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	<title>Geheimdienste Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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	<title>Geheimdienste Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Terror in Mumbai &#8211; Der 26. November 2008</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Indien und Pakistan – Geschichte einer Trennung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Stadt im Belagerungszustand Am Abend des 26. November 2008 landeten zehn schwer bewaffnete Männer mit Schlauchbooten an der Küste Mumbais. Innerhalb weniger Stunden verübten sie koordinierte Angriffe auf zentrale &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/terror-in-mumbai-der-26-november-2008/">Terror in Mumbai &#8211; Der 26. November 2008</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Anschlaege_Mumbai.mp3"></audio></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Eine Stadt im Belagerungszustand</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="250" height="260" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Bombaymapconfirmed_attacks.png" alt="" class="wp-image-5118"/><figcaption class="wp-element-caption">Ziele der Anschläge 2008</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 26. November 2008 landeten zehn schwer bewaffnete Männer mit Schlauchbooten an der Küste Mumbais. Innerhalb weniger Stunden verübten sie koordinierte Angriffe auf zentrale Orte der Stadt: den Hauptbahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus, das Hotel Taj Mahal Palace, das Oberoi-Trident-Hotel, ein jüdisches Zentrum sowie mehrere Restaurants. Ziel war es, möglichst viele Zivilisten zu töten, die öffentliche Ordnung zu destabilisieren und maximale mediale Wirkung zu erzielen. In Indien ist für diese Ereignisse die Kurzbezeichnung 26/11 gebräuchlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angriffe dauerten fast 60 Stunden. Am Ende waren 175 Menschen tot, darunter indische Polizisten, Gäste internationaler Hotels und Bewohner Mumbais unterschiedlichster Herkunft. Hunderte wurden verletzt. Die Stadt stand unter Schock. Für viele Beobachter war dies ein Einschnitt in der jüngeren Geschichte Indiens, vergleichbar mit dem 11. September in den USA.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Historischer Hintergrund</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anschläge von Mumbai können nicht ohne den geopolitischen Kontext Südasiens verstanden werden. Seit der <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/teilung-und-gewalt-der-sommer-1947/">Teilung Britisch-Indiens im Jahr 1947</a> steht die Region im Zeichen des indisch-pakistanischen Konflikts. Der Streit um Kaschmir, drei Kriege und eine Reihe grenzüberschreitender Zwischenfälle führten zu tiefem Misstrauen und nationalistischen Gegenbewegungen auf beiden Seiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wuchs seit den 1980er Jahren das Netz islamistischer Gruppen in Pakistan. Die Unterstützung der USA und Saudi-Arabiens für die Mudschahedin in Afghanistan trug zur Entstehung einer militanten Infrastruktur bei. Auch Indien blieb nicht verschont. Organisationen wie Lashkar-e-Taiba (LeT), die sich ursprünglich auf den Kaschmir-Konflikt konzentrierten, verfolgten zunehmend auch ein globales jihadistisches Narrativ. Aus diesem Umfeld sollten die Männer stammen, die Mumbai ins Visier nahmen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Angreifer</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die zehn Attentäter waren junge Männer aus Pakistan, die sich über Monate in einem Ausbildungslager von Lashkar-e-Taiba auf den Einsatz vorbereitet hatten. Einer von ihnen, Ajmal Kasab, wurde lebend gefasst und später zum Tode verurteilt. Seine Aussagen wurden zur zentralen Quelle für die Rekonstruktion der Ereignisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgehörte Gespräche belegen eine präzise geplante Operation mit zentraler Steuerung. Die Täter standen in Echtzeit über VoIP und Telefonverbindungen mit ihren Koordinatoren in Kontakt. Als operative Schlüsselfigur gilt Sajid Mir, der die Täter aus Pakistan anleitete. Ziel war die Tötung von Zivilisten, die Verbreitung von Angst und die Demütigung des indischen Staates.