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	<title>Seng Horl Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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	<title>Seng Horl Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Battambang 1976 &#8211; Der Plan und der Hunger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 16:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Khmer]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ieng Thirith reiste Mitte 1976 in den Nordwesten Kambodschas. Die Ministerin für Sozialangelegenheiten war mit Außenminister Ieng Sary verheiratet. Pol Pot war ihr Schwager. Ihr Auftrag führte sie nach Battambang, &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/battambang-1976-der-plan-und-der-hunger/">Battambang 1976 &#8211; Der Plan und der Hunger</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_7.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ieng Thirith reiste Mitte 1976 in den Nordwesten Kambodschas. Die Ministerin für Sozialangelegenheiten war mit Außenminister Ieng Sary verheiratet. Pol Pot war ihr Schwager. Ihr Auftrag führte sie nach Battambang, in eine Region, von der die Parteiführung besonders hohe landwirtschaftliche Erträge erwartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie dort sah, passte kaum zu diesen Erwartungen. Menschen lebten ohne feste Unterkünfte auf den Reisfeldern. Viele litten an Durchfall oder Malaria. Thirith erinnerte sich später daran, wie krank die Arbeiter wirkten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie vermutete eingeschleuste Agenten in den eigenen Reihen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit zeigte sich bereits eine Logik, die für die folgenden Jahre entscheidend wurde. Die Parteiführung setzte Produktionsziele, die viele Regionen kaum erfüllen konnten. Wenn Ernten ausblieben und Menschen hungerten, suchte sie die Ursache zunehmend bei Saboteuren innerhalb der eigenen Organisation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 1976 erhielt dieses Wirtschaftsmodell einen Namen und einen Zeitplan.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pol Pot stellt den Vierjahresplan vor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 21. bis 23. August versammelten sich Parteikader in Phnom Penh. Pol Pot erläuterte ihnen den Vierjahresplan zum Aufbau des Sozialismus, der für die Jahre 1977 bis 1980 gelten sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dokument umfasste rund 110 Seiten. Im Zentrum stand die Landwirtschaft. Kambodscha sollte seine Produktion rasch steigern und vor allem Reis exportieren. Mit den Devisen wollte die Regierung zunächst Maschinen kaufen. Später sollten die landwirtschaftlichen Überschüsse den Aufbau einer eigenen Industrie finanzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteiführung glaubte, dafür auf eine besondere Ressource zurückgreifen zu können: Arbeitskraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geld spielte innerhalb des Landes keine Rolle mehr. Private Märkte waren abgeschafft. Die Kooperativen konnten große Gruppen von Menschen für landwirtschaftliche Projekte einsetzen. Aus Sicht der Parteiführung hatte die Revolution damit Hindernisse beseitigt, die einer schnellen wirtschaftlichen Entwicklung im Weg gestanden hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade der Nordwesten erhielt eine Schlüsselrolle. Die Region um Battambang gehörte traditionell zu den wichtigsten Reisanbaugebieten des Landes. Im Vierjahresplan sollte die Nordwestzone etwa 30 Prozent der jährlichen Reisproduktion Kambodschas liefern. Die Führung rechnete mit Erträgen von ungefähr drei Tonnen Reis pro Hektar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorgaben trafen auf eine Bevölkerung, die bereits geschwächt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hunderttausende Vertriebene aus Phnom Penh und anderen Städten waren seit 1975 in den Nordwesten gebracht worden. Viele hatten zuvor nie Landwirtschaft betrieben. In einigen Gebieten mussten sie Wälder roden oder neue Anbauflächen erschließen. Malaria und Unterernährung schwächten die Arbeitskräfte zusätzlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Planung in Phnom Penh orientierte sich trotzdem an den gewünschten Erträgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wasser für eine neue Landwirtschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Partei setzte große Hoffnungen auf Bewässerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reis sollte verlässlicher angebaut werden, wenn Felder weniger von den jahreszeitlichen Niederschlägen abhingen. Dazu mussten Dämme gebaut und Kanäle ausgehoben werden. Die Arbeitsgruppen der Kooperativen lieferten dafür die Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon 1975 wurden Bewohner im Nordwesten neben dem