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	<title>1901 Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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		<title>Lambing Flat &#8211; Als der Hass auf den Goldfeldern in Gewalt umschlug</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 21:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Am 30. Juni 1861 zogen mehrere Tausend Menschen durch das Goldfeld von Lambing Flat in New South Wales. Über der Menge wehte ein Banner mit der Aufschrift „Roll Up – &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/australien/lambing-flat-als-der-hass-auf-den-goldfeldern-in-gewalt-umschlug/">Lambing Flat &#8211; Als der Hass auf den Goldfeldern in Gewalt umschlug</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 30. Juni 1861 zogen mehrere Tausend Menschen durch das Goldfeld von Lambing Flat in New South Wales. Über der Menge wehte ein Banner mit der Aufschrift „Roll Up – No Chinese“. Musiker spielten, Männer trugen Fahnen und viele hatten sich mit Knüppeln oder Werkzeugen bewaffnet. Ihr Ziel waren die Lager der chinesischen Goldsucher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Menge dort eintraf, begann die Gewalt. Zelte wurden niedergerissen, Habseligkeiten geraubt und Männer geschlagen. Angreifer schnitten chinesischen Goldsuchern ihre langen Zöpfe ab. Andere wurden aus dem Lager getrieben. Wer fliehen konnte, suchte Schutz außerhalb des Goldfeldes. Der Angriff vom 30. Juni bildete den Höhepunkt einer Reihe von Ausschreitungen, die Lambing Flat seit Monaten erschütterten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gold bei Lambing Flat</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Goldfunde bei Lambing Flat, dem späteren Young, hatten ab 1860 zahlreiche Menschen in das südliche New South Wales gelockt. Europäische und chinesische Diggers trafen dicht nacheinander ein. Wie zuvor in Victoria bildeten die chinesischen Männer Arbeitsgruppen und bearbeiteten ihre Claims gemeinsam sorgfältig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele europäische Diggers beobachteten diese Arbeitsweise mit wachsendem Argwohn. Auf einem Goldfeld konnten wenige Meter über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Ein Claim brachte vielleicht wochenlang kaum Ertrag, während eine benachbarte Gruppe Gold fand. Gerüchte verbreiteten sich schnell. Chinesischen Goldsuchern wurde vorgeworfen, besonders ergiebige Stellen zu besetzen oder bereits bearbeitete Flächen erfolgreicher auszuwaschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kamen die kulturellen Unterschiede, die bereits auf den Goldfeldern Victorias für Spannungen gesorgt hatten. Die chinesischen Männer lebten häufig in eigenen Lagern und regelten viele Angelegenheiten innerhalb ihrer Gemeinschaften. Ihre Kleidung und ihre Frisuren machten sie auf den Feldern sofort erkennbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Lambing Flat trafen diese Vorurteile auf eine Situation, in der viele Goldsucher um Claims und Einkommen konkurrierten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die ersten Vertreibungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits Ende 1860 kam es zu Übergriffen. Europäische Diggers versuchten, chinesische Goldsucher aus einzelnen Bereichen des Feldes zu vertreiben. Im Januar 1861 versammelten sich mehrere hundert Männer und zogen zu den chinesischen Lagern. Sie zerstörten Zelte und zwangen die Bewohner zur Flucht.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="292" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/LambingFlatRollUpBanner_reworked-292x300.jpg" alt="" class="wp-image-7988" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/LambingFlatRollUpBanner_reworked-292x300.jpg 292w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/LambingFlatRollUpBanner_reworked-767x789.jpg 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/LambingFlatRollUpBanner_reworked-996x1024.jpg 996w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/LambingFlatRollUpBanner_reworked.jpg 1408w" sizes="(max-width: 292px) 100vw, 292px" /><figcaption class="wp-element-caption">Banner von 1860/61</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Kolonialregierung in Sydney erhielt Berichte über die Ausschreitungen und entsandte Polizeikräfte. Einige chinesische Goldsucher kehrten daraufhin zurück. Die Ruhe hielt nur kurze Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Versammlungen verlangten europäische Diggers erneut die Entfernung der chinesischen Gruppen. Flugblätter und Banner machten aus dieser Forderung eine öffentliche Kampagne. Das bekannteste Banner trug die Worte „Roll Up – No Chinese“. Der Ausdruck „Roll Up“ war auf den Goldfeldern ein vertrauter Aufruf zur Versammlung. In Lambing Flat wurde daraus die Losung einer Bewegung, die Menschen nach ihrer Herkunft vom Goldfeld vertreiben wollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Konflikt mit der Regierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lage brachte auch die Behörden in Schwierigkeiten. Die Regierung von New South Wales wollte die Kontrolle behalten und chinesische Bewohner vor Angriffen schützen. Gleichzeitig besaß die Forderung nach einer Begrenzung chinesischer Einwanderung unter europäischen Schürfern beträchtlichen Rückhalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Polizisten versuchten, Versammlungen aufzulösen und Anführer festzunehmen. Damit richtete sich die Wut eines Teils der Diggers zunehmend gegen die Staatsgewalt. Die Erinnerung an die Lizenzkonflikte und Eureka war auf den australischen Goldfeldern noch frisch. Einige Teilnehmer stellten ihre Auseinandersetzung mit der Regierung in diese Tradition.