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	<title>1953 Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Der Waffenstillstand von 1953 – Die Demarkationslinie und die dauerhafte Teilung</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 16:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/der-kalte-krieg/der-waffenstillstand-von-1953-die-demarkationslinie-und-die-dauerhafte-teilung/">Der Waffenstillstand von 1953 – Die Demarkationslinie und die dauerhafte Teilung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht vom 17. auf den 18. Juni 1953 verlassen mehr als 25.000 nordkoreanische Kriegsgefangene ihre Lager in Südkorea. Präsident Syngman Rhee hat angeordnet, die als antikommunistisch eingestuften Männer freizulassen. Südkoreanische Wachmannschaften öffnen die Lager oder lassen die Flucht zu. Viele Männer tauchen anschließend in der Bevölkerung unter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung trifft die Unterhändler in Panmunjom kurz vor dem Abschluss ihrer Gespräche. Am 8. Juni hatten sich die Kriegsparteien auf ein Verfahren für jene Gefangenen geeinigt, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollten. Rückkehrwillige sollten ausgetauscht werden. Die übrigen sollten zunächst einer neutralen Kommission unter indischer Leitung übergeben werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rhee lehnt diese Vereinbarung ab. Ein Waffenstillstand entlang der bestehenden Front würde die Teilung Koreas festschreiben und die Hoffnung auf eine militärische Vereinigung unter seiner Regierung beenden. Er will den Krieg fortsetzen und verlangt von den Vereinigten Staaten Unterstützung für einen weiteren Vormarsch nach Norden. Mit der Freilassung der Gefangenen versucht er, die Einigung zwischen dem UN-Kommando, Nordkorea und China zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Washington löst sein Vorgehen Empörung aus, während die kommunistische Seite den Vereinigten Staaten vorwirft, ihren südkoreanischen Verbündeten nicht unter Kontrolle zu haben. Dennoch hält Präsident Dwight D. Eisenhower am Waffenstillstand fest. Seine Regierung macht Rhee deutlich, dass sie keinen neuen Feldzug zur Eroberung Nordkoreas unterstützen wird. Zugleich bietet sie Südkorea weitere Militärhilfe und Verhandlungen über einen gemeinsamen Verteidigungsvertrag an. Die südkoreanische Regierung unterzeichnet das Abkommen nicht, erklärt sich aber schließlich bereit, es nicht mit militärischen Mitteln zu verhindern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die letzten Kämpfe</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Diplomaten nach einer Lösung suchen, dauern die Gefechte an. Beide Seiten wissen, dass der Verlauf der Front darüber entscheidet, welche Gebiete nach dem Waffenstillstand kontrolliert werden. Artillerie beschießt Höhenzüge, Patrouillen suchen nach Schwachstellen, Infanterie greift befestigte Stellungen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders südkoreanische Einheiten geraten in den letzten Kriegswochen unter Druck. Die chinesische Führung will ihre Position vor der Unterzeichnung verbessern und den Krieg mit einem sichtbaren militärischen Erfolg beenden. Die Angriffe treffen vor allem südkoreanische Verbände.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13. Juli beginnt eine weitere Offensive im Raum von Kumsong. Chinesische Truppen brechen in südkoreanische Stellungen ein und drängen die Verteidiger bis zu etwa 13 Kilometer zurück. UN-Truppen greifen gegen und stabilisieren schließlich eine neue Linie am Kumsong-Fluss. Beide Seiten setzen große Mengen Artilleriemunition ein, obwohl die Unterhändler in Panmunjom bereits an den letzten Fassungen des Abkommens arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kämpfe verändern den Ausgang des Krieges nicht mehr. Sie verschieben jedoch an einzelnen Stellen die Linie, an der sich die Armeen wenige Tage später gegenüberstehen. Soldaten sterben damit noch um Gelände, dessen Verlauf wenige Tage später die neue Demarkationslinie mitbestimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Unterschrift in Panmunjom</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="216" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/William_Kelly_Harrison_Jr-216x300.jpg" alt="" class="wp-image-7775" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/William_Kelly_Harrison_Jr-216x300.jpg 216w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/William_Kelly_Harrison_Jr.jpg 500w" sizes="(max-width: 216px) 100vw, 216px" /><figcaption class="wp-element-caption">William Kelly Harrison Jr., 1949</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen des 27. Juli 1953 betreten die Delegationen die eigens errichtete Halle in Panmunjom. Generalleutnant William K. Harrison unterzeichnet für das Kommando der Vereinten Nationen. General Nam Il unterschreibt für die nordkoreanische Armee