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	<title>Mat Ly Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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	<title>Mat Ly Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Koh Phal 1975 &#8211; Der Aufstand der Cham und die Verfolgung der Minderheiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 16:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kambodscha]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Khmer]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Sommer 1975 kamen Funktionäre der Roten Khmer auf die Insel Koh Phal im Mekong. Dort lebten etwa 350 Familien der muslimischen Cham. Die Behörden verlangten die Herausgabe der Korane &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/koh-phal-1975-der-aufstand-der-cham-und-die-verfolgung-der-minderheiten/">Koh Phal 1975 &#8211; Der Aufstand der Cham und die Verfolgung der Minderheiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Rote_Khmer_8.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 1975 kamen Funktionäre der Roten Khmer auf die Insel Koh Phal im Mekong. Dort lebten etwa 350 Familien der muslimischen Cham. Die Behörden verlangten die Herausgabe der Korane und ordneten an, dass Mädchen ihre Haare schneiden sollten. Die Bewohner protestierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soldaten eröffneten das Feuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin griffen Cham zu Schwertern und Messern und töteten mehrere Soldaten. Verstärkung rückte an. Nach der späteren Aussage des kommunistischen Funktionärs Mat Ly wurden zahlreiche Bewohner getötet, die übrigen vertrieben und das Dorf zerstört. Selbst der Name der Insel soll geändert worden sein. Aus Koh Phal, der produktiven Insel, wurde Koh Phes, die Insel der Asche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenige Kilometer entfernt kam es kurz darauf in Svay Khleang zu einem weiteren Aufstand. Auch dort griffen Bewohner Funktionäre und Soldaten an. Die Antwort der Behörden fiel noch härter aus. Späteren Zeugenaussagen zufolge wurde ein großer Teil der Dorfbevölkerung getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Gewalt entstand wenige Monate nach dem Sieg der Roten Khmer. Viele Cham in dieser Region hatten zuvor selbst auf Seiten der Revolution gekämpft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Muslime in der Revolution</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Cham bildeten seit Jahrhunderten eine eigene Gemeinschaft innerhalb Kambodschas. Sie sprachen eine eigene Sprache und waren überwiegend Muslime. Ihre Dörfer lagen häufig an Flüssen, weil viele Familien vom Fischfang lebten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den frühen 1970er Jahren schlossen sich zahlreiche Cham dem Aufstand gegen Lon Nol an. Besonders in der östlichen Zone verfügte die kommunistische Bewegung über muslimische Kader. Dort bestand sogar eine eigene islamische Organisation innerhalb der revolutionären Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Leiter Sos Man war selbst Cham und ein erfahrener Kommunist. Er hatte viele Jahre in Nordvietnam verbracht. Sein Sohn Mat Ly gehörte später einem kommunistischen Distriktkomitee an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Distrikt Krauchhmar am Mekong lebten in den 1970er Jahren vermutlich etwa 30.000 Cham. Große Gemeinden bestanden unter anderem in Trea und Svay Khleang. Diese Orte gerieten bereits während des Bürgerkriegs unter kommunistische Kontrolle. Ihre Einwohner gehörten damit nach dem Sieg von 1975 zur Basisbevölkerung und hatten eigentlich einen günstigeren politischen Status als die aus Phnom Penh vertriebenen Neuankömmlinge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Zugehörigkeit zur Revolution schützte die Cham immer weniger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits 1973 begannen lokale kommunistische Funktionäre, Gebete einzuschränken. Muslimische Bewohner protestierten, indem sie in ihren Moscheen die traditionellen Trommeln schlugen. Es folgten Verhaftungen von religiösen Würdenträgern und Korangelehrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 1974 besuchte Pol Pot die östliche Zone. Kurz darauf wurde die islamische Organisation aufgelöst. Sos Man verlor seine politische Stellung. Damit verschwand eine Institution, über die muslimische Kommunisten ihre eigene Gemeinschaft innerhalb der revolutionären Bewegung vertreten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Sieg von 1975 beschleunigte sich diese Entwicklung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Religion wird zum Problem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führung der Roten Khmer hatte bereits im Mai 1975 die Abschaffung religiöser Praxis beschlossen. Für buddhistische Khmer bedeutete dies die Schließung von Klöstern und die Auflösung des Mönchsordens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Cham traf diese Politik zugleich eine ethnische Gemeinschaft, deren dörfliches Leben eng mit dem Islam verbunden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gebete wurden verboten, und Moscheen verloren ihre Funktion. Religiöse Lehrer gerieten unter Verdacht. An einigen Orten mussten muslimische Bewohner ihre Speisevorschriften aufgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kamen Eingriffe in Sprache und Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In zwei Cham-Gemeinden im Distrikt Koh Thorn schlossen die Behörden 1976 die Moscheen und verboten den Islam. Auch die Cham-Sprache galt dort nun als unerwünschte Fremdsprache. Die Bewohner wurden auf andere Dörfer verteilt. In Gemeinschaftsküchen erhielten sie Schweinefleisch. Einige Menschen starben, weil sie sich weigerten, es zu essen. Andere wurden wegen ihrer Weigerung verfolgt oder getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Maßnahmen zielten damit zunehmend auf Merkmale, durch die sich die Cham als Gemeinschaft von der Khmer-Mehrheit unterschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau dagegen richteten sich die Aufstände des Jahres 1975.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Revolte am Mekong</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorgänge um Koh Phal waren Teil einer größeren Unruhe entlang des Mekong.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Krauchhmar hatten kommunistische Funktionäre bereits vor dem Sieg religiöse Führer verhaftet. Im Sommer 1975 verschärfte sich der Konflikt. Cham widersetzten sich den religiösen Verboten und griffen schließlich zu Waffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteibehörden reagierten militärisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September erhielt das Sonderregiment der Region 21 den Auftrag, sich an der Niederschlagung des Cham-Aufstands zu beteiligen. Zu seinen Offizieren gehörte ein junger Kommandeur, der im Kampf um Phnom Penh ein Auge verloren hatte und sich noch von seiner Verwundung erholte: Hun Sen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der spätere kambodschanische Regierungschef war gerade zum Stabschef seines Regiments ernannt worden. Er erhielt den Befehl, Truppen nach Krauchhmar zu führen. Vorgesehen waren auch schwere Waffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hun Sen beteiligte sein Regiment nach eigener späterer Darstellung nicht an dem Einsatz. Er verwies auf seinen Gesundheitszustand sowie auf die Malariaerkrankungen vieler seiner Soldaten und kehrte ins Krankenhaus zurück. Die Niederschlagung übernahmen demnach lokale Kräfte aus Krauchhmar unter der regionalen Parteiführung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer welche einzelnen Tötungsbefehle gab, lässt sich für die Kämpfe von 1975 nicht überall eindeutig rekonstruieren. Die Quellen zeigen lokale Verantwortliche und regionale Befehlsketten. Zugleich traf die zentrale Führung Entscheidungen, die weit über diese einzelnen Orte hinausgingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine davon ist schriftlich dokumentiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">150.000 Menschen sollen verteilt werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 30. November 1975 schrieb ein Funktionär der östlichen Zone an Pol Pot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Schreiben behandelte die geplante Verteilung der Cham-Bevölkerung. Die Führung hatte vorgesehen, 150.000 Cham aus dem Osten in andere Teile Kambodschas zu bringen. Zehntausende sollten in die nördliche Zone und den Nordwesten umgesiedelt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Plan stieß jedoch auf Widerstand innerhalb der eigenen Partei. Funktionäre der nördlichen Zone weigerten sich nach dem Schreiben, die ersten Gruppen aufzunehmen. Sie wollten nach der Formulierung des Dokuments lieber Khmer-Bevölkerung erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Absender fragte deshalb bei Pol Pot nach, wie die geplante Zahl von 150.000 Menschen erreicht werden solle. Mehr als 100.000 Cham befänden sich noch immer im Osten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dokument ist für die Einordnung der Verfolgung entscheidend. Die Zerstreuung der Cham war damit mehr als die spontane Reaktion einzelner lokaler Kader auf Aufstände.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentrale Führung plante, bestehende Gemeinschaften aufzulösen und ihre Bewohner auf andere Regionen zu verteilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An verschiedenen Orten wurde diese Politik umgesetzt. In Kampot mussten Ende 1975 beispielsweise etwa 70 Cham-Familien ihr Dorf Prek Toal verlassen. Sie verloren ihr Land und konnten einen Teil ihres Besitzes nicht mitnehmen. Andere Familien wurden angesiedelt, nachdem sie fortgebracht worden waren. Das weitere Schicksal dieser Gruppe ist in den überlieferten Quellen nicht vollständig geklärt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Dörfern wurden verstreute Familien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ließ sich auch religiöse Organisation schwerer aufrechterhalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine eigenständige Gemeinschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Politik der Roten Khmer richtete sich auf eine weitgehende gesellschaftliche Vereinheitlichung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein ehemaliger Funktionär der Region 21 erklärte später, nach 1975 habe das Regime keine eigenständigen Minderheiten mehr anerkannt. Die Bevölkerung sollte unter einer gemeinsamen Khmer-Identität