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	<title>Heng Samrin Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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		<title>An der thailändischen Grenze &#8211; Das lange Ende der Roten Khmer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 19:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Khmer]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Anlong Veng]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Januar 1979 bewegten sich Kolonnen durch die Berge im Westen Kambodschas. Soldaten der Roten Khmer zogen sich vor den vietnamesischen Truppen zurück und trieben Teile der Bevölkerung mit sich. &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/an-der-thailaendischen-grenze-das-lange-ende-der-roten-khmer/">An der thailändischen Grenze &#8211; Das lange Ende der Roten Khmer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_11.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1979 bewegten sich Kolonnen durch die Berge im Westen Kambodschas. Soldaten der Roten Khmer zogen sich vor den vietnamesischen Truppen zurück und trieben Teile der Bevölkerung mit sich. Manche Menschen wurden durch die Kardamomberge bis nach Battambang gebracht. Nahrung fehlte, Krankheiten breiteten sich aus. Andere nutzten jede Gelegenheit, um die Kolonnen zu verlassen und hinter die vietnamesischen Linien zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fall Phnom Penhs hatte Pol Pots Herrschaft beendet. Seine Bewegung bestand weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Grenze zu Thailand sammelten sich versprengte Einheiten der Roten Khmer. Führungskader entkamen ebenfalls. Aus der Partei, die seit April 1975 einen Staat kontrolliert hatte, wurde wieder eine bewaffnete Bewegung. Ihre Gegner saßen nun in Phnom Penh. Ihre Rückzugsräume lagen im Westen und Nordwesten des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg um Kambodscha ging damit in eine neue Phase.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine neue Regierung in Phnom Penh</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die vietnamesische Armee brachte ehemalige Kader der Ostzone zurück nach Kambodscha. Heng Samrin gehörte zu ihnen. Unter seiner Führung entstand die Volksrepublik Kampuchea.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen im Land begrüßten zunächst das Ende der Herrschaft Pol Pots. Überlebende verließen die Kooperativen, suchten Angehörige und kehrten in frühere Dörfer zurück. Auch Kader der Ostzone, die den Säuberungen von 1978 entkommen waren, übernahmen wieder Ämter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Regierung stützte sich jedoch auf vietnamesische Truppen. Dadurch wurde die Frage nach Pol Pots Verbrechen rasch mit einem zweiten Konflikt verbunden: der internationalen Auseinandersetzung um Vietnams militärische Präsenz in Kambodscha.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Roten Khmer erwies sich diese Situation als politisch wertvoll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie konnten ihren Kampf nun als Widerstand gegen Vietnam darstellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Grenze wird zum Rückzugsraum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Westen Kambodschas boten bewaldete Gebiete und die nahe thailändische Grenze Rückzugsmöglichkeiten. Von dort konnten die Roten Khmer Truppen neu sammeln und wieder in kambodschanisches Gebiet eindringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig erreichten immer mehr Zivilisten die Grenzregion. Viele waren unterernährt und krank. Andere flohen vor neuen Kämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flüchtlingslager entstanden auf thailändischer Seite und in den Grenzgebieten. Internationale Hilfsorganisationen versorgten die dort lebenden Menschen. Doch die Lager befanden sich in einer Region, in der mehrere kambodschanische bewaffnete Gruppen operierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dadurch konnten Lager zugleich zu politischen und militärischen Machtbasen werden. Führungskader kontrollierten Zugänge und organisierten Rekrutierungen. Lebensmittelhilfe stabilisierte das Überleben der Zivilbevölkerung, während bewaffnete Organisationen von der Infrastruktur der Grenzregion profitierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grenze trennte damit Flüchtlingshilfe und Krieg nur unvollständig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Roten Khmer wurde dieser Raum zur Grundlage ihres zweiten politischen Lebens.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Staat ohne Hauptstadt</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Samdech_Heng_Samrin_2018_cropped-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-8471" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Samdech_Heng_Samrin_2018_cropped-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Samdech_Heng_Samrin_2018_cropped.jpg 341w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Heng Samrin, 2018</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Besonders bemerkenswert war ihre internationale Stellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pots Regierung kontrollierte Phnom Penh seit Januar 1979 nicht mehr. Den kambodschanischen UN-Sitz behielten zunächst Vertreter des Demokratischen Kampuchea. Die neue Regierung Heng Samrins erhielt ihn zunächst nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fronten des Kalten Krieges spielten dabei eine zentrale Rolle. China unterstützte die Gegner Vietnams. Auch die Vereinigten Staaten wandten sich gegen die vietnamesische Präsenz in Kambodscha. In der internationalen Diplomatie erhielt deshalb die Frage des vietnamesischen Einmarschs erhebliches Gewicht. Ab 1982 nahm die Koalitionsregierung des Demokratischen Kampuchea mit Sihanouk und Son Sann die Vertretung bei den Vereinten Nationen wahr. Im Friedensprozess ging diese Rolle auf den Obersten Nationalrat über, dem auch Vertreter der Regierung in Phnom Penh angehörten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das führte zu einer ungewöhnlichen Konstellation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Männer, die 1979 aus Phnom Penh geflohen waren, hatten ihren Staat verloren. International blieb dessen Name bestehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sihanouk kehrt als Verbündeter zurück</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1982 entstand eine neue Koalition gegen die Regierung in Phnom Penh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Norodom Sihanouk übernahm erneut eine führende Rolle. Eine zweite Kraft bildete die antikommunistische Bewegung um Son Sann. Die Roten Khmer wurden zum militärisch stärksten Bestandteil der Koalition und ließen sich nach außen vor allem durch Khieu Samphan vertreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit standen erneut ehemalige Gegner auf derselben Seite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sihanouk hatte schon 1970 mit den kambodschanischen Kommunisten zusammengearbeitet, nachdem