und die chinesischen Volksfreiwilligen. Die Zeremonie dauert nur wenige Minuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später setzen auch die militärischen Oberbefehlshaber ihre Namen unter das Abkommen. Für das UN-Kommando unterschreibt General Mark W. Clark. Kim Il-sung zeichnet als Oberbefehlshaber der nordkoreanischen Armee, Peng Dehuai für die chinesischen Verbände. Ein Vertreter der südkoreanischen Regierung fehlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Waffenstillstand tritt zwölf Stunden nach der Unterzeichnung in Kraft. Am Abend verstummen die Geschütze entlang der Front. Die Soldaten erhalten den Befehl, das Feuer einzustellen. Innerhalb von 72 Stunden ziehen sich beide Seiten aus dem vereinbarten Grenzstreifen zurück. Nach mehr als drei Jahren enden die regulären Kampfhandlungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dokument ist kein Friedensvertrag. Es wird von militärischen Befehlshabern geschlossen und soll die Kämpfe beenden, bis die beteiligten Regierungen eine politische Lösung finden. Über die staatliche Zukunft Koreas entscheidet es nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eine neue Linie durch Korea</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue militärische Demarkationslinie folgt im Wesentlichen dem Frontverlauf vom Juli 1953 und weicht damit vom alten 38. Breitengrad ab. Im Westen bleibt Kaesong bei Nordkorea. Im Osten kontrolliert Südkorea Gebiete nördlich der früheren Trennlinie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Seiten müssen ihre Truppen zwei Kilometer von der Demarkationslinie zurückziehen. Dadurch entsteht ein vier Kilometer breiter Streifen, die Demilitarisierte Zone. Sie zieht sich quer über die Halbinsel und trennt die beiden Armeen voneinander. Innerhalb dieser Zone dürfen nur begrenzte Kräfte für Zivilverwaltung und Hilfsaufgaben sowie die im Abkommen vorgesehenen Kontrollorgane tätig sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Militärische Waffenstillstandskommission soll Verstöße untersuchen und den Kontakt zwischen den Kriegsparteien sichern. Eine Kommission aus neutralen Staaten erhält den Auftrag, bestimmte militärische Bestimmungen zu überwachen. Schweden und die Schweiz werden vom UN-Kommando benannt. Polen und die Tschechoslowakei benennt die nordkoreanisch-chinesische Seite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Rückführung der Gefangenen beginnt. Männer, die in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollen, werden im Rahmen eines großen Austauschs übergeben. Rückkehrverweigerer kommen zunächst unter die Aufsicht der neutralen Rückführungskommission. Vertreter der jeweiligen Herkunftsseite dürfen mit ihnen sprechen, eine gewaltsame Rückführung ist jedoch ausgeschlossen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="1024" height="460" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Korean_War_armistice_agreement_1953-1024x460.jpg" alt="" class="wp-image-7769" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Korean_War_armistice_agreement_1953-1024x460.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Korean_War_armistice_agreement_1953-300x135.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Korean_War_armistice_agreement_1953-768x345.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Korean_War_armistice_agreement_1953-1536x689.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Korean_War_armistice_agreement_1953.jpg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Deligierte von beiden Seiten unterschreiben das Abkommen</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Ein Waffenstillstand ohne Frieden</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Abkommen empfiehlt eine politische Konferenz, die über den Abzug ausländischer Truppen und eine friedliche Regelung für Korea beraten soll. Nach ergebnislosen vorbereitenden Gesprächen tritt im April 1954 die Genfer Konferenz zusammen. Vertreter Nord- und Südkoreas sowie der beteiligten Großmächte legen dort gegensätzliche Vorschläge vor. Eine Einigung über Wahlen oder eine Wiedervereinigung kommt nicht zustande.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rhee akzeptiert die Einstellung der Kämpfe nur, weil die Vereinigten Staaten die Sicherheit seines Staates enger an ihre eigene Politik binden. Im Oktober 1953 schließen beide Länder einen Verteidigungsvertrag. Amerikanische Truppen bleiben in Südkorea, während die Regierung in Seoul ihre Armee weiter ausbaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Nordkorea und China ziehen aus dem Krieg andere Schlüsse als ihre Gegner. Pjöngjang beginnt mit dem Wiederaufbau unter sowjetischer und chinesischer Unterstützung. China hat verhindert, dass eine mit den Vereinigten Staaten verbündete Armee bis an seine Grenze vorrückt. Dafür hat es hohe Verluste getragen und sich dauerhaft in die koreanische Teilung verstrickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Waffenstillstand beendet das Töten an der Front, löst aber den Konflikt nicht. Aus einer vorläufigen militärischen Linie entsteht eine dauerhaft bewachte Trennlinie. Die Genfer Konferenz scheitert ein Jahr später an Fragen, die seit 1945 ungelöst geblieben sind: Wer soll Korea regieren, unter welchen Bedingungen können Wahlen stattfinden, und welche Rolle dürfen ausländische Mächte auf der Halbinsel spielen?