Reisanbau zum Bau von Bewässerungsanlagen eingesetzt. In anderen Gebieten ging die Führung noch weiter. Ein Überlebender aus dem Südwesten berichtete, seine Arbeitsgruppe habe während der Regenzeit Dämme bauen müssen, obwohl die Felder vorbereitet werden mussten. Der Reis sei dadurch zu spät gepflanzt worden und anschließend im Wasser zugrunde gegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beispiel zeigt ein Grundproblem der Planung. Lokale landwirtschaftliche Erfahrung verlor an Gewicht, wenn sie den Vorgaben der Funktionäre widersprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führung wollte zugleich möglichst wenig von ausländischer Technik abhängig sein. Arbeitskraft sollte fehlende Maschinen ersetzen. Später überlieferte Aussagen aus der Parteiführung zeigen, dass Pol Pot Regionen besonders hervorhob, die mit möglichst wenig Technik auskamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen gruben deshalb Erde mit einfachen Werkzeugen und bewegten große Mengen Boden durch körperliche Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewässerungsanlagen waren damit mehr als Infrastruktur. Sie verkörperten die Vorstellung, dass eine politisch mobilisierte Bevölkerung materielle Grenzen durch Arbeit überwinden könne.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Hektar am Tag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Bewohner der Kooperativen wurde der Plan zu einer Abfolge konkreter Arbeitsvorgaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bauer Savy arbeitete 1976 in einer Baumwollkooperative bei Sisophon. Er erhielt einen Wagen und zwei Rinder. Seine tägliche Aufgabe bestand darin, einen Hektar Land zu pflügen. Nachts musste er dort noch nicht arbeiten, und Savy beschrieb die Bedingungen im Vergleich zu anderen Orten als erträglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenige Kilometer entfernt konnten die Verhältnisse deutlich härter sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem anderen Dorf waren etwa 300 Familien in Arbeitsgruppen eingeteilt worden. Sie bauten Reis an und arbeiteten an Bewässerungsanlagen. 1975 konnten sie noch zusätzlich Nahrung sammeln. Im folgenden Jahr sanken die Rationen. Im Juli 1976 begann das gemeinsame Essen in großen Gruppen. Die Bewohner erhielten immer häufiger dünnen Reisbrei. Ein Überlebender erinnerte sich daran, dass die Menschen schließlich Teile von Bananenpflanzen aßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede zwischen einzelnen Dörfern blieben während der gesamten Herrschaft bestehen. Es gab Regionen mit ausreichenderen Rationen und andere mit akuter Unterversorgung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Richtung der Entwicklung war jedoch vielerorts ähnlich. Die Partei kontrollierte einen wachsenden Anteil der Ernte und verlangte gleichzeitig mehr Arbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Reis verlässt die Region</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich wurde dieser Widerspruch Ende 1976.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nordwesten verschlechterte sich die Ernährungslage. Unterdurchschnittliche Regenfälle trafen auf eine bereits geschwächte Bevölkerung. Berichte aus der Region sprechen davon, dass teilweise erheblich weniger Fläche bestellt werden konnte als im Vorjahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeiter in mobilen Brigaden erhielten kleinere Rationen und mussten länger arbeiten. Krankheiten nahmen zu. In den Dörfern konnten manche Familien noch heimlich Hühner schlachten oder zusätzliche Nahrung sammeln. Auch solche Möglichkeiten versuchten lokale Funktionäre zunehmend zu kontrollieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wurde Reis abtransportiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Überlebender berichtete, während der Erntezeit hätten Arbeiter täglich große Mengen Getreide auf Züge verladen, die in Richtung Phnom Penh fuhren. Nach seiner Darstellung wurden pro Saison etwa 40.000 Tonnen aus diesem Gebiet abgeführt. Ein Teil des Reises gelangte später auch in den Export.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit entstand eine Situation, die aus Sicht der betroffenen Bevölkerung schwer nachvollziehbar sein musste. Menschen produzierten Reis und litten gleichzeitig unter sinkenden Rationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Parteiführung ergab der Abtransport innerhalb des Vierjahresplans durchaus Sinn. Reis war zugleich Lebensmittel und Exportgut. Seine Ausfuhr sollte Kapital für den weiteren wirtschaftlichen Aufbau beschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Versorgung der Produzenten stand damit in Konkurrenz zu den Investitionszielen des Staates.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="803" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-1024x803.png" alt="" class="wp-image-8430" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-1024x803.