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	<title>Erhai Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Soldaten auf den Feldern – Mu Ying sichert Yunnan für die Ming</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 09:00:13 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/soldaten-auf-den-feldern-mu-ying-sichert-yunnan-fuer-die-ming/">Soldaten auf den Feldern – Mu Ying sichert Yunnan für die Ming</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1382 standen die Truppen der Ming noch immer weit voneinander entfernt. Ein Teil kämpfte im Nordosten Yunnans, andere Verbände sicherten Dali und die Straßen durch das Hochland. In Kunming blieben nur wenige Soldaten zurück. Viele von ihnen waren krank, und in den Magazinen wurden die Vorräte knapp. Diesen Augenblick nutzte ein örtlicher Anführer namens Yang Ju. Seine Gefolgsleute schlossen die Provinzhauptstadt ein.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="198" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Feng_Sheng-198x300.jpg" alt="" class="wp-image-8019" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Feng_Sheng-198x300.jpg 198w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Feng_Sheng.jpg 485w" sizes="(max-width: 198px) 100vw, 198px" /><figcaption class="wp-element-caption">Feng Cheng, 1796</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Generäle Xie Xiong und Feng Cheng verriegelten die Tore und hielten die Mauern besetzt. Ein Ausfall hätte ihre geschwächte Besatzung gefährdet. Die Nachricht erreichte Mu Ying im nordöstlich gelegenen Wusa. Er setzte sich mit schnellen Reitern in Richtung Kunming in Bewegung. Von Qujing aus schickte er einen Soldaten voraus, der sich heimlich in die Stadt schleichen sollte. Nach der Darstellung der späteren Ming-Geschichtsschreibung geriet dieser Bote in die Hände der Belagerer. Er behauptete, Mu Ying nähere sich mit 300.000 Mann. In der Nacht brach im Lager vor der Stadt Unruhe aus. Ein Teil der Angreifer zog sich zurück, noch bevor Mu Yings Truppen Kunming erreichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht macht aus einer gefährlichen Lage eine Geschichte über Geistesgegenwart und kaiserliche Überlegenheit. Seine gewaltigen Truppenzahlen sind kaum überprüfbar. Er zeigt jedoch, wie unsicher die Herrschaft der Ming unmittelbar nach ihrem Sieg noch war. Das Eroberungsheer hatte die wichtigsten Städte eingenommen. Es kontrollierte damit vor allem die Hauptorte, während örtliche Machthaber in den Tälern weiterhin über die Bevölkerung und die Nachschubwege bestimmten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Provinz nach dem Feldzug</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mu Ying eilte nach Kunming und verfolgte die zurückweichenden Gegner in die Berge. Die amtliche Chronik meldete Zehntausende Tote und Gefangene. Solche Zahlen sollten die Größe des Sieges hervorheben und sagen wenig über die tatsächlichen Verluste aus. Auch über Yang Ju verraten die Quellen kaum etwas. Sie fassen seine Anhänger mit allgemeinen Bezeichnungen für die Bevölkerung des südwestlichen Grenzraums zusammen. Wahrscheinlich vereinte der Aufstand mehrere örtliche Gruppen, deren Interessen durch die Ankunft des Ming-Heeres bedroht waren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="300" height="222" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/嘉峪关关城_08-300x222.jpg" alt="" class="wp-image-8020" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/嘉峪关关城_08-300x222.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/嘉峪关关城_08-767x569.jpg 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/嘉峪关关城_08-1024x759.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/嘉峪关关城_08-1536x1139.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/嘉峪关关城_08-2048x1518.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/嘉峪关关城_08.jpg 1600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jiayuguan-Festung</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Rückzug der Belagerer setzten sich die Kämpfe fort. Mu Ying zog weiter nach Wusa und Dongchuan, in Gebiete nordöstlich der Hauptstadt, in denen die Straßen nach Sichuan verliefen. Andere Verbände marschierten gegen lokale Machthaber in Jianchang und Mangbu. Entlang der Routen entstanden befestigte Stützpunkte. Sie schützten Pässe und Flussübergänge. Zugleich dienten sie als Magazine für Waffen und Nachschub.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kaiser traf 1383 eine Entscheidung, die Yunnans weitere Entwicklung prägte. Fu Youde und Lan Yu durften mit einem großen Teil des Eroberungsheeres nach Nanjing zurückkehren. Mu Ying blieb mit mehreren Zehntausend Soldaten in der Provinz. Aus einem Feldherrn wurde damit der dauerhafte militärische Statthalter eines Gebietes, das mehr als 1.500 Kilometer von der Hauptstadt entfernt lag.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Pflegesohn des Kaisers</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mu Ying verdankte seine Stellung unmittelbar dem Gründer der Ming-Dynastie. Er war 1345 geboren worden und verlor früh seine Eltern. Zhu Yuanzhang und dessen Frau Ma nahmen den Jungen auf, lange bevor Zhu als Hongwu-Kaiser den Thron bestieg. Mu Ying wuchs im Umfeld des späteren Herrscherpaares auf und nahm als junger Offizier an den Kriegen teil, aus denen das Ming-Reich hervorging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kaiser verlieh ihm 1377 den Titel Marquis von Xiping. Mu Ying besaß damit militärische Erfahrung und hohen Rang. Seine Stellung in Yunnan stützte sich zunächst vollständig auf die kaiserliche Autorität. Gerade das machte ihn für Hongwu geeignet: Er sollte die Provinz sichern und dabei allein dem Kaiserhof verpflichtet bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mu Ying teilte die Herrschaft über Yunnan mit mehreren Behörden. Die zivile Provinzverwaltung erhob Steuern und entschied Rechtsfälle. Ihre Beamten führten die örtlichen Behörden. Daneben leitete eine regionale Militärkommission die Garnisonen. In zahlreichen Gebieten blieben einheimische Amtsträger im Dienst, sofern sie Abgaben entrichteten und Truppen stellten. Die Ming legten diese Zuständigkeiten übereinander. Ein Präfekt konnte die registrierten Zivilhaushalte eines Bezirks verwalten, während ein Garnisonskommandant im selben Gebiet für Soldatenfamilien und Befestigungen zuständig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Aufteilung begrenzte auch Mu Yings Stellung. Er war der wichtigste militärische Befehlshaber der Provinz und blieb dem Kaiserhof untergeordnet. Befehle und Truppenverstärkungen kamen weiterhin aus Nanjing. Über Ernennungen entschied ebenfalls die zentrale Regierung. Hongwu hielt engen Kontakt zu seinem Pflegesohn und erwartete regelmäßige Berichte über Ernteerträge und örtliche Unruhen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Garnisonen werden zu Siedlungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Künftig sollten die Soldaten Yunnan mit Waffen und Ackerbau sichern. Die Ming ordneten sie erblichen Militärhaushalten zu. Diese Haushalte mussten dauerhaft einen wehrpflichtigen Mann stellen; seine Angehörigen sorgten für Nachschub und arbeiteten häufig auf den Feldern. Starb ein Soldat oder wurde er untauglich, sollte der Haushalt einen Ersatzmann benennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Militärhaushalte bildeten eine Garnison, auf Chinesisch <em>wei</em>. Ihr waren kleinere Verbände und befestigte Posten unterstellt. Ein Teil der Männer versah Wachdienst oder übte mit Waffen. Andere betrieben <em>tuntian</em>, militärisch verwaltete Landwirtschaft. In der frühen Ming-Zeit sollten häufig 7 von 10 Soldaten Getreide anbauen, während die übrigen für den unmittelbaren Dienst bereitstanden. Das Verhältnis ließ sich je nach Bedrohung und Ernte verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses System löste ein drängendes Problem. Ein Heer in Yunnan allein aus Sichuan oder dem Jangtsegebiet zu versorgen, erforderte lange Transporte über Gebirgspässe. Träger und Lasttiere verbrauchten unterwegs einen erheblichen Teil des Getreides. Felder in der Nähe der Garnisonen verkürzten den Weg zwischen Ernte und Magazin. Zugleich blieben die Soldaten an den Orten, die sie kontrollieren sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihnen kamen Familien aus dem Inneren des Reiches. Viele stammten aus Jiangxi oder Huguang. Andere kamen aus dem Gebiet des unteren Jangtse oder hatten bereits in Sichuan gedient. Die Versetzung band sie über die Feldzugssaison hinaus an