</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernd Stöver (2021):&nbsp;<a href="https://amzn.to/4qxPyja">Geschichte des Koreakriegs: Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Kim Il-sung unterzeichnet das Waffenstillstandsabkommen, 1953.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Bilder gemeinfrei.</p>
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		<title>Verhandlungen unter Beschuss – Panmunjom und der Streit um die Gefangenen</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 15:00:00 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 10. Juli 1951 sitzen sich in Kaesong erstmals Delegationen der beiden Kriegsparteien gegenüber. Für das Kommando der Vereinten Nationen führt Vizeadmiral Charles Turner Joy die Gespräche. Auf der anderen Seite sitzt eine nordkoreanisch-chinesische Delegation unter General Nam Il. Während an der Front weitergekämpft wird, sollen die Unterhändler Regeln für ein Ende der Kämpfe finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ziel der Gespräche ist zunächst nur ein Waffenstillstand: Die Truppen sollen das Feuer einstellen, sich aus einem vereinbarten Grenzstreifen zurückziehen und die Gefangenen austauschen. Die politischen Fragen der koreanischen Teilung bleiben späteren Gesprächen vorbehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon die Wahl des Ortes sorgt für Streit. Kaesong liegt im Gebiet der kommunistischen Truppen. Die UN-Delegation beklagt Einschränkungen beim Zugang und Verstöße gegen die vereinbarte neutrale Zone. Im August werden die Gespräche unterbrochen. Am 25. Oktober setzen beide Seiten sie in Panmunjom fort, einem kleinen Ort zwischen den Fronten. Dort entstehen Baracken und Zelte, in denen fast zwei Jahre lang verhandelt wird.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="920" height="430" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/M46_tiger_paint.png" alt="" class="wp-image-7770" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/M46_tiger_paint.png 920w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/M46_tiger_paint-300x140.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/M46_tiger_paint-768x359.png 768w" sizes="(max-width: 920px) 100vw, 920px" /><figcaption class="wp-element-caption">M46-Panzer mit Tigerbemalung, 1951</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Eine Linie durch die Front</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst streiten die Delegationen darüber, wo die Armeen nach einem Waffenstillstand stehen sollen. Die nordkoreanische und chinesische Seite fordert eine Linie am 38. Breitengrad. Damit würden die UN-Truppen Gebiete aufgeben, die sie nördlich der früheren Trennlinie erobert haben. Die UN-Delegation will dagegen den tatsächlichen Verlauf der Front zur Grundlage nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Unterhändler Karten ausbreiten, kämpfen Soldaten weiter um Höhen und Täler. Jede Seite versucht, ihre Stellung vor einer Einigung zu verbessern. Ein eroberter Bergrücken kann Straßen überwachen oder Artilleriebeobachtern freie Sicht auf das gegnerische Hinterland geben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/karte_demarkationslinie-300x225.png" alt="" class="wp-image-7771" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/karte_demarkationslinie-300x225.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/karte_demarkationslinie-1024x768.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/karte_demarkationslinie-768x576.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/karte_demarkationslinie.png 1448w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Am 27. November 1951 einigen sich die Delegationen vorläufig auf die bestehende Frontlinie. Sie soll gelten, falls innerhalb von 30 Tagen ein Waffenstillstand zustande kommt. Da innerhalb dieser Frist keine Einigung erreicht wird, verliert die vorläufige Festlegung ihre Gültigkeit. Die endgültige Linie wird später dem veränderten Frontverlauf angepasst. Das Prinzip für die Grenzziehung ist damit geklärt, doch die Kämpfe um das tatsächliche Terrain gehen weiter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Streit um die Gefangenen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die schwierigste Frage betrifft die Kriegsgefangenen. Die nordkoreanische und chinesische Seite verlangt, dass nach dem Waffenstillstand alle Gefangenen zurückkehren. Sie beruft sich auf die Genfer