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-300x235.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-768x602.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-1536x1204.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice.png 1592w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sen Kra-Ob, Duftreis aus Kambodscha</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">November 1976</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seng Horl, der Lehrer aus der vorherigen Folge, lebte inzwischen im Distrikt Preah Net Preah im Nordwesten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch im September 1976 beschrieb er die Lage als erträglich. Seine Gruppe kochte selbst. Die Menschen konnten Wasserpflanzen sammeln und Muscheln suchen. Manche bauten Gemüse in der Nähe ihrer Unterkünfte an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann gingen die Vorräte aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November und Dezember starben in Horls Dorf nach seiner späteren Aussage etwa 400 von 1.100 Menschen. Er erinnerte sich an so viele Tote, dass die Bewohner Schwierigkeiten hatten, sie zu begraben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem benachbarten Gebiet lagen mehrere Kooperativen mit Vertriebenen aus Phnom Penh auf tief gelegenem Gelände. Während der Regenzeit standen große Flächen unter Wasser. Gemüse ließ sich dort kaum anbauen. Horl berichtete von extrem hohen Verlusten unter den dort lebenden Familien. Auch wenn einzelne von Überlebenden genannte Zahlen schwer unabhängig zu überprüfen sind, zeigen die Berichte eine schwere Hungerkrise im Nordwesten Ende 1976.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hatte der Krieg seit mehr als einem Jahr aufgehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen hungerten nun in einem Land, in dem die Parteiführung den Anbau und die Verteilung von Lebensmitteln kontrollierte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was die Führung sah</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="221" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Thirith_-_Case_002_Initial_Hearing-221x300.jpg" alt="" class="wp-image-8431" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Thirith_-_Case_002_Initial_Hearing-221x300.jpg 221w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Thirith_-_Case_002_Initial_Hearing.jpg 500w" sizes="(max-width: 221px) 100vw, 221px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ieng Thirith, 2011</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Führung wusste zumindest teilweise von der schlechten Versorgung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ieng Thiriths Reise nach Battambang zeigt, dass Berichte über Krankheit und mangelhafte Unterkünfte die Spitze des Regimes erreichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verdacht auf Sabotage gewann an Bedeutung, je deutlicher die Produktionsziele verfehlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel liefert Ruos Nhim, der langjährige Sekretär der Nordwestzone. In einem später unter Zwang entstandenen Geständnis Hu Nims wird ihm Kritik an den Produktionsvorgaben zugeschrieben. Demnach habe Ruos Nhim beklagt, dass die Partei hohe Erträge fordere, ohne ausreichend Maschinen bereitzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Gefängnisaussagen müssen mit Vorsicht behandelt werden. Sie entstanden unter Bedingungen, die gezielt bestimmte Antworten produzierten. Dennoch passt die dort überlieferte Auseinandersetzung zu einem gut belegten Konflikt zwischen den Vorgaben des Zentrums und den tatsächlichen Produktionsbedingungen im Nordwesten. Die Parteiführung deutete das Verfehlen der Getreideziele zunehmend als Ergebnis von Sabotage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit veränderte sich die politische Bedeutung einer schlechten Ernte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein gescheiterter Plan konnte zur Frage der Loyalität werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erfolgsmeldungen aus Phnom Penh</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die öffentliche Darstellung des Regimes folgte einer anderen Richtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1977 meldete Phnom Penh Radio einen Reisüberschuss von etwa 150.000 Tonnen. Diese Menge sollte exportiert werden, um Mittel für den weiteren Aufbau des Landes zu beschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am zweiten Jahrestag der Machtübernahme trat Khieu Samphan in Phnom Penh auf. Er sprach über Fortschritte auf dem Land und über die Bewässerung. Die Bevölkerung, so stellte er es dar, unterstütze die Politik der Führung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem Zeitpunkt hatten einige