 731w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_.png 762w" sizes="auto, (max-width: 143px) 100vw, 143px" /></figure>
</div>


<p>Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit, die vor allem im Rakhine-Staat im Westen von Myanmar (ehemals Birma) lebt. Ihre Herkunft ist umstritten und komplex. Historische Quellen deuten darauf hin, dass muslimische Gemeinschaften seit dem Mittelalter in der Region präsent sind. Einige stammen von Handelsreisenden, Siedlern oder Arbeitsmigranten aus Bengalen und anderen Teilen Südasiens ab.</p>



<p>Im 15. Jahrhundert gehörte der Küstenraum von Rakhine zum Königreich Arakan, das lange Zeit politisch und kulturell unabhängig war und enge Verbindungen zur bengalischen Kultur pflegte. Die muslimischen Bewohner – Vorläufer der heutigen Rohingya – waren in diesem multiethnischen Reich integriert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kolonialzeit und Bevölkerungsbewegungen</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="199" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akyab_mosque_2-300x199.jpg" alt="" class="wp-image-5001" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akyab_mosque_2-300x199.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akyab_mosque_2.jpg 663w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Moschee in Akyab zu Zeiten des kolonialen Birmas</figcaption></figure>
</div>


<p>Unter britischer Kolonialherrschaft (1824–1948) wurde die Region Teil Britisch-Indiens und später von Britisch-Birma verwaltet. Während dieser Zeit kam es zu verstärkter Migration muslimischer Arbeitskräfte aus Bengal nach Arakan, was die Bevölkerungszusammensetzung veränderte.</p>



<p>Die Kolonialadministration verfolgte oft eine „Divide-and-Rule“-Politik, die ethnische und religiöse Gruppen gegeneinander ausspielte. Diese Zeit legte wichtige Grundlagen für spätere Spannungen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nach der Unabhängigkeit und ethnische Konflikte</h4>



<p>Nach der Unabhängigkeit Myanmars 1948 verschärften sich Konflikte um ethnische Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft. Die Rohingya wurden von der Mehrheitsbevölkerung nicht als einheimisch anerkannt. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren kam es zu Gewalt und Vertreibungen.</p>



<p>1982 führte Myanmar ein Staatsbürgerschaftsgesetz ein, das die Rohingya faktisch zu staatenlosen Menschen machte. Sie wurden als „Bengali“ bezeichnet und ihr Recht auf politische Partizipation stark eingeschränkt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-4999" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017-1024x576.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017-300x169.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017-768x432.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zerstörtes Dorf, 2017</figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading">Gewalt und Flüchtlingskrisen</h4>



<p>In den letzten Jahrzehnten kam es wiederholt zu schweren Gewaltwellen gegen die Rohingya, insbesondere 2012 und 2017. Diese führten zu massiven Fluchtbewegungen in Nachbarländer wie Bangladesch.</p>



<p>Internationale Organisationen sprechen von systematischer Diskriminierung, Menschenrechtsverletzungen und ethnischer Säuberung. Die Rohingya zählen heute zu den am stärksten verfolgten Minderheiten weltweit.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="566" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/ECDM_20220825_Myanmar_Bangladesh_Rohingya.pdf.jpg" alt="" class="wp-image-4998" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/ECDM_20220825_Myanmar_Bangladesh_Rohingya.pdf.jpg 800w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/ECDM_20220825_Myanmar_Bangladesh_Rohingya.pdf-300x212.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/ECDM_20220825_Myanmar_Bangladesh_Rohingya.pdf-768x543.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></figure>
</div>


<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Manzoor Hasan, Syed Mansoob Murshed (2022): <a href="https://www.amazon.de/Rohingya-Crisis-Humanitarian-Approaches-Routledge/dp/103230393X?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.jUjv5Gb_bFpdLAW_VpYGDbWdQG8F2QbGlvSYaDEtnJBLQIZu6Uy23uwI9K9df-iPTBU2eFJRl_dEK9rFVGhtvdaUQel2pPw5V3JjzOmkG9fnwgl4cFIgndI-hi3Wq2SjB90lOBPcHmVbbatDwgyyofpwG2Tyo3OcasSHn2i082DxYdSHvPz-JSEZey3lOrHk-rpJNpNxDjs1ZzzAmbj7wC9iUuKZyQYjEttzhcnk_Gc.OcPy7l1d_88GSuyjXgdqK25JGavyiFGTKXqPQE9rhp0&amp;qid=1758698149&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=d8de73960294eb21a170378a08014d99&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl"><em>The Rohingya Crisis</em>. Humanitarian and Legal Approaches</a>.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Alle Bilder gemeinfrei.</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Teilung und Gewalt – Der Sommer 1947</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/teilung-und-gewalt-der-sommer-1947/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Jun 2025 20:54:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Indien und Pakistan – Geschichte einer Trennung]]></category>
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		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[Bengalen]]></category>
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		<category><![CDATA[Dekolonisation]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Fluchtbewegungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Kolonialverwaltung]]></category>
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		<category><![CDATA[Politische Mobilisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Punjab]]></category>
		<category><![CDATA[Religiöse Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsgründung]]></category>
		<category><![CDATA[Südasien]]></category>
		<category><![CDATA[Teilung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Serie: Indien und Pakistan &#8211; Geschichte einer Trennung. Folge 1 Einleitung Im Sommer 1947 endete die britische Kolonialherrschaft über Südasien. Nach fast zweihundert Jahren zogen sich die Kolonialbehörden aus Britisch-Indien &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/teilung-und-gewalt-der-sommer-1947/">Teilung und Gewalt – Der Sommer 1947</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Indien_Pakistan1-2.mp3"></audio></figure>