Konvention und betrachtet die vollständige Rückführung als Verpflichtung beider Seiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das UN-Kommando lehnt eine erzwungene Rückkehr ab. Befragungen in den Lagern zeigen, dass zahlreiche nordkoreanische und chinesische Gefangene nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollen. Manche fürchten Bestrafung, andere bezeichnen sich als Gegner der kommunistischen Regierungen. Zugleich üben organisierte Gruppen innerhalb der Lager Gewalt und Druck aus. Dadurch lässt sich der Wille einzelner Gefangener nur schwer feststellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für beide Seiten geht es um mehr als die Behandlung der Gefangenen. Eine große Zahl von Rückkehrverweigerern würde das politische Ansehen Nordkoreas und Chinas beschädigen. Eine erzwungene Auslieferung könnte dagegen den Anspruch der Vereinigten Staaten widerlegen, Menschen nicht gegen ihren erklärten Willen kommunistischen Regierungen zu übergeben. Die Gefangenen werden so zum Gegenstand eines politischen Konflikts, den die Delegierten am Verhandlungstisch nicht lösen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gewalt auf Koje-do</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spannungen zeigen sich besonders auf Koje-do, einer Insel vor der südkoreanischen Küste. Dort hält das UN-Kommando einen großen Teil der nordkoreanischen und chinesischen Kriegsgefangenen sowie Zivilinternierten fest. In den einzelnen Lagerbereichen organisieren sich kommunistische und antikommunistische Gruppen. Sie bedrohen Gegner und halten eigene Versammlungen ab. Aus Werkzeugen und Metallresten stellen sie zudem Waffen her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 7. Mai 1952 nehmen Gefangene den amerikanischen Lagerkommandanten Francis Dodd als Geisel. Dodd hatte sich einem Lagertor genähert, um mit Vertretern der Insassen zu sprechen. Männer ziehen ihn in den abgeriegelten Bereich und halten ihn mehrere Tage fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für seine Freilassung geben amerikanische Offiziere eine missverständliche Erklärung ab, die den Eindruck erweckt, das UN-Kommando gestehe Misshandlungen ein. Dodd kommt unverletzt frei, doch der Vorfall beschädigt die Position der UN-Delegation. Die kommunistische Seite nutzt ihn, um die Befragungen in den Lagern als Zwang und Täuschung darzustellen. In den folgenden Wochen trennt die Lagerleitung die Gefangenen in kleinere Gruppen und geht entschlossener gegen ihre Organisationen vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Stillstand in Panmunjom</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/3_RAR_defences_on_the_Jamestown_Line_1_January_1953_AWM_HOBJ3882-300x300.jpg" alt="" class="wp-image-7768" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/3_RAR_defences_on_the_Jamestown_Line_1_January_1953_AWM_HOBJ3882-300x300.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/3_RAR_defences_on_the_Jamestown_Line_1_January_1953_AWM_HOBJ3882-150x150.jpg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/3_RAR_defences_on_the_Jamestown_Line_1_January_1953_AWM_HOBJ3882.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Verteidigungspositionen, Januar 1953</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im Verlauf des Jahres 1952 liegen die meisten Teile des Waffenstillstands bereits als Entwurf vor. Die Delegierten haben sich auf die militärische Demarkationslinie, eine entmilitarisierte Zone und Überwachungskommissionen verständigt. Allein die Rückführung der Gefangenen verhindert die Unterzeichnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gespräche drehen sich wiederholt um ähnliche Vorschläge. Das UN-Kommando bietet an, rückkehrwillige Gefangene sofort zu übergeben und die übrigen einer neutralen Stelle anzuvertrauen. Die kommunistische Delegation beharrt lange auf der Rückführung aller Gefangenen. Im Oktober 1952 werden die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Front fordert dieser politische Stillstand täglich neue Opfer, obwohl keine Seite noch mit einem vollständigen militärischen Sieg rechnet. Artillerie beschießt dieselben Höhen, die Delegierte auf ihren Karten bereits einer künftigen Demarkationslinie zuordnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Ausweg im Frühjahr 1953</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Stalins Tod im März 1953 wächst auf kommunistischer Seite die Bereitschaft, den Krieg zu beenden. Der chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai schlägt vor, Gefangene, die ihre Rückkehr verweigern, vorübergehend einer neutralen Stelle zu übergeben. Damit nähert sich Peking einem Vorschlag, den die UN-Seite bereits zuvor vertreten hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor einer endgültigen Einigung tauschen beide Seiten kranke und verwundete Gefangene aus. Die Operation beginnt am 20. April 1953. Das