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	<title>Peking-Oper Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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		<title>Entstehung der chinesischen Filmindustrie</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 11:00:00 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Teehaus am Qianmen-Tor in Peking hebt der Sänger die Stimme. Hinter ihm schlägt der Trommler einen harten Rhythmus, die Geige setzt ein, ein Darsteller in aufwendigem Kostüm tritt vor und führt eine präzise Drehung aus. Das Publikum kennt jede Geste. Es verfolgt den Gesang, die Bewegungen, die klar codierten Farben im Gesicht des Helden. Diese Szene aus der Peking-Oper steht am Beginn einer Geschichte, die später auf der Leinwand weitergeführt wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Peking-Oper und urbane Unterhaltungskultur</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 19. Jahrhundert prägt die Peking-Oper das kulturelle Leben der Hauptstadt. Wandertruppen ziehen zwischen Peking, Tianjin und Shanghai, spielen historische Stoffe, Loyalitätsdramen, Episoden aus dem Roman „Die Räuber vom Liang-Shan-Moor“. Die Bühne arbeitet mit festgelegten Rollenfächern. Sheng für den männlichen Helden, Dan für weibliche Figuren, Jing für kraftvolle Charaktere mit bemaltem Gesicht, Chou für komische Rollen. Jede Bewegung besitzt Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Theaterform bildet eine Schule für Gestik, Musik und dramatische Verdichtung. Sie schafft Stars, deren Namen überregional bekannt sind. Spielorte sind feste Theaterhäuser, Teegärten und temporäre Bühnen bei Festen. In Shanghai entsteht um 1900 eine dichte Unterhaltungslandschaft aus Opern, Varieté, Akrobatik, Schattenspiel und später auch westlichen Zirkusnummern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese urbane Mischkultur bildet den Boden, auf dem das Kino Fuß fasst. Es tritt nicht in ein kulturelles Vakuum. Es reiht sich ein in eine bestehende Praxis des gemeinsamen Zuschauens, des Kommentierens und der starbezogenen Verehrung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die ersten Filmvorführungen und „Dingjunshan“</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium is-resized"><img decoding="async" width="164" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Tan_Xinpei_Dingjunshan_1905-164x300.jpg" alt="" class="wp-image-7080" style="width:300px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Tan_Xinpei_Dingjunshan_1905-164x300.jpg 164w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Tan_Xinpei_Dingjunshan_1905.jpg 300w" sizes="(max-width: 164px) 100vw, 164px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dingjunshan (1905)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">1896 erreichen Filmprogramme aus Europa zunächst Shanghai, kurz darauf Peking und Tianjin. Händler und Schausteller zeigen kurze „Ansichten“ aus Europa, Militärparaden, Straßenszenen. Die Projektion bleibt zunächst Attraktion im Rahmen größerer Unterhaltungsabende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1905 entsteht in Peking eine Aufnahme, die in der chinesischen Filmgeschichtsschreibung als symbolischer Anfang gilt. Gefilmt wird eine Szene aus dem Opernstück „Dingjunshan“, gespielt von dem berühmten Darsteller Tan Xinpei. Die Kamera steht frontal, die Bühne bleibt klar erkennbar. Der Film überträgt ein Opernfragment auf Zelluloid. Er entwickelt noch keine eigenständige Filmsprache. Dennoch markiert er einen entscheidenden Schritt: eine lokale Aufführung wird reproduzierbar und transportabel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesen frühen Jahren dominieren importierte Filme den Markt. Westliche Produktionen laufen in den internationalen Konzessionen Shanghais. Gleichzeitig beginnen chinesische Unternehmer, eigene Firmen zu gründen. 1909 entsteht die Asia Film Company, an der auch ausländische Kapitalgeber beteiligt sind. Die Produktionsbedingungen bleiben instabil. Geräte, Rohfilm und Know-how stammen häufig aus dem Ausland.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Shanghai in den 1910er Jahren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Shanghai wird rasch zum Zentrum. Die Stadt besitzt dichte Handelsnetze, ein wohlhabendes Bürgertum, ausländische Konzessionen mit relativ liberalem Wirtschaftsrecht und eine wachsende Mittelschicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1910er Jahren entstehen erste Spielhandlungen jenseits der bloßen Opernaufzeichnung. 