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	<title>Antikommunismus Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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	<title>Antikommunismus Archive - Imperien und Inseln</title>
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		<title>Deklassifizierte US-Dokumente zur Sukarno-Zeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Geheime Diplomatie und Machtspiele - Indonesien im Kalten Krieg]]></category>
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		<category><![CDATA[Sukarno Ära]]></category>
		<category><![CDATA[US Außenpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 6 Während der ungefähr zwei Jahrzehnten der Sukarno-Ära regierten vier Präsidenten in den Vereinigten Staaten von Amerika: Harry S. Truman &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/indonesien/6-deklassifizierte-us-dokumente-zur-sukarno-zeit/">Deklassifizierte US-Dokumente zur Sukarno-Zeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 6</a></p>



<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Deklassifizierte_US_Dokumente_Sukarno.mp3"></audio></figure>



<p>Während der ungefähr zwei Jahrzehnten der Sukarno-Ära regierten vier Präsidenten in den Vereinigten Staaten von Amerika: Harry S. Truman von 1945 bis 1953, Dwight D. Eisenhower von 1953 bis 1961, John F. Kennedy von 1961 bis 1963 und Lyndon B. Johnson von 1963 bis 1969.</p>



<p>Die Eisenhower-Administration hatte Sukarno nicht als Kommunist wahrgenommen, nicht als einen direkten Gegner. Man sah ihn als einen Freigeist und „Neutralist“. Allerdings lösten seine internationalen Ambitionen Befürchtungen aus, dass er eine Destabilisierung in der Region auslösen oder im eigenen Land die Macht an die PKI verlieren könnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Quellenlage: Die „Foreign Relations of the United States“</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="200" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/frus1958-60v17-200x300.jpg" alt="" class="wp-image-4276" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/frus1958-60v17-200x300.jpg 200w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/frus1958-60v17.jpg 400w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /></figure>
</div>


<p>Gerade in den späten Jahren der Eisenhower-Präsidentschaft spitzte sich die Lage zu. Für diese Periode ist die Publikation „<a href="https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1958-60v17">Foreign Relations of the United States, 1958–1960, Indonesia, Volume XVII</a>“ eine wertvolle Quelle, die in den 1990er-Jahren herausgegeben wurde. Diese Sammlung ist eine offizielle Veröffentlichung des amerikanischen Außenministeriums. Hier finden sich Memoranden, Briefe, Telegramme, Anmerkungen und Telefonprotokolle, die Indonesien thematisieren. Für diese Art von Dokumenten war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eine Deklassifizierung nach 30 Jahren vorgesehen. Aufgrund einer Gesetzesänderung wurde in diesem Fall eine Verzögerung um einige Jahre gestattet. Anzumerken ist, dass einige Passagen noch nicht freigegeben waren. Im Text ist jeweils gekennzeichnet, wie viele Sätze ausgelassen wurden.</p>



<p>Besonders interessant sind derartige Veröffentlichungen, da sie ein ungeschminktes Bild der Politik liefern. Es wird deutlich, dass es viele Akteure mit unterschiedlichen Meinungen gibt, die hinter verschlossenen Türen expliziter geäußert werden. Gerade in der Außenpolitik ist Transparenz nur begrenzt möglich, da eine Veröffentlichung von Meinungen und Plänen Schwierigkeiten verursachen könnten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Robertson-Memorandum von Januar 1958</h3>



<p>Eine vielsagende Richtungsdiskussion findet sich in einem Memorandum von Robertson, dem stellvertretenden Staatssekretär für Angelegenheiten des Fernen Ostens, an den Außenminister John F. Dulles vom 2. Januar 1958. Er fasst die Empfehlungen des National Security Councils vom September 1957 zusammen. Die wichtigsten Punkte sollen hier dargestellt werden:</p>



<p>Die Insel Java war in amerikanischen Augen vom Kommunismus bedroht. Der Ausschuss schlug eine Reihe von Maßnahmen vor, um die Situation zu verändern. Ein Teil der Vorschläge bezog sich direkt auf Java: die Verstärkung der Regierungstruppen sollte verhindert und die antikommunistischen Truppen innerhalb der Armee sollten unterstützt werden. Auf Java sollte das Bewusstsein („psychological awareness“) für eine Bedrohung durch den Kommunismus geschärft werden.</p>



<p>Zusätzlich sollten auf den äußeren Inseln Antikommunisten gestärkt werden, um im Falle des Umsturzes auf Java reagieren zu können.</p>



<p>Der Ausschuss debattierte ebenfalls über den Einsatz von US-Streitkräften, konnte sich aber nicht auf eine Position einigen. Es gab Stimmen für ein direktes Eingreifen, allerdings sah das Ministerium den Zeitpunkt als ungünstig an, solche Entscheidungen zu treffen.</p>



<p>Das Memorandum weist darauf hin, dass der Botschafter Allison Vorbehalte gegenüber den diskutierten Handlungsoptionen einräumte. Er war der Ansicht, dass man Sukarno nicht aufgeben müsse. Man könnte einen anderen Weg einschlagen und beispielsweise Indonesien in Westpapua unterstützen und sich die Gunst der Führung sichern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Spaltungen in der US-Politik</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="300" height="293" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/John_Foster_Dulles_cropped-300x293.jpg" alt="" class="wp-image-4280" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/John_Foster_Dulles_cropped-300x293.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/John_Foster_Dulles_cropped.jpg 367w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">John F. Dulles, Außenminister von 1953-1959</figcaption></figure>
</div>


<p>Dieses Memorandum ist auf mehrfacher Weise interessant: zum einen sehen wir hier schon den Blick auf die äußeren Inseln, die in der Permesta-Rebellion betroffen sein werden.</p>



<p>Zum anderen wird hier eine später häufig angewandte Praxis verklausuliert vorgeschlagen: es soll das Bewusstsein vor der kommunistischen Bedrohung geschärft werden. Das heißt, hier wird die Idee geäußert, mit Propaganda aktiv in die Meinungsbildung in Indonesien einzugreifen.</p>



<p>Im Memorandum lässt sich auch sehen, dass die Meinungen in Bezug auf das Vorgehen zu diesem Zeitpunkt noch gespalten waren. Mit Botschafter Allison gab es einen Akteur, der sich für die Zusammenarbeit mit Sukarno aussprach. Allerdings waren Außenminister John F. Dulles und sein Bruder Allen W. Dulles, der Direktor der CIA, klar anderer Meinung. Der Historiker Bernd Stöver sieht in den beiden Brüdern Hardliner, die einer „quasi-religiösen Deutung des Kalten Krieges“ anhingen. Sie nahmen Sukarno als wachsende Gefahr wahr, der unter den Einfluss von Russen und Chinesen gelangen könnte. So ignorierten sie die Vorschläge des Botschafters, der stattdessen noch im Januar 1958 in die Tschechoslowakei versetzt wurde.</p>



<p>Interessant ist der abschließende Satz, der unter dem Punkt „Military Action“ in der Diskussion zum Einsatz der US-Streitkräfte in Indonesien zu lesen war: „Also that even if such a decision were taken at this time it should not be set forth in the paper which will be distributed throughout the government.” Hier ist zu erfahren, dass es Punkte gibt, die so heikel sind, dass sie nicht in Dokumente erscheinen sollten, die offen in den Behörden zirkulieren könnten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beginn der Permesta-Rebellion</h3>



<p>Einige Tage später trat die Permesta-Rebellion in die heiße Phase ein. Ende Februar lässt ein von Phyllis Bernau aufgezeichnetes Telefongespräch zwischen den Dulles-Brüdern erkennen, dass die USA die Seite der Rebellen unterstützten. Der Einsatz von Kampfflugzeugen wurde diskutiert. Die Cat C-46, ein ziviles Flugzeug, war allerdings schon im Einsatz und hat am 26. Februar Ausrüstung für die Rebellen über dem Pekanbaru-Flugplatz auf Sumatra abgeworfen. Es handelte sich vor allem um Waffen: Maschinengewehre, Panzerfäuste, Sturmgewehre und Handfeuerwaffen. Eine weitere C-46 belieferte einen Flugplatz in der Nähe von Pandang. Die CIA wurde damit zu einem aktiven Teilnehmer im Konflikt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eskalation und Scheitern</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="300" height="193" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1-300x193.jpg" alt="" class="wp-image-4284" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1-300x193.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1-1024x658.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1-768x494.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/A-26_Okinawa_1945_James_P._Gallagher_2-1.jpg 1120w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">B-26 Invader</figcaption></figure>
</div>


<p>Die nächste Eskalationsstufe folgte schnell. Bereits im April entschieden die Dulles-Brüder sich für den Einsatz von Mustang-Kampfjets und B-26-Bombern. Mit den neuen Maschinen konnten die Permesta-Rebellen eine Offensive starten und Gebiete gewinnen. Die Regierung in Jakarta war allerdings in der Lage, zurückzuschlagen und konnte Mitte Mai Rebellenstützpunkte attackieren, Flugzeuge zerstören und einige Inseln unter Kontrolle bringen.</p>



<p>Djuanda, der indonesische Premierminister, warf dem amerikanischen Botschafter in Jakarta, Howard P. Jones, vor, dass die USA die Aufständischen unterstützen würden, da diese Clark Field, den großen Militärflughafen der USA auf den Philippinen, nutzten. Am nächsten Tag dementierten die Amerikaner diese Vorwürfe und zeigten sich hilfsbereit. Sie boten an, Reis zu verkaufen und sogar Waffen zur Verfügung zu stellen, wenn eine Einigung mit den Rebellen erzielt und die PKI eingedämmt würde.</p>



<p>Die Permesta-Rebellion scheiterte, doch sie brachte die Amerikaner dazu, gegen Sukarno und die kommunistische Partei Stellung zu beziehen und damit die Weichen für die Zukunft zu stellen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="777" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-1024x777.jpg" alt="" class="wp-image-4282" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-1024x777.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-300x228.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-768x583.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142-290x220.jpg 290w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/08/Captured_PERMESTA_troops_Jalesveva_Jayamahe_p142.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gefangene Permesta-Rebellen, 1960</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Weiterlesen</strong></h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Brands, H. W. (1989): <em>The Limits of Manipulation: How the United States Didn&#8217;t Topple Sukarno</em>. In: The Journal of American History 76 (3), S. 785–808.</li>



<li>Kahin, Audrey R.; Kahin, George McTurnan (1997): <em>Subversion as Foreign Policy. The Secret Eisenhower and Dulles Debacle in Indonesia</em>. Seattle.</li>



<li>McMahon, Robert J. (Hg.) (1994): <em>Foreign Relations of the United States, 1958–1960, Indonesia, Volume XVII</em>. Washington, D.C.</li>



<li>Nolan, Cathal J. (Hg.) (1997): <em>Notable U.S. Ambassadors since 1775. A Biographical Dictionary</em>. Westport.</li>



<li>Roadnight, A. (2002): <em>United States Policy Towards Indonesia in the Truman and Eisenhower Years</em>. London.</li>



<li>Stöver, Bernd (2017): <em>Der Kalte Krieg 1947–1991. Geschichte eines radikalen Zeitalters</em>. München.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Eisenhower und John Foster Dulles.</p>



<p>Alle Bilder public domain.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/indonesien/6-deklassifizierte-us-dokumente-zur-sukarno-zeit/">Deklassifizierte US-Dokumente zur Sukarno-Zeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Worum ging es im Vietnamkrieg? – Ein Überblick</title>
		<link>https://www.imperien-und-inseln.de/vietnam/worum-ging-es-im-vietnamkrieg/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Jul 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Titel]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/vietnam/worum-ging-es-im-vietnamkrieg/">Worum ging es im Vietnamkrieg? – Ein Überblick</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Vietnamkrieg-Einfuehrung-1.mp3"></audio></figure>



<p><em>Der Vietnamkrieg zählt zu den international am stärksten beachteten und zugleich am kontroversesten diskutierten Konflikten der letzten Jahrzehnte. Er begann als kolonialer Unabhängigkeitskampf, entwickelte sich zum Schauplatz der globalen Systemkonkurrenz zwischen Ost und West und endete in einem großangelegten Rückzug der USA.</em></p>



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    <title>Inhaltsübersicht</title>
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<div class="toc-container">
    <h2>Inhalt</h2>
    <ul>
        <li><a href="#phase1">1. Der Krieg bis 1954</a></li>
        <li><a href="#phase2">2. Nach Genf: Zwei Staaten, zwei Wege</a></li>
        <li><a href="#phase3">3. Die Krise von Diệm und der Weg zur Eskalation</a></li>
        <li><a href="#phase4">4. Der Golf von Tonkin und Johnsons Krieg</a></li>
        <li><a href="#phase5">5. Eskalation, Kriegsverbrechen, Tet</a></li>
        <li><a href="#phase6">6. Nixon, Vietnamisierung und Kriegsende</a></li>
    </ul>
</div>

</body>
</html>



<p>In der Rückschau lassen sich vier Phasen unterscheiden, die jeweils eigene politische Konstellationen und militärische Strategien erkennen lassen:</p>