UN-Kommando erhält 684 Gefangene zurück und übergibt 6.670 nordkoreanische und chinesische Soldaten. Der Austausch zeigt, dass praktische Vereinbarungen trotz des politischen Streits möglich sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Juni einigen sich die Unterhändler schließlich auf ein Verfahren. Gefangene, die zurückkehren wollen, sollen unmittelbar ausgetauscht werden. Die übrigen kommen vorübergehend unter die Aufsicht einer neutralen Kommission unter indischer Leitung. Vertreter ihrer Herkunftsländer dürfen ihnen die Rückkehr erläutern, aber keine Gewalt anwenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ist die letzte große Streitfrage der Verhandlungen gelöst. Doch in Seoul lehnt Präsident Syngman Rhee einen Waffenstillstand ab, der Korea geteilt lässt. Während die Delegierten in Panmunjom die letzten Texte vorbereiten, versucht nun ein Verbündeter der Vereinigten Staaten, die Unterzeichnung zu verhindern.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernd Stöver (2021):&nbsp;<a href="https://amzn.to/4qxPyja">Geschichte des Koreakriegs: Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Verhandlungsort Panmunjom, November 1951.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: Abgewandelt, nach Wikimedia Commons, Rishabh Tatiraju. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Der Berg, der zur Aufgabe wurde – Wie aus Chomolungma der Mount Everest entstand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen des 29. Mai 1953 versperrte eine fast senkrechte Felsstufe Edmund Hillary und Tenzing Norgay den Weg. Über ihnen lag der Gipfelgrat des höchsten Berges der Erde. Unter ihren Steigeisen fiel der Hang zur tibetischen Seite ab, hinter ihnen lagen mehrere Wochen Arbeit im Eisbruch des Khumbu-Gletschers und in den Hochlagern. Hillary zwängte sich in einen schmalen Spalt zwischen Fels und Schneewechte, stemmte sich nach oben und fand einen Platz, von dem aus er Tenzing sichern konnte. Später erhielt die Stelle seinen Namen: Hillary Step.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um 11.30 Uhr standen beide auf dem Gipfel. Sie blieben etwa 15 Minuten, dann begannen sie den Abstieg. Ihr Erfolg wirkte wie der Abschluss eines langen Wettlaufs. Tatsächlich hatte dieser Wettlauf schon begonnen, bevor ein Europäer den Berg aus der Nähe gesehen hatte. Vermesser hatten seine Höhe aus großer Ferne berechnet. Britische Geografen gaben ihm einen neuen Namen, und Expeditionen machten ihn zu einer Aufgabe, deren Lösung nationale Bedeutung gewann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Gipfel hinter dem Horizont</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Menschen in Tibet war der Berg längst benannt. Chomolungma, häufig als „Heilige Mutter“ übersetzt, erschien bereits 1721 in chinesischer Umschrift auf dem unter Kaiser <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/asien/ein-kind-auf-dem-thron-kangxi-und-der-beginn-einer-langen-herrschaft/">Kangxi </a>angefertigten Atlas des Qing-Reiches. Der französische Geograf Jean-Baptiste Bourguignon d’Anville übernahm eine Variante dieses Namens 1733 in eine europäische Karte. Der Gipfel gehörte damit schon im frühen 18. Jahrhundert zu einer asiatischen und europäischen Wissenswelt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="496" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief-1024x496.png" alt="" class="wp-image-7949" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief-1024x496.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief-300x145.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief-768x372.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief.png 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Britische Vermesser näherten sich ihm aus einer anderen Richtung. Seit 1802 überzog der Great Trigonometrical Survey den indischen Subkontinent mit einem Netz aus Messpunkten. Die East India Company und später die britische Kolonialverwaltung wollten Entfernungen und Höhen möglichst genau erfassen. Das diente der Kartografie, unterstützte jedoch ebenso die militärische Kontrolle und die Verwaltung des Landes. Geografisches Wissen wurde zu einem Werkzeug der Herrschaft.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="214" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-214x300.jpg" alt="" class="wp-image-8085" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-214x300.jpg 214w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-768x1074.