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	<title>Propaganda Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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	<title>Propaganda Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Die gefährlichste Frau Vietnams? Madame Nhu und das Ende der Diệm-Herrschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie hält man eine ganze Hauptstadt politisch in Atem, ohne ein Amt zu bekleiden und ohne je gewählt worden zu sein? Im Juni 1963 kommentiert die in Saigon allgegenwärtige Madame &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/vietnam/die-gefaehrlichste-frau-vietnams-madame-nhu-und-das-ende-der-diem-herrschaft/">Die gefährlichste Frau Vietnams? Madame Nhu und das Ende der Diệm-Herrschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/10/Vietnam_Madame_Nhu.mp3"></audio></figure>



<p>Wie hält man eine ganze Hauptstadt politisch in Atem, ohne ein Amt zu bekleiden und ohne je gewählt worden zu sein? Im Juni 1963 kommentiert die in Saigon allgegenwärtige Madame Nhu sarkastisch die Selbstverbrennung buddhistischer Mönche. Sie spricht von einem „barbecue“ und erklärt, sie sei bereit, „Brennstoff und Streichhölzer zu liefern“. Ein Satz, der um die Welt geht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Herkunft und frühe Prägungen</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="218" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Portrait_of_Tran_Thi_Le_Xuan_as_a_bride_circa_1943_Madame_Nhus_personal_collection-218x300.jpg" alt="" class="wp-image-5136" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Portrait_of_Tran_Thi_Le_Xuan_as_a_bride_circa_1943_Madame_Nhus_personal_collection-218x300.jpg 218w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Portrait_of_Tran_Thi_Le_Xuan_as_a_bride_circa_1943_Madame_Nhus_personal_collection.jpg 655w" sizes="(max-width: 218px) 100vw, 218px" /><figcaption class="wp-element-caption">Madame Nhu, 1943</figcaption></figure>
</div>


<p>Trần Lệ Xuân kommt 1924 in Hanoi zur Welt, als Kind einer einflussreichen Familie zwischen Kaiserhof, französischer Kolonialverwaltung und moderner Bildung. Zu Hause spricht man Französisch. In der Schule lernt sie mehr über die Loire als über den Roten Fluss. Diese Entfremdung von einer eigenen vietnamesischen Geschichte wird sie später selbst benennen. Musik, Ballett und eine sprunghafte Energie prägen die junge Frau.</p>



<p>Mit achtzehn heiratet sie Ngô Đình Nhu, den intellektuellen Strategen der politisch ambitionierten Ngô-Familie. Sie konvertiert zum Katholizismus. Der Ehemann baut die Kaderpartei Cần Lao auf, ideologisch gespeist aus dem Personalismus, einer katholisch geprägten Lehre, die den „Menschen als Person“ in Gemeinschaft betont. Während in Vietnam Krieg, Neuordnung und Machtkämpfe die Landschaft verändern, zieht die junge Frau in Đà Lạt Kinder groß und wartet oft auf einen Mann, der selten zu Hause ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aufstieg an die Seite eines Junggesellen</h3>



<p>1955 erklärt Präsident Ngô Đình Diệm den Staat zur Republik. Da er unverheiratet bleibt, tritt Madame Nhu als Schwägerin in die Rolle der Ersten Dame. Sie sucht das Rampenlicht und baut Netzwerke auf. Ihre Handschrift wird im Recht sichtbar.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politik mit zwei Gesichtern</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Madame_Nhu_in_her_thirties_1950s-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-5138" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Madame_Nhu_in_her_thirties_1950s-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Madame_Nhu_in_her_thirties_1950s.jpg 250w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Madame Nhu, 1950er</figcaption></figure>
</div>


<p>1957 bringt sie ein Familiengesetz ins Parlament, das 1958 verabschiedet wird. Es stärkt Erbrechte von Töchtern, erleichtert Frauen den Zugang zu Konten und Eigentum und verbietet Polygamie sowie Konkubinat. Für die patriarchal geprägte Gesellschaft ist das ein Einschnitt. Gleichzeitig treibt sie Moralgesetze voran. Tanzlokale, Wettkämpfe mit Tieren, Prostitution und Opiumhöhlen werden geschlossen. Abtreibung, Scheidung und Verhütung stehen unter Strafe. Der Staat beansprucht Tugend zu erzwingen, während die Familie Luxus lebt und Affären im Umlauf sind.</p>



<p>Nach den Eingriffen ins Familien- und Moralrecht suchte sie nach Symbolen für eine größere Öffentlichkeit. Madame Nhu gründet die Frauen Solidaritätsbewegung. Offiziell sollen Frauen für den Kampf gegen den Vietcong mobilisiert werden, praktisch bindet die Organisation Loyalität an die Familie. In Saigon lässt sie ein Monument für die Trưng Schwestern errichten, die im ersten Jahrhundert gegen China aufstanden. Die Gesichter ähneln ihrem eigenen. Nationalmythos wird zur Selbstinszenierung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die buddhistische Krise</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="300" height="217" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Self-immolation_of_Thich_Quang_Duc-300x217.jpg" alt="" class="wp-image-5139" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Self-immolation_of_Thich_Quang_Duc-300x217.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Self-immolation_of_Thich_Quang_Duc-768x557.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Self-immolation_of_Thich_Quang_Duc.jpg 814w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Thic Quảng Đức Selbstverbrennung in Saigon, 1963</figcaption></figure>
</div>


<p>1963 eskaliert der Konflikt zwischen einem katholisch geprägten Regime und der buddhistischen Mehrheit. Der Streit um Flaggen, Umzüge und Feiertage wird zum Katalysator, weil dahinter Erfahrungen von Benachteiligung stehen. Als sich Mönche anzünden, reagiert Madame Nhu mit Zynismus. Ihre Worte treffen die Öffentlichkeit und entfremden die amerikanischen Verbündeten. Diplomaten fordern die Präsidentenfamilie auf, sie zum Schweigen zu bringen. Der Palast kann oder will es nicht. Proteste weiten sich aus. Pagoden werden gestürmt, es gibt Tote und Verletzte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Reise in die Vereinigten Staaten</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="193" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Madame_Ngo_Dinh_Nhu_and_Lyndon_Baines_Johnson-300x193.jpg" alt="" class="wp-image-5137" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Madame_Ngo_Dinh_Nhu_and_Lyndon_Baines_Johnson-300x193.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Madame_Ngo_Dinh_Nhu_and_Lyndon_Baines_Johnson.jpg 370w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Madame Nhu und Lyndon B. Johnshon, 1961</figcaption></figure>
</div>