<table style="width:100%; border-collapse: collapse; font-family: Arial, sans-serif; margin: 20px auto; max-width: 700px; box-shadow: 0 2px 8px rgba(0,0,0,0.05);">
    <thead>
        <tr style="background-color: #f4f4f4;">
            <th style="padding: 12px; border: 1px solid #ddd; text-align: left; color: #4B5320;">Phase</th>
            <th style="padding: 12px; border: 1px solid #ddd; text-align: left; color: #4B5320;">Zeitraum</th>
            <th style="padding: 12px; border: 1px solid #ddd; text-align: left; color: #4B5320;">Charakterisierung</th>
        </tr>
    </thead>
    <tbody>
        <tr style="background-color: #fefaf0;">
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">Indochinakrieg</td>
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">1946–1954</td>
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">Antikolonialer Befreiungskampf gegen die französische Kolonialherrschaft</td>
        </tr>
        <tr style="background-color: #f9fdf9;">
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">Teilung und Bürgerkrieg</td>
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">1954–1964</td>
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">Zunehmende Spaltung Vietnams, USA unterstützten Südvietnam ohne direkte Kriegsteilnahme</td>
        </tr>
        <tr style="background-color: #f0f7ff;">
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">Amerikanische Eskalation</td>
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">1964–1973</td>
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">Direktes militärisches Eingreifen der USA mit Bodentruppen und Luftkrieg</td>
        </tr>
        <tr style="background-color: #fff5f5;">
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">Kriegsende</td>
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">1973–1975</td>
            <td style="padding: 10px; border: 1px solid #ddd;">Rückzug der USA, Zusammenbruch Südvietnams und Sieg des Nordens</td>
        </tr>
    </tbody>
</table>



<h3 class="wp-block-heading" id="phase1">1. Der Krieg bis 1954</h3>



<p>Das Jahr 1954 markierte das jähe Ende des französischen Engagements in Vietnam. Die entscheidende Schlacht bei Điện Biên Phủ wurde später auch in der Berichterstattung zum amerikanischen Vietnamkrieg häufig als mahnendes Beispiel herangezogen. Nach einer zweimonatigen Belagerung gelang es den Việt Minh, den strategisch wichtigen französischen Stützpunkt zu erobern – ein bedeutender Wendepunkt in einer Serie von Misserfolgen, die schließlich zu einem Regierungswechsel in Paris führte. Premierminister Pierre Mendès France erklärte öffentlich, er werde innerhalb eines Monats einen Frieden für Indochina herbeiführen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="211" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ap540721012_geneva_conference_1954-300x211.jpg" alt="" class="wp-image-3890" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ap540721012_geneva_conference_1954-300x211.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ap540721012_geneva_conference_1954.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Konferenz in Genf, 1954</figcaption></figure>
</div>


<p>Parallel dazu verhandelten die Großmächte USA, Frankreich, Großbritannien, die Sowjetunion und China auf einer Konferenz in Genf über den Frieden in Korea und Indochina. Auch zwei vietnamesische Delegationen nahmen daran teil. Die Việt Minh verfügten nach ihrem militärischen Erfolg über eine starke Ausgangsposition, sahen sich jedoch auf internationaler Bühne einem komplexen Kräftespiel gegenüber. Vor allem China drängte auf Kompromissbereitschaft. Obwohl die Việt Minh weite Teile Vietnams kontrollierten, stimmten sie einer Teilung des Landes zu – unter anderem, um ein direktes Eingreifen der Vereinigten Staaten zu vermeiden, das im Falle eines einheitlichen kommunistischen Vietnams als wahrscheinlich galt.</p>



<p>Am 20. Juli 1954 wurde ein Waffenstillstand zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und Frankreich unterzeichnet. Neben der Teilung des Landes wurde die Entmilitarisierung des 17. Breitengrads beschlossen. Die Vereinigten Staaten nahmen an der Unterzeichnung nicht teil, erklärten jedoch ihre Bereitschaft, die Abmachung zu respektieren. Zugleich war den Beteiligten bewusst, dass dies nicht das Ende des Konflikts bedeutete. Die USA, unter Präsident Eisenhower und Außenminister Dulles, entschieden sich, Frankreichs Rolle in der Region zu übernehmen und sich künftig um die politische Stabilität in Südvietnam, Laos und Kambodscha zu kümmern.</p>



<p>Diese Entscheidung ist im Kontext des Kalten Krieges zu verstehen. In den 1940er- und 1950er-Jahren etablierten sich die zwei konkurrierenden Machtblöcke mit den USA und der Sowjetunion an der Spitze. Die Vereinigten Staaten betrachteten sich zunehmend als Verteidiger einer gefährdeten Ordnung. Der Diplomat George F. Kennan  argumentierte bereits Ende der 1940er-Jahre, die amerikanische Demokratie könne in einer ausschließlich totalitären Welt nicht überleben – in jedem Menschen schlummere ein Hang zum Autoritären, der in Isolation hervortreten könne.</p>



<p>Kennan rechtfertigte daher auch begrenzte Gewaltanwendung, wenn diese die schlechteren Alternativen – etwa einen Weltkrieg – vermeiden könne. In einer internen Einschätzung hieß es, man müsse sich der Tatsache stellen, dass:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„gewisse Formen begrenzter Gewalt an bestimmten Orten in der Welt unter Umständen akzeptabler sein könnten als alternative Szenarien, in denen wir selbst in globale Kriege verwickelt würden, in denen niemand gewinnen und die gesamte Zivilisation untergehen würde“.</p>
</blockquote>



<p>Auch Henry Kissinger beschrieb später das Dilemma der bipolaren Weltordnung: In einem System mit zwei Machtzentren gebe es keinen Raum für das klassische Gleichgewicht der Kräfte. Jeder Gewinn der einen Seite bedeute automatisch einen Verlust für die andere.</p>



<p>Innerhalb dieser Konstellation versuchten sich einige Staaten zu entziehen – etwa durch die Bewegung der Blockfreien. Viele dieser Länder lagen im globalen Süden und wurden zu Schauplätzen des indirekten Kräftemessens zwischen Ost und West.</p>



<p>Ein zentraler Bestandteil der amerikanischen Wahrnehmung war die sogenannte Domino-Theorie, formuliert 1954 von Präsident Eisenhower. Die Theorie ging davon aus, dass der Fall eines Landes an den Kommunismus eine Kettenreaktion in der Region auslösen könne. Gerade in Bezug auf Vietnam wurde diese Vorstellung prominent: Sollte das Land kommunistisch werden, so die Argumentation, würden auch Laos, Kambodscha, Thailand oder gar Indonesien folgen. Diese Annahme wurde zur Legitimationsgrundlage amerikanischer Eingriffe, auch wenn sie das Risiko beinhaltete, politische Entwicklungen in anderen Staaten nur noch unter geopolitischen Gesichtspunkten zu interpretieren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="509" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ngo_Dinh_Diem_at_Washington_-_ARC_542189.jpg" alt="" class="wp-image-3887" style="width:640px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ngo_Dinh_Diem_at_Washington_-_ARC_542189.jpg 640w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ngo_Dinh_Diem_at_Washington_-_ARC_542189-300x239.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eisenhower und Diem, 1957 am Flughafen von Washington</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading" id="phase2">2. Nach Genf: Zwei Staaten, zwei Wege</h3>



<p>Infolge der Genfer Vereinbarungen war Vietnam geteilt. Im Norden etablierte sich die Demokratische Republik Vietnam unter der kommunistischen Führung von Hồ Chí Minh mit der Hauptstadt Hanoi. Im Süden entstand die Republik Vietnam, geleitet von der antikommunistischen und autoritär geführten Regierung Ngô Đình Diệms mit Sitz in Saigon. Diese Teilung sollte ursprünglich nur temporär sein. Für das Jahr 1956 waren gesamtvietnamesische Wahlen vorgesehen, die jedoch nie stattfanden. Sowohl die Regierung in Saigon als auch die USA lehnten sie ab – nicht zuletzt aus der Befürchtung, Hồ Chí Minh könne auf demokratischem Weg die Vereinigung erzwingen.</p>



<p>Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in beiden Landesteilen verliefen sehr unterschiedlich. In Nordvietnam wurde unmittelbar nach dem Waffenstillstand eine umfassende Bodenreform durchgeführt. Großgrundbesitz wurde enteignet, Landbesitzer öffentlich denunziert und teilweise hingerichtet. Schätzungen zufolge starben dabei etwa 15.000 Menschen<sup data-fn="ed5444d2-d9ff-4162-8e8a-dc4aab4e07a1" class="fn"><a id="ed5444d2-d9ff-4162-8e8a-dc4aab4e07a1-link" href="#ed5444d2-d9ff-4162-8e8a-dc4aab4e07a1">1</a></sup>.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ho_Chi_Minh_-_1946_Portrait-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-3891" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ho_Chi_Minh_-_1946_Portrait-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ho_Chi_Minh_-_1946_Portrait-767x1024.jpg 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ho_Chi_Minh_-_1946_Portrait-768x1025.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Ho_Chi_Minh_-_1946_Portrait.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption"> Hồ Chí Minh, 1962</figcaption></figure>
</div>


<p>In den 1960er-Jahren wurde die Landwirtschaft im Norden kollektiviert. Land, Geräte und Nutztiere gingen in staatliches oder genossenschaftliches Eigentum über. Trotz der Kriegsumstände blieb dieses System relativ stabil. Bauernaufstände sind nicht überliefert und auch die Versorgung funktionierte, was auf eine gewisse Akzeptanz der Organisation schließen lässt. Im Unterschied zu anderen sozialistischen Staaten wurde kein Personenkult um Hồ Chí Minh aufgebaut. Sein Lebensstil blieb einfach, sein Verhalten orientierte sich an marxistisch-leninistischen Prinzipien.</p>



<p>Südvietnam hingegen war geprägt von Machtkämpfen, Korruption und bewaffneten Gruppen mit eigenem Einfluss. Die Bình Xuyên, eine ursprünglich aus dem Milieu der Flusspiraterie hervorgegangene Organisation, attackierte zeitweise sogar den Präsidentenpalast, konnte aber nach heftigen Kämpfen aus Saigon vertrieben werden. Auch andere Milizen wie die Cao-Đài- und Hòa-Hảo-Gruppen wurden durch militärische Gewalt und finanzielle Zugeständnisse entmachtet oder kooptiert.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="223" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Portrait_photograph_of_Ngo_Dinh_Nhu-223x300.jpg" alt="" class="wp-image-3892" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Portrait_photograph_of_Ngo_Dinh_Nhu-223x300.jpg 223w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Portrait_photograph_of_Ngo_Dinh_Nhu.jpg 448w" sizes="auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ngô Đình Nhu, 1963</figcaption></figure>
</div>


<p>Diệm besetzte zentrale Staatspositionen mit Familienangehörigen. Sein Bruder Ngô Đình Nhu galt als wichtigster Berater, während auch weitere Verwandte diplomatische, administrative oder kirchliche Posten erhielten. Die Machtverteilung war somit stark personalisiert und durch Klientelpolitik geprägt. In der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre intensivierte Diệm die Repression gegen politische Gegner. Besonders die Anhänger der Kommunisten wurden verfolgt, entführt oder interniert. Ein 1959 erlassenes Gesetz ermöglichte Militärtribunale und Todesurteile. In unabhängigen Berichten ist von etwa 150.000 Inhaftierten und rund 12.000 Getöteten in den Jahren 1955 bis 1957 die Rede.</p>



<p>Zusätzliche Konflikte entstanden durch Diệms Landpolitik. Ehemals von Franzosen enteignete Flächen wurden nicht dauerhaft an Kleinbauern verteilt, sondern teils an frühere Eigentümer zurückgegeben. Gleichzeitig wurde die kommunale Selbstverwaltung abgeschafft. Entscheidungen über Infrastruktur und lokale Planung lagen nun bei von außen eingesetzten Beamten. Die daraus resultierende Entfremdung von der Bevölkerung schwächte die Legitimität der Regierung.</p>



<p>Im Dezember 1960 wurde die Nationale Befreiungsfront (NLF) gegründet, ein Bündnis aus kommunistischen und nicht-kommunistischen Gegnern der Diệm-Regierung. Ziel war die Beendigung der amerikanischen Unterstützung für Saigon und eine Wiedervereinigung mit dem Norden. Besonders in den ländlichen Regionen gewann die NLF schnell an Einfluss.</p>



<p>In amerikanischen Fachkreisen – etwa in der Zeitschrift <em>Foreign Affairs</em> – wurden die Probleme Südvietnams thematisiert. Doch in der breiteren politischen Debatte herrschte weiterhin die Vorstellung vor, man müsse den Aufbauprozess begleiten. Dass autoritäre Maßnahmen dabei in Kauf genommen wurden, erschien vielen als unvermeidlich. Südostasien, so die verbreitete Einschätzung, habe keine demokratische Tradition – ein Argument, das häufig zur Rechtfertigung repressiver Verbündeter herangezogen wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="phase3">3. Die Krise von Diệm und der Weg zur Eskalation</h3>



<p>Um der wachsenden Kontrolle der Nationalen Befreiungsfront in den ländlichen Gebieten zu begegnen, wurde ein dreistufiges Konzept zur Aufstandsbekämpfung (Counterinsurgency) entwickelt. Erstens sollten Dörfer militärisch gesichert, zweitens eine funktionsfähige und wenig korrupte Lokalverwaltung etabliert und drittens die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessert werden. Ziel war es, durch Stabilität und Loyalität eine langfristige Schwächung der Guerilla zu erreichen.</p>



<p>Die amerikanischen Militärs standen dieser Strategie skeptisch gegenüber. Für sie blieb die konventionelle Kriegsführung vorrangig. Als Beispiel gelten die sogenannten Wehrdörfer, die ab 1962 errichtet wurden. In umzäunten Siedlungen mit Wachtürmen, Gräben und Stacheldraht sollten die Bewohner vor dem Einfluss der Guerilla geschützt werden. In der Praxis jedoch war die Lebensqualität gering, Hilfsgelder versickerten in korrupten Kanälen, und einige der umgewandelten Dörfer lagen außerhalb der effektiven Kontrolle der Regierung. Die Maßnahme blieb daher wirkungslos.</p>



