<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Säuberungen Archive - Imperien und Inseln</title>
	<atom:link href="https://www.imperien-und-inseln.de/tag/saeuberungen/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.imperien-und-inseln.de/tag/saeuberungen/</link>
	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
	<lastBuildDate>Tue, 06 Oct 2026 19:34:10 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1.3</generator>

<image>
	<url>https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/cropped-logo-32x32.png</url>
	<title>Säuberungen Archive - Imperien und Inseln</title>
	<link>https://www.imperien-und-inseln.de/tag/saeuberungen/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Die Ostzone zerbricht &#8211; Krieg gegen Vietnam und der Sturz der Roten Khmer</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/die-ostzone-zerbricht-krieg-gegen-vietnam-und-der-sturz-der-roten-khmer/</link>
					<comments>https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/die-ostzone-zerbricht-krieg-gegen-vietnam-und-der-sturz-der-roten-khmer/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 18:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Khmer]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[blaue Tücher]]></category>
		<category><![CDATA[Chroy Changvar]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratisches Kampuchea]]></category>
		<category><![CDATA[Deportationen]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Heng Samrin]]></category>
		<category><![CDATA[Ke Pauk]]></category>
		<category><![CDATA[Ostzone]]></category>
		<category><![CDATA[Phnom Penh]]></category>
		<category><![CDATA[Pol Pot]]></category>
		<category><![CDATA[Regimesturz]]></category>
		<category><![CDATA[S-21]]></category>
		<category><![CDATA[Säuberungen]]></category>
		<category><![CDATA[So Phim]]></category>
		<category><![CDATA[Son Sen]]></category>
		<category><![CDATA[Suong]]></category>
		<category><![CDATA[Vietnam]]></category>
		<category><![CDATA[vietnamesische Offensive]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.imperien-und-inseln.de/?p=8456</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 31. Mai 1978 machte sich So Phim auf den Weg nach Phnom Penh. Seit Jahrzehnten gehörte er zur kommunistischen Bewegung Kambodschas. In der östlichen Zone hatte er eine eigene &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/die-ostzone-zerbricht-krieg-gegen-vietnam-und-der-sturz-der-roten-khmer/">Die Ostzone zerbricht &#8211; Krieg gegen Vietnam und der Sturz der Roten Khmer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_10.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am 31. Mai 1978 machte sich So Phim auf den Weg nach Phnom Penh. Seit Jahrzehnten gehörte er zur kommunistischen Bewegung Kambodschas. In der östlichen Zone hatte er eine eigene Machtbasis aufgebaut und galt weiterhin als einer der ranghöchsten Funktionäre des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun wollte er Pol Pot sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Truppen aus anderen Landesteilen waren in seine Zone eingerückt. Führende Kader verschwanden nach Einladungen zu angeblichen Besprechungen. Ke Pauk, ein enger Verbündeter der Parteizentrale, hatte So Phim wiederholt zu Treffen aufgefordert. Phim schickte Untergebene voraus. Keiner kehrte zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als So Phim schließlich selbst in Richtung Hauptstadt fuhr, sandte er von Chroy Changvar am gegenüberliegenden Mekongufer einen Boten nach Phnom Penh. Daraufhin wurden Soldaten geschickt, die ihn festnehmen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Phim floh und suchte Zuflucht in einem buddhistischen Kloster. Hubschrauber warfen inzwischen Flugblätter über der Ostzone ab, die ihn zum Verräter erklärten. Wenige Tage später näherte sich eine mehrere hundert Mann starke Truppe seinem Versteck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So Phim erschoss sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verlor die östliche Zone ihren mächtigsten Führer. Zugleich zeigte sich, wie eng zwei Konflikte inzwischen miteinander verbunden waren. An der Grenze kämpfte Demokratisches Kampuchea gegen Vietnam. Innerhalb des Landes suchte die Parteiführung nach vietnamesischen Agenten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Pol Pot wurden beide Kämpfe zunehmend zu demselben Krieg.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Grenze wird zur Front</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beziehungen zwischen den kambodschanischen und vietnamesischen Kommunisten waren seit langem belastet. Während des Bürgerkriegs hatten vietnamesische Einheiten den kambodschanischen Aufständischen geholfen. Viele ältere Khmer-Kommunisten hatten ihre Ausbildung in Vietnam erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot und seine engsten Verbündeten betrachteten diese Verbindung zunehmend mit Misstrauen. Nach dem Sieg von 1975 entstanden Streitigkeiten über den Grenzverlauf und vorgelagerte Inseln. Trotzdem bestanden zunächst diplomatische Beziehungen. Noch 1976 blieb es an großen Teilen der Grenze vergleichsweise ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1977 änderte sich die Lage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Truppen des Demokratischen Kampuchea griffen aus dem Südwesten vietnamesisches Gebiet an. Zwischen Mitte März und Ende Mai kam es zu mehreren Vorstößen in die Provinzen Kiên Giang und An Giang. Vietnamesische Angaben berichteten von Angriffen auf Grenzdörfer und Armeeposten sowie von getöteten Zivilisten. Überlieferte Flüchtlingsaussagen bestätigen Angriffe kambodschanischer Einheiten auf vietnamesische Ortschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch innerhalb der kambodschanischen Führung wurde zu dieser Zeit eine offensive Linie propagiert. Die parteiinterne Zeitschrift <em>Tung Padevat</em> forderte im Frühjahr 1977 weitere Angriffe auf die äußeren Feinde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gewalt eskalierte im Lauf des Jahres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei verhielten sich die kambodschanischen Truppen keineswegs überall gleich. Gerade in der östlichen Zone bestanden Vorbehalte gegen einen umfassenden Krieg. Eine Konferenz im Juli 1977 erwartete zwar einen großen Grenzkonflikt und bereitete militärische Operationen vor. Zugleich hieß es dort, ein Angriff auf vietnamesisches Gebiet solle erfolgen, falls Vietnam seinerseits angreife. Über den offensiveren Kurs der Parteizentrale waren sich die Kader der Zone also uneinig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede verstärkten den Verdacht gegen So Phims Kader.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vietnam schlägt zurück</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 1977 weitete sich der Krieg aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vietnamesische Truppen gingen nun selbst über die Grenze. Ende Dezember drangen größere Verbände in den Osten Kambodschas ein. Am 22. Dezember erreichten zwei vietnamesische Panzer Kandol Chrum, wo sich ein Hauptquartier Ke Pauks befand. Wenige Tage später rückten Panzer und Infanterie erneut vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kambodschanischen Verbände wichen vielerorts zurück. Ein örtlicher Kader erinnerte sich später an erhebliche Verwirrung. Einheiten wussten teilweise nicht mehr, wer sie befehligte und wo sich andere Truppen befanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 6. Januar 1978 zogen sich die vietnamesischen Streitkräfte wieder hinter die Grenze zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach überlieferten Angaben nutzten mehr als 100.000 Menschen aus den kambodschanischen Grenzregionen den Rückzug, um mit den abziehenden Truppen nach Vietnam zu fliehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot zog aus der Offensive einen anderen Schluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf reiste er selbst in die Ostzone.