Regionen bereits schwere Versorgungskrisen erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung hielt dennoch an ihrem Modell fest. Reisexporte sollten Devisen bringen. Der Vierjahresplan verlangte weiterhin erhebliche Produktionssteigerungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1977 exportierte Demokratisches Kampuchea nach späteren Angaben rund 100.000 Tonnen Reis in verschiedene Länder. Die Einnahmen blieben deutlich unter den ehrgeizigen Zielen des Plans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Menschen in den Kooperativen spielte diese Differenz zwischen Plan und tatsächlichem Export kaum eine Rolle. Entscheidend war, wie viel Reis nach der Ablieferung in ihren Gemeinschaftsküchen verblieb.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Nordwesten soll liefern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade hier zeigt der Vierjahresplan seine härteste Seite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für andere Zonen enthielten die Berechnungen Mengen, die für den lokalen Verbrauch vorgesehen waren. Beim Nordwesten fehlt eine solche Position in der erhaltenen Planung, obwohl die Region 1977 etwa 1,62 Millionen Tonnen Reis produzieren sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob lokale Funktionäre diese Vorgabe exakt umsetzten, lässt sich für jedes Gebiet nur einzeln beantworten. Doch der Plan setzte ein eindeutiges Signal. Der Nordwesten sollte vor allem produzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig lebten dort besonders viele Menschen, die erst nach April 1975 angesiedelt worden waren und häufig über wenig Erfahrung mit den örtlichen Anbaumethoden verfügten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fehler beim Anbau verschlechterten die Ernten und verschärften den Hunger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Parteiführung lag darin zunehmend ein politisches Problem.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Misserfolg zum Feind</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1977 begann die Zentrale, die Führung des Nordwestens systematisch auszutauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten lieferten dafür einen wichtigen Hintergrund. Parteidokumente machten angebliche Saboteure für vernichtete Ernten und fehlenden Reis verantwortlich. Gefangene mussten später gestehen, Felder absichtlich beschädigt oder Geräte zerstört zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erklärung entlastete den Plan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein Produktionsziel unerreichbar gewesen war, musste die Führung ihre Vorgaben überprüfen. Wenn Feinde den Plan sabotiert hatten, konnte das Ziel bestehen bleiben und die Suche nach Verrätern ausgeweitet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das geschah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis Ende 1977 waren die führenden Funktionäre aller sieben Sektoren der Nordwestzone von Säuberungen betroffen. Kader aus anderen Regionen rückten nach und übernahmen ihre Positionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verbanden sich zwei Entwicklungen, die bislang getrennt erscheinen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Feldern kämpften Menschen mit Hunger und Überarbeitung. In den Parteizentralen suchten Funktionäre nach den Verantwortlichen für verfehlte Produktionszahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg zwischen beiden führte in die Sicherheitsgefängnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Terror des Regimes erfasste zugleich ethnische und religiöse Minderheiten. Die Roten Khmer griffen in deren Sprache und Glaubenspraxis ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die muslimischen Cham und die vietnamesische Minderheit wurde diese Politik zur existenziellen Bedrohung.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="960" height="479" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cows_in_Siem_Reap_Province.jpg" alt="" class="wp-image-8432" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cows_in_Siem_Reap_Province.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cows_in_Siem_Reap_Province-300x150.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cows_in_Siem_Reap_Province-768x383.jpg 768w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Farmer, 2015</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Berghäuser, 2022. Wikimedia Commons, Pem peak. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thirith: Wikimedia Commons. <a href="https://www.flickr.com/people/39971069@N02">Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia</a>. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reis: Wikimedia Commons, Yon.sovann. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Farmer: Wikimedia Commons, Krzysztof Golik. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Prey Krabas 1975 &#8211; Leben unter Angkar</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 14:30:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Seng Horl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seng Horl hatte sein Heimatdorf Prey Krabas seit Jahren nicht mehr als dauerhaften Wohnort erlebt. Nach der Räumung Phnom Penhs im April 1975 kehrte der Lehrer mit seiner Frau und &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/prey-krabas-1975-leben-unter-angkar/">Prey Krabas 1975 &#8211; Leben unter Angkar</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Seng Horl hatte sein Heimatdorf Prey Krabas seit Jahren nicht mehr als dauerhaften Wohnort erlebt. Nach der Räumung Phnom Penhs im April 1975 kehrte der Lehrer mit seiner Frau und seinen Kindern dorthin zurück. Seine Mutter stand in einiger Entfernung und sah die Familie ankommen. Sie ging zunächst nicht zu ihnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund war der Dorfvorsteher. Er ließ Horls Besitz durchsuchen, beschlagnahmte Gegenstände und verbrannte seine Bücher sowie sein Diplom. Anschließend blieb die Miliz in der Nähe der Familie und hörte mit, worüber die Neuankömmlinge sprachen. Erst nachdem die Funktionäre gegangen waren, wagte Horls Mutter, sich ihrem Sohn zu nähern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erklärte ihm, wie man nun überleben müsse. Man solle nichts wissen, nichts hören und nichts sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Horl durfte in dieser Nacht nicht im Haus seiner Mutter schlafen. Wenige Tage später verschwanden sein Neffe, der Offizier gewesen war, und ein ehemaliger Polizeiinspektor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg war beendet. Die Menschen, die aus Phnom Penh und anderen Städten auf das Land gekommen waren, lebten nun unter einer Herrschaft, die in Teilen Kambodschas schon während des Bürgerkriegs entstanden war.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Menschen mit unterschiedlicher Vergangenheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunistische Partei unterschied die Bevölkerung danach, wo jemand während des Krieges gelebt hatte und wie er sich zur Revolution verhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen aus Dörfern, die bereits vor dem 17. April 1975 unter kommunistischer Kontrolle gestanden hatten, gehörten zur sogenannten Basisbevölkerung. Viele hatten jahrelang in Gebieten gelebt, in denen die Partei Lebensmittel verteilte, lokale Verwaltungen einsetzte und junge Männer für ihre Streitkräfte rekrutierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vertriebenen aus Phnom Penh und anderen Städten kamen dagegen als Neuankömmlinge hinzu. In den Quellen erscheinen dafür Bezeichnungen wie neue Menschen oder Deportierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unterscheidung hatte unmittelbare Folgen. Herkunft und frühere Tätigkeit bestimmten darüber, welche Arbeit jemand erhielt, wie genau Funktionäre seine Vergangenheit untersuchten und welchem Verdacht er ausgesetzt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche lokale Kader behandelten die Neuankömmlinge vergleichsweise zurückhaltend. In anderen Gegenden begannen unmittelbar nach der Ankunft Verhaftungen und Tötungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Verhältnis zwischen alter Dorfbevölkerung und Neuankömmlingen war keineswegs von Anfang an feindselig. In mehreren dokumentierten Orten nahmen Bauern die Menschen aus den Städten zunächst freundlich auf. Erst die Politik der Partei verschärfte mit der Zeit die Trennung zwischen beiden Gruppen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lehrer, Arbeiter und Soldaten im Kloster</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Prey Krabas teilten die Funktionäre die Neuankömmlinge nach ihrer früheren Tätigkeit ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seng Horl und seine Familie mussten nach einer Woche ihr Dorf wieder verlassen. Rund 200 Lehrerfamilien wurden in einem buddhistischen Kloster zusammengezogen. In einer anderen Gruppe befanden sich etwa 300 Fabrikarbeiter und Ärzte. Ehemalige Soldaten wurden wiederum getrennt untergebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für diese Gruppen galten unterschiedliche Bedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lehrer, Arbeiter und Ärzte erhielten zunächst ausreichende Reisrationen und konnten weiterleben. Die ehemaligen Soldaten traf es härter. Viele wurden getötet. Andere bekamen kleinere Rationen und wurden einige Monate später erneut deportiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Partei verwandelte die Angaben über frühere Berufe damit in ein Instrument politischer Kontrolle. Wer während der Republik eine Uniform getragen oder für deren Sicherheitsapparat gearbeitet hatte, befand