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ideologische Grundlage der Täter war eine Mischung aus politischem Islamismus, Feindbildrhetorik gegen Indien, antijüdischer Propaganda und Opfernarrativen aus dem Kaschmir-Konflikt. Die Auswahl der Ziele, darunter eine jüdische Einrichtung, spiegelt diese Radikalisierung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf und Reaktionen</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="197" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mumbai_CST_clock-197x300.jpg" alt="" class="wp-image-5119" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mumbai_CST_clock-197x300.jpg 197w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/Mumbai_CST_clock.jpg 635w" sizes="(max-width: 197px) 100vw, 197px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mumbai Chhatrapati Shivatji Terminus (CST), 2007</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Täter näherten sich auf dem Seeweg. Sie kaperten den indischen Trawler M. V. Kuber, töteten die Besatzung und setzten im Bereich Badhwar Park und Cuffe Parade in Schlauchbooten über. An Land teilten sie sich in fünf Zweier-Teams auf und griffen zeitgleich mehrere Ziele an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Team eröffnete im Chhatrapati Shivaji Terminus das Feuer und bewegte sich anschließend zum Cama and Albless Hospital für Frauen und Kinder. Ein weiteres drang in das Nariman House, auch Chabad House, ein und nahm Geiseln. Zwei Täter attackierten das Café Leopold in Colaba und wechselten danach zum Taj Mahal Palace. Andere stürmten das Oberoi Trident am Marine Drive. In den Hotels kam es zu langwierigen Gefechten mit Geiselnahmen und Bränden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sicherheitskräfte waren zu Beginn unzureichend vorbereitet. Erst mit Eintreffen von Spezialeinheiten der Marine und der National Security Guard gelang es, die Täter zu stellen und die Geiseln zu befreien. Neun Angreifer wurden bis zum Abend des 29. November getötet. Nur Ajmal Kasab überlebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei erlitt schwere Verluste. Unter den Getöteten waren Hemant Karkare, Ashok Kamte und Vijay Salaskar. Für ihren Einsatz wurden zahlreiche Beamte posthum geehrt. Zu den prägenden Namen der Rettungsoperation zählen außerdem Tukaram Omble, Sandeep Unnikrishnan und Gajender Bisht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Politisch folgten rasche Debatten über Fehler im Krisenmanagement. Premierminister Manmohan Singh kündigte Reformen an. Innenminister Shivraj Patil trat zurück, der bisherige Finanzminister P. Chidambaram übernahm.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Geheimdienste und Vorwissen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Schon Monate vor den Anschlägen lagen verschiedenen Diensten Hinweise vor. Deren Tragweite wurde unterschätzt und unzureichend ausgewertet. Früh wurde über die Rolle des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI spekuliert. Der Forschungs- und Ermittlungsstand zeigt ein Spektrum von Deutungen. Es reicht von der Annahme staatlicher Mitwirkung über das Wirken abtrünniger Elemente bis zur Zurückweisung jeder staatlichen Beteiligung. Unstrittig ist die Nähe zwischen Teilen des ISI und Gruppen wie Lashkar-e-Taiba in der Vergangenheit. Technische Spuren und Zeugenaussagen belegten die Rolle führender LeT-Kader bei Planung, Aufklärung und Steuerung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/2008_Mumbai_terror_attacks_Nariman_House_side_view-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-5120" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/2008_Mumbai_terror_attacks_Nariman_House_side_view-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/2008_Mumbai_terror_attacks_Nariman_House_side_view.jpg 500w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nariman House, 2008. Hier wurden Juden getötet</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Als Konsequenz wurden Strukturen, Ausrüstung und Ausbildung der Sicherheitskräfte ausgebaut. Mit dem National Investigation Agency Act vom 31. Dezember 2008 erhielt die nationale Ermittlungsbehörde erweiterte Kompetenzen für Terrorfälle. Regionale Außenstellen der National Security Guard wurden eingerichtet. Die Zusammenarbeit mit Partnerstaaten wurde intensiviert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verhältnis zu Pakistan verschlechterte sich deutlich. Indien übte diplomatischen Druck aus, gegen Drahtzieher vorzugehen. Hafiz Muhammad Saeed wurde in den Jahren 2020 bis 2022 in Pakistan in mehreren Verfahren wegen Terrorfinanzierung verurteilt. Zaki ur Rehman Lakhvi wurde im Januar 2021 wegen Terrorfinanzierung festgenommen und verurteilt. Tahawwur Hussain Rana, der in den USA wegen Unterstützung von LeT verurteilt worden war, wurde am 10. April 2025 an Indien ausgeliefert. Diese Maßnahmen veränderten das bilaterale Klima, beseitigten aber nicht das strukturelle Misstrauen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erinnerung und politischer Gebrauch</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anschläge von Mumbai sind bis heute Teil der kollektiven Erinnerung in Indien. Jährliche Gedenkveranstaltungen, Medienberichte und kulturelle Aufarbeitungen wie Filme oder Dokumentationen halten das Ereignis präsent. Die Bezeichnung als „indischer 9/11“ ist politisch umstritten, verweist