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	<title>Jagd Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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	<title>Jagd Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Jiahu vor 9000 Jahren – Ein Dorf am Beginn der Jungsteinzeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine schmale Röhre aus Vogelknochen lag neben einem der Toten. In regelmäßigen Abständen hatte jemand Löcher hineingebohrt. Es war eine Flöte. Weitere Exemplare kamen in anderen Gräbern zum Vorschein, manchmal &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/archaeologie/jiahu-vor-9000-jahren-ein-dorf-am-beginn-der-jungsteinzeit/">Jiahu vor 9000 Jahren – Ein Dorf am Beginn der Jungsteinzeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Jiahu_vor_9000_Jahren.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine schmale Röhre aus Vogelknochen lag neben einem der Toten. In regelmäßigen Abständen hatte jemand Löcher hineingebohrt. Es war eine Flöte. Weitere Exemplare kamen in anderen Gräbern zum Vorschein, manchmal zusammen mit Schildkrötenpanzern, in denen kleine Steine lagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Funde stammen aus Jiahu, einem jungsteinzeitlichen Dorf im heutigen Henan. Menschen lebten dort ungefähr zwischen 7000 und 5800 v. Chr. Sie hinterließen keine Texte und keine Namen. Dennoch lässt sich erkennen, wie sie ihre Häuser anordneten und welche Verstorbenen sie mit besonderen Beigaben bestatteten. Es gab weder ein China noch Könige, aber bereits dauerhafte Dörfer und gemeinschaftliche Rituale.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Dorf zwischen Wasserläufen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jiahu lag im heutigen Kreis Wuyang, südlich des Gelben Flusses im Einzugsgebiet des Huai. Ein See und 2 Flüsse begrenzten den etwa 5,5 Hektar großen Siedlungsplatz. Die feuchte Landschaft bot den Bewohnern unterschiedliche Möglichkeiten, Nahrung zu gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschen fingen Fische und sammelten Muscheln. Sie jagten unter anderem Hirsche, Wasservögel und kleinere Raubtiere. Knochen von Schweinen und Hunden zeigen zugleich, dass Haustiere zum Dorf gehörten. Pflanzenreste und Abdrücke belegen den Umgang mit Reis. Wie groß der Anteil angebauter Pflanzen an der täglichen Ernährung war, lässt sich jedoch nicht genau bestimmen. Landwirtschaft, Jagd, Fischfang und Sammeln ergänzten einander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit unterschied sich Jiahu von vielen gleichzeitigen Siedlungen weiter im Norden, in denen Hirse eine größere Rolle spielte. Der Ort lag in einer Übergangszone zwischen Gebieten, die später mit nördlicher Hirsewirtschaft und südlichem Reisanbau verbunden werden. Seine Bewohner nutzten beides, ohne diese moderne Trennung zu kennen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="960" height="504" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/CMOC_Treasures_of_Ancient_China_exhibit_-_millstone_and_roller.jpg" alt="" class="wp-image-8295" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/CMOC_Treasures_of_Ancient_China_exhibit_-_millstone_and_roller.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/CMOC_Treasures_of_Ancient_China_exhibit_-_millstone_and_roller-768x403.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/CMOC_Treasures_of_Ancient_China_exhibit_-_millstone_and_roller-300x158.jpg 300w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Häuser um einen Mittelpunkt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Häuser waren klein und in den Boden eingetieft. Ihre Grundrisse waren rund, oval oder unregelmäßig. Einige Gebäude standen ebenerdig, andere ruhten auf Pfosten. Mehrfach erweiterten die Bewohner einzelne Häuser, indem sie neue Räume hinzufügten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ältesten Siedlungsphase bildeten die Häuser mehrere Gruppen. Eine davon bestand aus 7 Gebäuden, mehr als 30 Gruben, 2 Brennöfen und 24 Gräbern. Im Zentrum lag das Haus F17. Mit etwa 24 Quadratmetern war es größer als die umliegenden Gebäude. Die Türen der kleineren Häuser öffneten sich zu diesem Mittelpunkt hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">F17 diente vermutlich gemeinschaftlichen Arbeiten. In seinem Inneren fanden sich Spuren verschiedener Tätigkeiten: Geräte zur Nahrungsverarbeitung, Werkzeuge und Reste der Herstellung anderer Gegenstände. Auch ein weiteres großes Haus enthielt mehr Gefäße und Werkzeuge als die kleineren Gebäude. Darin könnte eine verwandte Gruppe gemeinsam gearbeitet oder Vorräte verarbeitet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anordnung veränderte sich während der jahrhundertelangen Nutzung des Platzes. In späteren Phasen blieben die Häuser zu Gruppen zusammengefasst, doch die Toten lagen nun auf Friedhöfen, die deutlicher von den Wohnbereichen getrennt waren. Auch Brennöfen befanden sich gebündelt an bestimmten Stellen. Abschnitte eines Grabens könnten Teile einer Umfriedung gebildet haben. Die Bewohner ordneten Wohnraum, Arbeit und Bestattung immer wieder neu.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Arbeit im Dorf</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="278" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08-278x300.jpg" alt="" class="wp-image-8296" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08-278x300.jpg 278w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08-767x828.jpg 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08-949x1024.jpg 949w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08.jpg 960w" sizes="(max-width: 278px) 100vw, 278px" /><figcaption class="wp-element-caption">Keramik der Peiligang-Kultur</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">In Jiahu standen Brennöfen für Keramik. Abfälle und unfertige Stücke zeigen, dass die Bewohner auch Steinwerkzeuge am Ort herstellten. Die meisten Rohstoffe fanden sie in den nahen Flüssen. Für einige Gesteinsarten legten Menschen jedoch Entfernungen von bis zu 100 Kilometern zurück oder erhielten sie durch Austausch mit anderen Gemeinschaften. Wenige Objekte aus Jade und Türkis kamen vermutlich aus noch weiter entfernten Gebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dorf konnte einen großen Teil seines Bedarfs selbst decken, war aber nicht abgeschlossen. Menschen gaben Werkstoffe und Kenntnisse zwischen verschiedenen Siedlungen weiter. Ein Zentrum, das diesen Austausch lenkte, ist nicht erkennbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch innerhalb des Dorfes verteilten sich Tätigkeiten nicht vollkommen gleich. Werkzeuge in den Gräbern lassen vermuten, dass manche Arbeiten häufiger mit Männern und andere häufiger mit Frauen verbunden waren. Die Unterschiede blieben jedoch begrenzt. Es gibt keine Hinweise auf eine kleine Gruppe, die dauerhaft über Werkstätten, Vorräte oder die Arbeit der übrigen Bewohner verfügte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Toten von Jiahu</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Archäologen legten in Jiahu 349 Gräber frei. In der frühen Siedlung lagen Bestattungen noch dicht bei den Häusern. Die Lebenden