Yunnan. Die Militärregister erfassten auch ihre Nachkommen. Aus Lagern wurden Dörfer, aus befestigten Posten Marktorte. Ortsnamen mit Begriffen wie Lager oder Garnison erinnern in vielen Teilen der Provinz bis heute an diese Gründungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Getreide entscheidet über Herrschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mu Ying ließ Ackerflächen erfassen und verteilte Saatgut sowie Zugtiere. Offiziere mussten melden, wie viel Land ihre Einheiten bebauten und welche Erträge sie ablieferten. Gute Ergebnisse konnten eine Belohnung bringen, Rückgänge eine Strafe. Die amtlichen Biografien schreiben Mu Yings Verwaltung mehr als eine Million <em>mu</em> neu bewirtschafteten Landes zu. Das <em>mu</em> war ein Flächenmaß, dessen genaue Größe sich regional unterschied; in der Ming-Zeit entsprach es ungefähr einem Fünfzehntel Hektar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zahl diente der Regierung vor allem als Leistungsbilanz; eine exakte Vermessung lässt sich daraus kaum ableiten. Im Dian-Becken und in der Ebene von Dali bestanden seit Jahrhunderten bewässerte Äcker. Garnisonen konnten brachliegendes Land wieder nutzen, griffen aber auch in bestehende Besitz- und Wasserrechte ein. Die Ansiedlung der Soldaten veränderte daher das Verhältnis der Militärbehörden zur ansässigen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders wichtig blieb die Straße zwischen Kunming und Dali. 1387 ordnete Mu Ying an, auf der Route von Yongning nach Dali ungefähr alle 60 <em>li</em> einen befestigten Posten anzulegen und dort Soldaten Landwirtschaft betreiben zu lassen. Das <em>li</em> bezeichnete eine Wegstrecke von ungefähr einem halben Kilometer. Die Posten lagen also jeweils etwa einen Tagesmarsch auseinander. Sie boten Reisenden Schutz und versorgten den militärischen Verkehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Straße war mehr als eine Verbindung zwischen 2 Städten. Wer sie beherrschte, konnte Soldaten vom Dian-See an den Erhai verlegen und von dort weiter zu den westlichen Pässen führen. Ein Aufstand entlang dieser Achse hätte die Ming-Garnisonen voneinander getrennt. Felder und Forts bildeten deshalb gemeinsam eine militärische Infrastruktur.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251015_110959-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-8021" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251015_110959-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251015_110959-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251015_110959-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251015_110959.jpg 1220w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auch heute wird zwischen Kunming und Dali Getreide angebaut</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Wasserbau und Handel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Kunming musste mehr Menschen ernähren. Die Garnisonen und die neue Verwaltung zogen Handwerkerfamilien an. Dadurch wuchs die Bevölkerung rund um den Dian-See. Mu Yings Verwaltung setzte Arbeiten an Kanälen und am Abfluss des Sees fort. Arbeiter räumten Wasserwege und erschlossen zusätzliche Flächen für den Reisanbau. Damit knüpfte die Ming-Regierung an Anlagen an, die bereits unter den Yuan erweitert worden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die amtlichen Quellen schreiben Mu Ying außerdem die Erschließung von Salzbrunnen und die Förderung des Handels zu. Salz brachte der Regierung Einnahmen und zog Händler auf die neuen Militärstraßen. An den Garnisonen entstanden Märkte, auf denen Soldatenhaushalte Getreide und landwirtschaftliches Gerät kauften. Die militärische Besetzung begann so, Verkehrswege und Siedlungen dauerhaft zu verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Wandel vollzog sich ungleichmäßig und war oft von Konflikten geprägt. Während die Behörden in den dicht besiedelten Becken Haushalte und Felder vergleichsweise genau registrieren konnten, blieben sie an den westlichen Grenzen auf die Kooperation einheimischer Amtsträger angewiesen. Leistete ein örtlicher Herr Widerstand, rückten Truppen aus den Garnisonen aus; erkannte er den Kaiser an, konnte seine Familie das Amt oft weitervererben. Mu Yings Politik etablierte so ein Grenzregime aus direkter militärischer Kontrolle und indirekter Herrschaft, das sich deutlich von den östlichen Provinzen des Reiches unterschied.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Familie Mu bleibt</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="202" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Mu_Ying-202x300.jpg" alt="" class="wp-image-8022" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Mu_Ying-202x300.jpg 202w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Mu_Ying.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 202px) 100vw, 202px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mu Ying</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Hongwu würdigte seinen Pflegesohn in ungewöhnlich persönlichen Worten. Mu Ying halte den Südwesten ruhig, ließ der Kaiser ihn wissen, sodass er selbst ohne Sorge schlafen könne. Hinter dem Lob stand eine praktische Abhängigkeit: Nur wenige Generäle kannten die örtlichen Bündnisse und militärischen Einrichtungen Yunnans so gut wie Mu Ying.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1392 erreichte ihn die Nachricht vom Tod des Kronprinzen Zhu Biao, mit dem er am Hof aufgewachsen war. Die offizielle Biografie berichtet, Mu Ying habe so heftig getrauert, dass er erkrankte und wenige Monate später starb. Nach damaliger chinesischer Zählung war er 48 Jahre alt. Der Kaiser erhob ihn nachträglich zum Prinzen von Qianning. Soldaten und Bewohner Yunnans sollen um ihn getrauert haben – eine Angabe, die ebenso zum Bild des vorbildlichen Feldherrn gehörte wie die hohen Zahlen seiner Siege und Ackerflächen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sonderstellung der Familie überdauerte Mu Yings Tod. Sein Sohn Mu Chun erbte den Titel des Marquis von Xiping und übernahm das militärische Kommando in Yunnan. In den folgenden Generationen blieb die Familie Mu eng mit der Provinz verbunden. Sie vermittelte zwischen dem Kaiserhof und den Machtgruppen Yunnans und blieb dabei ein kaiserliches Amtsträgergeschlecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die befestigten Straßen und Soldatenfelder hatten die Region enger an das Ming-Reich gebunden. Jenseits von Dali begann jedoch eine politische Welt, in der große Tai-Führer eigene Heere aufboten. Noch zu Mu Yings Lebzeiten rückte Si Lunfa, der Herrscher von Luchuan, mit Kriegselefanten gegen die westlichen Grenzgebiete vor. Nun musste sich zeigen, ob die neuen Garnisonen nur Aufstände im Inneren niederschlagen oder auch einen mächtigen Nachbarn abwehren konnten.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herman, J. E. (2007):&nbsp;<em><a href="https://amzn.to/4qvTqSP">Amid the Clouds and Mist. China’s Colonization of Guizhou, 1200–1700</a>.</em>* Detaillierte Untersuchung der mongolischen Eroberung und der Verwaltungsordnung im südwestlichen Grenzraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yang, B. (2008):&nbsp;<em><a href="https://amzn.to/4glC46e">Between Winds and Clouds. The Making of Yunnan (Second Century BCE to Twentieth Century CE)</a>.*</em>&nbsp;Langzeitstudie zur Entstehung Yunnans als Provinz und zur Einbindung regionaler Eliten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anderson, J. A.; Whitmore, J. K. (Hg.) (2014):&nbsp;<em><a href="https://amzn.to/4hPBHUd">China’s Encounters on the South and Southwest. Reforging the Fiery Frontier Over Two Millennia</a>.*</em>&nbsp;Sammelband mit Studien zur mongolischen Eroberung und zu Sayyid Ajalls muslimischem Erbe in Yunnan.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Südtor der Altstadt von Dali. Das Tor und die Stadtmauer wurden 1382 – direkt nach der Eroberung durch die Ming-Generäle Fu Youde, Lan Yu und Mu Ying – unter Kaiser Hongwu errichtet, um die Stadt militärisch zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jiayuguan-Festung: Wikimedia Commons, 碧海风. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Briefe vor der Belagerung – Die Ming erobern Yunnan</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 19:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/briefe-vor-der-belagerung-die-ming-erobern-yunnan/">Briefe vor der Belagerung – Die Ming erobern Yunnan</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Duan Shi schickte seinen Bevollmächtigten Zhang Yuanheng im Frühjahr 1382 mit einem Brief in das Lager des Ming-Generals Fu Youde. Die Lage ließ kaum noch Raum für Verhandlungen. Fu Youdes Truppen hatten die Armee des mongolischen Prinzen von Liang bei Qujing geschlagen und dessen Hauptstadt am Dian-See eingenommen. Nun rückten sie nach Westen vor. Hinter den Pässen am Erhai bereitete sich Dali auf den Angriff vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Duan Shi bot dem Sieger regelmäßigen Tribut an. Dali werde den Kalender der Ming anerkennen und Gesandte an den Hof schicken. Im Gegenzug sollte die Familie Duan ihr Land weiterhin selbst regieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fu Youde wies den Vorschlag zurück. Für ihn stand Dali innerhalb eines Gebietes, das die Ming vollständig ihrer Herrschaft unterwerfen wollten. Die Briefe zwischen beiden Männern handelten deshalb von weit mehr als den Bedingungen einer Kapitulation. Duan Shi verteidigte eine politische Eigenständigkeit, die seine Familie über Jahrhunderte bewahrt hatte. Fu Youde verlangte die Eingliederung in ein neues Reich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Yuan-Fürst nach dem Ende der Yuan</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Hongwu_closeup-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-8006" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Hongwu_closeup-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Hongwu_closeup-768x1024-1.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Hongwu_closeup.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Hongwu-Kaiser regierte von 1368-1398</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Ming-Dynastie war 1368 aus den Aufständen gegen die mongolische Yuan-Herrschaft hervorgegangen. Ihr Gründer <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/zhu-yuanzhang-und-der-weg-an-die-spitze-der-ming-herrschaft/">Zhu Yuanzhang</a> bestieg in Nanjing als Hongwu-Kaiser den Thron. Noch im selben Jahr nahmen seine Truppen die Yuan-Hauptstadt Dadu ein, das heutige Peking. Der Yuan-Hof wich in die Mongolei aus und setzte den Kampf fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Yunnan hielt Basalawarmi, der Prinz von Liang, an seiner Loyalität zu den Yuan fest. Seine Residenz lag in Zhongqing am Dian-See, dem heutigen Kunming. Seine Abstammung aus dem Haus Dschingis Khans verlieh ihm einen Rang, dessen Grundlage die neue Dynastie in Nanjing gerade beseitigen wollte. Zugleich stützte sich seine Herrschaft auf mongolische Militärführer, muslimische Beamte und örtliche Machthaber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Westen der Provinz behauptete die Familie Duan ihre Stellung. Ihre Vorfahren hatten bis zur mongolischen Eroberung von 1253 als Könige von Dali geherrscht. Khubilai Khan hatte sie anschließend als regionale Verwalter eingesetzt. Die Duan stellten Soldaten und entrichteten Abgaben, regelten am Erhai jedoch weiterhin zahlreiche Angelegenheiten aus eigener Macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen Basalawarmi und den Duan bestand damit ein Bündnis unter Yuan-Oberhoheit, zugleich konkurrierten beide Herrschaftszentren um Einfluss. Der Prinz kontrollierte Zhongqing und den Osten. Dali verfügte über eigene Gefolgsleute und gewachsene Verbindungen in den westlichen Tälern. Der Zusammenbruch des Yuan-Hofes löste diese Strukturen zunächst kaum auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Botschaften aus Nanjing</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zhu Yuanzhang versuchte mehrmals, Yunnan durch Gesandte zum Anschluss an die Ming zu bewegen. Seine Schreiben verbanden Drohungen mit Angeboten. Basalawarmi sollte die Oberhoheit des neuen Kaisers anerkennen und dafür seine Stellung behalten. Auch der Duan-Familie stellte der Hof einen Titel in Aussicht, falls sie Tribut sandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verhandlungen scheiterten. 1373 reiste der Gelehrte Wang Yi mit einem kaiserlichen Schreiben nach Yunnan. Basalawarmi hielt ihn lange fest; schließlich wurde der Gesandte getötet. Zwei Jahre später brach Wu Yun im Auftrag der Ming zu einer weiteren Mission auf. Der Hof gab ihm mehr als 20 zuvor gefangene Gesandte Basalawarmis mit, die nun nach Yunnan zurückkehren sollten. Unterwegs drängten sie Wu Yun, mongolische Kleidung anzulegen, sich als Abgesandter der Yuan auszugeben und das kaiserliche Schreiben zu verändern. Als er sich weigerte, töteten sie ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Sicht des Hongwu-Kaisers bewiesen diese Tötungen, dass Basalawarmi die neue Dynastie offen herausforderte. Der Prinz konnte dagegen darauf hoffen, dass Entfernung und Gelände einen Angriff verhinderten. Zwischen Nanjing und Zhongqing lagen die Flüsse und Berge von Huguang und Guizhou. Marschierende Heere mussten auf schmalen Wegen versorgt werden, während örtliche Machthaber Pässe sperren und Nachschubkolonnen angreifen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kaiser wartete, bis seine Generäle die benachbarten Gebiete gesichert hatten. Die Eroberung Sichuans im Jahr 1371 öffnete einen Zugang von Norden. Ming-Truppen und ihre Verbündeten dehnten ihren Einfluss zugleich über Guizhou aus. Im Sommer 1381 entschied Zhu Yuanzhang, die Frage mit einem großen Feldzug zu lösen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Generäle ziehen nach Südwesten</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="165" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ming_Dynasty_Portrait_of_Fu_Youde-165x300.jpg" alt="" class="wp-image-8012" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ming_Dynasty_Portrait_of_Fu_Youde-165x300.jpg 165w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ming_Dynasty_Portrait_of_Fu_Youde-768x1398.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ming_Dynasty_Portrait_of_Fu_Youde-562x1024.jpg 562w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ming_Dynasty_Portrait_of_Fu_Youde-843x1536.jpg 843w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ming_Dynasty_Portrait_of_Fu_Youde-1125x2048.jpg 1125w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Ming_Dynasty_Portrait_of_Fu_Youde.jpg 879w" sizes="auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fu Youde, Malerei aus dem 15. oder 16. Jhdt.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Den Oberbefehl erhielt Fu Youde. Er hatte während der Bürgerkriege mehrfach die Fronten gewechselt, bevor er sich Zhu Yuanzhang anschloss. Für die Ming eroberte er Teile Nordchinas und führte 1371 den Angriff auf Sichuan. Er kannte damit Feldzüge in schwer zugänglichen Gebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lan Yu und Mu Ying dienten ihm als stellvertretende Befehlshaber. Mu Ying war im Haushalt Zhu Yuanzhangs aufgewachsen und gehörte zu den engsten Militärs des Kaisers. Die offiziellen Chroniken schreiben dem Heer 300.000 Soldaten zu. Diese Zahl sollte auch die Macht des Herrschers zeigen und lässt sich kaum überprüfen. Sicher ist, dass die Ming neben Kämpfern große Mengen an Trägern, Pferden und Vorräten mobilisierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fu Youde ließ einen Teil des Heeres von Yongning nach Wusa ziehen, im Grenzraum des heutigen Sichuan, Guizhou und Yunnan. Mit der Hauptmacht rückte er durch das westliche Huguang nach Guizhou vor. Seine Soldaten besetzten Puding und Puan. Lokale Anführer, die bisher Basalawarmi unterstützt hatten, wechselten auf die Seite der Ming oder ließen das Heer passieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die getrennten Marschrouten zwangen die Verteidiger, ihre Kräfte aufzuteilen. Zugleich sicherten sie verschiedene Wege für den Nachschub. Fu Youde zielte auf Qujing. Die Stadt lag an der wichtigsten Verbindung vom Hochland Guizhous in das Becken des Dian-Sees. Wer Qujing hielt, kontrollierte den östlichen Zugang nach Zhongqing.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Schlacht am Baishi-Fluss</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Basalawarmi schickte seinen Befehlshaber Darlima mit einem großen Heer nach Qujing. Ende 1381 trafen die Gegner am Baishi-Fluss aufeinander. Spätere Berichte schildern dichten Nebel, der den Anmarsch der Ming verdeckte. Als die Sicht aufklarte, standen sich beide Heere an den Ufern gegenüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fu Youde erwog einen unmittelbaren Angriff über den Fluss. Mu Ying riet zu einer Täuschung. Ein Teil der Ming-Truppen bereitete vor den Augen der Gegner den Übergang vor, während eine andere Abteilung weiter flussabwärts das Wasser überquerte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Soldaten tauchten im Rücken des Gegners auf, hissten Fahnen und bliesen Signalhörner. Das Erschallen der Hörner im Rücken der Verteidiger erzeugte die Illusion einer riesigen Streitmacht.