aber auf die traumatische Wirkung und die daraus resultierende Verschiebung der Sicherheitsdoktrin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zugleich wurde das Ereignis politisch instrumentalisiert. Parteien nutzten es zur Profilierung ihrer sicherheitspolitischen Agenda. Die Radikalisierung des politischen Diskurses in Indien und die Stärkung nationalistischer Rhetorik sind auch auf das Nachwirken der Anschläge zurückzuführen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-5121" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_20250217_180332-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf die Küste Mumbais, 2025</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mehr erfahren</strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Fair, C. Christine: <em>In Their Own Words: Understanding Lashkar-e-Tayyaba.</em> Analyse der Ideologie und Organisation der Täter.</li>



<li>Riedel, Bruce: <em>The Search for Al Qaeda.</em> Überblick über regionale jihadistische Netzwerke.</li>



<li>Swami, Praveen: <em>India, Pakistan and the Secret Jihad.</em> Kontextualisierung des Konflikts aus sicherheitspolitischer Perspektive.</li>



<li>Tellis, Ashley J.: <em>Lessons from Mumbai.</em> Analyse der Reaktion des indischen Staates.</li>



<li>Gupta, Sumit: <em>The Politics of Anti-Terrorism in India.</em> Einordnung der innenpolitischen Dynamiken nach 2008.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Hotel Taj Mahal Palace, 2025.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karte: Wikimedia Commons, geni open street maps.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mumbai CST: Wikimedia Commons, Shabbir Siraj.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nariman House: Wikimedia Commons, Nicholas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles weitere eigene Aufnahmen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/terror-in-mumbai-der-26-november-2008/">Terror in Mumbai &#8211; Der 26. November 2008</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Putschversuch 1965</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-der-putschversuch-1965/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Sep 2024 06:08:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 3 Sukarno, die PKI und die politische Krise von 1965 In Geheime Diplomatie und Machtspiele untersuchen wir Indonesiens Rolle im &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/geheime-diplomatie-und-machtspiele-indonesien-im-kalten-krieg-der-putschversuch-1965/">Der Putschversuch 1965</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/09/indonesien_im_kalten_krieg_3.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg/"></a><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 3</a></p>



<h5 class="wp-block-heading">Sukarno, die PKI und die politische Krise von 1965</h5>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div><figcaption class="wp-element-caption">Auch auf Youtube</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Geheime Diplomatie und Machtspiele untersuchen wir Indonesiens Rolle im Kalten Krieg. Die Serie widmet sich der komplexen, oft verborgenen Dynamik zwischen den USA und Indonesien in einer Zeit voller politischer Turbulenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1965 spitzte sich die Lage in Indonesien zu. Die kommunistische Partei orientierte sich weiter in Richtung Sukarnos, da sie in ihm einen Verbündeten gegen die Armee sah. Und Sukarno unterstützte die PKI, wenn es nötig war. Es scheint allerdings in erster Linie eine Zweckpartnerschaft gewesen zu sein. Russische Quellen zeigen, dass Aidit zusammen mit dem Botschafter der Sowjetunion über die Zeit nach Sukarno gesprochen hat, allerdings ohne dies selbst durch Attentate oder dergleichen herbeizuführen. Die PKI betrachtete Sukarno auch 1965 als noch nicht links genug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht machte Aidit sich Gedanken um die Gesundheit des Präsidenten. Es war allseits bekannt, dass Sukarno nicht gesund war. Er litt an Leberproblemen, lehnte aber die von seinem Arzt empfohlene Operation ab, da ihm ein Wahrsager vorhersagte, dass er durch ein Messer sterben würde. Er ließ sich stattdessen von chinesischen Medizinern mit Akupunktur behandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Präsident schützte die Kommunistische Partei auch auf Wegen, die nach rechtsstaatlichen Maßstäben nicht zu vertreten wären. Im Februar 1965 wurden einundzwanzig Zeitungen aus dem Verkehr gezogen, die nachteilig gegenüber der PKI berichtet hatten. Doch es war nicht so einfach, die kritischen Stimmen zum Verstummen zu bringen. Die Armee reagierte und publizierte eigene Zeitungen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="240" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-300x240.jpg" alt="" class="wp-image-190" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-300x240.