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pol Pot in Suong</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="218" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PolPot-218x300.jpg" alt="" class="wp-image-8463" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PolPot-218x300.jpg 218w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PolPot.jpg 401w" sizes="(max-width: 218px) 100vw, 218px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pol Pot, 1978</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1978 versammelten sich Soldaten und Zivilisten bei der Pagode Wat Taung im Distrikt Suong. Auf dem Podium saßen neben Pol Pot auch Son Sen, So Phim und Ke Pauk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot sprach über Vietnam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heng Samrin, damals stellvertretender Stabschef der Streitkräfte der Ostzone, erinnerte sich später an eine besonders drastische Rechnung. Jeder Kambodschaner solle zahlreiche Vietnamesen töten. Auf diese Weise könne Kambodscha trotz seiner wesentlich kleineren Bevölkerung den größeren Nachbarn besiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch zeitgenössische Parteidokumente zeigen, wie Pol Pot damals einen zunehmend aggressiven nationalistischen Ton anschlug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führung setzte den Krieg fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 14. März 1978 drangen kambodschanische Soldaten in das vietnamesische Grenzgebiet um Hà Tiên ein und töteten dort Berichten zufolge zahlreiche Bewohner. Selbst Phnom Penh Radio räumte später ein, dass kambodschanische Verbände in dieser Phase offensiv auf vietnamesischem Gebiet operierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vietnam schlug militärisch zurück. Gleichzeitig versuchte Hanoi, Verhandlungen zu beginnen. Ein Friedensvorschlag vom Februar 1978 wurde von der kambodschanischen Führung zurückgewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt ließ sich nun kaum noch begrenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Pol Pots Führung bestand das Problem allerdings längst nicht allein aus vietnamesischen Soldaten jenseits der Grenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie vermutete deren Verbündete im eigenen Land.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Feind innerhalb der Partei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">S-21 spiegelte diese Entwicklung unmittelbar wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1976 hatten Gefangene häufig Verbindungen zur CIA oder zu früheren kambodschanischen Gegnern gestehen müssen. 1978 änderte sich das Vokabular. Nun tauchten in den Aussagen immer häufiger angeblich versteckte Vietnamesen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gefangene zeichneten Karten von Orten, an denen sie vietnamesische Agenten verborgen haben wollten. Vernehmer akzeptierten solche Angaben selbst dann, wenn sie offensichtlich unwahrscheinlich waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 1978 hielt ein leitender Vernehmer nach einer politischen Schulung fest, in Phnom Penh müssten weiterhin Vietnamesen verborgen sein. Die Sicherheitsakten hätten angeblich gezeigt, dass Verräter sie in der Hauptstadt und anderen Landesteilen versteckten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung eines ausländischen Feindes verband sich dadurch mit der bereits etablierten Suche nach Verrätern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Kritik übte, konnte als vietnamesischer Agent gelten. Wer früher mit vietnamesischen Kommunisten zusammengearbeitet hatte, war besonders verdächtig. Gerade für die Ostzone war dies gefährlich, denn viele ihrer älteren Kader hatten seit den 1950er Jahren enge Kontakte nach Vietnam gepflegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So Phim stand im Zentrum dieses Verdachts.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Säuberung beginnt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 1978 trafen so viele Gefangene aus der Ostzone in S-21 ein, dass das Gefängnis zeitweise keine weiteren Transporte aufnehmen konnte. Berichten zufolge mussten einige Lastwagen mit Gefangenen wieder abfahren. Was anschließend mit diesen Menschen geschah, ist nicht vollständig dokumentiert. Viele wurden vermutlich ohne weiteres Verhör getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Son Sen leitete die Säuberungsaktionen. Ke Pauk unterstützte ihn mit Truppen aus anderen Zonen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai bestellte Ke Pauk führende Funktionäre der Ostzone zu einem Treffen nach Suong. Sein Hauptquartier war inzwischen durch Panzer und zusätzliche Infanterie gesichert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer erschien, wurde verhaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Divisionskommandeure sowie die Sekretäre ganzer Regionen gelangten nach S-21. Andere wurden unmittelbar getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So Phim begriff erst allmählich, dass auch er selbst gemeint war. Nach späteren Darstellungen wollte er lange nicht glauben, dass Pol Pot hinter den Aktionen stand. Er vermutete zunächst einen Verrat Son Sens oder Ke Pauks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Versuch, die Angelegenheit persönlich in Phnom Penh zu klären, endete mit seiner Flucht und seinem Tod.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Säuberung richtete sich gegen die gesamte Ostzone.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Krieg im eigenen Land</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. Mai 1978 griffen Ke Pauks Verbände Einheiten der Ostzone an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige leisteten Widerstand. Damit kämpften nun Truppen desselben Staates gegeneinander, während gleichzeitig der Krieg gegen Vietnam weiterging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach So Phims Tod setzten sich die Kämpfe noch mehrere Wochen fort. Führende ostkambodschanische Kader flohen schließlich über die Grenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu ihnen gehörte Heng Samrin. Auch andere ehemalige Angehörige der Ostzone gelangten nach Vietnam und schlossen sich dort später einer kambodschanischen Streitmacht gegen Pol Pot an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Säuberung traf anschließend die Zivilbevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dörfer wurden aufgelöst und Bewohner deportiert. Menschen aus der Ostzone galten pauschal als mögliche Unterstützer Vietnams. Tausende wurden getötet; Zehntausende mussten ihre Heimat verlassen. Manche gelangten in den Nordwesten, andere wurden unterwegs oder nach ihrer Ankunft ermordet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem wurden viele Deportierte aus der Ostzone durch besondere Tücher kenntlich gemacht. Im Sommer 1978 importierte Demokratisches Kampuchea große Mengen blauen Stoffes aus China. Überlebende berichteten später von blau karierten Tüchern, die an Menschen aus dem Osten ausgegeben wurden. Wie konsequent diese Kennzeichnung überall eingesetzt wurde, lässt sich aus den Quellen nicht vollständig bestimmen. Für mehrere Transportrouten ist sie jedoch belegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen, die jahrelang zur revolutionären Basis gehört hatten, wurden damit zu einer verdächtigen Bevölkerung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Parteiführung zerstört ihre eigene Armee</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen der Säuberungen reichten über die getöteten Kader hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ostzone besaß einige der erfahrensten Verbände der Roten Khmer. Viele ihrer Kommandeure hatten seit den 1960er Jahren gekämpft. Gerade diese Streitkräfte wurden 1978 aufgelöst oder gegeneinander eingesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig bereitete sich Vietnam auf einen größeren Krieg vor und konnte dabei auf die geflohenen Kader zurückgreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der innere und der äußere Krieg verstärkten sich somit gegenseitig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteiführung betrachtete militärische Rückschläge als Beweis für Verrat. Die daraus folgenden Säuberungen schwächten wiederum jene Armee, die den äußeren Gegner bekämpfen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende 1978 wurde dieser Widerspruch militärisch entscheidend.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weihnachten 1978</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. Dezember begann Vietnam eine groß angelegte Offensive.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die angreifenden Streitkräfte umfassten schätzungsweise mehr als 100.000 Soldaten und verfügten über Panzer sowie Luftunterstützung. Kambodschanische Gegner Pol Pots begleiteten den Vormarsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verteidigung brach wesentlich schneller zusammen, als die vietnamesische Führung offenbar erwartet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. Januar 1979 war der Artillerielärm bereits in Phnom Penh zu hören.