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lage in Lambing Flat unterschied sich in einem entscheidenden Punkt von Eureka. Dort hatten Goldsucher gegen Gebühren, Polizeikontrollen und fehlende politische Mitsprache gekämpft. In Lambing Flat richtete sich die Mobilisierung vor allem gegen eine klar erkennbare Bevölkerungsgruppe. Die Forderung nach Rechten für die eigene Gruppe verband sich mit dem Versuch, chinesischen Goldsuchern den Zugang zu den Feldern zu verwehren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der 30. Juni 1861</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ende Juni spitzte sich die Lage weiter zu. Als sich die Tausenden Angreifer am 30. Juni in Bewegung setzten, zogen sie vom Sammelpunkt am Tipperary Gully zu den chinesischen Lagern bei Lambing Flat und Back Creek. Dort verwüstete die Menge die Lager und plünderte Vorräte sowie Gold.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein zentraler Akt der Demütigung war dabei das Abschneiden der Zöpfe. Unter der Qing-Dynastie trugen chinesische Männer den vorderen Teil des Kopfes rasiert und das übrige Haar zu einem langen Zopf gebunden. Die Frisur besaß damit eine politische und gesellschaftliche Bedeutung. Wer einem Mann gewaltsam den Zopf abschnitt, griff sichtbar in seine körperliche Erscheinung ein und setzte ihn öffentlich herab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Opfer flohen durch den Busch. Einige ließen nahezu ihren gesamten Besitz zurück. Die Gewalt zerstörte innerhalb weniger Stunden, was die Bewohner ihrer Lager über Monate aufgebaut hatten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Soldaten auf dem Goldfeld</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als die lokale Polizei einige mutmaßliche Beteiligte festnahm, kam es erneut zu Zusammenstößen. Bei einem Gefecht zwischen Diggers und Polizisten wurde ein Mann getötet, weitere wurden verletzt. Die Regierung reagierte nun mit größerer Härte: Ende Juli wurden Soldaten und Marinesoldaten nach Lambing Flat geschickt. Die bewaffnete Präsenz sollte weitere Angriffe verhindern und die Autorität der Kolonialregierung wiederherstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit hatte sich ein Streit um chinesische Goldsucher zu einer offenen Krise auf einem der wichtigsten Goldfelder von New South Wales entwickelt. Die Regierung konnte die chinesischen Bewohner zeitweise schützen. Ihre Rückkehr in die zerstörten Lager ließ die vorausgegangenen Monate jedoch nicht vergessen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer durfte auf den Goldfeldern bleiben?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausschreitungen von Lambing Flat zeigen, wie schnell sich die Gesellschaft des Goldrausches verändern konnte. Noch wenige Jahre zuvor hatten Diggers in Ballarat politische Mitsprache und eine gerechtere Behandlung durch die Behörden verlangt. Auf anderen Goldfeldern nutzten europäische Goldsucher nun ihre zahlenmäßige Stärke, um chinesische Konkurrenten zu vertreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Parlamente griffen die Forderungen nach Beschränkungen auf. New South Wales verabschiedete Ende 1861 Gesetze, die die chinesische Einwanderung erschwerten. Andere australische Kolonien hatten ähnliche Maßnahmen bereits eingeführt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="225" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Commemorative_plaque_for_the_Chinese_Gold_Miners_Memorial_Rookwood_Cemetery-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-7989" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Commemorative_plaque_for_the_Chinese_Gold_Miners_Memorial_Rookwood_Cemetery-225x300.jpg 225w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Commemorative_plaque_for_the_Chinese_Gold_Miners_Memorial_Rookwood_Cemetery-768x1024-1.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/09/Commemorative_plaque_for_the_Chinese_Gold_Miners_Memorial_Rookwood_Cemetery.jpg 960w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die chinesischen Gemeinden blieben jedoch ein fester Bestandteil Australiens. Viele Männer arbeiteten weiter auf den Goldfeldern, andere eröffneten Geschäfte oder bauten Gemüse für die wachsenden Städte an. Ihre Anwesenheit gehörte längst zum Alltag der Kolonien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lambing Flat hinterließ dennoch eine politische Spur. Die Forderung, Menschen anhand ihrer Herkunft den Zugang nach Australien zu erschweren, war inzwischen auf öffentlichen Versammlungen vertreten und in Gesetzen verankert worden. Vierzig Jahre später griff der neu gegründete australische Bundesstaat diesen politischen Kurs wieder auf. Mit dem Immigration Restriction Act von 1901 begann die Politik, die später unter dem Namen White Australia Policy bekannt wurde.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paul Sendziuk (2018):&nbsp;<a href="https://amzn.to/4c98vUJ">A History of South Australia</a>.*</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Lambing Flat, zur Zeit der Gewalttaten. Zeichnung von 1861.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gedenkstein: Wikimedia Commons, Luke Steward. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
