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	<title>Jakarta Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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		<title>Die PDI-P – Der Stier und die Präsidentin</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Jan 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<h4 class="wp-block-heading">Ein ungewöhnliches Symbol</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2019/05/600px-Logo_PDI-Perjuangan_Transparent-150x150.png" alt="" class="wp-image-21256"/></figure>
</div>


<p>Die stärkste Partei bei den Parlamentswahlen 2024 war die Partai Demokrasi Indonesia Perjuangan, kurz PDI-P. Der Name lässt sich als „Demokratische Partei des Kampfes Indonesiens“ übersetzen. Neben der kämpferischen Bezeichnung fällt vor allem das Parteilogo auf. Es zeigt einen schwarz-roten Stier mit gesenktem Kopf und rot leuchtenden Augen. Im Vergleich zu den sachlich gehaltenen Logos deutscher Parteien wirkt dieses Emblem auffallend expressiv.</p>



<p>Das Motiv verweist auf einen politischen Konflikt in der Spätphase der autoritären Herrschaft unter Präsident Suharto. Die Geschichte der PDI-P ist eng mit der Auseinandersetzung um Demokratie und politische Repräsentation in Indonesien verbunden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ursprung im Einparteiensystem</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2019/05/800px-Logo_of_Indonesian_Democratic_Party.svg_-150x150.png" alt="" class="wp-image-21258"/><figcaption class="wp-element-caption">Logo der PDI</figcaption></figure>
</div>


<p>Die heutige PDI-P ging aus der Partai Demokrasi Indonesia (PDI) hervor, die in den 1970er Jahren auf Druck des Regimes aus mehreren kleineren Parteien gebildet worden war. Ihr ursprüngliches Symbol zeigte einen ruhig stehenden Stier und hatte einen deutlich weniger konfrontativen Charakter. In den 1990er Jahren geriet die Partei zunehmend in den Mittelpunkt innenpolitischer Auseinandersetzungen.</p>



<p>1993 wurde Megawati Sukarnoputri, die älteste Tochter des Staatsgründers Sukarno, zur Vorsitzenden gewählt. Die Wahl wurde von der Parteibasis mitgetragen, fand jedoch keinen Rückhalt bei der Regierung unter Präsident Suharto. Stattdessen versuchte die Regierung, ihren eigenen Kandidaten durchzusetzen. Es kam zu einer zweiten Wahlversammlung, zu der Megawati nicht eingeladen wurde. Als neuer Vorsitzender wurde Suryadi bestimmt, ein ehemaliger Parteifunktionär mit Regierungskontakten. Die Entscheidung führte zu Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Spaltung und Neugründung</h4>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="270" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/President_Megawati_Sukarnoputri_-_Indonesia-270x300.jpg" alt="" class="wp-image-5686" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/President_Megawati_Sukarnoputri_-_Indonesia-270x300.jpg 270w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/President_Megawati_Sukarnoputri_-_Indonesia-923x1024.jpg 923w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/President_Megawati_Sukarnoputri_-_Indonesia-768x852.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/11/President_Megawati_Sukarnoputri_-_Indonesia.jpg 960w" sizes="(max-width: 270px) 100vw, 270px" /><figcaption class="wp-element-caption">Megawati, 2021</figcaption></figure>
</div>


<p>In der Folgezeit spaltete sich die Partei. Megawatis Anhänger verweigerten die Anerkennung der neuen Führung und organisierten Proteste in mehreren Städten. Diese Auseinandersetzungen kulminierten in den politischen Spannungen der späten Suharto-Zeit. Nach dem Rücktritt des Präsidenten im Mai 1998 gründete Megawati im Februar des darauffolgenden Jahres eine neue Partei. Die PDI-P verstand sich als legitime Fortführung der alten Partei, aber mit neuem Selbstverständnis.</p>



<p>Das neue Logo mit dem angriffslustigen Stier symbolisierte diesen Bruch ebenso wie die Umbenennung. Die Partei trat erstmals bei den Wahlen 1999 an und wurde auf Anhieb stärkste Kraft. Im Jahr 2001 wurde Megawati zur Präsidentin gewählt – als erste Frau im höchsten Staatsamt Indonesiens. Ihre Präsidentschaft dauerte bis 2004.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Politische Nachwirkungen</h4>



<p>Die PDI-P behielt auch nach dem Ende der Amtszeit Megawatis eine bedeutende Rolle im politischen Leben Indonesiens. In den folgenden Jahren war sie an mehreren Regierungsbündnissen beteiligt. Der Stier mit den roten Augen wurde zu einem festen Erkennungszeichen. Das Emblem erinnert an die Konflikte der späten Suharto Zeit und an den Weg der Partei in ein offenes Wahlsystem.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h4 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h4>



<p>Titel: Wahlplakat in Denpasar, 2020.</p>



<p>Alle Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>
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		<title>Die Sprache der Einheit – Bahasa Indonesia</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/die-sprache-der-einheit-bahasa-indonesia/">Die Sprache der Einheit – Bahasa Indonesia</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Die Nationalisten und die Sprachfrage</h4>



<p>Am 28. Oktober 1928 versammelten sich in Batavia 70 junge Nationalisten unter dem Motto „ein Land, eine Nation, eine Sprache“. Ihr Ziel war klar: der Weg zur Unabhängigkeit. Doch welche Sprache sollte sie verbinden? Indonesien erstreckt sich über 1,9 Millionen Quadratkilometer und beherbergt heute etwa 700 verschiedene Sprachen – rund zehn Prozent aller weltweit gesprochenen Sprachen.</p>



<p>Obwohl die Mehrheit der Revolutionäre von der Insel Java stammte, entschieden sie sich bewusst gegen Javanisch als Nationalsprache. Die Wahl fiel auf Malaiisch, eine Sprache, die bereits grenzüberschreitend in der Nachbarregion Malaysias verwendet wurde.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Entwicklung von Bahasa Indonesia</h4>



<p>Mit der Unabhängigkeit 1945 erhielt die Sprache den Namen „Bahasa Indonesia“. Anfangs wurde sie vor allem im schriftlichen Verkehr genutzt. Über Schulen, Literatur und Medien verbreitete sich Bahasa Indonesia rasch und wurde von der Bevölkerung gut angenommen. Dennoch bleibt sie für viele Indonesier eine Zweit- oder Drittsprache, denn die lokale Muttersprache steht häufig an erster Stelle.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Unterschiede zu Bahasa Malaysia</h4>



<p>In Malaysia verlief die Entwicklung der gemeinsamen Sprache anders. Unter britischer Kolonialherrschaft gewann Englisch eine dominante Stellung. Erst 1957 wurde Malaysisch erneut zur Nationalsprache erklärt, wobei die Sprache durch zahlreiche Neologismen bereichert wurde.</p>



<p>Auch in Indonesien veränderte sich Bahasa Indonesia. Vor allem wurden viele niederländische Lehnwörter aufgenommen. 1972 führte Indonesien eine umfassende Rechtschreibreform durch, bei der die Verwendung des lateinischen Alphabets verpflichtend wurde. Zuvor hatte man eine erweiterte Version der arabischen Schriftzeichen verwendet. Damit wurden die Schreibweisen von Bahasa Indonesia und Bahasa Malaysia einander angeglichen und die Verständigung erleichtert.</p>



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            <strong>Wichtige Informationen:</strong><br>
            • Bahasa Indonesia ist die offizielle Amtssprache<br>
            • Basiert auf Malaiisch (Bahasa Melayu)<br>
            • Vereinheitlichende Lingua Franca für über 700 Regionalsprachen<br>
            • Eingeführt als nationale Sprache nach der Unabhängigkeit 1945<br>
            • Verwendet lateinisches Alphabet
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</html>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



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<ul class="wp-block-list">
<li>Christina Großmann (2015): <a href="https://www.amazon.de/Handbuch-Indonesien-Kristina-Gro%C3%9Fmann/dp/3895023949?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=121NMQHKPPHTA&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.v3lRdKCQ0ebe9mEHpJ4A1zBt4W4M9yvh-mUUSeDYQGZBmF93A4ZUJstFvWBOshFb-2IqpnbdWKMSMNXLKSKk1vJ3K9YDBes53nWBrkVf0NWYEit7WzgGr2t_541GOMFm5S4GL7IDwnXgaQUA2GMXDLKOTDIvJhYO8HEh3LlebgBf0xG2kyvER9RTDH9oSA-5ChZyrSqDne1vu7puJIMJFMZwjhdap--UyXDv3_53ZDg.TME2RKolE38y8EoInDcI_tUWJ4hl5FjAMc3f0fT_t08&amp;dib_tag=se&amp;keywords=indonesien+handbuch&amp;qid=1759125675&amp;sprefix=indonesien+handbu%2Caps%2C449&amp;sr=8-2&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=c566674ac63e7f596f5ee891494d52e3&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Handbuch Indonesien</a>.*</li>



<li>Sneddon, James N. (2004):<a href="https://www.amazon.de/Indonesian-Language-History-Modern-Society/dp/0868405981?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2N1BJVZZ2GASS&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bevjb0iwqJpTVaWxq0vzSFkkIx2OiKLc8L3D-kr8MwrenJEd2rOhK85DXim0cAYzfZXuVbahk2t2OcBFk5cw93PM3aC9B30iAOzCrmxU2CtXMxf5Y_bWVUEkC4mPZNnmJsci0EZx0Fl9OuxaP3m3rtBa61BUJY8zwwxyaz5ETZ3a-Y0dB_i-RQD-XuhgpLp7ggODa3L4zWHj_AD4_jc5zEYfnVDaMXR2rhhoWSc0V8M.Gp70N6kCBRuotMQGAmAV3T_-VMTzST2xVKsThxDG4H0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sneddon+The+Indonesian+Language&amp;qid=1759125792&amp;sprefix=sneddothe+indonesian+language%2Caps%2C249&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=e212715c12013d13fb4ca3bfd612599a&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl"> <em>The Indonesian Language: Its History and Role in Modern Society</em></a>.*</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Affirmation auf dem 2. Jugendkongress, mit der Festlegung von Indonesisch als Nationalsprache. Wikimedia Commons,  Sania Amallia.</p>



<p>Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Pancasila als Fundament der indonesischen Verfassung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Feb 2025 13:45:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indonesien]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Inhalt ➤ Einleitung ➤ Die Rede ➤ Persatuan Indonesia – Nationale Einheit ➤ Internasionalisme – Internationalismus ➤ Mufakat – Einigkeit ➤ Keadilan sosial – Soziale Gerechtigkeit ➤ Ketuhanan yang Maha &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/die-pancasila-als-fundament-der-indonesischen-verfassung/">Die Pancasila als Fundament der indonesischen Verfassung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<div style="max-width: 580px; margin: 20px auto; background-color: #e8f5e9; padding: 15px; border-radius: 8px; border-left: 6px solid #81c784; box-shadow: 0 2px 8px rgba(0, 0, 0, 0.1);">
    <h2 style="color: #388e3c; font-size: 22px; margin-bottom: 15px; text-align: center; font-family: Georgia, serif;">Inhalt</h2>
    <ul style="list-style-type: none; padding: 0;">
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966172" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Einleitung</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966173" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Die Rede</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966174" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Persatuan Indonesia – Nationale Einheit</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966175" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Internasionalisme – Internationalismus</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966176" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Mufakat – Einigkeit</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966177" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Keadilan sosial – Soziale Gerechtigkeit</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966178" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Ketuhanan yang Maha Esa – Das Prinzip des All-Einen</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966179" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Pancasila – Die 5 Prinzipien</a>
        </li>
        <li style="margin-bottom: 10px;">
            <span style="color: #81c784; margin-right: 10px;">➤</span>
            <a href="#_Toc80966180" style="text-decoration: none; color: #388e3c; font-weight: bold; font-size: 18px;">Fazit</a>
        </li>
    </ul>
</div>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966172"></a>1. Einleitung</h1>



<p>Das Gebiet des heutigen Indonesiens besteht aus einer vielgestaltigen Inselwelt, die von den unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen geformt wurde. So findet man beispielsweise ganz im Westen Sumatras strenggläubigen Muslime in Aceh, moderne Großstadtmenschen in Jakarta auf Java, hinduistische Priester auf Bali, und Jäger und Sammler in den Wäldern Neu Guineas. Dass alle vereint in einem Staat leben, hängt mit der Kolonialgeschichte zusammen.</p>



<p>Die Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) handelte bereits seit dem 17. Jahrhundert in Südostasien, weitete dort ihren Einfluss nach und nach aus und gründete Stützpunkte. 1799 wurde die VOC zwar aufgelöst, doch die Strukturen in Südostasien bestanden weiter und nach einer kurzen Übergangsphase konnten die Niederländer ein Kolonialreich errichten: Niederländisch-Indien. Es dauerte allerdings bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, bis alle Kleinstaaten der Region unterworfen waren. Bei der Ausweitung des Gebietes spielten die kulturellen Grenzen keine Rolle, der Profit stand im Vordergrund.</p>



<p>Im 2. Weltkrieg wurden die Niederländer vom Deutschen Reich besetzt und waren nicht in der Lage, ihre Kolonie in Südostasien vor den Japanern zu verteidigen. Diese übernahmen die Kontrolle im März 1942. Auch wenn sie nicht die erhofften Befreier waren, genehmigten sie den Indonesiern mehr Freiheiten als die Niederländer. So durfte ein einheimisches Heer aufgestellt werden. Es wurden sogar Schritte veranlasst, Indonesien in die Unabhängigkeit zu entlassen. Wahrscheinlich stand dahinter ein Selbstzweck für die Japaner, da man dadurch einen Verbündeten gewonnen hätte.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Pidato Bung Karno Saat Proklamasi 17 Agustus 1945 * Orasi * immank" width="735" height="413" src="https://www.youtube.com/embed/rP3bp0u0dGw?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Sukarno-Rede vom 17. August 1945 (Indonesisch, Übersetzung auf Youtube)</figcaption></figure>



<p>Ende Mai 1945 wurde ein Untersuchungsausschuss zur Vorbereitung der Unabhängigkeit eingesetzt. Bei dieser Gelegenheit hielt Sukarno am 1. Juni die vielbeachtete Pancasila-Rede. Für die Japaner wurde die Entwicklung in Indonesien schnell zweitrangig. Durch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wurden sie zur bedingungslosen Kapitulation am 15. August 1945 getrieben.</p>



<p>Bereits zwei Tage später wurde von Sukarno und Hatta die Unabhängigkeit ausgerufen. Sukarno wurde zum 1. Präsident des neuen Staates.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966173"></a>2. Die Rede</h1>



<p>Sukarno führte in der Rede die Pancasila als Grundlage einer zukünftigen Verfassung ein. Durch die Historie des Landes stand er vor der Herausforderung alle Ethnien und Kulturen ausreichend zu berücksichtigen, ohne seine Machtbasis bei der muslimischen Mehrheitsgesellschaft zu verlieren.</p>



<p>Daher stellt Sukarno die Pancasila breit auf. Er sieht insgesamt fünf Säulen, die das Fundament des neuen Staates bilden sollen:</p>



<div style="max-width: 400px; margin: 20px auto; background-color: #e8f5e9; padding: 20px; border-radius: 8px; border: 1px solid #c8e6c9; font-family: Georgia, serif;">
    <h2 style="color: #2e7d32; font-size: 20px; margin-bottom: 16px; text-align: center;">Die fünf Prinzipien</h2>
    <ol style="margin: 0; padding-left: 20px; color: #2e7d32; font-size: 17px; line-height: 1.7;">
        <li>Die nationale Einheit</li>
        <li>Der Internationalismus</li>
        <li>Die Einigkeit</li>
        <li>Die soziale Gerechtigkeit</li>
        <li>Das Prinzip des All-Einen</li>
    </ol>
</div>



<p>Hier ist der Islam gleich auf zwei Weisen ausgebremst worden. Zum einen ist der Glaube an den einen Gott nur eines der fünf Prinzipen und zum anderen ist nicht explizit der Islam als Staatsreligion gesetzt worden, sondern alle monotheistischen Glaubensrichtungen.</p>



<p>Daher ist es nachvollziehbar, wenn Karel Steenbrink in den Pancasila ein Instrument sieht, das den Islam in das gesellschaftliche Gefüge einordnet und die Muslime im Land „zähmen“ soll.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-9-16 wp-has-aspect-ratio" style="max-width: 240px;">
  <div class="wp-block-embed__wrapper">
    <iframe title="Sukarno (1901-1970) - 1. Präsident Indonesiens" width="735" height="413" src="https://www.youtube.com/embed/2qdrOshliGk?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
  </div>
  <figcaption class="wp-element-caption">Kurzbiografie zu Sukarno (YouTube Shorts)</figcaption>
</figure>



<p>Sukarno muss dennoch die Gefühle der religiösen Menschen berücksichtigen. Das macht er, auf einer persönlichen Ebene. Er selbst bekennt sich zum Islam und verlangt auch von seinen Bürgern, die Religion ernst zu nehmen.</p>



<p>Die Auswahl der Pancasila wird historisch und philosophisch hergeleitet. Dabei greift er viele Ideen und Ereignisse aus dem Westen auf. Sukarno bemüht sich anschließend, diese in den indonesischen Kontext einzuordnen, gerne unter Zuhilfenahme alte javanischer Traditionen.</p>



<p>Ein einfacher Bürger würde Schwierigkeiten haben, die Rede Sukarnos zu verstehen. Er nutzt philosophische Fachtermini und zitiert Denker in ihren Muttersprachen. Der Text ist gespickt mit Wörtern aus fremden Sprachen, wie Deutsch, Niederländisch, Französisch und Englisch.</p>