bewegten sich damit täglich in der Nähe ihrer Toten. Später erhielt jede größere Hausgruppe offenbar einen eigenen, räumlich abgegrenzten Friedhof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gräber unterscheiden sich in ihrer Größe und in der Zahl der Beigaben. Manche Tote wurden unmittelbar bestattet, andere Knochen erst später erneut niedergelegt. Neben einzelnen Bestattungen gab es Gräber mit mehreren Verstorbenen. Viele Tote erhielten Gefäße oder Werkzeuge, einige auch persönlichen Schmuck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede ergeben jedoch noch keine feste Rangordnung. Größere Gräber enthielten nicht automatisch besonders viele oder wertvolle Gegenstände. Die meisten Beigaben waren Dinge des täglichen Lebens. Im Vergleich zu späteren jungsteinzeitlichen Friedhöfen, auf denen wenige Tote große Mengen kostbarer Güter erhielten, wirkt Jiahu relativ ausgeglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzelne Menschen erhielten dennoch ungewöhnliche Beigaben. In 25 Gräbern fanden sich Gegenstände, die mit Musik oder rituellen Handlungen verbunden gewesen sein könnten. Zu ihnen gehörten Flöten, bearbeitete Schildkrötenpanzer und spitz zulaufende Knochenobjekte unbekannter Funktion. Wer mit solchen Beigaben bestattet wurde, besaß nicht zwingend großen materiellen Reichtum. Diese Menschen könnten eine besondere Rolle bei gemeinschaftlichen Handlungen gespielt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Knochen werden zu Flöten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Flöten bestanden aus langen Vogelknochen. Ein erhaltenes Exemplar misst etwas mehr als 22 Zentimeter. Seine Herstellung verlangte Erfahrung. Der Knochen musste ausgewählt, geglättet und durchbohrt werden, ohne zu brechen. Die Abstände der Löcher bestimmten, welche Töne das Instrument hervorbringen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Flöten lagen in Gräbern und gehörten damit zu den Beigaben, die ihre Besitzer auch im Tod kennzeichneten. Ob die Instrumente bei Tänzen, Bestattungen, Heilungen oder anderen Zusammenkünften erklangen, ist unbekannt. Ihre Lage zeigt lediglich, dass Musik nicht nur eine beiläufige Beschäftigung gewesen sein muss. Manche Instrumente waren wichtig genug, um sie der weiteren Nutzung zu entziehen und mit einem Toten niederzulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Flöten lagen zusammen mit Schildkrötenpanzern. In 23 der 349 untersuchten Gräber kamen solche Panzer vor. Einzelne Tote erhielten bis zu 8 Exemplare. Kleine Löcher deuten darauf hin, dass Ober- und Unterseite miteinander verschnürt waren. Im Inneren lagen Kiesel unterschiedlicher Größe und Farbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gefüllten Panzer könnten als Rasseln gedient haben. Möglich ist auch, dass Menschen die Steine ausschütteten oder nach bestimmten Regeln bewegten, um Entscheidungen zu treffen. Spätere chinesische Gesellschaften verwendeten Schildkrötenpanzer zur Weissagung. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Bewohner von Jiahu bereits dieselben Rituale kannten. Zwischen Jiahu und den beschrifteten Orakelknochen der Shang-Dynastie lagen mehr als 4 Jahrtausende.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zeichen ohne Text</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="147" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Jiahu_writing-147x300.gif" alt="" class="wp-image-8294"/><figcaption class="wp-element-caption">Schriftzeichen aus Jiahu</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Besondere Aufmerksamkeit fanden eingeritzte Zeichen auf einigen Schildkrötenpanzern. Auch Knochen und Keramikstücke tragen einzelne Markierungen. Manche erinnern entfernt an sehr viel spätere chinesische Schriftzeichen. Diese Ähnlichkeit verführt dazu, in Jiahu den Anfang der chinesischen Schrift zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür reichen die Funde nicht aus. Die Ritzungen stehen einzeln. Es gibt keine längeren Folgen, keine erkennbare Grammatik und keinen Beleg dafür, dass sie gesprochene Wörter wiedergaben. Sie könnten Besitz markieren, Bilder darstellen oder eine rituelle Bedeutung tragen. Eine Schrift bildet gesprochene Sprache nach festen Regeln ab. Dafür bieten die einzelnen Ritzungen keinen Beleg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jiahu steht deshalb nicht am Anfang einer geraden Entwicklung, die zwangsläufig zu den Königen der Shang und zum chinesischen Kaiserreich führte. Das Dorf gehörte zu einer Vielzahl regionaler Gemeinschaften. Einige ihrer Praktiken verschwanden, andere tauchten in veränderter Form an späteren Orten wieder auf. Selbst die Siedlung endete nicht in einem größeren Reich. Eine Überschwemmung hinterließ über den jüngsten jungsteinzeitlichen Schichten eine Lage aus abgelagertem Sediment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Flöten und Schildkrötenpanzer blieben im Boden. Sie zeigen, dass Menschen schon in einem frühen Bauerndorf bestimmte Fähigkeiten und Gegenstände mit einzelnen Personen verbanden. Noch begründeten solche Rollen offenbar keine dauerhafte Herrschaft. In späteren Gesellschaften sollten Rituale, kostbare Materialien und der Zugang zu den Toten jedoch zu wichtigen Mitteln politischer Macht werden.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liu, Li (2005): <em><a href="https://link.amazon/B0exClQ64">The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States</a></em>.* Untersuchung jungsteinzeitlicher Siedlungen, Bestattungen und gesellschaftlicher Veränderungen mit ausführlicher Einordnung von Jiahu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Li, Feng (2013): <em><a href="https://link.amazon/B0fK4vv2B">Early China. A Social and Cultural History</a></em>. Überblick über die regionalen Anfänge von Landwirtschaft und dauerhaften Siedlungen sowie die weitere Entwicklung des frühen China.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Flöte aus Jiahu im Luohe Stadtmuseum. Wikimedia Commons, ASHillocks.<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en"> CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mahlstein: Wikimedia Commons, Editor at Large. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en">CC BY-SA 2.5</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Töpferei: Wikimedia Commons, Captmondo. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en">CC BY-SA 2.5</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/archaeologie/jiahu-vor-9000-jahren-ein-dorf-am-beginn-der-jungsteinzeit/">Jiahu vor 9000 Jahren – Ein Dorf am Beginn der Jungsteinzeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Paleo-Diät am Gelben Fluss? Ernährung in Shìzitān in der Altsteinzeit</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/china/paleo-diaet-am-gelben-fluss-ernaehrung-in-shizitan-in-der-altsteinzeit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 May 2025 09:11:21 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/paleo-diaet-am-gelben-fluss-ernaehrung-in-shizitan-in-der-altsteinzeit/">Paleo-Diät am Gelben Fluss? Ernährung in Shìzitān in der Altsteinzeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Shizitan.mp3"></audio></figure>



