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	<title>Menschenrechte Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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	<title>Menschenrechte Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Asiatische Werte oder universelle Rechte? – Eine Debatte in den 1990ern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Politische Herkunft einer Kulturthese In den 1990er Jahren etablierten mehrere asiatische Staatsführer eine These, die rasch internationale Aufmerksamkeit erhielt: Die Menschenrechte, wie sie in westlichen Demokratien verstanden werden, seien nicht &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/asiatische-werte-oder-universelle-rechte-eine-debatte-in-den-1990ern/">Asiatische Werte oder universelle Rechte? – Eine Debatte in den 1990ern</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Politische Herkunft einer Kulturthese</h2>



<p>In den 1990er Jahren etablierten mehrere asiatische Staatsführer eine These, die rasch internationale Aufmerksamkeit erhielt: Die Menschenrechte, wie sie in westlichen Demokratien verstanden werden, seien nicht ohne Weiteres auf Asien übertragbar. Singapurs Premier Lee Kuan Yew und Malaysias Langzeit-Regierungschef Mahathir Mohamad sprachen von einem eigenen System „asiatischer Werte“. Es sei stärker auf Ordnung, Disziplin, kollektive Verantwortung und Respekt vor Autorität ausgerichtet – im Gegensatz zur westlichen Betonung individueller Freiheit und persönlicher Autonomie.</p>



<p>Diese Position diente einer doppelten Funktion: Sie war Reaktion auf internationale Menschenrechtskritik und zugleich Ausdruck eines neuen politischen Selbstbewusstseins. Der wirtschaftliche Aufstieg Ost- und Südostasiens schien ein Gegenmodell zum westlichen Liberalismus zu legitimieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Amartya Sen: Kultur als Argument, nicht als Erklärung</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="212" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Amartya_Sen_2012-212x300.jpg" alt="" class="wp-image-5770" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Amartya_Sen_2012-212x300.jpg 212w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Amartya_Sen_2012.jpg 500w" sizes="(max-width: 212px) 100vw, 212px" /><figcaption class="wp-element-caption">Amartya Sen, 2012</figcaption></figure>
</div>


<p>Der indische Nobelpreisträger Amartya Sen kritisierte diese Rhetorik entschieden. In seinem vielzitierten Essay <em>„Human Rights and Asian Values“</em> (1997) entlarvte er den Rückgriff auf vermeintlich „asiatische“ Traditionen als politisches Instrument. „Das Konzept asiatischer Werte ist weder ein analytischer noch ein historischer Begriff“, schrieb Sen, „es ist ein politischer Konstruktionsversuch, um unliebsame Normen abzuwehren.“</p>



<p>Sen verweist darauf, dass Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit keine westlichen Erfindungen seien. Die indische Antike, chinesische Philosophie und islamische Rechtskultur enthielten seit Jahrhunderten Konzepte individueller Würde und moralischer Autonomie. Konfuzianismus etwa betone zwar die Rolle der Gemeinschaft, aber auch die Verpflichtung der Herrschenden zur Tugend. Autoritäre Regierungen, so Sen, dürften sich nicht auf kulturelle Wurzeln berufen, die sie in ihrer Praxis selbst verletzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine Einheit: Der Mythos vom „asiatischen Konsens“</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/杜維明_Weiming_Tu-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-5773" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/杜維明_Weiming_Tu-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/杜維明_Weiming_Tu.jpg 284w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tu Weiming, 2025</figcaption></figure>
</div>


<p>Sen kritisiert zudem, dass die asiatischen Werte suggerieren, es gebe eine homogene asiatische Kultur. Das sei empirisch nicht haltbar. Die kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt Asiens sei immens. Wie könne es da einheitliche Werte geben?</p>



<p>Zudem sei der Widerstand gegen autoritäre Regierungen keineswegs nur westlich motiviert. Demokratiebewegungen in Südkorea, auf den Philippinen, in Indonesien oder in Myanmar beriefen sich explizit auf nationale Traditionen, nicht auf importierte Ideale. Viele asiatische Intellektuelle, darunter auch liberale Konfuzianer wie Tu Weiming, widersprachen der These, individuelle Rechte seien kulturell „unasiatisch“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Menschenrechte sind nicht identisch mit westlichen Praktiken</h2>



<p>Ein weiterer Kernpunkt in Sens Argumentation ist die Unterscheidung zwischen Menschenrechten als moralischer Idee und den konkreten Ausformungen westlicher Staaten. Dass liberale Demokratien eigene Probleme mit Rassismus, Ungleichheit und Polizeigewalt haben, sei unbestreitbar – doch das diskreditiere nicht den Anspruch auf universelle Rechte. Im Gegenteil: Gerade weil kein Land vollkommen sei, müsse der Anspruch auf Würde und Freiheit global verankert werden.</p>



<p>Sen argumentiert für einen „dialogischen Universalismus“: Die Grundidee der Menschenrechte sei nicht westlich, sondern weltweit anschlussfähig – gerade weil sie auf eine minimal gemeinsame Ethik abziele, nicht auf ein vollständiges Wertesystem.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Debatte als Spiegel der Machtverhältnisse</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Mahathir_Mohamad_at_the_Prime_Ministers_Office_on_17_March_1995-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-5772" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Mahathir_Mohamad_at_the_Prime_Ministers_Office_on_17_March_1995-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Mahathir_Mohamad_at_the_Prime_Ministers_Office_on_17_March_1995.jpg 341w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mahathir, 1995</figcaption></figure>
</div>


<p>Die Rhetorik der asiatischen Werte sollte deshalb nicht romantisiert werden. Sie entstand nicht aus kulturphilosophischer Reflexion, sondern als politische Reaktion auf Druck. Mahathir Mohamad etwa äußerte sich zur Pressefreiheit nur dann zustimmend, wenn sie mit nationaler Stabilität vereinbar sei. Lee Kuan Yew rechtfertigte umfassende staatliche Kontrolle mit dem Argument, dass Asien „nicht bereit“ für westliche Freiheiten sei – eine Behauptung, die auch Kolonialherren einst nutzten.</p>



<p>Sen sieht darin eine „paternalistische Umkehr“: Die politische Führung spricht im Namen kultureller Werte, um ihre eigene Autorität zu festigen. Dabei wird die Gesellschaft auf ein homogenes Wesen reduziert – und ihre internen Konflikte ignoriert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Für einen echten kulturellen Dialog</h2>



<p>Die Debatte um asiatische Werte hat wichtige Fragen aufgeworfen: Wie universell sind Menschenrechte? Wie viel kulturelle Eigenheit ist zulässig? Wie kann man koloniale Dominanz überwinden, ohne moralischen Relativismus zu fördern?</p>



<p>Amartya Sen bietet darauf eine klare Antwort: Kulturelle Unterschiede dürfen nicht zum Vorwand werden, um grundlegende Freiheiten auszuhebeln. Menschenrechte entstehen nicht aus einem westlichen Monopol, sondern aus geteilten moralischen Erfahrungen – auch in Asien. Der Weg zu ihrer Umsetzung mag verschieden sein. Doch ihr Anspruch gilt überall.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mehr erfahren</strong></h3>



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<ul class="wp-block-list">
<li>Christian Neuhäuser (2025) &#8211; <a href="https://www.amazon.de/Amartya-Sen-Einf%C3%BChrung-Christian-Neuh%C3%A4user/dp/3885060760?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=TDGIR90EL1RS&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.M9h4QMz5rBWdpcRSRkpaOd_cnHT7ipmKZhbSlb5iSM3QUOar9-Kx4jmDVRe0mVHO8OLAfKX_U15bjilsfsIeyVhimwE0W1tpjvoBgm2OXQl27w9b0IQUbGofJz9eLR6aBhYJmDrbXTMc1muxkxaC79akLLZC8Glvw7cC9L9cjc6Ve927NheuTgjI8IoIKAd3ZXt1Xqea3vOwmsRfIWXNEwe3OLJVUK4sLP3erTxOnh8.T1Tz_vFBfFdPEjsxTik56bRcVEYJYRcm9LIhsvNO26o&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sen+Values+amartya&amp;qid=1765898341&amp;sprefix=sen+values+amartya%2Caps%2C85&amp;sr=8-3&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=2181dcd7e79807a1b9ef256a8cf57209&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Amartya Sen zur Einführung</a> *</li>



<li>Tu Weiming (1997): <em><a href="https://www.amazon.de/Confucianism-Human-Rights-William-Theodore/dp/0231109369?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2SBRF49CNIEC9&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.BYOAVKcL6_0qHz5S6JuAVqM1KHzOByQJERPyoGg_p7k1cv-K6Vu9so5gpr3CiQ0J4wuv_NSiNrHhUr0w0sJhqAeDh1ra-6TlgSsrQkdSKjesOx97xF2V1eHKmJjLTLmd1BEP5rhBgsR10_zctYoUshK0gc0fq-2TSpHIofrZ0B4wsqFzSnwL97EeBK-f9HY0F6OySYO08-YJJSHK3rGvprvLthgpuDcBCzHF5FWS9eU.eWchntihGeivdg_BZNQxG8Kfj9hpi_N4SBhlhUY2SsI&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Confucianism+and+Human+Rights&amp;qid=1765898483&amp;sprefix=confucianism+and+human+rights%2Caps%2C73&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=6e201aa176fb0cc02d579de5179f0225&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Confucianism and Human Rights</a></em> – differenzierte Vermittlung zwischen Ost und West *</li>



<li>Amartya Sen (1997) &#8211; <a href="https://media-1.carnegiecouncil.org/cceia/254_sen.pdf">Human Rights and Asian Values &#8211; frei online zugänglich</a></li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Lee Kuan Yew trifft den amerikanischen Verteidigungsminister Cohen, 2000.</p>