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-732x1024.jpg 732w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-1098x1536.jpg 1098w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-1464x2048.jpg 1464w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851.jpg 1143w" sizes="auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px" /><figcaption class="wp-element-caption">Theodolit, Deutschland, 1851</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit verlangte einen gewaltigen Aufwand. Die großen Messinstrumente, Theodolite genannt, wogen bis zu 500 Kilogramm und mussten von Trägerkolonnen bewegt werden. Vermesser schlugen Schneisen und errichteten Signaltürme, um entfernte Punkte mit ihren Instrumenten anzupeilen. Schon kleinste Abweichungen konnten das Ergebnis verändern. Ab den 1830er-Jahren erreichten die Messketten den Rand des Himalaya. Nepal verweigerte den Briten den Zutritt, und auch Tibet blieb ihnen verschlossen. Die Beobachter mussten deshalb aus dem Terai arbeiten, dem feuchten Tiefland südlich des Gebirges. Monsunregen verdeckte die Gipfel, Malaria setzte den Mannschaften zu. Mehrere Offiziere starben, andere kehrten krank nach Großbritannien zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 1847 richtete Andrew Scott Waugh, der Generalvermesser Indiens, seine Instrumente auf einen Gipfel, der hinter dem damals für höchsten Berg der Erde gehaltenen Kangchendzönga lag. In den Unterlagen erschien er zunächst als „Peak b“, später als „Peak XV“. Seine unscheinbare Bezeichnung verriet, wie die Kolonialvermessung das Gebirge betrachtete: als Reihe von Punkten, deren Lage sich durch Winkel und Dreiecke bestimmen ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">James Nicolson beobachtete den Gipfel 1849 von fünf Standorten aus. Selbst sein nächster Messpunkt lag noch 174 Kilometer entfernt. Anschließend zog er sich nach Patna zurück, um seine Zahlen auszuwerten. Vor allem die Lichtbrechung beeinflusste die Messung über diese enorme Distanz; auch Luftdruck und Temperatur mussten die Rechner berücksichtigen. Nicolson erkrankte an Malaria, bevor er die Berechnungen abschließen konnte. In Dehradun arbeiteten indische Rechner und Vermesser mit den Daten weiter. Eine zentrale Rolle spielte der bengalische Mathematiker Radhanath Sikdar, der 1852 zu dem Ergebnis kam, dass Peak XV alle bekannten Gipfel überragte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Waugh ließ die Werte jahrelang prüfen. Im März 1856 gab er schließlich eine Höhe von 29.002 Fuß bekannt, umgerechnet knapp 8.840 Meter. Die oft erzählte Anekdote, seine Mitarbeiter hätten zu einem glatten Ergebnis von 29.000 Fuß zwei Fuß hinzugefügt, um übertriebene Genauigkeit zu vermeiden, lässt sich schwer belegen. Sicher ist, dass die Zahl dem fernen Gipfel einen neuen Rang verlieh. Aus Peak XV wurde der höchste bekannte Punkt der Erde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Name aus dem Vermessungsamt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Höhe stellte sich die Frage nach dem Namen. Waugh behauptete, er habe keine verlässlich gebrauchte lokale Bezeichnung ermitteln können. Die geschlossenen Grenzen Nepals und Tibets erschwerten seine Nachforschungen. Er schlug deshalb den Namen seines Amtsvorgängers George Everest vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Begründung zeigte die Grenzen des kolonialen Wissens. Chomolungma war seit mehr als einem Jahrhundert auf Karten belegt. Im Umfeld des Berges kursierten weitere Bezeichnungen. Die britischen Behörden erkannten dieses Wissen jedoch nur an, wenn ihre eigenen Beamten es prüfen und eindeutig zuordnen konnten. Was sich ihrer Vermessung entzog, erschien ihnen unsicher. So verlieh der Great Trigonometrical Survey einem asiatischen Berg den Namen eines britischen Offiziers, der den Gipfel selbst nie gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">George Everest lehnte die Ehrung ab. Er wandte ein, sein Name lasse sich in den Sprachen Indiens kaum schreiben oder aussprechen. Die Royal Geographical Society folgte dennoch Waughs Vorschlag und nahm „Mount Everest“ 1865 offiziell an. Mit diesem Namen rückte der Gipfel in Großbritannien enger an das Imperium. Karten und Schulbücher machten ihn zu einem Gegenstand britischer Geografie. Aus seiner Vermessung erwuchs bald ein Anspruch: Das Land, dessen Beamte den höchsten Berg bestimmt und benannt hatten, wollte ihn auch besteigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mallory sucht einen Weg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Anspruch ließ sich lange kaum verwirklichen. Nepal hielt seine Grenze geschlossen. Erst 1921 gestattete die tibetische Regierung einer britischen Expedition die Anreise von Norden. Die Teilnehmer mussten zunächst herausfinden, wie sie den Berg überhaupt erreichen konnten. George Mallory und Guy Bullock durchquerten mit Vermessern und einheimischen Begleitern Täler, prüften Gletscher und suchten einen Aufstieg zum Nordsattel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Expedition verband Kartografie mit Erkundung. Sie fertigte neue Aufnahmen an und erschloss eine Route, auf der Mallory bis auf etwa 7.000 Meter stieg. Von dort erkannte er einen möglichen Weg über den Nordgrat. Der Gipfel blieb weit entfernt, doch Mallory hatte eine