Lon Nol ihn gestürzt hatte. Nach 1975 hatten die Roten Khmer ihn politisch ausgeschaltet und unter Bewachung gehalten. Nun verband beide die Gegnerschaft zur von Vietnam gestützten Regierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Pol Pots Bewegung war die Koalition von großer Bedeutung. Sie verringerte ihre internationale Isolation und erlaubte es, den Krieg als Teil eines breiteren kambodschanischen Widerstands erscheinen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erinnerung an das Demokratische Kampuchea verschwand dadurch keineswegs. Dokumente aus S-21 wurden seit 1979 ausgewertet und veröffentlicht. Ehemalige Führungskräfte wurden mit den Akten ihres eigenen Sicherheitsapparates konfrontiert. Noch 1991 wies Ieng Sary den Vorwurf des Genozids zurück, während Son Sen sich mit den Bestimmungen der Genozidkonvention beschäftigte und Passagen markierte, die für eine spätere Strafverfolgung relevant sein konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Roten Khmer kämpften also weiter, während die Beweise für ihre frühere Herrschaft immer umfangreicher wurden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pol Pot bleibt im Hintergrund</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Pol Pot verschwand nach 1979 keineswegs aus der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1985 wurde Pol Pots Rücktritt als militärischer Oberbefehlshaber bekanntgegeben. Tatsächlich behielt er erheblichen Einfluss auf die Organisation. Noch 1988 sprach er vor eigenen Kommandeuren in Thailand und erklärte große Teile der Verbrechen seines früheren Regimes mit angeblichen vietnamesischen Agenten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verantwortung schob er damit erneut jenen inneren Feinden zu, nach denen seine Sicherheitsapparate schon während des Demokratischen Kampuchea gesucht hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die militärische Strategie hatte sich dagegen verändert. Eine landesweite Kontrolle wie zwischen 1975 und 1979 war außer Reichweite. Die Roten Khmer führten einen Guerillakrieg aus ihren westlichen Rückzugsgebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt dauerte durch die gesamten 1980er Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 1989 zog Vietnam seine regulären Truppen aus Kambodscha ab. Damit verschob sich erneut das Kräfteverhältnis. Zugleich nahm der internationale Druck auf die kambodschanischen Parteien zu, eine politische Lösung zu akzeptieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg führte nach Paris.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Frieden mit den Roten Khmer am Tisch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 23. Oktober 1991 wurden die Pariser Friedensabkommen unterzeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinbarungen sollten den langen Krieg beenden. Die Vereinten Nationen erhielten eine außergewöhnlich weitreichende Rolle beim Übergang zu einer neuen politischen Ordnung. Flüchtlinge sollten zurückkehren können. Bewaffnete Gruppen sollten ihre Truppen demobilisieren und Wahlen vorbereiten lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Roten Khmer waren Teil dieses Friedensprozesses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade darin lag eines der grundlegenden Probleme. Die Bewegung erhielt einen Platz am Verhandlungstisch, obwohl ihre Führung weiterhin für die Verbrechen des Demokratischen Kampuchea verantwortlich gemacht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pots Organisation versuchte zunächst, ihre politischen Möglichkeiten innerhalb der neuen Ordnung zu nutzen. Bald verweigerte sie jedoch zentrale Schritte der Umsetzung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Verbände gaben die Waffen nicht im vorgesehenen Umfang ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1993 verweigerten die Roten Khmer schließlich die Teilnahme an den von den Vereinten Nationen organisierten Wahlen und versuchten, deren Durchführung zu behindern. Die Abstimmung fand trotzdem statt. Aus ihr ging eine Regierung ohne Beteiligung der Roten Khmer hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung hatte damit eine Gelegenheit verloren, über Wahlen in die kambodschanische Politik zurückzukehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg ging weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pailin löst sich von Pol Pot</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend wurde schließlich ein Vorgang innerhalb der Roten Khmer selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1996 brach Ieng Sary mit Pol Pot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der frühere Außenminister des Demokratischen Kampuchea kontrollierte Verbände im Westen des Landes und verfügte besonders um Pailin über eine eigene Machtbasis. Er wechselte mit seinen Einheiten auf die Seite der kambodschanischen Regierung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="243" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Sary_in_1978-243x300.jpg" alt="" class="wp-image-8473" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Sary_in_1978-243x300.jpg 243w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Sary_in_1978.jpg 279w" sizes="(max-width: 243px) 100vw, 243px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ieng Sary, 1978</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Ieng Sary erhielt eine Begnadigung und behielt erheblichen lokalen Einfluss in Pailin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Roten Khmer war dies ein schwerer Schlag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahrzehntelang hatte die Bewegung durch straffe Loyalität gegenüber einer kleinen Führungsspitze funktioniert. Nun erkannten regionale Kommandeure, dass ein Seitenwechsel ihre eigene Stellung sichern konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Führer begannen über ähnliche Vereinbarungen nachzudenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung in Phnom Penh nutzte diese Entwicklung gezielt. Anstatt jede Einheit militärisch zu besiegen, bot sie einzelnen Kommandeuren die Integration in die bestehende Ordnung an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Organisation begann sich von innen aufzulösen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Son Sens letzte Fahrt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot reagierte mit dem Misstrauen, das schon während seiner Regierungszeit politische Konflikte in Verratsvorwürfe verwandelt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni 1997 verdächtigte er Son Sen des Verrats.