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img decoding="async" width="300" height="201" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/H_4_ill_639759_cambodia-phnom_penh-1979-61.jpg" alt="" class="wp-image-8461"/><figcaption class="wp-element-caption">Vietnamesen in Phnom Penh</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Sihanouk lebte zu diesem Zeitpunkt unter Bewachung in einer Villa in der Hauptstadt. Er wurde zunächst in Richtung Nordwesten gebracht, anschließend wieder zurückgeholt. Pol Pot wollte, dass der frühere Staatschef im Ausland die Position des Demokratischen Kampuchea vertrat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Nachmittag des 6. Januar verließ Sihanouk Phnom Penh mit einem der letzten Flugzeuge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Mitglieder der Führung flohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ieng Sary versuchte zunächst, sich nach Westen abzusetzen. Chinesische Diplomaten verließen die Hauptstadt. Arbeiter erhielten den Befehl, sich am Bahnhof zu versammeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung, die knapp vier Jahre zuvor die gesamte Bevölkerung Phnom Penhs vertrieben hatte, räumte nun selbst die Stadt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die letzten Stunden von S-21</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Tuol Sleng lief der Betrieb bis unmittelbar vor dem Zusammenbruch weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch am 6. Januar wurden Geständnisse bearbeitet. Kurz darauf töteten Angehörige des Gefängnispersonals die letzten Gefangenen, die sie nicht mitnehmen konnten. Ein ehemaliger Wächter erinnerte sich später an etwa 20 Opfer in diesen letzten Stunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann flohen auch die Mitarbeiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag rückten vietnamesische Truppen in Phnom Penh ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hauptstadt war weitgehend leer. Seit 1975 hatten dort lediglich Funktionäre, Soldaten und ausgewählte Arbeiter gelebt. Nun waren auch große Teile dieser Bevölkerung verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Nachmittag des 7. Januar 1979 hatten die vietnamesischen Verbände die Stadt besetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Tag später stießen die neuen Machthaber auf S-21.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Akten lagen noch dort.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ende eines Staates</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fall Phnom Penhs beendete die Herrschaft des Demokratischen Kampuchea über den größten Teil des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunistische Partei Kampucheas verschwand damit jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot und seine wichtigsten Mitstreiter flohen nach Westen. Teile ihrer Streitkräfte zogen sich in Richtung der thailändischen Grenze zurück. Dort konnten sie weiterkämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Überlebende im Landesinneren änderte sich dagegen innerhalb weniger Tage alles. Menschen verließen die Kooperativen und suchten nach Angehörigen. Andere kehrten in ihre früheren Dörfer zurück. Die Versorgung brach in vielen Regionen zusammen, während das Land zugleich durch jahrelange Unterernährung und Krieg geschwächt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vietnamesische Armee hatte Pol Pots Staat gestürzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Männer an seiner Spitze waren noch am Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit begann ein neuer Abschnitt der Geschichte der Roten Khmer. Aus einer Regierung wurde erneut eine Guerillabewegung. Ihre früheren Gegner aus der Ostzone übernahmen unter vietnamesischem Schutz die Führung in Phnom Penh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und an der Grenze zu Thailand entstand eine politische Lage, in der die gestürzten Roten Khmer noch viele Jahre eine Rolle spielen sollten.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="1024" height="924" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63-1024x924.png" alt="" class="wp-image-8459" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63-1024x924.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63-300x271.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63-767x692.png 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/f244939c-8942-40d2-913b-82e7c2862d63.png 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Pol-Pot-Büste in Tuol Sleng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pol Pot: Wikimedia Commons, <a href="http://fototeca.iiccr.ro/picdetails.php?picid=45014X1X4">http://fototeca.iiccr.ro/picdetails.php?picid=45014X1X4</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vietnamesen in Phnom Penh: Wikimedia Commons, Sebbers10. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: nach Wikimedia Commons, BorysMapping. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/die-ostzone-zerbricht-krieg-gegen-vietnam-und-der-sturz-der-roten-khmer/">Die Ostzone zerbricht &#8211; Krieg gegen Vietnam und der Sturz der Roten Khmer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/die-ostzone-zerbricht-krieg-gegen-vietnam-und-der-sturz-der-roten-khmer/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		<enclosure url="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_10.mp3" length="11588409" type="audio/mpeg" />

			</item>
		<item>
		<title>Terror mit System &#8211; Das Gefängnis Tuol Sleng unter den Roten Khmer</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/s-21-das-gefaengnis-der-eigenen-revolution/</link>
					<comments>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/s-21-das-gefaengnis-der-eigenen-revolution/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 17:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Khmer]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Chan Chakrey]]></category>
		<category><![CDATA[Choeung Ek]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratisches Kampuchea]]></category>
		<category><![CDATA[Duch]]></category>
		<category><![CDATA[erzwungene Geständnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Folter]]></category>
		<category><![CDATA[Gefängnisakten]]></category>
		<category><![CDATA[Hu Nim]]></category>
		<category><![CDATA[Keo Meas]]></category>
		<category><![CDATA[Koy Thuon]]></category>
		<category><![CDATA[Phnom Penh]]></category>
		<category><![CDATA[Pol Pot]]></category>
		<category><![CDATA[S-21]]></category>
		<category><![CDATA[Santebal]]></category>
		<category><![CDATA[Säuberungen]]></category>
		<category><![CDATA[Son Sen]]></category>
		<category><![CDATA[Tuol Sleng]]></category>
		<category><![CDATA[Vann Nath]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.imperien-und-inseln.de/?p=8443</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 19. Mai 1976 wurde Chan Chakrey verhaftet. Der 33-Jährige gehörte zur Führung der neuen kambodschanischen Armee und arbeitete als stellvertretender Sekretär des Generalstabs unter Verteidigungsminister Son Sen. Noch 1975 &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/s-21-das-gefaengnis-der-eigenen-revolution/">Terror mit System &#8211; Das Gefängnis Tuol Sleng unter den Roten Khmer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_9.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am 19. Mai 1976 wurde Chan Chakrey verhaftet. Der 33-Jährige gehörte zur Führung der neuen kambodschanischen Armee und arbeitete als stellvertretender Sekretär des Generalstabs unter Verteidigungsminister Son Sen. Noch 1975 hatte er Heng Samrin vom Streit um die Räumung Phnom Penhs erzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sicherheitszentrum S-21 erhielt Chakrey eine besondere Kennzeichnung. In den Unterlagen führte ihn das Gefängnis mit der römischen Ziffer I.