<p>Als die Proteste eskalierten und internationale Kritik zunahm, entschied sich die Regierung, sie auf eine Reise zu schicken. Im Herbst 1963 reist Madame Nhu nach Europa und in die USA, um das Regime zu verteidigen. Sie attackiert Kritiker, bezeichnet Amerikaner als zu weich gegenüber dem Kommunismus und liefert provokante Schlagzeilen. Ihr Vater, Botschafter in Washington, wendet sich öffentlich gegen sie und legt sein Amt nieder. Die Tour, als Triumph geplant, wird zur medienwirksamen Selbstentlarvung. Während sie spricht, bröckelt in Saigon die Machtbasis der Familie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Putsch und Verlust</h3>



<p>Am 2. November 1963 werden Präsident Diệm und Ngô Đình Nhu von Offizieren der eigenen Armee getötet. Madame Nhu befindet sich in Kalifornien und macht die Vereinigten Staaten für den Sturz verantwortlich. Mit dem Tod von Diệm und Nhu war ihre politische Bühne verschwunden. Ihre Kinder kommen über Rom in Sicherheit. Die neue Militärführung enteignet den Besitz der Familie. Die Statuen der Trưng Schwestern werden demoliert. Vietnam steuert auf einen immer umfassenderen Krieg zu.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Exil und Nachhall</h3>



<p>Es folgte das lange Leben im Exil. Madame Nhu verbringt die Jahre in Rom und später in Frankreich und Italien. Eine Tochter stirbt bei einem Autounfall, der jüngere Bruder wird in den USA wegen des Mordes an den Eltern angeklagt. Interviews gibt sie nur selten, ihre angekündigten Memoiren erscheinen nie. 2011 stirbt sie in Rom.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wahrnehmung in den Medien</h3>



<p>Zeitgenössische deutsche und amerikanische Berichte sahen in ihr eine Projektionsfläche. Magazine wie der „Spiegel“ schilderten, wie sie persönlich Telefonate mit Redaktionen führte und Einfluss auf die Berichterstattung nahm. In westlichen Medien wurde sie häufig als „Dragon Lady“ bezeichnet, ein kolonial geprägtes Klischee, das asiatische Frauen mit Verführung und Intrige gleichsetzte. Artikel inszenierten sie wie eine Figur aus einem Spionagethriller. Ihre Bereitschaft, sogar über einen Frieden mit den Kommunisten nachzudenken, verstärkte das Bild einer undurchsichtigen Frau an der Schaltstelle der Macht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Versuch einer Einordnung</h3>



<p>Die Figur lässt sich weder als Karikatur der „Drachenlady“ abtun noch zur frühen Feministin verklären. Sie verband rechtliche Schritte zugunsten von Frauen mit einem autoritären Moralprogramm. Sie mobilisierte Frauen öffentlich und hielt doch die politischen Zügel in einem engen Familienzirkel. Ihre Schlagfertigkeit bot klare Kante, beschädigte aber die eigene Sache, weil sie den Ton der Krise verschärfte. In ihrer Person kreuzten sich Kolonialprägung, katholische Elitenbildung, Familienherrschaft und die Logik eines Kalten Krieges, der Bündnisse nach Feindlagen sortierte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Tran_Le_Xuan_Villa_05-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-5142" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Tran_Le_Xuan_Villa_05-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Tran_Le_Xuan_Villa_05-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Tran_Le_Xuan_Villa_05-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Tran_Le_Xuan_Villa_05.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Trần Lệ Xuân Villa in Đà Lạt</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links mit Sternchen (*) führen zu Amazon.de. Einkäufe dort unterstützen unsere Arbeit ohne Mehrkosten.</p>



<p>Monique Brinson Demery (2014): <a href="https://www.amazon.de/Finding-Dragon-Lady-Mystery-Vietnams/dp/1610394674?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2ZPPT8SEOEDTI&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.yLZTYzdyud56wI3_1GjCWGz2wtB1tBIJcHJ5Tg1q6ipMdB6jjepfrrtNPM7pV-pbl8CrbArKBPi391bz9BSBiGRi_AgqYPMLrme1LmSHYObIt5spH2yv9Zg3I3mTu6c5DAAssKDLcvHJgiFHfDhQOoHXO_A90x1iJBxICNBpdaQMNaiX-236uXQaV4j9JFsNhkjo3FuM8PYaivsrwzGNIfu2tzLQ92GFk_A7mDa4n_A.v9Ks7cUhtn8jpEbeZL9tg72-ESd4iXXQx0UFoVT3a74&amp;dib_tag=se&amp;keywords=madame+nhu+dragonlady&amp;qid=1758966950&amp;sprefix=madama+nhu+dragonlady%2Caps%2C256&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=0f59d02878200c9d0181b72e19c53f24&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Finding The Dragon Lady: The Mystery of Vietnam&#8217;s Madame Nhu</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Familienfoto zur Konfirmation der Tochter von Madame Nhu (ganz rechts) und Ngo Dinh Nhu (ganz links).</p>



<p>Alles gemeinfrei.</p>



<p></p>
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		<title>Deklassifizierte US-Dokumente zur Sukarno-Zeit</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/indonesien/6-deklassifizierte-us-dokumente-zur-sukarno-zeit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 6 Während der ungefähr zwei Jahrzehnten der Sukarno-Ära regierten vier Präsidenten in den Vereinigten Staaten von Amerika: Harry S. Truman &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/indonesien/6-deklassifizierte-us-dokumente-zur-sukarno-zeit/">Deklassifizierte US-Dokumente zur Sukarno-Zeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 6</a></p>



<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Deklassifizierte_US_Dokumente_Sukarno.mp3"></audio></figure>



<p>Während der ungefähr zwei Jahrzehnten der Sukarno-Ära regierten vier Präsidenten in den Vereinigten Staaten von Amerika: Harry S. Truman von 1945 bis 1953, Dwight D. Eisenhower von 1953 bis 1961, John F. Kennedy von 1961 bis 1963 und Lyndon B. Johnson von 1963 bis 1969.</p>