<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indien-und-pakistan/">Serie: Indien und Pakistan &#8211; Geschichte einer Trennung. Folge 1</a></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Einleitung</strong></h4>



<p>Im Sommer 1947 endete die britische Kolonialherrschaft über Südasien. Nach fast zweihundert Jahren zogen sich die Kolonialbehörden aus Britisch-Indien zurück. Doch statt eines einheitlichen Staates entstanden zwei neue: Indien und Pakistan. Die politische Unabhängigkeit war mit einer territorialen Teilung verbunden, und sie ging mit einer der größten Flucht- und Gewaltbewegungen des 20. Jahrhunderts einher.</p>



<p>Wie es dazu kam, lässt sich nicht durch ein einzelnes Ereignis erklären. Die Gründung Pakistans war kein ursprünglich vorgesehenes Ziel der Dekolonisation, sondern eine späte Entscheidung inmitten politischer Polarisierung, wachsender Unsicherheit und beschleunigtem Rückzug.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Zwei Visionen, kein gemeinsamer Rahmen</strong></h4>



<p>In der politischen Landschaft der 1940er Jahre stand die Kongresspartei für ein geeintes Indien. Sie verstand sich als antikoloniale Massenbewegung mit überkonfessionellem Anspruch. Dieser Anspruch blieb jedoch begrenzt, denn ihre soziale Basis reichte vor allem in die städtischen Mittelklassen und in mehrheitlich hinduistische Regionen hinein und sie konnte bei weiten Teilen der Bevölkerung kein Vertrauen gewinnen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="229" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Jinnah1945c-229x300.jpg" alt="" class="wp-image-3517" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Jinnah1945c-229x300.jpg 229w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Jinnah1945c.jpg 650w" sizes="auto, (max-width: 229px) 100vw, 229px" /><figcaption class="wp-element-caption"> Muhammad Ali Jinnah, 1945. Er wurde der 1. Generalgouverneur im neuentstandenen Pakistan</figcaption></figure>
</div>


<p>Als Stimme der Muslime präsentierte sich die Muslim League unter Muhammad Ali Jinnah (1876-1948). Bei den Wahlen von 1946 konnten sie sich als alleiniger Vertreter der islamischen Bevölkerung etablieren. Ihre Forderung nach einem unabhängigen Pakistan war dabei weniger konkret als politisch wirksam. Der Begriff war nicht eindeutig definiert, sondern wurde flexibel verwendet. Für die einen bedeutete Pakistan einen eigenen Staat mit islamischer Orientierung, für andere vor allem Schutz vor hinduistischer Dominanz. Die Unbestimmtheit ermöglichte eine breite Mobilisierung.</p>



<p>Zur Stärke der Muslim League trugen mehrere Faktoren bei: die Unsicherheit muslimischer Wähler, das Scheitern des Congress, diese Ängste glaubwürdig zu adressieren, und die institutionelle Trennung entlang religiöser Linien, die unter der Kolonialherrschaft gefördert worden war. Bereits seit den Morley–Minto-Reformen von 1909 institutionalisierten die Briten getrennte Wählerlisten für Hindus und Muslime. Dieser Mechanismus festigte religiöse Identitäten politisch und bereitete den Boden für spätere Spaltungen. Diese Entwicklungen fanden unter einem kolonialen Verwaltungsrahmen statt, der zunehmend instabil wurde.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Der Rückzug der Kolonialmacht</strong></h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="169" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Lord_Mountbatten_and_his_wife_Advena_in_Karachi_14_August_1947-300x169.jpg" alt="" class="wp-image-3532" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Lord_Mountbatten_and_his_wife_Advena_in_Karachi_14_August_1947-300x169.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Lord_Mountbatten_and_his_wife_Advena_in_Karachi_14_August_1947-768x432.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Lord_Mountbatten_and_his_wife_Advena_in_Karachi_14_August_1947.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der indische Vizekönig, Lord Mountbatten, einen Tag vor der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans in Karachi, 14. August 1947</figcaption></figure>
</div>


