Der Bau des Gateway of India

Die Morgenluft über dem Hafen von Bombay war klar, als sich am 31. März 1913 einige Dutzend Gäste am Apollo Bunder versammelten. Aus den Schuppen der Fischer stieg der Geruch von getrockneten Netzen auf, während Arbeiter die letzten Holzplanken für eine provisorische Bühne festklopften. Der Gouverneur von Bombay setzte den Stein, der den Beginn eines Projekts markierte, das die Silhouette der Stadt bis heute bestimmt. Niemand ahnte, wie langwierig die Arbeiten werden würden und wie grundlegend sich die Uferlinie verändern sollte.

Planung für ein koloniales Symbol

Ausgangspunkt war der Besuch von König George V und Königin Mary im Dezember 1911. Die Monarchen sahen bei ihrer Ankunft nur ein aufgestelltes Modell aus Holz und Farbe, doch die Kolonialverwaltung entschied, einen dauerhaften Eingang zur Hafenstadt entstehen zu lassen. Der britische Architekt George Wittet erhielt den Auftrag. Er hatte zuvor in Bombay gearbeitet und kannte die lokalen Bautraditionen. Seine frühen Entwürfe verbanden Elemente aus verschiedenen indischen Regionen mit klassischen Formen eines Triumphbogens. Die Regierung bestätigte seinen Vorschlag im August 1914.

Apollo Bunder, um 1905

Der Standort war festgelegt, die baulichen Voraussetzungen jedoch nicht. Die Hafenzone des Apollo Bunder bestand aus unebenem Gelände, das Fischer seit Generationen nutzten. Bevor mit dem eigentlichen Bau begonnen werden konnte, musste das Areal erweitert und befestigt werden. Zwischen 1915 und 1919 entstanden eine lange Ufermauer und aufgeschüttete Flächen, die den Bogen tragen sollten.

Material und Konstruktion

Jai am Taj Mahal. Jali bezeichnet in der indischen Architektur ein dekoratives, steinernes Gitter mit durchbrochenen Mustern, das Licht und Luft durchlässt und zugleich als ornamentales Element wirkt.

Die Wahl der Baustoffe orientierte sich an der Umgebung. Gelber Basalt aus der Region gab dem Monument seinen warmen Ton. Durchbrochene Jali-Gitter aus Gwalior, eine traditionelle Form ornamentaler Steinarbeit, ergänzten die Fassaden. Wittet entwarf ein Gebäude, das in der Grundform einem achtsäuligen Gedenkbogen entsprach. Der mittlere Durchgang erhielt eine Höhe von 26 Metern und eine eigene Aufstockung, aus der vier Türmchen aufragten. Drei parallele Bögen auf der Längsseite und weitere auf der Schmalseite sollten den Besucherfluss lenken.

Gammon India übernahm die Bauarbeiten und musste mit dem wechselhaften Klima der Hafenstadt umgehen. Die Arbeiten rückten nur langsam voran, da erst das Fundament vollständig trocknen musste. Erst 1920 war dieser erste Abschnitt abgeschlossen. Die schweren Basaltblöcke wurden vor Ort zugeschnitten und mit Kränen auf den Unterbau gehoben. Zeitgenössische Berichte beschreiben tagelanges Klopfen und Sägen, das bis zu den Lagerschuppen am Hafen zu hören war.

Die Verzögerungen steigerten die Kosten. Insgesamt belief sich das Budget auf mehr als 21 Lakh Rupien, über zwei Millionen nach damaliger Zählweise. Es war vorgesehen, eine repräsentative Zufahrt zu schaffen, doch dafür fehlten Mittel. Der Bogen blieb dadurch leicht versetzt zur Straße stehen. Dieser Winkel fällt bis heute im Blick vom Hafen über die esplanadeartige Fläche auf das Monument auf.

Ein Monument nimmt Gestalt an

Im Jahr 1924 erreichte der Bau seine Vollendung. Die hellen Steinbänder über dem Hauptbogen wurden geglättet, und an der Seeseite legten Arbeiter eine breite Treppe an, die den Übergang zum Ufer erleichtern sollte. Auf jeder Seite entstanden große Säle, die bei Zeremonien genutzt werden konnten. Ihre Kapazität reichte für mehrere Hundert Menschen.