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="199" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/沐英-199x300.jpg" alt="" class="wp-image-8015" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/沐英-199x300.jpg 199w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/沐英-678x1024.jpg 678w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/沐英-768x1160.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/沐英-1017x1536.jpg 1017w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/沐英-1356x2048.jpg 1356w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/沐英.jpg 1060w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mu Ying, Zeichnung von 1753</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">In diesem Augenblick setzte Mu Ying die Hauptmacht in Bewegung. Schwimmer gingen mit langen Klingen voraus. Weitere Soldaten folgten durch das Wasser, anschließend griff die Reiterei ein. Darlimas Heer verlor seine geschlossene Stellung. Die Ming nahmen den Befehlshaber gefangen und öffneten damit den Weg zum Dian-See.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ausführliche Schilderung stammt aus der offiziellen Ming-Überlieferung. Sie hebt Mu Yings Umsicht und den geordneten Angriff hervor, während sie die Verluste des Gegners stark vergrößert. Der Ausgang der Schlacht steht dennoch fest: Basalawarmi verlor bei Qujing seine wichtigste Feldarmee. Örtliche Amtsträger mussten nun entscheiden, ob sie weiter für einen Fürsten kämpften, der seine Hauptstadt kaum noch verteidigen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lan Yu und Mu Ying zogen nach Zhongqing. Basalawarmi verließ die Stadt und nahm sich am Dian-See das Leben. Ein hoher Amtsträger namens Guanyinbao übergab die Residenz. Die Ming benannten den bisherigen Yuan-Verwaltungsbezirk Zhongqing in Präfektur Yunnan um. Von dem bereits unter den Yuan ausgebauten Provinzsitz aus setzten sie ihre weiteren Eroberungen fort.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Dalis Angebot</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod des Prinzen von Liang beseitigte die mongolische Spitze Yunnans. Am Erhai bestand mit der Duan-Familie weiterhin eine regionale Herrschaft, die älter war als die Yuan-Dynastie. Duan Shi bereitete die Pässe vor Dali auf eine Belagerung vor und suchte zugleich eine Verständigung mit Fu Youde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein erster Brief begründete dieses Angebot mit der früheren Stellung Dalis außerhalb der unmittelbar verwalteten Gebiete chinesischer Dynastien. Duan Shi berief sich auf das Verhältnis, das die Herrscher von Nanzhao und Dali während der Tang- und Song-Zeit zu den Herrschern Chinas gepflegt hatten. Eine kleinere Gesandtschaft sollte jährlich, eine größere alle drei Jahre Tribut bringen. Damit bot er ein Verhältnis an, wie es der Hof in Nanjing auch mit benachbarten Herrschern pflegte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fu Youde behandelte den Überbringer schroff. Duan Shi schrieb daraufhin erneut. Selbst der Han-Kaiser Wu habe in Yunnan nur begrenzte Erfolge erzielt, erklärte er sinngemäß. Auch die Mongolen seien vor allem wegen Zhongqings in das Land gekommen. Das Ming-Heer habe sein Ziel erreicht und könne umkehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort des Generals war eindeutig. Die Ming hätten den Prinzen von Liang vernichtet und damit sogar einen alten Gegner der Duan beseitigt. Nun müsse Dali kapitulieren. Fu Youde sprach im Namen einer Dynastie, die sich nach ihren Siegen zur umfassenden Neuordnung des Landes berechtigt sah. Duan Shis Rückgriff auf Tang und Song galt ihm als überholt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erhaltenen Schreiben wurden erst in einer Sammlung des späten 16. Jahrhunderts überliefert. Ihre genaue Form kann daher redaktionell bearbeitet worden sein. Der Gegensatz, den sie festhalten, passt jedoch zur politischen Lage: Dali bot Gefolgschaft auf Distanz, die Ming verlangten unmittelbare Unterwerfung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Angriff auf die Pässe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dali lag zwischen dem Erhai und dem steil aufragenden Cangshan-Gebirge. Im Süden schützte der Xiaguan-Pass den Zugang zur Ebene. Duan Shis Männer konzentrierten dort ihre Verteidigung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lan Yu und Mu Ying teilten ihre Kräfte. Wang Bi zog mit einer Abteilung östlich des Erhai nach Norden und bedrohte den oberen Zugang zur Ebene. Die Hauptmacht rückte auf Xiaguan vor. Eine weitere Einheit unter Hu Hai suchte nachts einen Weg durch das Gebirge. Seine Soldaten überquerten einen Fluss, stiegen an Felsen und Bäumen empor und erreichten die Höhen hinter den Verteidigern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen sahen die Männer am Pass Ming-Fahnen auf dem Cangshan. Gleichzeitig griff Mu Ying von vorn an und führte seine Soldaten durch das Wasser. Die Verteidiger mussten nun mit einem Angriff aus mehreren Richtungen rechnen. Ihre Stellung brach zusammen, und die Ming drangen in die Ebene vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dali fiel im Frühjahr 1382. Duan Shi geriet in Gefangenschaft. Die offizielle Geschichtsschreibung meldet, dass auch Angehörige seiner Familie nach Nanjing gebracht wurden. Der Hongwu-Kaiser gab zwei Nachkommen neue Namen und Militärposten fern ihrer Heimat. Damit entzog er der Familie jene örtliche Machtbasis, die selbst Khubilai Khan mehr als ein Jahrhundert zuvor bestehen gelassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine spätere Ortsbeschreibung bewahrte eine andere Erinnerung an die Eroberung. Westlich der Stadt ließ Fu Youde der Überlieferung nach die Gebeine gefallener Gegner zu einem Hügel aufschichten. Angehörige konnten ihre Toten dort kaum einzeln bestatten und brachten Opfergaben bei einem nahen Tempel dar. Der Bericht entstand lange nach dem Feldzug, zeigt aber, wie Bewohner Dalis dessen Gewalt im Gelände verorteten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Soldaten werden Siedler</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251019_145630-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-8008" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251019_145630-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251019_145630-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251019_145630-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_20251019_145630.jpg 1220w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hochgebirge nordwestlich von Dali</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Einnahme von Zhongqing und Dali beendete den Feldzug nur auf dem Papier. Zahlreiche lokale Herren unterwarfen sich zunächst und erhoben sich später erneut. In den Bergen nordwestlich von Dali sowie im Grenzraum zwischen Yunnan und Guizhou dauerten die Kämpfe an. Krankheiten und knappe Vorräte schwächten die Garnisonen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fu Youde empfahl deshalb, Soldaten an strategischen Punkten anzusiedeln. Sie sollten das Land bewachen und zugleich Felder bestellen. Aus den Feldlagern entstanden befestigte Garnisonen. In Dali richteten die Ming bereits 1382 eine solche Militärstation ein. Weitere Stützpunkte folgten entlang der Straßen und in besonders umkämpften Tälern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der Militärverwaltung entstand eine zivile Provinzverwaltung mit Präfekturen und Kreisen. In vielen Regionen bestätigte der Hof örtliche Herren als erbliche Amtsträger. Die Ming beseitigten somit die mächtigsten Konkurrenten in Zhongqing und Dali, blieben im übrigen Yunnan aber auf lokale Vermittler angewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mu Ying erhielt schließlich den Auftrag, die Provinz dauerhaft zu sichern. Seine Familie sollte diese Stellung über Generationen behalten. Die Eroberung von 1381 und 1382 brachte Yunnan deshalb mehr als einen Dynastiewechsel. Sie beendete die Sonderstellung der Duan am Erhai und legte ein Netz aus Garnisonen über das Hochland. An diesen Militärsiedlungen entschied sich in den folgenden Jahrzehnten, wie weit die Herrschaft aus Nanjing tatsächlich in die Täler und über die Pässe reichte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herman, J. E. (2007):&nbsp;<em><a href="https://amzn.to/4qvTqSP">Amid the Clouds and Mist. China’s Colonization of Guizhou, 1200–1700</a>.