<p>Die Eisenhower-Administration hatte Sukarno nicht als Kommunist wahrgenommen, nicht als einen direkten Gegner. Man sah ihn als einen Freigeist und „Neutralist“. Allerdings lösten seine internationalen Ambitionen Befürchtungen aus, dass er eine Destabilisierung in der Region auslösen oder im eigenen Land die Macht an die PKI verlieren könnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Quellenlage: Die „Foreign Relations of the United States“</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="200" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/frus1958-60v17-200x300.jpg" alt="" class="wp-image-4276" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/frus1958-60v17-200x300.jpg 200w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/frus1958-60v17.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></figure>
</div>


<p>Gerade in den späten Jahren der Eisenhower-Präsidentschaft spitzte sich die Lage zu. Für diese Periode ist die Publikation „<a href="https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1958-60v17">Foreign Relations of the United States, 1958–1960, Indonesia, Volume XVII</a>“ eine wertvolle Quelle, die in den 1990er-Jahren herausgegeben wurde. Diese Sammlung ist eine offizielle Veröffentlichung des amerikanischen Außenministeriums. Hier finden sich Memoranden, Briefe, Telegramme, Anmerkungen und Telefonprotokolle, die Indonesien thematisieren. Für diese Art von Dokumenten war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eine Deklassifizierung nach 30 Jahren vorgesehen. Aufgrund einer Gesetzesänderung wurde in diesem Fall eine Verzögerung um einige Jahre gestattet. Anzumerken ist, dass einige Passagen noch nicht freigegeben waren. Im Text ist jeweils gekennzeichnet, wie viele Sätze ausgelassen wurden.</p>



<p>Besonders interessant sind derartige Veröffentlichungen, da sie ein ungeschminktes Bild der Politik liefern. Es wird deutlich, dass es viele Akteure mit unterschiedlichen Meinungen gibt, die hinter verschlossenen Türen expliziter geäußert werden. Gerade in der Außenpolitik ist Transparenz nur begrenzt möglich, da eine Veröffentlichung von Meinungen und Plänen Schwierigkeiten verursachen könnten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Robertson-Memorandum von Januar 1958</h3>



<p>Eine vielsagende Richtungsdiskussion findet sich in einem Memorandum von Robertson, dem stellvertretenden Staatssekretär für Angelegenheiten des Fernen Ostens, an den Außenminister John F. Dulles vom 2. Januar 1958. Er fasst die Empfehlungen des National Security Councils vom September 1957 zusammen. Die wichtigsten Punkte sollen hier dargestellt werden:</p>



<p>Die Insel Java war in amerikanischen Augen vom Kommunismus bedroht. Der Ausschuss schlug eine Reihe von Maßnahmen vor, um die Situation zu verändern. Ein Teil der Vorschläge bezog sich direkt auf Java: die Verstärkung der Regierungstruppen sollte verhindert und die antikommunistischen Truppen innerhalb der Armee sollten unterstützt werden. Auf Java sollte das Bewusstsein („psychological awareness“) für eine Bedrohung durch den Kommunismus geschärft werden.</p>



<p>Zusätzlich sollten auf den äußeren Inseln Antikommunisten gestärkt werden, um im Falle des Umsturzes auf Java reagieren zu können.</p>



<p>Der Ausschuss debattierte ebenfalls über den Einsatz von US-Streitkräften, konnte sich aber nicht auf eine Position einigen. Es gab Stimmen für ein direktes Eingreifen, allerdings sah das Ministerium den Zeitpunkt als ungünstig an, solche Entscheidungen zu treffen.</p>



<p>Das Memorandum weist darauf hin, dass der Botschafter Allison Vorbehalte gegenüber den diskutierten Handlungsoptionen einräumte. Er war der Ansicht, dass man Sukarno nicht aufgeben müsse. Man könnte einen anderen Weg einschlagen und beispielsweise Indonesien in Westpapua unterstützen und sich die Gunst der Führung sichern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Spaltungen in der US-Politik</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="293" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/John_Foster_Dulles_cropped-300x293.jpg" alt="" class="wp-image-4280" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/John_Foster_Dulles_cropped-300x293.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/John_Foster_Dulles_cropped.jpg 367w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">John F. Dulles, Außenminister von 1953-1959</figcaption></figure>
</div>


<p>Dieses Memorandum ist auf mehrfacher Weise interessant: zum einen sehen wir hier schon den Blick auf die äußeren Inseln, die in der Permesta-Rebellion betroffen sein werden.</p>



<p>Zum anderen wird hier eine später häufig angewandte Praxis verklausuliert vorgeschlagen: es soll das Bewusstsein vor der kommunistischen Bedrohung geschärft werden. Das heißt, hier wird die Idee geäußert, mit Propaganda aktiv in die Meinungsbildung in Indonesien einzugreifen.</p>



<p>Im Memorandum lässt sich auch sehen, dass die Meinungen in Bezug auf das Vorgehen zu diesem Zeitpunkt noch gespalten waren. Mit Botschafter Allison gab es einen Akteur, der sich für die Zusammenarbeit mit Sukarno aussprach. Allerdings waren Außenminister John F. Dulles und sein Bruder Allen W. Dulles, der Direktor der CIA, klar anderer Meinung. Der Historiker Bernd Stöver sieht in den beiden Brüdern Hardliner, die einer „quasi-religiösen Deutung des Kalten Krieges“ anhingen. Sie nahmen Sukarno als wachsende Gefahr wahr, der unter den Einfluss von Russen und Chinesen gelangen könnte. So ignorierten sie die Vorschläge des Botschafters, der stattdessen noch im Januar 1958 in die Tschechoslowakei versetzt wurde.</p>



<p>Interessant ist der abschließende Satz, der unter dem Punkt „Military Action“ in der Diskussion zum Einsatz der US-Streitkräfte in Indonesien zu lesen war: „Also that even if such a decision were taken at this time it should not be set forth in the paper which will be distributed throughout the government.” Hier ist zu erfahren, dass es Punkte gibt, die so heikel sind, dass sie nicht in Dokumente erscheinen sollten, die offen in den Behörden zirkulieren könnten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beginn der Permesta-Rebellion</h3>



