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	<title>Radhanath Sikdar Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Der Berg, der zur Aufgabe wurde – Wie aus Chomolungma der Mount Everest entstand</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/himalaya/der-berg-der-zur-aufgabe-wurde-wie-aus-chomolungma-der-mount-everest-entstand/">Der Berg, der zur Aufgabe wurde – Wie aus Chomolungma der Mount Everest entstand</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen des 29. Mai 1953 versperrte eine fast senkrechte Felsstufe Edmund Hillary und Tenzing Norgay den Weg. Über ihnen lag der Gipfelgrat des höchsten Berges der Erde. Unter ihren Steigeisen fiel der Hang zur tibetischen Seite ab, hinter ihnen lagen mehrere Wochen Arbeit im Eisbruch des Khumbu-Gletschers und in den Hochlagern. Hillary zwängte sich in einen schmalen Spalt zwischen Fels und Schneewechte, stemmte sich nach oben und fand einen Platz, von dem aus er Tenzing sichern konnte. Später erhielt die Stelle seinen Namen: Hillary Step.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um 11.30 Uhr standen beide auf dem Gipfel. Sie blieben etwa 15 Minuten, dann begannen sie den Abstieg. Ihr Erfolg wirkte wie der Abschluss eines langen Wettlaufs. Tatsächlich hatte dieser Wettlauf schon begonnen, bevor ein Europäer den Berg aus der Nähe gesehen hatte. Vermesser hatten seine Höhe aus großer Ferne berechnet. Britische Geografen gaben ihm einen neuen Namen, und Expeditionen machten ihn zu einer Aufgabe, deren Lösung nationale Bedeutung gewann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Gipfel hinter dem Horizont</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Menschen in Tibet war der Berg längst benannt. Chomolungma, häufig als „Heilige Mutter“ übersetzt, erschien bereits 1721 in chinesischer Umschrift auf dem unter Kaiser <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/asien/ein-kind-auf-dem-thron-kangxi-und-der-beginn-einer-langen-herrschaft/">Kangxi </a>angefertigten Atlas des Qing-Reiches. Der französische Geograf Jean-Baptiste Bourguignon d’Anville übernahm eine Variante dieses Namens 1733 in eine europäische Karte. Der Gipfel gehörte damit schon im frühen 18. Jahrhundert zu einer asiatischen und europäischen Wissenswelt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="496" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief-1024x496.png" alt="" class="wp-image-7949" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief-1024x496.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief-300x145.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief-768x372.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/MountEverestRelief.png 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Britische Vermesser näherten sich ihm aus einer anderen Richtung. Seit 1802 überzog der Great Trigonometrical Survey den indischen Subkontinent mit einem Netz aus Messpunkten. Die East India Company und später die britische Kolonialverwaltung wollten Entfernungen und Höhen möglichst genau erfassen. Das diente der Kartografie, unterstützte jedoch ebenso die militärische Kontrolle und die Verwaltung des Landes. Geografisches Wissen wurde zu einem Werkzeug der Herrschaft.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="214" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-214x300.jpg" alt="" class="wp-image-8085" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-214x300.jpg 214w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-768x1074.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-732x1024.jpg 732w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-1098x1536.jpg 1098w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851-1464x2048.jpg 1464w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Universaltheodolit.14Zoll.PistorMartins.Berlin.1851.jpg 1143w" sizes="(max-width: 214px) 100vw, 214px" /><figcaption class="wp-element-caption">Theodolit, Deutschland, 1851</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit verlangte einen gewaltigen Aufwand. Die großen Messinstrumente, Theodolite genannt, wogen bis zu 500 Kilogramm und mussten von Trägerkolonnen bewegt werden. Vermesser schlugen Schneisen und errichteten Signaltürme, um entfernte Punkte mit ihren Instrumenten anzupeilen. Schon kleinste Abweichungen konnten das Ergebnis verändern. Ab den 1830er-Jahren erreichten die Messketten den Rand des Himalaya. Nepal verweigerte den Briten den Zutritt, und auch Tibet blieb ihnen verschlossen. Die Beobachter mussten deshalb aus dem Terai arbeiten, dem feuchten Tiefland südlich des Gebirges. Monsunregen verdeckte die Gipfel, Malaria setzte den Mannschaften zu. Mehrere Offiziere starben, andere