In der frühen Periode Myanmars herrschte der Animismus vor (von lat. „anima“ – „Seele“, „Geist“, „Atem“), ein Glaubenssystem, das Ahnen-, Orts- und Naturgeister in den Mittelpunkt stellt. Während die Mon als früheste Hochkultur bereits ab der Mitte des 1. Jahrtausends den Theravada-Buddhismus mit seiner starken Eigenverantwortung für die Erlösung praktizierten, brachten die Bamar ab dem 9. Jahrhundert Einflüsse des Mahayana-Buddhismus aus China mit. In der Folge übernahmen die Bamar die Religion der Mon, behielten jedoch einzelne Gebräuche bei.
Der altüberlieferte Animismus überstand den Kontakt mit der Weltreligion – Geisterglaube und Buddhismus mischten sich. Noch heute nimmt der Animismus eine wichtige Stellung in der Gesellschaft ein. Die Geister werden „Nat“ (myanm. „Herr“) genannt und regeln in erster Linie den Alltag.
„37 Nats“
Es gibt zwei Arten von Nats: Die „kleineren“ Naturgeister und die wichtigeren „37 Nats“. Die Zahl 37 bildet dabei den offiziellen Kanon, der einst unter den Königen von Bagan festgelegt wurde; im Verlaufe der Geschichte gab es jedoch über hundert dieser Geister. Sie sollen historische Persönlichkeiten gewesen sein, die oftmals gewaltsam zu Tode kamen. Die Biografie der einzelnen Wesen fließt bei den Kulten ein. So wird bei der Ehrung des lebendig verbrannten Mahagiri-Nat auf alles verzichtet, was an Feuer erinnern könnte. Im Zusammenhang mit den muslimischen Nats, den Taungbyon-Brüdern, wird auf Schweinefleisch verzichtet.
Die Geister sind amoralisch. Doch sie können hilfreich sein und Haus und Dorf schützen. Sogar bei Prüfungen oder auf der Arbeit können sie eingreifen. Um den Nat wohlgesonnen zu halten, werden Opfergaben bereitet, die die unterschiedlichsten Formen annehmen können: Reis, Obst, Gemüse, Wasser, Figuren und Spielzeug sind dazu geeignet. Schwere Krankheiten und Katastrophen verlangen ausgeklügelte Rituale.
Feste
Den Nat zu Ehren werden Feste abgehalten, die nach Region und Geist unterschiedlich gestaltet werden. Bei einigen Feiern werden Trance-Tänze aufgeführt. Die Tänzerinnen versuchen sich in den Nat hineinzuversetzen und seine Lebensgeschichte nachzuvollziehen; teilweise scheinen sie sogar vom Geist besessen zu sein. Die Vollmondnacht im Dezember ist ein besonders beliebter Zeitpunkt zum Feiern. An vielen Orten Myanmars kommen Menschen dann zusammen, um den Nads zu opfern, zu tanzen und ihre Nähe zu suchen.

Literatur
Ludwig, Klemens (2009): Birma.*
Bildnachweis
Nats in der Shwezigon-Pagode in Nyaung-U, 2012.
Nats in Taungyi: Wikimedia Commons, Hintha.