<p>Einige Tage später trat die Permesta-Rebellion in die heiße Phase ein. Ende Februar lässt ein von Phyllis Bernau aufgezeichnetes Telefongespräch zwischen den Dulles-Brüdern erkennen, dass die USA die Seite der Rebellen unterstützten. Der Einsatz von Kampfflugzeugen wurde diskutiert. Die Cat C-46, ein ziviles Flugzeug, war allerdings schon im Einsatz und hat am 26. Februar Ausrüstung für die Rebellen über dem Pekanbaru-Flugplatz auf Sumatra abgeworfen. Es handelte sich vor allem um Waffen: Maschinengewehre, Panzerfäuste, Sturmgewehre und Handfeuerwaffen. Eine weitere C-46 belieferte einen Flugplatz in der Nähe von Pandang. Die CIA wurde damit zu einem aktiven Teilnehmer im Konflikt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eskalation und Scheitern</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="193" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1-300x193.jpg" alt="" class="wp-image-4284" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1-300x193.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1-1024x658.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1-768x494.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1.jpg 1120w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">B-26 Invader</figcaption></figure>
</div>


<p>Die nächste Eskalationsstufe folgte schnell. Bereits im April entschieden die Dulles-Brüder sich für den Einsatz von Mustang-Kampfjets und B-26-Bombern. Mit den neuen Maschinen konnten die Permesta-Rebellen eine Offensive starten und Gebiete gewinnen. Die Regierung in Jakarta war allerdings in der Lage, zurückzuschlagen und konnte Mitte Mai Rebellenstützpunkte attackieren, Flugzeuge zerstören und einige Inseln unter Kontrolle bringen.</p>



<p>Djuanda, der indonesische Premierminister, warf dem amerikanischen Botschafter in Jakarta, Howard P. Jones, vor, dass die USA die Aufständischen unterstützen würden, da diese Clark Field, den großen Militärflughafen der USA auf den Philippinen, nutzten. Am nächsten Tag dementierten die Amerikaner diese Vorwürfe und zeigten sich hilfsbereit. Sie boten an, Reis zu verkaufen und sogar Waffen zur Verfügung zu stellen, wenn eine Einigung mit den Rebellen erzielt und die PKI eingedämmt würde.</p>



<p>Die Permesta-Rebellion scheiterte, doch sie brachte die Amerikaner dazu, gegen Sukarno und die kommunistische Partei Stellung zu beziehen und damit die Weichen für die Zukunft zu stellen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="777" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-1024x777.jpg" alt="" class="wp-image-4282" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-1024x777.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-300x228.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-768x583.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-290x220.jpg 290w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gefangene Permesta-Rebellen, 1960</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Brands, H. W. (1989): <em>The Limits of Manipulation: How the United States Didn&#8217;t Topple Sukarno</em>. In: The Journal of American History 76 (3), S. 785–808.</li>



<li>Kahin, Audrey R.; Kahin, George McTurnan (1997): <em>Subversion as Foreign Policy. The Secret Eisenhower and Dulles Debacle in Indonesia</em>. Seattle.</li>



<li>McMahon, Robert J. (Hg.) (1994): <em>Foreign Relations of the United States, 1958–1960, Indonesia, Volume XVII</em>. Washington, D.C.</li>



<li>Nolan, Cathal J. (Hg.) (1997): <em>Notable U.S. Ambassadors since 1775. A Biographical Dictionary</em>. Westport.</li>



<li>Roadnight, A. (2002): <em>United States Policy Towards Indonesia in the Truman and Eisenhower Years</em>. London.</li>



<li>Stöver, Bernd (2017): <em>Der Kalte Krieg 1947–1991. Geschichte eines radikalen Zeitalters</em>. München.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Eisenhower und John Foster Dulles.</p>



<p>Alle Bilder public domain.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/indonesien/6-deklassifizierte-us-dokumente-zur-sukarno-zeit/">Deklassifizierte US-Dokumente zur Sukarno-Zeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<item>
		<title>Operation Crossroads &#8211; Ziel, Ablauf und Wirkung der US-Tests auf Bikini</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jun 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Atomwaffentests]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bikini-Serie &#8211; Folge 2 Operation Crossroads war offiziell ein wissenschaftliches Experiment zur Erforschung von Atomwaffenwirkungen auf Kriegsschiffe. De facto inszenierte die US-Marine 1946 ihre technologische Überlegenheit auf einer pazifischen Bühne. &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/ozeanien/operation-crossroads-ziel-ablauf-und-wirkung-der-us-tests-auf-bikini/">Operation Crossroads &#8211; Ziel, Ablauf und Wirkung der US-Tests auf Bikini</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Bikini2.mp3"></audio></figure>



<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/bikini/">Bikini-Serie &#8211; Folge 2</a></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="250" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/bikini_atoll-300x250.jpg" alt="" class="wp-image-3581" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/bikini_atoll-300x250.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/bikini_atoll.jpg 712w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Operation Crossroads war offiziell ein wissenschaftliches Experiment zur Erforschung von Atomwaffenwirkungen auf Kriegsschiffe. De facto inszenierte die US-Marine 1946 ihre technologische Überlegenheit auf einer pazifischen Bühne. </p>



<p>Vizeadmiral William H. P. Blandy verpackte die Machtdemonstration in friedliche Worte: Die Tests sollten die Welt über die Gefahren der Bombe aufklären, nicht ängstigen, und künftige Kriege verhindern. Diese Rhetorik zielte nach außen wie nach innen – internationale Kritik sollte entkräftet, die eigene Bevölkerung beruhigt werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Aufbau und Ablauf der Tests</h4>



<p>Tatsächlich war Operation Crossroads von Anfang an auf militärische Verwertbarkeit ausgerichtet. Um diese militärischen Ziele zu erreichen, entwickelten die Planer ein beispielloses Versuchsdesign.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="172" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Battleship_Nagato_in_US_control-300x172.jpg" alt="" class="wp-image-3574" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Battleship_Nagato_in_US_control-300x172.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Battleship_Nagato_in_US_control-1024x586.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Battleship_Nagato_in_US_control-768x439.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Battleship_Nagato_in_US_control.jpg 1238w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schlachtschiff Nagato</figcaption></figure>
</div>


<p>Zentraler Bestandteil der Tests war eine künstlich zusammengestellte Flotte aus 95 Schiffen. Darunter befanden sich ausgemusterte Einheiten der US Navy, erbeutete Kriegsschiffe sowie zivile Frachter. Besonders medienwirksam waren dabei das ehemalige japanische Schlachtschiff Nagato, das als Kommandoschiff der Angriffe auf Pearl Harbor symbolisch aufgeladen war, und der schwere deutsche Kreuzer Prinz Eugen, der nach dem 2. Weltkrieg an die USA gefallen war und nun als Zielobjekt diente. Man wollte untersuchen, wie sich Schiffe unter Druckwelle, Hitzestrahlung und radioaktiver Kontamination verhielten.</p>