sich bereits kurz nach dem Sieg in besonderer Gefahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Verwandtschaft bot keinen sicheren Schutz. Eltern, die zur Basisbevölkerung gehörten, durften ihre aus Phnom Penh zurückgekehrten Kinder teilweise nicht besuchen, selbst wenn diese krank waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteiorganisation trat zwischen die Familien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Haushalt zur Arbeitsgruppe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Kommunistische Partei sollte das Dorf seine bisherige wirtschaftliche Funktion verlieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 1975 trafen sich führende Kader zu einer Konferenz. Dort bestätigte die Führung mehrere Entscheidungen, die den künftigen Alltag bestimmen sollten. Die Entvölkerung der Städte sollte dauerhaft sein. Geld und Märkte sollten verschwinden. Auch der Buddhismus sollte im neuen Staat keinen Platz mehr haben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="235" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Khmer_rouge_clothing-235x300.jpg" alt="" class="wp-image-8426" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Khmer_rouge_clothing-235x300.jpg 235w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Khmer_rouge_clothing-768x983.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Khmer_rouge_clothing-800x1024.jpg 800w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Khmer_rouge_clothing.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px" /><figcaption class="wp-element-caption">Khmer-Rouge-Kleidung: komplett schwarz mit roter Krama</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig trieb die Partei die Bildung größerer Kooperativen voran. Im August 1975 forderte ihre interne Zeitschrift, kleinere Zusammenschlüsse aus wenigen Familien zu Kooperativen auf Dorfebene auszubauen. Damit ließen sich Arbeit und Produktion enger durch die Kader kontrollieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschen arbeiteten nun in Gruppen, die häufig als <em>krom</em> bezeichnet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seng Horls Lehrergruppe wurde in Einheiten von jeweils zehn Familien geteilt. Jede erhielt Zugtiere, Pflüge und einen Wagen. Die Familien arbeiteten gemeinsam auf den Feldern. Wann und wo sie eingesetzt wurden, bestimmten die Funktionäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Regionen entstanden ähnliche Gruppen. Ein Augenzeuge aus dem Nordwesten berichtete von Einheiten aus jeweils zehn Familien, die Reis anbauten und Bewässerungsanlagen errichteten. Dort konnten die Menschen 1975 teilweise noch selbst kochen und zusätzliche Nahrung suchen. Bereits 1976 verschlechterten sich die Bedingungen erheblich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die gemeinsame Küche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders weitreichend war die Abschaffung privater Mahlzeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Dörfern begann die Bevölkerung zunächst weiterhin innerhalb der Familie zu essen. Während des Jahres 1976 verbreiteten sich dann Gemeinschaftsküchen. In einigen Regionen setzte sich das gemeinsame Essen erst 1977 vollständig durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verlor der Haushalt eine seiner wichtigsten Funktionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Reis angebaut hatte, konnte nicht mehr einfach einen Teil davon für die eigene Familie kochen. Die Ernte gelangte in die Speicher der Kooperative, und die Funktionäre bestimmten die Rationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen lassen sich in einem Dorf im Nordwesten nachvollziehen. Dort verfügten die Menschen 1975 noch über Nahrung und konnten zusätzlich Essbares suchen. Im Juli 1976 begann das gemeinsame Essen in Gruppen von jeweils 100 Familien. Ein Überlebender erinnerte sich, dass die Rationen nun aus dünnem Brei bestanden und die Menschen sogar Bananenstämme aßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in anderen Orten ging die Einführung gemeinsamer Mahlzeiten mit sinkendem Verbrauch einher. Die Rationen fielen jedoch unterschiedlich aus und hingen stark von Region, Ernte und örtlicher Führung ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade deshalb lässt sich die Geschichte des Demokratischen Kampuchea, wie sich der Staat ab Januar 1976 nannte, nicht auf ein einziges Dorfmodell reduzieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vollberechtigte, Kandidaten und Deportierte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Tram Kak im Südwesten kontrollierten die Funktionäre den Alltag besonders streng.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="276" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/4ac3a0b6-b30a-48d4-8311-090be6a90ee0-300x276.png" alt="" class="wp-image-8425" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/4ac3a0b6-b30a-48d4-8311-090be6a90ee0-300x276.