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Son Sen gehörte seit der Pariser Zeit zum engsten Umfeld der kommunistischen Führung. Während des Demokratischen Kampuchea hatte er den Sicherheitsapparat beaufsichtigt, dem auch S-21 unterstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ließ Pol Pot seinen langjährigen Weggefährten töten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Son Sens Frau Yun Yat und weitere Angehörige starben. Beim Rückzug aus dem Hauptquartier bei Anlong Veng fuhren Fahrzeuge der fliehenden Truppe über die Leichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tat beschleunigte den Zerfall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ta Mok, einer der mächtigsten verbliebenen Kommandeure, wandte sich gegen Pol Pot. Seine Männer nahmen den früheren Parteiführer fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 1997 musste Pol Pot vor einer von seinen eigenen ehemaligen Untergebenen organisierten Versammlung sitzen. Dort wurde er für den Mord an Son Sen verurteilt und unter Hausarrest gestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann, dessen Partei jahrelang Geständnisse und Selbstkritik von anderen verlangt hatte, saß nun selbst vor seinen früheren Gefolgsleuten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Tod Pol Pots</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im März 1998 verlor auch Ta Mok weitere Kräfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ke Pauk, der 1978 eine zentrale Rolle bei der Säuberung der Ostzone gespielt hatte, wechselte mit seinen Anhängern zur Regierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pots verbliebener Machtbereich schrumpfte weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. April 1998 starb Pol Pot in seinem Versteck nahe der thailändischen Grenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die genaue Todesursache blieb unklar. Berichte über einen möglichen Selbstmord standen neben der Erklärung eines natürlichen Todes. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Gespräche darüber, ihn in Gewahrsam zu nehmen und vor Gericht zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Prozess fand nicht mehr statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pots Leichnam wurde wenige Tage später verbrannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung, die er über Jahrzehnte geprägt hatte, zerfiel weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nuon Chea und Khieu Samphan geben auf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember 1998 verließen Nuon Chea und Khieu Samphan ihre letzten Rückzugsgebiete und ergaben sich der kambodschanischen Regierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nuon Chea war während des Demokratischen Kampuchea Pol Pots Stellvertreter in der Parteiführung gewesen. Khieu Samphan hatte als Staatsoberhaupt die öffentliche Spitze des Regimes repräsentiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun erklärten beide, sie wollten sich in die kambodschanische Gesellschaft eingliedern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ta Mok hielt noch einige Monate durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im März 1999 nahmen kambodschanische Truppen ihn fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Monat später tauchte ein weiterer Mann aus der Vergangenheit wieder auf. Der Fotojournalist Nic Dunlop fand Kang Keck Ieu, Duch, den ehemaligen Leiter von S-21. Duch lebte inzwischen unter anderem Namen und wurde kurz darauf verhaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Ta Mok und Duch befanden sich nun zwei zentrale Akteure der früheren Herrschaft in staatlichem Gewahrsam.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ende kam ohne Schlussstrich</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zwanzig Jahre lagen zwischen dem Fall Phnom Penhs und der Festnahme Ta Moks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Zeit hatten die Roten Khmer ihren Staat verloren und sich an der thailändischen Grenze neu organisiert. Sie hatten als Guerilla weitergekämpft, internationale Anerkennung genutzt und sich später an einem Friedensprozess beteiligt. Am Ende zerstörten Seitenwechsel und interne Konflikte ihre militärische Organisation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1999 existierte keine schlagkräftige Bewegung mehr, die Pol Pots früheren Machtanspruch hätte wiederherstellen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage nach den Verantwortlichen blieb jedoch offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon 1997 hatte die kambodschanische Regierung Unterstützung der Vereinten Nationen für eine juristische Aufarbeitung verlangt. 1999 lagen erste internationale Vorschläge für ein Tribunal vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit endete die Geschichte der Roten Khmer als bedeutende bewaffnete Kraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auseinandersetzung mit ihrer Herrschaft begann erst langsam.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Trial_Chamber_31_January_2011-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-8474" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Trial_Chamber_31_January_2011-1024x682.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Trial_Chamber_31_January_2011-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Trial_Chamber_31_January_2011-768x511.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Trial_Chamber_31_January_2011.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nuon Chea während einer Anhörung am 31. Januar 2011</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Flüchtlingslager Khao-I-Dang: Wikimedia Commons, Cmacauley. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sary: Wikimedia Commons, fototeca.iiccr.ro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nuon Chea: Wikimedia Commons, Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
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		<title>Die Ostzone zerbricht &#8211; Krieg gegen Vietnam und der Sturz der Roten Khmer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 18:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Khmer]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[blaue Tücher]]></category>
		<category><![CDATA[Chroy Changvar]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratisches Kampuchea]]></category>
		<category><![CDATA[Deportationen]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Heng Samrin]]></category>
		<category><![CDATA[Ke Pauk]]></category>
		<category><![CDATA[Ostzone]]></category>
		<category><![CDATA[Phnom Penh]]></category>
		<category><![CDATA[Pol Pot]]></category>
		<category><![CDATA[Regimesturz]]></category>
		<category><![CDATA[S-21]]></category>
		<category><![CDATA[Säuberungen]]></category>
		<category><![CDATA[So Phim]]></category>
		<category><![CDATA[Son Sen]]></category>
		<category><![CDATA[Suong]]></category>
		<category><![CDATA[Vietnam]]></category>