<p>Die Schiffe wurden in konzentrischen Kreisen um den Explosionspunkt verankert, mit Messgeräten versehen, ferngesteuert oder leerstehend. Die Versuchsanordnung sollte reale Gefechtsbedingungen simulieren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="238" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/967px-F6F-5Ks_Bikini_1946-300x238.jpg" alt="" class="wp-image-3575" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/967px-F6F-5Ks_Bikini_1946-300x238.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/967px-F6F-5Ks_Bikini_1946-768x610.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/967px-F6F-5Ks_Bikini_1946.jpg 967w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">U.S. Navy Grumman F6F-5K&nbsp;<em>Hellcat</em>, die Radioaktivität messen sollten</figcaption></figure>
</div>


<p>Zur Erfassung biologischer Effekte wurden über 5.000 Versuchstiere an Bord verteilt: Schweine, Ziegen und Ratten. Diese Tiere waren je nach Versuchsanordnung entweder geschützt in Schiffsräumen, offen an Deck oder in unmittelbarer Nähe empfindlicher Technik untergebracht. Ziel war es, Erkenntnisse über Strahlenwirkung, Drucktrauma und Überlebensfähigkeit zu gewinnen.</p>



<p>Die technische Ausstattung umfasste Hochgeschwindigkeitskameras, Telemetrie zur Fernübertragung und nachträgliche Probenentnahmen durch spezialisierte Teams. Besonders der Unterwasserversuch „Baker“ erzeugte starke Druckwellen und radioaktive Rückstände.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mediale Inszenierung und Öffentlichkeit</h4>



<p>Doch die aufwendige technische Vorbereitung war nur eine Seite der Operation, mindestens ebenso wichtig war ihre Wirkung nach außen. Über 200 Journalisten, Fotografen und internationale Beobachter wurden nach Bikini eingeladen. Die Explosionen wurden gefilmt, kommentiert und in Magazinen besprochen. Die Operation entwickelte sich zu einem medialen Ereignis mit doppeltem Effekt: Sie bewies die technische Durchführbarkeit und diente zugleich der Abschreckung.</p>



<p>Die Kontrolle über das Bildmaterial war entscheidend. Obwohl die Tests reale Zerstörung verursachten, blieben viele Daten unter Verschluss. Die öffentliche Wahrnehmung wurde durch Perspektivwahl, Schnitttechnik und Kommentarführung gezielt beeinflusst. Bikini war zu dieser Zeit sowohl Bühne als auch Testgelände. Die Inszenierung vermittelte ein Bild von beherrschbarer Zerstörung: Schiffskreise, präzise Zündungen und planbare Effekte standen für eine Ästhetik technischer Kontrolle.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ergebnisse und militärische Konsequenzen</h4>



<figure class="wp-block-embed alignleft is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Bikini 1946: Operation Crossroads - Able" width="735" height="413" src="https://www.youtube.com/embed/oc0zZI7N3BQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Able-Test</figcaption></figure>



<p>Die beiden Tests, Able (Luftdetonation) am 1. Juli und Baker (Unterwasserexplosion) am 25. Juli, hinterließen sichtbare und langfristige Spuren. Während Able weniger Schaden anrichtete als erwartet, führte Baker zu massiver radioaktiver Kontamination. Viele Schiffe konnten nicht dekontaminiert werden und wurden später versenkt.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Bikini 1946: Operation Crossroads - Baker" width="735" height="413" src="https://www.youtube.com/embed/-M9k60DYBhE?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Baker-Test</figcaption></figure>



<p>Ein zentrales Ergebnis war die Erkenntnis, dass Atomwaffen nicht nur physische Schäden verursachen, sondern ganze Räume dauerhaft unbrauchbar machen können. Radioaktive Partikel setzten sich tief in Schiffsstrukturen fest, während weite Teile des Testgebiets, einschließlich der Lagune und der unmittelbar betroffenen Inseln, langfristig verseucht blieben. Die Navy stellte fest, dass neue Strategien für Gefechtsverbände, Dekontamination und Materialwahl notwendig wurden.</p>



<p>Die Tests bestätigten, dass Atomwaffen vor allem zur Abschreckung geeignet sind, während ihr praktischer Nutzen im Gefecht begrenzt bleibt. Der hohe logistische Aufwand, die unkontrollierbaren Effekte und die langfristige Verstrahlung machten deutlich, dass nukleare Waffen eher ein politisches als ein taktisches Instrument sind.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="507" height="600" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Beach_showing_wreckage_from_Operation_Crossroads_on_Bikini_or_Enyu_Island_1947_DONALDSON_207.jpeg" alt="" class="wp-image-3579" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Beach_showing_wreckage_from_Operation_Crossroads_on_Bikini_or_Enyu_Island_1947_DONALDSON_207.jpeg 507w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Beach_showing_wreckage_from_Operation_Crossroads_on_Bikini_or_Enyu_Island_1947_DONALDSON_207-254x300.jpeg 254w" sizes="auto, (max-width: 507px) 100vw, 507px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wrackteile am Strand</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p>Jack Niedenthal: <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Good-Mankind-History-People-Islands/dp/9829050025?crid=1G0B73JDBPAAY&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.X2baQPSy21HUU9GMUtiKm3dO6G-9er2d1czF6F7n_0MrUlA4Im1-1umtT0VpN_Wd.2eFOLMWYfiKk7_uDXkL3EFCA5zodvL2MMs94nolgjnE&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Niedenthal%3A+For+the+Good+of+Mankind&amp;qid=1766149307&amp;sprefix=niedenthal+for+the+good+of+mankind+%2Caps%2C188&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=12dac6d766cec1700d02c7bf8fcde999&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">For the Good of Mankind – A History of the People of Bikini and Their Islands</a></em>.*</p>



<p>Jonathan M. Weisgall (1994): <a href="https://www.amazon.de/-/en/Operation-Crossroads-Atomic-Tests-Bikini/dp/1557509190?crid=10Y7Q2LXHHEXM&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.SohbFN5AdO-OM9stkvdCGrirzsVnw4q2Pmm9ASeb2TMi2MA10f29Nv59NRn0u2M2eUmjeWSnFk75mCkmQC8ViclQSC18mt8NeAeSYfjrZwQh6V5sG-5zS7_LaAwr0OFHsXlfjS_Y-noh8k02CKbTeXT2qmSoPPShtFJxsBUWUEoY7A-1Gklyr8pfXowVIr9m.TL_cbVQ_ZwxMEEjjTeXGVwM6hxGRZxVjnfE5wU-6w8Y&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Breyer%3A+Operation+Crossroads&amp;qid=1766149081&amp;sprefix=breyer+operation+crossroads%2Caps%2C188&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=1988dcf4be6041f28b862d7ea37910d5&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">Operation Crossroads: The Atomic Tests at Bikini Atoll</a>.*</p>