<p>Sen: Wikimedia Commons, Fronteiras do Pensamento.</p>



<p>Mahathir: Wikimedia Commons, XTLOH.</p>



<p>Alles Weitere gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/asiatische-werte-oder-universelle-rechte-eine-debatte-in-den-1990ern/">Asiatische Werte oder universelle Rechte? – Eine Debatte in den 1990ern</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Mehr als westlich – Chinas Anteil an der Erklärung der Menschenrechte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Dec 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[China]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine globale Idee mit chinesischer Handschrift Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR), verabschiedet am 10. Dezember 1948 in Paris, gilt vielen als ein Produkt westlicher Werte. Doch diese Sicht greift &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/mehr-als-westlich-chinas-anteil-an-der-erklaerung-der-menschenrechte/">Mehr als westlich – Chinas Anteil an der Erklärung der Menschenrechte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Chang_Menschenrechte-1.mp3"></audio></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Eine globale Idee mit chinesischer Handschrift</h2>



<p>Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR), verabschiedet am 10. Dezember 1948 in Paris, gilt vielen als ein Produkt westlicher Werte. Doch diese Sicht greift zu kurz. Unter den 18 Mitgliedern der Kommission zur Ausarbeitung des Dokuments befand sich auch ein chinesischer Delegierter, der entscheidenden Einfluss auf Sprache und Struktur der Erklärung nahm: Peng Chun Chang.</p>



<p>Chang war Diplomat und ein erfahrener Philosoph, der sich intensiv mit westlicher und chinesischer Ethik beschäftigt hatte. Er verstand sich als Mittler zwischen Kulturen und trug wesentlich dazu bei, dass die Menschenrechtserklärung nicht als europäisches Projekt, sondern als Ausdruck universeller Prinzipien formuliert wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Chinas Stimme im Menschenrechtskomitee</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="184" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/张彭春-184x300.jpg" alt="" class="wp-image-5752" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/张彭春-184x300.jpg 184w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/张彭春.jpg 411w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /><figcaption class="wp-element-caption">P. C. Chang (1892-1957)</figcaption></figure>
</div>


<p>Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen wurde im Jahr 1946 gegründet, zwei Jahre vor der formellen Verabschiedung der Erklärung. Neben Eleanor Roosevelt (USA) und Charles Malik (Libanon) gehörte P. C. Chang zu den prägenden Persönlichkeiten in diesem Gremium. Seine Rolle war nicht auf die Vertretung chinesischer Interessen beschränkt. Vielmehr versuchte Chang, einen interkulturellen Konsens zu formen. Dabei brachte er die chinesische Geistesgeschichte als Referenzrahmen in die Verhandlungen ein.</p>



<p>Chang verwies häufig auf Konfuzianismus, Taoismus und die klassische chinesische Literatur, um westlich geprägten Begriffen Alternativen oder Ergänzungen entgegenzusetzen. Besonders wichtig war ihm die Vorstellung von Harmonie, Mitmenschlichkeit (chin. 仁，rén) und sozialer Verantwortung, wie sie in den Analekten des Konfuzius zum Ausdruck kommt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Universelle Werte in vielen Sprachen</h3>



<p>Ein zentraler Streitpunkt während der Ausarbeitung betraf die Sprache der Erklärung. Viele westliche Vertreter wollten auf das „Naturrecht&#8220; Bezug nehmen, also auf eine christlich-abendländische Vorstellung angeborener Rechte. Chang widersprach: Die Berufung auf das Naturrecht sei nicht für alle Traditionen zugänglich. Stattdessen forderte er eine Sprache, die alle einschließt. Sein Vorschlag: Die Erklärung solle sich auf „die Würde des Menschen&#8220; und auf „Vernunft und Gewissen&#8220; stützen – Begriffe, die auch im Islam, im Konfuzianismus und im Buddhismus verständlich sind.</p>



<p>Seine Interventionen hatten Wirkung. Der endgültige Text der Erklärung vermeidet explizit religiöse oder kulturelle Festlegungen. Stattdessen betont er die gemeinsame Menschlichkeit als Grundlage der Rechte. Die berühmte Formulierung der Präambel – „alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren&#8220; – ist ein Ergebnis dieses interkulturellen Austauschs.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Volksrepublik und der Bruch mit der AEMR</h3>



<p>Doch die Hoffnung auf einen dauerhaften chinesischen Beitrag sollte sich nicht erfüllen. Ironischerweise war es nicht die heutige Volksrepublik China, sondern die Republik China (Taiwan), die 1948 als offizieller Vertreter Chinas an der UN teilnahm. Die Volksrepublik, gegründet 1949, übernahm den Sitz in der UN erst 1971. In den Jahrzehnten dazwischen wandte sich das neue China unter Mao Zedong vom Konzept individueller Menschenrechte ab. Stattdessen trat eine revolutionäre Rhetorik in den Vordergrund, die Klassenkampf und Kollektivwohl über individuelle Freiheiten stellte.</p>



<p>In der offiziellen chinesischen Haltung blieb die AEMR lange außen vor. Erst mit den Reformen unter Deng Xiaoping rückten Menschenrechte als Thema der Außenpolitik wieder in den Fokus. Heute betont die Volksrepublik häufig die Eigenständigkeit asiatischer Traditionen und spricht von Rechten mit eigener Prägung. Das schließt individuelle Freiheiten weitgehend aus und betont stattdessen wirtschaftliche Entwicklung und soziale Stabilität.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bezugnahme auf Chang – ohne seine Ideen?</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="133" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/P.C._Changs_Statue-133x300.png" alt="" class="wp-image-5753" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/P.C._Changs_Statue-133x300.png 133w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/P.C._Changs_Statue.png 336w" sizes="auto, (max-width: 133px) 100vw, 133px" /><figcaption class="wp-element-caption">Chang-Statue an der Nankai-Universität</figcaption></figure>
</div>


<p>Gleichzeitig wird in chinesischen Publikationen regelmäßig auf die Rolle Changs verwiesen. Sein Beitrag wird als Beleg dafür genutzt, dass China an der Entstehung der AEMR beteiligt war und deshalb kein außenstehender Kritiker sei. Doch inhaltlich bleibt dieser Verweis selektiv. Chang verteidigte die Idee universeller Menschenrechte, nicht kulturell relativer. Er forderte eine konsensorientierte Sprache, aber keine Einschränkung von Freiheitsrechten.</p>



<p>Der Rekurs auf Chang dient in der Gegenwart oft der politischen Selbstdarstellung, nicht der Wiederaufnahme seines Denkens. Dabei wäre genau das notwendig. Chang glaubte an einen Dialog der Kulturen, an gegenseitigen Respekt und an moralische Überzeugungskraft jenseits staatlicher Machtansprüche. Seine Sicht bleibt bis heute aktuell – und bietet eine Brücke zwischen Weltregionen, die sich im Diskurs um Menschenrechte oft unvereinbar gegenüberstehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h3>



<p>Die AEMR ist kein statisches Dokument. Ihre Interpretation hängt von politischen Bedingungen, zivilisatorischen Erfahrungen und historischen Lernprozessen ab. Doch ihr Anspruch ist geblieben: Rechte gelten für alle Menschen, nicht nur für Bürger einzelner Staaten. Der Beitrag Chinas – über die Person von P. C. Chang – zeigt, dass diese Idee nicht allein aus Europa stammt. Sie ist Ergebnis eines globalen Gesprächs, das weitergeführt werden muss.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mehr erfahren</strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Hans Ingvar Roth (2023): <em><a href="https://www.amazon.de/Universal-Declaration-Rights-Pennsylvania-Studies/dp/1512825549?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=31SY1NZ7BQRB6&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.ZOM2b9WFekrnNXlGfAxW6JtYfEqE-8MIYtdSGoUG3O4jZ7RYC6Xd1LhAtv2Au-SV4NkDwFi1d2XOSqpDm9TbzUc3dn9_Z1kdWig9a0ZWaI_39vyJ20d2sNZYT8GJoLPrYkSJMnbs7uZKaRhEkUNtEs5xEBHoX46DYZE-2206jz33-gf93uMcSONlqJaP2WKIvo9WqNbXFzWa2E7r4aIXR-yXWsTTku7wJmZm7JLX6WI.HGeKpuBRMlY3QXC-fJ_WU2Qz7kAQrEL2iaAni_vV3qY&amp;dib_tag=se&amp;keywords=P.+C.+Chang+and+the+Universal+Declaration+of+Human+Rights&amp;qid=1765703762&amp;sprefix=p.+c.+chang+and+the+universal+declaration+of+human+rights%2Caps%2C101&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=38c301abb9630efd2fad17871d427f3d&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">P. C. Chang and the Universal Declaration of Human Rights</a></em> *</li>



<li>Pinghua Sun (2022): <a href="https://www.amazon.de/Chinese-Contributions-International-Discourse-English-ebook/dp/B0DFF4WJX7?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=3IXPVUB8VOHB8&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.L3oJJbW5PlakZvVLR26ZnWrNErpIs8Dem_SmBTbjQ9vL--BbnQF1nt24lJ1XOTy3Ru1vG9vnslq0ABsfAe1z8YjvcagYBB-9trtfFx8sqS8.Av0YouDjcKpoTKDUeD-t9DbWuBLX1fnG4Shp7UXcz10&amp;dib_tag=se&amp;keywords=pinghua+sun&amp;qid=1765703748&amp;sprefix=pinghua+sun%2Caps%2C108&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=8edd47cf581a8bf1b2cbf75536d73031&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Chinese Contributions to International Discourse of Human Rights</a> *</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Eleanor Roosevelt mit der Erklärung der Menschenrechte, 1948. Wikimedia Commons, FDR Presidential Library &amp; Museum.</p>