		<category><![CDATA[vietnamesische Offensive]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 31. Mai 1978 machte sich So Phim auf den Weg nach Phnom Penh. Seit Jahrzehnten gehörte er zur kommunistischen Bewegung Kambodschas. In der östlichen Zone hatte er eine eigene &#8230; </p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_10.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am 31. Mai 1978 machte sich So Phim auf den Weg nach Phnom Penh. Seit Jahrzehnten gehörte er zur kommunistischen Bewegung Kambodschas. In der östlichen Zone hatte er eine eigene Machtbasis aufgebaut und galt weiterhin als einer der ranghöchsten Funktionäre des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun wollte er Pol Pot sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Truppen aus anderen Landesteilen waren in seine Zone eingerückt. Führende Kader verschwanden nach Einladungen zu angeblichen Besprechungen. Ke Pauk, ein enger Verbündeter der Parteizentrale, hatte So Phim wiederholt zu Treffen aufgefordert. Phim schickte Untergebene voraus. Keiner kehrte zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als So Phim schließlich selbst in Richtung Hauptstadt fuhr, sandte er von Chroy Changvar am gegenüberliegenden Mekongufer einen Boten nach Phnom Penh. Daraufhin wurden Soldaten geschickt, die ihn festnehmen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Phim floh und suchte Zuflucht in einem buddhistischen Kloster. Hubschrauber warfen inzwischen Flugblätter über der Ostzone ab, die ihn zum Verräter erklärten. Wenige Tage später näherte sich eine mehrere hundert Mann starke Truppe seinem Versteck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So Phim erschoss sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verlor die östliche Zone ihren mächtigsten Führer. Zugleich zeigte sich, wie eng zwei Konflikte inzwischen miteinander verbunden waren. An der Grenze kämpfte Demokratisches Kampuchea gegen Vietnam. Innerhalb des Landes suchte die Parteiführung nach vietnamesischen Agenten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Pol Pot wurden beide Kämpfe zunehmend zu demselben Krieg.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Grenze wird zur Front</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beziehungen zwischen den kambodschanischen und vietnamesischen Kommunisten waren seit langem belastet. Während des Bürgerkriegs hatten vietnamesische Einheiten den kambodschanischen Aufständischen geholfen. Viele ältere Khmer-Kommunisten hatten ihre Ausbildung in Vietnam erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot und seine engsten Verbündeten betrachteten diese Verbindung zunehmend mit Misstrauen. Nach dem Sieg von 1975 entstanden Streitigkeiten über den Grenzverlauf und vorgelagerte Inseln. Trotzdem bestanden zunächst diplomatische Beziehungen. Noch 1976 blieb es an großen Teilen der Grenze vergleichsweise ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1977 änderte sich die Lage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Truppen des Demokratischen Kampuchea griffen aus dem Südwesten vietnamesisches Gebiet an. Zwischen Mitte März und Ende Mai kam es zu mehreren Vorstößen in die Provinzen Kiên Giang und An Giang. Vietnamesische Angaben berichteten von Angriffen auf Grenzdörfer und Armeeposten sowie von getöteten Zivilisten. Überlieferte Flüchtlingsaussagen bestätigen Angriffe kambodschanischer Einheiten auf vietnamesische Ortschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch innerhalb der kambodschanischen Führung wurde zu dieser Zeit eine offensive Linie propagiert. Die parteiinterne Zeitschrift <em>Tung Padevat</em> forderte im Frühjahr 1977 weitere Angriffe auf die äußeren Feinde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gewalt eskalierte im Lauf des Jahres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei verhielten sich die kambodschanischen Truppen keineswegs überall gleich. Gerade in der östlichen Zone bestanden Vorbehalte gegen einen umfassenden Krieg. Eine Konferenz im Juli 1977 erwartete zwar einen großen Grenzkonflikt und bereitete militärische Operationen vor. Zugleich hieß es dort, ein Angriff auf vietnamesisches Gebiet solle erfolgen, falls Vietnam seinerseits angreife. Über den offensiveren Kurs der Parteizentrale waren sich die Kader der Zone also uneinig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede verstärkten den Verdacht gegen So Phims Kader.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vietnam schlägt zurück</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 1977 weitete sich der Krieg aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vietnamesische Truppen gingen nun selbst über die Grenze. Ende Dezember drangen größere Verbände in den Osten Kambodschas ein. Am 22. Dezember erreichten zwei vietnamesische Panzer Kandol Chrum, wo sich ein Hauptquartier Ke Pauks befand. Wenige Tage später rückten Panzer und Infanterie erneut vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kambodschanischen Verbände wichen vielerorts zurück. Ein örtlicher Kader erinnerte sich später an erhebliche Verwirrung. Einheiten wussten teilweise nicht mehr, wer sie befehligte und wo sich andere Truppen befanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 6. Januar 1978 zogen sich die vietnamesischen Streitkräfte wieder hinter die Grenze zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach überlieferten Angaben nutzten mehr als 100.000 Menschen aus den kambodschanischen Grenzregionen den Rückzug, um mit den abziehenden Truppen nach Vietnam zu fliehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot zog aus der Offensive einen anderen Schluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf reiste er selbst in die Ostzone.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pol Pot in Suong</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="218" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PolPot-218x300.jpg" alt="" class="wp-image-8463" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PolPot-218x300.jpg 218w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PolPot.jpg 401w" sizes="auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pol Pot, 1978</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1978 versammelten sich Soldaten und Zivilisten bei der Pagode Wat Taung im Distrikt Suong. Auf dem Podium saßen neben Pol Pot auch Son Sen, So Phim und Ke Pauk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot sprach über Vietnam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heng Samrin, damals stellvertretender Stabschef der Streitkräfte der Ostzone, erinnerte sich später an eine besonders drastische Rechnung. Jeder Kambodschaner solle zahlreiche Vietnamesen töten. Auf diese Weise könne Kambodscha trotz seiner wesentlich kleineren Bevölkerung den größeren Nachbarn besiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch zeitgenössische Parteidokumente zeigen, wie Pol Pot damals einen zunehmend aggressiven nationalistischen Ton anschlug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führung setzte den Krieg fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 14. März 1978 drangen kambodschanische Soldaten in das vietnamesische Grenzgebiet um Hà Tiên ein und töteten dort Berichten zufolge zahlreiche Bewohner. Selbst Phnom Penh Radio räumte später ein, dass kambodschanische Verbände in dieser Phase offensiv auf vietnamesischem Gebiet operierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vietnam schlug militärisch zurück. Gleichzeitig versuchte Hanoi, Verhandlungen zu beginnen. Ein Friedensvorschlag vom Februar 1978 wurde von der kambodschanischen Führung zurückgewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt ließ sich nun kaum noch begrenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Pol Pots Führung bestand das Problem allerdings längst nicht allein aus vietnamesischen Soldaten jenseits der Grenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie vermutete deren Verbündete im eigenen Land.