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vier Monate lang wurde er verhört. Schließlich gestand er Verbindungen zum gestürzten Lon-Nol-Regime und zur antikommunistischen Khmer Serei. Er erklärte außerdem, Anschläge gegen die Führung geplant zu haben. Entscheidend war jedoch, dass seine Aussage weitere Namen enthielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ly Vay wurde Nummer II. Ly Phen folgte. Danach kamen Ros Phuong und Suas Neou. Jeder neue Gefangene konnte weitere Personen nennen, deren Verbindungen wiederum untersucht wurden. So entstand aus einem Verhör eine Kette neuer Verhaftungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">S-21 sollte damit weit mehr leisten als die Bestrafung bereits identifizierter Gegner. Das Gefängnis produzierte Informationen über Feinde, nach denen die Partei anschließend suchen konnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Schule wird zum Sicherheitszentrum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">S-21 gehörte zum <em>Santebal</em>, dem Sicherheitsapparat der Kommunistischen Partei Kampucheas. Seine Vorläufer entstanden bereits während des Bürgerkriegs. Nach der Machtübernahme erhielt der Apparat in Phnom Penh eine zentrale Einrichtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 1976 verlegte S-21 einen großen Teil seiner Gefangenen in einen ehemaligen Schulkomplex. Die Gebäude lagen in einem weitgehend entvölkerten Teil der Hauptstadt. Später wurde der Ort unter dem Namen Tuol Sleng bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umgebung des Gefängnisses wurde abgeschirmt. Außenstehende sollten nicht erfahren, was dort geschah. Gefangene wurden bei Transporten mit verbundenen Augen bewegt. Wächter durften nicht mit ihnen sprechen. Auch innerhalb des Personals begrenzten die Vorgesetzten den Austausch von Informationen. Verhörabteilungen und Dokumentationsgruppen arbeiteten getrennt voneinander. Papiere wurden verbrannt, wenn sie nicht mehr gebraucht wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst die meisten Funktionäre des Regimes kannten S-21 nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gefängnis gehörte zu jenem verborgenen Machtapparat, in dem die Parteiführung Entscheidungen traf, während die Bevölkerung weiterhin nur von Angkar, der Organisation, hörte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Duch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">An der Spitze von S-21 stand Kang Keck Ieu, der unter seinem revolutionären Namen Duch bekannt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Duch hatte Mathematik unterrichtet. Während der 1960er Jahre schloss er sich der kommunistischen Bewegung an und wurde unter Sihanouk wegen seiner politischen Tätigkeit verhaftet. Nach dem Sturz des Prinzen ging er in den Untergrund.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="236" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Kang_Kek_Iew_Kaing_Guek_Eav_or_Duch_before_the_Extraordinary_Chambers_in_the_Courts_of_Cambodia_-_20091126-236x300.jpg" alt="" class="wp-image-8439" style="width:236px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Kang_Kek_Iew_Kaing_Guek_Eav_or_Duch_before_the_Extraordinary_Chambers_in_the_Courts_of_Cambodia_-_20091126-236x300.jpg 236w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Kang_Kek_Iew_Kaing_Guek_Eav_or_Duch_before_the_Extraordinary_Chambers_in_the_Courts_of_Cambodia_-_20091126.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kang Kek Iew oder auch Duch, 2011<br></figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Dort sammelte er Erfahrung mit Gefängnissen und Verhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang der 1970er Jahre leitete er das Gefängnis M-13 bei Amleang in der Provinz Kampong Speu, westlich von Phnom Penh. Zu seinen Gefangenen gehörte der französische Ethnologe François Bizot. Duch verhörte ihn über Wochen und verlangte ausführliche Lebensläufe. Bizot kam schließlich frei. Andere Gefangene überlebten diese Einrichtungen nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Duchs Vorgesetzter wurde Son Sen, einer der Männer aus dem Pariser kommunistischen Umfeld Saloth Sars. Nach 1975 war Son Sen für Verteidigung und Sicherheit zuständig. Duch berichtete ihm über S-21.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gefängnis besaß eine klare Arbeitsteilung. Eine Abteilung führte die Verhöre. Eine weitere verwaltete Dokumente und Fotografien. Die größte Einheit übernahm Bewachung und Transporte. Dazu kamen Mitarbeiter für medizinische Aufgaben und die Versorgung des Personals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gewalt besaß damit eine Verwaltung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Foto am Anfang der Akte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer nach S-21 gebracht wurde, gelangte in ein System aus Listen und Akten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fotografiegruppe nahm Bilder der neu eingelieferten Gefangenen auf. Sie fotografierte außerdem Menschen, die während der Haft starben, und wichtige Gefangene nach ihrer Tötung. Mehr als 6.000 Aufnahmen aus dieser Arbeit blieben erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daneben entstanden Lebensläufe und Verhörprotokolle. Handschriftliche Aussagen wurden abgetippt, Tonaufnahmen übertragen und lange Geständnisse zusammengefasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Bürokratie erklärt, weshalb S-21 heute ungewöhnlich gut dokumentiert ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Auswertung der erhaltenen Gefängnisakten erfasste mindestens 14.000 Gefangene, darunter auch Kinder. Weil für einzelne Zeiträume Unterlagen fehlen, dürfte die tatsächliche Zahl höher gelegen haben. Fast alle dokumentierten Gefangenen wurden getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fotografien halten deshalb meist den Beginn eines Verfahrens fest, dessen Ausgang schon feststand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Schuld stand bereits fest</h2>



<p class="wp-block-paragraph">S-21 war kein Gericht.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="199" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S-21_cellules-199x300.jpg" alt="" class="wp-image-8452" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S-21_cellules-199x300.jpg 199w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S-21_cellules.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zellen in S-21</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Vernehmer sollten klären, wie ein Gefangener zum Feind geworden war, mit wem er zusammengearbeitet hatte und welche Pläne sein angebliches Netzwerk verfolgte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob ein solches Netzwerk tatsächlich existierte, war für den Ablauf zweitrangig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Verhöre folgten einem festen Schema. Gefangene mussten ihre Biografie schildern und politische Verbindungen benennen. Später enthielten Geständnisse häufig einen Abschnitt über geplante Aktionen gegen die Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche dieser angeblichen Pläne waren offensichtlich konstruiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Filmvorführer gestand beispielsweise, er habe beabsichtigt, Vorführungen für ausländische Gäste absichtlich schlecht durchzuführen. Ein Gefangener erklärte, er habe Pflanzen nicht ausreichend gegossen. Andere beschrieben Faulheit oder persönliche Verfehlungen als Teil ihrer gegenrevolutionären Tätigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Vernehmer musste dennoch ein politischer Zusammenhang entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Geständnis ohne Feinde und Mitverschwörer war unvollständig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie ein Netzwerk entstand</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade alte Kommunisten gerieten ab 1976 zunehmend in dieses Verfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September wurden Ney Saran und Keo Meas nach S-21 gebracht. Non Suon folgte im November.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle drei gehörten zu einer Generation, die lange vor Pol Pots Aufstieg zur Parteispitze kommunistisch aktiv gewesen war. Keo Meas hatte bereits gegen die französische Kolonialherrschaft gekämpft. Er war 1960 gemeinsam mit Saloth Sar in das Zentralkomitee der Partei gewählt worden und hatte später für die Exilregierung in Peking und Hanoi gearbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In S-21 wurde daraus ein Verdacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gefangenen mussten Verbindungen zu einer angeblich rivalisierenden Arbeiterpartei Kampucheas erklären. Besonders bemerkenswert war dabei, dass Pol Pots eigene Organisation diesen Namen zwischen 1960 und 1966 selbst getragen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hinderte S-21 später nicht daran, aus der vermeintlichen Arbeiterpartei ein geheimes Verräternetzwerk zu konstruieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch 1978 suchten Vernehmer nach dessen angeblichen Führern, obwohl wichtige Männer, denen sie die Organisation zugeschrieben hatten, längst in S-21 getötet worden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Akten bestätigten damit immer wieder die Voraussetzung, unter der sie angelegt worden waren: Im Inneren der Partei musste es Feinde geben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="720" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Tuol_Sleng_Barbed_Wire.jpg" alt="" class="wp-image-8450" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Tuol_Sleng_Barbed_Wire.