1913 produziert die Xinmin Company Kurzfilme mit dramatischem Inhalt. Die Themen greifen moralische Konflikte auf, orientieren sich an populären Erzählungen oder aktuellen Skandalen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Produktion bleibt unregelmäßig. Bürgerkrieg und politische Instabilität nach dem Sturz der Qing-Dynastie 1911 erschweren langfristige Planung. Dennoch entwickelt sich in Shanghai ein Milieu aus Schauspielern, Bühnenautoren, Technikern und Unternehmern. Zeitungen beginnen, über Filmvorführungen zu berichten. Anzeigen bewerben neue Programme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Phase konkurriert das Kino weiterhin mit Oper, Sprechtheater und Varieté. Es übernimmt von ihnen Stoffe und Darsteller. Die Grenzen zwischen Bühne und Leinwand bleiben durchlässig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Öffentlichkeit, Moral und Kontrolle</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="197" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Portrait_Die_Hu_ou_Butterfly_Hu-197x300.jpg" alt="" class="wp-image-7082" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Portrait_Die_Hu_ou_Butterfly_Hu-197x300.jpg 197w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Portrait_Die_Hu_ou_Butterfly_Hu.jpg 500w" sizes="(max-width: 197px) 100vw, 197px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hu Die, 1930er</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Bereits in den 1910er Jahren entstehen Debatten über Moral und Einfluss des Kinos. Reformorientierte Intellektuelle sehen im Film ein Instrument zur Erziehung der Bevölkerung. Andere warnen vor sittlicher Gefährdung durch Sensationsstoffe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der wachsenden Produktion der 1920er Jahre verschärft sich diese Diskussion. Lokale Behörden beginnen, Vorführungen zu regulieren. Zensur bleibt zunächst uneinheitlich, doch die Frage nach politischer Kontrolle begleitet das Medium von Anfang an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Übergang zum abendfüllenden Spielfilm markierte 1921 der Welterfolg &#8222;Yan Ruisheng&#8220;, ein semidokumentarisches Drama über einen realen Kriminalfall in Shanghai. Als erster chinesischer Langfilm setzte er neue Maßstäbe in Sachen Realismus und Kommerzialität, indem er Originalschauplätze nutzte und die Grenzen zwischen Sensation und moralischer Belehrung auslotete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig entwickelt sich ein Star-System. Schauspielerinnen wie Hu Die werden zu bekannten Gesichtern. Fan-Magazine erscheinen. Filmplakate prägen das Straßenbild. Das Kino wird Teil einer modernen urbanen Identität.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein neues Medium im alten Gefüge</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="204" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Lady_Meng_Jiang_-_Tianyi_magazine-204x300.jpg" alt="" class="wp-image-7083" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Lady_Meng_Jiang_-_Tianyi_magazine-204x300.jpg 204w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Lady_Meng_Jiang_-_Tianyi_magazine.jpg 250w" sizes="(max-width: 204px) 100vw, 204px" /><figcaption class="wp-element-caption">Filmplakat &#8222;Meng Jiang Nü&#8220;, 1926</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Anfänge des chinesischen Kinos liegen nicht in radikaler Neuerfindung. Sie liegen in der Transformation bestehender Formen. Die Peking-Oper liefert Gesten, Dramaturgie und Stars. Die internationale Hafenstadt Shanghai liefert Kapital, Technik und ein Publikum, das an neue Unterhaltungsformen gewöhnt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen Bühne und Leinwand, zwischen einheimischer Tradition und globalem Handel entsteht in den 1910er Jahren eine fragile Industrie. Sie besitzt noch keine stabile Struktur, doch sie verfügt bereits über alle Elemente, die in den folgenden Jahrzehnten ausgebaut werden: Produktionsfirmen, Presseöffentlichkeit, Starverehrung und moralische Debatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Ende der 1910er Jahre ist das Kino in China keine Jahrmarktsattraktion mehr. Es ist ein städtisches Massenmedium geworden. In Shanghai formiert sich nun eine Branche, die in den 1920er und 1930er Jahren ihre erste große Blüte erleben wird.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zhang, Y. (2004): <a href="https://amzn.to/4supTZU"><em>Chinese National Cinema</em>.</a>* Überblick über die Entwicklung des chinesischen Films von den Anfängen bis zur Gegenwart.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Berry, C. und Farquhar, M. (2006): <em><a href="https://amzn.to/3PT8eMQ">China on Screen. Cinema and Nation</a></em>.* Analyse des Verhältnisses von Film, Öffentlichkeit und Nation in China.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Yan Ruisheng, 1921.