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Feind innerhalb der Partei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">S-21 spiegelte diese Entwicklung unmittelbar wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1976 hatten Gefangene häufig Verbindungen zur CIA oder zu früheren kambodschanischen Gegnern gestehen müssen. 1978 änderte sich das Vokabular. Nun tauchten in den Aussagen immer häufiger angeblich versteckte Vietnamesen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gefangene zeichneten Karten von Orten, an denen sie vietnamesische Agenten verborgen haben wollten. Vernehmer akzeptierten solche Angaben selbst dann, wenn sie offensichtlich unwahrscheinlich waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 1978 hielt ein leitender Vernehmer nach einer politischen Schulung fest, in Phnom Penh müssten weiterhin Vietnamesen verborgen sein. Die Sicherheitsakten hätten angeblich gezeigt, dass Verräter sie in der Hauptstadt und anderen Landesteilen versteckten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung eines ausländischen Feindes verband sich dadurch mit der bereits etablierten Suche nach Verrätern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Kritik übte, konnte als vietnamesischer Agent gelten. Wer früher mit vietnamesischen Kommunisten zusammengearbeitet hatte, war besonders verdächtig. Gerade für die Ostzone war dies gefährlich, denn viele ihrer älteren Kader hatten seit den 1950er Jahren enge Kontakte nach Vietnam gepflegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So Phim stand im Zentrum dieses Verdachts.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Säuberung beginnt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 1978 trafen so viele Gefangene aus der Ostzone in S-21 ein, dass das Gefängnis zeitweise keine weiteren Transporte aufnehmen konnte. Berichten zufolge mussten einige Lastwagen mit Gefangenen wieder abfahren. Was anschließend mit diesen Menschen geschah, ist nicht vollständig dokumentiert. Viele wurden vermutlich ohne weiteres Verhör getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Son Sen leitete die Säuberungsaktionen. Ke Pauk unterstützte ihn mit Truppen aus anderen Zonen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai bestellte Ke Pauk führende Funktionäre der Ostzone zu einem Treffen nach Suong. Sein Hauptquartier war inzwischen durch Panzer und zusätzliche Infanterie gesichert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer erschien, wurde verhaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Divisionskommandeure sowie die Sekretäre ganzer Regionen gelangten nach S-21. Andere wurden unmittelbar getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So Phim begriff erst allmählich, dass auch er selbst gemeint war. Nach späteren Darstellungen wollte er lange nicht glauben, dass Pol Pot hinter den Aktionen stand. Er vermutete zunächst einen Verrat Son Sens oder Ke Pauks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Versuch, die Angelegenheit persönlich in Phnom Penh zu klären, endete mit seiner Flucht und seinem Tod.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Säuberung richtete sich gegen die gesamte Ostzone.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Krieg im eigenen Land</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. Mai 1978 griffen Ke Pauks Verbände Einheiten der Ostzone an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige leisteten Widerstand. Damit kämpften nun Truppen desselben Staates gegeneinander, während gleichzeitig der Krieg gegen Vietnam weiterging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach So Phims Tod setzten sich die Kämpfe noch mehrere Wochen fort. Führende ostkambodschanische Kader flohen schließlich über die Grenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu ihnen gehörte Heng Samrin. Auch andere ehemalige Angehörige der Ostzone gelangten nach Vietnam und schlossen sich dort später einer kambodschanischen Streitmacht gegen Pol Pot an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Säuberung traf anschließend die Zivilbevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dörfer wurden aufgelöst und Bewohner deportiert. Menschen aus der Ostzone galten pauschal als mögliche Unterstützer Vietnams. Tausende wurden getötet; Zehntausende mussten ihre Heimat verlassen. Manche gelangten in den Nordwesten, andere wurden unterwegs oder nach ihrer Ankunft ermordet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem wurden viele Deportierte aus der Ostzone durch besondere Tücher kenntlich gemacht. Im Sommer 1978 importierte Demokratisches Kampuchea große Mengen blauen Stoffes aus China. Überlebende berichteten später von blau karierten Tüchern, die an Menschen aus dem Osten ausgegeben wurden. Wie konsequent diese Kennzeichnung überall eingesetzt wurde, lässt sich aus den Quellen nicht vollständig bestimmen. Für mehrere Transportrouten ist sie jedoch belegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen, die jahrelang zur revolutionären Basis gehört hatten, wurden damit zu einer verdächtigen Bevölkerung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Parteiführung zerstört ihre eigene Armee</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen der Säuberungen reichten über die getöteten Kader hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ostzone besaß einige der erfahrensten Verbände der Roten Khmer. Viele ihrer Kommandeure hatten seit den 1960er Jahren gekämpft. Gerade diese Streitkräfte wurden 1978 aufgelöst oder gegeneinander eingesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig bereitete sich Vietnam auf einen größeren Krieg vor und konnte dabei auf die geflohenen Kader zurückgreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der innere und der äußere Krieg verstärkten sich somit gegenseitig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteiführung betrachtete militärische Rückschläge als Beweis für Verrat. Die daraus folgenden Säuberungen schwächten wiederum jene Armee, die den äußeren Gegner bekämpfen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende 1978 wurde dieser Widerspruch militärisch entscheidend.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weihnachten 1978</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. Dezember begann Vietnam eine groß angelegte Offensive.