<p>Paul Boyer (1994): <a href="https://www.amazon.de/-/en/Bombs-Early-Light-American-Thought/dp/0807844802?crid=HH7CTOHHZ89V&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.i6_SXSUAeONYX8RHFWCHKMq4qtJ-5rHskpQG06A7LujzBvtGAS01XZjLuiIRHSXaaVIOIaF3cDso5aHN6BdQB_OD4xsrlUz4K4XtyYz84VvVZlNdw1uBEkXdBmS9D8xH5KbmLUaNf1lAieP7B99X9c5oo2vHEz4cdZL0bqDWhTPVwlw24TZqicGexBon-9dpMi1qxKjnFEsuLsYN2-JsUDR1unrhf-aBWDbnRheUpbo.Ih-gXQ_SmSjm-N6FEgNqivquUA2ODAemFsITkyO35Y0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=By+the+Bomb%E2%80%99s+Early+Light+%28&amp;qid=1766149153&amp;sprefix=by+the+bomb+s+early+light+%2Caps%2C169&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=01bcf76f2fe2c4f36cb0ae07e37689b5&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">By the Bomb&#8217;s Early Light: American Thought and Culture at the Dawn of the Atomic Age</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Karte: Wikimedia Commons, Justass.</p>



<p>Alles weitere public domain.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Putschversuch 1965</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-der-putschversuch-1965/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Sep 2024 06:08:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Geheime Diplomatie und Machtspiele - Indonesien im Kalten Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Indonesien]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Archivalien]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienste]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Jakarta]]></category>
		<category><![CDATA[Kalter Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 3 Sukarno, die PKI und die politische Krise von 1965 In Geheime Diplomatie und Machtspiele untersuchen wir Indonesiens Rolle im &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-der-putschversuch-1965/">Der Putschversuch 1965</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg/"></a><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 3</a></p>



<h5 class="wp-block-heading">Sukarno, die PKI und die politische Krise von 1965</h5>



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</div><figcaption class="wp-element-caption">Auch auf Youtube</figcaption></figure>



<p>In Geheime Diplomatie und Machtspiele untersuchen wir Indonesiens Rolle im Kalten Krieg. Die Serie widmet sich der komplexen, oft verborgenen Dynamik zwischen den USA und Indonesien in einer Zeit voller politischer Turbulenzen.</p>



<p>Im Jahr 1965 spitzte sich die Lage in Indonesien zu. Die kommunistische Partei orientierte sich weiter in Richtung Sukarnos, da sie in ihm einen Verbündeten gegen die Armee sah. Und Sukarno unterstützte die PKI, wenn es nötig war. Es scheint allerdings in erster Linie eine Zweckpartnerschaft gewesen zu sein. Russische Quellen zeigen, dass Aidit zusammen mit dem Botschafter der Sowjetunion über die Zeit nach Sukarno gesprochen hat, allerdings ohne dies selbst durch Attentate oder dergleichen herbeizuführen. Die PKI betrachtete Sukarno auch 1965 als noch nicht links genug.</p>



<p>Vielleicht machte Aidit sich Gedanken um die Gesundheit des Präsidenten. Es war allseits bekannt, dass Sukarno nicht gesund war. Er litt an Leberproblemen, lehnte aber die von seinem Arzt empfohlene Operation ab, da ihm ein Wahrsager vorhersagte, dass er durch ein Messer sterben würde. Er ließ sich stattdessen von chinesischen Medizinern mit Akupunktur behandeln.</p>



<p>Der Präsident schützte die Kommunistische Partei auch auf Wegen, die nach rechtsstaatlichen Maßstäben nicht zu vertreten wären. Im Februar 1965 wurden einundzwanzig Zeitungen aus dem Verkehr gezogen, die nachteilig gegenüber der PKI berichtet hatten. Doch es war nicht so einfach, die kritischen Stimmen zum Verstummen zu bringen. Die Armee reagierte und publizierte eigene Zeitungen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="240" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-300x240.jpg" alt="" class="wp-image-190" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-300x240.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-1024x819.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-768x614.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-1536x1229.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-2048x1638.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
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<p>Ein außenpolitisches Ereignis zeigte Folgen innerhalb Indonesiens: die Amerikaner begannen, Vietnam zu bombardieren. Anhänger der PKI und anderer linker Gruppen kaperten daraufhin amerikanische Firmen im Land. Anschließend übernahm das Militär dort die Initiative. Firmen wie Caltex und Shell wurden im März unter staatlicher Kontrolle gestellt, doch es waren keine normalen Geschäfte in dieser Zeit mehr möglich. Die indonesische Wirtschaft geriet weiter in ein Chaos.</p>



<p>Die PKI konnte in Jakarta ihre Rolle stärken. Sukarno verlangte von seinen Parteigenossen, dass sie mit der kommunistischen Partei kooperierten. Im August strafte er im großen Maßstab PNI-Führer ab, die sich daran nicht halten wollten: ungefähr hundertfünfzig Politiker wurden suspendiert, die Nähe zu anti-PKI-Kreisen der Armee zeigten.</p>



<p>Im gleichen Monat zog Sukarno Indonesien aus vielen Institutionen, wie dem Internationalen Währungsfonds, Interpol und der Weltbank, zurück. Die Verbindungen zur westlichen Welt wurden gekappt und die antiimperiale Achse Jakarta, Phnom Penh, Hanoi, Peking, Pjöngjang ausgerufen.</p>



<p>Die wirtschaftlichen Probleme eskalierten weiter. Die Inflation überragte sogar die vorigen Jahre und lag bei ungefähr fünfhundert Prozent. Beim wichtigsten Gut, dem Reis, lag die Preissteigerung sogar bei neunhundert Prozent. Damit verbunden verlor die Indonesische Rupiah an Wert. Der Schwarzmarkt-Preis für den US-Dollar stieg von fünftausendeinhundert Rupiah zu Anfang des Jahres auf fünfzigtausend zum vierten Quartal.</p>