<p>
  <a href="https://www.cambridge.org/core/journals/antiquity/article/abs/harvesting-and-processing-wild-cereals-in-the-upper-palaeolithic-yellow-river-valley-china/637F28053F26DCA78AE260611D51FAD3" target="_blank">
    <img decoding="async" src="https://static.cambridge.org/binary/version/id/urn:cambridge.org:id:binary:20180829160436264-0019:S0003598X18000364:S0003598X18000364_figU1g.jpeg?pub-status=live" 
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  </a>
Heute wird in Diätratgebern gern von der „Paläo-Diät“ gesprochen. Viel Fleisch, keine Milchprodukte, dazu Nüsse und Beeren. So stellt man sich gesunde Menschen in der Steinzeit vor. Solche Vorstellungen klingen plausibel, beruhen aber meist eher auf modernen Projektionen als auf archäologischen Befunden.
</br></br>
Was also aßen die Menschen wirklich? In Shìzitān (chin. 柿子滩), einer Fundregion am Gelben Fluss, lassen sich anhand von Pflanzenresten, Knochenfunden und Gebrauchsspuren auf Mahlsteinen Rückschlüsse auf die Ernährung ziehen. Die Ergebnisse zeigen: Die Ernährung war vielfältig, veränderte sich über die Jahrtausende und passt nur bedingt zu modernen Steinzeitfantasien.
</p>