</em>* Detaillierte Untersuchung der mongolischen Eroberung und der Verwaltungsordnung im südwestlichen Grenzraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yang, B. (2008):&nbsp;<em><a href="https://amzn.to/4glC46e">Between Winds and Clouds. The Making of Yunnan (Second Century BCE to Twentieth Century CE)</a>.*</em>&nbsp;Langzeitstudie zur Entstehung Yunnans als Provinz und zur Einbindung regionaler Eliten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anderson, J. A.; Whitmore, J. K. (Hg.) (2014):&nbsp;<em><a href="https://amzn.to/4hPBHUd">China’s Encounters on the South and Southwest. Reforging the Fiery Frontier Over Two Millennia</a>.*</em>&nbsp;Sammelband mit Studien zur mongolischen Eroberung und zu Sayyid Ajalls muslimischem Erbe in Yunnan.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Blick vom Cangshan-Gebirge aus: Altstadt von Dali und Jizu-Gebirge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/briefe-vor-der-belagerung-die-ming-erobern-yunnan/">Briefe vor der Belagerung – Die Ming erobern Yunnan</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<title>Sayyid Ajall und die neue Provinzhauptstadt – Kunming unter den Yuan</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Khublai Khan übertrug Sayyid Ajall im Jahr 1274 eine Provinz, die auf den Karten bereits zum Mongolenreich gehörte, sich aber noch immer nicht sicher beherrschen ließ. Fast 20 Jahre waren vergangen, seit mongolische Truppen das Königreich Dali erobert hatten. Garnisonen kontrollierten die wichtigsten Städte und Straßen. In den Bergen behaupteten jedoch lokale Machthaber ihre eigenen Herrschaftsräume.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sayyid Ajall sollte aus diesem Eroberungsgebiet einen regierbaren Teil des Yuan-Reiches machen. Er verlegte den politischen Mittelpunkt Yunnans vom Erhai an den Dian-See, baute eine zivile Verwaltung auf und band örtliche Herren mit erblichen Ämtern an die Dynastie. Shanchan, eine Stadt im Gebiet des heutigen Kunming, wurde zum Sitz der Provinzregierung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Eroberung ohne gesicherte Herrschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Khublai zog 1253 nach Yunnan, um das Königreich Dali auszuschalten und einen Weg in den Rücken der südchinesischen Song-Dynastie zu öffnen. Der Aufbau einer Provinz war zunächst zweitrangig. Die mongolischen Truppen nahmen die Hauptstadt am Erhai im Dezember 1253 ein. König Duan Xingzhi floh nach Shanchan und setzte den Widerstand fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits 1254 eroberte der Feldherr Uriyangqadai Shanchan und nahm Duan Xingzhi dort gefangen. Die endgültige Befriedung des Umlandes dauerte bis 1255. Die Mongolen verschonten Duan Xingzhi und bestätigten ihn später als regionalen Machthaber unter ihrer Oberhoheit. Angehörige der Duan-Familie verwalteten weiterhin das Gebiet um Dali und stellten Soldaten für neue Feldzüge. Außerhalb von Dali, Shanchan und der Straße zwischen beiden Städten blieb die mongolische Stellung unsicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Uriyangqadai 1257 einen großen Teil seiner Soldaten gegen das vietnamesische Reich der Trần führte, griffen Aufständische die geschwächten Garnisonen an. Ein regionaler Anführer namens Sheliwei sammelte Gegner der Mongolen im Raum Shanchan. Die Kämpfe dauerten mehr als ein Jahrzehnt und brachten die mongolische Stellung zeitweise in ernste Gefahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1267 ernannte Khublai seinen Sohn Hügechi zum Prinzen von Yunnan. Der Prinz erhielt eigene Ländereien und Einkünfte, geriet aber in Konflikt mit Militärführern und Beamten. 1271 wurde er ermordet. Auch die Vertreter des Mongolenreiches kämpften um Ämter und Einnahmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Muslim aus Buchara</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="290" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/c6975cbb-a6ab-4a6e-a815-d5dc92c3c882-300x290.png" alt="" class="wp-image-7886" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/c6975cbb-a6ab-4a6e-a815-d5dc92c3c882-300x290.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/c6975cbb-a6ab-4a6e-a815-d5dc92c3c882-768x742.png 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/c6975cbb-a6ab-4a6e-a815-d5dc92c3c882-1024x989.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/c6975cbb-a6ab-4a6e-a815-d5dc92c3c882.png 1276w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Sayyid Ajall kam ohne eigene regionale Machtbasis nach Yunnan. Er war 1211 in Buchara geboren worden. Als die Mongolen die zentralasiatische Stadt eroberten, unterwarf sich sein Vater Dschingis Khan und übergab ihm Reiter für dessen Heer. Der noch junge Sayyid Ajall gelangte in die Umgebung des mongolischen Herrschers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Laufbahn führte ihn später in die eroberten Gebiete Nordchinas. Er beaufsichtigte Bezirke im heutigen Shanxi, arbeitete als Richter in Yanjing, dem späteren Peking, und übernahm hohe Ämter in der Finanzverwaltung. Er kannte damit die Arbeitsweise chinesischer Behörden ebenso wie die Erwartungen des mongolischen Hofes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Herkunft machte ihn für Khublai besonders geeignet. Als Muslim aus Zentralasien gehörte er weder zu den alten Familien Yunnans noch zu den chinesischen Gelehrteneliten. Seine Stellung hing unmittelbar vom Khan ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Khublai wies ihn an, in Yunnan vorsichtig und beständig vorzugehen. Militärische Gewalt hatte das Königreich Dali beseitigt, aber noch keine stabile Herrschaftsstruktur geschaffen. Sayyid Ajall sollte die Truppen kontrollieren und neue Aufstände verhindern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Regierungssitz zieht an den Dian-See</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu modernen, autonomen Provinzregierungen fungierte das 1274 geschaffene Provinzsekretariat primär als regionaler Zweig der zentralen Behörde am Hof. Seine Beamten verwalteten Steuern und beaufsichtigten das Militär im Namen des Khans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sayyid Ajall verlegte den Sitz dieser neuen Behörde bewusst von der alten Königsstadt Dali am Erhai nach Shanchan am Dian-See. Unter der Yuan-Verwaltung wurde die Stadt zum Zentrum des Verwaltungsbezirks Zhongqing. Der heutige Name Kunming bezog sich damals lediglich auf einen kleineren Teilbereich der späteren Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Verlagerung sprachen vor allem die Verkehrswege. Dali lag im Westen der neuen Provinz. Von Shanchan aus führte eine Straße über Qujing nach Sichuan und damit in die bereits fest beherrschten Gebiete des Yuan-Reiches. Weitere Wege erschlossen das östliche Hochland und führten nach Süden in das Tal des Roten Flusses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der neue Regierungssitz lag zugleich in einem umkämpften Raum. Gerade dort hatte Sheliwei den Widerstand organisiert. Erst 1274 geriet er in einen Hinterhalt und wurde getötet. Die Provinzbehörde bezog somit einen Ort, dessen Umgebung erst unmittelbar zuvor militärisch gesichert worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Wahl Shanchans behielt Dali eine gewisse Relevanz. Die Duan-Familie blieb am Erhai im Amt und vermittelte zwischen der Yuan-Regierung und regionalen Eliten. Doch die Befehle für die gesamte Provinz gingen nun vom Dian-See aus. Die frühere Residenz eines selbstständigen Königreichs wurde zu einem regionalen Zentrum innerhalb einer größeren Verwaltung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Straßen, Stationen und neue Bezirke</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/IMG_20251014_121521-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-7887" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/IMG_20251014_121521-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/IMG_20251014_121521-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/IMG_20251014_121521-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/IMG_20251014_121521.jpg 1220w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Brücke zum Mongolen-Dorf im Yunnan Nationalities Museum, 2025</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Sayyid Ajall ließ die Verbindung zwischen Dali und Shanchan instand setzen. In der gesamten Provinz entstanden unter