zusammengefasst werden. Für die Cham bedeutete dies die Auflösung ihrer bisherigen Gemeinschaftsstrukturen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In mehreren Regionen wurden selbst Cham, die während des Bürgerkriegs zur Basisbevölkerung gehört hatten, später wie Deportierte behandelt. Eine Überlebende berichtete, dass Cham wegen ihrer Zugehörigkeit zur Minderheit in eine schlechtere Bevölkerungskategorie eingeordnet worden seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders 1977 und 1978 verschärfte sich die Verfolgung. Religiös gebildete Männer verschwanden. Ganze Familien verloren Angehörige durch Hunger und Tötungen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="193" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cham_basket_weavers_Kratie-193x300.jpg" alt="" class="wp-image-8440" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cham_basket_weavers_Kratie-193x300.jpg 193w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Cham_basket_weavers_Kratie.jpg 383w" sizes="(max-width: 193px) 100vw, 193px" /><figcaption class="wp-element-caption">Korbflechterinnen aus der heutigen Cham-Gemeinde in Kambodscha</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Wie unterschiedlich die lokale Entwicklung verlief, zeigt das Dorf Khmaer Islam am Trabek-Fluss. Dort lebten vor dem Krieg mehr als 100 Cham-Familien. Einige ihrer Söhne hatten sich während des Bürgerkriegs den Roten Khmer angeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 1975 veränderten sich die Lebensbedingungen grundlegend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Untersuchung der überlebenden Haushalte ergab später sehr hohe Verluste. Haji Ismael, ein religiöser Würdenträger des Dorfes, beschrieb die Zerstörung des religiösen Lebens und die zunehmende Gewalt. Nach einer auf den untersuchten Familien beruhenden Schätzung starben zwischen 40 und 50 Prozent der Bevölkerung dieses Dorfes während der Herrschaft des Demokratischen Kampuchea.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für andere Cham-Gemeinden lassen sich andere Zahlen feststellen. Die regionalen Unterschiede bleiben auch hier wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Muster der Verfolgung reicht jedoch über einzelne Orte hinaus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vietnamesen sollen gehen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine zweite Minderheit geriet noch stärker unter den Verdacht der Parteiführung: die ethnischen Vietnamesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beziehungen zwischen Kambodscha und Vietnam waren bereits seit Jahrzehnten politisch belastet. Innerhalb der Kommunistischen Partei hatte Saloth Sars Generation früh ein tiefes Misstrauen gegenüber Hanoi entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Machtübernahme verband die Führung diesen politischen Konflikt zunehmend mit der ethnischen Herkunft von Menschen innerhalb Kambodschas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon 1975 wurden viele ethnische Vietnamesen aufgefordert, das Land zu verlassen. Besonders kompliziert war die Lage für gemischte Familien. Vietnamesische Frauen, die mit Khmer-Männern verheiratet waren, mussten sich teilweise entscheiden, ob sie ihre Familien zurückließen oder trotz der Gefahr in Kambodscha blieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere hundert gemischte Paare blieben nach späteren Zeugenaussagen zunächst im Land. Gleichzeitig transportierten Lastwagen ethnische Vietnamesen über die Grenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Entwicklung verlief zu einer Zeit, in der die Regierungen in Phnom Penh und Hanoi noch diplomatische Beziehungen unterhielten. Im September 1975 eröffnete Vietnam sogar eine Botschaft in Phnom Penh. Lebensmittel und andere Waren passierten weiterhin die Grenze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verfolgung der vietnamesischen Bevölkerung begann somit bereits vor dem offenen Krieg zwischen beiden Staaten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Direktive vom 1. April 1977</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1977 erreichte die Verfolgung eine neue Stufe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mechaniker Ros Saroeun wartete im Büro eines Distriktchefs in Oudong. Für einige Minuten befand er sich allein im Raum. Dort sah er ein Schreiben der Parteizentrale, die intern auch als Büro 870 bezeichnet wurde. Saroeun las das Dokument heimlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Direktive vom 1. April 1977 befahl lokalen Funktionären, ethnische Vietnamesen festzunehmen und den Sicherheitsorganen zu übergeben. Der Kreis der Verdächtigen ging weiter. Auch Khmer, die Vietnamesisch sprachen oder vietnamesische Freunde hatten, sollten verhaftet werden. Für Saroeun hatte der Befehl eine unmittelbare Bedeutung. Seine Frau war Vietnamesin. Er eilte nach Hause, um sie zu warnen. Dort erfuhr er, dass bereits eine vietnamesische Frau aus dem Dorf erschlagen worden war. Saroeun und seiner Frau gelang es später, ihre Herkunft zu verbergen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere entkamen nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 1977 wurden in der Provinz Kampong Chhnang späteren Berichten zufolge etwa 420 Angehörige der vietnamesischen Minderheit getötet. Aus anderen Regionen liegen Berichte über die Ermordung ganzer Familien vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Menschen mit teilweise vietnamesischen Vorfahren gerieten nun ins Visier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit wurde die Abstammung selbst zu einem Grund für Verfolgung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was bedeutet hier Genozid?