<p>Statue: Wikimedia Commons, Arnold Vancouver.</p>



<p>Alles weitere gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/mehr-als-westlich-chinas-anteil-an-der-erklaerung-der-menschenrechte/">Mehr als westlich – Chinas Anteil an der Erklärung der Menschenrechte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<item>
		<title>Geschichte der Rohingya – Zwischen Migration, Identität und Konflikt</title>
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					<comments>https://www.imperien-und-inseln.de/myanmar/geschichte-der-rohingya-zwischen-migration-identitaet-und-konflikt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Oct 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
		<category><![CDATA[15. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[21. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Arakan]]></category>
		<category><![CDATA[Burma]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnische Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Festland Südostasien]]></category>
		<category><![CDATA[Fluchtbewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Herkunft und frühe Geschichte Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit, die vor allem im Rakhine-Staat im Westen von Myanmar (ehemals Birma) lebt. Ihre Herkunft ist umstritten und komplex. Historische Quellen &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/myanmar/geschichte-der-rohingya-zwischen-migration-identitaet-und-konflikt/">Geschichte der Rohingya – Zwischen Migration, Identität und Konflikt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Herkunft und frühe Geschichte</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="143" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-143x300.png" alt="" class="wp-image-5000" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-143x300.png 143w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-488x1024.png 488w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-768x1613.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_-731x1536.png 731w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Rakhine_State_in_Myanmar.svg_.png 762w" sizes="auto, (max-width: 143px) 100vw, 143px" /></figure>
</div>


<p>Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit, die vor allem im Rakhine-Staat im Westen von Myanmar (ehemals Birma) lebt. Ihre Herkunft ist umstritten und komplex. Historische Quellen deuten darauf hin, dass muslimische Gemeinschaften seit dem Mittelalter in der Region präsent sind. Einige stammen von Handelsreisenden, Siedlern oder Arbeitsmigranten aus Bengalen und anderen Teilen Südasiens ab.</p>



<p>Im 15. Jahrhundert gehörte der Küstenraum von Rakhine zum Königreich Arakan, das lange Zeit politisch und kulturell unabhängig war und enge Verbindungen zur bengalischen Kultur pflegte. Die muslimischen Bewohner – Vorläufer der heutigen Rohingya – waren in diesem multiethnischen Reich integriert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kolonialzeit und Bevölkerungsbewegungen</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="199" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akyab_mosque_2-300x199.jpg" alt="" class="wp-image-5001" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akyab_mosque_2-300x199.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Akyab_mosque_2.jpg 663w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Moschee in Akyab zu Zeiten des kolonialen Birmas</figcaption></figure>
</div>


<p>Unter britischer Kolonialherrschaft (1824–1948) wurde die Region Teil Britisch-Indiens und später von Britisch-Birma verwaltet. Während dieser Zeit kam es zu verstärkter Migration muslimischer Arbeitskräfte aus Bengal nach Arakan, was die Bevölkerungszusammensetzung veränderte.</p>



<p>Die Kolonialadministration verfolgte oft eine „Divide-and-Rule“-Politik, die ethnische und religiöse Gruppen gegeneinander ausspielte. Diese Zeit legte wichtige Grundlagen für spätere Spannungen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nach der Unabhängigkeit und ethnische Konflikte</h4>



<p>Nach der Unabhängigkeit Myanmars 1948 verschärften sich Konflikte um ethnische Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft. Die Rohingya wurden von der Mehrheitsbevölkerung nicht als einheimisch anerkannt. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren kam es zu Gewalt und Vertreibungen.</p>



<p>1982 führte Myanmar ein Staatsbürgerschaftsgesetz ein, das die Rohingya faktisch zu staatenlosen Menschen machte. Sie wurden als „Bengali“ bezeichnet und ihr Recht auf politische Partizipation stark eingeschränkt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-4999" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017-1024x576.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017-300x169.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017-768x432.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Aerial_view_of_a_burned_Rohingya_village_in_Rakhine_state_Myanmar_-_September_2017.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zerstörtes Dorf, 2017</figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading">Gewalt und Flüchtlingskrisen</h4>



<p>In den letzten Jahrzehnten kam es wiederholt zu schweren Gewaltwellen gegen die Rohingya, insbesondere 2012 und 2017. Diese führten zu massiven Fluchtbewegungen in Nachbarländer wie Bangladesch.</p>



<p>Internationale Organisationen sprechen von systematischer Diskriminierung, Menschenrechtsverletzungen und ethnischer Säuberung. Die Rohingya zählen heute zu den am stärksten verfolgten Minderheiten weltweit.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="566" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/ECDM_20220825_Myanmar_Bangladesh_Rohingya.pdf.jpg" alt="" class="wp-image-4998" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/ECDM_20220825_Myanmar_Bangladesh_Rohingya.pdf.jpg 800w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/ECDM_20220825_Myanmar_Bangladesh_Rohingya.pdf-300x212.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/ECDM_20220825_Myanmar_Bangladesh_Rohingya.pdf-768x543.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></figure>
</div>


<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Manzoor Hasan, Syed Mansoob Murshed (2022): <a href="https://www.amazon.de/Rohingya-Crisis-Humanitarian-Approaches-Routledge/dp/103230393X?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.jUjv5Gb_bFpdLAW_VpYGDbWdQG8F2QbGlvSYaDEtnJBLQIZu6Uy23uwI9K9df-iPTBU2eFJRl_dEK9rFVGhtvdaUQel2pPw5V3JjzOmkG9fnwgl4cFIgndI-hi3Wq2SjB90lOBPcHmVbbatDwgyyofpwG2Tyo3OcasSHn2i082DxYdSHvPz-JSEZey3lOrHk-rpJNpNxDjs1ZzzAmbj7wC9iUuKZyQYjEttzhcnk_Gc.OcPy7l1d_88GSuyjXgdqK25JGavyiFGTKXqPQE9rhp0&amp;qid=1758698149&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=d8de73960294eb21a170378a08014d99&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl"><em>The Rohingya Crisis</em>. Humanitarian and Legal Approaches</a>.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Alle Bilder gemeinfrei.</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Gründung der Vereinten Nationen</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/vereinte-nationen/die-gruendung-der-vereinten-nationen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jul 2025 12:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[Weltweit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatiegeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Entkolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Generalversammlung]]></category>
		<category><![CDATA[Großmächte]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Organisationen]]></category>
		<category><![CDATA[Kalifornien]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektive Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Multilateralismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[San Francisco]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinigte Staaten]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerbund]]></category>
		<category><![CDATA[Weltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 war eine Reaktion auf zwei historische Erfahrungen. Zum einen stand sie im Zeichen des Zweiten Weltkriegs, dessen Zerstörungskraft und weltweite Ausweitung eine &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/vereinte-nationen/die-gruendung-der-vereinten-nationen/">Die Gründung der Vereinten Nationen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Gruendung_Vereinte_Nationen.mp3"></audio></figure>



<p>Die Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 war eine Reaktion auf zwei historische Erfahrungen. Zum einen stand sie im Zeichen des Zweiten Weltkriegs, dessen Zerstörungskraft und weltweite Ausweitung eine neue Form der internationalen Zusammenarbeit erforderlich machte. Zum anderen nahm sie das Scheitern des Völkerbundes ernst, der nach dem Ersten Weltkrieg gegründet worden war, aber in zentralen Konflikten kaum handlungsfähig blieb. Die Vereinten Nationen sollten mehr sein als ein diplomatisches Gesprächsforum. Sie sollten Sicherheit gewährleisten, Entwicklung fördern und als Ort internationaler Verständigung wirken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Völkerbund als warnende Erfahrung</h3>



<p>Der Völkerbund war nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Ziel gegründet worden, Frieden durch kollektive Sicherheit herzustellen. Doch wichtige Nationen wie die Vereinigten Staaten blieben außen vor. In den dreißiger Jahren erwies sich der Bund als machtlos gegenüber der aggressiven Außenpolitik Japans, Italiens und Deutschlands. Sanktionen wurden kaum verhängt, militärisches Eingreifen vermieden. Diese Schwächen prägten die Überlegungen bei der Planung der neuen Organisation. Sie sollte stärker ausgestattet und weltweit verankert sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Konferenz von San Francisco</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="231" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Chiang_Kai-shek_ratified_the_Charter_of_the_United_Nations_19450824-300x231.jpg" alt="" class="wp-image-3939" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Chiang_Kai-shek_ratified_the_Charter_of_the_United_Nations_19450824-300x231.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Chiang_Kai-shek_ratified_the_Charter_of_the_United_Nations_19450824-768x592.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Chiang_Kai-shek_ratified_the_Charter_of_the_United_Nations_19450824.jpg 779w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Chiang Kai-shek unterschreibt den Vertrag</figcaption></figure>
</div>


<p>Im Jahr 1944 hatten die Vereinigten Staaten, Großbritannien, die Sowjetunion und China in Dumbarton Oaks ein erstes Konzept für eine neue Organisation entworfen. Im Frühjahr 1945 trafen sich dann Delegierte aus 50 Staaten in San Francisco. Am 26. Juni 1945 unterzeichneten sie die Charta der Vereinten Nationen. Diese trat am 24. Oktober in Kraft. Sie formulierte vier zentrale Ziele: die Wahrung des Friedens, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Staaten, die Förderung von Zusammenarbeit bei wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fragen sowie die Achtung der Menschenrechte.</p>