<p>Hier wirkt es ambivalent, wenn neben dieser hochgestochenen Ideenwelt immer wieder sehr einfache Gedankengänge auftauchen, beispielsweise wenn Sukarno behauptet, dass ein Kind die Einheit Indonesiens auf der Karte sehen könne.&nbsp;</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966174"></a>3. Persatuan Indonesia – Nationale Einheit</h1>



<p>Sukarno stellt den Nationalismus als zentrales Anliegen gleich zu Beginn seiner Ausführungen der fünf Prinzipien des unabhängigen Indonesiens vor. Nicht nur das, er ordnet seine Wichtigkeit – aus Sicht des Staates – über den Islam ein:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ich selbst bin auch Muslim. Aber ich bitte euch, versteht mich nicht falsch, wenn ich sage, dass das erste Prinzip für Indonesien das Prinzip der Nationalität ist.“<sup data-fn="cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac" class="fn"><a id="cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac-link" href="#cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac">1</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Während es im Inselstaat mehrere Religionen gibt, die nur mittels geschickten Kunstgriffs vereint werden können, kann Sukarno mit dem Prinzip des Nationalstaats eine umfassendere Idee der Gemeinsamkeit vermitteln. Wie erfolgreich dieses Vorgehen ist, haben seit dem 19. Jahrhundert viele Länder, zuerst in Europa, später auch in anderen Teilen der Welt, gezeigt.</p>



<p>Das Objekt des Nationalismus ist die Nation. Der Begriff der Nation ist nicht eindeutig bestimmt. Nationalstaaten können höchst unterschiedlich organisiert sein und auf verschiedenen Grundlagen fußen.</p>



<p>Was ist also die Nation, die Sukarno vorschwebt?</p>



<p>Er führt in der Rede zunächst zwei Definition an. Nach Ernest Renan entstammt eine Nation einer Gruppe von Leuten, die den Wunsch hat sich zu vereinen. Nach Otto Bauer ist eine Nation eine aus einer Schicksalsgemeinschaft gewachsene Charaktergemeinschaft. Beide Ansätze hält Sukarno für unzureichend und veraltet.</p>



<p>Für ihn kann die Nation nicht unabhängig von der Geografie verstanden werden:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>“</em>Allah, der Erhabene, hat die Weltkarte geschaffen, die Weltkarte geordnet. Wenn wir uns die Weltkarte anschauen, können wir darauf die &#8218;Einheiten&#8216; erkennen. Selbst ein kleines Kind kann, wenn es die Weltkarte sieht, erkennen, dass der indonesische Archipel eine Einheit bildet. Auf dieser Karte ist deutlich eine zusammenhängende Gruppe von Inseln zu sehen – zwischen zwei großen Ozeanen, dem Pazifik und dem Indischen Ozean, und zwischen zwei Kontinenten, nämlich Asien und Australien. Ein kleines Kind könnte sagen, dass die Inseln Java, Sumatra, Borneo, Sulawesi, Halmahera, die Kleinen Sundainseln, die Molukken und die vielen kleinen Inseln dazwischen eine Einheit bilden.<em>”</em><sup data-fn="01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a" class="fn"><a id="01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a-link" href="#01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a">2</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Er wendet dieses Vorgehen nicht nur auf Indonesien an, sondern auch auf die anderen Nationalstaaten, wie Indien, Großbritannien und Griechenland.</p>



<p>Bemerkenswert ist, dass Sukarno behauptet, dass diese Tatsache so offensichtlich ist, dass sogar kleine Kinder sie erkennen würden. Mit diesem rhetorischen Trick möchte er vielleicht weitere Diskussionen zu dem Punkt umgehen, da ein zu genauer Blick auf die Weltkarte mit ihren Nationalstaaten seine These ins Wanken bringen könnte. Die Nationalstaaten bilden sich völlig unterschiedlich aus. Einige Grenzen werden durch Berge, Flüsse und Meere gebildet, andere durch sprachliche und kulturelle Unterschiede, wiederum andere allein aufgrund zufälliger historischer Ereignisse.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="636" height="326" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Indonesien.png" alt="" class="wp-image-2221" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Indonesien.png 636w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/02/Indonesien-300x154.png 300w" sizes="auto, (max-width: 636px) 100vw, 636px" /><figcaption class="wp-element-caption">Indonesien &#8211; Die Einheit ist vielleicht nicht ganz so klar zu sehen</figcaption></figure>
</div>


<p>Die moderne Forschung ist sich beim Nationsbegriff noch immer nicht einige. Es gibt unterschiedliche Versuche den Begriff treffend zu erfassen. Der erste Ansatz folgt Renan und betont das Subjekt: die Nation wird durch „innere und freiwillige Überzeugung“ ihrer Mitglieder gebildet.</p>



<p>Dem entgegengesetzt steht der objektive Ansatz, der feste Entitäten sieht, die außerhalb des Individuums stehen. Das können Sprache, Kultur, Tradition und Geschichte sein. Oder wie bei Soekarno das Territorium.</p>



<p>In den 1980er Jahren wurde eine radikale Form des subjektiven Ansatzes entwickelt, die heute vorherrscht. Denker, wie Rainer Lepsius und Eric Hobsbawm sehen in Nationen gedachte Ordnungen. Es gib weder objektive Elemente noch die Überzeugung oder Einwilligung ihrer Mitglieder.</p>



<p>Daneben gibt es noch Zwischenpositionen, beispielsweise geht Anthondy D. Smith davon aus, dass es mit der ethnischen Herkunft einen realen Kern der Nation gäbe.</p>



<p>Auch wenn Sukarnos objektiver Ansatz in der dargebrachten Form wissenschaftlich nicht haltbar ist, könnte er dennoch im Alltag ausreichend plausibel sein, um als Grundlage des Staates dienen zu können. In einem anderen Punkt ist die Forschung sich mit ihm einig: der Nationalismus birgt Gefahren in sich. Ulrich Wehler spricht von einem Janusgesicht. Die Idee einer homogenen Nation führt zu dem Ausschluss von Menschen, die nicht dazugehören.</p>



<p>Sukarno sieht vor allem die Gefahr, die chauvinistische Nationen für ihre Nachbarn bedeuten könnten. Er möchte einen sanften Nationalismus, der sich in eine Weltgemeinschaft eingliedert. Als Zeugen für die Möglichkeit dieses Vorhabens beruft er sich auf Gandhi:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Gandhi sagte: ‚Ich bin ein Nationalist, aber meine Nationalität ist die Menschlichkeit[&#8230;].‘ Der Nationalismus, den wir vertreten, ist kein abgeschotteter Nationalismus, kein Chauvinismus wie jener, der in Europa geschürt wurde – mit Parolen wie <em>Deutschland über alles</em>, als gäbe es nichts Höheres als Germania, als sei dieses Volk überlegen, mit hellem Haar, blauen Augen, als ‚arische Rasse‘, die angeblich die höchste auf der Welt sei, während andere Völker nichts wert sein sollen. Auf so einem Prinzip dürfen wir nicht stehen, meine Herren. Sagt nicht, das indonesische Volk sei das beste und edelste und alle anderen Völker seien minderwertig. Wir müssen auf eine weltweite Einheit, auf eine weltweite Brüderlichkeit hinarbeiten. Wir dürfen nicht nur einen freien indonesischen Staat gründen. Wir müssen auch auf die Gemeinschaft aller Nationen zugehen.“<sup data-fn="939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5" class="fn"><a id="939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5-link" href="#939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5">3</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Das Anliegen ist verständlich. Sukarno hielt die Rede im Jahr 1945. Er kannte den Aufstieg der europäischen Nationalstaaten, sah aber auch die Katastrophe, die durch das Hitler-Regime in Deutschland heraufbeschworen wurde.</p>



<p>Auch in Asien war aggressiver Nationalismus bekannt. Beispielsweise in Thailand unter der Herrschaft von Phibun Songkhram (1897-1964). In seiner Amtszeit verfolgte er eine ultranationalistische Agenda, die von Glorifizierung der Vergangenheit, Bildung paramilitärischer Jugendorganisationen, Paraden und Expansionsankündigungen an die Nachbarländer gekennzeichnet war.</p>



<p>Trotz dieser Gefahren setzte Sukarno auf den Nationalismus. Durch ihn war es möglich, eine einende Grundlage für den Inselstaat zu schaffen.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966175"></a><em>4. </em><em>Internasionalisme</em> <em>– Internationalismus</em></h1>



<p>Um die indonesische Nation friedlich in die Weltgemeinschaft einzuordnen, wird auch der Internationalismus zu einen der fünf Pfeiler der Verfassung von Sukarno ausgerufen.</p>



<p>Er grenzt den Begriff sofort vom Kosmopolitismus ab und unterstreicht mit einer im wahrsten Sinne des Wortes blumigen Anekdote, dass Internationalismus und Nationalismus sich gegenseitig bedürfen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Dies ist das zweite philosophische Prinzip, das ich Ihnen vorschlage: Ich nenne es Internationalismus. Wenn ich von Internationalismus spreche, meine ich damit jedoch nicht den Kosmopolitismus, der die Existenz von Nationen ablehnt und sagt, es gebe kein Indonesien, kein Japan, kein Birma, kein Großbritannien, kein Amerika und so weiter. Ein Internationalismus kann nicht gedeihen, wenn er nicht im Boden des Nationalismus verwurzelt ist. Und auch der Nationalismus kann nicht gedeihen, wenn er nicht im Garten des Internationalismus lebendig bleibt.”<sup data-fn="52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a" class="fn"><a id="52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a-link" href="#52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a">4</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Internationalismus kommt aus dem Lateinischen. „Natio“ ist mit „Volksgemeinschaft“ übersetzbar und „inter“ bedeutet „zwischen“. Das heißt, der Begriff setzt ein Vorhandensein von kleineren Einheiten, wie Nationen, voraus. Kosmopolitismus setzt sich hingegen aus den altgriechischen Wörtern „κόσμος“ für „Welt“ und „πολίτης“ für Bürger zusammen. Hier ist die nationale Einheit nicht mehr relevant: der Kosmopolit begreift sich losgelöst von regionalen Begebenheiten. Seine Heimat ist die Welt, doch das kann als besondere Form der Heimatlosigkeit verstanden werden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="199" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-300x199.jpg" alt="" class="wp-image-2213" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-300x199.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-1024x680.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-768x510.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-1536x1021.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244-2048x1361.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_with_Mao_Zedong_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_244.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sukarno mit Mao Zedon, 1956</figcaption></figure>
</div>


<p>Auf der einen Seite stärkt Sukarno mit dieser strikten Abgrenzung den indonesischen Nationalismus. Auf der anderen Seite ist es auch eine Einordnung seiner Sicht auf den Marxismus. Im Frühwerk von Marx gibt es durchaus kosmopolitische Untertöne, beispielsweise wird im Kommunistischen Manifest noch zu einer Vereinigung der Proletarier ohne Vaterland aufgerufen. Genauso wenig Erfolg wie in Europa, wo die Antinationalisten eine kleine Minderheit blieben, hatte diese Idee in Indonesien.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966176"></a>5. Mufakat – Einigkeit</h1>



<p>Das Prinzip der Einigkeit ist wichtig für den inneren Zusammenhalt. Indonesien ist ein Staat mit vielen unterschiedlichen Gruppierungen und dementsprechend unterschiedlichen Interessen. Ein Zusammenleben geht nur über ein gegenseitig faires Verhalten. Keine Gruppe soll von vornherein einen besseren Stand haben. Daher schlägt Sukarno ein Prinzip der Repräsentation vor, dass auf Beratung basiert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Dieses Prinzip ist das Prinzip der Übereinkunft, der Vertretung, der Beratung. Der Staat Indonesien ist kein Staat für eine Einzelperson, kein Staat für eine bestimmte Gruppe. Auch nicht für die wohlhabende Schicht. Wir gründen einen Staat: alle für alle, einer für alle, alle für einen. Ich bin überzeugt, dass eine repräsentative Beratung der unverzichtbare Grundpfeiler für die Stärke des indonesischen Staates ist.”<sup data-fn="af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a" class="fn"><a id="af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a-link" href="#af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a">5</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Im nachfolgenden Teil der Rede wendet sich Sukarno vor allem den Muslimen zu. Er selbst gehört wie die Mehrheit der Einwohner dem Islam an, doch dennoch möchte er nicht von vornherein eine Religion bevorzugen. Einen fairen Umgang schuldet man den Mitbürgern anderer Konfessionen, wie den Christen.</p>



<p>Dennoch haben Muslime die Chance, ihren Glauben in die Politik zu tragen. Sie haben die Mehrheit im Lande und wenn sie ihre Religion ernst nehmen und sich politisch für sie einsetzen, sollten sie in der Lage sein, ihre Interessen voranzubringen.</p>



<p>Vielleicht um der Klage nicht religiös genug zu handeln zuvor zu kommen, beklagt Sukarno selbst, dass der Islam nicht intensiv genug in der Bevölkerung gelebt wird. Das könnte man so interpretieren: Wer den Staat auf einen religiöseren Weg führen möchte, sollte sich nicht beklagen, sondern zuerst an sich selbst arbeiten und seine Nächsten auf den rechten Pfad bringen und dann für seine Überzeugungen einstehen.</p>



<p>Den Kampf unterschiedlicher Überzeugungen sieht Sukarno auch in anderen Staaten, in christlichen als auch in islamischen. Er sieht darin sogar etwas Gutes, da der Staat dadurch lebendig wird. Mit einer Analogie aus der indonesischen Vorstellungswelt unterstreicht er den positiven Aspekt dieses Kampfes. Es sei dem Candradimuka ähnlich, dem aus Wayang-Geschichten bekannten Ort, an dem der mythische Held Ghatotkacha seine außergewöhnlichen Fähigkeiten gewann, die ihn immun gegen Waffen machten und fliegen können ließ. Candradimuka kann als ein Trainingszentrum verstanden werden, das Personen auf eine neue Ebene steigen lässt.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966177"></a>6. Keadilan sosial – Soziale Gerechtigkeit</h1>



<p>Sukarno sieht die Notwendigkeit, die soziale Gerechtigkeit zu einem der fünf zentralen Prinzipien der Verfassung auszurufen. Er begründet dies mit einem Blick in die westliche Welt, in der viele Staaten über funktionierende parlamentarische Demokratien verfügen, die aber dennoch nicht in der Lage waren, eine allgemeine Wohlfahrt aufzubauen. Die einfachen Menschen hängen dort von der Gnade der Kapitalisten ab:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Wir sehen, dass es in den europäischen Ländern Vertretungskörper gibt, eine parlamentarische Demokratie. Aber herrschen dort nicht gerade die Kapitalisten? In Amerika gibt es ein Repräsentantenhaus und herrschen dort nicht auch die Kapitalisten? Herrschen die Kapitalisten nicht auf dem ganzen westlichen Kontinent?“<sup data-fn="56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082" class="fn"><a id="56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082-link" href="#56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082">6</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Sukarno hielt die Rede im Jahr 1945. Davor waren die Weltkriege, die den Kontinent in einer Ausnahmesituation hielten. Schaut man weiter zurück in das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, dann wirkt die Vorsicht des Indonesiers verständlich. Der französische Ökonom Thomas Piketty führt Europa im Jahre 1910 als eine Region mit einer hohen Ungleichheit bei der Einkommensverteilung. Während die oberen 10% die Hälfte des Einkommens verbuchten, erhielten die unteren 50% gerade ein Zehntel. Ausgedrückt im Gini-Koeffizienten bedeutet das einen Wert von 0,49. In der heutigen Welt würde das eine außergewöhnlich hohe Ungleichheit darstellen, die im weltweiten Vergleich einen Platz in den unteren Rängen bedeuten würde, zwischen Panama und Zimbabwe. Beim Vermögen klaffte die Schere noch weiter. Beispielsweise in Frankreich der Belle Époque zwischen 1880 und 1914 erreichte die Ungleichheit Höhen, die die der 1780er-Jahre übertrafen, also der Vorphase der Französischen Revolution.</p>



<p>Die Gründe dafür waren im Verhalten der Staaten zu finden. Die Zeit in Europa vor den Kriegen zeichnete sich durch einen tiefgreifenden Wandel der Industrie aus. Auf der einen Seite ermöglichte die neue Technik größeren Wohlstand, auf der anderen Seite gab es vor allem in den Städten eine starke soziale Ungleichheit und Armut. In dieser Zeit verzichteten die Regierungen auf harte Eingriffe in das soziale Gefüge. Steuernde Mittel, wie Lohn- und Steuerpolitik, Bildungspolitik und soziale Absicherung, waren zwar bekannt, wurden aber wenig eingesetzt.</p>



<p>Solche Zustände bieten ein gehöriges Potential an gesellschaftlicher Sprengkraft. In Europa entstanden die unterschiedlichsten sozialen und politischen Bewegungen mit teils radikalen Ideen.</p>



<p>Sukarno sieht vor allem die individuelle Problematik des westlichen Kapitalismus. Dazu verweist er auf den Historiker und sozialistischen Politiker Jean Jaurès:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„Ich erinnere mich an die Worte eines französischen Führers, Jean Jaurès, der die politische Demokratie beschrieben hat. In der parlamentarischen Demokratie, so sagte Jaurès, hat jeder Mensch das gleiche Recht. Jeder hat das gleiche politische Recht, jeder darf wählen, jeder kann ins Parlament einziehen. Aber gibt es soziale Gerechtigkeit? Gibt es tatsächlichen Wohlstand unter dem Volk? Darum sagte Jean Jaurès weiter: Ein Vertreter der Arbeiter, der dieses politische Recht hat, kann im Parlament einen Minister stürzen. Er ist wie ein König. Aber an seinem Arbeitsplatz, in der Fabrik: heute stürzt er einen Minister, morgen kann er auf die Straße geworfen werden, arbeitslos gemacht werden, ohne etwas zu essen zu haben.“<sup data-fn="1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b" class="fn"><a id="1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b-link" href="#1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b">7</a></sup></em></p>
</blockquote>