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-1024x819.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-768x614.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-1536x1229.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023-2048x1638.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Shell_Flickr_16_September_2023.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Ein außenpolitisches Ereignis zeigte Folgen innerhalb Indonesiens: die Amerikaner begannen, Vietnam zu bombardieren. Anhänger der PKI und anderer linker Gruppen kaperten daraufhin amerikanische Firmen im Land. Anschließend übernahm das Militär dort die Initiative. Firmen wie Caltex und Shell wurden im März unter staatlicher Kontrolle gestellt, doch es waren keine normalen Geschäfte in dieser Zeit mehr möglich. Die indonesische Wirtschaft geriet weiter in ein Chaos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die PKI konnte in Jakarta ihre Rolle stärken. Sukarno verlangte von seinen Parteigenossen, dass sie mit der kommunistischen Partei kooperierten. Im August strafte er im großen Maßstab PNI-Führer ab, die sich daran nicht halten wollten: ungefähr hundertfünfzig Politiker wurden suspendiert, die Nähe zu anti-PKI-Kreisen der Armee zeigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im gleichen Monat zog Sukarno Indonesien aus vielen Institutionen, wie dem Internationalen Währungsfonds, Interpol und der Weltbank, zurück. Die Verbindungen zur westlichen Welt wurden gekappt und die antiimperiale Achse Jakarta, Phnom Penh, Hanoi, Peking, Pjöngjang ausgerufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftlichen Probleme eskalierten weiter. Die Inflation überragte sogar die vorigen Jahre und lag bei ungefähr fünfhundert Prozent. Beim wichtigsten Gut, dem Reis, lag die Preissteigerung sogar bei neunhundert Prozent. Damit verbunden verlor die Indonesische Rupiah an Wert. Der Schwarzmarkt-Preis für den US-Dollar stieg von fünftausendeinhundert Rupiah zu Anfang des Jahres auf fünfzigtausend zum vierten Quartal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Schieflage des Landes verstärkten sich die Fronten noch stärker. Sowohl bei Kommunisten als auch ihren Gegnern verbreiteten sich Geschichten über Todesschwadrone, die angeblich Listen mit potenziellen Opfern führen sollten. Realität und Fiktion waren schlecht zu unterscheiden. Sogar Übersinnliches, wie Prophezeiungen und Omen, wurden in die politischen Debatten miteingebracht. In der aufgeheizten Lage stiegen die Gewalttaten an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Unabhängigkeitstag im Jahre 1965 hielt Sukarno eine Rede, in der er Schuldige identifizierte: Er kritisierte Korrumpierte und Schwindler, die gestern noch die Revolution unterstützten, aber heute womöglich Konterrevolutionäre geworden waren. Der Bruch mit seinen ehemaligen Verbündeten lag nun offen dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. September kündigte Sukarno an, dass die zweite Phase der indonesischen Revolution anstünde: die Implementation des Sozialismus.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Der gescheiterte Putsch: Vom 30. September zur Machtübernahme Suhartos</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="231" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani-231x300.jpg" alt="" class="wp-image-187" style="width:231px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani-231x300.jpg 231w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ahmad_Yani.jpg 647w" sizes="auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ahmad Yani</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Doch soweit sollte es nicht kommen. In den nachfolgenden Tagen waren mehrere zehntausend Soldaten in Jakarta, um sich auf den „Armed Forces Day&#8220; am 5. Oktober vorzubereiten. Ein Militärputsch lag in der Luft. Am 27. September verwehrte sich der Befehlshaber der Armee, General Ahmad Yani, gegen eine strukturelle Änderung des Militärs, die zur „Nasakomisation&#8220; hätte führen sollen, also gegen eine Neuausrichtung im Sinne der Sukarno-Fraktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich fand einige Tage später, am 1. Oktober ein Putschversuch statt &#8211; der allerdings vermeintlich von der anderen Seite gestartet wurde und der Ahmad Yani das Leben kosten sollte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="226" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung-226x300.jpg" alt="" class="wp-image-188" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung-226x300.jpg 226w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Col_Untung.jpg 465w" sizes="auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px" /><figcaption class="wp-element-caption">Untung