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die große Mehrheit der Menschen, die unter den Roten Khmer starben, waren ethnische Khmer. Viele kamen durch Hunger oder Überarbeitung ums Leben. Andere wurden als frühere Soldaten, Beamte oder vermeintliche politische Gegner getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Cham und den ethnischen Vietnamesen kam ein weiteres Merkmal hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen wurden verfolgt, weil die Führung ihre religiöse oder ethnische Gemeinschaft auflösen wollte. Die Behörden verboten die eigene Sprache und zerstreuten Gemeinden. Religiöse Führer wurden ermordet. Bei den Vietnamesen wurden Menschen aufgrund ihrer Abstammung erfasst und getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 16. November 2018 verurteilte das von den Vereinten Nationen unterstützte Khmer-Rouge-Tribunal Nuon Chea wegen Völkermords an den Cham und den ethnischen Vietnamesen. Khieu Samphan wurde wegen Völkermords an den Vietnamesen verurteilt. Sein Schuldspruch wurde 2022 im Berufungsverfahren bestätigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterscheidung erklärt zugleich, weshalb der Begriff Genozid bei Kambodscha präzise verwendet werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zahl der Opfer allein entscheidet darüber nicht. Entscheidend ist, gegen welche Gruppe sich die Gewalt richtete und welche Absicht sich hinter ihr nachweisen lässt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Suche nach Einheit produziert neue Feinde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Politik gegenüber den Cham und den Vietnamesen entwickelte sich parallel zu den wirtschaftlichen Problemen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Feldern blieben Produktionsziele unerfüllt. In den Dörfern mussten Menschen ihre religiösen Praktiken aufgeben. Zugleich wurde die Zugehörigkeit zu bestimmten Bevölkerungsgruppen selbst verdächtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Prozesse liefen bald zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Vietnamesisch sprach, konnte zum vermeintlichen Agenten werden. Wer sich gegen religiöse Verbote wehrte, konnte als politischer Gegner erscheinen. Aus Herkunft und persönlicher Verbindung entstanden in den Augen der Parteiführung ganze feindliche Netzwerke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sicherheitsapparate erhielten damit immer mehr Menschen, die sie untersuchen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Logik führte schließlich in ein ehemaliges Schulgebäude in Phnom Penh. Dort bekam jeder Gefangene eine Nummer, wurde fotografiert und musste erklären, zu welchem angeblichen Verräternetzwerk er gehörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einrichtung hieß S-21. Ihr Leiter war ein ehemaliger Mathematiklehrer namens Duch.</p>



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<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="852" height="1024" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Chamic_language-852x1024.jpg" alt="" class="wp-image-8447" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Chamic_language-852x1024.jpg 852w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Chamic_language-250x300.jpg 250w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Chamic_language-768x923.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Chamic_language.jpg 960w" sizes="(max-width: 852px) 100vw, 852px" /><figcaption class="wp-element-caption">Verteilung der Sprachgruppe der Cham heute</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2004): <a href="https://link.amazon/B0edOw8Qm">How Pol Pot Came to Power. Colonialism, Nationalism, and Communism in Cambodia</a>.* Ausführliche Untersuchung der kambodschanischen kommunistischen Bewegung von der Kolonialzeit bis zur Machtübernahme 1975.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kiernan, B. (2008): <a href="https://link.amazon/B07Mo1SpQ">The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79</a>.* Standardwerk zur Herrschaft der Roten Khmer, mit einer knappen Einführung in die Vorgeschichte der Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bultmann, D. (2017): <a href="https://link.amazon/B03cQFq4J">Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten</a>.* Überblick über Entstehung, Herrschaft und Fortleben der Roten Khmer mit besonderem Augenmerk auf Organisation und Gesellschaftsumbau.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Floating Village: typische Fischerhäuser, 2007. Wikimedia Commons, Divya Manian. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en">CC BY-SA 2.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: Wikimedia Commons, Ubs6u!d-pongsakorn. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



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