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/4ac3a0b6-b30a-48d4-8311-090be6a90ee0-767x706.png 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/4ac3a0b6-b30a-48d4-8311-090be6a90ee0-1024x943.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/4ac3a0b6-b30a-48d4-8311-090be6a90ee0.png 1307w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Das Dorf Leay Bo galt später als Musterkooperative und wurde ausländischen Besuchern gezeigt. Dort teilten die Funktionäre die Bevölkerung in verschiedene Kategorien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer keine Angehörigen unter den Vertriebenen hatte, konnte als vollberechtigte Person gelten. Menschen mit entsprechenden Familienbeziehungen gehörten zur Kategorie der Kandidaten. Die eigentlichen Deportierten standen darunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Einteilung griff Begriffe auf, die ursprünglich aus der Organisation kommunistischer Parteien stammten. Nun wurden sie auf große Teile der Bevölkerung übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1977 versammelten die neuen Kader die Gruppen getrennt. Die Deportierten erhielten die Aufforderung, sich zu verändern und ihre frühere Lebensweise aus Phnom Penh abzulegen. Anschließend wurden auch ihre Kooperativen voneinander getrennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die politische Vergangenheit wurde damit zu einer Eigenschaft, die Menschen über Jahre begleiten konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wer sich allen Anweisungen fügte, blieb ein ehemaliger Stadtbewohner.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Familie unter Vorbehalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Kinder gerieten immer stärker in die Organisation der Kooperativen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Regionen wurden Jugendliche bereits 1975 in eigene Arbeitsgruppen eingezogen. Ein Bauer aus Preah Net Preah berichtete, dass seine jüngere Schwester im August 1975 einer Kindergruppe zugewiesen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später ging die Trennung weiter. In einem anderen Dorf wurden Jungen und Mädchen in eigenen Einrichtungen untergebracht. Eine ältere Frau erinnerte sich daran, dass Erwachsene einfach die Aufgabe erhielten, bestimmte Kinder zu betreuen. Wer welches Kind versorgte, bestimmte nicht mehr allein die Familie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Ehepartner konnten durch Arbeitseinsätze getrennt werden. Männer, Frauen und Jugendliche arbeiteten teilweise in unterschiedlichen Gruppen und lebten über längere Zeit voneinander getrennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch unter diesen Bedingungen versuchten Menschen, Angehörige zu schützen und Nahrung mit ihnen zu teilen. Doch die Partei schob ihre eigenen Strukturen zwischen Eltern und Kinder sowie zwischen Ehepartner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Eingriffe waren für die Führung kein nebensächlicher Effekt der Arbeitsorganisation. Je stärker Menschen in getrennte Gruppen eingebunden waren, desto weniger konnten sie ihren Alltag innerhalb eines privaten Haushalts selbst gestalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Dorf ohne Markt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zur gleichen Zeit verschwanden die Möglichkeiten, außerhalb der Partei Lebensmittel oder andere Dinge zu beschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geld hatte seinen Wert verloren. Märkte waren verboten. In einigen Gegenden hielten sich zunächst informelle Tauschbeziehungen. Seng Horl berichtete, dass Bauern nachts heimlich Reis zu den Neuankömmlingen brachten und dafür Kleidung oder Gold erhielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Geschäfte zeigen, dass staatliche Anordnungen den Alltag nicht sofort vollständig bestimmten. Menschen suchten Wege, um die neuen Regeln zu umgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Handlungsspielräume wurden jedoch kleiner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Regionen beschlagnahmten die Funktionäre Wagen, Haushaltsgegenstände und landwirtschaftliche Geräte. Vieh und Werkzeuge gingen in kollektive Nutzung über. Wer Nahrung außerhalb der vorgesehenen Verteilung beschaffte, setzte sich zunehmend einem erheblichen Risiko aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit entstand eine grundlegende Abhängigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer essen wollte, war auf die Kooperative angewiesen. Wer arbeiten wollte, erhielt seinen Einsatz von der Organisation. Wer den Ort verlassen wollte, brauchte eine Erlaubnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Örtliche Funktionäre vertraten Angkar und setzten deren Anweisungen im Alltag