Unter dem Boden von Cishan lagen Hunderte Gruben. Bei den Grabungen von 1976 bis 1978 legten Archäologen 474 von ihnen frei. In 88 fanden sie umfangreiche Getreidereste, die sich als Hirse bestimmen ließen. Die Pflanzenreste lagen als ascheartiges Material vor und waren mit Erde vermischt. Die Funde sprechen dafür, dass die Bewohner Pflanzen anbauten und einen Teil der Ernte in der Siedlung aufbewahrten.

Cishan lag im Süden der heutigen Provinz Hebei. Weiter südlich, im heutigen Henan, hinterließen andere Dörfer ähnliche Gefäße und Steinwerkzeuge. Archäologen ordnen sie der Peiligang-Kultur zu. Beide Bezeichnungen stammen von modernen Fundorten. Sie helfen dabei, wiederkehrende Formen von Häusern, Keramik und Werkzeugen zeitlich einzuordnen. Historische Reiche oder Völker bezeichnen sie nicht.
Die Dörfer bestanden ungefähr zwischen 7000 und 5000 v. Chr. In dieser Zeit breiteten sich am mittleren und unteren Gelben Fluss Gemeinschaften aus, die längere Zeit an einem Ort lebten. Hirse gehörte zu ihren wichtigsten Kulturpflanzen. Sie machte die Menschen jedoch nicht mit einem Schlag zu Bauern. Jagd und das Sammeln wilder Pflanzen blieben ebenso wichtig wie die Haltung von Tieren.
Ein Klima für neue Dörfer
Zu Beginn des Holozäns wurde das Klima in weiten Teilen Nordchinas wärmer und feuchter. Die sommerlichen Monsunregen reichten weiter nach Norden. Wälder breiteten sich aus, Seen führten mehr Wasser und Flusslandschaften boten Pflanzen und Tieren neue Lebensräume.
Menschen hatten schon zuvor Keramik hergestellt und zeitweise an günstigen Plätzen gelebt. Nun entstanden häufiger Siedlungen, in denen Häuser, Feuerstellen und Vorratsgruben über längere Zeit genutzt wurden. Am Gelben Fluss entwickelten sich mehrere regionale Gruppen. In Henan sprechen Archäologen von Peiligang, im südlichen Hebei von Cishan. Weiter östlich lag die Houli-Kultur, westlich die Laoguantai-Kultur.
Politisch bildeten diese Gemeinschaften eigenständige Gruppen. Zwischen ihren Siedlungen lagen große Entfernungen. Dennoch ähnelten sich manche Geräte und Formen der Vorratshaltung. Menschen tauschten Rohstoffe aus, beobachteten die Arbeitsweisen benachbarter Dörfer und übernahmen Techniken, die sich unter den jeweiligen Bedingungen bewährten.
Jiahu, das Dorf der ersten Folge, lag am südlichen Rand dieser Welt. Dort bauten Menschen auch Reis an. Weiter nördlich eignete sich Hirse besser für das Klima. Sie benötigte eine vergleichsweise kurze Wachstumszeit und kam mit geringeren Niederschlägen aus.
Körner für den Winter
Die Funde aus Cishan zeigen, dass Hirse nicht nur gelegentlich gesammelt wurde. Die Bewohner brachten Körner in die Siedlung und lagerten sie in Gruben. Dafür mussten sie ihre Arbeit über einen längeren Zeitraum planen. Der Boden wurde vorbereitet, die Saat ausgebracht und die reifen Rispen mussten rechtzeitig geschnitten werden. Danach folgten Trocknen, Dreschen und Einlagern.
Eine Ernte bot den Menschen gute Gründe, immer wieder an denselben Ort zurückzukehren. Wer Saatgut und Vorräte im Boden aufbewahrte, musste sie schützen. Felder brauchten Pflege, und gelagerte Nahrung musste bis zur nächsten Ernte reichen. Das Dorf wurde dadurch zu einem Ort, an dem vergangene Arbeit aufbewahrt und die kommende Aussaat vorbereitet wurde.
Steinerne Sichelklingen und Spaten gehörten zu dieser Wirtschaftsweise. Auf flachen Mahlsteinen konnten die Bewohner Körner oder andere Pflanzen zerkleinern. Der genaue Gebrauch eines einzelnen Geräts lässt sich nicht immer bestimmen. Dasselbe Werkzeug konnte bei der Feldarbeit und beim Sammeln verschiedener Pflanzen dienen.
Auch Haustiere gehörten zu den Siedlungen. Schweine und Hunde sind an mehreren Orten belegt. Daneben jagten die Bewohner Wild und nutzten Gewässer in der Umgebung. Hirse verringerte die Abhängigkeit von einzelnen wilden Nahrungsquellen, ersetzte sie aber nicht. Die frühen Dörfer lebten von einer Verbindung aus Anbau und der Nutzung ihrer Umgebung.
Kleine Häuser und tiefe Gruben
Die meisten bekannten Siedlungen waren klein. Sie umfassten häufig nur 1 oder 2 Hektar; selbst die größeren erreichten kaum mehr als 6 Hektar. Die Häuser waren meist rund und teilweise in den Boden eingetieft. Viele boten lediglich 4 bis 6 Quadratmeter Innenraum.