<p>In der Bevölkerung wuchs die Unzufriedenheit. Im Mai 1963 eskalierte die Lage mit der sogenannten Buddhistenkrise. Anlass war das Verbot religiöser Flaggen, das offenbar selektiv angewandt wurde: Während katholische Prozessionen geduldet wurden, griff das Militär auf eine buddhistische Kundgebung ein. Neun Menschen starben durch Schüsse der Regierungstruppen. Der Versuch, die Verantwortung auf die NLF zu schieben, überzeugte die Öffentlichkeit nicht. Der Protest weitete sich aus.</p>



<p>Ein Bild, das weltweit Beachtung fand, war die Selbstverbrennung des Mönchs Thích Quảng Đức am 11. Juni 1963. Die Äußerung von Madame Nhu, der Schwägerin des Präsidenten, diese Tat sei ein „Barbecue“ gewesen, löste internationale Empörung aus. Die Regierung setzte auf Repression. Im August ließ Ngô Đình Nhu eine zentrale Pagode stürmen, Tausende Oppositionelle wurden festgenommen, darunter auch zahlreiche Studierende. Die politische Krise verschärfte sich.</p>



<p>Auch innerhalb des südvietnamesischen Militärs nahm die Unzufriedenheit zu. Führende Generäle sondierten die Haltung der USA gegenüber einem möglichen Putsch. Die Kennedy-Administration zeigte sich uneinheitlich, stellte sich aber nicht ausdrücklich gegen die Pläne. Nhu versuchte durch Scheinmaßnahmen und einen inszenierten Putsch seine Position zu retten, wurde jedoch entmachtet.</p>



<p>Am 1. November 1963 wurden die Brüder Diệm und Nhu festgenommen und auf Befehl von General Dương Văn Minh erschossen. Die genauen Motive bleiben unklar. Es wird vermutet, dass Minh aus persönlicher Demütigung oder strategischen Erwägungen handelte. Im Weißen Haus wurde das Ende Diệms ambivalent aufgenommen: Für manche war es ein Befreiungsschlag, für Präsident Kennedy ein Rückschlag, der eine Neubewertung des amerikanischen Engagements nahelegte. Wenige Wochen später fiel Kennedy selbst einem Attentat zum Opfer.</p>



<p>General Minh übernahm die Regierungsgeschäfte in Saigon. Zunächst wurde er von Washington unterstützt. Doch seine Entscheidung, das Wehrdorfprogramm zu beenden, sowie Hinweise auf eine mögliche Verhandlungslösung mit der NLF führten bald zu Misstrauen. Ende Januar 1964 wurde Minh durch einen unblutigen Putsch abgesetzt. General Nguyễn Khánh übernahm die Führung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Nguyen_Van_Thieu_1967-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-3896" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Nguyen_Van_Thieu_1967-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Nguyen_Van_Thieu_1967.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nguyễn Văn Thiệu, 1967</figcaption></figure>
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<p>Khánh wurde öffentlich vom amerikanischen Verteidigungsminister Robert McNamara gelobt. Intern jedoch fiel seine Bewertung deutlich nüchterner aus. In einem Bericht an Präsident Lyndon B. Johnson wurde auf massive Probleme hingewiesen: Die südvietnamesische Armee litt unter hoher Desertationsrate, Khánh hatte kaum Rückhalt, und die NLF kontrollierte etwa 40 Prozent des Landes. Dennoch hielten die USA an der Strategie fest. Der Domino-Theorie zufolge galt Südvietnam weiterhin als Schlüsselstaat im Kampf gegen den Kommunismus in Asien.</p>



<p>In den folgenden Jahren blieb die politische Lage in Südvietnam instabil. Es kam zu weiteren Putschen und Machtverschiebungen innerhalb des Militärs. 1965 setzte sich schließlich eine Doppelspitze aus General Nguyễn Cao Kỳ als Premierminister und General Nguyễn Văn Thiệu als Staatsoberhaupt durch. Zwei Jahre später wurde Thiệu im Rahmen einer formalisierten Präsidentschaftswahl, an der allerdings keine echten Gegenkandidaten teilnahmen, zum Präsidenten gewählt. Er behielt das Amt bis kurz vor dem Fall Saigons im April 1975.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="phase4">4. Der Golf von Tonkin und Johnsons Krieg</h3>



<p>Doch zurück in das Jahr 1964. Der Zwischenfall im Golf von Tonkin bot den USA die Möglichkeit, direkt in den Krieg einzugreifen. Die genaue Rekonstruktion der Ereignisse bleibt schwierig, da die Berichte widersprüchlich sind. Bekannt ist, dass die USA im Rahmen der geheimen Operation „34 Alpha“ südvietnamesische Kommandounternehmen gegen nordvietnamesische Ziele unterstützten. Zwar waren die Besatzungen der eingesetzten Boote südvietnamesisch, die Kapitäne stammten jedoch aus Norwegen. Ursprünglich waren deutsche Offiziere vorgesehen, diese wurden jedoch ersetzt.</p>



<p>Am 28. Juli 1964 griffen vier Torpedoboote Inseln im Golf an. Der US-Zerstörer <em>USS Maddox</em> befand sich in unmittelbarer Nähe und war mit der Erfassung nordvietnamesischer Radarsignale beauftragt. Ob die Angriffe koordiniert waren oder nur zeitlich zusammenfielen, bleibt offen. Sicher ist, dass die Ereignisse die Aufmerksamkeit Nordvietnams schärften.</p>



<p>Am 2. August kam es zu einem Gefecht zwischen der <em>Maddox</em> und nordvietnamesischen Booten, bei dem ein Angreifer schwer beschädigt wurde. Die US-Luftwaffe unterstützte das Schiff. Zwei Tage später funkte die <em>Maddox</em> gemeinsam mit dem Zerstörer <em>C. Turner Joy</em>, sie stünden erneut unter Beschuss. Kurz darauf folgten jedoch Berichte, die diese Einschätzung relativierten: Womöglich hatte es gar keinen Angriff gegeben. Dennoch wertete Admiral Ulysses S. Grant Sharp die Lage als ernst, woraufhin das Pentagon Vergeltungsschläge anordnete.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="709" height="631" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/USS_Maddox_DD-731_is_refueled_in_the_South_China_Sea_in_1964.jpg" alt="" class="wp-image-3898" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/USS_Maddox_DD-731_is_refueled_in_the_South_China_Sea_in_1964.jpg 709w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/USS_Maddox_DD-731_is_refueled_in_the_South_China_Sea_in_1964-300x267.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /><figcaption class="wp-element-caption">USS Maddox, 1964</figcaption></figure>
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<p>Auf dieser Grundlage verabschiedete der US-Kongress am 7. August 1964 die Golf-von-Tonkin-Resolution. Sie wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen, obwohl viele Senatoren nicht vollständig über die Hintergründe informiert waren. Insbesondere die vorausgegangenen Operationen gegen nordvietnamesische Küstenziele wurden nicht erwähnt.</p>



<p>Die Resolution enthielt weitreichende Vollmachten. Sie begann mit der Behauptung eines nordvietnamesischen Angriffs, stellte die USA als Opfer dar und legitimierte umfassende militärische Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Übergriffe. Artikel 2 ermächtigte den Präsidenten zum Einsatz von Streitkräften, das Ende dieses Mandats lag ebenfalls in seiner Hand. Präsident Johnson selbst nannte die Resolution später „Großmutters Nachthemd – sie deckt alles“.</p>



<p>Obwohl der rechtliche Rahmen für einen Krieg geschaffen war, verlief das amerikanische Engagement zunächst zögerlich. 1964 waren rund 23.000 US-Soldaten in Vietnam stationiert – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, aber noch weit von einem Großkonflikt entfernt.</p>



<p>Im Dezember begannen die ersten Luftoperationen gegen Nachschublinien, insbesondere in Laos. Die Operationen „Barrel Roll“ und „Steel Tiger“ zielten auf den sogenannten Ho-Chi-Minh-Pfad. Dabei handelte es sich um ein weitverzweigtes Netz von Wegen, das Nordvietnam mit den Stellungen im Süden verband.</p>



<p>Innerhalb der Johnson-Regierung wurde über das weitere Vorgehen gestritten. Staatssekretär George Ball warnte vor einer Eskalation: Luftangriffe würden die Schwäche der südvietnamesischen Regierung nicht beheben und könnten zu einer direkten Konfrontation mit China oder der Sowjetunion führen. Die Befürworter einer militärischen Antwort hielten dem entgegen, dass sie mit einem entschlossenen Auftreten die Moral in Saigon stärken und potenzielle Gegner abschrecken könnten.</p>



<p>In der Außenpolitik Nordvietnams traten gleichzeitig Differenzen zutage. Während die Sowjetunion auf Verhandlungen setzte, lehnte China Gespräche mit den USA grundsätzlich ab. Die Regierung in Hanoi wusste diese Differenzen taktisch zu nutzen.</p>



<p>Im Dezember 1964 vereinbarten die Demokratische Republik Vietnam und China ein Hilfsabkommen. Geplant war die schrittweise Entsendung von 320.000 chinesischen Hilfstruppen. Diese sollten in erster Linie logistische und infrastrukturelle Aufgaben übernehmen. Im Laufe des Krieges verloren mehr als 1.000 chinesische Soldaten in Vietnam ihr Leben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="phase5">5. Eskalation, Kriegsverbrechen, Tet</h3>



<p>Im März 1965 landeten erstmals amerikanische Kampftruppen bei Đà Nẵng. Die Zahl der US-Soldaten stieg bis Jahresende auf über 180.000. Noch war die Hoffnung verbreitet, man könne mit einer klaren militärischen Überlegenheit die Kontrolle über das Gebiet zurückgewinnen. Doch bereits 1966 wurde deutlich, dass der Gegner nicht durch konventionelle Mittel zu besiegen war. Die Vietcong operierten in kleinen Einheiten, zogen sich nach Angriffen rasch zurück und verfügten über Rückzugsräume in Laos und Kambodscha.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="766" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/North_American_F-100_Super_Sabres_at_Da_Nang_Air_Base_Vietnam_9_March_1965_26380435-1024x766.jpg" alt="" class="wp-image-3902" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/North_American_F-100_Super_Sabres_at_Da_Nang_Air_Base_Vietnam_9_March_1965_26380435-1024x766.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/North_American_F-100_Super_Sabres_at_Da_Nang_Air_Base_Vietnam_9_March_1965_26380435-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/North_American_F-100_Super_Sabres_at_Da_Nang_Air_Base_Vietnam_9_March_1965_26380435-768x575.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/North_American_F-100_Super_Sabres_at_Da_Nang_Air_Base_Vietnam_9_March_1965_26380435-1536x1150.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/North_American_F-100_Super_Sabres_at_Da_Nang_Air_Base_Vietnam_9_March_1965_26380435-2048x1533.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/North_American_F-100_Super_Sabres_at_Da_Nang_Air_Base_Vietnam_9_March_1965_26380435.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">US-amerikanische F-100 Super Sabre in der Airbase in Đà Nẵng, 9. März 1965</figcaption></figure>
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<p>Um Nachschub und Rückhalt zu unterbinden, begannen die USA mit massiven Bombardierungen Nordvietnams. Die Operation „Rolling Thunder“ sollte die Wirtschaft des Nordens schwächen, den Nachschub unterbrechen und die Regierung zu Verhandlungen zwingen. Innerhalb von dreieinhalb Jahren warfen amerikanische Flugzeuge über 650.000 Tonnen Bomben ab. Die erhoffte Wirkung blieb jedoch aus. Die Versorgung der NLF über den Ho-Chi-Minh-Pfad konnte trotz der Angriffe aufrechterhalten werden.</p>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/lossy-page1-1025px-Vietnam._Defoliation_Mission._A_UH-1D_helicopter_from_the_336th_Aviation_Company_sprays_a_defoliation_agent_on_a._-_NARA_-_530626.tif-300x300.jpg" alt="" class="wp-image-4019" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/lossy-page1-1025px-Vietnam._Defoliation_Mission._A_UH-1D_helicopter_from_the_336th_Aviation_Company_sprays_a_defoliation_agent_on_a._-_NARA_-_530626.tif-300x300.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/lossy-page1-1025px-Vietnam._Defoliation_Mission._A_UH-1D_helicopter_from_the_336th_Aviation_Company_sprays_a_defoliation_agent_on_a._-_NARA_-_530626.tif-150x150.jpg 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/lossy-page1-1025px-Vietnam._Defoliation_Mission._A_UH-1D_helicopter_from_the_336th_Aviation_Company_sprays_a_defoliation_agent_on_a._-_NARA_-_530626.tif-768x767.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/lossy-page1-1025px-Vietnam._Defoliation_Mission._A_UH-1D_helicopter_from_the_336th_Aviation_Company_sprays_a_defoliation_agent_on_a._-_NARA_-_530626.tif.jpg 1025w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Helikopter versprüht Entlaubungsmittel &#8222;Agent Orange&#8220;, 1969</figcaption></figure>
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<p>Zudem begann eine systematische Entlaubung ganzer Regionen. Mit chemischen Mitteln wie Agent Orange sollte der Dschungel ausgedünnt werden, um feindliche Bewegungen sichtbar zu machen. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind bis heute spürbar. Schätzungen zufolge wurden rund drei Millionen Menschen in Südvietnam durch dioxinhaltige Substanzen kontaminiert, darunter auch zahlreiche Zivilisten in entlegenen Dörfern.</p>



<p>Im Inneren verlor die US-Armee zunehmend die Kontrolle über das Verhalten ihrer Soldaten. Ein besonders bekanntes Beispiel ist das Massaker von Mỹ Lai. Im März 1968 töteten amerikanische Soldaten in dem Dorf mehr als 500 Menschen, darunter viele Kinder und Alte. Der Zwischenfall wurde zunächst vertuscht, kam aber später durch Aussagen von Whistleblowern ans Licht. Die juristische Aufarbeitung blieb begrenzt. Nur Leutnant William Calley wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, die später in Hausarrest umgewandelt wurde.</p>