Aufstiegsroute erkundet, der spätere Mannschaften folgen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1922 kehrten die Briten mit dem Ziel zurück, diese Linie auszuprobieren. Mallory, Edward Norton und Howard Somervell stiegen ohne zusätzlichen Sauerstoff über 8.000 Meter. George Finch und Geoffrey Bruce verwendeten Atemgeräte und kamen noch höher. Die Sauerstoffflaschen lösten eine Debatte aus. Einige Alpinisten betrachteten sie als künstliche Hilfe, andere als vernünftige Antwort auf die Höhe. Der Berg machte solche Vorstellungen von sportlicher Reinheit bald zweitrangig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim dritten Versuch führte Mallory eine Gruppe von Trägern trotz instabiler Schneeverhältnisse in Richtung Nordsattel. Eine Lawine erfasste die Männer. Sieben Träger starben. Die ersten Todesopfer der Everest-Expeditionen waren damit Männer aus der Himalayaregion, deren Arbeit den britischen Aufstieg überhaupt ermöglichte. In den Berichten erschienen sie lange am Rand, obwohl sie Lasten bewegten und Wege durch gefährliches Gelände vorbereiteten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-7950" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Zwei Männer verschwinden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni 1924 setzte die nächste Expedition erneut am Nordgrat an. Norton erreichte ohne zusätzlichen Sauerstoff etwa 8.573 Meter, bevor er umkehrte. Für den letzten Versuch wählte Mallory den 22 Jahre alten Andrew Irvine als Begleiter. Irvine besaß wenig Erfahrung im Himalaya, konnte jedoch die störanfälligen Sauerstoffgeräte warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Juni verließen beide ihr Lager. Der Geologe Noel Odell beobachtete sie am frühen Nachmittag durch eine Wolkenlücke. Er sah zwei kleine Gestalten auf dem Grat aufsteigen, dann schloss sich die Wolkendecke. Mallory und Irvine kehrten nie zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Verschwinden schuf eine der dauerhaftesten Fragen der Alpingeschichte. Hatten sie den Gipfel erreicht und waren erst beim Abstieg verunglückt? Das Schicksal der beiden bleibt bis heute ungeklärt. Mallorys Leichnam wurde 1999 an der Nordflanke gefunden. Er lag weit unterhalb des Grates und wies Verletzungen eines schweren Sturzes auf. Der Gipfel selbst hätte ihnen nur den halben Erfolg gebracht. In der Logik des Bergsteigens zählt auch die Rückkehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mythos um Mallory verdeckte zugleich, wie sehr die frühen Expeditionen von der kolonialen Logistik getragen wurden. Britische Offiziere leiteten die Unternehmungen, die Royal Geographical Society unterstützte sie, und Zeitungen begleiteten jeden Versuch. Tibetische Behörden entschieden über den Zugang, während Sherpas und tibetische Träger die Hochlager versorgten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Weg verlagert sich nach Süden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Zweiten Weltkrieg änderten politische Entscheidungen die Geografie des Bergsteigens. Die Volksrepublik China übernahm 1950 die Kontrolle über Tibet und schloss die Nordroute für westliche Expeditionen. Nepal öffnete im selben Zeitraum vorsichtig seine Grenzen. Damit rückte die bis dahin kaum erforschte Südseite in den Mittelpunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Britische Erkundungstrupps suchten 1950 und 1951 einen Weg durch den Khumbu-Eisbruch. Dort schiebt sich der Gletscher über eine Geländestufe und zerbricht in Türme und tiefe Spalten. Leitern und Seile können einen Übergang sichern, doch das Eis bewegt sich ständig. Oberhalb des Eisbruchs führte die Route durch das Western Cwm zum Lhotse-Hang und weiter auf den Südsattel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1952 erhielten zwei Schweizer Expeditionen die Genehmigung für den Berg. Raymond Lambert und Tenzing Norgay erreichten im Frühjahr etwa 8.595 Meter. Beide verbrachten eine Nacht in großer Höhe, litten unter Durst und kämpften mit unzuverlässigen Sauerstoffgeräten. Schließlich kehrten sie um. Ihr Versuch bewies, dass der Südostgrat einen gangbaren Weg bot. Tenzing kannte danach die entscheidenden Abschnitte besser als fast jeder andere Bergsteiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Briten wussten, dass ihnen wenig Zeit blieb. Für 1954 hatte Nepal einer französischen Expedition den Zugang zugesagt. Oberst John Hunt übernahm die Leitung der Unternehmung von 1953 und organisierte sie mit der Genauigkeit einer militärischen Operation. Eine große Mannschaft transportierte Sauerstoffflaschen und Zelte durch den Eisbruch. Sherpas richteten gemeinsam mit den europäischen und neuseeländischen Bergsteigern eine Kette von Lagern ein. Der Physiologe Griffith Pugh hatte zuvor untersucht, wie Trinken und Sauerstoffzufuhr die Leistungsfähigkeit in extremer Höhe verbesserten. Der Erfolg beruhte damit auf Erfahrungen früherer