<p>Die Charta sah sechs Hauptorgane vor. Besonders bedeutsam war der Sicherheitsrat, der bei Bedrohungen des Friedens handeln sollte. Fünf Staaten erhielten einen ständigen Sitz: die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und China. Diese verfügten über ein Vetorecht, das es ihnen erlaubte, bindende Beschlüsse zu verhindern. Dieses Instrument war politisch umstritten, wurde aber als notwendig angesehen, um die Großmächte an die Organisation zu binden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eine universelle Idee mit begrenztem Geltungsbereich</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="247" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/logo-1-300x247.jpg" alt="" class="wp-image-3940" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/logo-1-300x247.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/logo-1.bmp 591w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Im Jahr 1945 waren 51 Staaten Mitglied der Vereinten Nationen. Der Großteil Afrikas und Asiens war nicht vertreten, da viele Länder noch unter kolonialer Verwaltung standen. Die Organisation beanspruchte dennoch, für alle Völker zu sprechen. Dieser Widerspruch blieb zunächst bestehen. Erst mit der Entkolonialisierung in den folgenden Jahrzehnten weitete sich die Mitgliedschaft deutlich aus. Die Generalversammlung wurde dadurch pluraler und entwickelte sich zunehmend zu einem politischen Forum auch für kleinere und neue Staaten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h3>



<p>Schon in den ersten Jahren zeigte sich, dass die Vereinten Nationen ein Ort politischer Aushandlung waren, kein Instrument neutraler Weltsteuerung. Der beginnende Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beeinflusste die Arbeit des Sicherheitsrats erheblich. Viele Resolutionen scheiterten am Einspruch der ständigen Mitglieder. Gleichwohl etablierte sich die Organisation als ständige Einrichtung internationaler Politik. Sie überstand die Blockkonfrontation und bewahrte einen institutionellen Rahmen für Dialog und Koordination.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die frühe Bilanz</h3>



<p>Die Gründung der Vereinten Nationen war ein politischer Kompromiss zwischen Machtansprüchen und Ordnungsideen. Die Charta formulierte einen normativen Rahmen, der auf Verständigung und Zusammenarbeit setzte, aber institutionell keine Zwangsgewalt kannte. Die Organisation hatte keine eigenen Streitkräfte, keine direkten Eingriffsrechte in die Innenpolitik der Mitgliedstaaten und nur eingeschränkte finanzielle Mittel. Dennoch war sie ein Ausdruck des Willens zur Stabilisierung der Weltpolitik und schuf eine dauerhafte Struktur, die auch spätere Krisen überdauerte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="363" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/ONU-UN_1945-1024x363.png" alt="" class="wp-image-3938" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/ONU-UN_1945-1024x363.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/ONU-UN_1945-300x106.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/ONU-UN_1945-768x272.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/ONU-UN_1945-1536x545.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/ONU-UN_1945-2048x726.png 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/ONU-UN_1945.png 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<p><strong>Sven Bernhard Gareis / Johannes Varwick (2002):</strong> <a href="https://www.amazon.de/-/en/Die-Vereinten-Nationen-Aufgaben-Instrumente/dp/3825285731?crid=3GPWS2KGN7ADY&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.SyIqdYEZMU4IEqGy8m5IOp5LqWSQjFOBd1ACHirR5uB7zWgZ28Z46UuPNjGNE0aYITKrPjwXlYk9B4qLjAEjOR9_Nt2EKZ_zksYHc_MDV-ihDnFqQnr6hXA717zITbjKqbVrLBAs5pTLUekUveoUi_wmvDMdnvsc9KwfTgBa8cNh7rq04IenzZvzIEnCh-4Crtrt806TUc7Cs4DCCCFBxww41GKtmMXBIrlMTXCDMWk.0ESm94RNpnfEGPvb-PZyI1PMrDNFMTcK5JKNqwep6FE&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Die+Vereinten+Nationen.+Aufgaben%2C+Instrumente+und+Reformen.+Einf%C3%BChrung+in+Struktur%2C+Mandate+und+politische+Praxis+der+UNO&amp;qid=1766151665&amp;sprefix=die+vereinten+nationen.+aufgaben+instrumente+und+reformen.+einf%C3%BChrung+in+struktur+mandate+und+politische+praxis+der+uno%2Caps%2C178&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=610769211df034ba87ece56e70326cc3&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl"><em>Die Vereinten Nationen. Aufgaben, Instrumente und Reformen.</em> Einführung in Struktur, Mandate und politische Praxis der UNO</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Kanadische Delegation bei den Vereinten Nationen, 1945.</p>



<p>Flaggen der Gründungsstaaten: Wikimedia Commons, Babelia.</p>



<p>Alles weiteren Abbildungen gemeinfrei.</p>



<p></p>
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		<title>Wie viele starben wirklich? – Probleme der Opferzählung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einleitung: Die Macht der Zahlen Opferzahlen sind mehr als statistische Angaben. Sie dienen als Grundlage politischer Entscheidungen, prägen die öffentliche Wahrnehmung von Krisen und fungieren retrospektiv als Gradmesser von Gerechtigkeit &#8230; </p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Casulties-1.mp3"></audio></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Einleitung: Die Macht der Zahlen</h3>



<p>Opferzahlen sind mehr als statistische Angaben. Sie dienen als Grundlage politischer Entscheidungen, prägen die öffentliche Wahrnehmung von Krisen und fungieren retrospektiv als Gradmesser von Gerechtigkeit und Schuld. Ob in internationalen Strafprozessen, diplomatischen Auseinandersetzungen oder im kollektiven Gedächtnis, wie viele Menschen gestorben sind und unter welchen Umständen, wird oft zur entscheidenden Leitfrage. Dabei ist kaum eine Zahl zugleich so zentral und so umstritten wie die der Toten eines Konflikts oder einer Katastrophe. Warum ist es so schwierig, verlässliche Opferzahlen zu ermitteln? Methodische Schwächen und politische Einflussnahmen wirken zusammen. In Kriegen und Naturkatastrophen lassen sich vergleichbare Muster beobachten, auch wenn die Ursachen unterschiedlich gelagert sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer gilt als Opfer? – Begriffe, Kategorien, Unsicherheiten</h3>



<p>Bereits bei der Bestimmung dessen, wer überhaupt als Opfer zu zählen ist, beginnen die Probleme. In bewaffneten Konflikten wird meist zwischen Kombattanten und Zivilisten unterschieden. Diese Dichotomie ist jedoch empirisch schwer haltbar. In asymmetrischen Kriegen oder Bürgerkriegen verschwimmen die Grenzen, da Kämpfer keine Uniform tragen oder zivile Unterstützungsnetzwerke in militärische Aktivitäten eingebunden sind. Auch in Katastrophenszenarien ist die Abgrenzung nicht eindeutig. Zählt der an Cholera gestorbene Flüchtling als Tsunamiopfer? Ist der unterversorgte Patient nach einem Erdbeben ein direkt oder indirekt Betroffener? Die Kategorisierung ist keine neutrale Übung, sondern berührt grundlegende Fragen politischer Anerkennung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zählen, schätzen, modellieren – Methodische Ansätze</h3>



<p>Zwei grundlegende Methoden werden in der Forschung unterschieden: die individuelle Erfassung (recording) und die statistische Schätzung (estimation). Erstere basiert auf namentlichen Listen, Vor-Ort-Berichten oder NGO-Dokumentationen. Sie ist vergleichsweise genau, aber in instabilen Regionen schwer durchführbar.  Beispielsweise Krankenhausstatistiken sind häufig unbrauchbar, da viele Opfer nie eine medizinische Einrichtung erreichen und die Verwaltung der Krankenhäuser in Kriegszeiten oft defizitär ist, wie Greiner am Beispiel Vietnams zeigt.</p>



<p>Die zweite Methode greift auf Hochrechnungen zurück, etwa durch Haushaltsbefragungen oder sogenannte Mehrquellenmodelle (multiple systems estimation, MSE), bei denen verschiedene Datenquellen kombiniert werden. Diese Verfahren liefern oft deutlich höhere Opferzahlen als offizielle Angaben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Street_in_downtown_Banda_Aceh_after_2004_tsunami_DD-SD-06-07372-1-300x225.jpeg" alt="" class="wp-image-3506" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Street_in_downtown_Banda_Aceh_after_2004_tsunami_DD-SD-06-07372-1-300x225.jpeg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Street_in_downtown_Banda_Aceh_after_2004_tsunami_DD-SD-06-07372-1-768x576.jpeg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Street_in_downtown_Banda_Aceh_after_2004_tsunami_DD-SD-06-07372-1.jpeg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nach dem Tsunami, 2004 in Aceh</figcaption></figure>
</div>


<p>Im Bereich der Naturkatastrophen wird zusätzlich mit Modellierungen gearbeitet, wie eine Fallstudie aus Banda Aceh nach dem Tsunami von 2004 zeigt. Dort wurde die Mortalität in Abhängigkeit von der Überflutungshöhe und Bevölkerungsdichte abgeschätzt. Solche Modelle ermöglichen Risikobewertungen, sind aber stark von der Qualität der Eingangsdaten abhängig. In Konfliktsituationen hingegen fehlen solche standardisierten Modellierungsansätze, da Ursachen und Verläufe weniger physikalisch, sondern primär sozial und politisch bedingt sind. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Die politischen Dimensionen der Opferzählung</h3>