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<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="690" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/My_Lai_war_crime_photograph_by_Ronald_L._Haeberle_1.jpg" alt="" class="wp-image-3903" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/My_Lai_war_crime_photograph_by_Ronald_L._Haeberle_1.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/My_Lai_war_crime_photograph_by_Ronald_L._Haeberle_1-300x202.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/My_Lai_war_crime_photograph_by_Ronald_L._Haeberle_1-768x518.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Getötete vietnamesische Zivilisten in Mỹ Lai, 1968</figcaption></figure>
</div>


<p>Diese und andere Ereignisse führten zu einer zunehmenden Polarisierung der US-amerikanischen Gesellschaft. Die sogenannte Anti-Kriegs-Bewegung gewann an Dynamik, insbesondere an Universitäten und unter Intellektuellen. In Fernsehberichten und Reportagen wurde die Diskrepanz zwischen offiziellen Verlautbarungen und der Realität des Krieges immer deutlicher.</p>



<p>Ein Wendepunkt war die sogenannte Tet-Offensive im Januar 1968. In der Nacht zum vietnamesischen Neujahrsfest griffen Einheiten der NLF und nordvietnamesischen Armee gleichzeitig über 100 Städte und Militärstützpunkte in Südvietnam an. Auch die US-Botschaft in Saigon wurde gestürmt. Die militärische Bilanz war für die Angreifer katastrophal – sie erlitten schwere Verluste. Doch psychologisch hatte die Aktion enorme Wirkung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20240318_091642-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-3654" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20240318_091642-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20240318_091642-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20240318_091642-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20240318_091642-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20240318_091642-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20240318_091642-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gemälde im War Remnant Museum, 2024</figcaption></figure>
</div>


<p>In den USA wurde die Tet-Offensive als Beweis wahrgenommen, dass der Krieg nicht gewonnen werden könne. Trotz aller Erfolgsmeldungen war es dem Gegner gelungen, koordinierte Angriffe im ganzen Land zu führen. Die Glaubwürdigkeit der Regierung Johnson erlitt einen schweren Schlag. Der Nachrichtensprecher Walter Cronkite, zuvor als sachlich geltend, äußerte nach einem Besuch in Vietnam öffentlich Zweifel am Sinn des Krieges – ein Moment, der auch innerhalb des politischen Establishments als Signal galt.</p>



<p>Im März 1968 kündigte Johnson an, nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren zu wollen. Zugleich bot er Nordvietnam Verhandlungen an, die jedoch nur langsam Fortschritte machten. Die Zahl der US-Truppen in Vietnam erreichte im selben Jahr mit über 500.000 ihren Höhepunkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="phase6">6. Nixon, Vietnamisierung und Kriegsende</h3>



<p>
  Richard Nixon trat 1969 mit dem Versprechen an, „Frieden mit Ehre“ zu schaffen. 
  Seine Strategie setzte auf drei Elemente: eine schrittweise Übergabe der Kampfverantwortung an südvietnamesische Truppen („Vietnamisierung“), 
  verstärkte Luftschläge gegen Nachschubrouten und die Ausweitung des Krieges auf Kambodscha und Laos.



<p>Die Truppenstärke der USA wurde ab 1969 reduziert. Gleichzeitig intensivierte sich der Luftkrieg. Besonders die Angriffe auf das neutrale Kambodscha waren innenpolitisch umstritten. Ziel war es, den sogenannten Sihanouk Trail<sup data-fn="cc500b0c-8740-4071-85e3-993be8b69860" class="fn"><a id="cc500b0c-8740-4071-85e3-993be8b69860-link" href="#cc500b0c-8740-4071-85e3-993be8b69860">2</a></sup> zu zerstören, eine alternative Nachschublinie zur Route durch Laos. Der kambodschanische Machthaber Norodom Sihanouk hatte diese Durchmärsche stillschweigend geduldet. Nach seinem Sturz im März 1970 unterstützten die USA die neue Regierung von Lon Nol mit Luftschlägen und Waffenlieferungen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="202" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/1280px-USAF_UH-1Ps_over_Cambodia-300x202.jpg" alt="" class="wp-image-4021" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/1280px-USAF_UH-1Ps_over_Cambodia-300x202.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/1280px-USAF_UH-1Ps_over_Cambodia-1024x690.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/1280px-USAF_UH-1Ps_over_Cambodia-768x518.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/1280px-USAF_UH-1Ps_over_Cambodia.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bell UH-1P-Helikopter über Kambodscha, 1971</figcaption></figure>
</div>


<p>In Laos flogen amerikanische Bomber mehr Einsätze als in ganz Westeuropa während des Zweiten Weltkriegs. Die Operationen trafen vor allem ländliche Regionen. Eine genaue Bilanz ist schwierig, aber Laos zählt bis heute zu den am stärksten mit Blindgängern belasteten Ländern der Welt.</p>



<p>Gleichzeitig setzte Nixon auf diplomatische Öffnung. Die Annäherung an China und die Entspannung mit der Sowjetunion veränderten das internationale Umfeld. Peking und Moskau reduzierten in der Folge ihren Einfluss auf Hanoi, was zu einer vorsichtigen Gesprächsbereitschaft führte. Die Pariser Friedensverhandlungen begannen 1968, doch erst nach zahlreichen Unterbrechungen kam es 1973 zur Unterzeichnung eines Abkommens.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="242" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Personnel_clean_M16_rifles_prior_to_wrapping_and_shipping_at_the_Multiple_Items_Processing_Point_at_Da_Nang-300x242.jpg" alt="" class="wp-image-3901" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Personnel_clean_M16_rifles_prior_to_wrapping_and_shipping_at_the_Multiple_Items_Processing_Point_at_Da_Nang-300x242.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Personnel_clean_M16_rifles_prior_to_wrapping_and_shipping_at_the_Multiple_Items_Processing_Point_at_Da_Nang-1024x827.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Personnel_clean_M16_rifles_prior_to_wrapping_and_shipping_at_the_Multiple_Items_Processing_Point_at_Da_Nang-768x620.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/Personnel_clean_M16_rifles_prior_to_wrapping_and_shipping_at_the_Multiple_Items_Processing_Point_at_Da_Nang.jpg 1268w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">US-Soldaten in Đà Nẵng, 1971</figcaption></figure>
</div>


<p>Der Vertrag sah einen Waffenstillstand, den Abzug amerikanischer Truppen und die Freilassung von Kriegsgefangenen vor. Politisch blieb die Lage jedoch ungelöst: Die NLF sollte Teil einer Übergangsregierung werden, während der südvietnamesische Präsident Nguyễn Văn Thiệu im Amt blieb. Es war ein Kompromiss, der auf dem Papier Bestand hatte, militärisch aber instabil blieb.</p>



<p>Nach dem amerikanischen Rückzug verschlechterte sich die Lage Südvietnams rasch. Die Wirtschaft war angeschlagen, die Moral niedrig, und die Unterstützung aus Washington nahm ab. Als der US-Kongress 1974 weitere Militärhilfen blockierte, war eine nachhaltige Verteidigung kaum mehr möglich.</p>



<p>Im Frühjahr 1975 startete Nordvietnam eine großangelegte Offensive. Binnen weniger Wochen brach der Widerstand zusammen. Am 30. April 1975 besetzten nordvietnamesische Truppen Saigon. Präsident Thiệu hatte bereits das Land verlassen. Die letzten amerikanischen Hubschrauber verließen das Dach der US-Botschaft unter chaotischen Umständen – ein Bild, das zum Symbol für das Ende des Krieges wurde.</p>



<p>Die unmittelbaren Folgen des Krieges waren enorm. In Vietnam starben nach Schätzungen über drei Millionen Menschen. Auch in Kambodscha und Laos forderte der Konflikt hunderttausende Opfer. Die USA verloren mehr als 58.000 Soldaten. Hunderttausende litten an körperlichen und psychischen Folgen. In Vietnam wurde das Land wiedervereinigt und als sozialistische Republik organisiert. Viele ehemalige Mitarbeiter der südvietnamesischen Regierung wurden in Umerziehungslager geschickt, Hunderttausende flohen über das Meer – die sogenannten &#8222;Boat People&#8220;.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20230909_200937-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-3904" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20230909_200937-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20230909_200937-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20230909_200937-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20230909_200937-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20230909_200937-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/07/IMG_20230909_200937-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Präsidentenpalast in Saigon/Ho-Chi-Minh-City, 2023</figcaption></figure>
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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p>Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Marc Frey:<a href="https://www.amazon.de/Geschichte-Vietnamkriegs-Trag%C3%B6die-amerikanischen-Paperback/dp/3406787835?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=GVBA1VS3M5VW&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9._A2qUeISHcqBRAbUwSLFUnoEvdsImUEmhmN-AekAQAPNjYLlxx3923f2UzzlBi7SEZf8Eq0s_SRWK4ddHKSh9RTjvOzzBo-PdC2t4fYhmuQlNvXidafPpvGJX0ndko3sWnyLIbKgx2kMB6JQF2IWElEfCVsPgWCjY_BNMIGAsDRRI9-Pk3RfWkl4UOZhCJncQcF30BwtkzZSr_tIYJli7YfGLh8-i08qzUV2R2uhGhs.zpK-7K7q-X0tPzAVcEZoeV9NphlzS5t0NhNj56U7cA8&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Marc+Frey%3A+Geschichte+des+Vietnamkriegs&amp;qid=1762234310&amp;sprefix=marc+frey+geschichte+des+vietnamkriegs%2Caps%2C307&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=166f1512120b9f31edef189dc8ec2a0b&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl"> <em>Geschichte des Vietnamkriegs</em></a>. München 2022.</strong>*<br>Gut lesbare und quellengestützte Einführung in Ursachen, Verlauf und internationale Verflechtung des Konflikts.</li>



<li><strong>David L. Anderson (Hg.): <em><a href="https://www.amazon.de/Columbia-History-Vietnam-War-English-ebook/dp/B0064CZ0DU?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.8uZoR0hUH28tx93rswMEa7mTKX2p580ucLNgsTBimi5qTOZi2KeauOvEbt4P593ufxzFxwSv8UG11Qwm77Xo9lCAUflO0CIDZGOn7pfQwjFPjGI2bM5xMNpOy27k5N4VNYVLdvrknNdppVhOC0_EYhnT-IJAzhl49azNgUxLWwKcrclCpZ_AtPJGhfRYOOLPM7An7xrIjnCKGuu-adBHmuIUkwIueknfMgE65MhVKLM.JwSLyDBva2tB1ypImVeMLPc5f0VeBmLHKBanbC6eJ-w&amp;dib_tag=se&amp;keywords=The+Columbia+History+of+the+Vietnam+War&amp;qid=1762234583&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=541a1e089bfe2d68e233e6f5e2489ded&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">The Columbia History of the Vietnam War</a></em>. New York 2010.</strong>*<br>Umfassender Sammelband mit Beiträgen zu militärischer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Dimension.</li>



<li><strong>Bernd Greiner: <em><a href="https://www.amazon.de/Krieg-ohne-Fronten-Die-Vietnam/dp/3868542078?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=F1J2DVWDT2B&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7eZNGNq63CMoARsSOMAGZhIxNwwoMe9q0D-CtNia4RzEF9apvtuDT827Pskdc8_4stccruov9HgMGJtrXQLyFmiiRB1BsHIZ6OUuWAJTvvYPd2OjZbskCxLzYJC_YZQFZwwz34U5cn0bc8mkRSrBuVZDZ58bpFvTAQGIM4PdV85fK10sm8c9SGZRsdw9RQZLbwiW-eAn-EPq7FtydLE8G817X1Bh5nEkJ_d2hRuRyGg.q8sMUG0XhU5XePW-KcYX5UDQEu5bvvuDJwTYPTXVjnM&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Krieg+ohne+Fronten.+Die+USA+in+Vietnam&amp;qid=1762234621&amp;sprefix=the+columbia+history+of+the+vietnam+war%2Caps%2C486&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=366cce6220356ed255fc9df2f2f050b6&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam</a></em>. Hamburg 2009.</strong>*<br>Analytisch fundierte Studie zur Kriegsführung, Kriegsverbrechen, Eskalationslogik und Gewaltpraxis der US-Armee.</li>



<li><strong>Edwin E. Moïse: <em><a href="https://www.amazon.de/Tonkin-Gulf-Escalation-Vietnam-Revised/dp/1682474240?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.3nsVmWFofNQiBrNDtbmALZtadR6U_B1U5dGIhW6igeAaolaJ807CMiXTzYfBS4G0Q5zn7IOqMBpfcGCvY3NGYIS5HflFg-Isj1eHURo8-Q_XdVkNWqN5JBrleYmaY7RAkDI-ek3k1WLfjBsEFJA5b-olhaxQBUi1KIs_qX0qJcw5P93NbXaRBqwCanBg3Tfa0RJzRgadkbS8oi9__6PHdA.yuD73WcsY3nmu2Hf0O2GfqqQrUHQKkdHauI0Da3vaKY&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Tonkin+Gulf+and+the+Escalation+of+the+Vietnam+War&amp;qid=1762234646&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=439df51b835855d6317ab44fe4c384f8&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Tonkin Gulf and the Escalation of the Vietnam War</a></em>. Chapel Hill 2019.</strong>*<br>Detaillierte Rekonstruktion des Golf-von-Tonkin-Zwischenfalls und der politischen Folgen.</li>