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Tuol_Sleng_Barbed_Wire-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Tuol_Sleng_Barbed_Wire-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Folter als Arbeitsverfahren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Gefangene die erwarteten Aussagen nicht lieferten, setzten die Vernehmer Gewalt ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erhaltenen Unterlagen nennen Schläge und Elektroschocks sowie verschiedene Formen des Erstickens und der Wasserfolter. Gefangene wurden aufgehängt oder in schmerzhaften Positionen festgehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch diese Gewalt folgte Regeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein internes Dokument erklärte den Vernehmern, Folter solle Antworten erzwingen und dürfe den Gefangenen nicht zu früh töten. Vor ihrem Einsatz sollte der körperliche Zustand geprüft werden. Die Instruktionen kritisierten Vernehmer, die zu schnell Gewalt einsetzten und dabei die politische Bearbeitung des Gefangenen vernachlässigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Formulierungen zeigen, wie die Leitung des Gefängnisses den Vorgang betrachtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Körper des Gefangenen musste lange genug funktionieren, damit die gewünschte Aussage entstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteiführung brauchte das Geständnis. Erst darin erschienen die Namen, die neue Verhaftungen auslösten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auch die Vernehmer wurden kontrolliert</h2>



<p class="wp-block-paragraph">S-21 beschäftigte überwiegend sehr junge Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter 166 Mitarbeitern, deren Personalbögen untersucht wurden, waren nur 25 älter als 25 Jahre. 20 waren noch keine 18 Jahre alt. 108 gehörten zur Altersgruppe zwischen 18 und 22 Jahren. Die meisten stammten aus ländlichen Familien und hatten sich während des Bürgerkriegs der Revolution angeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über ihnen standen ältere Funktionäre wie Duch und mehrere ehemalige Lehrer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gefängnis verlangte auch von seinen Mitarbeitern ständige Disziplin. Vernehmer und Wächter mussten an politischen Schulungen teilnehmen und ihr Verhalten selbst kritisieren. Fehler konnten als politische Schwäche ausgelegt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dokumentationsapparat bot keinen Schutz. Mindestens zehn Mitarbeiter dieser Abteilung wurden zwischen 1976 und 1978 selbst verhaftet und getötet. Zu den Vorwürfen gehörten nach ihren Geständnissen mangelhafte Arbeit oder beschädigte Geräte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Vernehmer verschwanden in den Zellen, in denen zuvor ihre Gefangenen gelegen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit reproduzierte S-21 im Inneren dieselbe Unsicherheit, die das Gefängnis für die gesamte Partei erzeugte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand konnte dauerhaft beweisen, dass er zuverlässig war.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hu Nim schreibt sein Geständnis</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 1977 wird Hu Nim inhaftier. Er hatte zu den drei linken Politikern gehört, die 1967 aus Phnom Penh verschwunden waren. Nach dem Sturz Sihanouks war er wieder öffentlich aufgetreten und hatte in der Widerstandsregierung ein Ministeramt übernommen. Unter dem Demokratischen Kampuchea war er Informationsminister.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun wurde auch er nach S-21 gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Geständnis schrieb Hu Nim über eine angebliche jahrzehntelange Tätigkeit für die Feinde der Revolution. Gleichzeitig finden sich darin Hinweise auf tatsächliche politische Auseinandersetzungen. Er erwähnte Kritik an der Wirtschaftsplanung und an der starken Abhängigkeit von menschlicher Arbeitskraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade deshalb müssen solche Dokumente vorsichtig gelesen werden. Ein Geständnis aus S-21 ist keine gewöhnliche autobiografische Quelle. Aussagen entstanden unter Zwang und mussten den politischen Erwartungen der Vernehmer entsprechen. Dennoch können einzelne Passagen Informationen enthalten, die sich mit anderen Quellen vergleichen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hu Nim wurde getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Aussage blieb im Archiv.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von einem Namen zum nächsten</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21-prison-khmer-rouge-victims-mother-and-baby-300x300.png" alt="" class="wp-image-8449" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21-prison-khmer-rouge-victims-mother-and-baby-300x300.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21-prison-khmer-rouge-victims-mother-and-baby-150x150.png 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21-prison-khmer-rouge-victims-mother-and-baby.png 521w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mutter und Kind in Gefangenschaft</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Nach der Verhaftung Koy Thuons, des früheren Sekretärs der Nordzone und späteren Handelsministers, Anfang 1977 kamen immer mehr seiner vermeintlichen Verbindungen ins Visier. Im Februar wurden zwei frühere Divisionskommandeure nach Tuol Sleng gebracht. Bis Ende April folgten fast 400 Untergebene.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 4. April 1977 tötete der Sicherheitsapparat nach einer späteren Untersuchung 110 Soldaten der 310. Division an einem einzigen Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verfahren erzeugte eine Eigendynamik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Gefangener nannte unter Folter mehrere Personen. Sicherheitskräfte verhafteten diese Personen. Deren Geständnisse mussten wiederum erklären, mit wem sie zusammengearbeitet hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So konnten Netzwerke immer größer werden, ohne dass ihre tatsächliche Existenz bewiesen werden musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade darin lag die Bedeutung von S-21 für die Parteiführung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gefängnis lieferte scheinbare Belege für einen Verdacht, der bereits vorher bestanden hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gefangenen verschwinden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Abschluss der Verhöre wurden die meisten Gefangenen getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1976 fanden Hinrichtungen noch in unmittelbarer Nähe von S-21 statt. Die Opfer wurden nachts aus ihren Zellen geholt und außerhalb des Gefängnisgebäudes getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Anwachsen der Säuberungen reichte dieser Ort nicht mehr aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Verlauf des Jahres 1977 begann S-21, ein Gelände bei Choeung Ek etwa 15 Kilometer südwestlich von Phnom Penh zu nutzen. Dort befand sich zuvor ein chinesischer Friedhof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Transporte folgten wiederum einem bürokratischen Verfahren. Gefangene wurden auf Lastwagen gebracht. Am Ziel verglichen Mitarbeiter ihre Namen mit vorbereiteten Listen. Erst danach führten die Wächter kleinere Gruppen zu den bereits ausgehobenen Gruben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Him Huy, ein Mitarbeiter von S-21, beschrieb diese Abläufe später in mehreren Interviews. Nach seiner Erinnerung transportierten gewöhnlich zwei oder drei Lastwagen jeweils 20 bis 30 Gefangene. Während besonders intensiver Säuberungen konnten deutlich mehr Menschen an einem Tag getötet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sicherheitsapparat dokumentierte damit selbst den Weg seiner Gefangenen vom Eingang des Gefängnisses bis zur Hinrichtung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wenigen Überlebenden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Gefangene entgingen diesem Ablauf, weil das Gefängnis ihre Fähigkeiten gebrauchen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu ihnen gehörte der Maler Vann Nath.