Goa 1510 – Ein portugiesisches Machtzentrum

Afonso de Albuquerque, 16. Jhdt.

Im Herbst 1510 lag Afonso de Albuquerque mit seiner Flotte vor Goa. Wenige Monate zuvor hatte er die Stadt schon einmal eingenommen und wieder verloren. Nun wartete er auf eine zweite Gelegenheit.

Goa war eine wohlhabende Hafenstadt an der Westküste Indiens. Der Zugang zum Mandovi machte den Ort zu einem geeigneten Stützpunkt für portugiesische Flotten. Zugleich lag er zwischen den Handelsregionen Gujarat und Malabar. Wer Goa beherrschte, gewann Einfluss auf den Seeverkehr im westlichen Indien und auf den Handel mit Pferden, Gewürzen und Textilien.

Für den portugiesischen Gouverneur ging es daher um mehr als einen einzelnen Hafen. Er wollte Portugal dauerhaft im Indischen Ozean verankern.

Die Suche nach einem dauerhaften Stützpunkt

Seit Vasco da Gamas Ankunft in Calicut im Jahr 1498 hatten die Portugiesen versucht, sich in den Handel des Indischen Ozeans einzuschalten. Doch ihre Stellung blieb unsicher. Die portugiesische Krone suchte weiterhin nach einem verlässlichen Handelsstützpunkt.

Cochin lag günstig für den Pfefferhandel, war aber politisch und militärisch verwundbar. Goa bot bessere Voraussetzungen. Der Hafen lag geschützt im Mündungsgebiet des Mandovi. Die vorgelagerte Insel ließ sich leichter verteidigen als eine offene Küstenstadt. Flussarme und sumpfige Reisfelder bildeten natürliche Hindernisse.

Von hier aus konnten portugiesische Schiffe sowohl die Küste als auch wichtige Routen durch das Arabische Meer erreichen.

Goa war bereits vor der portugiesischen Eroberung ein bedeutendes Handelszentrum. Bis etwa 1470 hatte die Stadt zum südindischen Vijayanagar-Reich gehört. Danach geriet sie unter die Herrschaft der Bahmani-Sultane und schließlich unter die Kontrolle von Bijapur.

Diese Herrschaftswechsel spiegelten die politischen Umbrüche auf dem Dekkan wider. Goa blieb dabei ein begehrter Hafen, denn die Stadt verband das Hinterland mit den Seewegen des Indischen Ozeans.

Handelswege im Dekkan

Timoja und der erste Angriff

Eine wichtige Rolle spielte Timoja, ein lokaler Seefahrer und Kriegsherr. In portugiesischen Berichten erscheint er zunächst als Lotse und Vermittler, später auch als militärischer Verbündeter. Wahrscheinlich verfolgte er zugleich eigene politische Interessen.

Timoja informierte den portugiesischen Befehlshaber über die Lage in Goa. Die Stadt wurde von einem muslimischen Statthalter im Namen des Sultans von Bijapur regiert. Ein Teil der Truppen war für andere Kämpfe abgezogen worden. Timoja drängte die Portugiesen zum Angriff und versprach Unterstützung durch lokale Kräfte.

Im Februar 1510 erschien die portugiesische Flotte vor Goa. Der Angriff verlief überraschend schnell. Der Statthalter floh, und die Portugiesen zogen nahezu ohne längeren Widerstand in die Stadt ein.

Der neue Machthaber ließ sich feierlich empfangen. Die Bevölkerung sollte erkennen, dass nicht nur eine Flotte vorübergehend den Hafen besetzt hatte, sondern eine neue Herrschaft entstehen sollte.

Doch dieser erste Erfolg täuschte.

Der Gegenangriff von Bijapur

Bijapur war nicht bereit, Goa aufzugeben. Schon wenige Monate später rückte ein größeres Heer gegen die Stadt vor. Gleichzeitig begann der Monsun.

Heftiger Regen erschwerte die Verteidigung. Krankheiten breiteten sich aus, während die Versorgung der portugiesischen Truppen zunehmend zusammenbrach. Die Schiffe konnten wegen der Wetterbedingungen nicht ohne Weiteres auslaufen.

Der Befehlshaber musste Goa räumen. Seine Männer zogen sich auf die Flotte zurück und lagen fast 3 Monate im Mandovi fest. Hunger und Krankheit schwächten die Besatzungen.

Erst als sich das Wetter besserte, konnten die Portugiesen entkommen. Der erste Versuch, Goa zu erobern, war gescheitert.