<p>Im Fall Indonesien 1965/66 ist die Unsicherheit über die Zahl der Toten besonders auffällig. Die Schätzungen schwanken zwischen 78.500 und drei Millionen. Eine Zahl von rund 500.000 hat sich als Standard etabliert, obwohl sie bereits 1966 von Diplomaten als zu niedrig angezweifelt wurde. Der Historiker Geoffrey B. Robinson zeigt, dass die Gewalt dezentral, in hoher Geschwindigkeit und unter völliger Missachtung von Dokumentationspflichten ausgeführt wurde. Die Leichen wurden oft anonym verscharrt. Es existieren kaum systematische Aufzeichnungen, selbst aus besonders betroffenen Regionen wie Aceh oder Ostjava. Hinzu kommt, dass die Täter jahrzehntelang in Machtpositionen blieben, sodass keine unabhängige Untersuchung möglich war. Der internationale Kontext verstärkte dieses Schweigen. Westliche Staaten wie die USA und Großbritannien unterstützten das neue Regime und waren an einer detaillierten Aufklärung nicht interessiert.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="198" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/1024px-Kosovo_DA-SD-03-14862-300x198.jpeg" alt="" class="wp-image-3500" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/1024px-Kosovo_DA-SD-03-14862-300x198.jpeg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/1024px-Kosovo_DA-SD-03-14862-768x507.jpeg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/1024px-Kosovo_DA-SD-03-14862.jpeg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Amerikanischer Soldat untersucht vermeintlichen, albanischen Rebellen. 2001</figcaption></figure>
</div>


<p>Zahlen sind politisch. Wer zählt, entscheidet, was sichtbar wird und was nicht. Regierungen haben oft ein Interesse daran, bestimmte Opferzahlen zu betonen oder zu verschweigen. Im Kosovokrieg etwa diente die Darstellung des Vorfalls in Racak als Massaker an Zivilisten zur moralischen Legitimierung der NATO-Intervention. In der unmittelbaren Berichterstattung hieß es, unter den 45 Toten befänden sich UÇK-Kämpfer<sup data-fn="c6efeb0a-cb76-4edb-a74a-de84e3d1724c" class="fn"><a id="c6efeb0a-cb76-4edb-a74a-de84e3d1724c-link" href="#c6efeb0a-cb76-4edb-a74a-de84e3d1724c">1</a></sup>. Eine spätere forensische Untersuchung kam jedoch zu dem Schluss, dass es sich überwiegend um unbewaffnete Männer gehandelt hatte, die aus nächster Nähe erschossen wurden. Die Deutung als außergerichtliche Hinrichtung wurde durch OSZE-Beobachter vor Ort gestützt.</p>



<p>Ein besonders aufschlussreiches Beispiel ist die sogenannte serbische „Operation Horseshoe“. Dieser angebliche Plan zur ethnischen Säuberung wurde von deutschen und US-amerikanischen Regierungsstellen öffentlich gemacht, jedoch nie durch belastbares Material belegt oder vor dem Haager Tribunal als Beweismittel eingebracht. Der Politikwissenschaftler Mark A. Wolfgram spricht in diesem Zusammenhang von der &#8222;Illusion multipler Quellen&#8220;, also einer Lage, in der Medien, Regierung und Wissenschaft wechselseitig voneinander zitieren und so einen Eindruck objektiver Bestätigung erzeugen, obwohl alle auf denselben, unsicheren Ursprung zurückgehen.</p>



<p>Im Vietnamkrieg wurde die Zahl getöteter Feinde zur entscheidenden strategischen Kennziffer erklärt. Greiner zeigt, dass Zivilisten systematisch als feindliche Kämpfer deklariert wurden, um die Bilanz zu schönen. Mindestens ein Drittel der offiziell gemeldeten feindlichen Toten waren nachweislich Zivilisten. Die Praxis des &#8222;body count&#8220; führte zu einem strukturellen Anreizsystem, bei dem hohe Opferzahlen als militärischer Erfolg galten. Die Grenze zwischen Kombattant und Nichtkombattant wurde dadurch gezielt verwischt. In Operationen wie &#8222;Speedy Express&#8220;<sup data-fn="d1e8a87d-55a8-4614-9db9-59a44566c7a1" class="fn"><a id="d1e8a87d-55a8-4614-9db9-59a44566c7a1-link" href="#d1e8a87d-55a8-4614-9db9-59a44566c7a1">2</a></sup> kamen vermutlich tausende Zivilisten ums Leben, ohne dass dies Eingang in die öffentliche Bilanz fand.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Rolle der Medien und Wahrnehmungsverzerrungen</h3>



<p>Medienberichte tragen erheblich zur Konstruktion von Opferwahrheiten bei. Ereignisse mit hoher Symbolkraft wie Bombardements oder Massaker erhalten überproportional viel Aufmerksamkeit. Kleinere Vorfälle, Verletzte oder indirekte Opfer bleiben unterbelichtet. Besonders folgenreich ist, dass erste Zahlen einen hohen Verankerungseffekt besitzen. Sie prägen die öffentliche Wahrnehmung dauerhaft, auch wenn sie später korrigiert werden. In demokratischen Systemen, so Wolfgram, wird diese Wirkung zusätzlich durch den Glauben an eine unabhängige Presse verstärkt. Der politische Diskurs kann dann auf vermeintlich objektiven Medienberichten aufbauen, die in Wahrheit Teil einer gezielten Kommunikationsstrategie sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Indirekte Opfer – Die stille Mehrheit</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_094617-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-3507" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_094617-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_094617-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_094617-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_094617-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_094617-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_094617-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Landschaft von Vinh Linh (Vietnam, 1967) nachdem die US-Armee Bomben und Herbizide eingesetzt hatte</figcaption></figure>
</div>


<p>In vielen Konflikten und Katastrophen übersteigen die indirekten Todesfälle durch Hunger, Krankheit, Kälte oder fehlende medizinische Versorgung die Zahl der direkt Getöteten bei weitem. Sie sind jedoch methodisch schwerer zu erfassen. Im Kontext des Irakkriegs oder der Hungersnöte in Nordostafrika beispielsweise gehen Schätzungen weit auseinander, da die Attribution kausal nicht eindeutig ist. Auch bei Naturkatastrophen wie dem Tsunami in Aceh ist umstritten, wie viele Todesfälle auf den unmittelbaren Wassereintritt zurückzuführen sind und wie viele auf nachfolgende Versorgungsengpässe. Die Unsichtbarkeit indirekter Opfer führt nicht nur zu einer Unterschätzung des Ausmaßes, sondern beeinflusst auch Gerechtigkeitsdiskurse. Für Vietnam liegen die Schätzungen ziviler Opfer zwischen 627.000 und über zwei Millionen. Allein diese Bandbreite verweist auf die Unmöglichkeit exakter Angaben. Greiner geht davon aus, dass zwischen 46 und 66 Prozent der Gesamtopfer Zivilisten waren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Moral und Messbarkeit – Ethische Fragen</h3>



<p>Zahlen vermitteln den Eindruck von Objektivität. Doch die Reduktion menschlichen Leids auf Ziffern birgt die Gefahr, moralische und politische Verantwortung zu verschleiern. Die Frage, ob ein Einsatz verhältnismäßig war, wird häufig an Opferzahlen festgemacht, als gäbe es eine moralische Schwelle, ab der Gewalt gerechtfertigt sei. Auch in der Geschichtsschreibung stabilisieren Zahlen scheinbare Gewissheiten. Was zitiert wird, erscheint gesichert. Dabei geraten Kontext, Absicht und Struktur leicht aus dem Blick. Opferzählungen sind daher immer auch eine Frage der ethischen Rahmung. Wessen Tod zählt und wessen nicht?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Perspektiven: Was tun mit der Unsicherheit?</h3>



<p>In den letzten Jahren gab es verschiedene Versuche, Standards für Opferzählungen zu etablieren. Projekte wie <a href="https://everycasualty.org/">Every Casualty Counts</a> fordern rechtlich verbindliche Verpflichtungen zur Dokumentation aller zivilen Kriegsopfer. Auch technische Entwicklungen wie Crowdsourcing-Ansätze, etwa bei der Plattform <a href="https://www.ushahidi.com/">Ushahidi</a>, eröffnen neue Möglichkeiten, Daten aus konfliktbetroffenen Regionen zu sammeln. Dennoch bleibt der politische Wille entscheidend. Ohne transparente Mandate, Zugang zu Konfliktzonen und unabhängige Institutionen werden auch die besten Methoden ihre Grenzen behalten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit: Zahlen mit Vorbehalt</h3>



<p>Opferzählungen sind unverzichtbar für Gedenken, Aufarbeitung und Prävention. Doch sie sind selten eindeutig, oft politisch instrumentalisiert und methodisch angreifbar. Gerade ihre scheinbare Objektivität macht sie anfällig für Missbrauch. Historiker, Journalisten und Entscheidungsträger sollten sich dieser Ambivalenz bewusst sein. Wer Opfer zählt, tut dies nie neutral.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_091344-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-3502" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_091344-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_091344-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_091344-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_091344-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_091344-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_20240318_091344-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">War Remnants Museum, Ho Chi Minh City, 2024</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p>Seybolt, Taylor B. / Aronson, Jay D. / Fischhoff, Baruch (2013): <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Counting-Civilian-Casualties-Introduction-Peacebuilding/dp/0199977313?crid=XJPLTYGLQM2Q&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.i8X_6s-Wyadc3vOYmwLxtMRg3_ATrPlebfGjHXqBhJzFBjlieiHBRiZ9trUUBmPs4tsuudgkspKm3YqR7u4Qmg.00RdO2siAFJ6RuFbL_EPztE8UwUpxjVghOTHQzI1hBw&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Counting+Civilian+Casualties&amp;qid=1766148633&amp;sprefix=counting+civilian+casualties%2Caps%2C209&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=d876406d583bb4aaf6a5d9035f6a9c40&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">Counting Civilian Casualties</a></em>.* (Standardwerk zur Methodik der Opferzählung in Konflikten)</p>



<p>Marchand, M. et al.: <em><a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/j.1753-318X.2009.01027.x">Damage and Casualties Modelling for Tsunami Hazards</a></em>. In: <em>Journal of Flood Risk Management</em> 2/2 (2009). (Fallstudie zur Modellierung von Naturkatastrophen)</p>