<p>Mit diesem Punkt deckt Sukarno einen Widerspruch der modernen Demokratie auf, der bis heute besteht. Jeder Bürger hat zwar politische und gesellschaftliche Freiheiten, doch im Bereich der Arbeit leiden viele an einer doppelten Unfreiheit. Sie sind dem Unternehmer bis zu einem gewissen Maß ausgeliefert und wenn sie über wenig finanzielle Mittel verfügen, sind sie nicht in der Lage, die anderen Freiheiten ausleben zu können.</p>



<p>Daher wendet er sich gegen eine Übernahme des politischen Systems aus dem Westen und schlägt einen eigenen Weg vor: ein Konzept namens Ratu Adil. Ratu Adil ist eine Figur der javanischen Mythologie, die für Frieden und Gerechtigkeit steht.</p>



<p>Sukarno verbindet mit ihr eine soziale Vision:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„Was mit der Vorstellung vom <em>Ratu Adil</em> gemeint ist, ist soziale Gerechtigkeit. Das Volk sehnt sich nach Wohlstand. Ein Volk, das sich bisher als unterversorgt empfand – zu wenig zu essen, zu wenig Kleidung –, will eine neue Welt schaffen, in der unter der Führung des <em>Ratu Adil</em> Gerechtigkeit herrscht.“<sup data-fn="5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab" class="fn"><a id="5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab-link" href="#5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab">8</a></sup></em></p>
</blockquote>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966178"></a>7. Ketuhanan yang Maha Esa – Das Prinzip des All-Einen</h1>



<p>Als letztes wendet sich Sukarno dem Thema Religion zu. Auch in diesem Punkt berücksichtigt er die Bedürfnisse aller Einwohner des Landes und verzichtet darauf, den Islam hervor zu heben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Das fünfte Prinzip soll lauten: Indonesien als freien Staat mit Ehrfurcht vor dem einen höchsten Gott zu gestalten. Das Prinzip der Gottesverehrung. Nicht nur das indonesische Volk insgesamt glaubt an Gott, sondern jeder Einzelne soll seinem eigenen Gott dienen. Die Christen beten Gott an nach der Lehre Jesu Christi, die Muslime nach der Lehre des Propheten Muhammad, die Buddhisten folgen ihren eigenen heiligen Schriften. Doch lasst uns alle an Gott glauben. Der Staat Indonesien soll ein Staat sein, in dem jeder Mensch seinen Gott auf freie Weise verehren kann. Das gesamte Volk soll in kultureller Weise an Gott glauben, ohne religiösen Egoismus.”<sup data-fn="2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6" class="fn"><a id="2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6-link" href="#2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6">9</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Sukarno fordert, dass alle Indonesier an Gott glauben, an ihren Gott. Explizit nennt er Christen, die dem Wort Jesus Christus folgen sollen, Moslems, die den Worten des Propheten Mohammed nacheifern sollen und Buddhisten, die gemäß den heiligen Schriften ihres Glaubens leben sollen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="201" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_on_the_hajj_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_242-300x201.jpg" alt="" class="wp-image-2214" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_on_the_hajj_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_242-300x201.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_on_the_hajj_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_242-768x515.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sukarno_on_the_hajj_Bung_Karno_Penjambung_Lidah_Rakjat_242.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sukarno auf der Haddsch, 1955</figcaption></figure>
</div>


<p>Wie zu Zeiten der Rede die genaue Verteilung auf die Religionen aussah, ist schwer abzuschätzen. Beim Zensus von 1930 war das Land noch unter kolonialer Herrschaft und beim nachfolgenden Zensus im Jahre 1961 wurde die Religion nicht erfasst. Daten von 1969 zeigen, dass die Muslime in der absoluten Mehrheit waren. Insgesamt 87,1% der Indonesier gehörten dem Islam an. Die Christen waren die zweitstärkste Religion mit insgesamt 7,7%. Davon entfielen 5,2% auf Protestanten und 2,5% auf Katholiken. 2% waren Hindus und 1,1% Buddhisten. Die verbleibenden Prozente waren weitere Religionen.</p>



<p>Auffällig ist, dass in der Rede Sukarnos die Hinduisten nicht erwähnt wurden. Dabei ist diese Glaubensrichtung bereits seit vielen Jahrhunderten in Indonesien etabliert. Auf Bali ist es die wichtigste Religion und bestimmt noch immer die Kultur.</p>



<p>Hier sei darauf hingewiesen, dass Sukarno von „Tuhan yang Maha Esa“ spricht, von dem einem Gott. Der Hinduismus kennt allerdings eine Vielzahl von Göttern und fällt damit nicht darunter. Sukarno hatte zwar eine gewisse Verbindung zur hinduistischen Kultur, da seine Mutter Balinesin war,&nbsp;doch verzichtete er darauf, bei der Unabhängigkeitsrede für böses Blut in der Mehrheitsgesellschaft zu sorgen. Für viele Anhänger der monotheistischen Religionen war Vielgötterei eine Sünde.</p>



<p>Erst viele Jahre später gelang es den Hinduisten, mit Unterstützung von Sukarno, eine gleichgestellte Position zu erreichen. 1959 wurden sie offiziell als Religion in Indonesien akzeptiert.&nbsp;Da das Prinzip des Großen Einen nicht gelockert werden sollte, wurde die hinduistische Glaubensauffassung kreativ interpretiert: die unterschiedlichen hinduistischen Gottheiten wurden nun als verschiedene Aspekte des einen Gottes aufgefasst.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966179"></a>8. Pancasila – Die 5 Prinzipien</h1>



<p>Im abschließenden Teil der Rede zu den Pancasila führt Sukarno den Begriff selbst ein. Er überlegt, wie eine sinnvolle Benennung wäre:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„Panca Dharma? Nein. Der Name <em>Panca Dharma</em> ist hier nicht passend. <em>Dharma</em> bedeutet Pflicht, aber wir sprechen über eine Grundlage. Ich mag Symbolik – auch Zahlensymbolik. Der Islam hat fünf Säulen. Unsere Hand hat fünf Finger. Wir besitzen fünf Sinne. Was gibt es noch, das die Zahl fünf hat?“<br><em>(Ein Zuhörer ruft: „Die fünf Pandawa.“)</em><br>„Auch die Pandawa sind fünf an der Zahl. Nun zählen wir: Nationalismus, Internationalismus, Einigkeit, soziale Gerechtigkeit und Gottesglaube – auch das ergibt fünf Prinzipien. Es ist also nicht <em>Panca Dharma</em>, sondern – wie mir ein befreundeter Sprachwissenschaftler vorschlug – nenne ich es <em>Pancasila</em>.“</em><sup data-fn="a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1" class="fn"><a id="a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1-link" href="#a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1">10</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Den Dharma-Begriff lehnt Sukarno ab, da er „Dharma“ mit „Pflicht“ („kewajiban“) übersetzt und das für ihn der falsche Ausdruck ist. Da der Begriff aus der hinduistischen und buddhistischen Welt stammt, schwingt ein religiöser Unterton mit ihm. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="218" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/pancasila-218x300.jpg" alt="" class="wp-image-2202" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/pancasila-218x300.jpg 218w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/pancasila.jpg 743w" sizes="auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px" /></figure>
</div>


<p>Auch aus diesem Grund könnte die Wahl einer anderen Bezeichnung für die Prinzipien sinnvoll sein, da ansonsten die Gefahr bestünde, dass negative Gefühle in der monotheistischen Bevölkerung ausgelöst werden könnten. Mit „sila“ das für „Prinzipien“ steht, scheint ein besserer Begriff gefunden zu sein.</p>



<p>Sukarno erwähnt seine Vorliebe für Symbolik und unterbreitet gleich das Angebot, die 5 positiv einordnen zu können. Er erwähnt dazu die 5 Säulen des Islams, die 5 Sinne, die 5 Finger und die 5 Pandavas, die über das Epos Mahabharata den Einzug in die indonesische Kultur gefunden haben.</p>



<p>&nbsp;Für Leute, deren Lieblingszahl die 3 ist, bricht Sukarno die 5 Prinzipien auf 3 herunter, die „trisila“: Sozialnationalismus, Sozialdemokratie und Gott („socia-nationalisme, socio-demokratie, dan ketuhunan“).</p>



<p>Schließlich geht Sukarno noch einen Schritt weiter und versucht die 5 Prinzipien mit einem genuin indonesischen Begriff auszudrücken: „Gotong Royong“.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„</em>‚Gotong Royong‘ ist ein dynamisches Konzept, dynamischer als das der ‚Familiengemeinschaft‘, meine Freunde. Die Familiengemeinschaft ist ein statisches Konzept. Gotong Royong hingegen steht für Einsatz, für gemeinsames Handeln, für Arbeit. Der ehrenwerte Soekardjo hat es ein Werk genannt, ein gemeinsames Schaffen. Lasst uns dieses Werk, diese Aufgabe, diese Arbeit gemeinsam vollenden. Gotong Royong bedeutet, gemeinsam die Schultern zu belasten, gemeinsam Schweiß zu vergießen, gemeinsam im Kampf einander zu helfen. Einsatz im Dienst aller, Schweiß für das Glück aller. <em>Ho-lopis-kuntul-baris</em> – alle zusammen für das gemeinsame Wohl. Das ist Gotong Royong.<em>”</em><sup data-fn="46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227" class="fn"><a id="46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227-link" href="#46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227">11</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Nach diesen Worten kam es zu einem stürmischen Applaus. Sukarno hat mit dieser Verdichtung noch einmal das Gemeinsame unterstrichen. Der Begriff ist der traditionellen javanischen Lebenswelt entlehnt und bezeichnet die gemeinsame, wechselseitige Hilfe in einer Dorfgemeinschaft.<a href="#_ftn36"></a> Dahinter steckt die Vorstellung von einer relativ egalitären Gesellschaft, die sich gegenseitig beisteht und unterstützt.</p>



<p>Sukarno möchte alle Gruppen zu einer großen Gemeinschaft vereinen. Das versucht er nicht nur durch den Inhalt seiner Rede direkt zu vermitteln, sondern auch indirekt durch sprachliche Mittel, indem er den Begriff der „Arbeit“ in mehreren unterschiedlichen Sprachen des Landes aufführt („pekerjaan“, „gawe“, „karyo“). Das soll zeigen, dass alle Sprachgruppen, bzw. Ethnien gemeint sind.</p>



<p>Im Anschluss weitet er den Ansatz auf weitere Identitäten aus: ob reich oder arm, ob Muslim oder Christ, ob gebürtiger Indonesier oder Zugewanderter – sie alle sollen zusammenhalten und zusammenarbeiten.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966180"></a>9. Fazit</h1>



<p>Die Rede Sukarnos stoß bei einigen Muslimen auf Widerstand, da die Rolle des Islams in den künftigen Planungen ihnen nicht wichtig genug erschien.</p>



<p>Einige Tage nach der Rede, am 22. Juni 1945, trat ein neunköpfiges Planungskomitee für die Zeit nach der Unabhängigkeit zusammen. Sie akzeptierten grundsätzlich die Pancasila, wünschten doch einige Änderungen. Zum einen sollte das Prinzip des All-Einen an erster Stelle geführt werden, um auf die Wichtigkeit hinzuweisen. Und zum anderen sollten dort folgende Worte angefügt werden:<em> „dengan kewajiban menjalankan syariat Islam bagi pemeluk-pemeluknya”</em> &#8211; die Vepflichtung das islamische Gesetz für Muslime anzuwenden. Damit sollten die Anhänger einer islamischen Staatsverfassung zufrieden gestellt werden.</p>



<p>Auch wenn durch diese Formel die Christen zu nichts verpflichtet wurden, fühlten sie sich dadurch diskriminiert. Denn damit würde das Prinzip der Gleichbehandlung aller Indonesier aufgegeben und in der Verfassung würde damit ihr Status als „Andere“ deutlich.</p>



<p>Doch die Mitglieder im Komitee der Neun verständigten sich schließlich nach einem privaten Meeting am 18. August darauf, die umstrittene Formel zu streichen.</p>



<p>In den 1970er-Jahren entstand die Idee der „civil religion“ in den USA. Darunter wurde eine Sammlung von Doktrinen und Ritualen in einer Gesellschaft verstanden. Unter diesem Begriff fällt nicht nur die amerikanische Ideologie, sondern auch der Shintoismus in Japan, wie auch die Pancasila in Indonesien.</p>



<p>Hat Sukarno sein Ziel mit den Pancasila langfristig erreicht? Diese Frage hat zu viele unterschiedliche Dimensionen, um sie hier beantworten zu können. Indonesien hat es geschafft, das Gebiet Niederländisch-Indiens für ein Dreiviertel Jahrhundert zusammen zu halten. Allerdings gab es in dieser Zeit eine Reihe blutiger Konflikte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund der unterschiedlichsten Motive. Einige Gewalttaten hatten einen ideologischen Hintergrund, andere einen religiösen, wieder andere wurden durch Besitzansprüche getrieben.</p>



<p>Die Pancasila haben alle diese Ereignisse überlebt und sind von ihrer Ausrichtung durchaus modern. Bis auf das Prinzip des All-Einen findet man die Grundsätze in unterschiedlicher Ausprägung auch in vielen Verfassungen der westlichen Staaten.</p>



<p>Die Aufnahme des religiösen Prinzips in die indonesische Verfassung hat nicht den Weg in einen Gottesstaat geebnet. Die meisten Einwohner des Landes wünschen keine Islamisierung des Staates. Das könnte ein Indiz sein, dass Sukarno tatsächlich erfolgreich war und ihm die Einordnung der Religion in das Staatsgefüge glückte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-2216" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_20230303_161511-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Große Moschee von Malang, 2023</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Literatur</h3>



<p>Borggräfe, Henning/Jansen, Christian (2020). Nation &#8211; Nationalität &#8211; Nationalismus. Frankfurt, New York.</p>



<p>Bowen, John R. (1986). On the Political Construction of Tradition: Gotong Royong in Indonesia. The Journal of Asian Studies 45 (3), 545–561.</p>



<p>Committee for International Cooperation in National Research in Demography (1974): The Population of Indonesia. World Population Year 1974.</p>



<p>Grabowsky, Volker (2010). Kleine Geschichte Thailands. München.</p>



<p>Haug, Wolfgang, Fritz (Hg.) (1985). Kritisches Wörterbuch des Marxismus. Berlin.</p>



<p>Kaelble, Hartmut (2017). Mehr Reichtum, mehr Armut. Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Frankfurt.</p>



<p>Nagel, Jürgen G. (2011). Abenteuer Fernhandel. Die Ostindienkompanien. 2. Aufl. Darmstadt.</p>



<p>Piketty, Thomas (2014). Capital in the twenty-first century. Cambridge Massachusetts.</p>



<p>Piketty, Thomas (2020). Capital and Ideology. Cambridge Massachusetts/London.</p>



<p>Ramstedt, Martin (2005): Hinduism in Modern Indonesia. London.</p>



<p>Soekarno (1945). Pidato Soekarno: Lahirnya Pancasila, 17.08.1945.<br>Online verfügbar unter https://kepustakaan-presiden.perpusnas.go.id/speech/?box=detail&amp;id=39&amp;from_box=list_245&amp;hlm=1&amp;search_tag=&amp;search_keyword=&amp;activation_status=&amp;presiden_id=1&amp;presiden=sukarno (abgerufen am 13.08.21).</p>



<p>Stange, Gunnar/Jordan, Rolf/Großmann, Kristina (Hg.) (2015). Handbuch Indonesien. Angermünde, Horlemann.</p>



<p>Steenbrink, Karel (2015). Pancasila as an ambiguous instrument for interreligious harmony and development in Indonesia, 1945-2015. Bulletin of the Nanzan Center for Asia-Pacific Studies.</p>



<p>Wehler, Hans-Ulrich (2002). Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen. München.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><a id="_Toc80966182"></a>Online-Ressourcen</h1>



<figure class="wp-block-embed"><div class="wp-block-embed__wrapper">
https://data.worldbank.org
</div></figure>