Dennoch hielt der Gouverneur an seinem Plan fest. In den folgenden Monaten sammelte er Schiffe und Soldaten. Verstärkung traf aus Portugal und aus anderen portugiesischen Stützpunkten ein. Im November 1510 kehrte er zurück.

Die zweite Eroberung

Am 25. November begann der erneute Angriff. Dieses Mal waren die Portugiesen besser vorbereitet. Ein Teil der Truppen landete an verschiedenen Stellen der Insel, während die Schiffe den Zugang zum Fluss kontrollierten.

Nach heftigen Kämpfen durchbrachen die Angreifer die Verteidigung. Die Truppen von Bijapur zogen sich zurück, und Goa fiel zum zweiten Mal in portugiesische Hände.

Die anschließende Gewalt war erheblich. Nach dem Sieg befahl Albuquerque, muslimische Kämpfer und Teile der muslimischen Bevölkerung zu töten oder aus der Stadt zu vertreiben. Portugiesische Chronisten beschrieben Brände und Massaker, denen auch Zivilisten zum Opfer fielen.

In Goa befanden sich zudem türkische und persische Militärangehörige. Albuquerque verband sie mit den vorangegangenen Flottenunternehmen der ägyptischen Mamluken, die versucht hatten, die portugiesische Expansion im Indischen Ozean aufzuhalten. Für ihn war Goa deshalb auch ein Schauplatz des größeren Konflikts um die Seewege zwischen Indien, dem Roten Meer und dem Persischen Golf.

In den folgenden Jahrzehnten trat auch das Osmanische Reich in diesem Ringen stärker hervor.

Herrschaft durch Zusammenarbeit

Trotz der Gewalt konnten die Portugiesen Goa nicht ausschließlich mit eigenen Soldaten regieren. Dafür war ihre Zahl zu gering. Die neue Herrschaft war auf örtliche Amtsträger und Kaufleute angewiesen.

Die Portugiesen übernahmen daher zahlreiche bestehende Verwaltungsstrukturen. Hinduistische Amtsträger blieben an der Erhebung von Steuern beteiligt. Auch die sogenannten gaunkars, erbliche Anteilseigner der Dorfgemeinschaften, behielten wichtige Aufgaben bei der Regelung von Landnutzungsrechten und lokalen Abgaben.

Der Gouverneur bestätigte Grundbesitz und versprach vielen Einwohnern Schutz. Zugleich setzte er portugiesische Beamte an strategisch wichtigen Stellen ein. Besonders der Hafen, die Festung und die Zolleinnahmen sollten direkt kontrolliert werden.

Diese Mischung aus Eroberung und Zusammenarbeit prägte die portugiesische Herrschaft. Sie war militärisch entstanden, musste sich im Alltag jedoch auf lokale Kenntnisse und bestehende Institutionen stützen.

Vor allem die muslimische Bevölkerung litt unter Vertreibungen und dem Verlust ihres Vermögens. Viele ihrer Angehörigen waren bereits während der Eroberung getötet worden. Hinduistische Gruppen erhielten dagegen zunächst größere Handlungsspielräume. Albuquerque hoffte, sie als Gegengewicht zu den früheren muslimischen Herrschern nutzen zu können.

Goa bleibt umkämpft

Bijapur fand sich mit dem Verlust Goas nicht ab. Während Albuquerque 1511 nach Malakka segelte, griffen Truppen aus dem Hinterland die Insel erneut an und besetzten das Fort Benastarim.

Der Gouverneur kehrte im Februar 1512 aus Südostasien nach Cochin zurück. Wegen Nachschubproblemen, beschädigter Schiffe und des Monsuns konnte er jedoch erst im Oktober wieder nach Goa aufbrechen.

Die portugiesischen Truppen belagerten Benastarim. Mitte November kapitulierten die Verteidiger. Erst damit war die unmittelbare Gefahr einer erneuten Rückeroberung vorerst gebannt.

Ein Hafen für das Estado da Índia

Goa wurde nun zum Mittelpunkt der portugiesischen Besitzungen in Asien. Die Befestigungen wurden ausgebaut. Wichtige militärische Entscheidungen beriet Albuquerque zumindest formal mit den portugiesischen Kapitänen.

Der spätere Estado da Índia war kein geschlossenes Territorium, sondern ein weitreichendes Netzwerk aus Festungen und Hafenstädten, an die sich kleinere Handelsstationen anschlossen.

Goa entwickelte sich zum politischen Zentrum dieses Netzes. 1530 verlegte Gouverneur Nuno da Cunha den Sitz der portugiesischen Regierung endgültig von Cochin nach Goa.