seiner Verwaltung 78 Poststationen. Jede sollte Unterkunft und Verpflegung bieten und Pferde für Kuriere bereithalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Netz beschleunigte die Übermittlung von Befehlen, belastete aber die Bevölkerung entlang der Straße. Haushalte mussten neben Arbeitskräften auch Pferde und Nahrungsmittel bereitstellen. Sayyid Ajall vergab die Leitung der Stationen schließlich erblich und band einzelne Familien so dauerhaft an die neue Herrschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Verwaltung löste er von den Verbänden des Eroberungsheeres. Die bisherigen Zehntausend- und Tausendschaften hatten Soldaten organisiert, eigneten sich aber nur begrenzt für Steuern und Gerichte. An ihre Stelle traten Bezirke, Präfekturen und Kreise. Ein ziviler Amtsträger arbeitete dort häufig neben einem <em>Darughachi</em>, einem vom mongolischen Hof eingesetzten Aufseher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die direkte Herrschaft der Beamten aus Zhongqing stieß in den Tälern deshalb an ihre Grenzen. Dafür fehlten dem Provinzsekretariat Personal und Geld. Sayyid Ajall verlieh einflussreichen örtlichen Herren den Titel <em>Tuguan</em>, „einheimischer Amtsträger“. Sie durften ihr Amt vererben und innere Angelegenheiten vielfach nach lokalen Regeln entscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenzug lieferten sie Abgaben und stellten Soldaten. Außerdem registrierten sie Haushalte sowie Land. Urkunden und Siegel machten ihre Stellung als Vertreter des Yuan-Reiches sichtbar. Sayyid Ajall griff dabei auf ältere Praktiken lokaler Herrschaft zurück und ordnete sie in eine neue Hierarchie ein, deren Spitze nun das Provinzsekretariat in Zhongqing bildete.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wasser für die neue Hauptstadt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verlegung der Regierung zog Beamte und Soldaten an den Dian-See. Ihre Versorgung hing von den Feldern des Beckens ab. Dort bestand bereits lange vor den Mongolen ein Netz aus Kanälen und bewässerten Reisfeldern. Die Ebene litt jedoch unter Überschwemmungen, weil zahlreiche Flüsse in den See mündeten und versandete Engstellen den Abfluss bei Haikou behinderten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätere Aufzeichnungen schreiben Sayyid Ajall ein umfangreiches Programm zur Wasserregulierung zu. Er beauftragte den Beamten Zhang Lidao damit, Flüsse auszubaggern und Dämme anzulegen. Arbeiter räumten Ablagerungen aus dem Panlong-Fluss. Neue Schleusen sollten Wasser ableiten, weitere Kanäle Felder bewässern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Maßnahmen erweiterten vorhandene Anlagen. Mehr bewässerte Flächen versorgten die wachsende Stadt, und neu erfasste Felder erhöhten die steuerbaren Erträge. Sayyid Ajall ließ außerdem Saatgut und Geräte verteilen und förderte Höfe, die auch die Garnisonen versorgten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schule, Moschee und Kaurigeld</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Zhongqing stiftete Sayyid Ajall eine Schule mit konfuzianischem Lehrplan. Land sollte ihre Ausgaben decken. Gelehrte aus Sichuan unterrichteten Schüler und führten sie in jene Rituale ein, die Beamte im Yuan-Reich als Kennzeichen geordneter Herrschaft betrachteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Überlieferung schreibt Sayyid Ajall die Gründung von 55 Schulen in Yunnan zu. Diese Zahl beschreibt eher ein Programm als ein dauerhaft funktionierendes Netz. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand nur ein kleiner Teil der Einrichtungen fort. Schule und konfuzianischer Tempel drückten dennoch Zhongqings Rang als Regierungssitz aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der muslimische Statthalter förderte zugleich Moscheen. Dies entsprach der pragmatischen Politik der Yuan-Herrschaft, denn Khubilais Reich unterstützte verschiedene religiöse Gemeinschaften. Ohne eine planmäßige Islamisierung Yunnans zu betreiben, schuf Sayyid Ajall durch seine Bauten dauerhafte religiöse Orte für Muslime in der Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Wirtschaft tolerierte er regionale Eigenheiten. Die Yuan-Dynastie verbreitete Papiergeld, während die Bewohner Yunnans <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/kaurischnecken-waehrung-tauschwert-und-prestige-in-suedwestchina/">Kaurischnecken</a> als Zahlungsmittel verwendeten. Auf Sayyid Ajalls Vorschlag ließ Khubilai das Kaurigeld zu. Die Provinzbehörde akzeptierte es sogar bei Steuerzahlungen und setzte einen Kurs zu Gold fest.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Hauptstadt bleibt</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Tomb_of_Sayyid_Ajall_Omer_Shams_al-Din-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-7884" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Tomb_of_Sayyid_Ajall_Omer_Shams_al-Din-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Tomb_of_Sayyid_Ajall_Omer_Shams_al-Din-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Tomb_of_Sayyid_Ajall_Omer_Shams_al-Din.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Grabmal von Sayyid Ajall, 2019</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Sayyid Ajall starb 1279. Fünf Jahre hatten ausgereicht, um die Stellung Zhongqings zu verändern, reichten jedoch nicht aus, um alle begonnenen Maßnahmen zu vollenden. Seine Söhne übernahmen später hohe Ämter in Yunnan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Yuan blieben auf lokale Mittler angewiesen. Außerhalb der großen Becken und Verkehrswege blieb der Zugriff der Provinzregierung deshalb begrenzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Regierungssitz verblieb dennoch dauerhaft am Dian-See. Spätere Dynastien passten das politische Machtgefüge zwar an, hielten aber an diesem Zentrum Yunnans fest. Aus der Entscheidung eines zentralasiatischen Statthalters in einer unsicheren Grenzprovinz entstand damit eine Hauptstadt, von der aus auch die Ming und Qing das Land regieren sollten.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herman, J. E. (2007): <em><a href="https://amzn.to/4qvTqSP">Amid the Clouds and Mist. China’s Colonization of Guizhou, 1200–1700</a>.</em>* Detaillierte Untersuchung der mongolischen Eroberung und der Verwaltungsordnung im südwestlichen Grenzraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yang, B. (2008): <em><a href="https://amzn.to/4glC46e">Between Winds and Clouds. The Making of Yunnan (Second Century BCE to Twentieth Century CE)</a>.*</em> Langzeitstudie zur Entstehung Yunnans als Provinz und zur Einbindung regionaler Eliten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anderson, J. A.; Whitmore, J. K. (Hg.) (2014): <em><a href="https://amzn.to/4hPBHUd">China’s Encounters on the South and Southwest. Reforging the Fiery Frontier Over Two Millennia</a>.*</em> Sammelband mit Studien zur mongolischen Eroberung und zu Sayyid Ajalls muslimischem Erbe in Yunnan.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel:  Statue von Sayyid Ajall in Kunming, Wikimedia Commons, 瑞丽江的河水. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grab: Wikimedia Commons, Zhangmoon618. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles weitere eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.</p>