<h3 class="wp-block-heading">Klimawandel in vier Etappen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 35.000 und 9.400 Jahren vor heute (before present, BP) durchlief das Gebiet rund um Shìzitān mehrere klimatische Phasen. Diese lassen sich anhand von Pollenanalysen aus den Ausgrabungen grob in vier Abschnitte gliedern.</p>



<!DOCTYPE html>
<html lang="de">
<head>
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</head>
<body>

<div class="klimabox">
  <p><strong>Phase IV (35.000–17.000 BP):</strong> Kalt und trocken. Grasland und vereinzelte Kiefern prägten die Steppe.</p>
  <p><strong>Phase III (17.000–11.900 BP):</strong> Beginnende Entgletscherung. Steppen mit Kiefern, Birken und ersten Eichen.</p>
  <p><strong>Phase II (11.900–10.500 BP):</strong> Kurzer Kälterückfall. Steppe kehrt zurück, doch Bäume bleiben erhalten.</p>
  <p><strong>Phase I (10.500–9.400 BP):</strong> Klima wird milder und feuchter. Eichen kehren zurück, Farne und Polygonum gewinnen Raum.</p>
</div>

</body>
</html>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Veränderungen prägten nicht nur die Landschaft, sondern hatten direkten Einfluss auf das Tierleben – und damit auch auf die Ernährung der Menschen in Shìzitān.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Shìzitān als Zeitkapsel</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Shìzitān liegt in einem Tal nördlich des Qīngshuǐ-Flusses, nicht weit vom Gelben Fluss entfernt. Seit den frühen 2000er Jahren wird dort von Archäologen systematisch gegraben. Besonders ergiebig war die Fundstelle Shìzitān 29, wo auf über 1.200 Quadratmetern acht Schichten mit menschlichen Spuren freigelegt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ältesten Funde reichen fast 30.000 Jahre zurück, die jüngsten stammen aus der Zeit um 13.000 BP. Insgesamt wurden über 75.000 Artefakte und 285 Feuerstellen entdeckt. Hinweise auf dauerhafte Siedlungen fehlen, was auf einen mobilen Lebensstil schließen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch an den benachbarten Fundorten Shìzitān 9 und 14 zeigen sich ähnliche Spuren. Gemeinsam geben sie einen seltenen Einblick in das Leben von Jägern und Sammlern in Nordchina während des späten Paläolithikums.</p>



<a href="https://www.google.com/imgres?q=SHEN%20Chen%20(2018)%20shizitan&#038;imgurl=https%3A%2F%2Fmedia.springernature.com%2Flw685%2Fspringer-static%2Fimage%2Fchp%253A10.1007%252F978-3-319-51726-1_3419-1%2FMediaObjects%2F184254_0_En_3419-1_Fig1_HTML.png&#038;imgrefurl=https%3A%2F%2Flink.springer.com%2F10.1007%2F978-3-319-51726-1_3419-1&#038;docid=6W-bKg-uFlRqvM&#038;tbnid=Jg5z7diZwVFNKM&#038;vet=12ahUKEwiz667vsYyNAxXT1wIHHfr2OvoQM3oECHIQAA..i&#038;w=685&#038;h=404&#038;hcb=2&#038;ved=2ahUKEwiz667vsYyNAxXT1wIHHfr2OvoQM3oECHIQAA" 
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       alt="Shizitan-Fundstelle (SHEN Chen 2018)" 
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<h3 class="wp-block-heading">Feuer, Stein und Alltag</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschen, die in der Umgebung von Shìzitān lebten, hinterließen keine Mauern, keine Werkzeuge aus Metall und keine Gräber. Was geblieben ist, sind Feuerstellen, Steinartefakte und Reste bearbeiteter Pflanzen. Doch auch diese wenigen Spuren geben Aufschluss über ihren Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Feuerstellen, von denen in Shìzitān 29 mehr als 280 gefunden wurden, lagen oft dicht beieinander. Manche waren mit Steinen eingefasst, andere bestanden nur aus verkohlten Erdschichten. Sie dienten vermutlich nicht nur zum Kochen, sondern auch zum Wärmen, Trocknen und Verarbeiten von Tierhäuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein zweiter wichtiger Befund sind die Mikrolithe. Diese kleinen, oft geometrisch geformten Steingeräte treten ab etwa 25.000 BP auf. Sie wurden aus lokalem Gestein hergestellt und konnten als Pfeilspitzen, Schaber oder Einsätze für zusammengesetzte Werkzeuge dienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen Mahlsteine. Diese wurden aus grobem Sandstein gefertigt und in mehreren Fundschichten nachgewiesen. Meist liegen sie in der Nähe von Feuerstellen, was auf ihre Nutzung bei der Zubereitung von Nahrung hinweist. Manche zeigen Abnutzungsspuren, andere enthalten verkohlte Pflanzenreste oder charakteristische Phytolithe, die Rückschlüsse auf verarbeitete Gräser und Knollen zulassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Festmenü der Eiszeit</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Tiere gejagt und gegessen wurden, lässt sich an den vielen Knochenfunden aus Shìzitān ablesen. Besonders ergiebig ist die Fundstelle 29, wo fast 6 000 Knochen sorgfältig dokumentiert wurden. Die meisten zeigen Spuren von Feuer, viele sind gebrochen oder verkohlt. Das deutet auf Zerlegung, Kochen und gelegentlich wohl auch auf das Rösten im offenen Feuer hin.</p>