<p>Wolfgram, Mark A.: <em><a href="https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0267323108089220">Democracy and Propaganda: NATO’s War in Kosovo</a></em>. In: <em>European Journal of Communication</em> 23/2 (2008). (Analyse politischer Kommunikation und Medienwirkung im Kosovokrieg)</p>



<p>Greiner, Bernd:<a href="https://www.amazon.de/-/en/Krieg-ohne-Fronten-Die-Vietnam/dp/3868542078?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7-tXqrWJBxrxYXbV3wNvgkRAkx03J2KvVWkwQJs_zVM3SuCzgQ0K9npbifbG2pjQM67__rO2T-8HdF3xxC1JRpEgFTnqhD87ukipYGzyd69cqfpQJCCZaMHYDnCzkmzc6T0q5XRftYtlFPL8jhFAGVS_d7RRy6v4GNG7lRjwmajc05fJi2G6ldGcwCio6-IOwjxmETe_fcvmMnN18XsAogKNj0VsRd8bRsZc-mZhDLI.smwvSDgs9rbTuJbL17RTkb1ZYDerhtFB_CkgCGyJ4-Y&amp;qid=1766148772&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=7f81d6aeeaa961a1baf285478e3467f5&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl"> <em>Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam</em>.</a>* (Quellennahe Untersuchung zur militärischen Statistik und Gewaltpraxis im Vietnamkrieg)</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Alles eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="c6efeb0a-cb76-4edb-a74a-de84e3d1724c">Die UÇK (Ushtria Çlirimtare e Kosovës, Kosovo-Befreiungsarmee) war eine albanisch-nationalistische Guerillagruppe, die ab Mitte der 1990er Jahre gegen serbische Sicherheitskräfte kämpfte und für die Unabhängigkeit des Kosovo eintrat. Während westliche Regierungen sie zunächst als terroristisch einstuften, wurde sie ab 1998 zunehmend als legitimer Gesprächspartner behandelt, insbesondere im Vorfeld und Verlauf der NATO-Intervention. <a href="#c6efeb0a-cb76-4edb-a74a-de84e3d1724c-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d1e8a87d-55a8-4614-9db9-59a44566c7a1">In Operationen wie „Speedy Express“ kamen vermutlich zehntausende Zivilisten ums Leben, ohne dass dies Eingang in die öffentliche Bilanz fand. Die Operation fand zwischen Dezember 1968 und Mai 1969 im Mekong-Delta statt. Offiziell wurden über 10.000 feindliche Kämpfer gemeldet, jedoch nur rund 750 Waffen sichergestellt. Dieses Missverhältnis, zusammen mit fehlenden Gefechtsberichten und zahlreichen Zeugenaussagen über Luftangriffe auf Dörfer und Schüsse auf Flüchtende, legt nahe, dass ein erheblicher Teil der Opfer unbewaffnete Zivilisten waren. Eine interne Untersuchung wurde zwar eingeleitet, aber nie veröffentlicht. <a href="#d1e8a87d-55a8-4614-9db9-59a44566c7a1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/theorie/wie-viele-starben-wirklich-probleme-der-opferzaehlung/">Wie viele starben wirklich? – Probleme der Opferzählung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Stationen der Verdrängung – Bikini und die Umsiedlungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 04:30:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/ozeanien/stationen-der-verdraengung-bikini-und-die-umsiedlungen/">Stationen der Verdrängung – Bikini und die Umsiedlungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<div class="wp-block-image">
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</div>


<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/bikini/">Bikini-Serie &#8211; Folge 1</a></p>



<p>Bikini war einst ein entlegener, aber funktionierender, kleiner Kosmos. Die Menschen lebten in großfamilialen Strukturen, nutzten die Ressourcen ihres Atolls und schufen ihre eigene Kultur. </p>



<p>Diese Welt geriet 1946 aus den Fugen, als die USA Bikini als Testgelände für Atomwaffen auswählten. Die Zustimmung der Bikiner wurde als freiwillig dargestellt, war jedoch Ausdruck eines asymmetrischen Machtverhältnisses und mangelnden Verständnisses für die Tragweite der Entscheidung.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Eine abgelegene Gesellschaft</h4>



<p>Bikini lag im nördlichen Teil der Marshallinseln, abseits der hauptsächlichen Handelsrouten. In der Kolonialzeit war das Atoll kaum von europäischen oder japanischen Strukturen durchdrungen worden. Diese Isolation förderte eine hohe soziale Kohäsion, aber auch eine gewisse Verletzlichkeit gegenüber außenpolitischen Entscheidungen. Die Landverteilung war Ausdruck sozialer Ordnung; das Atoll bildete den Rahmen einer intakten Lebensweise.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Für „die Menschheit“</h4>



<p>Im Februar 1946 baten Vertreter der US-Marine die Bewohner Bikinis um ihre Zustimmung zur zeitweiligen Umsiedlung. Man wolle Tests für den Frieden durchführen, um künftige Kriege zu verhindern. Der Anführer der Bikiner, Juda, erklärte stellvertretend für seine Gemeinschaft die Bereitschaft zum Umzug.</p>



<p>Die Szene wurde bewusst inszeniert: Uniformierte Vertreter, kirchlicher Rahmen, die Berufung auf höhere Zwecke. Die Bikiner hatten im Vorfeld beraten und traten geschlossen auf. Widerstand hätte den kulturellen Normen widersprochen. Die Entscheidung war weniger ein autonomer Entschluss als vielmehr ein Akt kollektiver Gefügigkeit gegenüber einer übermächtigen Autorität.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hunger und Geister</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="234" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Rongerik_Island_natives_assembled_near_meeting_house_August_1947_DONALDSON_133-300x234.jpeg" alt="" class="wp-image-3031" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Rongerik_Island_natives_assembled_near_meeting_house_August_1947_DONALDSON_133-300x234.jpeg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/Rongerik_Island_natives_assembled_near_meeting_house_August_1947_DONALDSON_133.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Leben auf Rongerik, August 1947</figcaption></figure>
</div>


<p>Die erste Station des Exils war Rongerik, ein kleineres, früher als unbewohnbar geltendes Atoll. Neben der knappen Wasserversorgung und geringen landwirtschaftlichen Nutzbarkeit kursierten unter den Marshallesen auch Berichte über böse Geister auf der Insel. Die Versorgung durch die US-Verwaltung war unzureichend. Bereits wenige Wochen nach der Umsiedlung begann die Nahrung knapp zu werden, Fischvergiftungen und Mangelernährung nahmen zu.</p>



<p>Zeitzeugenberichte sprechen von wachsender Schwäche, Schmerzen und dem Gefühl der Verlassenheit. Die ehemalige Sozialstruktur zerfiel unter dem Druck des Mangels. Trotz aller Entbehrungen hielten viele an der Hoffnung fest, bald nach Bikini zurückkehren zu können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gebrochene Treuhandschaft</h4>



<p>Die Situation auf Rongerik verschlechterte sich zusehends, ein Brand zerstörte einen Teil der ohnehin spärlichen Ressourcen. Die US-Behörden reagierten zögerlich. Erst als Berichte in der amerikanischen Presse die drohende Hungersnot öffentlich machten, wurde eine Umsiedlung erwogen. Doch selbst hier zeigten sich Prioritäten: Obwohl die Bikiner bereits mit dem Aufbau eines neuen Lagers auf Ujelang begonnen hatten, wurde dieser Ort stattdessen für eine andere Bevölkerungsgruppe freigegeben. Die Bikiner mussten erneut warten.</p>



<p>Formal standen die USA in der Pflicht: Als Treuhänder für das UN-Verwaltungsgebiet hatten sie sich zur Sicherung von Land, Ressourcen und Wohlergehen der lokalen Bevölkerung verpflichtet. Die faktische Praxis stand im Widerspruch zu dieser Selbstverpflichtung. Hunger, Missachtung kultureller Normen und das Fehlen transparenter Kommunikation kennzeichneten den Beginn des &#8222;nuklearen Exils&#8220; der Bikiner.</p>



<p>Die zweite Station ihrer Odyssee, Kwajalein, war ebenfalls nur ein Provisorium. Die Gemeinschaft lebte dort in Zelten neben einer US-Militärbasis. Erst 1948 wurde mit Kili ein dauerhafterer Standort gewählt – ein Ort, der sich bald als ebenso ungeeignet erweisen sollte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="522" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/640px-Map-Marshall-Kili.png" alt="" class="wp-image-3032" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/640px-Map-Marshall-Kili.png 640w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/06/640px-Map-Marshall-Kili-300x245.png 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p>Jack Niedenthal: <em><a href="https://www.amazon.de/-/en/Good-Mankind-History-People-Islands/dp/9829050025?crid=1G0B73JDBPAAY&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.X2baQPSy21HUU9GMUtiKm3dO6G-9er2d1czF6F7n_0MrUlA4Im1-1umtT0VpN_Wd.2eFOLMWYfiKk7_uDXkL3EFCA5zodvL2MMs94nolgjnE&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Niedenthal%3A+For+the+Good+of+Mankind&amp;qid=1766149307&amp;sprefix=niedenthal+for+the+good+of+mankind+%2Caps%2C188&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=12dac6d766cec1700d02c7bf8fcde999&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">For the Good of Mankind – A History of the People of Bikini and Their Islands</a></em>.*</p>