Expeditionen und auf systematischer Vorbereitung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">100 Meter vor dem Ziel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hunt bestimmte zwei Seilschaften für den Gipfel. Tom Bourdillon und Charles Evans starteten zuerst. Am 26. Mai erreichten sie den Südgipfel und standen nur noch etwa 100 Höhenmeter unter dem höchsten Punkt. Probleme mit ihren Sauerstoffgeräten verlangsamten sie. Sie entschieden sich zur Umkehr und überließen Hillary und Tenzing eine bereits vorbereitete Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 28. Mai errichteten Hillary und Tenzing ihr letztes Lager auf rund 8.500 Metern. In der Nacht froren Hillarys Stiefel. Er musste sie am Morgen über dem Kocher auftauen, bevor beide gegen 6.30 Uhr aufbrechen konnten. Sie überquerten den Südgipfel, folgten dem schmalen Grat und erreichten jene Felsstufe, die Hillary durch den Spalt an ihrer Seite überwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Gipfel suchte Hillary nach Hinweisen auf Mallory und Irvine. Er fand keine. Die beiden Männer fotografierten die Umgebung und hinterließen kleine Zeichen ihrer Herkunft und ihres Glaubens. Tenzing legte eine Opfergabe nieder, Hillary ein Kreuz, das Hunt ihm mitgegeben hatte. Danach traten sie den gefährlichen Rückweg an, bei dem jeder Fehltritt tödlich sein konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im unteren Lager begrüßte Hillary seinen Landsmann George Lowe mit einem knappen Satz: Sie hätten den Berg erledigt. Die Nachricht brauchte mehrere Tage bis nach London. Der Korrespondent James Morris übermittelte sie in einem verabredeten Code. Am 2. Juni 1953, dem Tag der Krönung Elisabeths II., berichtete die Times vom Gipfelerfolg. Für viele Briten verbanden sich beide Ereignisse zu einem Bild nationaler Erneuerung. Doch einer der Erstbesteiger kam aus Neuseeland, der andere war ein Sherpa, der in Nepal geboren worden war und in Darjeeling lebte. Der britische Triumph trug von Anfang an internationale Züge.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wem gehört ein Gipfelsieg?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unmittelbar nach der Rückkehr wollten Journalisten wissen, wer zuerst oben gewesen sei. Hillary und Tenzing bezeichneten den Aufstieg als gemeinsame Leistung. Später erklärte Tenzing, Hillary habe den Gipfel wenige Schritte vor ihm betreten. Die Frage verriet mehr über die Erwartungen des Publikums als über das Bergsteigen am Seil. Tenzings Erfahrung auf der Route und Hillarys Kletterleistung an der Felsstufe machten den gemeinsamen Erfolg möglich. Beide standen dort, weil Hunderte Menschen Lasten getragen und Lager versorgt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besteigung von 1953 beendete den Wettlauf um den ersten gesicherten Gipfelerfolg. Sie löste den Berg zugleich aus der engen britischen Erzählung. Chinesische Bergsteiger meldeten 1960 die erste Besteigung über die Nordroute. Junko Tabei erreichte 1975 als erste Frau den Gipfel. Reinhold Messner und Peter Habeler folgten 1978 ohne zusätzlichen Sauerstoff. Jede dieser Unternehmungen stellte neu zur Diskussion, worin am Everest eine besondere Leistung bestand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch seine Namen blieben nebeneinander bestehen. In Nepal heißt der Berg Sagarmatha, in Tibet Chomolungma, und weltweit dominiert die Bezeichnung Mount Everest. Darin spiegeln sich lokale Vorstellungen ebenso wie staatliche Deutungsansprüche. Der englische Name trägt zudem die Geschichte der kolonialen Vermessung weiter. Der Gipfel selbst markiert heute die Grenze zwischen Nepal und China. Wer ihn besteigen darf, entscheidet sich weiterhin in Behörden und Genehmigungsverfahren, lange bevor ein Fuß den Schnee des höchsten Grates berührt.</p>



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<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-7951" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-1024x682.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-767x511.jpg 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-1536x1024.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<p class="wp-block-paragraph">Douglas, E. (2021): <a href="https://amzn.to/3UjQMnd">Himalaya: A human history of the world’s highest mountains</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Mount Everest, Wikimedia Commons, Bijay Chaurasia. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Topographische Karte: Wikimedia Commons, Hans Braxmeier. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mount Everest North Face, Wikimedia Commons, Luca Galuzzi. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/" data-type="link" data-id="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/">CC BY-SA 2.5</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
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