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		<title>Die Vermessung Tibets – Sven Hedins Forschungsreise 1906 bis 1908</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 2025 12:00:00 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/die-vermessung-tibets-sven-hedins-forschungsreise-1906-bis-1908/">Die Vermessung Tibets – Sven Hedins Forschungsreise 1906 bis 1908</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Personen_Sven_Hedin.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tagesbeginn folgt einem festen Ablauf. Sven Hedin prüft Barometer und Kompass, bevor die Karawane aufbricht, lässt sich die Zahl der Tiere nennen und erkundigt sich nach Wasserstellen, die meist nur als ungefähre Richtungen bekannt sind. Der Weg führt über flaches Hochland, dann wieder bergan, vorbei an Salzseen, deren Ränder im Morgenlicht weiß schimmern. Am Horizont stehen die schwarzen Zelte von Nomaden, wenig später tauchen Reiter auf, bewaffnet und aufmerksam. Sie halten die Gruppe an, stellen Fragen, schicken Boten voraus. Für Hedin gehören diese Begegnungen ebenso zum Alltag wie das abendliche Zeichnen der Route, wenn er im Zelt Entfernungen überträgt und Höhen notiert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wege ins Hochland</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="207" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Sven_Hedin_1908-207x300.jpg" alt="" class="wp-image-6232" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Sven_Hedin_1908-207x300.jpg 207w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Sven_Hedin_1908-708x1024.jpg 708w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Sven_Hedin_1908-768x1111.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Sven_Hedin_1908-1062x1536.jpg 1062w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Sven_Hedin_1908-1416x2048.jpg 1416w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Sven_Hedin_1908-scaled.jpg 1106w" sizes="(max-width: 207px) 100vw, 207px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hedin im Himalaya, 1908</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Als Hedin um die Jahrhundertwende erneut nach Zentralasien aufbricht, richtet sich sein Blick gezielt auf Tibet. Frühere Reisen haben ihn durch das Tarimbecken, die Taklamakan und an den Lop Nor geführt. Nun will er das Hochland selbst durchqueren, Flussläufe klären und Gebirgszüge erfassen, die auf europäischen Karten nur angedeutet erscheinen. Bereits 1901 hatte er versucht, als Mongole verkleidet zur verbotenen Stadt Lhasa vorzudringen, wurde jedoch kurz vor dem Ziel entdeckt und abgewiesen. Auch während der großen Expedition von 1906 bis 1908 bleibt Lhasa für ihn unerreichbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen sucht Hedin nach Alternativen. Er nähert sich Tibet von Norden und Westen, nutzt Grenzräume und bewegt sich mit einer kleinen Karawane durch Gebiete, die nur saisonal begangen werden. Seine Aufzeichnungen zeigen einen Forscher, der den Weg aus dem Gelände heraus liest. Karten helfen nur begrenzt. Der Zustand des Bodens, die Lage von Schneegrenzen und der Verlauf von Tierpfaden bestimmen Richtung und Tempo. Mehrfach muss die Route geändert werden, weil Wasserstellen versiegt sind oder Tiere erschöpft zurückbleiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Begegnungen unterwegs</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reise verläuft selten unbeobachtet. Tibetische Beamte erscheinen an Lagern oder lassen Reiter vorausgehen, um Fragen zu stellen und Anweisungen zu übermitteln. Die Reiter notieren Namen und lassen Boten weiterziehen. Manchmal bleibt die Karawane stehen, bis eine Rückmeldung eintrifft, manchmal wird eine neue Route vorgegeben. Hedin beschreibt diese Situationen knapp. Er wartet, erklärt seine Ziele und setzt den Weg fort, sobald es möglich ist. Für den Fortgang der Reise bedeuten diese wiederkehrenden Abläufe Pausen, Umwege und Richtungswechsel.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alltag der Expedition</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="297" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/China_West_1906-08_Sven_Hedin-297x300.jpg" alt="" class="wp-image-6226" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/China_West_1906-08_Sven_Hedin-297x300.jpg 297w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/China_West_1906-08_Sven_Hedin-1013x1024.jpg 1013w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/China_West_1906-08_Sven_Hedin-768x776.