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<ol class="wp-block-footnotes"><li id="cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac">„Sayapun orang Islam. Tetapi saya minta kepada saudara- saudara, janganlah saudara-saudara salah faham jikalau saya katakan bahwa dasar pertama buat Indonesia ialah dasar kebangsaan.“ <a href="#cde6930c-868c-430c-859f-1276901c63ac-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a"><em>Allah s.w.t membuat peta dunia, menyusun peta dunia. Kalau kita melihat peta dunia, kita dapat menunjukkan dimana ‘kesatuan-kesatuan’ disitu. Seorang anak kecilpun, jukalau ia melihat peta dunia, ia dapat menunjukkan bahwa kepulauan Indonesia merupakan satu kesatuan. Pada peta itu dapat ditunjukkan satu kesatuan gerombolan pulau-pulau diantara 2 lautan yang besar, lautan Pacific dan lautan Hindia, dan diantara 2 benua, yaitu benua Asia dan benua Australia. Seorang anak kecil dapat mengatakan, bahwa pulau-pulau Jawa, Sumatera, Borneo, Selebes, Halmaheira, Kepulauan Sunda Kecil, Maluku, dan lainlain pulau kecil diantaranya, adalah satu kesatuan.</em> <a href="#01ff098d-533d-465e-b401-5f477718489a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5"><em>Gandhi berkata: ‘Saya seorang nasionalis, tetapi kebangsaan saya adalah perikemanusiaan. My nationalism is humanity’. Kebangsaan yang kita anjurkan bukan kebangsaan yang menyendiri, bukan chauvinisme, sebagai dikobar-kobarkan orang di Eropah, yang mengatakan „Deutschland uber alles&#8220;, tidak ada yang setinggi Jermania, yang katanya, bangsanya minulyo, berambut jagung dan bermata biru, ‚bangsa Aria‘, yang dianggapnya tertinggi diatas dunia, sedang bangsa lain-lain tidak ada harganya. Jangan kita berdiri di atas azas demikian, Tuan-tuan, jangan berkata, bahwa bangsa Indonesialah yang terbagus dan termulya, serta meremehkan bangsa lain. Kita harus menuju persatuan dunia, persaudaraan dunia. Kita bukan saja harus mendirikan negara Indonesia Merdeka, tetapi kita harus menuju pula kepada kekeluargaan bangsa-bangsa</em> <a href="#939400f8-b2a5-43c9-9b25-47472b35c9e5-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a"><em>Inilah filosofisch principe yang nomor dua, yang saya usulkan kepada Tuan-tuan, yang boleh saya namakan „internasionalime&#8220;. Tetapi jikalau saya katakan internasionalisme, bukanlah saya bermaksud kosmopolitisme, yang tidak mau adanya kebangsaan, yang mengatakan tidak ada Indonesia, tidak ada Nippon, tidak ada Birma, tidak ada Inggris, tidak ada Amerika, dan lain-lainnya. Internasionalisme tidak dapat hidup subur, kalau tidak berakar di dalam buminya nasionalisme. Nasionalisme tidak dapat hidup subur, kalau tidak hidup dalam tamansarinya internasionalisme.</em> <a href="#52d8a99d-3749-4227-b9ba-baee2aeddf7a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a"><em>Dasar itu ialah dasar mufakat, dasar perwakilan, dasar permusyawaratan. Negara Indonesia bukan satu negara untuk satu orang, bukan satu negara untuk satu golongan, walaupun golongan kaya. Tetapi kita mendirikan negara ‘semua buat semua’, ‘satu buat semua, semua buat satu’. Saya yakin syarat yang mutlakuntukkuatnya negarra Indonesia ialah permusya waratan perwakilan.</em> <a href="#af57c5b6-b8fb-43ee-975e-0acd056bb98a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082"><em>Kita sudah lihat, di negara-negara Eropah adalah Badan Perwakilan, adalah parlementaire democracy. Tetapi tidakkah di Eropah justru kaum kapitalis merajalela? Di Amerika ada suatu badan perwakilan rakyat, dan tidakkah di Amerika kaum kapitalis merajalela? Tidakkah di seluruh benua Barat kaum kapitalis merajalela?</em> <a href="#56d9899f-ae30-4811-9035-50342df6c082-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b"><em>Saya ingat akan kalimat seorang pemimpin Perancis, Jean Jaures, yang menggambarkan politieke democratie. ‚Di dalam Parlementaire Democratie, kata Jean Jaures, di dalam Parlementaire Democratie, tiap-tiap orang mempunyai hak sama. Hak politiek yang sama, tiap orang boleh memilih, tiap-tiap orang boleh masuk di dalam parlement. Tetapi adakah Sociale rechtvaardigheid, adakah kenyataan kesejahteraan di kalangan rakyat?‘ Maka oleh karena itu Jean Jaures berkata lagi: ‚Wakil kaum buruh yang mempunyai hak politiek itu, di dalam Parlement dapat menjatuhkan minister. Ia seperti Raja! Tetapi di dalam dia punya tempat bekerja, di dalam paberik, &#8211; sekarang ia menjatuhkan minister, besok dia dapat dilempar keluar ke jalan raya, dibikin werkloos, tidak dapat makan suatu apa‘.</em> <a href="#1d6f5a3b-e492-4c4d-b500-37c4ca58266b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab"><em>Yang dimakksud dengan faham Ratu Adil, ialah sociale rechtvaardigheid. Rakyat ingin sejahtera. Rakyat yang tadinya merasa dirinya kurang makan kurang pakaian, menciptakan dunia-baru yang di dalamnya a d a keadilan di bawah pimpinan Ratu Adil.</em> <a href="#5a4790f2-b59d-43d2-9a3c-e11da68e44ab-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6"><em>Prinsip yang kelima hendaknya: Menyusun Indonesia Merdeka dengan bertakwa kepada Tuhan yang Maha Esa. Prinsip Ketuhanan! Bukan saja bangsa Indonesia bertuhan, tetapi masing-masing orang Indonesia hendaknya bertuhan Tuhannya sendiri. Yang Kristen menyembah Tuhan menurut petunjuk Isa al Masih, yang Islam bertuhan menurut petunjuk Nabi Muhammad s.a.w., orang Buddha menjalankan ibadatnya menurut kitab-kitab yang ada padanya. Tetapi marilah kita semuanya ber-Tuhan. Hendaknya negara Indonesia ialah negara yang tiap-tiap orangnya dapat menyembah Tuhannya dengan cara yang leluasa. Segenap rakyat hendaknya ber-Tuhan secara kebudayaan, yakni dengan tiada ‘egoisme-agama’.</em> <a href="#2e913296-579f-4c5d-87c6-ab61ffb9e6c6-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1"><em>Panca Dharma? Bukan! Nama Panca Dharma tidak tepat disini. Dharma berarti kewajiban, sedang kita membicarakan dasar. Saya senang kepada simbolik. Simbolik angka pula. Rukun Islam lima jumlahnya. Jari kita lima setangan. Kita mempunyai Panca Inderia. Apa lagi yang lima bilangannya? (Seorang yang hadir: Pendawa lima). Pendawapun lima oranya. Sekarang banyaknya prinsip; kebangsaan, internasionalisme, mufakat, kesejahteraan dan ketuhanan, lima pula bilangannya. Namanya bukan Panca Dharma, tetapi &#8211; saya namakan ini dengan petunjuk seorang teman kita ahli bahasa namanya ialah Pancasila</em>. <a href="#a1c1827a-b41b-44a9-9455-e7f7f65db4d1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227"><em>‘Gotong Royong‘ adalah faham yang dinamis, lebih dinamis dari ‚kekeluargaan‘, saudara-saudara! Kekeluargaan adalah satu faham yang statis, tetapi gotong-royong menggambarkan satu usaha, satu amal, satu pekerjaan, yang dinamakan anggota yang terhormat Soekardjo satu karyo, satu gawe. Marilah kita menyelesaikan karyo, gawe, pekerjaan, amal ini, Bersama-sama! Gotong-royong adalah pembantingan-tulang bersama, pemerasan-keringat bersama, perjoangan bantu-binantu bersama. Amal semua buat kepentingan semua, keringat semua buat kebahagiaan semua. Ho-lopis-kuntul-baris buat kepentingan bersama! Itulah Gotong Royong!</em> <a href="#46664d45-bc3a-4856-8b1e-16a6a2706227-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/die-pancasila-als-fundament-der-indonesischen-verfassung/">Die Pancasila als Fundament der indonesischen Verfassung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Die neue Ordnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Dec 2024 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 4 Suhartos Machtübernahme und Sukarnos Tod Suharto übernahm die Macht in Indonesien. Die Amtsübernahme zog sich über drei Jahre hin, &#8230; </p>
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<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 4</a></p>



<h5 class="wp-block-heading">Suhartos Machtübernahme und Sukarnos Tod</h5>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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<p>Suharto übernahm die Macht in Indonesien. Die Amtsübernahme zog sich über drei Jahre hin, da er die verfassungsrechtlichen Prozesse respektieren und Sukarno nicht mit Gewalt entfernen wollte. Am 27. März 1968 konnte er formal die Präsidentenrolle einnehmen.</p>



<p>Sukarno starb im darauffolgenden Jahr. Seinen Wunsch, im Garten seines Hauses in Batu Tulis begraben zu werden, lehnte Suharto ab – vielleicht um eine Pilgerstätte zu nah an Jakarta zu verhindern. Seine letzte Ruhestätte fand Sukarno daher im weit entfernten Blitar, neben dem Grab seiner Mutter.</p>



<p>Suharto sollte über drei Jahrzehnte die zentrale Figur Indonesiens bleiben. Anfangs musste er sich den drängendsten Problemen des Landes widmen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Zentralisierung und Repression: Suhartos Weg zur Machtfestigung</h5>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="215" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968-215x300.png" alt="" class="wp-image-711" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968-215x300.png 215w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968.png 429w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto, 1968</figcaption></figure>
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<p>Die konkreten Schritte der neuen Regierung sollen hier in 3 wichtigen Feldern gezeigt werden: der politischen Konsolidierung, den internationalen Beziehungen und der wirtschaftlichen Entwicklung.</p>



<p>Um seine Macht zu festigen, setzte Suharto auf eine Ausweitung der Zwangsgewalt des Staates, vor allem durch den Aufbau der Sicherheitskräfte. Suharto gruppierte die Verwaltung um.</p>



<p>Bereits 1967 löste er die 4 Ministerien der Streitkräfte auf und stellte die Armee direkt unter seine Autorität. Sein Vorgänger Sukarno setzte auf Rivalität der unterschiedlichen Abteilungen, doch Suharto bevorzugte Zentralisierung.</p>



<p>Viele politische Posten, wie z. B. Provinzverwaltungen, wurden mit Militärs besetzt. Um absolute Loyalität zu erreichen, wurden gezielt Verantwortliche aus ihren Posten vertrieben. Das geschah teilweise auf harte Weise mit Anschuldigungen der PKI-Kooperation und Gefängnisstrafen oder vergleichsweise sanft, in Form einer verfrühten Pensionierung, von der 86 Generäle betroffen waren.</p>



<p>Ähnlich wie andere Autokraten, die durch Wahlen an Legitimität gewinnen wollen, konnte der indonesische Führer sich nicht allein auf Repression verlassen. Er musste zusätzlich andere Anreize bieten. Dazu bediente er sich der Kooperation mit der Elite und versuchte, die wirtschaftliche Performance zu steigern. In der gesamten Zeit der Herrschaft Suhartos sind diese 3 Aspekte wichtig.</p>



<p>Allerdings können für gewisse Phasen unterschiedliche Akzente ausgemacht werden. In der Konsolidierungsphase des Regimes war der Zwang das wichtigste Mittel. Die mittlere Phase der Suharto-Ära bot durch Öl-Booms eine neue Einnahmequelle, die dazu diente, die Eliten des Landes zufriedenzustellen. In der Endphase war es der wirtschaftliche Wachstum, der die Bevölkerung erreichen sollte.</p>



<p>Suharto selbst wandelte sich in dieser Zeit mit. Nach Abschluss seiner Militärkarriere Ende der 1970er Jahre suchte er Distanz zur Armee, kooperierte mit Mitgliedern der Oberschicht und wandte sich der Wirtschaft zu.</p>



<p>Ein wichtiges Legitimationsverfahren in der Anfangszeit Suhartos waren die Wahlen. Allerdings schwand deren Bedeutung mit der Zeit, und Ende der 1980er Jahre wurden sie zu einem leeren politischen Ritual.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="266" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-300x266.jpg" alt="" class="wp-image-723" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-300x266.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-1024x909.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-768x681.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37.jpg 1411w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Die Bedenklichkeit des Suharto-Systems liegt vor allem in den Menschenrechtsverletzungen. Die Massaker in der Folgezeit des Putsches flachten zwar schnell ab, doch Unterdrückung und Gewalt gehörten bis zum Ende des Orde Baru dazu.</p>



<p>Viele Gewalttaten und Repressionen wurden von der indonesischen Führungsriege als politisches Mittel eingesetzt. Sie war allerdings nicht für sämtliche Verbrechen direkt verantwortlich, doch schuf sie die Bedingungen, die derartige Ereignisse begünstigten.</p>



<p>Eine besonders blutige Episode der Geschichte Indonesiens war die Invasion und Annexion Ost-Timors 1975/76. Die genaue Zahl der Opfer lässt sich auch hier nur schätzen. Ricklefs nennt die Zahl von 60.000 Opfern, was etwa 10 % der Bevölkerung dieser Region entsprochen hätte.</p>



<p>Eine der größten innenpolitischen Säuberungsaktionen fand Anfang der 1980er Jahre unter dem Akronym „Petrus“ statt, gebildet aus „Penembakan Misterius“ – übersetzt „Mysteriöse Schießereien“. Paramilitärs töteten Tausende von Menschen, die als Kriminelle gebrandmarkt wurden, in den großen Städten des Landes.</p>



<p>Oft waren es Minderheiten, die unter den Angriffen leiden mussten – besonders die Chinesen. Ein markantes Beispiel hierfür sind die Unruhen in Jakarta kurz vor dem Ende des Suharto-Regimes im Mai 1998. Dabei fielen viele Chinesen Gewalttaten zum Opfer.</p>



<p>Anti-chinesische Ressentiments ziehen sich durch die gesamte Zeit des Orde Baru. Ein wichtiger Grund war der Verdacht, dass die chinesische Diaspora mit den Kommunisten in der Volksrepublik sympathisierten und paktieren könnte. In der Suharto-Zeit war dies ein schwerwiegender Verdacht.</p>



<p>Der Anti-Kommunismus schlug sich auch in der Außenpolitik nieder. Die Jakarta-Beijing-Verbindung wurde bereits 1965 abgebrochen. In der nachfolgenden Zeit zog sich China aus Indonesien zurück und stellte die staatliche Nachrichtenagentur Xin Hua in Jakarta ein.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wirtschaftsreformen und die Rolle der „Berkeley Mafia“</h5>



<p>Die neue Regierung versuchte, die westlichen Wünsche in Bezug auf die internationale Ausrichtung zu erfüllen. Bereits 1966 trat Indonesien wieder in die Vereinten Nationen ein und die Konfrontation mit Malaysia wurde beendet. In anderen Ländern wurde das antikommunistische Engagement positiv aufgenommen, und die ersten Kredite flossen schnell.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="141" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front-300x141.jpg" alt="" class="wp-image-716" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front-300x141.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
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<p>Um die Anlaufprobleme im Mai 1966 gut zu überstehen, bot Japan der Suharto-Regierung einen Notfallkredit über 30 Millionen Dollar an. Die westlichen Staaten kamen Indonesien bei der Schuldentilgung entgegen. Im Gegenzug wurde ein Entgegenkommen Suhartos erwartet, der sich an die Maßstäbe des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank halten sollte.</p>



<p>Bei den wirtschaftlichen Reformen vertraute Suharto auf ein Expertenteam, das unter dem Namen „Berkeley Mafia“ bekannt wurde. Hierbei handelte es sich um eine Gruppe von Ökonomen, die ihre universitäre Ausbildung in den USA an der University of California, Berkeley, erhalten hatten.</p>



<p>In der Folge konnte Indonesien ein stattliches Wirtschaftswachstum verzeichnen. Die Stärke der Verantwortlichen war ein pragmatischer Ansatz. Der indonesische Ökonom Mohamad Sadli sprach davon, dass „Indonesian policy-makers often have the useful ability of being able to ‘muddle through’” – sie waren gut im „Sich-Durchwursteln“.</p>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="201" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-201x300.jpg" alt="" class="wp-image-717" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-201x300.jpg 201w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-687x1024.jpg 687w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-768x1145.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-1031x1536.jpg 1031w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped.jpg 1074w" sizes="auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto, 1973.</figcaption></figure>
</div>


<p>In der Zeit von 1965 bis 1980 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) alljährlich um durchschnittlich 7 %. Besonders die Produktion konnte mit einem jährlichen Wachstum von 12 % stark zulegen. Im Dienstleistungssektor verzeichnete man in diesem Zeitraum ein Wachstum von 7,3 % pro Jahr. Der Landwirtschaftssektor wuchs zwar mit 4,3 % relativ langsam, doch auch dieser Wert bedeutete eine deutliche Verbesserung der Lage.</p>



<p>Das lässt sich unter anderem an den Lebensmittelpreisen erkennen. Die Regierung sorgte für eine Erhöhung der Produktion in den 1970er- und 1980er-Jahren, indem sie eine breit angelegte ländliche Entwicklung ermöglichte und auf moderne Produktionstechnologie setzte.</p>



<p>Diese sinnvollen Reformen waren eine Folge der Reis-Krise im Jahr 1972. Südostasien erlitt in dieser Zeit eine ernsthafte Dürrephase – die Ernte war schlecht und das weltweite Angebot auf einem niedrigen Level. In der Folge stiegen die Weltmarktpreise für Reis stark an.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-721" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Besonders für die armen Teile der Bevölkerung sind stabile Lebensmittelpreise wichtig. Sie geben einen Großteil ihres Einkommens für Essen aus, und damit bedeuten niedrige Preissteigerungen eine geringe Inflation für diese Bevölkerungsgruppe.</p>



<p>Da die indonesische Administration zu dieser Zeit über kein effektives landwirtschaftliches Monitoring verfügte, wurde sie von dieser Entwicklung überrascht und konnte nicht effektiv reagieren. Diese Ereignisse waren ein Schock für die noch fragile Ökonomie des Landes und trafen vor allem die armen Schichten. Suharto erkannte die Gefahren, auch für die politische Stabilität, und setzte den Fokus auf eine gesicherte Nahrungsmittelversorgung, in deren Mittelpunkt der Reis stand.</p>



<p>Verbunden mit einem Familienplanungsprogramm, das dafür sorgte, dass das Bevölkerungswachstum moderat verlief, konnte das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der Suharto-Ära durchschnittlich um 4,7 % jährlich steigen.</p>



<p>Alles in allem konnte die absolute Armut stetig reduziert werden, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten.</p>



<p>Statistische Daten sind für die Periode von 1976 bis 1996 vorhanden.</p>



<p>In dieser Zeit sank die Anzahl der von absoluter Armut betroffenen Menschen von 40,1 % auf 11,3 %. Derartige Statistiken sind mit Vorsicht zu betrachten, doch ein derart großer Unterschied lässt eine deutliche Verbesserung der Situation realistisch erscheinen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Krise und Niedergang: Das Ende des Suharto-Regimes</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="229" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-300x229.jpg" alt="" class="wp-image-715" style="width:300px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-300x229.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-768x587.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-290x220.jpg 290w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17.jpg 1004w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mobile Brigade der indonesischen Polizei, 1991</figcaption></figure>
</div>