kehrten krank nach Großbritannien zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 1847 richtete Andrew Scott Waugh, der Generalvermesser Indiens, seine Instrumente auf einen Gipfel, der hinter dem damals für höchsten Berg der Erde gehaltenen Kangchendzönga lag. In den Unterlagen erschien er zunächst als „Peak b“, später als „Peak XV“. Seine unscheinbare Bezeichnung verriet, wie die Kolonialvermessung das Gebirge betrachtete: als Reihe von Punkten, deren Lage sich durch Winkel und Dreiecke bestimmen ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">James Nicolson beobachtete den Gipfel 1849 von fünf Standorten aus. Selbst sein nächster Messpunkt lag noch 174 Kilometer entfernt. Anschließend zog er sich nach Patna zurück, um seine Zahlen auszuwerten. Vor allem die Lichtbrechung beeinflusste die Messung über diese enorme Distanz; auch Luftdruck und Temperatur mussten die Rechner berücksichtigen. Nicolson erkrankte an Malaria, bevor er die Berechnungen abschließen konnte. In Dehradun arbeiteten indische Rechner und Vermesser mit den Daten weiter. Eine zentrale Rolle spielte der bengalische Mathematiker Radhanath Sikdar, der 1852 zu dem Ergebnis kam, dass Peak XV alle bekannten Gipfel überragte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Waugh ließ die Werte jahrelang prüfen. Im März 1856 gab er schließlich eine Höhe von 29.002 Fuß bekannt, umgerechnet knapp 8.840 Meter. Die oft erzählte Anekdote, seine Mitarbeiter hätten zu einem glatten Ergebnis von 29.000 Fuß zwei Fuß hinzugefügt, um übertriebene Genauigkeit zu vermeiden, lässt sich schwer belegen. Sicher ist, dass die Zahl dem fernen Gipfel einen neuen Rang verlieh. Aus Peak XV wurde der höchste bekannte Punkt der Erde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Name aus dem Vermessungsamt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Höhe stellte sich die Frage nach dem Namen. Waugh behauptete, er habe keine verlässlich gebrauchte lokale Bezeichnung ermitteln können. Die geschlossenen Grenzen Nepals und Tibets erschwerten seine Nachforschungen. Er schlug deshalb den Namen seines Amtsvorgängers George Everest vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Begründung zeigte die Grenzen des kolonialen Wissens. Chomolungma war seit mehr als einem Jahrhundert auf Karten belegt. Im Umfeld des Berges kursierten weitere Bezeichnungen. Die britischen Behörden erkannten dieses Wissen jedoch nur an, wenn ihre eigenen Beamten es prüfen und eindeutig zuordnen konnten. Was sich ihrer Vermessung entzog, erschien ihnen unsicher. So verlieh der Great Trigonometrical Survey einem asiatischen Berg den Namen eines britischen Offiziers, der den Gipfel selbst nie gesehen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">George Everest lehnte die Ehrung ab. Er wandte ein, sein Name lasse sich in den Sprachen Indiens kaum schreiben oder aussprechen. Die Royal Geographical Society folgte dennoch Waughs Vorschlag und nahm „Mount Everest“ 1865 offiziell an. Mit diesem Namen rückte der Gipfel in Großbritannien enger an das Imperium. Karten und Schulbücher machten ihn zu einem Gegenstand britischer Geografie. Aus seiner Vermessung erwuchs bald ein Anspruch: Das Land, dessen Beamte den höchsten Berg bestimmt und benannt hatten, wollte ihn auch besteigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mallory sucht einen Weg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Anspruch ließ sich lange kaum verwirklichen. Nepal hielt seine Grenze geschlossen. Erst 1921 gestattete die tibetische Regierung einer britischen Expedition die Anreise von Norden. Die Teilnehmer mussten zunächst herausfinden, wie sie den Berg überhaupt erreichen konnten. George Mallory und Guy Bullock durchquerten mit Vermessern und einheimischen Begleitern Täler, prüften Gletscher und suchten einen Aufstieg zum Nordsattel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Expedition verband Kartografie mit Erkundung. Sie fertigte neue Aufnahmen an und erschloss eine Route, auf der Mallory bis auf etwa 7.000 Meter stieg. Von dort erkannte er einen möglichen Weg über den Nordgrat. Der Gipfel blieb weit entfernt, doch Mallory hatte eine Aufstiegsroute erkundet, der spätere Mannschaften folgen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1922 kehrten die Briten mit dem Ziel zurück, diese Linie auszuprobieren. Mallory, Edward Norton und Howard Somervell stiegen ohne zusätzlichen Sauerstoff über 8.000 Meter. George Finch und Geoffrey Bruce verwendeten Atemgeräte und kamen noch höher. Die Sauerstoffflaschen lösten eine Debatte aus. Einige Alpinisten betrachteten sie als künstliche Hilfe, andere als vernünftige Antwort auf die Höhe. Der Berg machte solche Vorstellungen