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 1978 ließ Duch eine kleine Gruppe von Gefangenen für besondere Arbeiten einsetzen. Vann Nath sollte Porträts und andere Darstellungen Pol Pots anfertigen. Auch Bildhauer wurden gebraucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Arbeit verschaffte ihnen einen außergewöhnlichen Status innerhalb des Gefängnisses. Sie blieben Gefangene, wurden aber vorerst nicht zur Hinrichtung gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der gesamten Zeit von S-21 sind nur sehr wenige solcher Ausnahmen bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vann Nath überlebte und konnte später schildern, was er gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten anderen hinterließen vor allem eine Fotografie und eine Akte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="951" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21_Tuol_Sleng_photos_of_victims.jpg" alt="" class="wp-image-8451" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21_Tuol_Sleng_photos_of_victims.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21_Tuol_Sleng_photos_of_victims-150x150.jpg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21_Tuol_Sleng_photos_of_victims-300x297.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S21_Tuol_Sleng_photos_of_victims-767x760.jpg 767w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Opfer in S-21</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Die Revolution sucht ihre Mikroben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ende 1976 erklärte Pol Pot vor Parteikadern, die größte Gefahr liege im Inneren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sprach von einer Krankheit innerhalb der Partei und von Mikroben, die sich verborgen hielten. Jeder müsse überprüft werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">S-21 setzte die Suche nach vermeintlichen inneren Feinden mit Verhören und Folter um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gefängnis suchte keine offenen Gegner auf einem Schlachtfeld. Es untersuchte Parteimitglieder und Soldaten, alte Revolutionäre und Minister. Je länger die Suche dauerte, desto mehr Verräter fanden die Vernehmer in den erzwungenen Geständnissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Partei konnte dadurch jeden Misserfolg erklären. Fehlender Reis ließ sich auf Sabotage zurückführen. Militärische Schwierigkeiten konnten auf Spionage hinweisen. Persönliche Beziehungen wurden zu konspirativen Verbindungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1977 erfassten die Säuberungen bereits ganze Regionen der kommunistischen Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im folgenden Jahr richtete sich der Verdacht immer stärker auf die östliche Zone. Deren Kader hatten seit Jahrzehnten besonders enge Verbindungen zu vietnamesischen Kommunisten gepflegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur gleichen Zeit führte Demokratisches Kampuchea an seiner Ostgrenze einen immer größeren Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald verschmolzen beide Feindbilder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der angebliche Verräter im Inneren wurde zum Agenten Vietnams. Und aus dem Grenzkrieg entstand ein Konflikt, an dem das Regime schließlich zerbrechen sollte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="749" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S-21_Skull_Map.jpg" alt="" class="wp-image-8453" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S-21_Skull_Map.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S-21_Skull_Map-300x234.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/S-21_Skull_Map-768x599.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Zellen in Tuol Sleng. Wikimedia Commons, Uhooep. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zellen: Wikimedia Commons, jean-christophe windland. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Duch: Wikimedia Commons, <a href="https://flickr.com/people/39971069@N02">Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia</a>. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stacheldraht: Wikimedia Commons, Bjørn Christian Tørrissen. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schädel-Karte: Wikimedia Commons, Donovan Govan. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/s-21-das-gefaengnis-der-eigenen-revolution/">Terror mit System &#8211; Das Gefängnis Tuol Sleng unter den Roten Khmer</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/s-21-das-gefaengnis-der-eigenen-revolution/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		<enclosure url="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_9.mp3" length="12657632" type="audio/mpeg" />

			</item>
		<item>
		<title>Battambang 1976 &#8211; Der Plan und der Hunger</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/battambang-1976-der-plan-und-der-hunger/</link>
					<comments>https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/battambang-1976-der-plan-und-der-hunger/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 16:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Khmer]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Battambang]]></category>
		<category><![CDATA[Bewässerung]]></category>
		<category><![CDATA[Hunger]]></category>
		<category><![CDATA[Ieng Sary]]></category>
		<category><![CDATA[Ieng Thirith]]></category>
		<category><![CDATA[Khieu Samphan]]></category>
		<category><![CDATA[Nordwestzone]]></category>
		<category><![CDATA[Pol Pot]]></category>
		<category><![CDATA[Preah Net Preah]]></category>
		<category><![CDATA[Reisanbau]]></category>
		<category><![CDATA[Reisexporte]]></category>
		<category><![CDATA[Ruos Nhim]]></category>
		<category><![CDATA[Sabotagevorwürfe]]></category>
		<category><![CDATA[Säuberungen]]></category>
		<category><![CDATA[Seng Horl]]></category>
		<category><![CDATA[Sisophon]]></category>
		<category><![CDATA[Vierjahresplan]]></category>
		<category><![CDATA[Zwangsarbeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.imperien-und-inseln.de/?p=8429</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ieng Thirith reiste Mitte 1976 in den Nordwesten Kambodschas. Die Ministerin für Sozialangelegenheiten war mit Außenminister Ieng Sary verheiratet. Pol Pot war ihr Schwager. Ihr Auftrag führte sie nach Battambang, &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/battambang-1976-der-plan-und-der-hunger/">Battambang 1976 &#8211; Der Plan und der Hunger</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_7.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ieng Thirith reiste Mitte 1976 in den Nordwesten Kambodschas. Die Ministerin für Sozialangelegenheiten war mit Außenminister Ieng Sary verheiratet. Pol Pot war ihr Schwager. Ihr Auftrag führte sie nach Battambang, in eine Region, von der die Parteiführung besonders hohe landwirtschaftliche Erträge erwartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie dort sah, passte kaum zu diesen Erwartungen. Menschen lebten ohne feste Unterkünfte auf den Reisfeldern. Viele litten an Durchfall oder Malaria. Thirith erinnerte sich später daran, wie krank die Arbeiter wirkten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie vermutete eingeschleuste Agenten in den eigenen Reihen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit zeigte sich bereits eine Logik, die für die folgenden Jahre entscheidend wurde. Die Parteiführung setzte Produktionsziele, die viele Regionen kaum erfüllen konnten. Wenn Ernten ausblieben und Menschen hungerten, suchte sie die Ursache zunehmend bei Saboteuren innerhalb der eigenen Organisation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 1976 erhielt dieses Wirtschaftsmodell einen Namen und einen Zeitplan.