<li><strong>Howard <a href="Jones: Death of a Generation">Jones: </a><em><a href="https://www.amazon.de/Death-Generation-Assassinations-Prolonged-Vietnam/dp/0195176057?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1ZEF09FHXASER&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.Jt_Bnf_m_RxFsA7ndDHR0p69yVLxr8X9iUHBPyAJcamErjpxat_I_zP55BLQOCmHbeklcd-bzpA7hdZf_lQNnV4dZcI14SIPtYlF3XIzhvMyKR1oI2oztTQDsGsA7L7wxySnlzl8yX00q7QB9vP1HvGTX2yWEyh-Po6zuXUoNbLQwDFHxCpJ4NT9RgI_pTXpMYiMmdznTV3ggVFhn8n2_-PTexReRaWWf4jQ2a0HEr8.9L9MF2Zft3tD4lrfzVJ5MgOnWCExQeAjnyNRIINA94g&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Jones%3A+Death+of+a+Generation&amp;qid=1762234736&amp;sprefix=jones+death+of+a+generation%2Caps%2C352&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=5c6b20f15985871dd383098630f1ccdc&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Death of a Generation. How the Assassinations of Diem and JFK Prolonged the Vietnam Wa</a>r</em>. Oxford 2003.</strong>*<br>Untersuchung der politischen Hintergründe und Auswirkungen der Ermordungen von Ngô Đình Diệm und John F. Kennedy.</li>



<li><strong>Stanley Karnow: <em><a href="https://www.amazon.de/Vietnam-History-Stanley-Karnow/dp/0140265473?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=3I8R7DC96DT2D&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.dJjY9aBq1uptpXB5IovULLwo_nAUB6OE_GeIGFC826S-esnAlyYKEVj8_zjCcuEnTgtJcEfmpbzdUpfamKtN3k2pSDkjMpDPUybTW7jSSo_Wa8V5A2JSmOs-eT46v1q007rhEKT3kiqI5XfRac9gRjvSS1t2O5pobNVQdhjxmfJINQzZNIudI8L0ObIkjRJgBasanS58uQbVthoQfsS12vLSdWLXI1KjCnk82TbuwTw.y6-R2eA4xC7nZNvtRzhJKdpwVahHXn-fvtv1_JU_EJU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Karnow%3A+Vietnam.+A+History&amp;qid=1762234788&amp;sprefix=karnow+vietnam.+a+history%2Caps%2C307&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=suedostasie01-21&amp;linkId=961e4f4d7c6a741c6ec3e4af3dba934c&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Vietnam. A History</a></em>. New York 1997.</strong>*<br>Klassiker der Vietnam-Literatur, journalistisch geschrieben, aber sorgfältig recherchiert und mit großem Quellenwert.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p>Titel: Helikopter in Vietnam, 1966.</p>



<p>Alle Bilder gemeinfrei oder eigene Aufnahmen.</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="ed5444d2-d9ff-4162-8e8a-dc4aab4e07a1">Die Opferschätzung ist ein schwieriges Unterfangen und die Zahlen sind mit Vorsicht zu behandeln. Ein Artikel zu den Hintergründen dieser Problematik findet sich hier: <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/theorie/wie-viele-starben-wirklich-probleme-der-opferzaehlung/">Wie viele starben wirklich &#8211; Probleme der Opferzählung</a> <a href="#ed5444d2-d9ff-4162-8e8a-dc4aab4e07a1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cc500b0c-8740-4071-85e3-993be8b69860">Der Begriff „Sihanouk Trail“ bezeichnet ein weniger bekanntes, aber bedeutendes logistisches Netz, das in den späten 1960er-Jahren den Hafen von Sihanoukville mit Frontstellungen im Süden Vietnams verband. Es wurde insbesondere für Waffenlieferungen über den Seeweg genutzt und ergänzte den bekannteren Ho-Chi-Minh-Pfad durch Laos. <a href="#cc500b0c-8740-4071-85e3-993be8b69860-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/vietnam/worum-ging-es-im-vietnamkrieg/">Worum ging es im Vietnamkrieg? – Ein Überblick</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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		<item>
		<title>Die US-Strategie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Apr 2025 17:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Geheime Diplomatie und Machtspiele - Indonesien im Kalten Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Indonesien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Truman-Doktrin und der Beginn des Kalten Krieges Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 5 Die US-Außenpolitik in der Sukarno-Zeit stand im Zeichen des Kalten Krieges. &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/zeitgeschichte/5-die-us-strategie-in-indonesien/">Die US-Strategie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
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<h5 class="wp-block-heading">Die Truman-Doktrin und der Beginn des Kalten Krieges</h5>



<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 5</a></p>



<p>Die US-Außenpolitik in der Sukarno-Zeit stand im Zeichen des Kalten Krieges. Am 12. März 1947 hielt Präsident Harry S. Truman eine Rede, die als Truman-Doktrin in die Geschichte einging und die nachfolgenden Jahrzehnte prägen sollte.</p>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div></figure>



<p>Truman stellte zwei Lebensweisen gegenüber:</p>



<p>Die erste zeichnet sich aus durch freie Institutionen, repräsentative Regierung, freie Wahlen, Garantie der individuellen Freiheit, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Freiheit vor politischer Repression.</p>



<p>Die zweite ist geprägt vom Willen einer Minderheit, die dieser der Mehrheit aufzwingt. Sie stützt sich auf Unterdrückung, Zensur und fehlende Freiheiten. Die Wahlen sind manipuliert.</p>



<p>Truman nahm Stellung dazu, wie sich die USA in dieser Situation verhalten müssten: </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="237" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/Special_Message_to_Congress_on_Greece_and_Turkey_The_Truman_Doctrine-300x237.jpg" alt="" class="wp-image-1533" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/Special_Message_to_Congress_on_Greece_and_Turkey_The_Truman_Doctrine-300x237.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/Special_Message_to_Congress_on_Greece_and_Turkey_The_Truman_Doctrine-768x606.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/Special_Message_to_Congress_on_Greece_and_Turkey_The_Truman_Doctrine.jpg 795w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Harry S. Trueman bei der Rede vor dem Kongress</figcaption></figure>
</div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ich glaube, dass es die Politik der Vereinigten Staaten sein muss, freie Völker zu unterstützen, die sich der versuchten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widersetzen.&#8220;<sup data-fn="5dd1b71c-6313-44ac-9e5c-d9ba80da28f0" class="fn"><a id="5dd1b71c-6313-44ac-9e5c-d9ba80da28f0-link" href="#5dd1b71c-6313-44ac-9e5c-d9ba80da28f0">1</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Dies bedeutete das Ende der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und den Beginn des Kalten Krieges.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die Containment-Politik und George F. Kennan</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="214" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1459px-George_F._Kennan_1947-214x300.jpg" alt="" class="wp-image-1536" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1459px-George_F._Kennan_1947-214x300.jpg 214w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1459px-George_F._Kennan_1947-730x1024.jpg 730w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1459px-George_F._Kennan_1947-768x1078.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1459px-George_F._Kennan_1947-1095x1536.jpg 1095w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/01/1459px-George_F._Kennan_1947.jpg 1140w" sizes="auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px" /><figcaption class="wp-element-caption">George F. Kennan, 1947</figcaption></figure>
</div>


<p>Ein Mittel, die Ansprüche der Truman-Doktrin umzusetzen, war die Containment-Politik, die ebenfalls 1947 von dem Diplomaten und Berater des Außenministeriums, <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/george-f-kennan/">George F. Kennan</a>, formuliert wurde.</p>



<p>Er war ein Gegner eines politischen Universalismus, der davon ausging, dass Menschen prinzipiell auf gleiche Art reagieren. Er sah eine Welt voller Vielfalt und die USA als nicht stark genug, allen feindseligen und verantwortungslosen Kräften allein entgegenzutreten.</p>



<p>Für Kennan waren Friedensbestrebungen nicht per se das Mittel der ersten Wahl, denn das Konzept dahinter sei nicht umsetzbar, und die Pazifisten sah er als Tagträumer. Krieg sei nötig, um den Status quo aufzubrechen und damit langfristig Besserungen einzuleiten.</p>



<p>Der Verzicht auf militärische Eingriffe würde die amerikanische Einflussnahme verringern und damit auch die weltweite Sicherheit und Stabilität gefährden.</p>



<p>Kennan konkretisierte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„So unangenehm dies auch sein mag, müssen wir uns möglicherweise der Tatsache stellen, dass es Fälle geben kann, in denen Gewalt irgendwo in der Welt in begrenztem Umfang wünschenswerter ist als die Alternativen, weil diese Alternativen globale Kriege wären, in die wir selbst verwickelt wären, in denen niemand gewinnen würde und in denen die gesamte Zivilisation mit hinuntergezogen würde. Ich denke, wir müssen uns der Tatsache stellen, dass es Friedensregelungen geben kann, die für die Sicherheit dieses Landes weniger akzeptabel sind als isolierte Gewaltausbrüche.&#8220;<sup data-fn="3d520140-7a4b-43bc-8aa9-9d91c9fd297f" class="fn"><a id="3d520140-7a4b-43bc-8aa9-9d91c9fd297f-link" href="#3d520140-7a4b-43bc-8aa9-9d91c9fd297f">2</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Um das zu verhindern, sollte ein partikulärer Ansatz gewählt werden. Es sollte ein Gleichgewicht unter den feindseligen und unzuverlässigen Kräften der Welt geben, und wenn nötig sollten sie gegeneinander ausgespielt werden. So könnten Intoleranz, Gewalt und Fanatismus dieser Staaten gegeneinander gerichtet werden, statt gegen die USA.</p>



<p>Ein Jahr später schrieb George F. Kennan, dass es in Gebieten, wo man es nicht zulassen könne, dass sie in feindliche Hände fielen, die dortigen politischen Regime aufrechterhalten werden sollten. In seinem ersten Entwurf zählte er zu diesen relevanten Gebieten die Länder der Atlantischen Gemeinschaft: wie Westeuropa, Kanada und Westafrika, sowie den Mitelmeerraum einschließlich des Nahen Ostens, Irans, Japans und der Philippinen.</p>



<p>Kennan glaubte, dass die US-Demokratie nicht eine komplet demokratische Welt benötigte. Wenn aber die Demokratie allein in einer Welt von totalitären Staaten wäre, könnte sie das nicht überstehen – denn in jedem von uns sei im tiefsten Inneren ein kleines Stück Totalitarismus vergraben.</p>



<p>Sein Konzept diente nicht nur den Sicherheitsinteressen, sondern auch der Zugang zu industriellen Zentren und Rohstoffen sollte gesichert und militärische Stützpunkte sollten weltweit eingerichtet werden.</p>



<p>Der größte potenzielle Gegner war die Sowjetunion. Nur sie war feindlich und stark genug, den Amerikanern entgegenzutreten. Kennan vermutete eine Antipathie der Russen aufgrund historischer und ideologischer Gründe gegenüber dem Westen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die bipolare Welt und das Wettrüsten</h5>



<p>Die nachfolgenden Jahre entwickelten sich in der von Kennan vorgestellten Weise. Es bildeten sich zwei große Blöcke in der Weltpolitik heraus: der Westen und die Sowjetunion mit ihren Satellitenstaaten.</p>



<p>Im „Westen&#8220;, bestehend hauptsächlich aus den USA und den Ländern Westeuropas, begann sich eine Demokratie mit Marktwirtschaft zu entwickeln, während im „Osten&#8220;, angeführt von der Sowjetunion, eine kommunistische, zentralisierte Wirtschaftsform vorherrschend war.</p>



<p>1949 wurde die North Atlantic Treaty Organization (NATO) gegründet, eine militärische Allianz zwischen den USA, Kanada und mehreren Ländern Westeuropas.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/NATO_vs._Warsaw_Pact_1949-1990.svg_-300x300.png" alt="" class="wp-image-1620" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/NATO_vs._Warsaw_Pact_1949-1990.svg_-300x300.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/NATO_vs._Warsaw_Pact_1949-1990.svg_-150x150.png 150w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/NATO_vs._Warsaw_Pact_1949-1990.svg_.png 768w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">NATO- und Warschauer-Pakt-Staaten</figcaption></figure>
</div>


<p>Kennan selbst äußerte sich kritisch zur NATO-Gründung und bemängelte, dass die Containment-Doktrin zunehmend militarisiert und fehlinterpretiert wurde. In späteren Jahren distanzierte er sich von der militärischen Auslegung seiner Strategie und betonte, dass er ursprünglich einen vorwiegend politischen und wirtschaftlichen Ansatz im Sinn gehabt hatte.</p>



<p>1952 traten die Türkei und Griechenland der NATO bei, 1955 die Bundesrepublik Deutschland. Die Schlagkraft der Organisation lag in ihrer Vereinbarung, dass ein Angriff auf eines der Mitglieder als Angriff auf alle gewertet werden würde.</p>



<p>Im Jahr 1955, als Reaktion auf die Gründung der NATO und die Wiederbewaffnung Westdeutschlands, gründete die Sowjetunion zusammen mit ihren Satellitenstaaten in Osteuropa den Warschauer Pakt. Dieser bestand aus acht Ländern: Albanien, Bulgarien, Tschechoslowakei, Ungarn, Polen, Rumänien, der Sowjetunion und der Deutschen Demokratischen Republik. Der Pakt war eine formalisierte militärische Allianz, die eine gemeinsame Verteidigungsstrategie gegen die &#8222;kapitalistischen&#8220; Länder des Westens und deren Allianz, die NATO, verfolgte.</p>