von sportlicher Reinheit bald zweitrangig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim dritten Versuch führte Mallory eine Gruppe von Trägern trotz instabiler Schneeverhältnisse in Richtung Nordsattel. Eine Lawine erfasste die Männer. Sieben Träger starben. Die ersten Todesopfer der Everest-Expeditionen waren damit Männer aus der Himalayaregion, deren Arbeit den britischen Aufstieg überhaupt ermöglichte. In den Berichten erschienen sie lange am Rand, obwohl sie Lasten bewegten und Wege durch gefährliches Gelände vorbereiteten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-7950" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest-3D-Map-Type-EN.jpg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Zwei Männer verschwinden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni 1924 setzte die nächste Expedition erneut am Nordgrat an. Norton erreichte ohne zusätzlichen Sauerstoff etwa 8.573 Meter, bevor er umkehrte. Für den letzten Versuch wählte Mallory den 22 Jahre alten Andrew Irvine als Begleiter. Irvine besaß wenig Erfahrung im Himalaya, konnte jedoch die störanfälligen Sauerstoffgeräte warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Juni verließen beide ihr Lager. Der Geologe Noel Odell beobachtete sie am frühen Nachmittag durch eine Wolkenlücke. Er sah zwei kleine Gestalten auf dem Grat aufsteigen, dann schloss sich die Wolkendecke. Mallory und Irvine kehrten nie zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Verschwinden schuf eine der dauerhaftesten Fragen der Alpingeschichte. Hatten sie den Gipfel erreicht und waren erst beim Abstieg verunglückt? Das Schicksal der beiden bleibt bis heute ungeklärt. Mallorys Leichnam wurde 1999 an der Nordflanke gefunden. Er lag weit unterhalb des Grates und wies Verletzungen eines schweren Sturzes auf. Der Gipfel selbst hätte ihnen nur den halben Erfolg gebracht. In der Logik des Bergsteigens zählt auch die Rückkehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mythos um Mallory verdeckte zugleich, wie sehr die frühen Expeditionen von der kolonialen Logistik getragen wurden. Britische Offiziere leiteten die Unternehmungen, die Royal Geographical Society unterstützte sie, und Zeitungen begleiteten jeden Versuch. Tibetische Behörden entschieden über den Zugang, während Sherpas und tibetische Träger die Hochlager versorgten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Weg verlagert sich nach Süden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Zweiten Weltkrieg änderten politische Entscheidungen die Geografie des Bergsteigens. Die Volksrepublik China übernahm 1950 die Kontrolle über Tibet und schloss die Nordroute für westliche Expeditionen. Nepal öffnete im selben Zeitraum vorsichtig seine Grenzen. Damit rückte die bis dahin kaum erforschte Südseite in den Mittelpunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Britische Erkundungstrupps suchten 1950 und 1951 einen Weg durch den Khumbu-Eisbruch. Dort schiebt sich der Gletscher über eine Geländestufe und zerbricht in Türme und tiefe Spalten. Leitern und Seile können einen Übergang sichern, doch das Eis bewegt sich ständig. Oberhalb des Eisbruchs führte die Route durch das Western Cwm zum Lhotse-Hang und weiter auf den Südsattel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1952 erhielten zwei Schweizer Expeditionen die Genehmigung für den Berg. Raymond Lambert und Tenzing Norgay erreichten im Frühjahr etwa 8.595 Meter. Beide verbrachten eine Nacht in großer Höhe, litten unter Durst und kämpften mit unzuverlässigen Sauerstoffgeräten. Schließlich kehrten sie um. Ihr Versuch bewies, dass der Südostgrat einen gangbaren Weg bot. Tenzing kannte danach die entscheidenden Abschnitte besser als fast jeder andere Bergsteiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Briten wussten, dass ihnen wenig Zeit blieb. Für 1954 hatte Nepal einer französischen Expedition den Zugang zugesagt. Oberst John Hunt übernahm die Leitung der Unternehmung von 1953 und organisierte sie mit der Genauigkeit einer militärischen Operation. Eine große Mannschaft transportierte Sauerstoffflaschen und Zelte durch den Eisbruch. Sherpas richteten gemeinsam mit den europäischen und neuseeländischen Bergsteigern eine Kette von Lagern ein. Der Physiologe Griffith Pugh hatte zuvor untersucht, wie Trinken und Sauerstoffzufuhr die Leistungsfähigkeit in extremer Höhe verbesserten. Der Erfolg beruhte damit auf Erfahrungen früherer Expeditionen und auf systematischer Vorbereitung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">100 Meter vor dem Ziel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hunt bestimmte zwei Seilschaften für den Gipfel. Tom Bourdillon und Charles Evans starteten