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die angreifenden Streitkräfte umfassten schätzungsweise mehr als 100.000 Soldaten und verfügten über Panzer sowie Luftunterstützung. Kambodschanische Gegner Pol Pots begleiteten den Vormarsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verteidigung brach wesentlich schneller zusammen, als die vietnamesische Führung offenbar erwartet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. Januar 1979 war der Artillerielärm bereits in Phnom Penh zu hören.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="201" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/H_4_ill_639759_cambodia-phnom_penh-1979-61.jpg" alt="" class="wp-image-8461"/><figcaption class="wp-element-caption">Vietnamesen in Phnom Penh</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Sihanouk lebte zu diesem Zeitpunkt unter Bewachung in einer Villa in der Hauptstadt. Er wurde zunächst in Richtung Nordwesten gebracht, anschließend wieder zurückgeholt. Pol Pot wollte, dass der frühere Staatschef im Ausland die Position des Demokratischen Kampuchea vertrat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Nachmittag des 6. Januar verließ Sihanouk Phnom Penh mit einem der letzten Flugzeuge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Mitglieder der Führung flohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ieng Sary versuchte zunächst, sich nach Westen abzusetzen. Chinesische Diplomaten verließen die Hauptstadt. Arbeiter erhielten den Befehl, sich am Bahnhof zu versammeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung, die knapp vier Jahre zuvor die gesamte Bevölkerung Phnom Penhs vertrieben hatte, räumte nun selbst die Stadt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die letzten Stunden von S-21</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Tuol Sleng lief der Betrieb bis unmittelbar vor dem Zusammenbruch weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch am 6. Januar wurden Geständnisse bearbeitet. Kurz darauf töteten Angehörige des Gefängnispersonals die letzten Gefangenen, die sie nicht mitnehmen konnten. Ein ehemaliger Wächter erinnerte sich später an etwa 20 Opfer in diesen letzten Stunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann flohen auch die Mitarbeiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag rückten vietnamesische Truppen in Phnom Penh ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hauptstadt war weitgehend leer. Seit 1975 hatten dort lediglich Funktionäre, Soldaten und ausgewählte Arbeiter gelebt. Nun waren auch große Teile dieser Bevölkerung verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Nachmittag des 7. Januar 1979 hatten die vietnamesischen Verbände die Stadt besetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Tag später stießen die neuen Machthaber auf S-21.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Akten lagen noch dort.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ende eines Staates</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fall Phnom Penhs beendete die Herrschaft des Demokratischen Kampuchea über den größten Teil des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunistische Partei Kampucheas verschwand damit jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot und seine wichtigsten Mitstreiter flohen nach Westen. Teile ihrer Streitkräfte zogen sich in Richtung der thailändischen Grenze zurück. Dort konnten sie weiterkämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Überlebende im Landesinneren änderte sich dagegen innerhalb weniger Tage alles. Menschen verließen die Kooperativen und suchten nach Angehörigen. Andere kehrten in ihre früheren Dörfer zurück. Die Versorgung brach in vielen Regionen zusammen, während das Land zugleich durch jahrelange Unterernährung und Krieg geschwächt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vietnamesische Armee hatte Pol Pots Staat gestürzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Männer an seiner Spitze waren noch am Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit begann ein neuer Abschnitt der Geschichte der Roten Khmer. Aus einer Regierung wurde erneut eine Guerillabewegung. Ihre früheren Gegner aus der Ostzone übernahmen unter vietnamesischem Schutz die Führung in Phnom Penh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und an der Grenze zu Thailand entstand eine politische Lage, in der die gestürzten Roten Khmer noch viele Jahre eine Rolle spielen sollten.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="924" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63-1024x924.png" alt="" class="wp-image-8459" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63-1024x924.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63-300x271.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63-767x692.png 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63.png 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Pol-Pot-Büste in Tuol Sleng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot: Wikimedia Commons, <a href="http://fototeca.iiccr.ro/picdetails.php?picid=45014X1X4">http://fototeca.iiccr.ro/picdetails.php?picid=45014X1X4</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vietnamesen in Phnom Penh: Wikimedia Commons, Sebbers10. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: nach Wikimedia Commons, BorysMapping. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>17. April 1975 &#8211; Phnom Penh wird geräumt</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
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		<category><![CDATA[Monivong-Brücke]]></category>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_5.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz vor Mitternacht musste Chey Sopheara mit seiner Familie das Haus verlassen. Der Medizinstudent hatte den 17. April 1975 in Phnom Penh erlebt, den Tag, an dem die Truppen der Roten Khmer die Hauptstadt einnahmen. Soldaten aus der südwestlichen Zone trieben die Bewohner aus ihren Häusern und feuerten über die Köpfe der Menge, damit sie weiterging. Sophearas Familie bewegte sich zum Monivong Boulevard und über die Brücke aus der Stadt hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der anderen Seite traf sie auf Soldaten aus der östlichen Zone. Diese Männer verteilten Reis und Medikamente. Sie schossen nicht auf die Menschen. Zurückkehren durfte trotzdem niemand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon in den ersten Stunden nach dem Sieg zeigte sich damit ein Problem, das die Herrschaft der Roten Khmer weiter begleiten sollte. Die Truppen, die Phnom Penh eroberten, gehörten verschiedenen Zonen und Verbänden an. Sie verhielten sich unterschiedlich und erhielten ihre Befehle teilweise zu verschiedenen Zeiten. In einem Punkt setzte sich jedoch die Führung durch. Phnom Penh musste leer werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Krieg ist vorbei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Bevölkerung der Hauptstadt begann der 17. April zunächst mit einer Nachricht, auf die viele seit Jahren gewartet hatten. Der Bürgerkrieg war entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung Lon Nols war zusammengebrochen. Kommunistische Verbände rückten aus mehreren Richtungen in Phnom Penh