durch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Führung hinter Angkar</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Flag_of_the_Communist_Party_of_Kampuchea.svg_-300x200.webp" alt="" class="wp-image-8424" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Flag_of_the_Communist_Party_of_Kampuchea.svg_-300x200.webp 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Flag_of_the_Communist_Party_of_Kampuchea.svg_-767x512.webp 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Flag_of_the_Communist_Party_of_Kampuchea.svg_-1024x683.webp 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Flag_of_the_Communist_Party_of_Kampuchea.svg_.webp 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Flagge der Kommunistischen Partei Kambodschas</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Für viele Menschen, die 1975 aus den Städten kamen, blieb zunächst unklar, wer hinter Angkar stand. Diese Ungewissheit blieb Teil der Herrschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lokale Funktionäre beriefen sich auf Angkar, wenn sie Menschen versetzten oder Eigentum einzogen. Die Namen der führenden Politiker blieben dagegen lange im Hintergrund. Saloth Sar trat nicht als allgegenwärtiger Staatschef auf. Erst im September 1977 gab die Kommunistische Partei Kampucheas ihre Existenz öffentlich bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Bewohner eines Dorfes war deshalb häufig weniger entscheidend, welcher Mann in Phnom Penh einen Beschluss gefasst hatte. Anweisungen erhielten sie von Gruppenleitern oder Dorfvorstehern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der geheimen Organisation wurde so eine konkrete Erfahrung des Alltags.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Religion verschwindet aus dem öffentlichen Leben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die buddhistischen Klöster verloren ihre bisherige Stellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Führungskonferenz vom Mai 1975 wurde das Verbot des Buddhismus zusammen mit anderen grundlegenden Veränderungen bestätigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klöster dienten nun teilweise anderen Zwecken. Schon Seng Horls Geschichte zeigt, wie eine Tempelanlage zur Sammelunterkunft umfunktioniert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mönche mussten ihre religiöse Lebensweise aufgeben. Rituale, die zuvor zum Dorfleben gehört hatten, verschwanden aus der Öffentlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für religiöse Minderheiten hatte dieser Eingriff zusätzliche Folgen. Bei den muslimischen Cham betraf er das Gebet und die religiösen Schulen. Hinzu kamen Eingriffe in ihre Speisevorschriften. Diese Entwicklung wird in einer späteren Folge ausführlicher behandelt. Berichte aus dieser Zeit zeigen jedoch, wie eng die Abschaffung religiöser Einrichtungen mit dem Umbau der Dörfer verbunden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Religiöse Gemeinschaften wurden damit der Kontrolle der Partei unterworfen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auch die Basisbevölkerung geriet unter Druck</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst Bauern aus der Basisbevölkerung mussten lange arbeiten und erhielten wenig Nahrung. Eine Frau aus einem Dorf im Südwesten erinnerte sich zwar daran, dass die Basisbevölkerung zunächst Vorteile besaß, doch auch dort wuchs später die Unzufriedenheit mit Gemeinschaftsessen und sinkenden Rationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Sieg vom 17. April 1975 verschärfte die Parteiführung die Kollektivierung schrittweise und versuchte zugleich, regionale Strukturen stärker unter ihre Kontrolle zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig verlangte die Führung immer mehr Reis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit begann der nächste Konflikt. Die Partei wollte die landwirtschaftliche Produktion in kurzer Zeit erheblich steigern und investierte große Teile der verfügbaren Arbeitskraft in Bewässerungsanlagen und neue Felder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob diese Pläne funktionierten, entschied über die Nahrung, die in den Gemeinschaftsküchen ausgegeben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Menschen fiel diese Entscheidung tödlich aus.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Tonle Sap, einfache Farmer-Häuser. Wikimedia Commons, Dmitry A. Mottl. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kleidung: Wikimedia Commons, Toony. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flagge: Wikimedia Commons, Thespoondragon. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/prey-krabas-1975-leben-unter-angkar/">Prey Krabas 1975 &#8211; Leben unter Angkar</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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