<p>Mit Beginn der 1990er Jahre war der indonesische Staat noch intakt, doch eine Reihe von Problemen Suhartos wurde erkennbar. In der Innenpolitik wurde deutlich, dass der zentrale Führer alt wurde und kein Konzept für eine geordnete Nachfolge entwickelt hatte. In der Außenpolitik wirkte sich das Ende des Kalten Krieges aus, da Indonesien für den Westen eine geringere politische Rolle spielte.</p>



<p>Auch die Wirtschaft geriet ins Wanken. Die indonesische Ökonomie litt unter den Auswirkungen der Asienkrise. Diese begann 1997 in Thailand und hatte besonders negative Auswirkungen auf die Länder Südostasiens.</p>



<p>Indonesien litt unter einer gigantischen Kapitalflucht, bei der geschätzte 150 Milliarden Dollar aus dem Land abflossen. Die Stabilität der Währung war gefährdet. Suharto versuchte, beim Volk Vertrauen in die Regierung und die Währung aufzubauen. Dennoch kam es ab Januar 1998 zu Panikkäufen. Der Präsident versuchte, mit Essensabgaben und Kampagnen den Vertrauensverfall aufzuhalten.</p>



<p>Seine Tochter Tutut tauschte während der „I Love the Rupiah“-Kampagne 50.000 US-Dollar in die einheimische Währung um.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="230" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-300x230.jpg" alt="" class="wp-image-722" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-300x230.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-1024x787.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-768x590.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1.jpg 1532w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto verlässt den Palast</figcaption></figure>
</div>


<p>Zu den wirtschaftlichen Problemen kamen gesellschaftliche hinzu. Als im Mai 1998 4 demonstrierende Studenten der Trisakti-Universität in Jakarta erschossen wurden, kam es zu großen Ausschreitungen. Allein in Jakarta starben mehr als 1.000 Menschen. Es gab Vergewaltigungen und Misshandlungen. 40 Shopping-Malls und Tausende von Geschäften wurden zerstört.</p>



<p>Suharto versuchte weiterhin, sein Amt zu halten, doch er hatte weder im Land noch außerhalb starke Fürsprecher. Am 21. Mai 1998 trat er zurück und das Orde Baru endete.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h3>



<p>Alle Bilder gemeinfrei.</p>



<p></p>
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		<title>Indonesien, Malaysia und der globale Jihad</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Nov 2024 06:00:00 +0000</pubDate>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/JihadIndonesienMalaysia.mp3"></audio></figure>



<p>Titelbild: Denkmal in Kuta mit den Namen der Opfer des Anschlags 2002.</p>



<p>Terrorismus ist schwer zu erfassen, da es keine eindeutige Definition gibt. In Deutschland fällt dies auf, wenn darum gerungen wird, ob ein Anschlag ein terroristischer Akt oder ein Amoklauf war. Schaut man in andere Teile der Welt, wird es noch unübersichtlicher. Es mischen sich religiöse, kulturelle, finanzielle und politische Motive. Ob jemand ein Terrorist oder ein Freiheitskämpfer ist, ist oft eine Frage der Perspektive. Die Vereinten Nationen scheiterten bei dem Versuch, eine allseits akzeptierte Definition aufzustellen. Eine Studie von Schmid und Jongman fand 109 unterschiedliche Definitionen mit 22 unterschiedlichen „definitional elements&#8220;.</p>



<p>In dieser Artikel wird der Fokus auf Gruppierungen gelegt, die von jihadistischen Ideen geleitet sind. „Jihad&#8220; stammt aus dem arabischen und bedeutet „Anstrengung, Kampf, Bemühung&#8220;, doch ist damit ein aus dem Koran hergeleitetes Konzept gemeint, dass mit „gottgewollter Krieg&#8220; umschrieben werden kann.</p>



<p>Die Entwicklung des Jihadismus in Südostasien zeigt beispielhaft, wie sich lokale und globale Faktoren vermischen. Die Region wurde nach dem Ende des Kalten Krieges zu einem wichtigen Aktionsraum militanter Gruppierungen. Besonders die Ereignisse um den 11. September 2001 stellten die mehrheitlich muslimischen Länder Indonesien und Malaysia vor die Herausforderung, zwischen internationalen Erwartungen und innenpolitischen Realitäten zu navigieren.</p>



<div class="toc-container"><h2>Inhalt</h2>  <p> <a href="#GlobaleJihad">Der globale Jihad</a><br><a href="#SuedostasienVor911">Südostasien vor 9/11</a><br> <a href="#RegionaleKonflikte">Regionale Konflikte als Nährboden</a><br><a href="#Wendepunkt">Der Wendepunkt: 9/11 und seine Folgen</a><br>  <a href="#IndonesienNach911">Indonesiens Weg nach 9/11</a><br> <a href="#MalaysiaNach911">Malaysias Strategie nach 9/11</a><br>  <a href="#BlickZukunft">Ein Blick in die Zukunft</a></p></div>



<h1 class="wp-block-heading" id="GlobaleJihad">Der globale Jihad</h1>



<h5 class="wp-block-heading">Der Zerfall der alten Ordnung</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Kaaba_at_night-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-1189" style="width:300px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Kaaba_at_night-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Kaaba_at_night-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Kaaba_at_night.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Kaaba, das zentrale Heiligtum des Islam, in Mekka</figcaption></figure>
</div>


<p>Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die islamische Welt von mehreren Ereignissen von Grund auf verändert.</p>



<p>Zum einen wechselten die Machtverhältnisse in Saudi-Arabien und damit auch in Mekka. Dieser heilige Ort des Islams ist das Ziel vieler gläubiger Muslime auf dem Haddsch. Wer hier herrscht, der verfügt über eine nicht versiegende Einnahmequelle und kann sich ein weltweites Netzwerk an Kontakten aufbauen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="219" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Abdulaziz_Al_Saud_Fotocollectie_Van_de_Poll_Nationaal_Archief-219x300.jpg" alt="" class="wp-image-1191" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Abdulaziz_Al_Saud_Fotocollectie_Van_de_Poll_Nationaal_Archief-219x300.jpg 219w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Abdulaziz_Al_Saud_Fotocollectie_Van_de_Poll_Nationaal_Archief.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ibn Saud (1875-1953)</figcaption></figure>
</div>


<p>Im Jahre 1919 konnte Ibn Saud, vom Geschlecht der Saudis, den alten Herrscher Sharif Husayn schlagen und die Macht im Land übernehmen. Durch die Saudis setzte sich der Wahhabismus durch, eine puristisch-traditionalistische Richtung des neuzeitlichen, sunnitischen Islams.</p>



<p>Einige Jahre zuvor begann der Zerfall des Osmanischen Reiches. Die Araber revoltierten 1916 gegen die Osmanen. Die europäischen Mächte nutzen die Chance und sicherten sich Gebiete im Nahen Osten. Großbritannien nahm sich Palästina, Transjordanien und den Irak, Frankreich Syrien und Libanon. Die Briten unterstützen den Zionismus und bereitete damit den Israel-Palästina-Konflikt den Weg. Das Sultanat des zerfallenden Osmanischen Reiches wurde aufgelöst und die Türkei entstand, ein säkularer Staat.</p>



<p>Durch den Wegfall des Sultanats verloren die Sunniten eine wichtige ordnende Institution. Die Folge war, ein politisch-religiös weitaus diverserer Naher Osten. Der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington sah im Fehlen eines islamischen Kernstaates einen wichtigen Faktor, der innere und äußere Konflikte hervorrief.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die Entstehung radikaler Bewegungen</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="248" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Hassan_al-Banna_-_Al-Alam_V2_P_233-248x300.jpg" alt="" class="wp-image-1193" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Hassan_al-Banna_-_Al-Alam_V2_P_233-248x300.jpg 248w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Hassan_al-Banna_-_Al-Alam_V2_P_233.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hasan al-Banna (1906-1949)</figcaption></figure>
</div>


<p>In Ägypten nutzte Hasan al-Banna dieses Machtvakuum und gründete 1928 die Muslimbrüder. Für sie galten Koran, Hadith und Scharia als göttliche Offenbarung und sie verfügten über eine politische Agenda: König Farouk wurde von ihnen als „Fremdherrscher&#8220; wahrgenommen. Er gehörte zwar einer ägyptischen Dynastie an, doch war er als ein Vasall des Osmanischen Reiches im Verdacht, fremden Interessen gedient zu haben. Daher strebten die Muslimbrüder den Umsturz an.</p>



<p>Für sie galt Gewalt als ein probates Mittel. 1948 töteten sie den Premierminister Mahmud al-Nuqrashi. Nach einem missglückten Anschlag auf Oberst Abdul Nasser im Jahre 1952 schlug der ägyptische Staat hart zurück. Es kam zu Masseninhaftierung und zu Polizeirepressionen. Viele Muslimbrüder flüchteten und suchten Asyl in Saudi-Arabien. Dort konnten sie weltweite Kontakte schließen und ihre Propaganda verbreiten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="215" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Sayyid_Qutb-215x300.jpg" alt="" class="wp-image-1194" style="width:214px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Sayyid_Qutb-215x300.jpg 215w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Sayyid_Qutb.jpg 232w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sayyid Qutb, 1965 vor Gericht</figcaption></figure>
</div>


<p>Ein einflussreicher Theoretiker der Muslimbrüder war Sayyid Qutb (1906-1966). Für ihn muss ein Herrscher seine Gesetze gemäß der Scharia ausrichten. Muslime dürfen nicht gegen jemanden gehorsam sein, der nicht dem Schöpfer gehorcht. In modernen politischen Systemen wird die Souveränität der Allgemeinheit gewährt und das verletzt die islamischen Regeln. Daher muss der moderne Staat abgelehnt werden. Für Qutb ist der Jihad gegen die Westernisierung eine gottgewollte Pflicht. Dadurch, dass bei vielen Muslimen das Gefühl der Unterdrückung durch den imperialistischen Westen vorhanden war, konnten Qutb und andere radikale Islamisten einen reinen Islam den dämonischen politischen und kulturellen Einflüssen des Westens gegenüberstellen. Aufgrund der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurde er schließlich in Ägypten hingerichtet. Er beeinflusste viele muslimische Denker, in Indonesien beispielsweise Hamka (Abdul Malik Karim Amrullah, 1908–81), der als Philosoph und Autor die separatistische „Pemerintah Revolusioner Republik Indonesia&#8220; in Sulawesi unterstützte.</p>



<p>Ein weiterer Vertreter des politischen Islam war in Britisch-Indien und im Nachfolgestaat Pakistan aktiv: der islamische Gelehrte, Philosoph und Journalist Maulana Maududi. Er vertrat den Wunsch nach einem islamischen Staat und stützte sich, ähnlich wie Qutb, auf frühmittelalterliche Theorien, die auf dem Koran basierten. Gesetze, soziale Organisation und persönliches Verhalten sollten sich nach dem heiligen Buch richten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="244" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/أبو_الأعلى_المودودي_وعبدالله_العقيل_cropped-244x300.jpg" alt="" class="wp-image-1195" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/أبو_الأعلى_المودودي_وعبدالله_العقيل_cropped-244x300.jpg 244w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/أبو_الأعلى_المودودي_وعبدالله_العقيل_cropped.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 244px) 100vw, 244px" /><figcaption class="wp-element-caption">Maulana Maududi (1903-1979)</figcaption></figure>
</div>


<p>In den 1920er- und 1930er-Jahre sprach er sich für einen Jihad gegen die britischen Kolonialherren in Indien aus. Er war gegen den späteren Staat Pakistan, da sein Ziel ein komplett muslimisches Indien war. Maududi stiftete seine Anhänger zu Aktionen gegen die Regierung an, die vielen tausend Menschen das Leben kostete. Unter den Opfern waren auch Muslime, die Ahmadiyya, die von vielen anderen Muslimen nicht als Glaubensgenossen anerkannt werden.</p>



<p>Auch Maududi wurde vom Staat verfolgt und musste von 1947 bis 1950 eine Haftstrafe wegen Volksverhetzung absitzen. Viele seiner Ideen konnte er durch Bücher verbreiten. Er inspirierte damit unter anderem die Dakwah-Bewegung in den 1980er-Jahren.</p>



<p>Ein dritter wichtiger Theoretiker war Ayatollah Chomeini. Er erlebte, wie der Schah Mohammed Reza Pahlavi den Iran modernisierte und säkularisierte. Damit verärgerte er manchen und der Vorwurf kam auf, dass er das Land an die USA verkaufen möchte. Ihm wurde vorgeworfen, dass er islamisches Recht ignorierte und die Rolle der Ulama zu unterminieren versuchte. Nach einigen Zusammenstößen mit der Geheimpolizei musste Chomeini in das Exil; zunächst im Irak und später in Paris. Doch als 1979 die islamische Revolution die Machtverhältnisse änderte, konnte er als starker Mann zurückkehren. Für ihn sollte sich die Politik an der Gemeinschaft Mohammeds orientieren und er sah die Ulama in einer politischen Rolle.</p>



<p>Diese drei islamischen Vordenker teilten die Ablehnung der Moderne. Sie setzen eine Gesellschaft dagegen, die nach göttlichem Recht organisiert ist. Die dunklen Seiten ihres Denkens sind die Rationalisierung des Jihad und die Mobilisierung gegen Minderheiten (z.B. Kopten in Ägypten, Ahmadiyya in Indien, Bahai im Iran).</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die globale Ausbreitung des Jihad</h5>



<p>In den 1980er Jahren gab es gleich mehrere Konflikte, die dem Jihadismus Zulauf brachten. Im Nahen Osten war der größte Brennpunkt Palästina. Der langwierige Konflikt zwischen Juden und Arabern wurde auch außerhalb des Landes, beispielsweise im Libanon, dem Iran und Syrien, von islamistischen Gruppen genutzt, um ein klares Feindbild zu konstruieren und damit das Gruppengefüge zu festigen. Im Libanon waren die Terrororganisationen Hisbollah und Islamic Jihad aktiv, deren Ziel es war, nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen moderate Libanesen zu kämpfen.</p>



<p>Doch außerhalb dieser unruhigen Zone gab es die Tendenz zur Radikalisierung, ob in Algerien, Pakistan oder dem Sudan. Auch nach Europa wurden diese Ideen von muslimischen Immigranten hineingetragen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="188" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Mujahid-MANPAD-300x188.jpeg" alt="" class="wp-image-1196" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Mujahid-MANPAD-300x188.jpeg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Mujahid-MANPAD-768x482.jpeg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Mujahid-MANPAD.jpeg 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Afghanischer Mujahid mit einer Flugabwehrrakete, 1988.</figcaption></figure>
</div>


<p>An anderer Stelle gab es ungewöhnliche Kooperation: als 1979 die UdSSR versuchte, über Afghanistan Einfluss zu gewinnen, stellten sich die Amerikaner dagegen und unterstützten die Mujahedin, zusammen mit Pakistan und Saudi-Arabien. Die USA sah in den islamischen Kämpfern das kleinere Übel im Vergleich zu der kommunistischen Bedrohung. Diese Washington-Islamabad-Riyadh-Allianz lieferte Geld, Waffen und Ausrüstung. Zusätzlich wurden die neuen Verbündeten vom US-Militär ausgebildet und von den Saudis religiös unterstützt. Zwischen 1980-1989 flossen jährlich ca. 5 Milliarden Dollar von dieser Allianz in Richtung Hindukusch. Einiges davon ging an Osama Bin Laden (1957-2011).</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der Weg zu Al-Qaida und 9/11</h5>



<p>Bin Laden wurde durch die Anschläge am 11. September und der darauffolgenden Jagd auf ihn zum meistgesuchten Terroristen der Welt. Er war zwar saudi-arabischer Nationalität, doch sein Handeln war global. Im Jahre 1984 gründete er mit Adullah Azzam, von den jordanischen Muslim-Brüder, das „Afghan Service Bureau&#8220;. Sie warben tausende von Kämpfern in Pakistan an und bildeten sie für den Krieg in Afghanistan aus. Doch die Zusammenarbeit endete nach fünf Jahren blutig, als Azzam durch eine Bombe getötet wurde. Die Vermutung liegt nahe, dass Bin Laden hinter dem Anschlag stand, da er glaubte, sein Partner würde mit der CIA kooperieren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="158" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Reward_for_Osama_bin_Laden_Ayman_al_Zawahirir_-_AFD290F-300x158.jpg" alt="" class="wp-image-1197" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Reward_for_Osama_bin_Laden_Ayman_al_Zawahirir_-_AFD290F-300x158.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Reward_for_Osama_bin_Laden_Ayman_al_Zawahirir_-_AFD290F.jpg 375w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nach 9/11: Fahndung nach al-Zawahiri und Bin Laden, Belohnung 25.000.000$</figcaption></figure>
</div>


<p>Zusammen mit Ayman al-Zawahiri legte Bin Laden das Fundament zur al-Qaida, einer Massenbewegung, die muslimische Interessen weltweit verbinden sollte. Strukturell war es ein Zusammenschluss islamischer Gruppen.</p>



<p>In den 1990er-Jahren folgten aufsehenerregende Terroraktionen, die der al-Qaeda zugeschrieben wurden. 1993 wurde ein erster Anschlag auf das Word Trade Center in New York unternommen, der zwar Tote forderte, aber das Gebäude nicht zerstören konnte. Im nächsten Jahr missglückten Attentate auf den amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, dem philippinischen Fidel Marcos und auf den ägyptischen Hosni Mubarak.</p>