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  <table>
    <caption>Tabelle: Bestimmte Großsäuger-Knochen aus Shizitan 29 nach Schicht</caption>
    <thead>
      <tr>
        <th>Schicht</th>
        <th>Tiere</th>
        <th>NISP</th>
        <th>%</th>
        <th>MNI</th>
      </tr>
    </thead>
    <tbody>
      <tr class="sh1"><td rowspan="3">1</td><td>Pferd (Equus caballus / przewalskii / hemionus)</td><td>13</td><td>16%</td><td>1</td></tr>
      <tr class="sh1"><td>Riesenhirsch (Megaloceros ordosianus)</td><td>15</td><td>79%</td><td>1</td></tr>
      <tr class="sh1"><td>Auerochse (Bos primigenius)</td><td>1</td><td>5%</td><td>1</td></tr>

      <tr class="sh2"><td rowspan="2">2</td><td>Pferd (Equus caballus / przewalskii / hemionus)</td><td>13</td><td>45%</td><td>1</td></tr>
      <tr class="sh2"><td>Procapra przewalskii</td><td>16</td><td>55%</td><td>1</td></tr>

      <tr class="sh3"><td rowspan="5">3</td><td>Pferd (Equus caballus / przewalskii / hemionus)</td><td>20</td><td>14%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh3"><td>Riesenhirsch (Megaloceros ordosianus)</td><td>20</td><td>14%</td><td>1</td></tr>
      <tr class="sh3"><td>Schafartige (Ovibovinae)</td><td>41</td><td>29%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh3"><td>Procapra przewalskii</td><td>30</td><td>21%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh3"><td>Hirschartige (Cervidae)</td><td>30</td><td>21%</td><td>2</td></tr>

      <tr class="sh4"><td rowspan="5">4</td><td>Pferd (Equus caballus / przewalskii / hemionus)</td><td>30</td><td>18%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh4"><td>Schafartige (Ovibovinae)</td><td>21</td><td>13%</td><td>1</td></tr>
      <tr class="sh4"><td>Procapra przewalskii</td><td>51</td><td>31%</td><td>3</td></tr>
      <tr class="sh4"><td>Riesenhirsch (Megaloceros ordosianus)</td><td>37</td><td>22%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh4"><td>Hirschartige (Cervidae)</td><td>48</td><td>28%</td><td>2</td></tr>

      <tr class="sh5"><td rowspan="3">5</td><td>Schafartige (Ovibovinae)</td><td>20</td><td>30%</td><td>1</td></tr>
      <tr class="sh5"><td>Procapra przewalskii</td><td>45</td><td>67%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh5"><td>Auerochse (Bos primigenius)</td><td>1</td><td>1%</td><td>1</td></tr>

      <tr class="sh6"><td rowspan="4">6</td><td>Pferd (Equus caballus / przewalskii / hemionus)</td><td>119</td><td>59%</td><td>4</td></tr>
      <tr class="sh6"><td>Procapra przewalskii</td><td>65</td><td>32%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh6"><td>Riesenhirsch (Megaloceros ordosianus)</td><td>11</td><td>5%</td><td>1</td></tr>
      <tr class="sh6"><td>Hirschartige (Cervidae)</td><td>6</td><td>3%</td><td>1</td></tr>

      <tr class="sh7"><td rowspan="3">7</td><td>Pferd (Equus caballus / przewalskii / hemionus)</td><td>39</td><td>30%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh7"><td>Procapra przewalskii</td><td>86</td><td>66%</td><td>2</td></tr>
      <tr class="sh7"><td>Hirschartige (Cervidae)</td><td>5</td><td>4%</td><td>1</td></tr>