Von dort aus leitete die Verwaltung militärische Unternehmungen, diplomatische Kontakte und den Handel zwischen den portugiesischen Stützpunkten. Goa wurde zur wichtigsten europäischen Hauptstadt in Asien.

Der Pferdehandel

Eine zentrale Rolle spielte der Handel mit Pferden. Für die Reiche des Dekkan waren gute Kriegspferde von großer Bedeutung. Das tropische Klima und die Zuchtbedingungen in vielen Teilen Indiens erschwerten jedoch die Versorgung mit geeigneten Tieren.

Deshalb wurden Pferde aus Arabien und Persien eingeführt. Goa war einer der wichtigsten Umschlagplätze für diesen Handel.

Zeitweise kamen jedes Jahr etwa 1.000 Pferde im Hafen an. Viele starben während der Überfahrt oder kurz nach der Ankunft. Die überlebenden Tiere konnten dafür sehr hohe Preise erzielen.

Die portugiesische Verwaltung besteuerte den Handel und versuchte, ihn politisch zu nutzen. Pferde konnten bevorzugt an verbündete Herrscher verkauft oder Gegnern vorenthalten werden. Vollständig kontrollieren ließ sich der Markt allerdings nicht. Händler wichen bei Bedarf auf andere Häfen aus.

Dekkan-Malerei: Shahjahan auf Rehjagd (1623). Im Hintergrund sieht man Reiter

Zölle, Märkte und Handel

Neben Pferden wurden im Hafen Baumwollstoffe, Reis und Gewürze gehandelt. Hinzu kamen Metalle und zahlreiche Luxuswaren. Kaufleute aus Gujarat, Südindien, Persien und der arabischen Welt kamen in die Stadt.

Portugiesische Schiffe verbanden Goa mit Malakka, Hormus, Mosambik und Lissabon. Gleichzeitig blieb der regionale Handel innerhalb Asiens wirtschaftlich entscheidend.

In den 1580er-Jahren stammten rund 60 Prozent der gesamten Kroneinnahmen des Estado da Índia aus Zöllen. Auch wenn diese Zahl für den gesamten portugiesischen Machtbereich der späten Jahrzehnte gilt, zeigt sie die große Bedeutung des Warenverkehrs für die koloniale Herrschaft.

Die Portugiesen versuchten, den Seehandel mit Pässen, den sogenannten cartazes, zu regulieren. Schiffe sollten nur mit portugiesischer Genehmigung verkehren. Wer ohne einen solchen Pass angetroffen wurde, riskierte die Beschlagnahmung seiner Ladung und seines Schiffes.

In der Praxis blieb dieses System lückenhaft. Die Küsten waren lang, die portugiesischen Flotten klein, und viele Händler fanden Wege, sich der Kontrolle zu entziehen.

Eine vielsprachige Stadt

Goa wuchs im Laufe des 16. Jahrhunderts stark. Um 1600 könnte die Stadt etwa 75.000 Einwohner gehabt haben. Solche Angaben sind Schätzungen, vermitteln aber einen Eindruck von ihrer Größe.

In den Straßen waren Konkani, Marathi, Gujarati, Arabisch, Persisch und Portugiesisch zu hören. Händler, Handwerker, Soldaten, Seeleute, Geistliche und versklavte Menschen lebten nebeneinander.

Die soziale Ordnung blieb dabei deutlich hierarchisch. An der Spitze standen hohe portugiesische Beamte, Kirchenvertreter und wohlhabende Kaufleute. Unter ihnen lebten europäische Soldaten, portugiesischstämmige Siedler, christliche Inder und zahlreiche Angehörige anderer Religionsgemeinschaften.

Auch die Saraswat-Brahmanen, Angehörige einer einflussreichen hinduistischen Kaste der Region, behielten eine starke wirtschaftliche Stellung. Einige arbeiteten als Händler, Schreiber, Steuerpächter oder Vermittler.

Die portugiesische Herrschaft schuf neue Machtverhältnisse, blieb aber von indischen Arbeitskräften, Kenntnissen und Handelsbeziehungen abhängig.

Kirche St. Augustine (gebaut um 1600)

Die casados

Albuquerque wollte in Goa eine dauerhaft ansässige portugiesische Bevölkerung schaffen. Soldaten und andere Portugiesen sollten nicht nur einige Jahre in Asien dienen und anschließend zurückkehren.