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/China_West_1906-08_Sven_Hedin-1520x1536.jpg 1520w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/China_West_1906-08_Sven_Hedin-2026x2048.jpg 2026w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/China_West_1906-08_Sven_Hedin-scaled.jpg 1583w" sizes="auto, (max-width: 297px) 100vw, 297px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tibet-Karte, 1909</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der Alltag ist von körperlicher Anstrengung bestimmt. Höhen von oft über fünftausend Metern fordern Mensch und Tier. Hedin notiert Kopfschmerzen, Erschöpfung und Schlaflosigkeit, hält diese Beobachtungen jedoch kurz. Sein Interesse gilt den Messwerten. Barometrische Höhenbestimmungen, astronomische Ortsfixierungen und Skizzen der Umgebung füllen seine Tagebücher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Karawane besteht aus Kamelen, Yaks und einer kleinen Gruppe lokaler Begleiter. Sie kennen Wasserstellen, lesen Wetterzeichen und vermitteln bei Begegnungen. Ihre Arbeit entscheidet über das Vorankommen, bleibt in den veröffentlichten Berichten jedoch meist im Hintergrund. Namen tauchen auf, Tätigkeiten werden erwähnt, eine eigene Darstellung erhalten sie selten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Shigatse und Tashilhunpo</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="201" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/500px-Thubten_Choekyi_Nyima_9th_Panchen_Lama-201x300.jpg" alt="" class="wp-image-6230" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/500px-Thubten_Choekyi_Nyima_9th_Panchen_Lama-201x300.jpg 201w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/500px-Thubten_Choekyi_Nyima_9th_Panchen_Lama.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px" /><figcaption class="wp-element-caption">Panchen Lama, 1907</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Da ihm der Weg nach Lhasa endgültig versperrt bleibt, konzentriert sich Hedin 1907 auf Shigatse, das religiöse Zentrum Westtibets. Dort hält er sich im Umfeld des Klosters Tashilhunpo auf und wird vom Panchen Lama empfangen, den er in seinen Schilderungen als Tashi-Lama bezeichnet. Der Aufenthalt erfolgt unter Auflagen, Bewegungen werden begleitet, Begegnungen kommen über Vermittlung zustande. Hedin nimmt dabei eine Sonderrolle ein: einerseits unerwünschter Eindringling, andererseits Gast, dem der Panchen Lama mit einer Mischung aus Neugier und zeremonieller Höflichkeit begegnet. Hedin beschreibt das Kloster, religiöse Zeremonien und das Stadtbild, richtet seinen Blick auf Gebäude, Abläufe und sichtbare Zeichen religiöser Autorität. Die Begegnungen mit dem geistlichen Oberhaupt schildert er mit Faszination, nutzt aber zugleich die Gelegenheit, um Informationen über das Umland zu sammeln. In diesen Passagen fließen das heilige Tibet der Klöster und das wilde Tibet der unentdeckten Pässe in seinen Berichten zusammen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Karten und Ergebnisse</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der wissenschaftliche Ertrag der Reise liegt vor allem in der Kartographie. Hedin klärt den Verlauf mehrerer Flüsse, beschreibt Seen und ordnet Gebirgszüge, die später als Transhimalaya bekannt werden. Seine Karten beruhen auf systematischer Feldarbeit und sorgfältiger Auswertung der Messungen. Sie finden Eingang in Atlanten und bleiben über Jahre hinweg Referenz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesellschaftliche und politische Zusammenhänge treten in diesen Arbeiten kaum hervor. Der Raum steht im Mittelpunkt, nicht seine Geschichte oder seine sozialen Verhältnisse. Diese Gewichtung entspricht dem Selbstverständnis der damaligen Geographie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Einordnung aus heutiger Sicht</h3>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="193" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Hedin_im_WWI-193x300.jpg" alt="" class="wp-image-6228" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Hedin_im_WWI-193x300.jpg 193w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Hedin_im_WWI-658x1024.jpg 658w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Hedin_im_WWI-768x1196.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2025/12/Hedin_im_WWI.jpg 826w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hedin im 1. Weltkrieg an der deutschen Ostfront, 1916</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Aus heutiger Perspektive lassen sich Hedins Tibetreisen zeitlich und methodisch einordnen. Sie entstehen in einer Phase, in der geographische Forschung auf Vermessung, Beschreibung und Kartierung zielt. Hedin liefert dabei Daten von hoher Genauigkeit. Was er sieht, bestimmen die Routen, die ihm offenstehen – Wege, Pässe, Lager und die Orte, zu denen man ihn führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Ansehen Hedins belastet, da er wiederholt die Nähe politischer Führungen, darunter insbesondere des nationalsozialistischen Deutschlands, suchte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Sven Hedin (2001): <a href="https://amzn.to/4piifzs">Wildes, heiliges Tibet</a>.* Eine Auswahl aus dem Werk &#8222;Transhimalaya&#8220;, 1909.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Ximencuo, Tibet. Wikipedia Commons, Tenace10.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles gemeinfrei.</p>
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