<p>Die britische Regierung kündigte im Februar 1947 an, sich bald aus Indien zurückzuziehen. Diese Ankündigung beschleunigte nicht nur die politischen Verhandlungen, sondern auch den Zerfall staatlicher Ordnung. Die Entscheidung zur Teilung fiel überraschend früh im Verlauf dieses Jahres, und sie wurde unter Zeitdruck umgesetzt. Zugleich zogen britische Truppen in großem Umfang ab, sodass kaum noch Kräfte verfügbar waren, um die öffentliche Ordnung wirkungsvoll aufrechtzuerhalten.</p>



<p>Cyril Radcliffe, ein britischer Jurist ohne regionale Kenntnisse, wurde damit beauftragt, die Grenze zwischen Indien und Pakistan zu ziehen. Zwar hatte Radcliffe keine Kenntnisse der Region, doch sein Team bestand aus erfahrenen Richtern aus Indien und Pakistan. Diese waren allerdings stark parteiisch, was eine sachliche Diskussion erschwerte. Radcliffe selbst stützte sich auf Karten, Zensusdaten und vorhandene Distriktgrenzen. Wo möglich, folgte die Linie bestehenden administrativen Einheiten, wich jedoch dort ab, wo politische oder strategische Erwägungen dies erforderten – etwa bei der Trennung von Lahore und Amritsar.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="921" height="907" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Karte.jpg" alt="" class="wp-image-3520" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Karte.jpg 921w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Karte-300x295.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Karte-768x756.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 921px) 100vw, 921px" /></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading"><strong>Die Eskalation der Gewalt</strong></h4>



<p>Schon vor der offiziellen Unabhängigkeit kam es in mehreren Regionen zu schweren Ausschreitungen. Besonders das Jahr 1946 war von massiven Spannungen geprägt. In Kalkutta eskalierte die Lage im August bei den sogenannten Direct Action Days, als die Muslim League zu einem politischen Aktionstag aufrief. Innerhalb weniger Tage starben mehrere Tausend Menschen, die Gewalt breitete sich auf andere Städte aus. In Bihar kam es im Gegenzug zu Massakern an Muslimen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="196" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Photograph_of_the_aftermath_of_the_streets_of_Amritsar_after_Muslim_locals_were_evicted_and_butchered_by_Sikh_jathas_The_Sphere_6_September_1947-300x196.jpg" alt="" class="wp-image-3528" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Photograph_of_the_aftermath_of_the_streets_of_Amritsar_after_Muslim_locals_were_evicted_and_butchered_by_Sikh_jathas_The_Sphere_6_September_1947-300x196.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Photograph_of_the_aftermath_of_the_streets_of_Amritsar_after_Muslim_locals_were_evicted_and_butchered_by_Sikh_jathas_The_Sphere_6_September_1947-1024x670.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Photograph_of_the_aftermath_of_the_streets_of_Amritsar_after_Muslim_locals_were_evicted_and_butchered_by_Sikh_jathas_The_Sphere_6_September_1947-768x503.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Photograph_of_the_aftermath_of_the_streets_of_Amritsar_after_Muslim_locals_were_evicted_and_butchered_by_Sikh_jathas_The_Sphere_6_September_1947-1536x1006.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Photograph_of_the_aftermath_of_the_streets_of_Amritsar_after_Muslim_locals_were_evicted_and_butchered_by_Sikh_jathas_The_Sphere_6_September_1947-2048x1341.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Photograph_of_the_aftermath_of_the_streets_of_Amritsar_after_Muslim_locals_were_evicted_and_butchered_by_Sikh_jathas_The_Sphere_6_September_1947-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Amritsar nach tödlichen Übergriffen gegen Muslime, 1947</figcaption></figure>
</div>


<p>Diese Vorfälle markieren den Beginn einer Eskalationsdynamik, die nicht mehr durch zentrale Autorität kontrolliert werden konnte. Die Gewalt brach nicht einfach spontan aus, sondern wurde vielfach gezielt geschürt. Lokale Eliten, Milizen und politische Funktionäre instrumentalisierten religiöse Zugehörigkeit zur Mobilisierung. Dabei verschwammen die Grenzen zwischen Pogromen, politischer Einschüchterung und organisierter Vertreibung.</p>