      <tr class="sh8"><td>8</td><td>Procapra przewalskii</td><td>2</td><td>100%</td><td>1</td></tr>
    </tbody>
  </table>

  <div class="infobox">
    <strong>NISP</strong> zählt alle Knochen<br>
    <strong>MNI</strong> (Minimum Number of Individuals) gibt an, wie viele Tiere mindestens vorhanden gewesen sein müssen.
  </div>

</div>

</body>
</html>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bedeutendste Beute war der große Hirsch <em>Megaloceros ordosianus</em>, ein inzwischen ausgestorbenes Tier mit mächtigem Geweih. In den ältesten Schichten wurden ausschließlich seine Knochen gefunden. Auch später blieb er ein wichtiger Bestandteil der Ernährung, wurde aber mit der Zeit durch andere Arten ergänzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab etwa 26.000 BP treten regelmäßig Pferde und Esel auf, darunter das asiatische Wildpferd und der asiatische Halbesel. Später kommen Gazellen dazu, vor allem die Przewalski-Gazelle, die trockene, offene Landschaften bevorzugt. Ihre Knochen tauchen in fast allen Schichten auf – ein Hinweis auf ihre Bedeutung als stetige Nahrungsquelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einzelnen Abschnitten finden sich auch Knochen von Auerochsen und Ziegenartigen. Letztere lassen sich nicht genau bestimmen, stammen aber wohl von robusten Wildformen, die in der kargen Landschaft gut zurechtkamen. Aus einigen Schichten wurden auch Wollfasern geborgen, möglicherweise vom Moschusochsen oder einer verwandten Art.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gräser, Bohnen und Yams</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Tierische Nahrung war für die Menschen von Shìzitān zweifellos wichtig. Doch auch pflanzliche Lebensmittel spielten eine Rolle – wenn auch oft schwerer nachzuweisen. Hinweise liefert vor allem der Abrieb auf Mahlsteinen sowie die mikroskopischen Rückstände von Pflanzengeweben, sogenannten Phytolithen und Stärkekörnern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An mehreren Fundstellen wurden Mahlsteine gefunden, die teils deutlich bearbeitet sind. Besonders aufschlussreich sind die Funde aus Shìzitān 14. Dort analysierte man Rückstände auf drei Mahlplatten aus der Zeit zwischen 23.000 und 18.000 BP.  Die Spuren zeigen: Die Menschen verarbeiteten eine Mischung aus Gräsern, Knollen und Hülsenfrüchten.</p>



<!DOCTYPE html>
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<div class="bildcontainer">
  <img decoding="async" src="https://www.frontiersin.org/files/Articles/818554/feart-09-818554-HTML/image_m/feart-09-818554-g009.jpg" alt="Funde aus SZT">
  <div class="bildunterschrift">
    (A) Ocker (S9) Schicht 4;  
    (B) Ocker (S29) Schicht 7;  
    (C, E) Schleifplatten (S29) Schicht 7, mit Ockerspuren;  
    (D) Reibstein (S29) Schicht 7;  
    (F) Ockerspuren auf der Innenseite einer Perle aus SZT29 Schicht 2.  
    <br>
    <a href="https://www.frontiersin.org/journals/earth-science/articles/10.3389/feart.2021.818554/full" target="_blank">Zur Originalveröffentlichung</a>
  </div>
</div>

</body>
</html>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten fanden sich Reste von Pflanzen aus der Familie der Süßgräser. Dazu zählen sowohl die Paniceae, die eher warme, offene Standorte bevorzugen, als auch die Triticeae, die in kühleren Regionen gedeihen. Beide Gruppen sind auch heute noch wichtige Getreidevorfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den Gräsern tauchten auch Rückstände von Yamswurzeln und Bohnen auf. Die genaue botanische Zuordnung ist oft schwierig, doch spätere Funde im nordchinesischen Raum deuten auf frühe Formen der Adzukibohne hin. Ihre Nutzung reicht möglicherweise bis in diese frühe Phase zurück.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schlangenhaargurke und Eichel-Abendessen</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Trichosanthes_Cucumerina_aka_Snake_Gourd-225x300.jpeg" alt="" class="wp-image-1838" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Trichosanthes_Cucumerina_aka_Snake_Gourd-225x300.jpeg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Trichosanthes_Cucumerina_aka_Snake_Gourd.jpeg 640w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schlangenhaargurke</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Unter den pflanzlichen Funden aus Shìzitān fallen zwei besondere Lebensmittel auf: Schlangenhaargurke und Eicheln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schlangenhaargurke (<em>Trichosanthes cucumerina</em>) wurde in mehreren Fundstellen nachgewiesen, erstmals in Schichten um 23.000 BP. Heute gilt sie als Heilpflanze, früher scheint sie zumindest zeitweise gegessen worden zu sein. Ihre Verarbeitung war mühsam: Die Wurzel musste über Tage gewässert werden, bevor sie genießbar war. Ob ein ähnliches Verfahren schon in der Altsteinzeit bekannt war, bleibt offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Eicheln wurden offenbar genutzt. Rückstände auf Mahlsteinen aus Shìzitān 9 deuten darauf hin. Weil Eicheln Gerbstoffe enthalten, sind sie roh kaum genießbar. In anderen Weltregionen wurden sie durch Wässern entgiftet. Vielleicht griff man auch in Shìzitān zu vergleichbaren Methoden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kein Fisch auf dem Feuer</h3>