Am 4. Dezember 1924 öffnete der Vizekönig, der Marquess of Reading, den Bogen für die Öffentlichkeit. Die Regierung organisierte eine schlichte Zeremonie. Das Meer lag ruhig, und die geschmückten Schiffe der Hafenbehörde bildeten den Hintergrund für die Ansprache. Das Bauwerk bildete einen symbolischen Eingang zur Kolonialverwaltung und einen Ort für Ankünfte hochrangiger Beamter.

Etwa zwanzig Jahre später erhielt das Monument eine weitere Bedeutung. Am 28. Februar 1948 marschierten britische Truppen zum letzten Mal durch den Bogen und bestiegen ein Schiff, das sie aus Indien bringen sollte. Die Szene wurde vielfach fotografiert und ist seitdem ein fest verankertes Bild in der Geschichte der Stadt.

Der historische Hintergrund des Geländes

The Taj Mahal Palace

Diese Umgestaltung veränderte den Charakter des Hafens grundlegend. Aus dem kleinteiligen Fischerviertel entstand eine offene Fläche, die mit dem neuen Hotelkomplex gegenüber korrespondierte. Sie sollte Ankommenden den Eindruck einer modernen, strukturierten Hafenstadt vermitteln. Der Hafenvorplatz wurde schrittweise erweitert, und die neue Uferlinie erleichterte das Manövrieren größerer Schiffe.

Auch nach seiner Fertigstellung erforderte das Monument regelmäßige Wartung. Die salzhaltige Luft ließ Ablagerungen entstehen, die die Steine nach und nach verfärbten. Spätere Untersuchungen wiesen Unterschiede zwischen den äußeren, sonnenexponierten Bereichen und den schattigen Innenzonen nach. Diese Beobachtungen fließen heute in Konservierungsmaßnahmen ein.

Weitere Entwicklung der Umgebung

Nach der Unabhängigkeit entwickelte sich der Platz um den Bogen zu einem städtischen Treffpunkt. Die Aufstellung einer Statue des Maratha-Herrschers Shivaji im Jahr 1961 verschob die symbolische Orientierung des Platzes. Sie ersetzte das Denkmal für George V, das zuvor dort gestanden hatte. Diese Veränderung spiegelte die politischen Prioritäten der jungen Republik.

Die Anlegestege am Bogen wurden zu Ausgangspunkten für Fährverbindungen. Besonders die Route zu den Elephanta Caves führte zu starkem Verkehr im Hafenbecken. Verschiedene Behörden überwachen Sicherheit und Genehmigungen der Schiffe.

Der Bogen im heutigen Stadtbild

Über die Jahrzehnte wurde der Ort mehrfach umgestaltet. Fußwege wurden verbreitert, Gärten neu angelegt und Beleuchtungssysteme modernisiert. 2014 erhielt das Monument eine farbige LED-Illumination. Die Anlage ist als geschütztes Denkmal eingestuft und wird regelmäßig untersucht, um Schäden durch Feuchtigkeit zu erkennen.

Die Verbindung aus kolonialer Bauweise, regionalen Ornamenten und der Lage am Meer macht den Bogen zu einem markanten Bauwerk im Stadtgefüge von Mumbai. Die Konstruktion verweist auf die administrativen Abläufe einer Hafenstadt, die technischen Herausforderungen eines Uferprojekts und die Vorstellungen kolonialer Repräsentation. Besucher blicken heute durch die große Öffnung auf das Hafenbecken, während Boote an den Stegen anlegen und Händler durch die Menge rufen. Das Bauwerk, das einst für eine monarchische Ankunft entstand, bleibt ein Ort, an dem sich Stadtgeschichte und alltägliche Szenen begegnen.

Zum Weiterlesen

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Metcalf, Thomas (1989): An Imperial Vision: Indian Architecture and Britain’s Raj.*

Bildnachweis

Apollo Bunder, Wikimedia Commons, Paper Jewels.

Alle weiteren Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.

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