<p>Der Politikwissenschaftler Paul Brass hat in diesem Zusammenhang den Begriff eines „institutionalisierten Unruhesystems“ geprägt. Er beschreibt, wie Gewalt entlang religiöser Linien in bestimmten Regionen wiederholt nach einem eingeübten Muster ablief. Gerüchte, gezielte Provokationen und koordinierte Mobilisierungsmechanismen bildeten ein Repertoire, das sich jederzeit aktivieren ließ. Seine Analyse verweist auf eine systematische Komponente der Teilungsgewalt, die nicht mit plötzlichem Kontrollverlust erklärt werden kann.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="198" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Partition_of_Punjab_India_1947-300x198.jpg" alt="" class="wp-image-3522" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Partition_of_Punjab_India_1947-300x198.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Partition_of_Punjab_India_1947.jpg 611w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Flüchtlingszug, Punjab 1947</figcaption></figure>
</div>


<p>Besonders heftig traf es die Bevölkerung im Punjab. Die Region war ethnisch und religiös gemischt, sie lag direkt an der neuen Grenze und wurde zur Hauptzone der Gewalt. Zwischen Juli und Oktober 1947 kam es dort zu systematischer Vertreibung, Massaker an Zivilisten, Vergewaltigungen und Plünderungen. Züge mit Flüchtenden wurden überfallen, ganze Dörfer ausgelöscht. Besonders betroffen war die Sikh-Bevölkerung, die zwar nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung im Punjab stellte, aber Schätzungen zufolge dreißig bis vierzig Prozent der Todesopfer ausmachte.</p>



<p>Die Situation in anderen Regionen unterschied sich deutlich. In Bengalen verlief die Teilung zunächst weniger blutig, was unter anderem auf lokale Friedensinitiativen zurückgeführt wird. Diese Ruhe war jedoch nicht dauerhaft. In den Jahren 1950 und 1971 kam es zu erneuten, teils großflächigen Gewaltausbrüchen, die an die frühe Teilungsgewalt anschlossen und die Erinnerung an eine „friedlichere“ Teilung relativieren.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Vertreibung und Verlust</strong></h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="329" height="500" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/A_refugee_camp_Punjab_1947.jpg" alt="" class="wp-image-3523" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/A_refugee_camp_Punjab_1947.jpg 329w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/A_refugee_camp_Punjab_1947-197x300.jpg 197w" sizes="auto, (max-width: 329px) 100vw, 329px" /><figcaption class="wp-element-caption">Flüchtlingscamp, Punjab 1947</figcaption></figure>
</div>


<p>Schätzungen zufolge wurden etwa zwölf bis fünfzehn Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Die genaue Zahl der Todesopfer lässt sich nicht sicher bestimmen. Seriöse Schätzungen reichen von 200.000 bis über eine Million, wobei die Forschung tendenziell von höheren Opferzahlen ausgeht. Viele weitere wurden verletzt, vergewaltigt oder verloren ihre Familien. Die Flüchtenden waren in der Regel auf sich gestellt. Weder die britische Verwaltung noch die neuen Nationalstaaten konnten oder wollten für Schutz sorgen.</p>



<p>Neben den menschlichen Verlusten waren auch die strukturellen Folgen gravierend. Die Teilung hatte erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. Bewässerungssysteme, etwa im Punjab, wurden durch die neue Grenze zerschnitten. In Bengalen verlor die Industrie Zugang zu Rohstoffen, während der Osten vom verarbeitenden Gewerbe abgetrennt wurde. Handelswege zwischen Kalkutta und Dhaka, aber auch viele regionale Versorgungsnetze brachen zusammen.</p>



<p>Die Erfahrungen von Flucht und Gewalt prägten das kollektive Gedächtnis in Indien und Pakistan über Generationen hinweg. Die jeweiligen Staaten entwickelten eigene Narrative: In Indien wurde die Teilung als tragischer Preis der Unabhängigkeit interpretiert, in Pakistan als notwendiger Schritt zur Selbstbehauptung. Die individuellen Erfahrungen wurden dadurch häufig entpolitisiert oder national überformt.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Fazit</strong></h4>



<p>Die Teilung Britisch-Indiens war kein logisches Ergebnis kultureller Unterschiede, sondern Ausdruck politischer Spannungen, institutionellen Versagens und massiver Mobilisierung unter kolonialen Bedingungen. Die Gründung Pakistans beruhte nicht auf einem stabilen Konzept, sondern auf einer vagen Forderung, die in kurzer Zeit zur staatlichen Realität wurde.</p>