<p>Jonathan M. Weisgall (1994): <a href="https://www.amazon.de/-/en/Operation-Crossroads-Atomic-Tests-Bikini/dp/1557509190?crid=10Y7Q2LXHHEXM&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.SohbFN5AdO-OM9stkvdCGrirzsVnw4q2Pmm9ASeb2TMi2MA10f29Nv59NRn0u2M2eUmjeWSnFk75mCkmQC8ViclQSC18mt8NeAeSYfjrZwQh6V5sG-5zS7_LaAwr0OFHsXlfjS_Y-noh8k02CKbTeXT2qmSoPPShtFJxsBUWUEoY7A-1Gklyr8pfXowVIr9m.TL_cbVQ_ZwxMEEjjTeXGVwM6hxGRZxVjnfE5wU-6w8Y&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Breyer%3A+Operation+Crossroads&amp;qid=1766149081&amp;sprefix=breyer+operation+crossroads%2Caps%2C188&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=1988dcf4be6041f28b862d7ea37910d5&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">Operation Crossroads: The Atomic Tests at Bikini Atoll</a>.*</p>



<p>Paul Boyer (1994): <a href="https://www.amazon.de/-/en/Bombs-Early-Light-American-Thought/dp/0807844802?crid=HH7CTOHHZ89V&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.i6_SXSUAeONYX8RHFWCHKMq4qtJ-5rHskpQG06A7LujzBvtGAS01XZjLuiIRHSXaaVIOIaF3cDso5aHN6BdQB_OD4xsrlUz4K4XtyYz84VvVZlNdw1uBEkXdBmS9D8xH5KbmLUaNf1lAieP7B99X9c5oo2vHEz4cdZL0bqDWhTPVwlw24TZqicGexBon-9dpMi1qxKjnFEsuLsYN2-JsUDR1unrhf-aBWDbnRheUpbo.Ih-gXQ_SmSjm-N6FEgNqivquUA2ODAemFsITkyO35Y0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=By+the+Bomb%E2%80%99s+Early+Light+%28&amp;qid=1766149153&amp;sprefix=by+the+bomb+s+early+light+%2Caps%2C169&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=01bcf76f2fe2c4f36cb0ae07e37689b5&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">By the Bomb&#8217;s Early Light: American Thought and Culture at the Dawn of the Atomic Age</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Karte Kili: Wikimedia Commons, zuzu macumba.</p>



<p>Alle weiteren public domain.</p>
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		<title>Das vergessene Erbe des Vietnamkriegs: Laos und die Streubomben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2025 04:30:00 +0000</pubDate>
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<h2 class="wp-block-heading">Das vergessene Erbe des Vietnamkriegs: Laos und die Streubomben</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-2630" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-1152x1536.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-1536x2048.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3688-scaled.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eingang COPE-Center</figcaption></figure>
</div>


<p>Während des Vietnamkriegs suchten Vietcong-Kämpfer Zuflucht in den laotischen Grenzgebieten. Die Antwort der USA war verheerend: Sie bombardierten das neutrale Laos mit einer beispiellosen Intensität. Besonders perfide war dabei der Einsatz von Streubomben – einer Waffengattung, die bis heute Menschenleben fordert und für unzählige Verstümmelungen verantwortlich ist.</p>



<p>Jede dieser Waffen besteht aus hunderten kleiner Bomben, sogenannten Submunitionen&nbsp; oder &#8222;Bomblets&#8220;. Zwischen 1964 und 1973 führten die USA 580.000 Luftangriffe gegen Laos durch und warfen dabei 270 Millionen dieser kleinen Sprengkörper ab. Das Tückische daran: Etwa 30 Prozent explodierten nicht beim Aufprall. So verwandelten sich geschätzte 80 Millionen nicht detonierte Bomblets in Todesfallen, die das ganze Land übersäten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Leben mit dem unsichtbaren Tod</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-2631" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-1152x1536.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-1536x2048.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMGP3692-scaled.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></figure>
</div>


<p>Die Grausamkeit dieser Waffe offenbart sich im Alltag der Menschen. Stellen Sie sich einen Reisbauern während des Krieges vor: Er hört das Dröhnen der Bomber über seinem Dorf, weiß um die tödliche Fracht, die sie abwerfen. Am nächsten Morgen muss er dennoch hinaus auf seine Felder – dorthin, wo der Tod unsichtbar im Boden lauert, getarnt als harmlose Metallkugel zwischen den Reishalmen.</p>



<p>Von den 80 Millionen Blindgängern konnten zwischen 1996 und 2009 lediglich eine Million entschärft werden. Noch immer explodieren jährlich etwa 300 dieser Relikte des Krieges und fordern Tote und Verletzte. Es wird noch Generationen dauern, bis Laos wieder sicher ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hoffnung durch Hilfe</h2>



<p>Die Organisation COPE (Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise) widmet sich den Opfern dieser Explosionen und stellt Prothesen bereit. Doch ihre Arbeit geht weit über die medizinische Versorgung hinaus: Sie kämpft aktiv gegen den Einsatz von Streubomben weltweit und betreibt in Vientiane ein Museum, das über die anhaltenden Gefahren dieser Waffen aufklärt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="863" height="1024" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-863x1024.png" alt="" class="wp-image-2632" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-863x1024.png 863w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-253x300.png 253w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-768x912.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_-1294x1536.png 1294w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Areas_bombed_by_the_US_military_in_Laos_from_1964_to_1973.svg_.png 1348w" sizes="auto, (max-width: 863px) 100vw, 863px" /></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Links</h3>



<p><a href="http://www.copelaos.org/">COPE (Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise)</a><br><a href="https://www.facebook.com/LaosPictures/photos/pcb.977852252312045/977851938978743/?type=3&amp;theater">Facebook-Seite von Laos Pictures: Bilder von Bomben im Alltag</a></p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Wikimedia Commons, Department of Foreign Affairs and Trade website – www.dfat.gov.au.<br>Karte: Wikimedia Commons, VerifiLord.</p>



<p>Alles andere eigene Aufnahmen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/das-vergessene-erbe-des-vietnamkriegs-laos-und-die-streubomben/">Das vergessene Erbe des Vietnamkriegs: Laos und die Streubomben</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<item>
		<title>Die neue Ordnung</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-4-die-neue-ordnung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Dec 2024 06:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 4 Suhartos Machtübernahme und Sukarnos Tod Suharto übernahm die Macht in Indonesien. Die Amtsübernahme zog sich über drei Jahre hin, &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-4-die-neue-ordnung/">Die neue Ordnung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 4</a></p>



<h5 class="wp-block-heading">Suhartos Machtübernahme und Sukarnos Tod</h5>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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<p>Suharto übernahm die Macht in Indonesien. Die Amtsübernahme zog sich über drei Jahre hin, da er die verfassungsrechtlichen Prozesse respektieren und Sukarno nicht mit Gewalt entfernen wollte. Am 27. März 1968 konnte er formal die Präsidentenrolle einnehmen.</p>



<p>Sukarno starb im darauffolgenden Jahr. Seinen Wunsch, im Garten seines Hauses in Batu Tulis begraben zu werden, lehnte Suharto ab – vielleicht um eine Pilgerstätte zu nah an Jakarta zu verhindern. Seine letzte Ruhestätte fand Sukarno daher im weit entfernten Blitar, neben dem Grab seiner Mutter.</p>



<p>Suharto sollte über drei Jahrzehnte die zentrale Figur Indonesiens bleiben. Anfangs musste er sich den drängendsten Problemen des Landes widmen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Zentralisierung und Repression: Suhartos Weg zur Machtfestigung</h5>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="215" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968-215x300.png" alt="" class="wp-image-711" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968-215x300.png 215w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968.png 429w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto, 1968</figcaption></figure>
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<p>Die konkreten Schritte der neuen Regierung sollen hier in 3 wichtigen Feldern gezeigt werden: der politischen Konsolidierung, den internationalen Beziehungen und der wirtschaftlichen Entwicklung.</p>



<p>Um seine Macht zu festigen, setzte Suharto auf eine Ausweitung der Zwangsgewalt des Staates, vor allem durch den Aufbau der Sicherheitskräfte. Suharto gruppierte die Verwaltung um.</p>



<p>Bereits 1967 löste er die 4 Ministerien der Streitkräfte auf und stellte die Armee direkt unter seine Autorität. Sein Vorgänger Sukarno setzte auf Rivalität der unterschiedlichen Abteilungen, doch Suharto bevorzugte Zentralisierung.</p>



<p>Viele politische Posten, wie z. B. Provinzverwaltungen, wurden mit Militärs besetzt. Um absolute Loyalität zu erreichen, wurden gezielt Verantwortliche aus ihren Posten vertrieben. Das geschah teilweise auf harte Weise mit Anschuldigungen der PKI-Kooperation und Gefängnisstrafen oder vergleichsweise sanft, in Form einer verfrühten Pensionierung, von der 86 Generäle betroffen waren.</p>



<p>Ähnlich wie andere Autokraten, die durch Wahlen an Legitimität gewinnen wollen, konnte der indonesische Führer sich nicht allein auf Repression verlassen. Er musste zusätzlich andere Anreize bieten. Dazu bediente er sich der Kooperation mit der Elite und versuchte, die wirtschaftliche Performance zu steigern. In der gesamten Zeit der Herrschaft Suhartos sind diese 3 Aspekte wichtig.</p>



<p>Allerdings können für gewisse Phasen unterschiedliche Akzente ausgemacht werden. In der Konsolidierungsphase des Regimes war der Zwang das wichtigste Mittel. Die mittlere Phase der Suharto-Ära bot durch Öl-Booms eine neue Einnahmequelle, die dazu diente, die Eliten des Landes zufriedenzustellen. In der Endphase war es der wirtschaftliche Wachstum, der die Bevölkerung erreichen sollte.</p>



<p>Suharto selbst wandelte sich in dieser Zeit mit. Nach Abschluss seiner Militärkarriere Ende der 1970er Jahre suchte er Distanz zur Armee, kooperierte mit Mitgliedern der Oberschicht und wandte sich der Wirtschaft zu.</p>