<p>So hatten sich bis Mitte der 1950er-Jahre die beiden Blöcke formiert, die bis 1991 die Weltpolitik prägen sollten. Die Strategien aus der Vor-Weltkriegszeit, in der die großen Mächte darauf bedacht waren, ein Machtgleichgewicht anzustreben, waren damit antiquiert. Kissinger beschreibt die Konsequenz folgendermaßen: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„In einer Welt mit zwei Mächten kann es keine Vorstellung geben, dass Konflikt zum Gemeinwohl führt; jeder Gewinn für die eine Seite ist ein Verlust für die andere.&#8220;<sup data-fn="fbc209d3-8c12-47e9-bd32-d52696b0fda0" class="fn"><a href="#fbc209d3-8c12-47e9-bd32-d52696b0fda0" id="fbc209d3-8c12-47e9-bd32-d52696b0fda0-link">3</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Neben diesen beiden Blöcken gab es noch eine Reihe weiterer Staaten, die sich teilweise eigenständig organisierten, wie etwa die Bewegung der blockfreien Staaten. Diese Länder lagen vor allem im globalen Süden und wurden häufiger Schauplatz für ein Kräftemessen der Supermächte.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die Rolle der „Domino-Theorie“ und Südostasien</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="240" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Dwight_D._Eisenhower_official_photo_portrait_May_29_1959-1-240x300.jpg" alt="" class="wp-image-1622" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Dwight_D._Eisenhower_official_photo_portrait_May_29_1959-1-240x300.jpg 240w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Dwight_D._Eisenhower_official_photo_portrait_May_29_1959-1-820x1024.jpg 820w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Dwight_D._Eisenhower_official_photo_portrait_May_29_1959-1-768x959.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Dwight_D._Eisenhower_official_photo_portrait_May_29_1959-1-1230x1536.jpg 1230w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Dwight_D._Eisenhower_official_photo_portrait_May_29_1959-1-1640x2048.jpg 1640w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Dwight_D._Eisenhower_official_photo_portrait_May_29_1959-1-scaled.jpg 1281w" sizes="auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dwigt D. Eisenhower, 1959</figcaption></figure>
</div>


<p>Die Interventionen in diesen Ländern wurden durch geopolitische Spekulationen begründet. Im Jahr 1954 prägte der US-Präsident <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/dwight-d-eisenhower/">Dwight D. Eisenhower</a> den Begriff der „<a href="https://www.imperien-und-inseln.de/beitraege/die-dominofalle-wie-sich-amerika-selbst-in-den-vietnamkrieg-dachte/">Domino-Theorie</a>“.</p>



<p>Diese Theorie stellt eine politische Hypothese dar, die besagt, dass wenn ein Staat in einer bestimmten Region dem Kommunismus verfällt, es wahrscheinlich sei, dass umliegende Staaten dem gleichen Pfad folgen könnten.</p>



<p>Eisenhower brachte diese Theorie in Bezug auf Vietnam zur Sprache, in dem Kontext, dass wenn Vietnam kommunistisch würde, andere Staaten in Südostasien ebenfalls dem Kommunismus anheimfallen könnten.</p>



<p>Diese Theorie fand weite Akzeptanz in der amerikanischen Politik und trug dazu bei, die US-Außenpolitik während des Kalten Krieges zu prägen. Sie birgt allerdings auch ein potenzielles Risiko: Durch die Annahme, dass selbst kleine politische Veränderungen in einem Land einen Dominoeffekt auslösen und damit den gesamten regionalen Status quo gefährden könnten, bot die Theorie eine Rechtfertigung für tiefgreifende und oft aggressive Interventionen. Dies könnte dazu führen, dass selbst kleine Konflikte als bedrohlich für die Interessen der USA angesehen und dementsprechend mit starken militärischen oder politischen Maßnahmen beantwortet werden.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Die SEATO und die Herausforderung der Blockfreien</h5>



<p>Um in Südostasien eine Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern, wurde 1954 nach dem Vorbild der NATO die südostasiatische Vertragsgemeinschaft SEATO gegründet. Neben den asiatischen Ländern Pakistan, Philippinen und Thailand unterzeichneten Australien, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland und die Vereinigten Staaten ebenfalls den Vertrag.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="520" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Map_of_SEATO_member_countries_-_de.svg_.png" alt="" class="wp-image-1623" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Map_of_SEATO_member_countries_-_de.svg_.png 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Map_of_SEATO_member_countries_-_de.svg_-300x152.png 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/04/Map_of_SEATO_member_countries_-_de.svg_-768x390.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p>Allerdings war die Organisation nicht so stabil wie das nordatlantische Gegenstück, weil es unter den Mitgliedern stärkere Streitigkeiten gab. Daher zerfiel das Bündnis lange vor Ende des Kalten Krieges: 1972 trat Pakistan aus, 1975 Frankreich, die Philippinen und Thailand. 1977 wurde die SEATO aufgelöst.</p>



<p>Der Politikwissenschaftler Vu und die Historikerin Wongsurawat sehen in konkurrierenden Organisationen in Asien einen Grund für das Scheitern der SEATO. Besonders die auf Sukarnos Initiative erstarkte Bewegung der blockfreien Staaten erschwerten beiden Supermächten und ihren Verbündeten in der Region Einfluss zu gewinnen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="5dd1b71c-6313-44ac-9e5c-d9ba80da28f0"> <a href="https://www.archives.gov/milestone-documents/truman-doctrine#:~:text=President%20Truman%20declared%2C%20%22It%20must,and%20enduring%20bipartisan%20Cold%20War">Transkript in den National Archives</a>: „I believe that it must be the policy of the United States to support free peoples who are resisting attempted subjugation by armed minorities or by outside pressures.&#8220; <a href="#5dd1b71c-6313-44ac-9e5c-d9ba80da28f0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="3d520140-7a4b-43bc-8aa9-9d91c9fd297f">Gaddis, John Lewis (2005): Strategies of containment, S. 27: „Unpleasant as this may be, we may have to face up to the fact that there may be instances where violence somewhere in the world on a limited scale is more desirable than the alternatives, because those alternatives would be global wars in which we ourselves would be involved, in which no one would win, and in which all civilization would be dragged down. I think we have to face the fact [that] there may be arrangements of peace less acceptable to the security of this country than isolated recurrences of violence.” <a href="#3d520140-7a4b-43bc-8aa9-9d91c9fd297f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="fbc209d3-8c12-47e9-bd32-d52696b0fda0">Kissinger, Henry (1995): Diplomacy, S. 22: „In a two-power world, there can be no pretense that conflict leads to the common good; any gain for one side is a loss for the other“. <a href="#fbc209d3-8c12-47e9-bd32-d52696b0fda0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p>Bildnachweis:<br>NATO-Warschauer-Pakt-Karte:  Wikimedia Commons, Discombobulates.<br>SEATO-Karte: Wikimedia Commons, Wikimedia Commons, Maximilian Dörrbecker.<br>Alle anderen Bilder Public Domain.</p>
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		<title>Die Dominofalle &#8211; wie sich Amerika in den Vietnamkrieg dachte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Dec 2024 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Kalte Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Dominosteine des Präsidenten Washington D.C., 7. April 1954. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus spricht Präsident Dwight D. Eisenhower über die Situation in Südostasien. Seine Worte werden die amerikanische &#8230; </p>
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<h5 class="wp-block-heading">Die Dominosteine des Präsidenten</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="242" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Dwight_D._Eisenhower_-_NARA_-_531434-242x300.jpg" alt="" class="wp-image-1342" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Dwight_D._Eisenhower_-_NARA_-_531434-242x300.jpg 242w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Dwight_D._Eisenhower_-_NARA_-_531434.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 242px) 100vw, 242px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dwight D. Eisenhower</figcaption></figure>
</div>


<p>Washington D.C., 7. April 1954. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus spricht Präsident Dwight D. Eisenhower über die Situation in Südostasien. Seine Worte werden die amerikanische Außenpolitik für Jahrzehnte prägen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Schließlich müssen wir die weiterreichenden Folgen betrachten, die sich aus dem ergeben könnten, was man das &#8218;Prinzip der fallenden Dominosteine&#8216; nennen könnte. Stellen Sie sich eine aufgestellte Reihe von Dominosteinen vor: Wenn Sie den ersten umstoßen, können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass der letzte sehr schnell fallen wird. Dies könnte der Beginn eines Zerfallsprozesses sein, der tiefgreifende Auswirkungen hätte.&#8220; (eigene Übersetzung)<sup data-fn="a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8" class="fn"><a id="a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8-link" href="#a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8">1</a></sup></p>
</blockquote>



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</div><figcaption class="wp-element-caption">Auch als Video auf Youtube verfügbar</figcaption></figure>



<p>Die Erfahrungen der 1930er Jahre hatten sich tief in das Denken der US-Führung eingebrannt. Wie Dominosteine, die einer nach dem anderen umfallen, so fürchtete man nun auch das Kippen ganzer Länder in den kommunistischen Machtbereich. Die gescheiterte Appeasement-Politik gegenüber Hitler und der daraus folgende Weltkrieg schienen eine eindeutige Lektion zu lehren: Aggression müsse früh gestoppt werden, bevor sie sich ausbreiten könne. Diese sogenannte „München-Analogie&#8220; prägte die amerikanische Außenpolitik nachhaltig. Sie führte zu der vereinfachenden Annahme, jede regionale Krise bedrohe automatisch die gesamte internationale Ordnung &#8211; ein Denkmuster, das auf Asien nicht übertragbar war.</p>


<div class="wp-block-image">
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</div>


<p>Doch Eisenhower führt in seiner Rede weiter aus: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Aber wenn wir zur möglichen Abfolge der Ereignisse kommen – dem Verlust von Indochina, Birma, Thailand, der Malaiischen Halbinsel und Indonesien –, sprechen wir über Gebiete, die nicht nur die Nachteile durch den Verlust von Rohstoffen und Rohstoffquellen vervielfachen, sondern auch über Millionen und Abermillionen von Menschen. Schließlich bringt die dadurch erreichte geografische Position zahlreiche Konsequenzen mit sich. Sie untergräbt die sogenannte Insel-Verteidigungskette von Japan, Formosa, den Philippinen und weiter südlich; sie rückt näher, um Australien und Neuseeland zu bedrohen.&#8220; (eigene Übersetzung)<sup data-fn="8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035" class="fn"><a id="8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035-link" href="#8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035">2</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Damit war die sogenannte &#8222;Domino-Theorie&#8220; geboren &#8211; ein außenpolitisches Konzept, das die USA in den Vietnamkrieg führen sollte. Wie konnte eine einfache Metapher solch weitreichende Konsequenzen haben? Und warum wirkte diese Theorie weiter, selbst als sich ihre Grundannahmen als falsch erwiesen?</p>



<p>Was Eisenhower an jenem Apriltag 1954 formulierte, entwickelte sich zu einer umfassenden außenpolitischen Doktrin. Der Politikwissenschaftler Jerome Slater hat in seiner Analyse von 1993<sup data-fn="cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546" class="fn"><a id="cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546-link" href="#cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546">3</a></sup> die Kernelemente dieser Theorie seziert und ihre Schwächen offengelegt:</p>



<!DOCTYPE html>
<html lang="de">
<head>
   <meta charset="UTF-8">
   <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
   <title>Die Dominotheorie &#8211; Grundannahmen</title>
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       <h2>Die vier Annahmen der Dominotheorie</h2>
       <ul class="annahmen">
           <li>
               <strong>Externe Steuerung</strong>
               Washington ging davon aus, dass Revolutionen in Südostasien nicht aus inneren Konflikten entstanden, sondern von außen gesteuert wurden. Die kommunistische Bewegung wurde als monolithischer Block gesehen, der vom Kreml oder Peking aus gelenkt wurde.
           </li>
           <li>
               <strong>Kettenreaktion</strong>
               Man nahm an, dass der Fall eines Landes automatisch zum Sturz der Nachbarländer führen würde – wie bei einer Reihe von Dominosteinen. Diese mechanistische Sicht der internationalen Beziehungen unterschätzte die Komplexität regionaler Politik dramatisch.
           </li>
           <li>
               <strong>Sofortiges Eingreifen</strong>
               Die US-Strategen glaubten, sie müssten sofort und entschieden eingreifen, sobald der erste „Dominostein&#8220; wackelte. Diese Überzeugung führte zu vorschnellen und oft überzogenen Reaktionen auf lokale Krisen.
           </li>
           <li>
               <strong>Existenzielle Bedrohung</strong>
               Es wurde angenommen, dass selbst der Verlust kleiner, strategisch unbedeutender Länder eine existenzielle Bedrohung für vitale amerikanische Interessen darstellte.
           </li>
       </ul>
   </div>
</body>
</html>



<h5 class="wp-block-heading">Faktencheck Vietnam</h5>



<p>Die Realität des Vietnamkonflikts widerlegte diese Annahmen Punkt für Punkt:</p>



<p>Der Bürgerkrieg im Süden entwickelte sich zunächst unabhängig von Hanoi. Erst als die USA ihr Engagement massiv verstärkten, intensivierte auch Nordvietnam seine Unterstützung für den Vietcong. &#8222;Die USA begannen 1950 in die internen Angelegenheiten Vietnams einzugreifen&#8220;, schreibt Slater, &#8222;und ihre Intervention weitete sich in den folgenden fünfzehn Jahren aus, bis sie 1965 zu einem vollwertigen militärischen Kampfeinsatz wurde.&#8220;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="215" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Ho_Chi_Minh_1946_and_signature-215x300.jpg" alt="" class="wp-image-1367" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Ho_Chi_Minh_1946_and_signature-215x300.jpg 215w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/Ho_Chi_Minh_1946_and_signature.jpg 381w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hồ Chí Minh, 1946.</figcaption></figure>
</div>