Syamsuri</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Aktion begann in den frühen Morgenstunden. Die Putschisten entführten neben Yani fünf weitere Generäle aus deren Häusern in Jakarta und brachten sie in den Süden der Stadt. Sie wurden getötet und in einen Brunnen geworfen. Anschließend besetzten die Aufständischen eine Radiostation. Sie stellten sich als &#8222;Bewegung dreißigster September&#8220; vor und erklärten sich selbst zu Truppen, die Präsident Sukarno loyal beiseite stünden. Als Anführer wurde Oberstleutnant Untung genannt, der als Kommandeur für ein Bataillon zuständig war, das die Sicherheit des Präsidenten gewährleisten sollte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="228" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-228x300.jpg" alt="" class="wp-image-189" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-228x300.jpg 228w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-777x1024.jpg 777w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-768x1013.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-1165x1536.jpg 1165w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-1553x2048.jpg 1553w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Supardjo-scaled.jpg 1213w" sizes="auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px" /><figcaption class="wp-element-caption">Supardjo</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch Untung scheint nur vorgeschoben gewesen zu sein. Als Anführer dahinter scheint Brigadegeneral Supardjo gestanden zu haben, der auch Leiter eines Nachrichtendienstes war. Omar Dhani, der Kommandeur der indonesischen Luftwaffe, stellte den Putschisten die Halim-Luftwaffenbasis als Hauptquartier zur Verfügung. Einige Mitglieder des PKI-Politbüros schienen auch, zumindest vage, über die Pläne informiert gewesen zu sein. Allerdings war Aidit der einzige ranghohe Politiker, der in Halim anwesend war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere hundert Rebellen besetzten den Merdeka-Platz in Jakarta. Auch in anderen Landesteilen kam es zu Putschhandlungen, beispielsweise in der Provinz Jawa Tengah entführten Aufständische fünf ihrer Kommandanten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="265" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1-265x300.jpg" alt="" class="wp-image-191" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1-265x300.jpg 265w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Merdeka_Square_1965-1.jpg 458w" sizes="auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px" /><figcaption class="wp-element-caption">Merdeka-Platz in Jakarta</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Suharto übernahm das Kommando zur Bekämpfung der Putschisten und führte ebenfalls am 1. Oktober einen Gegenangriff aus. Er verstand die Situation genau und sah, dass er genügend Zeit hatte, Truppen zu organisieren. Er hatte nur das Bataillon 328 aus Jawa Barat vor Ort, doch konnte er schlagkräftige Spezialkräfte mobilisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits nach zwölf Stunden waren die Putschisten von den zentralen Orten in Jakarta verdrängt worden, ohne dass Schüsse abgegeben wurden. Der Coup war schlecht geplant und die Truppen auf dem Merdeka-Platz wurden nicht verpflegt. Ihnen war heiß von der Sonne, sie waren hungrig, durstig und müde und letzten Endes zogen sie freiwillig ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wandte sich Suharto Halim zu. Doch die dort anwesenden Führer zerstreuten sich. Sukarno, der auch dort anwesend war, machte sich auf den Weg zu seinem Palast in Bogor, Aidit floh nach Yogyakarta und Dhani nach Madiun. Der Coup war in Jakarta bereits am Morgen des 2. Oktobers beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Jawa Tengah sollten sich die Aufständischen nicht viel länger halten. Wahrscheinlich durch die schnelle Niederschlagung in Jakarta demoralisiert, endete hier der Aufstand am 3. Oktober. Die Auflösung geschah so schnell, dass die Rebellen keine Chance hatten, Pressekonferenzen abzuhalten, um ihre Mission der Öffentlichkeit zu erläutern.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="200" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman-200x300.jpg" alt="" class="wp-image-192" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman-200x300.jpg 200w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/potret-sjam-kamaruzaman.jpg 427w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kamaruzaman Sjam</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Der Putsch wurde schnell aufgelöst, doch das Nachdenken über die Motive dauerte lange an, da es viele schwer verständliche und verwirrende Ereignisse gab. Die Bewertung hängt unter anderem von der Einschätzung der Rolle Sjams ab, der als Verbindungsmann zwischen den unterschiedlichen Gruppen des Coups, den progressiven Militärs und der Politiker, galt. Er war ein Vertrauter von Aidit. Der Südostasienforscher Willem Frederik Wertheim vermutete, dass dieser als Doppelagent im Sinne Suhartos gehandelt haben könnte. Dazu würde auch passen, dass Untung eine direkte persönliche Beziehung zu Suharto hatte, unter dem er im Westpapua-Konflikt diente.