<p>Die Gewalt von 1947 war nicht Ausbruch eines alten Hasses, sondern eine historische Zäsur. Sie war eng verknüpft mit dem institutionellen Rückzug der Kolonialmacht, mit politischer Rhetorik und dem Versagen staatlicher Ordnung.</p>



<p>Für Pakistan wurde die Erinnerung an Flucht und Gewalt zu einem prägenden Element nationaler Identität. Subrata Mitra beschreibt diese Erinnerungen als ein „gewähltes Trauma“, das über Generationen weitergegeben und politisch aufgeladen wurde. Die Teilung wurde damit nicht nur zum Gründungsereignis, sondern auch zur psychologischen Grundlage einer bis heute anhaltenden Gegnerschaft.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="769" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Members_of_the_newly-formed_Pakistani_Security_Guard_standing_at_attention_during_parade_review_for_Pakistans_Leader_Jinnah-1024x769.jpg" alt="" class="wp-image-3524" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Members_of_the_newly-formed_Pakistani_Security_Guard_standing_at_attention_during_parade_review_for_Pakistans_Leader_Jinnah-1024x769.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Members_of_the_newly-formed_Pakistani_Security_Guard_standing_at_attention_during_parade_review_for_Pakistans_Leader_Jinnah-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Members_of_the_newly-formed_Pakistani_Security_Guard_standing_at_attention_during_parade_review_for_Pakistans_Leader_Jinnah-768x577.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Members_of_the_newly-formed_Pakistani_Security_Guard_standing_at_attention_during_parade_review_for_Pakistans_Leader_Jinnah.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Neuformierte Garde in Pakistan, 1947</figcaption></figure>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p><strong>Yasmin Khan (2017):</strong> <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Great-Partition-Making-India-Pakistan/dp/030023032X?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.P0Qy_QFciSV7HShLK4MBPB2w3zcROJk-oSno85D5gKtxbQ7n1R01ml2xsXW_O7f84myY2Q6IvkitraDKECK9RohlIincrGbkh1rsa6boD7EeVNTBxSXxKs1Y8imdzw8Jz6-rZR8fEwurdInF4xgIC8CRyb_DJwzySEetV0HowZkAskJRJD9vZKWvhkOwlejHb4TbqKwq6HgSaGpPao_V-voFTBFTH3_VNz66VV0xRJ4.KOg7kGyvM6iqucMGAQf9A9JBqvVTgOV6ADioGxswWq0&amp;qid=1766151023&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=498fd81e00724fba335fa017a23afa3d&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Great Partition. The Making of India and Pakistan</a></em>.*<br>→ Analyse des Teilungsprozesses mit Fokus auf Mobilisierung, Gewalt, koloniale Verwaltungsentscheidungen und politische Unsicherheiten.</p>



<p><strong>Ian Talbot (2007):</strong> <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Ian-Talbot/dp/0195473647?crid=2KV6CTXNJPU7R&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.DdBubxq518IP9xdHVhios0gB54D6V60ERbTs2c-zX3CcbBlxDF0EGTIUHGESJflZRz1-52HgNo82zfsalFokcvEKWBBRXt67Q0Isd-8BZyMk4eBVtQk-oSReZlGdEpnluml7_Vcz_wLkE8uPU-Acn3oDi_QCYyqlniU3rHhqWATkmopxKApYznNudkWqgFvxSFS5isuRA4l5q034-wxNBbpNSaa9TmLaRZ5uFLYxAOE.Z4-GGyCal9WcTUTw5nyiyq85QjZ-SMatg6nqKzlmrYE&amp;dib_tag=se&amp;keywords=The+Deadly+Embrace.+Religion%2C+Politics+and+Violence+india+pakistan&amp;qid=1766151075&amp;sprefix=the+deadly+embrace.+religion+politics+and+violence+india+pakistan%2Caps%2C110&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=69b8f337bf7e856f38b414ca83550d66&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Deadly Embrace. Religion, Politics and Violence in India and Pakistan 1947–2002</a></em>.* <br>→ Enthält Paul Brass’ Theorie des „institutionalisierten Unruhesystems“ zur Erklärung wiederkehrender Gewaltmuster.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Jinnah verkündet die Gründung von Pakistan auf All India Radio, 1947.</p>



<p>Garde: Wikimedia Commons, Mydust.</p>



<p>Alle weiteren public domain.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/teilung-und-gewalt-der-sommer-1947/">Teilung und Gewalt – Der Sommer 1947</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Die neue Ordnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Dec 2024 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Geheime Diplomatie und Machtspiele - Indonesien im Kalten Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 4 Suhartos Machtübernahme und Sukarnos Tod Suharto übernahm die Macht in Indonesien. Die Amtsübernahme zog sich über drei Jahre hin, &#8230; </p>
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<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 4</a></p>