<p>Die vermeintliche Einheit des kommunistischen Blocks erwies sich als Illusion. China und die Sowjetunion waren tief zerstritten, und Vietnam verfolgte seine eigenen nationalen Interessen. Hồ Chí Minh, der sowohl die französische als auch die japanische Besatzung bekämpft hatte, war in erster Linie Nationalist. Schon 1946 brachte er seine Haltung gegenüber China unmissverständlich zum Ausdruck:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ihr Narren! Begreift ihr nicht, was es bedeutet, wenn die Chinesen bleiben? Erinnert ihr euch nicht an eure Geschichte? Das letzte Mal, als die Chinesen kamen, blieben sie tausend Jahre! Die Franzosen sind Fremde. Sie sind schwach. Der Kolonialismus stirbt aus. Die Franzosen mögen eine Weile bleiben, aber sie werden gehen müssen, denn der weiße Mann ist in Asien am Ende. Aber wenn die Chinesen jetzt bleiben, werden sie niemals wieder gehen. Was mich betrifft, ich ziehe es vor, fünf Jahre lang französischen Mist zu riechen, anstatt mein Leben lang chinesischen Mist zu essen.“ (eigene Übersetzung).<sup data-fn="9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360" class="fn"><a id="9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360-link" href="#9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360">4</a></sup></p>



<p></p>
</blockquote>



<p></p>



<h5 class="wp-block-heading">Die Kommunisten gewinnen den Krieg &#8211; keine weiteren Dominosteine fallen</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-1348" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-768x1024.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-1152x1536.jpg 1152w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-1536x2048.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_095021-1-scaled.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></figure>
</div>


<p>Die Widerlegung der Dominotheorie lieferte die Geschichte selbst. Als Saigon am 30. April 1975 fiel, schien sich zunächst der schlimmste Albtraum der US-Strategen zu bewahrheiten. Laos und Kambodscha, die vor der Unabhängigkeit wie Vietnam zu Französisch-Indochina gehörten, gerieten tatsächlich unter kommunistische Kontrolle. Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Die Dominosteine fielen nicht weiter.</p>



<p>Im Gegenteil: Die nicht-kommunistischen Staaten Südostasiens gingen gestärkt aus der Krise hervor. Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien und die Philippinen erlebten in den folgenden Jahren einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. </p>



<p>Noch überraschender war, was im kommunistischen Lager geschah. Statt sich zu einem machtvollen Block zusammenzuschließen, zerstritten sich die vermeintlichen Verbündeten. 1979 marschierte Vietnam in Kambodscha ein, um das Regime der Roten Khmer zu stürzen. China reagierte mit einer &#8222;Strafaktion&#8220; gegen Vietnam. </p>



<p>Hier zeigt sich die zu starke Vereinfachung der Dominotheorie. Die verschiedenen Bedingungen in den asiatischen Ländern bedürften eine differenzierte Betrachtung &#8211; die Gefahr, dass ein Land &#8222;kippt&#8220;, und die potentiellen Auswirkungen auf den Westen, war unterschiedlich hoch. Die wahrscheinlichsten Dominoeffekte – etwa in Laos und Kambodscha – waren für die USA am wenigsten bedrohlich. Die wirklich gefährlichen Szenarien, wie eine kommunistische Machtübernahme in Japan, waren hingegen höchst unwahrscheinlich.</p>



<p>&#8222;Die Realität erwies sich als weitaus komplexer als die vereinfachende Metapher der Dominosteine&#8220;, resümiert Slater. Der Nationalismus erwies sich als stärkere Kraft als die kommunistische Ideologie. Die ASEAN-Staaten entwickelten erfolgreiche Strategien gegen kommunistische Infiltration. Und ausgerechnet Vietnam, der gefürchtete erste Dominostein, wurde zum Bollwerk gegen chinesische Expansionsbestrebungen in der Region.</p>



<p>Selbst wenn die Dominotheorie zugetroffen hätte &#8211; die amerikanischen Interessen wären kaum ernsthaft bedroht gewesen. Die wirtschaftliche Bedeutung Südostasiens für die USA war in den 1960er Jahren gering. Eine militärische Bedrohung des amerikanischen Festlands war selbst im Falle einer kommunistischen Machtübernahme unrealistisch.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-1345" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_20240318_094633-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto im War Remnants Museum Ho-Chi-Minh-City, 2024</figcaption></figure>
</div>


<p>Die wahren Kosten der Theorie waren immens: Über 58.000 gefallene US-Soldaten, geschätzte zwei Millionen tote Vietnamesen, ein gespaltenes Amerika und ein beschädigtes internationales Ansehen der Vereinigten Staaten. &#8222;Was auf dem Spiel stand&#8220;, so Slater, &#8222;war nicht die nationale Sicherheit Amerikas, sondern sein Selbstbild als globale Macht.&#8220;</p>



<h5 class="wp-block-heading">Das Erbe der Dominotheorie</h5>



<p>Die Dominotheorie wurde in den internen Strategiedebatten der US-Regierung kaum je grundsätzlich hinterfragt. Sie fungierte weniger als analytisches Werkzeug denn als Ideologie, die eine Politik des globalen Interventionismus legitimieren sollte. Selbst wenn alle ihre Annahmen zugetroffen hätten, wäre ein kommunistisches Südostasien keine existenzielle Bedrohung für die USA gewesen.</p>



<p>Die Dominotheorie als außenpolitische Doktrin mag ein Relikt des Kalten Krieges sein. Doch ihr Denkmuster ist auch im 21. Jahrhundert erstaunlich lebendig. &#8222;Die Gefahr liegt in der Vereinfachung komplexer internationaler Beziehungen&#8220;, warnt Slater in seiner Analyse. Komplexe regionale Konflikte werden in vereinfachende globale Bedrohungsszenarien übersetzt, die dann drastische Interventionen rechtfertigen sollen.</p>



<p>&#8222;Die Lektion Vietnams ist nicht, dass Interventionen immer falsch sind&#8220;, resümiert Slater. &#8222;Die Lektion ist, dass wir die Komplexität regionaler Konflikte ernst nehmen müssen.&#8220; Jede Situation erfordere eine differenzierte Analyse:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Welche lokalen Faktoren treiben den Konflikt?</li>



<li>Welche regionalen Dynamiken sind am Werk?</li>



<li>Sind vitale Interessen wirklich bedroht?</li>



<li>Gibt es Alternativen zur militärischen Intervention?</li>
</ul>



<p>Die Ironie der Geschichte: Heute ist Vietnam ein aufstrebender Wirtschaftspartner der USA und wichtiger Verbündeter in der Eindämmung chinesischen Einflusses in Südostasien. Die Dominosteine sind nicht gefallen &#8211; die Welt hat sich geändert, in einer Weise, die 1954 niemand vorhersehen konnte. Eine Lektion, die auch für heutige Krisenregionen gelten könnte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8">&#8222;Finally, you have broader considerations that might follow what you would call the ‘falling domino’ principle. You have a row of dominoes set up, you knock over the first one, and what will happen to the last one is the certainty that it will go over very quickly. So you could have a beginning of a disintegration that would have the most profound influences.&#8220;, The President&#8217;s News Conference&#8220;, 7. April 1954, in: Foreign Relations of the United States, 1952-1954, Indochina, Volume XIII, Part 1, Document 716. <a href="https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1952-54v13p1/d716">https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1952-54v13p1/d716</a> <a href="#a399b686-736b-49ee-a188-20c55272f9a8-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035">&#8222;But when we come to the possible sequence of events, the loss of Indochina, of Burma, of Thailand, of the Peninsula, and Indonesia following, now you begin to talk about areas that not only multiply the disadvantages that you would suffer through loss of materials, sources of materials, but now you are talking really about millions and millions and millions of people. Finally, the geographical position achieved thereby does many things. It turns the so-called island defensive chain of Japan, Formosa, of the Philippines and to the southward; it moves in to threaten Australia and New Zealand.&#8220;, The President&#8217;s News Conference&#8220;, 7. April 1954, in: Foreign Relations of the United States, 1952-1954, Indochina, Volume XIII, Part 1, Document 716. <a href="https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1952-54v13p1/d716">https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1952-54v13p1/d716</a> <a href="#8ab4c97f-693a-47d7-a2ca-85694fb40035-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546">Jerome Slater (1993) The Domino Theory and International Politics: The Case<br>of Vietnam, Security Studies, 3:2, 186-224, DOI: <a href="https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/09636419309347547">10.1080/09636419309347547 <span><a href="javascript:"><img decoding="async" identifier="10.1080/09636419309347547" identifiertype="1" title="Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt übernehmen" existsinproject="0" class="citavipicker" style="border: 0px none!important;width: 16px!important;height: 16px!important;margin-left:1px !important;margin-right:1px !important;" src="data:image/svg+xml;base64,PD94bWwgdmVyc2lvbj0iMS4wIiBlbmNvZGluZz0idXRmLTgiPz48IURPQ1RZUEUgc3ZnIFBVQkxJQyAiLS8vVzNDLy9EVEQgU1ZHIDEuMS8vRU4iICJodHRwOi8vd3d3LnczLm9yZy9HcmFwaGljcy9TVkcvMS4xL0RURC9zdmcxMS5kdGQiPjxzdmcgdmVyc2lvbj0iMS4xIiBpZD0iRWJlbmVfMSIgeG1sbnM9Imh0dHA6Ly93d3cudzMub3JnLzIwMDAvc3ZnIiB4bWxuczp4bGluaz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMTk5OS94bGluayIgeD0iMHB4IiB5PSIwcHgiIHdpZHRoPSIxNnB4IiBoZWlnaHQ9IjE2cHgiIHZpZXdCb3g9IjAgMCAxNiAxNiIgZW5hYmxlLWJhY2tncm91bmQ9Im5ldyAwIDAgMTYgMTYiIHhtbDpzcGFjZT0icHJlc2VydmUiPjxnPjxnPjxwYXRoIGZpbGw9IiNGRkZGRkYiIGQ9Ik04LjAwMSwxNS41QzMuODY0LDE1LjUsMC41LDEyLjEzNiwwLjUsOGMwLTQuMTM1LDMuMzY1LTcuNSw3LjUwMS03LjVTMTUuNSwzLjg2NCwxNS41LDhTMTIuMTM3LDE1LjUsOC4wMDEsMTUuNXoiLz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNOC4wMDEsMUMxMS44NiwxLDE1LDQuMTQxLDE1LDhzLTMuMTM5LDctNi45OTksN0M0LjE0LDE1LDEsMTEuODU5LDEsOFM0LjE0LDEsOC4wMDEsMSBNOC4wMDEsMEMzLjU4MiwwLDAsMy41ODIsMCw4czMuNTgyLDgsOC4wMDEsOEMxMi40MTgsMTYsMTYsMTIuNDE4LDE2LDhTMTIuNDE4LDAsOC4wMDEsMEw4LjAwMSwweiIvPjwvZz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNNi43NDUsMTIuNTg5Yy0wLjIyNywwLjEyMi0wLjQ5NywwLjI0Ny0wLjY4NCwwLjI0N2MtMC4zMTgsMC0wLjUwMS0wLjE2NC0wLjUwMS0wLjQ1MmMwLTAuMjA3LDAuMTQtMC4zNzUsMC41OTUtMC42MjJjMS41NDktMC45MDQsMi41OTQtMi4yNzIsMi41OTQtMy43MjFjMC0wLjgyNS0wLjIyNy0xLjExOS0wLjY4MS0xLjExOWMtMC4xMzUsMC0wLjMyLDAuMjE5LTAuNjM2LDAuMjE5SDcuMTU3QzYuMTAyLDcuMTQzLDUuMzMzLDYuMjY0LDUuMzMzLDUuMjNjMC0xLjE1MiwwLjk1OC0yLjAwNiwyLjI4LTIuMDA2YzEuNzc3LDAsMy4wNTMsMS4zNzMsMy4wNTMsMy40M0MxMC42NjYsOS4yMTUsOS4yMDMsMTEuMjcsNi43NDUsMTIuNTg5Ii8+PC9nPjwvc3ZnPg"></a></span></a> <a href="#cd81bbb9-5855-490f-86d1-fd2a2fdfd546-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360"><em>“</em>You fools! Don&#8217;t you realize what it means if the Chinese stay? Don&#8217;t you remember your history? The last time the Chinese came, they stayed one thousand years! The French are foreigners. They are weak. Colonialism is dying out. Nothing will be able to withstand world pressure for independence. They may stay for a while, but they will have to go because the white man is finished in Asia. But if the Chinese stay now, they will never leave.&#8220;As for me, I prefer to smell French shit for five years, rather than Chinese shit for the rest of my life.<em>”</em>, <a href="https://en.wikisource.org/wiki/United_States_%E2%80%93_Vietnam_Relations,_1945%E2%80%931967:_A_Study_Prepared_by_the_Department_of_Defense/I._C._Ho_Chi_Minh:_Asian_Tito%3F">Pentagon-Papers, Wikisource</a>. <a href="#9eacc7d8-4a76-4f53-8b1e-aebf354b8360-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


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		<title>Die neue Ordnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Dec 2024 06:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 4 Suhartos Machtübernahme und Sukarnos Tod Suharto übernahm die Macht in Indonesien. Die Amtsübernahme zog sich über drei Jahre hin, &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="https://www.imperien-und-inseln.de/category/indonesien_im_kalten_krieg">Geheime Diplomatie und Machtspiele &#8211; Indonesien im Kalten Krieg: Folge 4</a></p>



<h5 class="wp-block-heading">Suhartos Machtübernahme und Sukarnos Tod</h5>



<figure class="wp-block-embed alignright is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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<p>Suharto übernahm die Macht in Indonesien. Die Amtsübernahme zog sich über drei Jahre hin, da er die verfassungsrechtlichen Prozesse respektieren und Sukarno nicht mit Gewalt entfernen wollte. Am 27. März 1968 konnte er formal die Präsidentenrolle einnehmen.</p>