<p>Durch die Schieflage des Landes verstärkten sich die Fronten noch stärker. Sowohl bei Kommunisten als auch ihren Gegnern verbreiteten sich Geschichten über Todesschwadrone, die angeblich Listen mit potenziellen Opfern führen sollten. Realität und Fiktion waren schlecht zu unterscheiden. Sogar Übersinnliches, wie Prophezeiungen und Omen, wurden in die politischen Debatten miteingebracht. In der aufgeheizten Lage stiegen die Gewalttaten an.</p>



<p>Am Unabhängigkeitstag im Jahre 1965 hielt Sukarno eine Rede, in der er Schuldige identifizierte: Er kritisierte Korrumpierte und Schwindler, die gestern noch die Revolution unterstützten, aber heute womöglich Konterrevolutionäre geworden waren. Der Bruch mit seinen ehemaligen Verbündeten lag nun offen dar.</p>



<p>Am 25. September kündigte Sukarno an, dass die zweite Phase der indonesischen Revolution anstünde: die Implementation des Sozialismus.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der gescheiterte Putsch: Vom 30. September zur Machtübernahme Suhartos</h5>


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<figure class="alignleft size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="231" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani-231x300.jpg" alt="" class="wp-image-187" style="width:231px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani-231x300.jpg 231w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani.jpg 647w" sizes="auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ahmad Yani</figcaption></figure>
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<p>Doch soweit sollte es nicht kommen. In den nachfolgenden Tagen waren mehrere zehntausend Soldaten in Jakarta, um sich auf den „Armed Forces Day&#8220; am 5. Oktober vorzubereiten. Ein Militärputsch lag in der Luft. Am 27. September verwehrte sich der Befehlshaber der Armee, General Ahmad Yani, gegen eine strukturelle Änderung des Militärs, die zur „Nasakomisation&#8220; hätte führen sollen, also gegen eine Neuausrichtung im Sinne der Sukarno-Fraktion.</p>



<p>Tatsächlich fand einige Tage später, am 1. Oktober ein Putschversuch statt &#8211; der allerdings vermeintlich von der anderen Seite gestartet wurde und der Ahmad Yani das Leben kosten sollte.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="226" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung-226x300.jpg" alt="" class="wp-image-188" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung-226x300.jpg 226w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung.jpg 465w" sizes="auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px" /><figcaption class="wp-element-caption">Untung Syamsuri</figcaption></figure>
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<p>Die Aktion begann in den frühen Morgenstunden. Die Putschisten entführten neben Yani fünf weitere Generäle aus deren Häusern in Jakarta und brachten sie in den Süden der Stadt. Sie wurden getötet und in einen Brunnen geworfen. Anschließend besetzten die Aufständischen eine Radiostation. Sie stellten sich als &#8222;Bewegung dreißigster September&#8220; vor und erklärten sich selbst zu Truppen, die Präsident Sukarno loyal beiseite stünden. Als Anführer wurde Oberstleutnant Untung genannt, der als Kommandeur für ein Bataillon zuständig war, das die Sicherheit des Präsidenten gewährleisten sollte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="228" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-228x300.jpg" alt="" class="wp-image-189" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-228x300.jpg 228w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-777x1024.jpg 777w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-768x1013.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-1165x1536.jpg 1165w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-1553x2048.jpg 1553w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-scaled.jpg 1213w" sizes="auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px" /><figcaption class="wp-element-caption">Supardjo</figcaption></figure>
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<p>Doch Untung scheint nur vorgeschoben gewesen zu sein. Als Anführer dahinter scheint Brigadegeneral Supardjo gestanden zu haben, der auch Leiter eines Nachrichtendienstes war. Omar Dhani, der Kommandeur der indonesischen Luftwaffe, stellte den Putschisten die Halim-Luftwaffenbasis als Hauptquartier zur Verfügung. Einige Mitglieder des PKI-Politbüros schienen auch, zumindest vage, über die Pläne informiert gewesen zu sein. Allerdings war Aidit der einzige ranghohe Politiker, der in Halim anwesend war.</p>



<p>Mehrere hundert Rebellen besetzten den Merdeka-Platz in Jakarta. Auch in anderen Landesteilen kam es zu Putschhandlungen, beispielsweise in der Provinz Jawa Tengah entführten Aufständische fünf ihrer Kommandanten.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="265" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1-265x300.jpg" alt="" class="wp-image-191" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1-265x300.jpg 265w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1.jpg 458w" sizes="auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px" /><figcaption class="wp-element-caption">Merdeka-Platz in Jakarta</figcaption></figure>
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<p>Suharto übernahm das Kommando zur Bekämpfung der Putschisten und führte ebenfalls am 1. Oktober einen Gegenangriff aus. Er verstand die Situation genau und sah, dass er genügend Zeit hatte, Truppen zu organisieren. Er hatte nur das Bataillon 328 aus Jawa Barat vor Ort, doch konnte er schlagkräftige Spezialkräfte mobilisieren.</p>



<p>Bereits nach zwölf Stunden waren die Putschisten von den zentralen Orten in Jakarta verdrängt worden, ohne dass Schüsse abgegeben wurden. Der Coup war schlecht geplant und die Truppen auf dem Merdeka-Platz wurden nicht verpflegt. Ihnen war heiß von der Sonne, sie waren hungrig, durstig und müde und letzten Endes zogen sie freiwillig ab.</p>



<p>Anschließend wandte sich Suharto Halim zu. Doch die dort anwesenden Führer zerstreuten sich. Sukarno, der auch dort anwesend war, machte sich auf den Weg zu seinem Palast in Bogor, Aidit floh nach Yogyakarta und Dhani nach Madiun. Der Coup war in Jakarta bereits am Morgen des 2. Oktobers beendet.</p>



<p>Auch in Jawa Tengah sollten sich die Aufständischen nicht viel länger halten. Wahrscheinlich durch die schnelle Niederschlagung in Jakarta demoralisiert, endete hier der Aufstand am 3. Oktober. Die Auflösung geschah so schnell, dass die Rebellen keine Chance hatten, Pressekonferenzen abzuhalten, um ihre Mission der Öffentlichkeit zu erläutern.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="200" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman-200x300.jpg" alt="" class="wp-image-192" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman-200x300.jpg 200w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman.jpg 427w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kamaruzaman Sjam</figcaption></figure>
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<p>Der Putsch wurde schnell aufgelöst, doch das Nachdenken über die Motive dauerte lange an, da es viele schwer verständliche und verwirrende Ereignisse gab. Die Bewertung hängt unter anderem von der Einschätzung der Rolle Sjams ab, der als Verbindungsmann zwischen den unterschiedlichen Gruppen des Coups, den progressiven Militärs und der Politiker, galt. Er war ein Vertrauter von Aidit. Der Südostasienforscher Willem Frederik Wertheim vermutete, dass dieser als Doppelagent im Sinne Suhartos gehandelt haben könnte. Dazu würde auch passen, dass Untung eine direkte persönliche Beziehung zu Suharto hatte, unter dem er im Westpapua-Konflikt diente.</p>