<p>Ein wichtiges Legitimationsverfahren in der Anfangszeit Suhartos waren die Wahlen. Allerdings schwand deren Bedeutung mit der Zeit, und Ende der 1980er Jahre wurden sie zu einem leeren politischen Ritual.</p>


<div class="wp-block-image">
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<p>Die Bedenklichkeit des Suharto-Systems liegt vor allem in den Menschenrechtsverletzungen. Die Massaker in der Folgezeit des Putsches flachten zwar schnell ab, doch Unterdrückung und Gewalt gehörten bis zum Ende des Orde Baru dazu.</p>



<p>Viele Gewalttaten und Repressionen wurden von der indonesischen Führungsriege als politisches Mittel eingesetzt. Sie war allerdings nicht für sämtliche Verbrechen direkt verantwortlich, doch schuf sie die Bedingungen, die derartige Ereignisse begünstigten.</p>



<p>Eine besonders blutige Episode der Geschichte Indonesiens war die Invasion und Annexion Ost-Timors 1975/76. Die genaue Zahl der Opfer lässt sich auch hier nur schätzen. Ricklefs nennt die Zahl von 60.000 Opfern, was etwa 10 % der Bevölkerung dieser Region entsprochen hätte.</p>



<p>Eine der größten innenpolitischen Säuberungsaktionen fand Anfang der 1980er Jahre unter dem Akronym „Petrus“ statt, gebildet aus „Penembakan Misterius“ – übersetzt „Mysteriöse Schießereien“. Paramilitärs töteten Tausende von Menschen, die als Kriminelle gebrandmarkt wurden, in den großen Städten des Landes.</p>



<p>Oft waren es Minderheiten, die unter den Angriffen leiden mussten – besonders die Chinesen. Ein markantes Beispiel hierfür sind die Unruhen in Jakarta kurz vor dem Ende des Suharto-Regimes im Mai 1998. Dabei fielen viele Chinesen Gewalttaten zum Opfer.</p>



<p>Anti-chinesische Ressentiments ziehen sich durch die gesamte Zeit des Orde Baru. Ein wichtiger Grund war der Verdacht, dass die chinesische Diaspora mit den Kommunisten in der Volksrepublik sympathisierten und paktieren könnte. In der Suharto-Zeit war dies ein schwerwiegender Verdacht.</p>



<p>Der Anti-Kommunismus schlug sich auch in der Außenpolitik nieder. Die Jakarta-Beijing-Verbindung wurde bereits 1965 abgebrochen. In der nachfolgenden Zeit zog sich China aus Indonesien zurück und stellte die staatliche Nachrichtenagentur Xin Hua in Jakarta ein.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wirtschaftsreformen und die Rolle der „Berkeley Mafia“</h5>



<p>Die neue Regierung versuchte, die westlichen Wünsche in Bezug auf die internationale Ausrichtung zu erfüllen. Bereits 1966 trat Indonesien wieder in die Vereinten Nationen ein und die Konfrontation mit Malaysia wurde beendet. In anderen Ländern wurde das antikommunistische Engagement positiv aufgenommen, und die ersten Kredite flossen schnell.</p>


<div class="wp-block-image">
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<p>Um die Anlaufprobleme im Mai 1966 gut zu überstehen, bot Japan der Suharto-Regierung einen Notfallkredit über 30 Millionen Dollar an. Die westlichen Staaten kamen Indonesien bei der Schuldentilgung entgegen. Im Gegenzug wurde ein Entgegenkommen Suhartos erwartet, der sich an die Maßstäbe des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank halten sollte.</p>



<p>Bei den wirtschaftlichen Reformen vertraute Suharto auf ein Expertenteam, das unter dem Namen „Berkeley Mafia“ bekannt wurde. Hierbei handelte es sich um eine Gruppe von Ökonomen, die ihre universitäre Ausbildung in den USA an der University of California, Berkeley, erhalten hatten.</p>



<p>In der Folge konnte Indonesien ein stattliches Wirtschaftswachstum verzeichnen. Die Stärke der Verantwortlichen war ein pragmatischer Ansatz. Der indonesische Ökonom Mohamad Sadli sprach davon, dass „Indonesian policy-makers often have the useful ability of being able to ‘muddle through’” – sie waren gut im „Sich-Durchwursteln“.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="201" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-201x300.jpg" alt="" class="wp-image-717" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-201x300.jpg 201w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-687x1024.jpg 687w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-768x1145.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-1031x1536.jpg 1031w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped.jpg 1074w" sizes="auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto, 1973.</figcaption></figure>
</div>


<p>In der Zeit von 1965 bis 1980 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) alljährlich um durchschnittlich 7 %. Besonders die Produktion konnte mit einem jährlichen Wachstum von 12 % stark zulegen. Im Dienstleistungssektor verzeichnete man in diesem Zeitraum ein Wachstum von 7,3 % pro Jahr. Der Landwirtschaftssektor wuchs zwar mit 4,3 % relativ langsam, doch auch dieser Wert bedeutete eine deutliche Verbesserung der Lage.</p>



<p>Das lässt sich unter anderem an den Lebensmittelpreisen erkennen. Die Regierung sorgte für eine Erhöhung der Produktion in den 1970er- und 1980er-Jahren, indem sie eine breit angelegte ländliche Entwicklung ermöglichte und auf moderne Produktionstechnologie setzte.</p>



<p>Diese sinnvollen Reformen waren eine Folge der Reis-Krise im Jahr 1972. Südostasien erlitt in dieser Zeit eine ernsthafte Dürrephase – die Ernte war schlecht und das weltweite Angebot auf einem niedrigen Level. In der Folge stiegen die Weltmarktpreise für Reis stark an.</p>


<div class="wp-block-image">
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</div>


<p>Besonders für die armen Teile der Bevölkerung sind stabile Lebensmittelpreise wichtig. Sie geben einen Großteil ihres Einkommens für Essen aus, und damit bedeuten niedrige Preissteigerungen eine geringe Inflation für diese Bevölkerungsgruppe.</p>



<p>Da die indonesische Administration zu dieser Zeit über kein effektives landwirtschaftliches Monitoring verfügte, wurde sie von dieser Entwicklung überrascht und konnte nicht effektiv reagieren. Diese Ereignisse waren ein Schock für die noch fragile Ökonomie des Landes und trafen vor allem die armen Schichten. Suharto erkannte die Gefahren, auch für die politische Stabilität, und setzte den Fokus auf eine gesicherte Nahrungsmittelversorgung, in deren Mittelpunkt der Reis stand.</p>



<p>Verbunden mit einem Familienplanungsprogramm, das dafür sorgte, dass das Bevölkerungswachstum moderat verlief, konnte das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der Suharto-Ära durchschnittlich um 4,7 % jährlich steigen.</p>



<p>Alles in allem konnte die absolute Armut stetig reduziert werden, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten.</p>



<p>Statistische Daten sind für die Periode von 1976 bis 1996 vorhanden.</p>



<p>In dieser Zeit sank die Anzahl der von absoluter Armut betroffenen Menschen von 40,1 % auf 11,3 %. Derartige Statistiken sind mit Vorsicht zu betrachten, doch ein derart großer Unterschied lässt eine deutliche Verbesserung der Situation realistisch erscheinen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Krise und Niedergang: Das Ende des Suharto-Regimes</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="229" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-300x229.jpg" alt="" class="wp-image-715" style="width:300px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-300x229.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-768x587.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-290x220.jpg 290w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17.jpg 1004w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mobile Brigade der indonesischen Polizei, 1991</figcaption></figure>
</div>


<p>Mit Beginn der 1990er Jahre war der indonesische Staat noch intakt, doch eine Reihe von Problemen Suhartos wurde erkennbar. In der Innenpolitik wurde deutlich, dass der zentrale Führer alt wurde und kein Konzept für eine geordnete Nachfolge entwickelt hatte. In der Außenpolitik wirkte sich das Ende des Kalten Krieges aus, da Indonesien für den Westen eine geringere politische Rolle spielte.</p>



<p>Auch die Wirtschaft geriet ins Wanken. Die indonesische Ökonomie litt unter den Auswirkungen der Asienkrise. Diese begann 1997 in Thailand und hatte besonders negative Auswirkungen auf die Länder Südostasiens.</p>



<p>Indonesien litt unter einer gigantischen Kapitalflucht, bei der geschätzte 150 Milliarden Dollar aus dem Land abflossen. Die Stabilität der Währung war gefährdet. Suharto versuchte, beim Volk Vertrauen in die Regierung und die Währung aufzubauen. Dennoch kam es ab Januar 1998 zu Panikkäufen. Der Präsident versuchte, mit Essensabgaben und Kampagnen den Vertrauensverfall aufzuhalten.</p>



<p>Seine Tochter Tutut tauschte während der „I Love the Rupiah“-Kampagne 50.000 US-Dollar in die einheimische Währung um.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="230" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-300x230.jpg" alt="" class="wp-image-722" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-300x230.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-1024x787.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-768x590.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1.jpg 1532w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto verlässt den Palast</figcaption></figure>
</div>


<p>Zu den wirtschaftlichen Problemen kamen gesellschaftliche hinzu. Als im Mai 1998 4 demonstrierende Studenten der Trisakti-Universität in Jakarta erschossen wurden, kam es zu großen Ausschreitungen. Allein in Jakarta starben mehr als 1.000 Menschen. Es gab Vergewaltigungen und Misshandlungen. 40 Shopping-Malls und Tausende von Geschäften wurden zerstört.</p>



<p>Suharto versuchte weiterhin, sein Amt zu halten, doch er hatte weder im Land noch außerhalb starke Fürsprecher. Am 21. Mai 1998 trat er zurück und das Orde Baru endete.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h3>



<p>Alle Bilder gemeinfrei.</p>



<p></p>
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