<h5 class="wp-block-heading">Suhartos Machtübernahme und Sukarnos Tod</h5>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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<p>Suharto übernahm die Macht in Indonesien. Die Amtsübernahme zog sich über drei Jahre hin, da er die verfassungsrechtlichen Prozesse respektieren und Sukarno nicht mit Gewalt entfernen wollte. Am 27. März 1968 konnte er formal die Präsidentenrolle einnehmen.</p>



<p>Sukarno starb im darauffolgenden Jahr. Seinen Wunsch, im Garten seines Hauses in Batu Tulis begraben zu werden, lehnte Suharto ab – vielleicht um eine Pilgerstätte zu nah an Jakarta zu verhindern. Seine letzte Ruhestätte fand Sukarno daher im weit entfernten Blitar, neben dem Grab seiner Mutter.</p>



<p>Suharto sollte über drei Jahrzehnte die zentrale Figur Indonesiens bleiben. Anfangs musste er sich den drängendsten Problemen des Landes widmen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Zentralisierung und Repression: Suhartos Weg zur Machtfestigung</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="215" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968-215x300.png" alt="" class="wp-image-711" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968-215x300.png 215w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968.png 429w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto, 1968</figcaption></figure>
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<p>Die konkreten Schritte der neuen Regierung sollen hier in 3 wichtigen Feldern gezeigt werden: der politischen Konsolidierung, den internationalen Beziehungen und der wirtschaftlichen Entwicklung.</p>



<p>Um seine Macht zu festigen, setzte Suharto auf eine Ausweitung der Zwangsgewalt des Staates, vor allem durch den Aufbau der Sicherheitskräfte. Suharto gruppierte die Verwaltung um.</p>



<p>Bereits 1967 löste er die 4 Ministerien der Streitkräfte auf und stellte die Armee direkt unter seine Autorität. Sein Vorgänger Sukarno setzte auf Rivalität der unterschiedlichen Abteilungen, doch Suharto bevorzugte Zentralisierung.</p>



<p>Viele politische Posten, wie z. B. Provinzverwaltungen, wurden mit Militärs besetzt. Um absolute Loyalität zu erreichen, wurden gezielt Verantwortliche aus ihren Posten vertrieben. Das geschah teilweise auf harte Weise mit Anschuldigungen der PKI-Kooperation und Gefängnisstrafen oder vergleichsweise sanft, in Form einer verfrühten Pensionierung, von der 86 Generäle betroffen waren.</p>



<p>Ähnlich wie andere Autokraten, die durch Wahlen an Legitimität gewinnen wollen, konnte der indonesische Führer sich nicht allein auf Repression verlassen. Er musste zusätzlich andere Anreize bieten. Dazu bediente er sich der Kooperation mit der Elite und versuchte, die wirtschaftliche Performance zu steigern. In der gesamten Zeit der Herrschaft Suhartos sind diese 3 Aspekte wichtig.</p>



<p>Allerdings können für gewisse Phasen unterschiedliche Akzente ausgemacht werden. In der Konsolidierungsphase des Regimes war der Zwang das wichtigste Mittel. Die mittlere Phase der Suharto-Ära bot durch Öl-Booms eine neue Einnahmequelle, die dazu diente, die Eliten des Landes zufriedenzustellen. In der Endphase war es der wirtschaftliche Wachstum, der die Bevölkerung erreichen sollte.</p>



<p>Suharto selbst wandelte sich in dieser Zeit mit. Nach Abschluss seiner Militärkarriere Ende der 1970er Jahre suchte er Distanz zur Armee, kooperierte mit Mitgliedern der Oberschicht und wandte sich der Wirtschaft zu.</p>



<p>Ein wichtiges Legitimationsverfahren in der Anfangszeit Suhartos waren die Wahlen. Allerdings schwand deren Bedeutung mit der Zeit, und Ende der 1980er Jahre wurden sie zu einem leeren politischen Ritual.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="266" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-300x266.jpg" alt="" class="wp-image-723" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-300x266.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-1024x909.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-768x681.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37.jpg 1411w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
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<p>Die Bedenklichkeit des Suharto-Systems liegt vor allem in den Menschenrechtsverletzungen. Die Massaker in der Folgezeit des Putsches flachten zwar schnell ab, doch Unterdrückung und Gewalt gehörten bis zum Ende des Orde Baru dazu.</p>