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Indizien weisen zumindest in die Richtung, dass Suharto von den Geschehnissen nicht überrascht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oberst Latief, einer aus der Führungsriege der Putschisten, sagte später aus, dass er Suharto am Abend des 30. September bei einem Treffen im Armeekrankenhaus zu den bevorstehenden Ereignissen informiert hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Auffälligkeit war, dass die Truppen am Merdeka-Square, in Richtung des Hauptquartiers von wo Suharto seine Gegenoffensive startete, nicht absicherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Frage „Cui bono?&#8220; würde ebenfalls in die Richtung Suharto weisen. Die PKI, die über Jahre hinweg nach oben strebte, und der Präsident Sukarno verloren ihre führende Position. Der General Suharto hingegen konnte die Macht übernehmen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="168" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah-300x168.jpg" alt="" class="wp-image-195" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah-300x168.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/soeharto-tengah.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch es gibt auch andere Thesen. Beispielsweise der Historiker John Roosa bezweifelt die Doppelagenten-Rolle Sjams. Er sieht im Motiv des Präventivschlags die wahrscheinlichste Ursache für den missglückten Plot. Die Planungen verliefen chaotisch, da ein zentrales Mastermind fehlte. Die Aufständischen waren unzureichend bewaffnet, da sie über keine Panzer verfügten, und wären darauf angewiesen gewesen, dass Sukarno sich auf ihre Seite schlagen würde. Der hingegen war nicht gewillt seine Stimme für junge Offiziere zu erheben, die ihre Armee-Kommandanten haben töten lassen. So soll er Supardjo angewiesen haben, den Putsch ohne weiteres Blutvergießen zu beenden.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die blutigen Folgen: Massenverfolgungen und der Niedergang der PKI</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Armee machte die PKI öffentlich für den Putsch verantwortlich. Die Aufständischen wurden als Gestapu bezeichnet, ein Akronym, das aus „Gerakan September Tiga Puluh&#8220; gebildet wurde und sie in Verbindung zu den Gräueltaten Nazi-Deutschlands bringen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Historiker Yosef Djakababa sieht in dieser und ähnlicher Propaganda der Armee einen Katalysator für das Töten, das später einsetzen sollte. Er spricht von „initial purge policy&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folge dieser aufgeheizten Stimmung waren viele Gewalttaten. Diese wurden oft nicht von der Armee selbst ausgeführt, sondern von lokalen Milizen und Gruppierungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viele Menschen insgesamt in dieser Zeit getötet und misshandelt wurden, lässt sich nicht genau erfassen. Da in Indonesien ein Mantel des Schweigens über dem Thema lag und auch die westlichen Beobachter im Kalten Krieg einen anderen Fokus hatten, sind die Massaker nicht zeitnah umfassend untersucht worden. Die meisten Schätzungen bewegen sich zwischen vierhunderttausend und fünfhunderttausend. Aber wegen der fehlenden Anhaltspunkte sind diese Zahlen sehr unsicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu trug bei, dass die Form der Gewaltakte sich von Provinz zu Provinz und sogar von Distrikt zu Distrikt sehr unterschieden. Lokale Studien gibt es nur wenige, doch die zeigen ein komplexes, vielschichtiges Bild über den Hergang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Gewalttaten begannen im Oktober in Aceh, wo die PKI relativ schwach war und wenig Gegenwehr leisten konnte. An anderen Orten setzten die Verfolgungen später ein, oftmals erst nach der Ankunft von antikommunistischen Spezialeinheiten, wie den paramilitärischen Kommandos der RPKAD.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verfolgten waren auffällig passiv in der Verteidigung. Der Historiker Robert Cribb vermutet, dass viele Opfer diese eskalierende Gewalt nicht erwartet hätten. Dafür könnte es mehrere Gründe gegeben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen waren viele Angegriffene sich nicht bewusst, dass sie mit den Ereignissen in Jakarta in Zusammenhang gebracht werden könnten, da sie de facto nichts dazu beigetragen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kann auch einen kulturhistorischen Grund dafür geben, dass diese Gewalteskalation unerwartet war. Indonesien war in seiner Geschichte lange Zeit wenig dicht besiedelt und Eroberungskriege waren mehr auf die Erweiterung der Bevölkerung als auf Vergrößerung der Landfläche ausgelegt. Daher waren kriegerische Auseinandersetzungen oft auf Modi beschränkt, die eine geringe Anzahl an Opfern hervorbrachte, beispielsweise durch „battle by proxy or champion&#8220;.