<p>Für den globalen Jihadismus war das Jahr 1996 ein wichtiger Meilenstein. Die Taliban konnten Kabul kapern und hielten einige Monate später insgesamt 85% des Landes besetzt. Es folgte die Anerkennung von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.</p>



<p>Al-Qaida setzte den eingeschlagenen Weg fort. Sie erließen Fatwas mit Gewaltaufrufen gegen die Amerikaner:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;[…] a duty to kill Americans and their allies an any country wherever possible&#8220;.</p>
</blockquote>



<p>Den Worten folgten Taten, beispielsweise 1998 bei dem Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi oder bei den Attacken im Jahre 2000 auf die USS Cole in Aden. Der Höhepunkt des al-Qaida-Terrors waren die Anschläge am 11. September.</p>


<div class="wp-block-image size-large wp-image-120890">
<figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2021/05/CC-BY-SA-3.0-Baba66-NordNordWest-1024x470.png" alt="" class="wp-image-120890"/><figcaption class="wp-element-caption">Grün: Sunniten, Rot: Schiiten, Blau: Ibaditen (Bild: Baba66 NordNordWest, Wikimedia)</figcaption></figure>
</div>


<h1 class="wp-block-heading" id="SuedostasienVor911">Südostasien vor 9/11</h1>



<h5 class="wp-block-heading">Wirtschaftsboom und Krise als Nährboden</h5>



<p>In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erlebten die asiatischen Ökonomien eine Boomphase. Angefangen in den sogenannten Tigerstaaten Südkorea, Singapur, Taiwan und Hongkong griff die Welle des wirtschaftlichen Erfolgs weiter nach Südostasien über und Malaysia und Indonesien erlebten einen Aufschwung.</p>



<p>Doch nach dem Aufstieg folgte der Fall. 1997 begann in Thailand die asiatische Finanzkrise, die ebenso die Nachbarstaaten ergriff. Die Folge war soziale Unruhe und damit wurde die Region für Islamisten besonders attraktiv.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Ideale Bedingungen für radikale Netzwerke</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="259" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Southeast_Asia_Political_Map_World_Factbook_2020-1-259x300.png" alt="" class="wp-image-1201" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Southeast_Asia_Political_Map_World_Factbook_2020-1-259x300.png 259w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Southeast_Asia_Political_Map_World_Factbook_2020-1-884x1024.png 884w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Southeast_Asia_Political_Map_World_Factbook_2020-1-768x890.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Southeast_Asia_Political_Map_World_Factbook_2020-1-1325x1536.png 1325w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Southeast_Asia_Political_Map_World_Factbook_2020-1-1767x2048.png 1767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Southeast_Asia_Political_Map_World_Factbook_2020-1.png 1381w" sizes="auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px" /></figure>
</div>


<p>Allerdings fanden Jihadisten noch andere Vorteile in den muslimischen Ländern Südostasiens. Zum einen waren die Grenzen kaum zu bewachen und daher war es einfach, unbemerkt ein- und auszureisen. Zum anderen gab es einen wenig regulierten, muslimischen Bankensektor und ein Hawala-Finanzsystem<sup data-fn="bf694712-f057-4461-a35c-7129e1158678" class="fn"><a id="bf694712-f057-4461-a35c-7129e1158678-link" href="#bf694712-f057-4461-a35c-7129e1158678">1</a></sup>. Besonders die Möglichkeit der anonymen Auslandtransfers waren für islamistische Gruppierungen wichtig.</p>



<p>Die in Indonesien geborenen islamischen Gelehrten mit arabischen oder jemenitischen Wurzeln Abu Bakar Ba&#8217;asyir (*1938) und sein Partner Abdullah Sungka (1937 – 1999) gründeten bereits 1971 ein Madrasah-Internat<sup data-fn="e0edd9dc-4426-4188-97ad-9f0334ecdcfd" class="fn"><a id="e0edd9dc-4426-4188-97ad-9f0334ecdcfd-link" href="#e0edd9dc-4426-4188-97ad-9f0334ecdcfd">2</a></sup> in Ngruki auf Java namens Al Mukin. Man trat in die Fußstapfen der Darul Islam, einer Bewegung für einen islamischen Staat, die von 1948-1962 bestand. An der Schule wurde der Wahhabismus gelehrt, Scharia-Recht sowie der Jihad gegen Nichtmuslime vertreten. Diese Ideen wurden nicht nur intern weitergegeben, sondern auch propagandistisch nach außen getragen, unter anderem durch einen Piratensender, der 1978 in Betrieb ging.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die Entstehung militanter Gruppen</h5>



<p>Ba&#8217;aysir und Sungka warben einige der ehemaligen Darul-Islam-Kämpfer für die Gruppe Komando Jihad an. Diese Organisation wurde durch vielfältige Gewalttaten auffällig. Nach Raubüberfällen und Morden ließ Suharto die Gruppierung verbieten und ließ die beiden Anführer vor ein Gericht stellen. Sie wurden zunächst zu 9 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt, doch nachträglich wurde die Strafe auf 4 Jahre reduziert. Beide verließen nach Absitzen der Haftstrafe das Land. Sie flohen nach Malaysia und gründeten in Johor Bahru wieder eine islamische Schule. Ähnlich wie die anderen jihadistischen Organisationen rekrutierte man Kämpfer für den Afghanistan-Krieg. Unterstützt wurden die beiden Indonesier durch arabische Wohlfahrtseinrichtung, aber auch durch al-Qaida. Durch diese Gelder war es möglich, eine weitere Schule in Johor Bahru zu errichten und das Netzwerk zu erweitern, unter anderem mit afghanischen Mujahidin.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="150" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Flag_of_Jihad.svg_-300x150.png" alt="" class="wp-image-1205" style="width:300px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Flag_of_Jihad.svg_-300x150.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Flag_of_Jihad.svg_-1024x512.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Flag_of_Jihad.svg_-768x384.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Flag_of_Jihad.svg_-1536x768.png 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Flag_of_Jihad.svg_.png 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die schwarze Flagge wurde zum Symbol verschiedener jihadistischer Gruppen, auch von Jemaah Islamiyah</figcaption></figure>
</div>


<p>1993 erfolgte der nächste Schritt und die Jemaah Islamiyah wurde gegründet. Die Kämpfer wurden darauf ausgebildet, Anschläge professionell durchführen zu können. Sie waren dazu in kleinen Einheiten organisiert. Die Mitglieder von sogenannten „Schläferzellen&#8220; hatten die Aufgabe, zunächst ein unauffälliges Leben zu führen, und dann mit Gewalttaten aktiv zu werden, wenn es nötig sei. Die Rekruten für diese Terrororganisation stammten auch von den Schulen Sungkas und Ba&#8217;aysirs. In einem Artikel der Washington Post wird Sidney Jones von der International Crisis Group zitiert, der Al Mukmin als „Ivy League&#8220; für Rekrute der Jemaah Islamiyah bezeichnete, also als eine Elitehochschule für den Terrorismus.</p>



<p>In Malaysia gründete der Afghanistan-Veteran Zainon Ismail die Kumpulan Mujahideen Malaysia, die aus Afghanistan zurückkehrende Kämpfer rekrutierte. Diese Gruppierung war gut vernetzt. Am 5. Januar 2000 hielt sie eine große Konferenz in Kuala Lumpur zusammen mit Jemaah Islamiyah ab. Dort wurden u.a. die Attacken auf die USS Cole geplant. Und es waren Jihadisten anwesend, die später ein Teil der Entführer-Crew der 9/11-Anschläge sein sollten.</p>



<h1 class="wp-block-heading" id="RegionaleKonflikte">Regionale Konflikte als Nährboden</h1>



<p>Die Entwicklung des Jihadismus in Südostasien wurde durch mehrere regionale Konflikte begünstigt. Besonders in Indonesien boten religiöse und ethnische Spannungen einen fruchtbaren Boden für radikale Gruppierungen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der Osttimor-Konflikt</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="280" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/643px-Timor-Leste_Transportation-300x280.jpg" alt="" class="wp-image-1203" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/643px-Timor-Leste_Transportation-300x280.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/643px-Timor-Leste_Transportation.jpg 643w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ost-Timor</figcaption></figure>
</div>


<p>Ein Blick zurück in das Jahr 1974: Osttimor war bis dahin ungefähr 450 Jahre eine portugiesische Kolonie gewesen. Als im fernen Portugal der Estado Novo, die autoritäre Diktatur, unterging, wurde auch das Kolonialreich aufgelöst. Über die Zukunft Osttimors gab es unterschiedliche Interessenslagen, die schließlich in einem Bürgerkrieg mündeten. Indonesien schickte Truppen und gliederte die Region am 17. Juli 1976 als 27. Provinz ein.</p>



<p>Doch das Land war damit nicht befriedet. Es kam in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder zu Gewalttaten. Guerilla-Kämpfer wehrten sich gegen die Besatzung der Indonesier, und die reagierten mit Unterdrückung, Folter und Mord. Im Jahre 1991 gab es ein Massaker gegen die unbewaffnete Bevölkerung, das internationale Kritik hervorrief. Die UN-Kommission für Menschenrechte untersuchte diesen Fall und der politische Druck auf Indonesien nahm zu. 1998/99 flammte der Konflikt erneut auf. Die westlichen Staaten USA, Australien und Neuseeland unterstützten die Unabhängigkeitsbewegung und das Referendum, dass schließlich 1999 eine Mehrheit für einen eigenen Staat hervorbringen sollte.</p>



<p>Diese Vorgänge konnten von den radikalen Islamisten ausgenutzt werden. Das Referendum wurde als eine Niederlage empfunden. Es wurde mit Missfallen betrachtet, dass die westlichen Staaten zum einen sich in diesen – als inner-indonesische Angelegenheit empfundenen Konflikt – einmischten und zum anderen, dass sie sich völlig parteiisch zeigten und die christliche Bevölkerung Osttimors den Rücken stärkten.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der Molukken-Konflikt</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="118" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Moluccas_in_Indonesia-300x118.png" alt="" class="wp-image-1209" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Moluccas_in_Indonesia-300x118.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Moluccas_in_Indonesia.png 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Molukken</figcaption></figure>
</div>


<p>Auf den Molukken lebt ebenfalls eine christliche Majorität. Und auch dort gab es separatistische Überlegungen, eine christliche Republik zu gründen. Diese Bestrebungen wurden in anderen Teilen des Landes kritisch aufgenommen. Im Jahre 1999 wurde ein vermeintlich christliches Pamphlet in Umlauf gebracht, das zur Gewalt gegen Muslime aufrief. Es könnte sein, dass dies eine Fälschung von Provokateuren war; so oder so waren die Folgen blutig. In den nachfolgenden Gewalttätigkeiten verloren ungefähr 10.000 bis 20.000 Christen und Indonesier mit chinesischen Wurzeln ihr Leben.</p>



<p>Diese Ereignisse sorgten für weiteren Zulauf bei den Jihadisten.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Mengenang Laskar Jihad ahlussunnah wal jamaah/ ust jafar umar tholib" width="735" height="551" src="https://www.youtube.com/embed/tLl-a_TYyiI?start=20&#038;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p>Im Januar 2000 formierte der Afghanistan-Veteran Jafar Umar Thalib (1961-2019) die paramilitärische Organisation Laskar Jihad. Die Organisation setzte darauf, Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erregen. Am 6. April 2000 versammelten sich – zur Überraschung der meisten Indonesier – mehrere tausend Kämpfer, mit Jalabiya gekleidet und mit Schwert ausgestattet im Senayan-Stadion, um sich auf den Jihad auf den Molukken einzustimmen. </p>



<p>Anschließend marschierte die Gruppe als Machtdemonstration zum Parlament und zum Präsidentenpalast. In der Hochphase hatte Laskar Jihad 10.000 Mitglieder und mehr als 70 Zweigstellen in Indonesien.</p>



<p>Daneben gab es weitere Organisationen, die den Jihad auf den Molukken unterstützten. Beispielsweise Laskar Mujahidin Indonesia, die unter der Schirmherrschaft von Majelis Mujahidin Indonesia stand. Im Gegensatz zu Laskar Jihad operierte man geheim, in kleinen, gut trainierten und gut ausgestatteten Einheiten.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Ausweitung nach Sulawesi</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="118" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Sulawesi_in_Indonesia-300x118.png" alt="" class="wp-image-1207" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Sulawesi_in_Indonesia-300x118.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Sulawesi_in_Indonesia-1024x403.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Sulawesi_in_Indonesia-768x302.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Sulawesi_in_Indonesia.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sulawesi</figcaption></figure>
</div>


<p>Die Molukken wurden zu einem Kampffeld, auf dem viele tausend Menschen starben und noch mehr Menschen flüchten mussten. Hauptziel der Flüchtlinge war die Nachbarprovinz Sulawesi. Doch auch dort waren sie nicht in Sicherheit, da die Jihadisten da ebenfalls aktiv wurden. Für Sulawesi schätzte man bis zu 7.000 Jihadisten, die nur 2.000 Polizei- und Armeekräften gegenüberstanden. Insgesamt hielten die Kämpfe drei Jahre an.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der Konflikt erreicht Kalimantan</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="118" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Kalimantan_in_Indonesia-300x118.png" alt="" class="wp-image-1208" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Kalimantan_in_Indonesia-300x118.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Kalimantan_in_Indonesia-768x302.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Kalimantan_in_Indonesia.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kalimantan</figcaption></figure>
</div>


<p>In der letzten Phase weitete sich der Konflikt nach Kalimantan aus. Dort vermischten sich die religiös-ethnischen Motive der Jihadisten mit Streitigkeiten mit indigenen Stämmen über Besitzverhältnisse und Zuständigkeiten. Hier gab es mehr als 2.000 Tote und 50.000 Flüchtlinge.</p>



<p>Laskar Jihad und ähnliche Gruppierungen wurden von Teilen der Bevölkerung Indonesiens unterstützt. So erhielten sie von Sympathisanten aus der indonesischen Armee Zuwendungen in Höhe von mehr als 9,3 Millionen US-Dollar. Geld, dass unter anderem dafür eingesetzt wurde, lokale Polizeikräfte zu attackieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="Wendepunkt">Der Wendepunkt: 9/11 und seine Folgen</h2>



<h5 class="wp-block-heading">Unmittelbare Reaktionen</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="206" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Explosion_following_the_plane_impact_into_the_South_Tower_WTC_2_-_B601911-300x206.jpg" alt="" class="wp-image-1210" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Explosion_following_the_plane_impact_into_the_South_Tower_WTC_2_-_B601911-300x206.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Explosion_following_the_plane_impact_into_the_South_Tower_WTC_2_-_B601911-1024x703.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Explosion_following_the_plane_impact_into_the_South_Tower_WTC_2_-_B601911-768x527.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Explosion_following_the_plane_impact_into_the_South_Tower_WTC_2_-_B601911-1536x1055.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Explosion_following_the_plane_impact_into_the_South_Tower_WTC_2_-_B601911-2048x1406.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Explosion_following_the_plane_impact_into_the_South_Tower_WTC_2_-_B601911-135x93.jpg 135w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Explosion_following_the_plane_impact_into_the_South_Tower_WTC_2_-_B601911-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Der Anschlag am 11. September 2001 änderte die weltpolitische Lage. Der War on Terror wurde erklärt und vor allem al Qaida und Bin Laden standen im Fokus der Geheimdienste.</p>



<p>In Südostasien zeigten sich viele direkt nach dem Anschlag geschockt. Doch es gab sowohl in der Bevölkerung in Malaysia als auch in Indonesien eine Debatte darüber, inwieweit die Vereinigten Staaten von Amerika mit verantwortlich für die Tat seien. Die US-Politik hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder für Blutvergießen in der islamischen Welt gesorgt. Die USA galten auch als einseitig ausgerichtet und schienen für das Leiden von Muslimen in Konflikten wenig Interesse zu zeigen. Beispielsweise im Palästina-Konflikt standen sie fest auf der Seite Israels, obwohl es auf deren Seite Vorkommnisse gab, die aus Menschenrechtssicht kritikwürdig waren.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Verschwörungstheorien und öffentliche Meinung</h5>



<p>Einige radikale Muslime vermuteten hinter den Attacken auf das World Trade Center sogar den israelischen Geheimdienst und die CIA. Allerdings waren diese Diskussionen keine Einzigartigkeit der islamischen Welt. Auch in der westlichen Hemisphäre wurde über die Verfehlungen der Amerikaner diskutiert und es waren ähnliche Verschwörungstheorien populär, doch dort sind die islamistischen Gruppierungen zu schwach, um dies aktiv in die Politik einzubringen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Verschärfung durch den Afghanistan-Krieg</h5>



<p>Mit dem Beginn des Afghanistan-Krieges wurde die Kritik an der US-Politik sowohl in Malaysia als auch in Indonesien lauter. In der malaysischen PAS fanden sich viele radikale Stimmen: es wurde der Boykott amerikanischer Waren und Dienstleistungen verlangt, der Jihad gegen die Vereinigten Staaten gefordert oder die Unterstützung der Taliban.</p>



<p>Doch auch andere Gruppierungen äußerten sich kämpferisch gegen die US-Intervention. The Ulama Association of Malaysia erließ Fatwas, die den US-Angriff gegen die Taliban verdammten und malaysischen Muslims untersagten, mit den Amerikanern zu kooperieren.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Unterschiedliche Regierungsreaktionen</h5>



<p>Die Regierungen beider Länder standen vor einer schwierigen Situation. Sie mussten zwischen verschiedenen Interessen vermitteln:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Internationale Erwartungen im &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220;</li>



<li>Innenpolitische Stimmungen und religiöse Sensibilitäten</li>



<li>Eigene Sicherheitsinteressen</li>
</ul>



<p>Dabei wählten sie unterschiedliche Strategien:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Indonesien suchte offiziell die Nähe zu den USA</li>