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Bilder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die Entstehung der Peking-Oper</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/die-entstehung-der-peking-oper/">Die Entstehung der Peking-Oper</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 25. September 1790 herrschte in den Straßen Pekings eine außergewöhnliche Unruhe. Zum achtzigsten Geburtstag des <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/qianlong-der-beginn-einer-langen-herrschaft/">Qianlong-Kaisers</a> waren die besten Künstler des Reiches geladen, um das Jubiläum des Herrschers zu Ehren der Qing-Dynastie zu feiern. Unter den Gästen befand sich die Sanqing-Truppe aus der Provinz Anhui. Ihr Auftritt markierte den Wendepunkt der chinesischen Theatergeschichte: Die Musiker und Schauspieler präsentierten den Erhuang-Stil, eine klanggewaltige Form des Regionaltheaters, die das bis dahin dominierende, eher aristokratisch-elegante Kunqu-Theater rasch in den Schatten stellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dieser Begegnung zwischen den Truppen aus Anhui, späteren Einflüssen aus Hubei und dem lokalen Dialekt der Hauptstadt entwickelte sich über fünf Jahrzehnte hinweg das, was wir heute als Peking-Oper kennen. Es war eine Mischung aus Akrobatik, Tanz und einem höchst kodifizierten Gesang, die schließlich um 1845 seine vollendete Form fand.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Sprache der Farben und Masken</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_2-300x300.jpg" alt="" class="wp-image-7120" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_2-300x300.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_2-150x150.jpg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_2-768x768.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_2.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schauspieler, 1981</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">In der Peking-Oper ist nichts dem Zufall überlassen. Ein Zuschauer des 19. Jahrhunderts benötigte kein Programmheft, um die Gesinnung einer Figur zu verstehen; ein Blick auf das Gesicht genügte. Die Akteure nutzen die Technik des Jing, der bemalten Gesichter, um Charakterzüge unmissverständlich zu visualisieren. Erscheint ein General mit tiefroter Maske auf der Bühne, weiß das Publikum sofort: Hier handelt es sich um eine loyale, aufrechte Persönlichkeit, wie den legendären Kriegsgott Guan Gong. Ein weiß geschminktes Gesicht hingegen warnt vor Arglist und Machtgier – ein klassisches Merkmal für den historischen Staatsmann Cao Cao. Diese visuelle Semiotik ermöglichte es, komplexe historische Stoffe auch einem Publikum nahezubringen, das der klassischen Schriftsprache nicht mächtig war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die vier Säulen der Darstellung</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_Opera_1-300x300.jpg" alt="" class="wp-image-7122" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_Opera_1-300x300.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_Opera_1-150x150.jpg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_Opera_1-768x768.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_Opera_1.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schauspieler, 1981</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Ausbildung der Künstler folgt bis heute dem Prinzip der Vier Fertigkeiten (Si Gong). Diese bilden das Fundament jeder Performance und werden oft über ein Jahrzehnt lang trainiert. Der Gesang (Chang) stellt dabei die emotionale Basis dar, wobei oft extrem hohe Tonlagen erreicht werden, um die Akustik der historischen Freiluftbühnen zu füllen. Das Rezitativ (Nian) ist ein stilisierter Sprechgesang, der die Handlung vorantreibt, während die Darstellung (Zuo) durch eine präzise Mimik und Körpersprache jede innere Regung der Figur verdeutlicht. Den spektakulären Abschluss bildet der Kampf (Da), der aus hochgradig choreografierter Akrobatik und kunstvollen Waffengängen besteht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Minimalismus auf der Bühne</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_3-300x300.jpg" alt="" class="wp-image-7123" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_3-300x300.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_3-150x150.jpg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_3-768x768.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_3.