ein. Viele Bewohner begrüßten die Sieger zunächst, weil sie nach Jahren des Krieges vor allem Frieden erwarteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die neuen Machthaber ließen der Bevölkerung kaum Zeit, sich auf die veränderte Lage einzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soldaten forderten Bewohner auf, ihre Häuser zu verlassen. Teilweise hieß es, die Räumung werde nur drei Tage dauern. Danach könnten die Menschen zurückkehren. Als Begründung nannten die Truppen die Gefahr amerikanischer Luftangriffe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Erklärung konnte den Menschen plausibel erscheinen. Die Bevölkerung hatte jahrelange Bombardierungen erlebt. Auch manche Kämpfer der Roten Khmer konnten nach dem militärischen Sieg einen amerikanischen Gegenschlag für möglich halten. Manche Soldaten könnten deshalb zunächst angenommen haben, sie setzten eine vorübergehende Sicherheitsmaßnahme durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung der Parteiführung war jedoch lange vor dem Einmarsch gefallen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Entscheidung vor dem Sieg</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="210" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Pol_Pot_in_1978-210x300.png" alt="" class="wp-image-8418" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Pol_Pot_in_1978-210x300.png 210w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Pol_Pot_in_1978.png 454w" sizes="auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pol Pot, 1978</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Saloth Sar, bekannt unter dem Namen Pol Pot, erklärte später selbst, die Räumung der Städte sei im Februar 1975 beschlossen worden. Die Parteiführung plante den Schritt also zu einer Zeit, als ihre Truppen noch vor Phnom Penh standen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb der kommunistischen Bewegung war diese Entscheidung keineswegs unumstritten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heng Samrin, damals Offizier der kommunistischen Streitkräfte, erinnerte sich später daran, dass die bevorstehende Evakuierung bei einer Besprechung zur Eroberung Phnom Penhs angekündigt worden sei. Sein Vorgesetzter Chan Chakrey berichtete ihm zugleich von einem Streit innerhalb der Parteiführung. Hou Youn habe sich gegen den Plan ausgesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hou Youn gehörte zu jener Gruppe linker Intellektueller, die bereits vor dem Bürgerkrieg öffentlich Politik betrieben hatten. Nach 1970 hatte er ein Ministeramt in der von Sihanouk geführten Widerstandsregierung übernommen. Zugleich gehörte er dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Heng Samrins späterer Erinnerung stellte sich Hou Youn bei der Besprechung gegen die Räumung Phnom Penhs. Pol Pot warf ihm daraufhin vor, die Linie der Parteizentrale nicht umsetzen zu wollen. Einer früheren Aussage zufolge hatte Hou Youn schon 1974 gegen eine Evakuierung gesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie klein der Kreis war, der die Entscheidung tatsächlich kannte, zeigt ein anderes Beispiel. Hu Nim gehörte ebenfalls zu den bekannten linken Politikern und war Informationsminister der Widerstandsregierung. In seiner späteren Gefängnisaussage erinnerte er sich daran, erst am 19. April vom Plan zur Räumung erfahren zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem Zeitpunkt waren die Bewohner Phnom Penhs bereits seit zwei Tagen auf den Straßen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterschiedliche Befehle in derselben Stadt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geheimhaltung der Parteiführung hatte unmittelbare Folgen für den Ablauf der Räumung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Jurastudent Lor Chandara begegnete nach dem Sieg zunächst Soldaten, die sich der östlichen Zone zurechneten. Sie sagten ihm, er könne in seinem Haus bleiben. Später traf er am Fluss auf eine andere Einheit. Diese Soldaten forderten ihn auf, die Stadt zu verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chandara verwies auf die Erlaubnis der ersten Gruppe. Darauf erhielt er die Antwort, Angkar habe die Richtung geändert. Angkar bedeutete »Organisation« und bezeichnete die Partei und ihre Führung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer Bewohner musste am 18. April sein Haus verlassen. Wenige hundert Meter weiter traf er auf eine zweite Gruppe von Soldaten, die ihn beruhigte und wieder nach Hause schickte. Am folgenden Tag erschien eine dritte Einheit und vertrieb ihn endgültig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Berichte zeigen, dass die Einnahme Phnom Penhs kein vollständig gleichförmiger Vorgang war. Die verschiedenen Verbände verfügten über eigene Erfahrungen und regionale Führungen. Manche wussten offenbar früher als andere, was die Parteizentrale beschlossen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ergebnis änderte diese Uneinheitlichkeit wenig. Nach und nach setzten alle Verbände den Räumungsbefehl durch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Räumungsbefehl</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich lässt sich die Vorgehensweise an der 11. Division aus der sogenannten Sonderzone erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Soldat dieser Einheit, Chhin Phoeun, erinnerte sich später an den Auftrag. Seine Truppe sollte in Phnom Penh nach verborgenen Feinden suchen und zugleich die Bevölkerung aus der Stadt treiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Menschen, die sich weigerten, galt ein anderer Befehl. Die Soldaten durften schießen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Phoeun berichtete, seine Gruppe habe nördlich des Marktes Daeum Thkou mehrere Familien erschossen. Ein anderer Augenzeuge sah dort später zwei Haufen mit Leichen von Zivilisten. Daneben befand sich ein Hinweis darauf, dass diese Menschen getötet worden seien, weil sie den Befehl zum Verlassen der Stadt nicht befolgt hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Straßen genügte die offene Drohung, um die Menschen zum Aufbruch zu zwingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tam Eng hielt sich am 19. April noch in einem Haus beim Markt O Russei auf. Dort erschien ein vielleicht vierzehn oder fünfzehn Jahre alter Kämpfer mit einer Granate. Er verlangte, dass die Familie das Haus verließ. Auf Engs Frage, wohin sie gehen solle, antwortete der Jugendliche sinngemäß, sie solle einfach fortgehen. Angkar werde überall sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eng wusste zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, was Angkar bedeutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er nahm seine Familie und ging nach Süden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="704" height="272" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/image.png" alt="" class="wp-image-8419" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/image.png 704w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/image-300x116.png 