<li>Malaysia kritisierte die USA öffentlich, handelte aber intern gegen Extremisten</li>
</ul>



<p>Diese unterschiedlichen Ansätze sollten die Politik beider Länder in den folgenden Jahren prägen. Besonders deutlich wurden die Unterschiede nach dem Bali-Anschlag 2002, der als zweiter großer Wendepunkt die Region erschütterte.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="IndonesienNach911">Indonesiens Weg nach 9/11</h2>



<h5 class="wp-block-heading">Eine neue Präsidentin in schwieriger Zeit</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="200" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Bush_Mega-200x300.jpg" alt="" class="wp-image-1211" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Bush_Mega-200x300.jpg 200w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Bush_Mega.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Megawati Sukarnoputri und George W. Bush, 2001.</figcaption></figure>
</div>


<p>Megawati Sukarnoputri (*1947) ist im Sommer 2001 zur Präsidentin gewählt worden. Bereits vor den 9/11-Anschlägen erhielt sie eine Einladung zu einem Antrittsbesuch in Washington bei George Bush am 19. September. Obwohl die politische Lage durch die Anschläge komplett verändert wurde, wurde der Termin beibehalten und dafür genutzt, über den globalen Terror zu sprechen. Das Ergebnis war, dass Indonesien den amerikanischen „War on Terror&#8220; offiziell unterstützte und dafür ein Hilfspaket in Höhe von 630 Millionen US-Dollar erhielt.</p>



<p>Der Staat befand sich nach dem Sturz Suhartos, drei Jahre zuvor, noch in einer Findungsphase und die Institutionen waren nicht so stabil, wie in langjährig gewachsenen Demokratien. Dementsprechend war die Ausgangslage nicht einfach.</p>



<p>Ein weiteres Problem war, dass es in der Bevölkerung Kritik an der neuen Führung und ihren eingeschlagenen Weg gab. Ähnlich wie in Malaysia gab es auch hier hochrangige Funktionäre, die Kritik gegenüber den Vereinigten Staaten äußerten und ihnen eine Mitschuld an den Anschlägen gaben.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Innenpolitische Opposition</h5>



<p>Der Vize-Präsident der islamistisch-ausgerichteten Sammelpartei „Partai Persatuan Pembangunan&#8220; (PPP) und Megawati-Konkurrent Hamzah Haz sah 9/11 als gerechtfertigt an. Er sprach aus, dass es den USA dabei helfen könnte, für ihre Sünden zu büßen.</p>



<p>Din Syamsuddin, der Generalsekretär des Majelis Ulama Indonesia, ließ eine Deklaration veröffentlichen, die Muslime der Welt zum Jihad gegen die Amerikaner aufrief. Seine Angriffe auf die USA und Präsident Bush konnten ein großes Publikum begeistern.</p>



<p>Die Kritik des Westens wurde auch angeheizt, da der Osttimor-Konflikt wieder aktuell wurde. Die Unabhängigkeit sollte eingeleitet werden und wieder waren es Staaten wie Amerika und Australien, die sich aktiv in diese Angelegenheit einmischten und damit bei Muslimen für Verstimmungen sorgten.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Moderate Stimmen</h5>



<p>Doch die Stimmen im Land waren nicht durchgehend radikal. Es gab auch unter religiösen Funktionären besonnene Stimmen. Die Führer der beiden größten islamischen Organisationen, Nahdlatul Ulama und Muhammadiyah, reagierten moderat und verzichteten auf Jihad-Aufrufe.</p>



<p>Die Mischung aus einer neu formierten Regierung, noch nicht voll ausgebauten Institutionen und einer kritisch gestimmten Bevölkerung verhinderte die effektive Verfolgung der einheimischen Jihadisten.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der Bali-Anschlag</h5>



<p>Erst, als am 12. Oktober 2002, ein Anschlag auf ein Touristengebiet in Bali durchgeführt wurde und 202 Menschen getötet wurden, änderte sich die Lage schlagartig. Zum einen waren nun die westlichen Staaten mitbetroffen, da hauptsächlich Australier getötet wurden, und zum anderen war Indonesien als Ganzes angegriffen, da der ausbleibende Tourismus großen wirtschaftlichen Schaden anrichten würde.</p>



<p>Es dauerte nur 4 Tage, bis Jafar Umar Thalib das Ende von Laskar Jihad verkündete. Die Kämpfe wurden eingestellt, doch nur ein Bruchteil der Jihadisten, ungefähr 300, kehrten in ihre Heimat zurück. Was die Motive der Kämpfer waren, die in den Kampfgebieten verblieben, bleibt unklar. Thalib wurde später vor ein Gericht wegen Aufruf zu Gewalttätigkeiten auf den Molukken gestellt, aber freigesprochen.</p>



<p>Komplett war der Terror in Indonesien allerdings nicht gebannt. Besonders verheerend waren die Anschläge auf beliebte Touristenziele: 2003 erschütterte eine Explosion das Marriott-Hotel in Jakarta und riss 12 Menschen in den Tod. Der Verdächtige wurde dem al-Qaida-Umfeld zugeordnet. Zwei Jahre später wurde Bali erneut zum Schauplatz der Gewalt. Diesmal trafen die Terroristen die Orte Kuta und Jimbaran, wo drei koordinierte Bombenanschläge 23 Menschenleben forderten. Hinter diesen Attentaten steckte nach Erkenntnissen der Ermittler die islamistische Terrorgruppe Jemaah Islamiyah.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="MalaysiaNach911">Malaysias Strategie nach 9/11</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="http://asien-info.net/wp-content/uploads/2021/05/162.jpg" alt="" class="wp-image-120891"/></figure>
</div>


<h5 class="wp-block-heading">Mahathirs Doppelstrategie</h5>



<p>In Malaysia schlug man einen genau entgegengesetzten Weg ein. Ministerpräsident Mahathir äußerte offen und oft Kritik an den Amerikanern, aber bekämpfte den Terror im Lande.</p>



<p>Zwei Monate nach den Anschlägen wies er in einer öffentlichen Rede darauf hin, dass der Kampf gegen den Terror misslinge, wenn man nicht die Gründe angeht. Vor allem den Palästina-Konflikt machte er als Hauptursache aus. In einem Gespräch mit Präsident Bush, brachte er diesen Punkt ebenfalls vor und beide stimmten darin überein, dass diese Gründe angegangen werden sollten, beispielsweise die Hoffnungslosigkeit, die junge Leute in Mörder verwandeln kann.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="235" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Mahathir_1998-300x235.jpg" alt="" class="wp-image-1212" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Mahathir_1998-300x235.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/Mahathir_1998.jpg 342w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mahathir trifft den US-Verteidigungsminister Cohen, 1998.</figcaption></figure>
</div>


<p>Diese kritische Einstellung gegenüber den USA war nicht neu. Bereits in der Debatte zu den asiatischen Werten, die einige Jahre zuvor Staatsmänner zu Stellungsnahmen veranlasste, bezeichnete Mahathir die Menschenrechte als Werkzeug des Westens, um die asiatischen Länder zu untergraben.</p>



<p>Doch trotz seiner offenen Kritik an der westlichen Politik und den Verzicht sich offiziell dem „War on Terror&#8220; anzuschließen, war Mahathir auch an einer ernsthaften Lösung des Terrorismus-Problems interessiert. Denn terroristische Vereinigungen richteten sich nicht nur gegen den Westen, sondern gefährdeten auch den Frieden im eigenen Land.</p>



<p>Aus diesem Grund wurden Mitglieder radikaler Gruppen, die als ernsthafte Gefahr angesehen wurden, in Malaysia verfolgt und inhaftiert. Mahathir nutze die Chance, um den politischen Arm der Islamisten zu schwächen, indem er die Führung der Parti Islam Se-Malaysia (PAS) als Extremisten bezeichnete und damit isolierte.</p>



<p>Mahathir versuchte bei der Organisation of Islamic Cooperation eine Übereinkunft darüber zu erreichen, dass Selbstmordattentäter geächtet würden; konnte sich aber nicht damit durchsetzen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Verschärfung durch Afghanistan-Krieg</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="201" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/U.S._Marines_humping_in_Afghanistan_November_2001-300x201.jpg" alt="" class="wp-image-1213" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/U.S._Marines_humping_in_Afghanistan_November_2001-300x201.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/U.S._Marines_humping_in_Afghanistan_November_2001-1024x686.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/U.S._Marines_humping_in_Afghanistan_November_2001-768x515.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/11/U.S._Marines_humping_in_Afghanistan_November_2001.jpg 1516w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">US-Marines in Südafghanistan, 25. Nov. 2001</figcaption></figure>
</div>


<p>Mit dem Beginn des Afghanistan-Krieges wurde die Kritik an der US-Politik sowohl in Malaysia als auch in Indonesien lauter. In der PAS fanden sich viele radikale Stimmen: es wurde der Boykott amerikanischer Waren und Dienstleistungen verlangt, der Jihad gegen die Vereinigten Staaten gefordert oder die Unterstützung der Taliban.</p>



<p>Doch auch andere Gruppierungen äußerten sich kämpferisch gegen die US-Intervention. The Ulama Association of Malaysia erließ Fatwas, die den US-Angriff gegen die Taliban verdammten und malaysischen Muslims untersagten, mit den Amerikanern zu kooperieren.</p>



<p>Mahathir äußerte sich auch verärgert: &#8222;If the Americans are really waging a war against terrorism, why don&#8217;t they attack Israel, who are terrorists against the Palestinians?&#8220;</p>



<h5 class="wp-block-heading">Konsequentes Durchgreifen</h5>



<p>Doch wieder bliebt Malaysia den ambivalenten Weg treu. Während der Premierminister den amerikanischen Einsatz kritisierte, setzte er intern harte Maßnahmen gegen die Jihadisten durch.</p>



<p>Besonders die islamistischen Schulen standen nun im Fokus. Im Oktober 2001 wurden Gelder an 2.160 Institutionen zurückgehalten, die unter Verdacht standen, islamischen Extremismus zu propagieren. Im Dezember 2002 verkündete Mahathir den Plan, die Lehrpläne der privaten Madrasah-Schulen zu kontrollieren und nach und nach die Schulen mit ihren 15.000 Schülern in das System der staatlichen Schulen zu integrieren.</p>



<p>Im Januar 2003 wurden in einer größeren Aktion siebzig des Extremismus verdächtige Islamisten unter dem Internal Security Act verhaftet. Dieses Sicherheitsgesetz ermöglichte die Inhaftierung ohne Verhandlung.</p>



<h1 class="wp-block-heading" id="BlickZukunft">Ein Blick in die Zukunft</h1>



<p>Die muslimischen Länder Südostasiens bleiben für radikale Gruppen interessant. Doch in den letzten Jahren gab es gute Neuigkeiten im Bereich der Terrorbekämpfung. Die Zahl der Kämpfer aus Indonesien und Malaysia am globalen Jihad sanken &#8211; beim Islamischen Staat waren es laut Routledge Strategic Comments nur etwa 1.000 Personen, davon ungefähr 700 aus Indonesien.</p>



<p>Jemaah Islamiyah hat Ende Juni 2024 in einer Videobotschaft ihre Auflösung verkündet und ihre Loyalität zum indonesischen Staat erklärt. Die Entscheidung basiert wahrscheinlich auf dem Einfluss moderaterer Intellektueller innerhalb der Gruppe, dem Wunsch ihre Schulen zu schützen sowie intensiven Gesprächen mit Anti-Terror-Behörden.</p>



<p>Doch die strukturellen Voraussetzungen für neue militante Bewegungen sind weiterhin gegeben. Im Geheimdienst-Blog Fortuna&#8217;s Corner warnen die Experten Zachary Abuza und Colin P. Clarke davor, dass in Südostasien die nächsten militanten Islamisten &#8222;ausgebrütet&#8220; werden könnten. Die Region bietet nach wie vor ideale Bedingungen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Schwer zu kontrollierende Grenzen zwischen den Inseln</li>



<li>Ein wenig regulierter muslimischer Finanzsektor</li>



<li>Ein Netzwerk religiöser Schulen</li>



<li>Politische und soziale Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen</li>
</ul>



<p>Die Reaktionen Malaysias und Indonesiens auf die Bedrohung durch den Jihadismus zeigen, wie komplex die Herausforderungen sind. Einfache Lösungen wie offene Unterstützung des Westens oder hartes Durchgreifen können ohne Berücksichtigung lokaler politischer und sozialer Dynamiken sogar kontraproduktiv wirken. Die Region wird auch in Zukunft eigene Antworten auf die Gefahr durch militante Gruppen finden müssen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h1 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h1>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p>Means, Gordon P. (2009): <a href="https://www.amazon.de/-/en/Gordon-Paul-Means/dp/8130915332?crid=RXM3KEXKYDYP&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.etZbYhy-0B51Kbwk7L_P34DlE0rYUL-XdoI9jgrSde2_94sVeLykX_8DT958GRmGzVDVXvPBfin9OUnzdrwdLY6M3miCpGe2qHNq6vG67kLJ0V4EvbNSjcu7jHSR1TmchwjzRLsWf1pizaecgCXAHCbLL4J5B16kUhMQ-UuupLkSUaBuNCxG8Levvz7E-te8W0vIHoFhZxMJadEWPalDZWVhgXgfTVHROskfQz80FO0.EN4_sL6F1FhcSgjv4LSrgEFlCTyQCl8Lk0wzd_IP_q0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Political+Islam+in+Southeast+Asia+means&amp;qid=1766131292&amp;sprefix=political+islam+in+southeast+asia+means%2Caps%2C94&amp;sr=8-2&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=cdc3756ac1e7f3241dd6556b96bdc8f6&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">Political Islam in Southeast Asia</a>.*</p>



<p>Huntington, Samuel P. (2002): <a href="https://www.amazon.de/-/en/Kampf-Kulturen-Neugestaltung-Weltpolitik-Jahrhundert/dp/3442151902?crid=DGM3O903CDN4&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.Da-pAQ-C8PsrqTXEgNCuUFPrhI2C-YUUVYmXK_mGORYtZmh33bGa2iPvBwtYHuEZcgOMzv8PDnwuZKACcfCWFw00yQ3-IUopb3WGW-8496ySYdbt8DN9TxQuj4GRN7jrfTV4_-cpEqHbtKU2DlG_b1ngTPjYGBATo-oa5OCYOJ3VDzoexiYENuQGSuJ_jN6m0tvolT0xUo7bolLksjwhnRNRkKhwmxjoLU5GXyorsdE.l7Egyptu53_m-Nih_CG6J_xk_mhjqIp3yyoBIxpKeEk&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Kampf+der+Kulturen&amp;qid=1766131363&amp;sprefix=kampf+der+kulturen%2Caps%2C98&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=049153a80619eea6fc4ea1672c95db7c&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert</a>.* </p>



<p>Calvert, John (2009): <a href="https://www.amazon.de/-/en/Sayyid-Qutb-Origins-Radical-Islamism/dp/1849049491?crid=1QUSWF25KNHKS&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.21oJz2wujz6ZV052iP5BJXZIurLQKBdCDW9RM-eDvw_TcPJzusyJKHukySf0t0-HOseQ3dco9uDRYc6W6NtY2z3OCzwxOI9nx0Shtq-8r0UquU3daVBdZcIfuON5vdPFX5imKBFls-lFPCC1n1hGrNmHXNWbMNo-GM7RGISCBOEa7tvqcBGXtE_f0n8dzmttf8i5y0u4p-WFqMa7u1_fT-aWldq7HQspSrzzpsUoMCY.LR6T8ztICbpb6---0eZUen2qyYeXHYnFYFle44MnrUs&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Sayyid+Qutb+and+the+Origins+of+Radical+Islam&amp;qid=1766131187&amp;sprefix=sayyid+qutb+and+the+origins+of+radical+islam%2Caps%2C173&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=bb5fb5cf0044e74f0f3b71111ed354bb&amp;language=en_GB&amp;ref_=as_li_ss_tl">Sayyid Qutb and the Origins of Radical Islam</a>: Oxford Univ Press.*</p>



<p>Abuza, Zachary; Clarke, Colin P. : The Islamic State meets Southeast Asia. In: <em>Fortuna&#8217;s Corner Blog</em>, 17.09.2019. Online verfügbar unter <a href="https://fortunascorner.com/2019/09/17/the-islamic-state-meets-southeast-asia/">https://fortunascorner.com/2019/09/17/the-islamic-state-meets-southeast-asia/</a>.</p>



<p>Huda Ismail, Noor: Schooled for Jihad. In: <em>Washington Post</em>, 26.06.2005. Online verfügbar unter <a href="https://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/06/25/AR2005062500083.html">https://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/06/25/AR2005062500083.html</a>.</p>



<p>Lamb, Kate; Ananda, Teresia: Southeast Asian militant group Jemaah Islamiyah to be disbanded, say its senior leaders. Reuers, 04.07.2024. Online verfügbar:<a href=" https://www.reuters.com/world/asia-pacific/southeast-asian-militant-group-jemaah-islamiyah-be-disbanded-say-its-senior-2024-07-04/"> https://www.reuters.com/world/asia-pacific/southeast-asian-militant-group-jemaah-islamiyah-be-disbanded-say-its-senior-2024-07-04/</a></p>