zuerst. Am 26. Mai erreichten sie den Südgipfel und standen nur noch etwa 100 Höhenmeter unter dem höchsten Punkt. Probleme mit ihren Sauerstoffgeräten verlangsamten sie. Sie entschieden sich zur Umkehr und überließen Hillary und Tenzing eine bereits vorbereitete Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 28. Mai errichteten Hillary und Tenzing ihr letztes Lager auf rund 8.500 Metern. In der Nacht froren Hillarys Stiefel. Er musste sie am Morgen über dem Kocher auftauen, bevor beide gegen 6.30 Uhr aufbrechen konnten. Sie überquerten den Südgipfel, folgten dem schmalen Grat und erreichten jene Felsstufe, die Hillary durch den Spalt an ihrer Seite überwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Gipfel suchte Hillary nach Hinweisen auf Mallory und Irvine. Er fand keine. Die beiden Männer fotografierten die Umgebung und hinterließen kleine Zeichen ihrer Herkunft und ihres Glaubens. Tenzing legte eine Opfergabe nieder, Hillary ein Kreuz, das Hunt ihm mitgegeben hatte. Danach traten sie den gefährlichen Rückweg an, bei dem jeder Fehltritt tödlich sein konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im unteren Lager begrüßte Hillary seinen Landsmann George Lowe mit einem knappen Satz: Sie hätten den Berg erledigt. Die Nachricht brauchte mehrere Tage bis nach London. Der Korrespondent James Morris übermittelte sie in einem verabredeten Code. Am 2. Juni 1953, dem Tag der Krönung Elisabeths II., berichtete die Times vom Gipfelerfolg. Für viele Briten verbanden sich beide Ereignisse zu einem Bild nationaler Erneuerung. Doch einer der Erstbesteiger kam aus Neuseeland, der andere war ein Sherpa, der in Nepal geboren worden war und in Darjeeling lebte. Der britische Triumph trug von Anfang an internationale Züge.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wem gehört ein Gipfelsieg?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unmittelbar nach der Rückkehr wollten Journalisten wissen, wer zuerst oben gewesen sei. Hillary und Tenzing bezeichneten den Aufstieg als gemeinsame Leistung. Später erklärte Tenzing, Hillary habe den Gipfel wenige Schritte vor ihm betreten. Die Frage verriet mehr über die Erwartungen des Publikums als über das Bergsteigen am Seil. Tenzings Erfahrung auf der Route und Hillarys Kletterleistung an der Felsstufe machten den gemeinsamen Erfolg möglich. Beide standen dort, weil Hunderte Menschen Lasten getragen und Lager versorgt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besteigung von 1953 beendete den Wettlauf um den ersten gesicherten Gipfelerfolg. Sie löste den Berg zugleich aus der engen britischen Erzählung. Chinesische Bergsteiger meldeten 1960 die erste Besteigung über die Nordroute. Junko Tabei erreichte 1975 als erste Frau den Gipfel. Reinhold Messner und Peter Habeler folgten 1978 ohne zusätzlichen Sauerstoff. Jede dieser Unternehmungen stellte neu zur Diskussion, worin am Everest eine besondere Leistung bestand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch seine Namen blieben nebeneinander bestehen. In Nepal heißt der Berg Sagarmatha, in Tibet Chomolungma, und weltweit dominiert die Bezeichnung Mount Everest. Darin spiegeln sich lokale Vorstellungen ebenso wie staatliche Deutungsansprüche. Der englische Name trägt zudem die Geschichte der kolonialen Vermessung weiter. Der Gipfel selbst markiert heute die Grenze zwischen Nepal und China. Wer ihn besteigen darf, entscheidet sich weiterhin in Behörden und Genehmigungsverfahren, lange bevor ein Fuß den Schnee des höchsten Grates berührt.</p>



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<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-7951" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-1024x682.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-767x511.jpg 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006-1536x1024.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Everest_North_Face_toward_Base_Camp_Tibet_Luca_Galuzzi_2006.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<p class="wp-block-paragraph">Douglas, E. (2021): <a href="https://amzn.to/3UjQMnd">Himalaya: A human history of the world’s highest mountains</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Mount Everest, Wikimedia Commons, Bijay Chaurasia. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Topographische Karte: Wikimedia Commons, Hans Braxmeier. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mount Everest North Face, Wikimedia Commons, Luca Galuzzi. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/" data-type="link" data-id="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/">CC BY-SA 2.5</a>.</p>



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