<p>Viele Gewalttaten und Repressionen wurden von der indonesischen Führungsriege als politisches Mittel eingesetzt. Sie war allerdings nicht für sämtliche Verbrechen direkt verantwortlich, doch schuf sie die Bedingungen, die derartige Ereignisse begünstigten.</p>



<p>Eine besonders blutige Episode der Geschichte Indonesiens war die Invasion und Annexion Ost-Timors 1975/76. Die genaue Zahl der Opfer lässt sich auch hier nur schätzen. Ricklefs nennt die Zahl von 60.000 Opfern, was etwa 10 % der Bevölkerung dieser Region entsprochen hätte.</p>



<p>Eine der größten innenpolitischen Säuberungsaktionen fand Anfang der 1980er Jahre unter dem Akronym „Petrus“ statt, gebildet aus „Penembakan Misterius“ – übersetzt „Mysteriöse Schießereien“. Paramilitärs töteten Tausende von Menschen, die als Kriminelle gebrandmarkt wurden, in den großen Städten des Landes.</p>



<p>Oft waren es Minderheiten, die unter den Angriffen leiden mussten – besonders die Chinesen. Ein markantes Beispiel hierfür sind die Unruhen in Jakarta kurz vor dem Ende des Suharto-Regimes im Mai 1998. Dabei fielen viele Chinesen Gewalttaten zum Opfer.</p>



<p>Anti-chinesische Ressentiments ziehen sich durch die gesamte Zeit des Orde Baru. Ein wichtiger Grund war der Verdacht, dass die chinesische Diaspora mit den Kommunisten in der Volksrepublik sympathisierten und paktieren könnte. In der Suharto-Zeit war dies ein schwerwiegender Verdacht.</p>



<p>Der Anti-Kommunismus schlug sich auch in der Außenpolitik nieder. Die Jakarta-Beijing-Verbindung wurde bereits 1965 abgebrochen. In der nachfolgenden Zeit zog sich China aus Indonesien zurück und stellte die staatliche Nachrichtenagentur Xin Hua in Jakarta ein.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wirtschaftsreformen und die Rolle der „Berkeley Mafia“</h5>



<p>Die neue Regierung versuchte, die westlichen Wünsche in Bezug auf die internationale Ausrichtung zu erfüllen. Bereits 1966 trat Indonesien wieder in die Vereinten Nationen ein und die Konfrontation mit Malaysia wurde beendet. In anderen Ländern wurde das antikommunistische Engagement positiv aufgenommen, und die ersten Kredite flossen schnell.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="141" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front-300x141.jpg" alt="" class="wp-image-716" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front-300x141.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Um die Anlaufprobleme im Mai 1966 gut zu überstehen, bot Japan der Suharto-Regierung einen Notfallkredit über 30 Millionen Dollar an. Die westlichen Staaten kamen Indonesien bei der Schuldentilgung entgegen. Im Gegenzug wurde ein Entgegenkommen Suhartos erwartet, der sich an die Maßstäbe des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank halten sollte.</p>



<p>Bei den wirtschaftlichen Reformen vertraute Suharto auf ein Expertenteam, das unter dem Namen „Berkeley Mafia“ bekannt wurde. Hierbei handelte es sich um eine Gruppe von Ökonomen, die ihre universitäre Ausbildung in den USA an der University of California, Berkeley, erhalten hatten.</p>



<p>In der Folge konnte Indonesien ein stattliches Wirtschaftswachstum verzeichnen. Die Stärke der Verantwortlichen war ein pragmatischer Ansatz. Der indonesische Ökonom Mohamad Sadli sprach davon, dass „Indonesian policy-makers often have the useful ability of being able to ‘muddle through’” – sie waren gut im „Sich-Durchwursteln“.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="201" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-201x300.jpg" alt="" class="wp-image-717" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-201x300.jpg 201w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-687x1024.jpg 687w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-768x1145.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-1031x1536.jpg 1031w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped.jpg 1074w" sizes="auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto, 1973.</figcaption></figure>
</div>


<p>In der Zeit von 1965 bis 1980 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) alljährlich um durchschnittlich 7 %. Besonders die Produktion konnte mit einem jährlichen Wachstum von 12 % stark zulegen. Im Dienstleistungssektor verzeichnete man in diesem Zeitraum ein Wachstum von 7,3 % pro Jahr. Der Landwirtschaftssektor wuchs zwar mit 4,3 % relativ langsam, doch auch dieser Wert bedeutete eine deutliche Verbesserung der Lage.</p>



<p>Das lässt sich unter anderem an den Lebensmittelpreisen erkennen. Die Regierung sorgte für eine Erhöhung der Produktion in den 1970er- und 1980er-Jahren, indem sie eine breit angelegte ländliche Entwicklung ermöglichte und auf moderne Produktionstechnologie setzte.</p>