<p></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="bf694712-f057-4461-a35c-7129e1158678"><strong>Hawala </strong>ist ein informelles Finanzsystem, das auf Vertrauensbasis zwischen Händlern oder Geldvermittlern (Hawaladaren) funktioniert. Es ermöglicht Geldtransfers ohne physische Bewegung von Bargeld und ohne Bankkonten, indem ein Netzwerk von Mittelsmännern Einzahlungen an einem Ort entgegennimmt und entsprechende Auszahlungen an einem anderen Ort veranlasst. <a href="#bf694712-f057-4461-a35c-7129e1158678-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e0edd9dc-4426-4188-97ad-9f0334ecdcfd">Eine <strong>Madrasah </strong>ist eine islamische Bildungseinrichtung, die traditionell religiöses Wissen vermittelt und den Koran sowie islamische Rechtsprechung lehrt. Sie kann sowohl als einfache Koranschule als auch als komplexe Institution mit Internat funktionieren, wobei der Unterricht oft kostenlos ist und die Schulen häufig durch Spenden oder religiöse Stiftungen finanziert werden. <a href="#e0edd9dc-4426-4188-97ad-9f0334ecdcfd-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Eigene Aufnahmen und public domain.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/indonesien-malaysia-und-der-globale-jihad/">Indonesien, Malaysia und der globale Jihad</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Der Putschversuch 1965</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Sep 2024 06:08:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 3 Sukarno, die PKI und die politische Krise von 1965 In Geheime Diplomatie und Machtspiele untersuchen wir Indonesiens Rolle im &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-der-putschversuch-1965/">Der Putschversuch 1965</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg/"></a><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 3</a></p>



<h5 class="wp-block-heading">Sukarno, die PKI und die politische Krise von 1965</h5>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div><figcaption class="wp-element-caption">Auch auf Youtube</figcaption></figure>



<p>In Geheime Diplomatie und Machtspiele untersuchen wir Indonesiens Rolle im Kalten Krieg. Die Serie widmet sich der komplexen, oft verborgenen Dynamik zwischen den USA und Indonesien in einer Zeit voller politischer Turbulenzen.</p>



<p>Im Jahr 1965 spitzte sich die Lage in Indonesien zu. Die kommunistische Partei orientierte sich weiter in Richtung Sukarnos, da sie in ihm einen Verbündeten gegen die Armee sah. Und Sukarno unterstützte die PKI, wenn es nötig war. Es scheint allerdings in erster Linie eine Zweckpartnerschaft gewesen zu sein. Russische Quellen zeigen, dass Aidit zusammen mit dem Botschafter der Sowjetunion über die Zeit nach Sukarno gesprochen hat, allerdings ohne dies selbst durch Attentate oder dergleichen herbeizuführen. Die PKI betrachtete Sukarno auch 1965 als noch nicht links genug.</p>



<p>Vielleicht machte Aidit sich Gedanken um die Gesundheit des Präsidenten. Es war allseits bekannt, dass Sukarno nicht gesund war. Er litt an Leberproblemen, lehnte aber die von seinem Arzt empfohlene Operation ab, da ihm ein Wahrsager vorhersagte, dass er durch ein Messer sterben würde. Er ließ sich stattdessen von chinesischen Medizinern mit Akupunktur behandeln.</p>



<p>Der Präsident schützte die Kommunistische Partei auch auf Wegen, die nach rechtsstaatlichen Maßstäben nicht zu vertreten wären. Im Februar 1965 wurden einundzwanzig Zeitungen aus dem Verkehr gezogen, die nachteilig gegenüber der PKI berichtet hatten. Doch es war nicht so einfach, die kritischen Stimmen zum Verstummen zu bringen. Die Armee reagierte und publizierte eigene Zeitungen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="240" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-300x240.jpg" alt="" class="wp-image-190" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-300x240.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-1024x819.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-768x614.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-1536x1229.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-2048x1638.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Ein außenpolitisches Ereignis zeigte Folgen innerhalb Indonesiens: die Amerikaner begannen, Vietnam zu bombardieren. Anhänger der PKI und anderer linker Gruppen kaperten daraufhin amerikanische Firmen im Land. Anschließend übernahm das Militär dort die Initiative. Firmen wie Caltex und Shell wurden im März unter staatlicher Kontrolle gestellt, doch es waren keine normalen Geschäfte in dieser Zeit mehr möglich. Die indonesische Wirtschaft geriet weiter in ein Chaos.</p>



<p>Die PKI konnte in Jakarta ihre Rolle stärken. Sukarno verlangte von seinen Parteigenossen, dass sie mit der kommunistischen Partei kooperierten. Im August strafte er im großen Maßstab PNI-Führer ab, die sich daran nicht halten wollten: ungefähr hundertfünfzig Politiker wurden suspendiert, die Nähe zu anti-PKI-Kreisen der Armee zeigten.</p>



<p>Im gleichen Monat zog Sukarno Indonesien aus vielen Institutionen, wie dem Internationalen Währungsfonds, Interpol und der Weltbank, zurück. Die Verbindungen zur westlichen Welt wurden gekappt und die antiimperiale Achse Jakarta, Phnom Penh, Hanoi, Peking, Pjöngjang ausgerufen.</p>



<p>Die wirtschaftlichen Probleme eskalierten weiter. Die Inflation überragte sogar die vorigen Jahre und lag bei ungefähr fünfhundert Prozent. Beim wichtigsten Gut, dem Reis, lag die Preissteigerung sogar bei neunhundert Prozent. Damit verbunden verlor die Indonesische Rupiah an Wert. Der Schwarzmarkt-Preis für den US-Dollar stieg von fünftausendeinhundert Rupiah zu Anfang des Jahres auf fünfzigtausend zum vierten Quartal.</p>



<p>Durch die Schieflage des Landes verstärkten sich die Fronten noch stärker. Sowohl bei Kommunisten als auch ihren Gegnern verbreiteten sich Geschichten über Todesschwadrone, die angeblich Listen mit potenziellen Opfern führen sollten. Realität und Fiktion waren schlecht zu unterscheiden. Sogar Übersinnliches, wie Prophezeiungen und Omen, wurden in die politischen Debatten miteingebracht. In der aufgeheizten Lage stiegen die Gewalttaten an.</p>



<p>Am Unabhängigkeitstag im Jahre 1965 hielt Sukarno eine Rede, in der er Schuldige identifizierte: Er kritisierte Korrumpierte und Schwindler, die gestern noch die Revolution unterstützten, aber heute womöglich Konterrevolutionäre geworden waren. Der Bruch mit seinen ehemaligen Verbündeten lag nun offen dar.</p>



<p>Am 25. September kündigte Sukarno an, dass die zweite Phase der indonesischen Revolution anstünde: die Implementation des Sozialismus.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der gescheiterte Putsch: Vom 30. September zur Machtübernahme Suhartos</h5>


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<figure class="alignleft size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="231" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani-231x300.jpg" alt="" class="wp-image-187" style="width:231px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani-231x300.jpg 231w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani.jpg 647w" sizes="auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ahmad Yani</figcaption></figure>
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<p>Doch soweit sollte es nicht kommen. In den nachfolgenden Tagen waren mehrere zehntausend Soldaten in Jakarta, um sich auf den „Armed Forces Day&#8220; am 5. Oktober vorzubereiten. Ein Militärputsch lag in der Luft. Am 27. September verwehrte sich der Befehlshaber der Armee, General Ahmad Yani, gegen eine strukturelle Änderung des Militärs, die zur „Nasakomisation&#8220; hätte führen sollen, also gegen eine Neuausrichtung im Sinne der Sukarno-Fraktion.</p>



<p>Tatsächlich fand einige Tage später, am 1. Oktober ein Putschversuch statt &#8211; der allerdings vermeintlich von der anderen Seite gestartet wurde und der Ahmad Yani das Leben kosten sollte.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="226" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung-226x300.jpg" alt="" class="wp-image-188" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung-226x300.jpg 226w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung.jpg 465w" sizes="auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px" /><figcaption class="wp-element-caption">Untung Syamsuri</figcaption></figure>
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<p>Die Aktion begann in den frühen Morgenstunden. Die Putschisten entführten neben Yani fünf weitere Generäle aus deren Häusern in Jakarta und brachten sie in den Süden der Stadt. Sie wurden getötet und in einen Brunnen geworfen. Anschließend besetzten die Aufständischen eine Radiostation. Sie stellten sich als &#8222;Bewegung dreißigster September&#8220; vor und erklärten sich selbst zu Truppen, die Präsident Sukarno loyal beiseite stünden. Als Anführer wurde Oberstleutnant Untung genannt, der als Kommandeur für ein Bataillon zuständig war, das die Sicherheit des Präsidenten gewährleisten sollte.</p>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="228" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-228x300.jpg" alt="" class="wp-image-189" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-228x300.jpg 228w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-777x1024.jpg 777w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-768x1013.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-1165x1536.jpg 1165w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-1553x2048.jpg 1553w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-scaled.jpg 1213w" sizes="auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px" /><figcaption class="wp-element-caption">Supardjo</figcaption></figure>
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<p>Doch Untung scheint nur vorgeschoben gewesen zu sein. Als Anführer dahinter scheint Brigadegeneral Supardjo gestanden zu haben, der auch Leiter eines Nachrichtendienstes war. Omar Dhani, der Kommandeur der indonesischen Luftwaffe, stellte den Putschisten die Halim-Luftwaffenbasis als Hauptquartier zur Verfügung. Einige Mitglieder des PKI-Politbüros schienen auch, zumindest vage, über die Pläne informiert gewesen zu sein. Allerdings war Aidit der einzige ranghohe Politiker, der in Halim anwesend war.</p>



<p>Mehrere hundert Rebellen besetzten den Merdeka-Platz in Jakarta. Auch in anderen Landesteilen kam es zu Putschhandlungen, beispielsweise in der Provinz Jawa Tengah entführten Aufständische fünf ihrer Kommandanten.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="265" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1-265x300.jpg" alt="" class="wp-image-191" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1-265x300.jpg 265w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1.jpg 458w" sizes="auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px" /><figcaption class="wp-element-caption">Merdeka-Platz in Jakarta</figcaption></figure>
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<p>Suharto übernahm das Kommando zur Bekämpfung der Putschisten und führte ebenfalls am 1. Oktober einen Gegenangriff aus. Er verstand die Situation genau und sah, dass er genügend Zeit hatte, Truppen zu organisieren. Er hatte nur das Bataillon 328 aus Jawa Barat vor Ort, doch konnte er schlagkräftige Spezialkräfte mobilisieren.</p>



<p>Bereits nach zwölf Stunden waren die Putschisten von den zentralen Orten in Jakarta verdrängt worden, ohne dass Schüsse abgegeben wurden. Der Coup war schlecht geplant und die Truppen auf dem Merdeka-Platz wurden nicht verpflegt. Ihnen war heiß von der Sonne, sie waren hungrig, durstig und müde und letzten Endes zogen sie freiwillig ab.</p>



<p>Anschließend wandte sich Suharto Halim zu. Doch die dort anwesenden Führer zerstreuten sich. Sukarno, der auch dort anwesend war, machte sich auf den Weg zu seinem Palast in Bogor, Aidit floh nach Yogyakarta und Dhani nach Madiun. Der Coup war in Jakarta bereits am Morgen des 2. Oktobers beendet.</p>



<p>Auch in Jawa Tengah sollten sich die Aufständischen nicht viel länger halten. Wahrscheinlich durch die schnelle Niederschlagung in Jakarta demoralisiert, endete hier der Aufstand am 3. Oktober. Die Auflösung geschah so schnell, dass die Rebellen keine Chance hatten, Pressekonferenzen abzuhalten, um ihre Mission der Öffentlichkeit zu erläutern.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="200" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman-200x300.jpg" alt="" class="wp-image-192" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman-200x300.jpg 200w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman.jpg 427w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kamaruzaman Sjam</figcaption></figure>
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<p>Der Putsch wurde schnell aufgelöst, doch das Nachdenken über die Motive dauerte lange an, da es viele schwer verständliche und verwirrende Ereignisse gab. Die Bewertung hängt unter anderem von der Einschätzung der Rolle Sjams ab, der als Verbindungsmann zwischen den unterschiedlichen Gruppen des Coups, den progressiven Militärs und der Politiker, galt. Er war ein Vertrauter von Aidit. Der Südostasienforscher Willem Frederik Wertheim vermutete, dass dieser als Doppelagent im Sinne Suhartos gehandelt haben könnte. Dazu würde auch passen, dass Untung eine direkte persönliche Beziehung zu Suharto hatte, unter dem er im Westpapua-Konflikt diente.</p>



<p>Mehrere Indizien weisen zumindest in die Richtung, dass Suharto von den Geschehnissen nicht überrascht wurde.</p>



<p>Oberst Latief, einer aus der Führungsriege der Putschisten, sagte später aus, dass er Suharto am Abend des 30. September bei einem Treffen im Armeekrankenhaus zu den bevorstehenden Ereignissen informiert hätte.</p>



<p>Eine weitere Auffälligkeit war, dass die Truppen am Merdeka-Square, in Richtung des Hauptquartiers von wo Suharto seine Gegenoffensive startete, nicht absicherten.</p>



<p>Auch die Frage „Cui bono?&#8220; würde ebenfalls in die Richtung Suharto weisen. Die PKI, die über Jahre hinweg nach oben strebte, und der Präsident Sukarno verloren ihre führende Position. Der General Suharto hingegen konnte die Macht übernehmen.</p>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="168" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah-300x168.jpg" alt="" class="wp-image-195" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah-300x168.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto</figcaption></figure>
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<p>Doch es gibt auch andere Thesen. Beispielsweise der Historiker John Roosa bezweifelt die Doppelagenten-Rolle Sjams. Er sieht im Motiv des Präventivschlags die wahrscheinlichste Ursache für den missglückten Plot. Die Planungen verliefen chaotisch, da ein zentrales Mastermind fehlte. Die Aufständischen waren unzureichend bewaffnet, da sie über keine Panzer verfügten, und wären darauf angewiesen gewesen, dass Sukarno sich auf ihre Seite schlagen würde. Der hingegen war nicht gewillt seine Stimme für junge Offiziere zu erheben, die ihre Armee-Kommandanten haben töten lassen. So soll er Supardjo angewiesen haben, den Putsch ohne weiteres Blutvergießen zu beenden.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die blutigen Folgen: Massenverfolgungen und der Niedergang der PKI</h5>



<p>Die Armee machte die PKI öffentlich für den Putsch verantwortlich. Die Aufständischen wurden als Gestapu bezeichnet, ein Akronym, das aus „Gerakan September Tiga Puluh&#8220; gebildet wurde und sie in Verbindung zu den Gräueltaten Nazi-Deutschlands bringen sollte.</p>



<p>Der Historiker Yosef Djakababa sieht in dieser und ähnlicher Propaganda der Armee einen Katalysator für das Töten, das später einsetzen sollte. Er spricht von „initial purge policy&#8220;.</p>



<p>Die Folge dieser aufgeheizten Stimmung waren viele Gewalttaten. Diese wurden oft nicht von der Armee selbst ausgeführt, sondern von lokalen Milizen und Gruppierungen.</p>



<p>Wie viele Menschen insgesamt in dieser Zeit getötet und misshandelt wurden, lässt sich nicht genau erfassen. Da in Indonesien ein Mantel des Schweigens über dem Thema lag und auch die westlichen Beobachter im Kalten Krieg einen anderen Fokus hatten, sind die Massaker nicht zeitnah umfassend untersucht worden. Die meisten Schätzungen bewegen sich zwischen vierhunderttausend und fünfhunderttausend. Aber wegen der fehlenden Anhaltspunkte sind diese Zahlen sehr unsicher.</p>



<p>Dazu trug bei, dass die Form der Gewaltakte sich von Provinz zu Provinz und sogar von Distrikt zu Distrikt sehr unterschieden. Lokale Studien gibt es nur wenige, doch die zeigen ein komplexes, vielschichtiges Bild über den Hergang.</p>



<p>Die ersten Gewalttaten begannen im Oktober in Aceh, wo die PKI relativ schwach war und wenig Gegenwehr leisten konnte. An anderen Orten setzten die Verfolgungen später ein, oftmals erst nach der Ankunft von antikommunistischen Spezialeinheiten, wie den paramilitärischen Kommandos der RPKAD.</p>



<p>Die Verfolgten waren auffällig passiv in der Verteidigung. Der Historiker Robert Cribb vermutet, dass viele Opfer diese eskalierende Gewalt nicht erwartet hätten. Dafür könnte es mehrere Gründe gegeben haben.</p>



<p>Zum einen waren viele Angegriffene sich nicht bewusst, dass sie mit den Ereignissen in Jakarta in Zusammenhang gebracht werden könnten, da sie de facto nichts dazu beigetragen hatten.</p>



<p>Es kann auch einen kulturhistorischen Grund dafür geben, dass diese Gewalteskalation unerwartet war. Indonesien war in seiner Geschichte lange Zeit wenig dicht besiedelt und Eroberungskriege waren mehr auf die Erweiterung der Bevölkerung als auf Vergrößerung der Landfläche ausgelegt. Daher waren kriegerische Auseinandersetzungen oft auf Modi beschränkt, die eine geringe Anzahl an Opfern hervorbrachte, beispielsweise durch „battle by proxy or champion&#8220;.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-300x200.jpg" alt="" class="wp-image-196" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-1024x683.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-768x512.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-1536x1024.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-2048x1365.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
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<p>In den ersten Monaten des Jahres 1966 endeten die Massentötungen. Allerdings waren die Folgen traumatisch und es gab von Seiten der indonesischen Regierung keine Aufarbeitung der Geschehnisse. Im Gegenteil: viele der vermeintlichen Staatsfeinde saßen noch zehn Jahre später ohne Gerichtsverhandlung im Gefängnis. Oft wurden ihre Aussagen, die die Inhaftierung rechtfertigten, unter Folter erzwungen.</p>



<p>Sukarno blieb nach dem gescheiterten Putsch im Amt des Präsidenten. Allerdings verlor er Stück für Stück an Macht, sowohl faktisch als auch formal. Im März 1966 verlor er den Titel des Präsidenten auf Lebenszeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h3>



<p>Shell: Wikimedia Commons, Tim Green.<br>Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-der-putschversuch-1965/">Der Putschversuch 1965</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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