Chronik der Qing-Dynastie – Folge 21
Im August 1900 marschieren ausländische Soldaten durch das Zhengyang-Tor in Peking. Einheiten aus Japan, Russland, Großbritannien, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien sichern Palastanlagen und andere strategisch wichtige Orte. Der Kaiserhof hat die Stadt bereits verlassen. Die Kaiserinwitwe Cixi führt Guangxu und den engeren Hofstaat nach Xi’an. In der Hauptstadt übernehmen fremde Militärkommandanten die Kontrolle.
Belagerung und militärischer Zusammenbruch

Seit Juni 1900 ist das Gesandtschaftsviertel belagert. Die Angreifer gehören zu einer Bewegung, die sich selbst „Milizen für Gerechtigkeit und Harmonie“ nennt. Westliche Beobachter sprechen von „Boxern“. Ihre Mitglieder stammen vor allem aus Nordchina. Sie verbinden Kampfübungen mit spirituellen Praktiken und richten sich gegen christliche Gemeinden und ausländische Einrichtungen. Teile des Hofes sehen in ihnen eine Kraft gegen den wachsenden ausländischen Einfluss.
Die Entscheidung, militärisch gegen die ausländischen Mächte vorzugehen, fällt im Umfeld der Kaiserinwitwe. Die Allianz bricht den Widerstand binnen weniger Wochen. Nach dem Einmarsch werden Verdächtige verhaftet, führende Unterstützer öffentlich hingerichtet. In Nordchina operieren Strafkommandos. Unterhändler des Hofes nehmen Gespräche mit den ausländischen Regierungen auf. Die militärische Lage lässt ihnen kaum Spielraum.
Das Protokoll von 1901

Am 7. September 1901 unterzeichnen Vertreter des Qing-Reiches und der beteiligten Staaten das sogenannte Boxerprotokoll. Die Regierung verpflichtet sich zu hohen Entschädigungszahlungen. 450 Millionen Tael Silber werden über Jahrzehnte zurückgezahlt. Als Sicherheit dienen Seezölle und Salzabgaben.
Ausländische Garnisonen bleiben dauerhaft entlang der Bahnlinie zwischen Peking und Tianjin stationiert. Befestigungen in der Hauptstadt werden geschliffen. Mehrere hochrangige Beamte verlieren ihre Ämter oder werden hingerichtet. Der Hof akzeptiert diese Bedingungen, um die militärische Besetzung zu beenden und nach Peking zurückzukehren.
Rückkehr und Reformpolitik
Im Januar 1902 kehren Cixi und Guangxu in die Hauptstadt zurück. Fremde Truppen stehen weiterhin im Umland. Der Hof ordnet Verwaltungs- und Militärreformen an, um Befehle wieder durchsetzen und Steuern zuverlässig einziehen zu können.
Unter dem Begriff „Neue Politik“ werden Reformen eingeleitet. Ministerien werden umgestaltet. Provinzen richten moderne Schulen ein. Das Militär erhält neue Ausbildungsprogramme. 1905 wird das klassische Prüfungssystem aufgehoben. Zugleich kündigt der Hof die Ausarbeitung einer Verfassung und die Einrichtung beratender Versammlungen an.
Provinzen und Militär
Die Umsetzung liegt bei den Provinzführern. Yuan Shikai in Zhili baut eine neue Armee nach westlichem Vorbild auf. Truppen und Einnahmen befinden sich zunehmend außerhalb unmittelbarer Hofkontrolle.
Ob Pekings Anweisungen befolgt werden, entscheiden diese Befehlshaber. Wer Soldaten kommandiert und Kassen kontrolliert, bestimmt den Handlungsspielraum des Hofes.
Nach 1901
Die Niederlage von 1900 verschiebt die Machtverhältnisse im Reich. Militärische Gewalt liegt nun bei den Provinzführern. Der Hof reagiert mit Reformprogrammen und Verfassungsplänen.
Die Zentralregierung muss um Unterstützung werben, während Gouverneure und Generäle längst über Truppen und Kassen verfügen.
Zum Weiterlesen
Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.
Helweg Schmidt-Glinzer (2024): Das neue China: Vom Untergang des Kaiserreichs bis zur Gegenwart.*
John K. Fairbank (1978): The Cambridge History of China: Volume 10, Late Ch’ing 1800 1911, Part 1.*
John K. Fairbank (1980): The Cambridge History of China: Volume 11, Late Ch’ing, 1800 1911, Part 2.*
Jonathan D. Spence(2024): The Search for Modern China.* Buch oder Audiobook.
Bildnachweis
Titel: Amerikanische Truppen in Peking, 1900
Alle Bilder gemeinfrei.