Ein solches Haus reichte für wenige Menschen und ihre unmittelbaren Tätigkeiten. Gekocht und gearbeitet wurde wahrscheinlich auch davor. Gruben nahmen Vorräte auf und dienten später teilweise als Abfallplätze. Keramikgefäße hielten Wasser oder Nahrung bereit. Dreibeinige Gefäße ließen sich über einer Feuerstelle erhitzen.
Häuser mussten ausgebessert und Gruben neu angelegt werden. Wer länger blieb, veränderte den Siedlungsplatz mit jeder Arbeitsphase. Ein Dorf umfasste mehr als seine Gebäude. Auch der Raum zwischen den Häusern und aufgegebene Gruben gehörten dazu. Was Archäologen als eine Siedlung erfassen, entstand durch zahlreiche Entscheidungen einzelner Haushalte.
Werkzeuge aus den Bergen
Nicht jedes Dorf verfügte über dieselben Rohstoffe. Siedlungen am Rand der Gebirge lagen näher an geeignetem Gestein als Orte in den Ebenen. In Tieshenggou, Egou und weiteren Plätzen fanden Archäologen Abfälle der Werkzeugherstellung. Dort schlugen und schliffen Menschen Steingeräte wahrscheinlich auch für Bewohner anderer Siedlungen.
Ein Grab in Shawoli macht diese Arbeit besonders sichtbar. Der Tote in Grab M19 erhielt mehrere Spaten und Meißel. Daneben lagen Äxte, Schleifsteine und Abfälle der Steinbearbeitung. Möglicherweise hatte dieser Mensch selbst Werkzeuge hergestellt. Die Beigaben kennzeichneten ihn als einen Menschen mit besonderen handwerklichen Kenntnissen.
Die Werkstätten blieben klein. Wahrscheinlich stellten einzelne Haushalte Geräte nur während eines Teils des Jahres her. Die betreffenden Siedlungen waren nicht größer als andere Dörfer und kontrollierten ihre Nachbarn nicht. Trotzdem gleichen sich geschliffene Steingeräte aus verschiedenen Orten. Rohmaterial und fertige Werkzeuge gelangten zwischen den Siedlungen weiter. Mit ihnen verbreitete sich das Wissen über ihre Herstellung.
Ein Friedhof ohne Fürsten
Wie gering die sozialen Unterschiede noch waren, zeigt der Friedhof von Shuiquan im heutigen Henan. Er stammt aus der späten Peiligang-Zeit um 5300 v. Chr. Archäologen legten dort 120 Bestattungen frei. Die Gräber bildeten 2 Gruppen, zwischen denen ein freier Streifen lag.
Ein Grab fiel durch seine Größe und seine 21 Beigaben auf. Der Tote aus Grab M29 erhielt jedoch keine kostbaren Gegenstände aus fernen Regionen. Bei ihm lagen Keramik und Werkzeuge, also Dinge, die auch den Alltag der Lebenden bestimmten. Das Grab befand sich inmitten der übrigen Bestattungen und war nicht räumlich abgesondert.
Andere Tote erhielten weniger Beigaben oder gar keine. Die Unterschiede konnten mit dem Alter, dem Geschlecht, persönlichen Beziehungen oder den Aufgaben eines Menschen zusammenhängen. Es gibt aber keine erkennbare Gruppe, die sich durch aufwendige Gräber und seltene Güter dauerhaft von allen anderen abhob.
Auch die Verteilung der Siedlungen spricht gegen eine übergeordnete Macht. Für Henan sind mehr als 70 Fundplätze der Peiligang-Kultur bekannt. Sie unterscheiden sich nur begrenzt in ihrer Größe. Kein Ort ragt als Hauptstadt hervor, von der aus kleinere Dörfer gelenkt worden wären.
Vorräte verändern den Alltag
Hirse schuf noch keine Könige. Sie veränderte jedoch die Aufgaben, die Menschen miteinander verbanden. Aussaat und Ernte mussten zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Vorräte verlangten Schutz und eine Entscheidung darüber, wie viel bis zur nächsten Wachstumszeit verbraucht werden durfte. Werkzeuge mussten hergestellt und weitergegeben werden.
Haushalte und verwandte Gruppen organisierten diese Arbeiten gemeinsam. Die Dörfer von Cishan und Peiligang zeigen eine Lebensweise, in der Menschen ihre Versorgung zunehmend planten, aber noch keine größeren politischen Zentren errichteten. Ihre Siedlungen blieben klein und gleichrangig.
Weiter südlich wählten Gemeinschaften andere Pflanzen und bauten ihre Häuser in einer wasserreicheren Landschaft. Am Unterlauf des Jangtse bildete Reis die Grundlage von Dörfern, deren hölzerne Bauteile sich im feuchten Boden erhalten haben. Dort lässt sich beobachten, wie eine andere Form früher Landwirtschaft den Alltag prägte.

Zum Weiterlesen
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Liu, Li (2005): The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States.* Untersuchung jungsteinzeitlicher Siedlungen, Bestattungen und gesellschaftlicher Veränderungen mit ausführlicher Einordnung von Jiahu.
Li, Feng (2013): Early China. A Social and Cultural History. Überblick über die regionalen Anfänge von Landwirtschaft und dauerhaften Siedlungen sowie die weitere Entwicklung des frühen China.
Bildnachweis
Titel: Lebenswelt der der Cishan-Kultur, Handan Museum. CC BY-SA 4.0.
Gelber Fluss. Wikimedia Commons, Windmemories. CC BY-SA 4.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.