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pol Pot stellt den Vierjahresplan vor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 21. bis 23. August versammelten sich Parteikader in Phnom Penh. Pol Pot erläuterte ihnen den Vierjahresplan zum Aufbau des Sozialismus, der für die Jahre 1977 bis 1980 gelten sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dokument umfasste rund 110 Seiten. Im Zentrum stand die Landwirtschaft. Kambodscha sollte seine Produktion rasch steigern und vor allem Reis exportieren. Mit den Devisen wollte die Regierung zunächst Maschinen kaufen. Später sollten die landwirtschaftlichen Überschüsse den Aufbau einer eigenen Industrie finanzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteiführung glaubte, dafür auf eine besondere Ressource zurückgreifen zu können: Arbeitskraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geld spielte innerhalb des Landes keine Rolle mehr. Private Märkte waren abgeschafft. Die Kooperativen konnten große Gruppen von Menschen für landwirtschaftliche Projekte einsetzen. Aus Sicht der Parteiführung hatte die Revolution damit Hindernisse beseitigt, die einer schnellen wirtschaftlichen Entwicklung im Weg gestanden hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade der Nordwesten erhielt eine Schlüsselrolle. Die Region um Battambang gehörte traditionell zu den wichtigsten Reisanbaugebieten des Landes. Im Vierjahresplan sollte die Nordwestzone etwa 30 Prozent der jährlichen Reisproduktion Kambodschas liefern. Die Führung rechnete mit Erträgen von ungefähr drei Tonnen Reis pro Hektar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorgaben trafen auf eine Bevölkerung, die bereits geschwächt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hunderttausende Vertriebene aus Phnom Penh und anderen Städten waren seit 1975 in den Nordwesten gebracht worden. Viele hatten zuvor nie Landwirtschaft betrieben. In einigen Gebieten mussten sie Wälder roden oder neue Anbauflächen erschließen. Malaria und Unterernährung schwächten die Arbeitskräfte zusätzlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Planung in Phnom Penh orientierte sich trotzdem an den gewünschten Erträgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wasser für eine neue Landwirtschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Partei setzte große Hoffnungen auf Bewässerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reis sollte verlässlicher angebaut werden, wenn Felder weniger von den jahreszeitlichen Niederschlägen abhingen. Dazu mussten Dämme gebaut und Kanäle ausgehoben werden. Die Arbeitsgruppen der Kooperativen lieferten dafür die Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon 1975 wurden Bewohner im Nordwesten neben dem Reisanbau zum Bau von Bewässerungsanlagen eingesetzt. In anderen Gebieten ging die Führung noch weiter. Ein Überlebender aus dem Südwesten berichtete, seine Arbeitsgruppe habe während der Regenzeit Dämme bauen müssen, obwohl die Felder vorbereitet werden mussten. Der Reis sei dadurch zu spät gepflanzt worden und anschließend im Wasser zugrunde gegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beispiel zeigt ein Grundproblem der Planung. Lokale landwirtschaftliche Erfahrung verlor an Gewicht, wenn sie den Vorgaben der Funktionäre widersprach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führung wollte zugleich möglichst wenig von ausländischer Technik abhängig sein. Arbeitskraft sollte fehlende Maschinen ersetzen. Später überlieferte Aussagen aus der Parteiführung zeigen, dass Pol Pot Regionen besonders hervorhob, die mit möglichst wenig Technik auskamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen gruben deshalb Erde mit einfachen Werkzeugen und bewegten große Mengen Boden durch körperliche Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewässerungsanlagen waren damit mehr als Infrastruktur. Sie verkörperten die Vorstellung, dass eine politisch mobilisierte Bevölkerung materielle Grenzen durch Arbeit überwinden könne.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Hektar am Tag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Bewohner der Kooperativen wurde der Plan zu einer Abfolge konkreter Arbeitsvorgaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bauer Savy arbeitete 1976 in einer Baumwollkooperative bei Sisophon. Er erhielt einen Wagen und zwei Rinder. Seine tägliche Aufgabe bestand darin, einen Hektar Land zu pflügen. Nachts musste er dort noch nicht arbeiten, und Savy beschrieb die Bedingungen im Vergleich zu anderen Orten als erträglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenige Kilometer entfernt konnten die Verhältnisse deutlich härter sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem anderen Dorf waren etwa 300 Familien in Arbeitsgruppen eingeteilt worden. Sie bauten Reis an und arbeiteten an Bewässerungsanlagen. 1975 konnten sie noch zusätzlich Nahrung sammeln. Im folgenden Jahr sanken die Rationen. Im Juli 1976 begann das gemeinsame Essen in großen Gruppen. Die Bewohner erhielten immer häufiger dünnen Reisbrei. Ein Überlebender erinnerte sich daran, dass die Menschen schließlich Teile von Bananenpflanzen aßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede zwischen einzelnen Dörfern blieben während der gesamten Herrschaft bestehen. Es gab Regionen mit ausreichenderen Rationen und andere mit akuter Unterversorgung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Richtung der Entwicklung war jedoch vielerorts ähnlich. Die Partei kontrollierte einen wachsenden Anteil der Ernte und verlangte gleichzeitig mehr Arbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Reis verlässt die Region</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich wurde dieser Widerspruch Ende 1976.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nordwesten verschlechterte sich die Ernährungslage. Unterdurchschnittliche Regenfälle trafen auf eine bereits geschwächte Bevölkerung. Berichte aus der Region sprechen davon, dass teilweise erheblich weniger Fläche bestellt werden konnte als im Vorjahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeiter in mobilen Brigaden erhielten kleinere Rationen und mussten länger arbeiten. Krankheiten nahmen zu. In den Dörfern konnten manche Familien noch heimlich Hühner schlachten oder zusätzliche Nahrung sammeln. Auch solche Möglichkeiten versuchten lokale Funktionäre zunehmend zu kontrollieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wurde Reis abtransportiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Überlebender berichtete, während der Erntezeit hätten Arbeiter täglich große Mengen Getreide auf Züge verladen, die in Richtung Phnom Penh fuhren. Nach seiner Darstellung wurden pro Saison etwa 40.000 Tonnen aus diesem Gebiet abgeführt. Ein Teil des Reises gelangte später auch in den Export.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit entstand eine Situation, die aus Sicht der betroffenen Bevölkerung schwer nachvollziehbar sein musste. Menschen produzierten Reis und litten gleichzeitig unter sinkenden Rationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Parteiführung ergab der Abtransport innerhalb des Vierjahresplans durchaus Sinn. Reis war zugleich Lebensmittel und Exportgut. Seine Ausfuhr sollte Kapital für den weiteren wirtschaftlichen Aufbau beschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Versorgung der Produzenten stand damit in Konkurrenz zu den Investitionszielen des Staates.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="803" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-1024x803.png" alt="" class="wp-image-8430" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-1024x803.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-300x235.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-768x602.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice-1536x1204.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Sen_Kra-Ob_Rice_Cambodian_Fragrant_Rice.png 1592w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sen Kra-Ob, Duftreis aus Kambodscha</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">November 1976</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seng Horl, der Lehrer aus der vorherigen Folge, lebte inzwischen im Distrikt Preah Net Preah im Nordwesten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch im September 1976 beschrieb er die Lage als erträglich. Seine Gruppe kochte selbst. Die Menschen konnten Wasserpflanzen sammeln und Muscheln suchen. Manche bauten Gemüse in der Nähe ihrer Unterkünfte an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann gingen die Vorräte aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November und Dezember starben in Horls Dorf nach seiner späteren Aussage etwa 400 von 1.100 Menschen. Er erinnerte sich an so viele Tote, dass die Bewohner Schwierigkeiten hatten, sie zu begraben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem benachbarten Gebiet lagen mehrere Kooperativen mit Vertriebenen aus Phnom Penh auf tief gelegenem Gelände. Während der Regenzeit standen große Flächen unter Wasser. Gemüse ließ sich dort kaum anbauen. Horl berichtete von extrem hohen Verlusten unter den dort lebenden Familien. Auch wenn einzelne von Überlebenden genannte Zahlen schwer unabhängig zu überprüfen sind, zeigen die Berichte eine schwere Hungerkrise im Nordwesten Ende 1976.