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-300x200.jpg" alt="" class="wp-image-196" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-1024x683.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-768x512.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-1536x1024.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-2048x1365.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/HIV_in_Indonesia_10701270604-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Monaten des Jahres 1966 endeten die Massentötungen. Allerdings waren die Folgen traumatisch und es gab von Seiten der indonesischen Regierung keine Aufarbeitung der Geschehnisse. Im Gegenteil: viele der vermeintlichen Staatsfeinde saßen noch zehn Jahre später ohne Gerichtsverhandlung im Gefängnis. Oft wurden ihre Aussagen, die die Inhaftierung rechtfertigten, unter Folter erzwungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sukarno blieb nach dem gescheiterten Putsch im Amt des Präsidenten. Allerdings verlor er Stück für Stück an Macht, sowohl faktisch als auch formal. Im März 1966 verlor er den Titel des Präsidenten auf Lebenszeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Shell: Wikimedia Commons, Tim Green.<br>Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg &#8211; Intro</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Sep 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 1 In „Geheime Diplomatie und Machtspiele&#8220; untersuchen wir Indonesiens Rolle im Kalten Krieg. Die Serie widmet sich der komplexen, oft &#8230; </p>
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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg/"></a><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 1</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In „Geheime Diplomatie und Machtspiele&#8220; untersuchen wir Indonesiens Rolle im Kalten Krieg. Die Serie widmet sich der komplexen, oft verborgenen Dynamik zwischen den USA und Indonesien in einer Zeit voller politischer Turbulenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Folgen möchte ich die grundsätzlichen Vorgänge in Indonesien darstellen. Die Geschichte des Inselstaats nach der Erlangung der Unabhängigkeit wurde maßgeblich von zwei Persönlichkeiten geprägt: Sukarno und Suharto. Beide verkörperten unterschiedliche Richtungen im politischen Spektrum. Sukarno war ein Nationalist mit sozialistischen Idealen. Suharto war ein Mann des Militärs, der neoliberale Ansätze in die indonesische Wirtschaft implementierte und eine pro-westliche außenpolitische Ausrichtung verfolgte. Der Machtwechsel zwischen den beiden wurde durch einen Putsch ausgelöst, der in vielen Punkten heute noch Fragen aufwirft.  General Suharto ergriff anschließend die Macht und behielt sie über drei Jahrzehnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rolle der Amerikaner, die von dem Wechsel profitierten, ist lange im Dunkeln geblieben. Dieser Aspekt soll im zweiten Teil der Serie im Fokus stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahrzehnten konnten Historiker diese Vorgänge besser beleuchten. Durch die deklassifizierten Geheimdokumente lässt sich ein vollständigeres Bild von den Vorkommnissen gewinnen. Einige der wichtigsten Dokumente möchte ich vorstellen – dadurch kann man ein Gefühl dafür bekommen, wie die Absprachen hinter den verschlossenen Türen zu solch heiklen Themen funktionieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir werden sehen, wie die amerikanische Diplomatie und die Geheimdienste ihre Ziele durchsetzen konnten. Aber wir werden auch ihre Grenzen sehen und die Misserfolge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abschluss der Serie betrachten wir die gegenwärtige öffentliche Debatte. Das 2023 erschienene Buch „Die Dschakarta Methode&#8220; von Vincent Bevins hat intensive Diskussionen ausgelöst. Wir betrachten seine Ergebnisse und reflektieren über die verschiedenen Perspektiven zu diesem Thema.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ein paar Sätze zu den eingesetzten Ressourcen. Als Quelle dienen Originaldokumente vom US-Außenministerium und den amerikanischen Geheimdiensten, sowie Analysen von Fachhistorikern. Ich habe mich auf westliche Autoren konzentriert, da das Thema auch heute noch in Indonesien problematisch ist. Auf Wunsch könnten wir im Nachgang eine Folge zur indonesischen Perspektive anfügen.</p>



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