<p>Sukarno starb im darauffolgenden Jahr. Seinen Wunsch, im Garten seines Hauses in Batu Tulis begraben zu werden, lehnte Suharto ab – vielleicht um eine Pilgerstätte zu nah an Jakarta zu verhindern. Seine letzte Ruhestätte fand Sukarno daher im weit entfernten Blitar, neben dem Grab seiner Mutter.</p>



<p>Suharto sollte über drei Jahrzehnte die zentrale Figur Indonesiens bleiben. Anfangs musste er sich den drängendsten Problemen des Landes widmen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Zentralisierung und Repression: Suhartos Weg zur Machtfestigung</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="215" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968-215x300.png" alt="" class="wp-image-711" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968-215x300.png 215w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Official_portrait_of_Suharto_1968.png 429w" sizes="auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto, 1968</figcaption></figure>
</div>


<p>Die konkreten Schritte der neuen Regierung sollen hier in 3 wichtigen Feldern gezeigt werden: der politischen Konsolidierung, den internationalen Beziehungen und der wirtschaftlichen Entwicklung.</p>



<p>Um seine Macht zu festigen, setzte Suharto auf eine Ausweitung der Zwangsgewalt des Staates, vor allem durch den Aufbau der Sicherheitskräfte. Suharto gruppierte die Verwaltung um.</p>



<p>Bereits 1967 löste er die 4 Ministerien der Streitkräfte auf und stellte die Armee direkt unter seine Autorität. Sein Vorgänger Sukarno setzte auf Rivalität der unterschiedlichen Abteilungen, doch Suharto bevorzugte Zentralisierung.</p>



<p>Viele politische Posten, wie z. B. Provinzverwaltungen, wurden mit Militärs besetzt. Um absolute Loyalität zu erreichen, wurden gezielt Verantwortliche aus ihren Posten vertrieben. Das geschah teilweise auf harte Weise mit Anschuldigungen der PKI-Kooperation und Gefängnisstrafen oder vergleichsweise sanft, in Form einer verfrühten Pensionierung, von der 86 Generäle betroffen waren.</p>



<p>Ähnlich wie andere Autokraten, die durch Wahlen an Legitimität gewinnen wollen, konnte der indonesische Führer sich nicht allein auf Repression verlassen. Er musste zusätzlich andere Anreize bieten. Dazu bediente er sich der Kooperation mit der Elite und versuchte, die wirtschaftliche Performance zu steigern. In der gesamten Zeit der Herrschaft Suhartos sind diese 3 Aspekte wichtig.</p>



<p>Allerdings können für gewisse Phasen unterschiedliche Akzente ausgemacht werden. In der Konsolidierungsphase des Regimes war der Zwang das wichtigste Mittel. Die mittlere Phase der Suharto-Ära bot durch Öl-Booms eine neue Einnahmequelle, die dazu diente, die Eliten des Landes zufriedenzustellen. In der Endphase war es der wirtschaftliche Wachstum, der die Bevölkerung erreichen sollte.</p>



<p>Suharto selbst wandelte sich in dieser Zeit mit. Nach Abschluss seiner Militärkarriere Ende der 1970er Jahre suchte er Distanz zur Armee, kooperierte mit Mitgliedern der Oberschicht und wandte sich der Wirtschaft zu.</p>



<p>Ein wichtiges Legitimationsverfahren in der Anfangszeit Suhartos waren die Wahlen. Allerdings schwand deren Bedeutung mit der Zeit, und Ende der 1980er Jahre wurden sie zu einem leeren politischen Ritual.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="266" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-300x266.jpg" alt="" class="wp-image-723" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-300x266.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-1024x909.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37-768x681.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Indonesian_police_cars_Sekilas_Lintas_Kepolisian_Republik_Indonesia_p37.jpg 1411w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Die Bedenklichkeit des Suharto-Systems liegt vor allem in den Menschenrechtsverletzungen. Die Massaker in der Folgezeit des Putsches flachten zwar schnell ab, doch Unterdrückung und Gewalt gehörten bis zum Ende des Orde Baru dazu.</p>



<p>Viele Gewalttaten und Repressionen wurden von der indonesischen Führungsriege als politisches Mittel eingesetzt. Sie war allerdings nicht für sämtliche Verbrechen direkt verantwortlich, doch schuf sie die Bedingungen, die derartige Ereignisse begünstigten.</p>



<p>Eine besonders blutige Episode der Geschichte Indonesiens war die Invasion und Annexion Ost-Timors 1975/76. Die genaue Zahl der Opfer lässt sich auch hier nur schätzen. Ricklefs nennt die Zahl von 60.000 Opfern, was etwa 10 % der Bevölkerung dieser Region entsprochen hätte.</p>



<p>Eine der größten innenpolitischen Säuberungsaktionen fand Anfang der 1980er Jahre unter dem Akronym „Petrus“ statt, gebildet aus „Penembakan Misterius“ – übersetzt „Mysteriöse Schießereien“. Paramilitärs töteten Tausende von Menschen, die als Kriminelle gebrandmarkt wurden, in den großen Städten des Landes.</p>



<p>Oft waren es Minderheiten, die unter den Angriffen leiden mussten – besonders die Chinesen. Ein markantes Beispiel hierfür sind die Unruhen in Jakarta kurz vor dem Ende des Suharto-Regimes im Mai 1998. Dabei fielen viele Chinesen Gewalttaten zum Opfer.</p>



<p>Anti-chinesische Ressentiments ziehen sich durch die gesamte Zeit des Orde Baru. Ein wichtiger Grund war der Verdacht, dass die chinesische Diaspora mit den Kommunisten in der Volksrepublik sympathisierten und paktieren könnte. In der Suharto-Zeit war dies ein schwerwiegender Verdacht.</p>



<p>Der Anti-Kommunismus schlug sich auch in der Außenpolitik nieder. Die Jakarta-Beijing-Verbindung wurde bereits 1965 abgebrochen. In der nachfolgenden Zeit zog sich China aus Indonesien zurück und stellte die staatliche Nachrichtenagentur Xin Hua in Jakarta ein.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wirtschaftsreformen und die Rolle der „Berkeley Mafia“</h5>



<p>Die neue Regierung versuchte, die westlichen Wünsche in Bezug auf die internationale Ausrichtung zu erfüllen. Bereits 1966 trat Indonesien wieder in die Vereinten Nationen ein und die Konfrontation mit Malaysia wurde beendet. In anderen Ländern wurde das antikommunistische Engagement positiv aufgenommen, und die ersten Kredite flossen schnell.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="141" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front-300x141.jpg" alt="" class="wp-image-716" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front-300x141.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/640px-Series_B_1000_Yen_Bank_of_Japan_note_-_front.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Um die Anlaufprobleme im Mai 1966 gut zu überstehen, bot Japan der Suharto-Regierung einen Notfallkredit über 30 Millionen Dollar an. Die westlichen Staaten kamen Indonesien bei der Schuldentilgung entgegen. Im Gegenzug wurde ein Entgegenkommen Suhartos erwartet, der sich an die Maßstäbe des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank halten sollte.</p>



<p>Bei den wirtschaftlichen Reformen vertraute Suharto auf ein Expertenteam, das unter dem Namen „Berkeley Mafia“ bekannt wurde. Hierbei handelte es sich um eine Gruppe von Ökonomen, die ihre universitäre Ausbildung in den USA an der University of California, Berkeley, erhalten hatten.</p>



<p>In der Folge konnte Indonesien ein stattliches Wirtschaftswachstum verzeichnen. Die Stärke der Verantwortlichen war ein pragmatischer Ansatz. Der indonesische Ökonom Mohamad Sadli sprach davon, dass „Indonesian policy-makers often have the useful ability of being able to ‘muddle through’” – sie waren gut im „Sich-Durchwursteln“.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="201" height="300" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-201x300.jpg" alt="" class="wp-image-717" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-201x300.jpg 201w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-687x1024.jpg 687w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-768x1145.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped-1031x1536.jpg 1031w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/President_Suharto_1973_Cropped.jpg 1074w" sizes="auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto, 1973.</figcaption></figure>
</div>


<p>In der Zeit von 1965 bis 1980 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) alljährlich um durchschnittlich 7 %. Besonders die Produktion konnte mit einem jährlichen Wachstum von 12 % stark zulegen. Im Dienstleistungssektor verzeichnete man in diesem Zeitraum ein Wachstum von 7,3 % pro Jahr. Der Landwirtschaftssektor wuchs zwar mit 4,3 % relativ langsam, doch auch dieser Wert bedeutete eine deutliche Verbesserung der Lage.</p>



<p>Das lässt sich unter anderem an den Lebensmittelpreisen erkennen. Die Regierung sorgte für eine Erhöhung der Produktion in den 1970er- und 1980er-Jahren, indem sie eine breit angelegte ländliche Entwicklung ermöglichte und auf moderne Produktionstechnologie setzte.</p>



<p>Diese sinnvollen Reformen waren eine Folge der Reis-Krise im Jahr 1972. Südostasien erlitt in dieser Zeit eine ernsthafte Dürrephase – die Ernte war schlecht und das weltweite Angebot auf einem niedrigen Level. In der Folge stiegen die Weltmarktpreise für Reis stark an.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-721" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-300x225.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-1024x768.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-768x576.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-1536x1152.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-2048x1536.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Ladang_padi_darat_di_Bukit_Payung_Terengganu-scaled.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p>Besonders für die armen Teile der Bevölkerung sind stabile Lebensmittelpreise wichtig. Sie geben einen Großteil ihres Einkommens für Essen aus, und damit bedeuten niedrige Preissteigerungen eine geringe Inflation für diese Bevölkerungsgruppe.</p>



<p>Da die indonesische Administration zu dieser Zeit über kein effektives landwirtschaftliches Monitoring verfügte, wurde sie von dieser Entwicklung überrascht und konnte nicht effektiv reagieren. Diese Ereignisse waren ein Schock für die noch fragile Ökonomie des Landes und trafen vor allem die armen Schichten. Suharto erkannte die Gefahren, auch für die politische Stabilität, und setzte den Fokus auf eine gesicherte Nahrungsmittelversorgung, in deren Mittelpunkt der Reis stand.</p>



<p>Verbunden mit einem Familienplanungsprogramm, das dafür sorgte, dass das Bevölkerungswachstum moderat verlief, konnte das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der Suharto-Ära durchschnittlich um 4,7 % jährlich steigen.</p>



<p>Alles in allem konnte die absolute Armut stetig reduziert werden, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten.</p>



<p>Statistische Daten sind für die Periode von 1976 bis 1996 vorhanden.</p>



<p>In dieser Zeit sank die Anzahl der von absoluter Armut betroffenen Menschen von 40,1 % auf 11,3 %. Derartige Statistiken sind mit Vorsicht zu betrachten, doch ein derart großer Unterschied lässt eine deutliche Verbesserung der Situation realistisch erscheinen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Krise und Niedergang: Das Ende des Suharto-Regimes</h5>


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<figure class="alignright size-medium is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="229" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-300x229.jpg" alt="" class="wp-image-715" style="width:300px;height:auto" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-300x229.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-768x587.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17-290x220.jpg 290w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Brimob_M8_Greyhound_Empat_Setengah_Dasawarsa_Polri_p17.jpg 1004w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mobile Brigade der indonesischen Polizei, 1991</figcaption></figure>
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<p>Mit Beginn der 1990er Jahre war der indonesische Staat noch intakt, doch eine Reihe von Problemen Suhartos wurde erkennbar. In der Innenpolitik wurde deutlich, dass der zentrale Führer alt wurde und kein Konzept für eine geordnete Nachfolge entwickelt hatte. In der Außenpolitik wirkte sich das Ende des Kalten Krieges aus, da Indonesien für den Westen eine geringere politische Rolle spielte.</p>



<p>Auch die Wirtschaft geriet ins Wanken. Die indonesische Ökonomie litt unter den Auswirkungen der Asienkrise. Diese begann 1997 in Thailand und hatte besonders negative Auswirkungen auf die Länder Südostasiens.</p>



<p>Indonesien litt unter einer gigantischen Kapitalflucht, bei der geschätzte 150 Milliarden Dollar aus dem Land abflossen. Die Stabilität der Währung war gefährdet. Suharto versuchte, beim Volk Vertrauen in die Regierung und die Währung aufzubauen. Dennoch kam es ab Januar 1998 zu Panikkäufen. Der Präsident versuchte, mit Essensabgaben und Kampagnen den Vertrauensverfall aufzuhalten.</p>



<p>Seine Tochter Tutut tauschte während der „I Love the Rupiah“-Kampagne 50.000 US-Dollar in die einheimische Währung um.</p>


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<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="230" src="https://imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-300x230.jpg" alt="" class="wp-image-722" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-300x230.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-1024x787.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1-768x590.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2024/08/Soeharto_leaves_the_palace_The_DPR-RI_Stance_on_the_Reform_Process_and_the_Resignation_of_President_Soeharto_p56-1.jpg 1532w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Suharto verlässt den Palast</figcaption></figure>
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<p>Zu den wirtschaftlichen Problemen kamen gesellschaftliche hinzu. Als im Mai 1998 4 demonstrierende Studenten der Trisakti-Universität in Jakarta erschossen wurden, kam es zu großen Ausschreitungen. Allein in Jakarta starben mehr als 1.000 Menschen. Es gab Vergewaltigungen und Misshandlungen. 40 Shopping-Malls und Tausende von Geschäften wurden zerstört.</p>



<p>Suharto versuchte weiterhin, sein Amt zu halten, doch er hatte weder im Land noch außerhalb starke Fürsprecher. Am 21. Mai 1998 trat er zurück und das Orde Baru endete.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h3>



<p>Alle Bilder gemeinfrei.</p>



<p></p>
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