<p>Mehrere Indizien weisen zumindest in die Richtung, dass Suharto von den Geschehnissen nicht überrascht wurde.</p>



<p>Oberst Latief, einer aus der Führungsriege der Putschisten, sagte später aus, dass er Suharto am Abend des 30. September bei einem Treffen im Armeekrankenhaus zu den bevorstehenden Ereignissen informiert hätte.</p>



<p>Eine weitere Auffälligkeit war, dass die Truppen am Merdeka-Square, in Richtung des Hauptquartiers von wo Suharto seine Gegenoffensive startete, nicht absicherten.</p>



<p>Auch die Frage „Cui bono?&#8220; würde ebenfalls in die Richtung Suharto weisen. Die PKI, die über Jahre hinweg nach oben strebte, und der Präsident Sukarno verloren ihre führende Position. Der General Suharto hingegen konnte die Macht übernehmen.</p>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="168" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah-300x168.jpg" alt="" class="wp-image-195" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah-300x168.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto</figcaption></figure>
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<p>Doch es gibt auch andere Thesen. Beispielsweise der Historiker John Roosa bezweifelt die Doppelagenten-Rolle Sjams. Er sieht im Motiv des Präventivschlags die wahrscheinlichste Ursache für den missglückten Plot. Die Planungen verliefen chaotisch, da ein zentrales Mastermind fehlte. Die Aufständischen waren unzureichend bewaffnet, da sie über keine Panzer verfügten, und wären darauf angewiesen gewesen, dass Sukarno sich auf ihre Seite schlagen würde. Der hingegen war nicht gewillt seine Stimme für junge Offiziere zu erheben, die ihre Armee-Kommandanten haben töten lassen. So soll er Supardjo angewiesen haben, den Putsch ohne weiteres Blutvergießen zu beenden.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die blutigen Folgen: Massenverfolgungen und der Niedergang der PKI</h5>



<p>Die Armee machte die PKI öffentlich für den Putsch verantwortlich. Die Aufständischen wurden als Gestapu bezeichnet, ein Akronym, das aus „Gerakan September Tiga Puluh&#8220; gebildet wurde und sie in Verbindung zu den Gräueltaten Nazi-Deutschlands bringen sollte.</p>



<p>Der Historiker Yosef Djakababa sieht in dieser und ähnlicher Propaganda der Armee einen Katalysator für das Töten, das später einsetzen sollte. Er spricht von „initial purge policy&#8220;.</p>



<p>Die Folge dieser aufgeheizten Stimmung waren viele Gewalttaten. Diese wurden oft nicht von der Armee selbst ausgeführt, sondern von lokalen Milizen und Gruppierungen.</p>



<p>Wie viele Menschen insgesamt in dieser Zeit getötet und misshandelt wurden, lässt sich nicht genau erfassen. Da in Indonesien ein Mantel des Schweigens über dem Thema lag und auch die westlichen Beobachter im Kalten Krieg einen anderen Fokus hatten, sind die Massaker nicht zeitnah umfassend untersucht worden. Die meisten Schätzungen bewegen sich zwischen vierhunderttausend und fünfhunderttausend. Aber wegen der fehlenden Anhaltspunkte sind diese Zahlen sehr unsicher.</p>



<p>Dazu trug bei, dass die Form der Gewaltakte sich von Provinz zu Provinz und sogar von Distrikt zu Distrikt sehr unterschieden. Lokale Studien gibt es nur wenige, doch die zeigen ein komplexes, vielschichtiges Bild über den Hergang.</p>



<p>Die ersten Gewalttaten begannen im Oktober in Aceh, wo die PKI relativ schwach war und wenig Gegenwehr leisten konnte. An anderen Orten setzten die Verfolgungen später ein, oftmals erst nach der Ankunft von antikommunistischen Spezialeinheiten, wie den paramilitärischen Kommandos der RPKAD.</p>



<p>Die Verfolgten waren auffällig passiv in der Verteidigung. Der Historiker Robert Cribb vermutet, dass viele Opfer diese eskalierende Gewalt nicht erwartet hätten. Dafür könnte es mehrere Gründe gegeben haben.</p>



<p>Zum einen waren viele Angegriffene sich nicht bewusst, dass sie mit den Ereignissen in Jakarta in Zusammenhang gebracht werden könnten, da sie de facto nichts dazu beigetragen hatten.</p>



<p>Es kann auch einen kulturhistorischen Grund dafür geben, dass diese Gewalteskalation unerwartet war. Indonesien war in seiner Geschichte lange Zeit wenig dicht besiedelt und Eroberungskriege waren mehr auf die Erweiterung der Bevölkerung als auf Vergrößerung der Landfläche ausgelegt. Daher waren kriegerische Auseinandersetzungen oft auf Modi beschränkt, die eine geringe Anzahl an Opfern hervorbrachte, beispielsweise durch „battle by proxy or champion&#8220;.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-300x200.jpg" alt="" class="wp-image-196" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-1024x683.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-768x512.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-1536x1024.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-2048x1365.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
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<p>In den ersten Monaten des Jahres 1966 endeten die Massentötungen. Allerdings waren die Folgen traumatisch und es gab von Seiten der indonesischen Regierung keine Aufarbeitung der Geschehnisse. Im Gegenteil: viele der vermeintlichen Staatsfeinde saßen noch zehn Jahre später ohne Gerichtsverhandlung im Gefängnis. Oft wurden ihre Aussagen, die die Inhaftierung rechtfertigten, unter Folter erzwungen.</p>



<p>Sukarno blieb nach dem gescheiterten Putsch im Amt des Präsidenten. Allerdings verlor er Stück für Stück an Macht, sowohl faktisch als auch formal. Im März 1966 verlor er den Titel des Präsidenten auf Lebenszeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h3>



<p>Shell: Wikimedia Commons, Tim Green.<br>Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>



<p></p>
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