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		<title>Widerstand gegen die Tang &#8211; Eine neues Machtzentrum entsteht am Dian-See</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/tuodong-am-dian-see-nanzhao-gruendet-eine-stadt/">Widerstand gegen die Tang &#8211; Eine neues Machtzentrum entsteht am Dian-See</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/Yunnan_Tuodong-1.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 765<sup data-fn="9a94d24e-2653-4d69-8ae2-abf89e941f76" class="fn"><a href="#9a94d24e-2653-4d69-8ae2-abf89e941f76" id="9a94d24e-2653-4d69-8ae2-abf89e941f76-link">1</a></sup> schickte Nanzhaos Herrscher Geluofeng seinen ältesten Sohn Feng Jiayi in das Becken des Dian-Sees. Der Prinz sollte in Kunchuan eine befestigte Stadt anlegen, nachdem ihre Truppen auf mehreren Feldzügen die Tang-Dynastie geschlagen hatten, und von dort aus den Osten des Reiches kontrollieren. Die 766 aufgestellte Dehua-Stele hält fest, Feng Jiayi habe Tuodong gegründet und dort als zweiter Herrscher die Befriedung der Region unterstützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name bezeichnete eine politische Aufgabe. Tuodong lässt sich ungefähr mit „den Osten erschließen“ übersetzen. Die Stadt sollte nicht nur einen bereits beherrschten Landstrich schützen. Von hier aus wollte Geluofeng die alten Machtzentren im Becken des Dian-Sees überwachen und die Straßen nach Qujing sowie in Richtung des heutigen nördlichen Vietnam sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tuodong lag im Raum des heutigen Kunming. Trotzdem wäre es irreführend, die befestigte Stadt ohne Einschränkung mit der modernen Metropole gleichzusetzen. Die Quellen nennen weder ihren genauen Grundriss noch die Lage ihrer Mauern. Sie belegen aber, dass Nanzhao am nordöstlichen Rand des Dian-Sees ein dauerhaftes militärisches Zentrum schuf. Von diesem Ort führt eine politische Linie zur späteren Provinzhauptstadt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Becken mit eigenen Herrschern</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="165" height="291" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/King_Geluofeng_of_Nanzhao.jpg" alt="" class="wp-image-7807"/><figcaption class="wp-element-caption">Geluofeng, Malerei aus dem 12. Jhdt.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Ein Blick zurück: Geluofeng ließ Tuodong in einer Landschaft errichten, die schon lange besiedelt war. In der Region hatten ältere Reiche politische Zentren unterhalten. Nach dem Ende der Han-Herrschaft regierten regionale Familien zunehmend selbstständig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 4. Jahrhundert prägten besonders die Cuan das östliche Yunnan. Ihre Anführer nahmen Titel chinesischer Dynastien an und schickten Gesandte an deren Höfe. Vor Ort verfügten sie jedoch über eigene Gefolgschaften und entschieden weitgehend selbst über Abgaben sowie den Einsatz von Soldaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 618 gegründete Tang-Dynastie knüpfte an diese Form der Herrschaft an. Kaiser Gaozu ließ Cuan Hongda, den Sohn eines von den Sui hingerichteten Anführers, aus der Gefangenschaft zurückkehren. Er ernannte ihn zum Präfekten von Kunzhou und gestattete ihm, den Leichnam seines Vaters in der Heimat zu bestatten. Cuan Hongda unterwarf sich daraufhin der neuen Dynastie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tang-Gesandte gewannen weitere Machthaber für den Kaiserhof. Die Regierung richtete nominell zahlreiche Präfekturen ein, beließ die Verwaltung aber meist in den Händen örtlicher Anführer. Diese sogenannten <em>jimi</em>-Bezirke verbanden kaiserliche Oberhoheit mit erblicher lokaler Herrschaft. Auf Karten gehörte das Gebiet zum Tang-Reich; wie weit die Befehle des Kaisers reichten, hing dennoch von den Cuan und anderen regionalen Eliten ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Becken des Dian-Sees besaß für alle Beteiligten eine besondere Bedeutung. Eine Straße führte von Sichuan über Qujing in die Ebene. Von dort gelangten Reisende westwärts zum Erhai oder über südöstliche Wege in Richtung Annam, des von der Tang-Dynastie beanspruchten Gebiets im heutigen nördlichen Vietnam. In Anning westlich des Dian-Sees lagen zudem mehrere Salzbrunnen. Wer diese Orte kontrollierte, konnte Abgaben einziehen und die Bewegung von Truppen überwachen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nanzhao vereinigt die Herrschaften am Erhai</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Westlich des Dian-Sees konkurrierten im frühen 8. Jahrhundert mehrere kleinere Herrschaften. Chinesische Quellen nannten sie <em>zhao</em>. Die südlichste von ihnen hieß Mengshe und wurde deshalb auch Nanzhao genannt: südliches Zhao.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="199" height="216" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/King_Piluoge_of_Nanzhao.jpg" alt="" class="wp-image-7809"/><figcaption class="wp-element-caption">König Piluoge</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Piluoge, der Herrscher von Nanzhao, unterwarf in den 730er Jahren seine Rivalen am Erhai. Die Tang-Dynastie unterstützte seine Expansion. Ihre Beamten hofften, mit Nanzhao einen verlässlichen Partner gegen das tibetische Reich zu gewinnen. Piluoge wiederum nutzte die Anerkennung des Kaisers, um seine Vorrangstellung gegenüber benachbarten Herrschern zu begründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tang-Hof verlieh ihm 738 den Titel „König von Yunnan“. Piluoge hatte inzwischen Taihe am Erhai zu seinem Machtzentrum gemacht. Die Auszeichnung band ihn jedoch nicht dauerhaft an den Kaiser. Nanzhaos Herrscher unterhielten auch Beziehungen nach Tibet und entschieden nach der jeweiligen Machtlage, an welchen Nachbarn sie sich anlehnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Piluoge die Region am Erhai gesichert hatte, wandte er sich den Cuan-Gebieten im Osten zu. Dabei handelte er zunächst nicht offen gegen die Tang. Der Kaiserhof selbst verschaffte ihm die Gelegenheit zum Eingreifen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Streit um die Salzbrunnen von Anning</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den 740er Jahren verstärkte die Tang-Dynastie ihre Präsenz im östlichen Yunnan. Ihre Truppen besetzten Anning und brachten die dortigen Salzbrunnen unter ihre Kontrolle. Der General He Luguang ließ zudem eine ältere, dem Han-Feldherrn Ma Yuan zugeschriebene Bronzesäule erneut aufrichten. Das Monument sollte den kaiserlichen Anspruch auf die Region sichtbar machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Cuan bedeutete die Besetzung, dass Tang-Beamte nun unmittelbar in ein Gebiet eingriffen, aus dem örtliche Familien bisher Einnahmen bezogen hatten. Mehrere Cuan-Anführer widersetzten sich. Die Tang-Regierung beauftragte Piluoge damit, gegen sie vorzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Piluoge nutzte seinen Auftrag, um die alten Herrscherfamilien zu schwächen. Er vermittelte zwischen verfeindeten Cuan-Gruppen, schloss Heiratsverbindungen und setzte zugleich eigene Soldaten ein. Die Tang hatten Nanzhao als Helfer herangezogen; nun gewann ihr Verbündeter selbst Einfluss im Becken des Dian-Sees.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Piluoge starb 748. Sein Sohn Geluofeng setzte die Expansion fort. Noch im selben Jahr ließ er einen großen Teil der Bevölkerung aus den westlichen Cuan-Gebieten nach Yongchang im Westen Yunnans bringen. Das <em>Manshu</em> spricht von mehr als 200.000 Haushalten. Die Zahl lässt sich nicht als verlässliche Bevölkerungsangabe verwenden. Sie zeigt aber, dass der Verfasser die Umsiedlung als außergewöhnlich umfangreich verstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle Betroffenen ließen sich erfassen. Gruppen, die in Wäldern und Tälern lebten, entzogen sich nach dem Bericht dem Zugriff. Andere verloren mit der Verschleppung ihre bisherigen Siedlungen. Geluofeng trennte damit die verbliebenen Cuan-Eliten von einem Teil ihrer Gefolgschaft. Zugleich entvölkerte die Maßnahme Gebiete, die Nanzhao später neu sichern musste.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zhang Qiantuo treibt Geluofeng zum Angriff</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 750 eskalierte der Konflikt mit der Tang-Dynastie. Geluofeng reiste mit Angehörigen zu Zhang Qiantuo, dem Tang-Kommandanten von Yaozhou. Die chinesischen Dynastiegeschichten werfen Zhang vor, hohe Forderungen gestellt und Geluofengs Familie belästigt zu haben. Als der Nanzhao-Herrscher nicht nachgab, soll Zhang ihn wiederholt beleidigt und am Kaiserhof heimlich des Ungehorsams beschuldigt haben.</p>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="226" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/太和城遗址-南诏德化碑05-226x300.jpg" alt="" class="wp-image-7810" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/太和城遗址-南诏德化碑05-226x300.jpg 226w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/太和城遗址-南诏德化碑05-770x1024.jpg 770w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/太和城遗址-南诏德化碑05-768x1022.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/太和城遗址-南诏德化碑05.