300w" sizes="auto, (max-width: 704px) 100vw, 704px" /><figcaption class="wp-element-caption">Operation Pull Eagle &#8211; Evakuierung von Ausländern aus Kambodscha</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Auf den Straßen aus Phnom Penh</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb weniger Tage füllten sich die großen Ausfallstraßen mit Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Familien schoben Fahrräder und Motorräder oder trugen, was sie in der kurzen Zeit hatten zusammenpacken können. Andere besaßen Fahrzeuge, solange Treibstoff vorhanden war. Die Richtung konnten die Menschen teilweise selbst wählen, doch die Rückkehr in die Stadt war ausgeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit begann zugleich eine erste politische Auswahl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Straße nach Kampot richteten die Roten Khmer bei Kampong Kantuot eine Kontrollstelle ein. Zeugenaussagen zufolge durften Zivilisten weiterziehen, während ehemalige Angehörige des Militärs ausgesondert wurden. In der Nähe waren anschließend Schüsse zu hören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kem Hong Hav war Militärsanitäter gewesen. Er zog mit seiner Familie auf Motorrädern und Fahrrädern nach Süden. Als er seinen früheren Beruf angab, erklärten ihm die Soldaten, Angkar benötige Funktionäre. Hav sollte mitkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er weigerte sich zunächst mit dem Hinweis auf seine Familie. Später gelang ihm die Flucht auf seinem Motorrad. Die Soldaten schossen hinter ihm her. Er wechselte seine Kleidung und fand schließlich seine Familie wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere hatten dieses Glück nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Straße nach Norden forderten die neuen Machthaber frühere Offiziere und Beamte auf, sich zu melden. Teilweise wurde ihnen erklärt, ihre Kenntnisse würden benötigt. Nach einer späteren Zeugenaussage kehrte ein ehemaliger Angehöriger der Luftwaffe mit anderen Männern in Richtung Phnom Penh zurück. Frauen und Männer wurden anschließend getrennt. Die Männer mussten sich wegen ihres Dienstes für das alte Regime verantworten und wurden zu einer Grube geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer überlebte verwundet unter den Leichen und berichtete später davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sieg über Lon Nol verwandelte sich damit unmittelbar in die Suche nach Angehörigen seiner Verwaltung und seiner Streitkräfte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer gebraucht wurde, durfte zurück</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nach der Vertreibung der Bevölkerung blieb die Parteiführung auf städtische Betriebe angewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Straßen suchten Funktionäre zugleich nach Menschen mit bestimmten Fähigkeiten. Arbeiter aus Fabriken sowie Fachkräfte für Elektrizität oder Eisenbahn wurden teilweise aufgefordert, sich zu melden. Mehr als 200 solcher Menschen wurden nach einer späteren Zeugenaussage wieder nach Phnom Penh gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Muk Chot gehörte zu ihnen. Sein Onkel hatte bei der Eisenbahn gearbeitet. Chot und seine Familie kehrten deshalb in die Hauptstadt zurück. Eine Gruppe von etwa 60 Eisenbahnern erhielt den Auftrag, die Strecke nach Kampot wieder instand zu setzen. Später wurden ehemalige Studenten und demobilisierte Soldaten hinzugefügt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt sollte also keineswegs vollständig aufgegeben werden. Die neue Führung brauchte Werkstätten und Verkehrsverbindungen. Sie benötigte außerdem Ministerien sowie militärische Einrichtungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteiführung wollte das eigenständige Leben der Stadt unterbinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Hauptstadt ohne Stadtbevölkerung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen der Räumung reichten deshalb über die unmittelbare Vertreibung hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Bevölkerung verschwanden Märkte und politische Treffpunkte. Menschen konnten sich nicht mehr in großen Gruppen versammeln, wenn die Partei dies nicht angeordnet hatte. Auch unabhängige Kommunikation wurde erheblich schwieriger. Die städtische Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Berufen und politischen Milieus löste die Parteiführung gewaltsam auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Phnom Penh blieb Hauptstadt, doch sein Charakter änderte sich vollständig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Schätzung lebten während der Herrschaft der Roten Khmer vermutlich nie mehr als etwa 50.000 Menschen dort, darunter Funktionäre und Soldaten. Auch Arbeiter blieben in der Stadt, während Geschäfte und öffentliche Schulen schlossen. Viele Straßen wurden abgesperrt. Fabriken und Behörden arbeiteten hinter Zäunen. Autos und Haushaltsgeräte blieben ungenutzt zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Stadtbewohner zum Neuankömmling</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Straßen aus Phnom Penh führten in sehr unterschiedliche Teile des Landes. Für die Vertriebenen begann damit eine zweite Etappe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie trafen auf Dörfer, die bereits seit Jahren unter kommunistischer Kontrolle standen. Dort lebten Menschen, die den Krieg auf der Seite der Revolution erlebt hatten. Die Partei begann bald, zwischen dieser ansässigen Bevölkerung und den Neuankömmlingen aus den Städten zu unterscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einer militärischen Kategorie wurde eine soziale Grenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewohner der bereits vor 1975 kontrollierten Gebiete galten als Bevölkerung der revolutionären Basis. Die aus Phnom Penh und anderen Städten vertriebenen Menschen kamen als Neuankömmlinge hinzu. Ihre Herkunft aus den Städten und ihre Verbindung zur alten Gesellschaft machten sie für die neue Führung verdächtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 17. April war deshalb mehr als der Tag, an dem der Bürgerkrieg endete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Morgen marschierten die Roten Khmer in Phnom Penh ein. Nur Stunden später begannen sie damit, die Gesellschaft, über die sie gerade die Macht gewonnen hatten, neu zu ordnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Straßen aus der Hauptstadt begegneten sich nun zwei Gruppen, die in den folgenden Jahren unter sehr unterschiedlichen Bedingungen leben sollten.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Preah Monivong Boulevard, eine der Hauptstraßen auf denen die Menschen aus der Stadt vertrieben wurden. Wikimedia Commons, Kiensvay. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/kambodscha/17-april-1975-phnom-penh-wird-geraeumt/">17. April 1975 &#8211; Phnom Penh wird geräumt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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