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schauspieler, 1981</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Während das westliche Theater des 19. Jahrhunderts opulente Kulissen errichtete, setzte die Peking-Oper konsequent auf die Vorstellungskraft. Die Bühne war traditionell ein quadratisches Podest, fast leer, bis auf einen Tisch und zwei Stühle. Ein Schauspieler, der mit einer Peitsche in der Hand rhythmisch über die Bühne schreitet, reitet für das Publikum ein Pferd. Zwei Flaggen, auf denen Räder gemalt sind, flankieren einen Akteur und verwandeln ihn in den Passagier eines Wagens. Diese Abstraktion dient nicht der Sparsamkeit, sondern der Ästhetik: Die Bewegung des menschlichen Körpers soll im Zentrum stehen, nicht der tote Gegenstand. Jeder Schritt und jede Handbewegung folgt einer kreisförmigen Logik, um scharfe Winkel zu vermeiden und eine fließende Schönheit zu erzeugen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Tradition und Revolution</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_4-300x300.jpg" alt="" class="wp-image-7121" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_4-300x300.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_4-150x150.jpg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_4-768x768.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/Peking_opera_4.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schauspielerin, 1981</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der Peking-Oper im 20. Jahrhundert spiegelt die Zerrissenheit Chinas wider. Unter der Schirmherrschaft der Kaiserinwitwe Cixi war sie noch das unangefochtene kulturelle Zentrum des Hofes. Mit dem Ende des Kaiserreiches 1912 begannen Reformen: Frauen, denen der Auftritt zuvor streng untersagt war, eroberten sich allmählich die Bühne, die zuvor von männlichen Darstellern in Frauenrollen (Dan) dominiert worden war. Einer der bedeutendsten Akteure dieser Ära war Mei Lanfang. In den 1930er Jahren reiste er in die USA und die Sowjetunion, wo er unter anderem Bertolt Brecht tief beeindruckte. Mei Lanfangs subtile Darstellung weiblicher Charaktere definierte die Ästhetik der Oper neu und machte sie weltweit bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch mit der Kulturrevolution (1966–1976) geriet die traditionelle Kunstform in existenzielle Not. Unter Jiang Qing, der Ehefrau Mao Zedongs, wurden die klassischen Stoffe über Kaiser, Gelehrte und Konkubinen als feudalistisch gebrandmarkt. An ihre Stelle traten die acht Modell-Opern (Yangbanxi), die kommunistische Heldenepen mit den Mitteln der Peking-Oper erzählten – nun ergänzt um Klaviere und westliche Orchesterklänge.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Erbe vor neuen Herausforderungen</h3>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="296" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/pekingoper_2-300x296.jpg" alt="" class="wp-image-7119" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/pekingoper_2-300x296.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/pekingoper_2-1024x1010.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/pekingoper_2-768x757.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/pekingoper_2-1536x1515.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/pekingoper_2-2048x2020.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/03/pekingoper_2-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pekingoper in Shanghai, 2014</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Nach 1976 kehrten die alten Stücke zurück, doch die Welt hatte sich verändert. Das moderne Peking bietet Konkurrenz durch Film, Popmusik und digitale Medien. Die langen, oft mehrere Stunden dauernden Aufführungen kämpfen um ein jüngeres Publikum. Heute reagieren die Ensembles in Peking, Shanghai und Taiwan mit einer Doppelstrategie: Einerseits wird die Tradition als UNESCO-Weltkulturerbe streng gepflegt, andererseits experimentieren Regisseure mit modernen Lichteffekten, gekürzten Fassungen und sogar Adaptionen von Shakespeare-Dramen. Die Frage bleibt, wie viel Modernisierung das Genre verträgt, ohne seinen Kern – die suggestive Kraft der Abstraktion – zu verlieren. Ob die Peking-Oper als lebendiges Theater oder als museales Denkmal überlebt, wird sich in den nächsten Jahrzehnten an den Kassen der großen Theaterhäuser entscheiden.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<p class="wp-block-paragraph">Wen Zhang (2020): <a href="https://amzn.to/4rZ6E9A">Peking-Oper &#8211; Belcanto auf Chinesisch: Einführung der Ausbildungsmethodik</a>.*</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chengbei Xu (2012): <a href="https://amzn.to/3POrqvg">Peking Opera: Introductions to Chinese Culture.</a>*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Pekingoper, 二进宫, Wikimedia Commons, Augustokremo. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pekingoper Shanghai: Wikimedia Commons, 陈文. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schauspieler von 1981 (3 Bilder): Hans Bernhard (Schnobby). Wikimedia Commons. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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