Er förderte daher Ehen zwischen Portugiesen und einheimischen Frauen. Verheiratete Siedler wurden als casados bezeichnet. Sie erhielten teilweise Häuser oder Land; hinzu kamen wirtschaftliche Vergünstigungen.

Viele dieser Männer wurden Händler und verbanden portugiesische Netzwerke mit lokalen Märkten. Ihre Familien entwickelten eigene soziale und kulturelle Identitäten.

Die von Albuquerque geförderten Ehen waren allerdings nicht immer freiwillig. Einige Frauen stammten aus Familien, die durch Krieg oder Vertreibung ihren Schutz verloren hatten. Die Politik der Eheschließungen war damit zugleich ein Instrument kolonialer Herrschaft.

Sklaverei

Sklaverei gehörte zum Alltag Goas. Versklavte Menschen arbeiteten in Haushalten und Werkstätten, aber auch auf Schiffen. Sie kamen aus unterschiedlichen Regionen Indiens, aus Ostafrika und aus Südostasien.

Manche waren im Krieg gefangen genommen worden. Andere waren verkauft, verschleppt oder wegen Schulden in Abhängigkeit geraten.

Goa entwickelte sich zu einem wichtigen Markt für versklavte Menschen. Portugiesische Händler transportierten sie zwischen verschiedenen Teilen des Estado da Índia. Einige wurden auch nach Portugal gebracht.

Für viele portugiesische Haushalte wurde der Besitz versklavter Menschen zu einem sichtbaren Zeichen von Wohlstand und Rang.

Religion und Mission

Mit der portugiesischen Herrschaft entstanden in Goa Kirchen und Klöster. Zugleich kamen verschiedene Missionsorden in die Stadt. Anfangs verfolgte Albuquerque eine vergleichsweise pragmatische Religionspolitik. Hinduistische Tempel und lokale Bräuche bestanden zunächst weiter, solange die politische Ordnung nicht infrage gestellt wurde.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts verschärfte sich die Politik. Die Krone und die Kirche förderten die Christianisierung zunehmend entschlossen. Missionare gründeten Schulen, übersetzten religiöse Texte und tauften große Teile der Bevölkerung.

1542 traf der Jesuit Franz Xaver in Goa ein. Er machte die Stadt zu einem Ausgangspunkt seiner Missionstätigkeit in Asien.

1557 wurde Goa zum Erzbistum erhoben; der erste Erzbischof traf Ende 1560 ein. Damit erhielt die Stadt eine zentrale Stellung in der katholischen Kirchenorganisation vom Kap der Guten Hoffnung bis nach Ostasien.

Um 1600 lebte in den portugiesischen Gebieten Goas bereits eine große christliche Bevölkerung. In der Stadt selbst war ihr Anteil deutlich höher als auf dem Land. Die neue Religion verdrängte ältere Traditionen allerdings nicht einfach. Viele Bräuche, Familienstrukturen und soziale Unterschiede bestanden in veränderter Form weiter.

Einheimische Künstler und Handwerker arbeiteten an der Ausstattung christlicher Kirchen. Dabei verbanden sie europäische Motive mit regionalen Materialien und Techniken.

Die Inquisition

1560 nahm die Inquisition in Goa ihre Arbeit auf. Sie sollte über die Reinheit des katholischen Glaubens wachen und verfolgte Menschen, denen geheime Ausübung anderer Religionen oder Abweichung von der kirchlichen Lehre vorgeworfen wurde.

Besonders gefährdet waren zwangsgetaufte oder konvertierte Christen, die verdächtigt wurden, weiterhin hinduistische, jüdische oder islamische Praktiken auszuüben.

Die Inquisition wurde zu einem Symbol der religiösen Repression. Ihre Verfahren konnten Haft, Beschlagnahmung des Vermögens und öffentliche Bußrituale nach sich ziehen. In einzelnen Fällen wurden Todesurteile verhängt.

Ihre Einführung zeigte, wie weit sich die portugiesische Politik seit den ersten Jahren Albuquerques verändert hatte. Aus einem zunächst vor allem militärischen und wirtschaftlichen Stützpunkt wurde auch ein Zentrum konfessioneller Kontrolle.

Ruinen des Inquisitionspalastes in Goa, Zeichnung Élisée Reclus (1830-1905)

Expansion auf das Festland

Die portugiesische Herrschaft blieb nicht auf die Insel Goa beschränkt. 1543 kamen Bardez im Norden und Salcete im Süden hinzu.