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hatte der Krieg seit mehr als einem Jahr aufgehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen hungerten nun in einem Land, in dem die Parteiführung den Anbau und die Verteilung von Lebensmitteln kontrollierte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was die Führung sah</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="221" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Thirith_-_Case_002_Initial_Hearing-221x300.jpg" alt="" class="wp-image-8431" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Thirith_-_Case_002_Initial_Hearing-221x300.jpg 221w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ieng_Thirith_-_Case_002_Initial_Hearing.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ieng Thirith, 2011</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Führung wusste zumindest teilweise von der schlechten Versorgung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ieng Thiriths Reise nach Battambang zeigt, dass Berichte über Krankheit und mangelhafte Unterkünfte die Spitze des Regimes erreichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verdacht auf Sabotage gewann an Bedeutung, je deutlicher die Produktionsziele verfehlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel liefert Ruos Nhim, der langjährige Sekretär der Nordwestzone. In einem später unter Zwang entstandenen Geständnis Hu Nims wird ihm Kritik an den Produktionsvorgaben zugeschrieben. Demnach habe Ruos Nhim beklagt, dass die Partei hohe Erträge fordere, ohne ausreichend Maschinen bereitzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Gefängnisaussagen müssen mit Vorsicht behandelt werden. Sie entstanden unter Bedingungen, die gezielt bestimmte Antworten produzierten. Dennoch passt die dort überlieferte Auseinandersetzung zu einem gut belegten Konflikt zwischen den Vorgaben des Zentrums und den tatsächlichen Produktionsbedingungen im Nordwesten. Die Parteiführung deutete das Verfehlen der Getreideziele zunehmend als Ergebnis von Sabotage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit veränderte sich die politische Bedeutung einer schlechten Ernte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein gescheiterter Plan konnte zur Frage der Loyalität werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erfolgsmeldungen aus Phnom Penh</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die öffentliche Darstellung des Regimes folgte einer anderen Richtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1977 meldete Phnom Penh Radio einen Reisüberschuss von etwa 150.000 Tonnen. Diese Menge sollte exportiert werden, um Mittel für den weiteren Aufbau des Landes zu beschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am zweiten Jahrestag der Machtübernahme trat Khieu Samphan in Phnom Penh auf. Er sprach über Fortschritte auf dem Land und über die Bewässerung. Die Bevölkerung, so stellte er es dar, unterstütze die Politik der Führung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem Zeitpunkt hatten einige Regionen bereits schwere Versorgungskrisen erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung hielt dennoch an ihrem Modell fest. Reisexporte sollten Devisen bringen. Der Vierjahresplan verlangte weiterhin erhebliche Produktionssteigerungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1977 exportierte Demokratisches Kampuchea nach späteren Angaben rund 100.000 Tonnen Reis in verschiedene Länder. Die Einnahmen blieben deutlich unter den ehrgeizigen Zielen des Plans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Menschen in den Kooperativen spielte diese Differenz zwischen Plan und tatsächlichem Export kaum eine Rolle. Entscheidend war, wie viel Reis nach der Ablieferung in ihren Gemeinschaftsküchen verblieb.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Nordwesten soll liefern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade hier zeigt der Vierjahresplan seine härteste Seite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für andere Zonen enthielten die Berechnungen Mengen, die für den lokalen Verbrauch vorgesehen waren. Beim Nordwesten fehlt eine solche Position in der erhaltenen Planung, obwohl die Region 1977 etwa 1,62 Millionen Tonnen Reis produzieren sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob lokale Funktionäre diese Vorgabe exakt umsetzten, lässt sich für jedes Gebiet nur einzeln beantworten. Doch der Plan setzte ein eindeutiges Signal. Der Nordwesten sollte vor allem produzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig lebten dort besonders viele Menschen, die erst nach April 1975 angesiedelt worden waren und häufig über wenig Erfahrung mit den örtlichen Anbaumethoden verfügten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fehler beim Anbau verschlechterten die Ernten und verschärften den Hunger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Parteiführung lag darin zunehmend ein politisches Problem.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Misserfolg zum Feind</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1977 begann die Zentrale, die Führung des Nordwestens systematisch auszutauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten lieferten dafür einen wichtigen Hintergrund. Parteidokumente machten angebliche Saboteure für vernichtete Ernten und fehlenden Reis verantwortlich. Gefangene mussten später gestehen, Felder absichtlich beschädigt oder Geräte zerstört zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erklärung entlastete den Plan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein Produktionsziel unerreichbar gewesen war, musste die Führung ihre Vorgaben überprüfen. Wenn Feinde den Plan sabotiert hatten, konnte das Ziel bestehen bleiben und die Suche nach Verrätern ausgeweitet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das geschah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis Ende 1977 waren die führenden Funktionäre aller sieben Sektoren der Nordwestzone von Säuberungen betroffen. Kader aus anderen Regionen rückten nach und übernahmen ihre Positionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verbanden sich zwei Entwicklungen, die bislang getrennt erscheinen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Feldern kämpften Menschen mit Hunger und Überarbeitung. In den Parteizentralen suchten Funktionäre nach den Verantwortlichen für verfehlte Produktionszahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg zwischen beiden führte in die Sicherheitsgefängnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Terror des Regimes erfasste zugleich ethnische und religiöse Minderheiten. Die Roten Khmer griffen in deren Sprache und Glaubenspraxis ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die muslimischen Cham und die vietnamesische Minderheit wurde diese Politik zur existenziellen Bedrohung.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="479" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cows_in_Siem_Reap_Province.jpg" alt="" class="wp-image-8432" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cows_in_Siem_Reap_Province.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cows_in_Siem_Reap_Province-300x150.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cows_in_Siem_Reap_Province-768x383.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Farmer, 2015</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Berghäuser, 2022. Wikimedia Commons, Pem peak. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thirith: Wikimedia Commons. <a href="https://www.flickr.com/people/39971069@N02">Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia</a>. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reis: Wikimedia Commons, Yon.sovann. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Farmer: Wikimedia Commons, Krzysztof Golik. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/battambang-1976-der-plan-und-der-hunger/">Battambang 1976 &#8211; Der Plan und der Hunger</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.imperien-und-inseln.de/rote-khmer/battambang-1976-der-plan-und-der-hunger/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		<enclosure url="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_7.mp3" length="10848881" type="audio/mpeg" />

			</item>
	</channel>
</rss>