<a href="https://www.sohu.com/a/447137712_750371" target="_blank">
  <img decoding="async" src="https://p6.itc.cn/q_70/images03/20210127/ebb31e140ba9448ab2e429cf69d88374.jpeg" alt="Bildbeschreibung">
</a>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gelbe Fluss und der Qīngshuǐ-Fluss fließen in unmittelbarer Nähe der Fundstellen von Shìzitān. Dennoch fehlen Hinweise auf Fischfang fast vollständig. Weder Fischgräten noch Angelhaken oder Netzgewichte wurden gefunden. Auch in den Essensresten finden sich keine Fischreste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wirkt auf den ersten Blick überraschend. Flüsse gelten heute als wichtige Nahrungsquellen. Doch offenbar spielte Fisch in der Ernährung der Menschen von Shìzitān über viele Jahrtausende keine Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst aus der Bianbiandong-Höhle, weiter südlich gelegen, liegen Hinweise auf Fischfang vor – und das auch erst ab etwa 10.000 BP. Dort wurde das Fischen wohl Teil einer gemischten Wirtschaftsweise, in der Jagd und Sammeln mit ersten festen Siedlungsformen kombiniert wurden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Speiseplan im Wandel</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Funde aus Shìzitān zeigen, dass sich die Ernährung der Menschen über die Jahrtausende immer wieder an veränderte Umweltbedingungen anpasste. Der Speiseplan war kein starres Muster, sondern reagierte auf Klimaschwankungen, Wanderbewegungen von Tieren und die jeweilige Zusammensetzung der Landschaft.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="263" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sinomegaceros_yabei_-_National_Museum_of_Nature_and_Science_Tokyo_-_DSC06925-300x263.jpg" alt="" class="wp-image-1842" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sinomegaceros_yabei_-_National_Museum_of_Nature_and_Science_Tokyo_-_DSC06925-300x263.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sinomegaceros_yabei_-_National_Museum_of_Nature_and_Science_Tokyo_-_DSC06925-1024x899.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sinomegaceros_yabei_-_National_Museum_of_Nature_and_Science_Tokyo_-_DSC06925-768x674.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Sinomegaceros_yabei_-_National_Museum_of_Nature_and_Science_Tokyo_-_DSC06925.jpg 1167w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sinomegaceros&nbsp;(mit Megaloceros o. verwandt oder identisch)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die unterste Schicht, Schicht 8, stammt aus der Zeit um 28.000 BP. Hier wurden ausschließlich Knochen des großen Hirsches <em>Megaloceros ordosianus</em> gefunden. Diese Art bevorzugte den Übergangsbereich zwischen offener Steppe und lichten Wäldern. Vermutlich war die Umgebung damals feuchter als in späteren Phasen und wies einzelne Waldstücke auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Schicht 7, rund 24.000 bis 26.000 BP, erweitert sich das Spektrum der Beutetiere. Neben dem Riesenhirsch treten nun auch Pferde, Esel und mittelgroße Hirsche auf. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich die Steppe in dieser Phase ausdehnte – eine Entwicklung, die zu einem breiteren Jagdspektrum führte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/The_book_of_antelopes_1894_Procapra_przewalskii-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-1843" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/The_book_of_antelopes_1894_Procapra_przewalskii-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/The_book_of_antelopes_1894_Procapra_przewalskii.jpg 453w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Przewalski-Gazelle</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Schicht 6 zeigt eine neue Tierart: die Przewalski-Gazelle. Sie ist ein typischer Bewohner trockener Steppen und Halbwüsten. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Funde von <em>Megaloceros ordosianus</em> deutlich ab. Offenbar wurde die Umgebung trockener, offene Flächen dominierten zunehmend das Landschaftsbild.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Schicht 5, datiert auf etwa 23.000 bis 24.000 BP, verändert sich die Zusammensetzung der Fauna erneut deutlich. Neben Gazellen treten nun vermehrt Auerochsen und Vertreter der Ziegenartigen (evtl. Moschusochsen) auf. Ob dieser Wechsel klimatische Ursachen hat oder mit einer veränderten Nutzung des Gebiets durch die Menschen zusammenhängt, ist bislang ungeklärt. Weitere Untersuchungen sind notwendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Schicht 3 und 4, etwa 22.000 bis 24.000 BP, finden sich wieder vermehrt Pferde, Hirsche und weitere große Säuger. Ihre Rückkehr deutet auf eine Phase mit günstigeren klimatischen Bedingungen hin – möglicherweise feuchter, mit dichterem Bewuchs.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="195" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Bos_primigenius_Vig_uroksen-300x195.jpg" alt="" class="wp-image-1844" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Bos_primigenius_Vig_uroksen-300x195.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Bos_primigenius_Vig_uroksen-768x498.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/Bos_primigenius_Vig_uroksen.jpg 817w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auerochse</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Schicht 2, rund 18.000 BP, weist dagegen nur noch Reste von Pferden, Eseln und Gazellen auf. Das spricht für eine Rückkehr zu trockeneren Verhältnissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schicht 1 bildet schließlich mit großem zeitlichem Abstand die jüngste Nutzungsphase ab. Sie stammt aus der Zeit um 13.000 BP. Hier tauchen erneut Pferde, Auerochsen und <em>Megaloceros ordosianus</em> auf. Das passt zu einer insgesamt wärmer und feuchter werdenden Landschaft mit zunehmendem Waldanteil.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schlussgedanke</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Shìzitān liefert seltene Einblicke in das Leben vor der Sesshaftigkeit. Die Menschen jagten, sammelten und verarbeiteten ihre Nahrung mit einfachen Mitteln, aber großem Geschick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie nutzten, was die Landschaft hergab – ob Wildtiere, Gräser oder schwer zugängliche Wurzeln. Der Speiseplan war vielfältiger, als es moderne Fantasien über Steinzeitkost vermuten lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn heute vom Beginn chinesischer Esskultur gesprochen wird, denkt man oft an Reisanbau, Porzellan und Gewürze. Doch sie begann viel früher – mit gebrochenen Knochen, verkohlten Pflanzen und einem Mahlstein im Staub.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/东皋村晒在溪滩上的柿子饼_-_panoramio_1-1-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-1840" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/东皋村晒在溪滩上的柿子饼_-_panoramio_1-1-1024x683.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/东皋村晒在溪滩上的柿子饼_-_panoramio_1-1-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/东皋村晒在溪滩上的柿子饼_-_panoramio_1-1-768x512.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/东皋村晒在溪滩上的柿子饼_-_panoramio_1-1-1536x1024.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/东皋村晒在溪滩上的柿子饼_-_panoramio_1-1-2048x1366.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/05/东皋村晒在溪滩上的柿子饼_-_panoramio_1-1.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Shìzitān, dessen Name &#8222;Kakipflaumenstrand&#8220;&nbsp;bedeutet, heute. Im Vordergrund orangene Kakipflaumen, die getrocknet werden.</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titelbild: Public Domain</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shìzitān&nbsp;heute, 东皋村晒在溪滩上的柿子饼: Wikimedia Commons, 江上清风1961</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sinomegaceros: Wikimedia Commons, Daderot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auerochse: Wikimedia Commons, Malene Thyssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Przewalski-Gazelle: Public Domain.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles weitere eingebettet &#8211; mit Klick auf das Bild gelangt man zur Quelle</p>