Diese Gebiete wurden später gemeinsam mit der ursprünglichen Insel als die Alten Eroberungen bezeichnet. Sie bildeten den Kern des portugiesischen Territoriums in Goa.

Auf dem Land lebte die Mehrheit der Bevölkerung von Landwirtschaft und Fischerei. Reisfelder und Kokospalmen prägten die Landschaft; hinzu kamen zahlreiche Gewürzgärten. Die Dörfer behielten viele ihrer gewachsenen Strukturen, wurden aber zunehmend in das portugiesische Steuer- und Kirchensystem eingebunden.

Die Ausdehnung erleichterte die Versorgung der Stadt. Gleichzeitig verstärkte sie den Druck auf die nichtchristliche Bevölkerung. Tempel wurden zerstört oder verlegt, religiöse Feste eingeschränkt und Missionen ausgeweitet.

Viele Familien zogen in Gebiete außerhalb der portugiesischen Herrschaft. Andere nahmen das Christentum an und versuchten, bestehende soziale Bindungen unter neuen Bedingungen zu bewahren.

Reichtum und Abhängigkeit

Goas Wohlstand beruhte auf seiner Lage innerhalb weitgespannter Handelsnetze. Die Stadt verband Europa, Afrika, den Nahen Osten, Indien und Südostasien.

Doch dieser Wohlstand blieb abhängig. Die Portugiesen produzierten nur einen kleinen Teil der Waren, mit denen sie handelten. Sie waren auf indische Textilien, asiatische Gewürze, lokale Lebensmittel und die Dienste einheimischer Kaufleute angewiesen.

Auch die militärische Macht hatte Grenzen. Die portugiesische Bevölkerung war klein, die Entfernungen zwischen den Stützpunkten waren groß, und der Unterhalt von Flotten und Festungen verschlang enorme Summen.

Goa konnte deshalb nur bestehen, solange die portugiesische Regierung mit lokalen Gruppen zusammenarbeitete und einen Teil der Einnahmen des asiatischen Handels abschöpfte.

Die Bedeutung der Eroberung

Mit der Einnahme Goas im Jahr 1510 gewann Portugal erstmals eine dauerhafte territoriale Basis an der Westküste Indiens. Die Stadt wurde zum politischen, militärischen und kirchlichen Zentrum des Estado da Índia.

Die Eroberung zeigte zugleich das Grundmuster der portugiesischen Expansion. Seemacht und Artillerie ermöglichten es einer vergleichsweise kleinen Zahl von Europäern, wichtige Häfen zu besetzen. Dauerhafte Herrschaft entstand jedoch erst durch lokale Bündnisse, bestehende Verwaltungsstrukturen und die Mitarbeit indischer Kaufleute und Beamter.

Für die Einwohner Goas brachte die portugiesische Herrschaft tiefgreifende Veränderungen. Neue Handelswege und wirtschaftliche Chancen entstanden, während Krieg, Vertreibung, Sklaverei und religiöser Druck zahlreiche Menschen trafen.

Goa wurde deshalb weder zu einer bloßen portugiesischen Stadt in Asien noch zu einem unveränderten indischen Hafen unter fremder Flagge. Es entstand eine koloniale Gesellschaft, in der europäische Herrschaftsansprüche und indische Lebenswelten auf widersprüchliche Weise miteinander verbunden waren.


Zum Weiterlesen

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Pearson, M. N. (1988): The Portuguese in India.* Untersuchung der portugiesischen Präsenz mit besonderem Blick auf die begrenzte Reichweite ihrer Herrschaft und die bereits bestehenden Strukturen des Indischen Ozeans.

Subrahmanyam, S. (2012): The Portuguese Empire in Asia, 1500–1700.* A Political and Economic History. Grundlegende Darstellung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des portugiesischen Imperiums in Asien.

Disney, A. R. (2009): A History of Portugal and the Portuguese Empire. Volume 2: The Portuguese Empire.* Umfassende Geschichte der portugiesischen Expansion und ihrer unterschiedlichen Herrschaftsräume.

Bildnachweis

Titel: Ruinen von Alt-Goa und der Kirche St. Augustine (um 1600 gebaut). Wikimedia Commons, Vyacheslav Argenberg. CC BY-SA 4.0.

Rehjagd: Bearbeitet nach Wikimedia Commons, Natasha Khaitan.CC BY-SA 4.0.

Kirche St. Augustine: Wikimedia Commons, Vyacheslav Argenberg. CC BY-SA 4.0.

Karte: Bearbeitet nach Wikimedia Commons, Hugo Refachinho. CC BY-SA 4.0.

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