<p>Diese sinnvollen Reformen waren eine Folge der Reis-Krise im Jahr 1972. Südostasien erlitt in dieser Zeit eine ernsthafte Dürrephase – die Ernte war schlecht und das weltweite Angebot auf einem niedrigen Level. In der Folge stiegen die Weltmarktpreise für Reis stark an.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-721" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Besonders für die armen Teile der Bevölkerung sind stabile Lebensmittelpreise wichtig. Sie geben einen Großteil ihres Einkommens für Essen aus, und damit bedeuten niedrige Preissteigerungen eine geringe Inflation für diese Bevölkerungsgruppe.</p>



<p>Da die indonesische Administration zu dieser Zeit über kein effektives landwirtschaftliches Monitoring verfügte, wurde sie von dieser Entwicklung überrascht und konnte nicht effektiv reagieren. Diese Ereignisse waren ein Schock für die noch fragile Ökonomie des Landes und trafen vor allem die armen Schichten. Suharto erkannte die Gefahren, auch für die politische Stabilität, und setzte den Fokus auf eine gesicherte Nahrungsmittelversorgung, in deren Mittelpunkt der Reis stand.</p>



<p>Verbunden mit einem Familienplanungsprogramm, das dafür sorgte, dass das Bevölkerungswachstum moderat verlief, konnte das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der Suharto-Ära durchschnittlich um 4,7 % jährlich steigen.</p>



<p>Alles in allem konnte die absolute Armut stetig reduziert werden, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten.</p>



<p>Statistische Daten sind für die Periode von 1976 bis 1996 vorhanden.</p>



<p>In dieser Zeit sank die Anzahl der von absoluter Armut betroffenen Menschen von 40,1 % auf 11,3 %. Derartige Statistiken sind mit Vorsicht zu betrachten, doch ein derart großer Unterschied lässt eine deutliche Verbesserung der Situation realistisch erscheinen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Krise und Niedergang: Das Ende des Suharto-Regimes</h5>


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<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="229" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-300x229.jpg" alt="" class="wp-image-715" style="width:300px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-300x229.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-768x587.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-290x220.jpg 290w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17.jpg 1004w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mobile Brigade der indonesischen Polizei, 1991</figcaption></figure>
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<p>Mit Beginn der 1990er Jahre war der indonesische Staat noch intakt, doch eine Reihe von Problemen Suhartos wurde erkennbar. In der Innenpolitik wurde deutlich, dass der zentrale Führer alt wurde und kein Konzept für eine geordnete Nachfolge entwickelt hatte. In der Außenpolitik wirkte sich das Ende des Kalten Krieges aus, da Indonesien für den Westen eine geringere politische Rolle spielte.</p>



<p>Auch die Wirtschaft geriet ins Wanken. Die indonesische Ökonomie litt unter den Auswirkungen der Asienkrise. Diese begann 1997 in Thailand und hatte besonders negative Auswirkungen auf die Länder Südostasiens.</p>



<p>Indonesien litt unter einer gigantischen Kapitalflucht, bei der geschätzte 150 Milliarden Dollar aus dem Land abflossen. Die Stabilität der Währung war gefährdet. Suharto versuchte, beim Volk Vertrauen in die Regierung und die Währung aufzubauen. Dennoch kam es ab Januar 1998 zu Panikkäufen. Der Präsident versuchte, mit Essensabgaben und Kampagnen den Vertrauensverfall aufzuhalten.</p>



<p>Seine Tochter Tutut tauschte während der „I Love the Rupiah“-Kampagne 50.000 US-Dollar in die einheimische Währung um.</p>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="230" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-300x230.jpg" alt="" class="wp-image-722" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-300x230.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-1024x787.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-768x590.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1.jpg 1532w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto verlässt den Palast</figcaption></figure>
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<p>Zu den wirtschaftlichen Problemen kamen gesellschaftliche hinzu. Als im Mai 1998 4 demonstrierende Studenten der Trisakti-Universität in Jakarta erschossen wurden, kam es zu großen Ausschreitungen. Allein in Jakarta starben mehr als 1.000 Menschen. Es gab Vergewaltigungen und Misshandlungen. 40 Shopping-Malls und Tausende von Geschäften wurden zerstört.</p>



<p>Suharto versuchte weiterhin, sein Amt zu halten, doch er hatte weder im Land noch außerhalb starke Fürsprecher. Am 21. Mai 1998 trat er zurück und das Orde Baru endete.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h3>



<p>Alle Bilder gemeinfrei.</p>



<p></p>
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