<h3 class="wp-block-heading">Literatur</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Li Liua, Wei Geb, Sheahan Bestel, Duncan Jones, Jinming Shi, Yanhua Song, Xingcan Chen (2011): Plant exploitation of the last foragers at Shizitan in the Middle Yellow River Valley China: evidence from grinding stones. In: <em>Journal of Archaeological Science </em>38 (12), S. 3524–3532. DOI: 10.1016/j.jas.2011.08.015.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liu, Li; Levin, Maureece J.; Bonomo, Michael F.; Wang, Jiajing; Shi, Jinming; Chen, Xingcan et al. (2018): Harvesting and processing wild cereals in the Upper Palaeolithic Yellow River Valley, China. In: <em>Antiquity </em>92 (363), S. 603–619. DOI: 10.15184/aqy.2018.36.</p>



<p class="wp-block-paragraph">WANG Yiren (2018): 晋西南旧石器考古学研究现状及其展望. In: <em>Acta Anthropologia Sinica </em>37.</p>



<p class="wp-block-paragraph">XIA, Zhengkai (2002): Climate background of the evolution from Paleolithic to Neo-lithic cultural transition during the last deglaciation in the middle reaches of the Yellow River. In: <em>Chinese Sci Bull </em>47 (1), S. 71. DOI: 10.1360/02tb9014.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yanhua Song, David J. Cohen, Jinming Shi, Xiaohong Wu, Eliso Kvavadze, Paul Goldberg, Shuangquan Zhang, Yue Zhang, OferBar Yosefi (2017): Environmental reconstruction and dating of Shizitan 29, Shanxi Province: An early microblade site in north China. In: <em>Journal of Archaeological Science </em>79, S. 19–35. DOI: 10.1016/j.jas.2017.01.007.</p>
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