Bagan – Der wirtschaftliche Kollaps und der Mongolensturm

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts geriet das Staatsgefüge von Bagan ins Wanken. Das Hauptproblem war die tiefe Frömmigkeit der Elite. Über Generationen hinweg hatten die Herrscher und wohlhabende Familien riesige Ländereien an die Klöster verschenkt. Da dieses Land als religiöses Eigentum von Steuern befreit war, schrumpften die Einnahmen der Krone unaufhaltsam. Dem Thron fehlten zunehmend die Mittel, um die Verwaltung und vor allem das Heer zu finanzieren. Während die Tempellandschaft prachtvoller denn je erschien, verarmte der Staat hinter den Kulissen.

Der Mongolensturm und die Schlacht von Ngasaunggyan

Mongolischer Reiter, Bild aus der Ming-Dynastie

Im Norden drohte eine neue Gefahr. Kublai Khan, der Begründer der Yuan-Dynastie in China, forderte Tribut von Bagan. König Narathihapate unterschätzte das Risiko und ließ die Gesandten hinrichten, was eine militärische Antwort provozierte.

Im Jahr 1277 kam es zur entscheidenden Schlacht von Ngasaunggyan. Nach den Berichten der Chroniken, die auch vom venezianischen Reisenden Marco Polo aufgegriffen wurden, setzte die birmanische Armee hunderte von Kriegselefanten ein. Die berittenen Bogenschützen antworteten mit einem massiven Pfeilhagel auf die Tiere. In Panik geraten, kehrten die Elefanten um und zertrampelten die eigenen Reihen – eine Taktik, die in zeitgenössischen Schilderungen als der entscheidende Wendepunkt beschrieben wird.

Der Zerfall der zentralen Macht

Zehn Jahre später nahm eine Strafexpedition aus dem Norden die Stadt schließlich ein und plünderte sie. Die Invasoren wollten das tropische Tiefland jedoch nicht dauerhaft verwalten, da der administrative Aufwand zu hoch erschien. Sie zogen sich daher nach der Demütigung des Hofes wieder zurück. Der zentrale Machtapparat war durch diesen Überfall dennoch zerschlagen. König Narathihapate floh nach Süden, was ihm in der Geschichte den Beinamen Tayokpyemin einbrachte – der König, der vor den Chinesen floh. Mit seiner Flucht löste sich das Reich in regionale Fürstentümer auf.

Das Erbe der Shan und der Aufstieg von Ava

Der Rückzug der Eroberer hinterließ eine geschwächte Region, die neue Akteure anzog. Aus dem Nordosten rückten Shan-Krieger vor, die bereits zuvor als Söldner im Dienst Bagans gestanden hatten. Da sie das Gelände kannten und militärisch erfahren waren, besetzten sie die strategisch wichtigen Bewässerungsanlagen. Drei einflussreiche Shan-Brüder, die durch Heirat mit dem birmanischen Adel verbunden waren, füllten das Machtvakuum. Sie stellten sich als Erben Bagans dar, verlegten den politischen Schwerpunkt jedoch nach Norden, näher an die Kornkammer des Landes.

Im Jahr 1364 wurde die Stadt Ava gegründet, die für die nächsten Jahrhunderte das neue Machtzentrum Oberbirmas bilden sollte. Obwohl der bisherige Regierungssitz seine Bedeutung verlor, blieb Bagan als religiöser Pilgerort erhalten. Der immense Landbesitz der Klöster blieb unangetastet, wodurch die Kultur der Tempelstadt weiterlebte. Die Architektur, die Schrift und der Glaube von Bagan wurden zu einem bleibenden Denkmal für die erste große Einigung des Landes.


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Bildnachweis

Titel: Bagan, 2013.

Alles eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.

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