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schrift auf der Dehua-Stele aus der Tang-Dynastie</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Auch die Dehua-Stele macht Zhang für den Bruch verantwortlich. Sie entstand allerdings im Auftrag Geluofengs und sollte sein Handeln rechtfertigen. Beide Überlieferungen stellen den Streit als Folge des Fehlverhaltens eines Grenzbeamten dar. Dahinter stand die weiter reichende Frage, ob Nanzhao oder die Tang-Dynastie das östliche Yunnan kontrollieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geluofeng griff Yaozhou an. Seine Soldaten nahmen die Stadt ein und töteten Zhang Qiantuo. Anschließend besetzten sie nach den Tang-Berichten 32 kleinere, dem Kaiser nominell unterstellte Bezirke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im folgenden Jahr führte der Militärgouverneur Xianyu Zhongtong ein großes Heer gegen Nanzhao. Geluofeng versuchte zunächst, den Krieg zu beenden. Sein Gesandter bot an, Gefangene zurückzugeben und die kaiserliche Oberhoheit wieder anzuerkennen. Falls Xianyu das Angebot ablehnte, werde Nanzhao sich Tibet unterstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Xianyu ließ den Gesandten festsetzen und setzte den Vormarsch fort. Nanzhaos Truppen schlugen sein Heer 751 in der Region westlich des Erhai. Feng Jiayi und der General Duan Jianwei führten die Verteidiger. Die überlieferten Verlustzahlen sind wahrscheinlich stark überhöht. Xianyu musste sich jedoch zurückziehen, ohne Geluofeng unterworfen zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst nach diesem Sieg schloss Nanzhao ein formelles Bündnis mit dem tibetischen Reich. Der tibetische Herrscher behandelte Geluofeng als jüngeren Bruder und verlieh ihm einen neuen Titel. Tibetische Hilfe hatte die Niederlage Xianyus also nicht erst ermöglicht; die gescheiterte Tang-Offensive trieb Nanzhao vielmehr dauerhaft auf die tibetische Seite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tang griffen 754 erneut an. Auch dieser Feldzug endete mit einer Niederlage. 755 erhob sich An Lushan im Norden des Reiches. Seine Armeen bedrohten die kaiserlichen Hauptstädte und zwangen den Hof, Truppen aus anderen Grenzregionen abzuziehen. Eine weitere große Offensive gegen Nanzhao war vorerst nicht mehr möglich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Feng Jiayi übernimmt den Osten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Geluofeng nutzte diese Lage, um die eroberten Gebiete neu zu ordnen. In der Ebene ließ er Tuodong anlegen. Die Stadt schützte die Straße nach Qujing und gab Nanzhao einen festen Sitz in einer Region, deren bisherige Herrscherfamilien durch Krieg sowie Umsiedlungen geschwächt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Feng Jiayi kam dabei eine Stellung zu, die über das Amt eines gewöhnlichen Kommandanten hinausging. Er war Geluofengs ältester Sohn und vorgesehener Nachfolger. Die Dehua-Stele bezeichnet ihn in Tuodong als <em>er zhao</em>, als zweiten Herrscher. Er sollte seinen Vater bei der Kontrolle des Reiches unterstützen und den Osten von einem eigenen Sitz aus beaufsichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen der frühen Stadt berichtet die Überlieferung nur wenig. Das <em>Manshu</em> nennt Tuodong eine befestigte Stadt, beschreibt aber weder den Umfang der Mauer noch ihre Tore. Es erwähnt ältere Befestigungen in der Umgebung. Welche dieser Anlagen innerhalb des heutigen Kunming lagen, lässt sich nicht mehr eindeutig bestimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tuodong war dennoch mehr als ein vorübergehendes Feldlager. Nanzhao richtete dort einen seiner großen Militärbezirke ein. Dessen Befehlshaber beaufsichtigten die Straßen im östlichen Yunnan und hielten Verbindung zu unterworfenen Gruppen. Die Stadt gehörte zu einem Netz befestigter Orte, von denen aus Nanzhaos Herrscher weit entfernte Regionen mit Hilfe lokaler Anführer kontrollierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen der früheren Umsiedlungen blieben sichtbar. Das Gebiet verfügte offenbar nicht über genügend Bewohner, um die neue Stadt und ihre Umgebung zu versorgen. 794 ließ Geluofengs Nachfolger Yimouxun deshalb mehrere Gruppen nach Tuodong und in das nordöstliche Yunnan bringen. Mehr als 1.000 weitere Haushalte wurden aus dem Raum Yongchang in der Nähe der Stadt angesiedelt. Sie sollten die Straßen sichern und die Bevölkerung der Region verstärken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Thronfolger stirbt vor seinem Vater</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Feng Jiayi erlebte die weitere Entwicklung Tuodongs nur wenige Jahre. Er starb noch vor Geluofeng. Als der Herrscher 779 ebenfalls starb, folgte deshalb nicht sein Sohn, sondern sein Enkel Yimouxun auf den Thron.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yimouxun löste sich später vom tibetischen Bündnis. 794 erkannte er erneut die Oberhoheit der Tang-Dynastie an und unterstützte deren Truppen im Krieg gegen Tibet. Tuodong verlor dadurch nicht seine Funktion. Die Stadt war inzwischen das wichtigste militärische Zentrum Nanzhaos im Osten und blieb auch nach dem außenpolitischen Seitenwechsel besetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründung hatte das Gewicht innerhalb Yunnans verschoben. Der Königshof lag weiterhin am Erhai. Am Dian-See bestand nun jedoch ein zweiter Herrschaftssitz, dessen Kommandanten Straßen überwachten und Soldaten aufboten. Nanzhao konnte das östliche Yunnan dadurch dauerhafter kontrollieren als mit einzelnen Feldzügen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aus Tuodong wird Shanchan</h2>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/句町王庙_-_段思平像_-_2023-08-18-1-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-7812" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/句町王庙_-_段思平像_-_2023-08-18-1-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/句町王庙_-_段思平像_-_2023-08-18-1-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/08/句町王庙_-_段思平像_-_2023-08-18-1.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Duan-Siping-Statue, im Juchang-Königstempel in Yuxi</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Nanzhao ging 902 unter. In den folgenden Jahrzehnten lösten mehrere kurzlebige Reiche einander ab, bevor Duan Siping 937 das Königreich Dali gründete. Die neuen Herrscher behielten den Schwerpunkt ihrer Macht am Erhai. Tuodong blieb jedoch ihr wichtigstes Zentrum im Osten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Dali-Zeit erhielt die Stadt den Namen Shanchan. Sie wurde Sitz einer eigenen Präfektur und zeitweise als östliche Hauptstadt bezeichnet. Mächtige Familien, die von dort aus die Region am Dian-See regierten, griffen zugleich in die Politik des Königshofs in Dali ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den Mauern, die Feng Jiayi errichten ließ, ist nichts sicher erhalten. Auch der genaue Übergang von Tuodong zu den späteren Stadtanlagen lässt sich archäologisch nicht lückenlos verfolgen. Die schriftlichen Quellen zeigen dennoch eine dauerhafte Entscheidung: Nanzhao schuf in den 760er Jahren am Dian-See ein befestigtes Herrschaftszentrum und überließ dessen Kontrolle einem Mitglied der Königsfamilie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahrhunderte später trafen die Mongolen bei ihrer Eroberung Yunnans erneut auf Shanchan. Die Yuan-Herrscher machten den Ort schließlich zum Sitz ihrer Provinzverwaltung. Erst damit verlagerte sich das politische Zentrum Yunnans endgültig vom Erhai an den Dian-See. Die Entscheidung des 8. Jahrhunderts erhielt dadurch eine Bedeutung, die Geluofeng und Feng Jiayi noch nicht absehen konnten.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wang, Z. (2013): <em><a href="https://amzn.to/4qiaDza">Tang China in Multi-Polar Asia: A History of Diplomacy and War</a>.</em>* </p>



<p class="wp-block-paragraph">Yang, B. (2008): <em><a href="https://amzn.to/4g7vy30">Between Winds and Clouds: The Making of Yunnan (Second Century BCE to Twentieth Century CE)</a>.*</em> </p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Die Dehua-Stele (auch Nanzhao-Stele) ist ein chinesisches Kulturerbe in Dali. Wikimedia Commons, 瑞丽江的河水. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geluofeng: Wikimedia Commons, 唐吉訶德的侍從. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Piluoge: Wikimedia Commons, 唐吉訶德的侍從. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bilder der Dehua-Stele: Wikimedia Commons, 瑞丽江的河水. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Duan-Siping-Statue: Wikimedia Commons, 瑞丽江的河水. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei oder eigene Aufnahmen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fußnoten</h3>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="9a94d24e-2653-4d69-8ae2-abf89e941f76">Eine weitere frühe Quelle weicht bei der Datierung um ein Jahr ab. Das im 9. Jahrhundert verfasste <em>Manshu</em> nennt 764 als Gründungsjahr. Die Abweichung lässt sich nicht mehr sicher auflösen. <a href="#9a94d24e-2653-4d69-8ae2-abf89e941f76-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p class="wp-block-paragraph"></p>
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