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	<title>Chinesische Frühgeschichte Archive - Imperien und Inseln</title>
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	<description>Entdeckungsreise durch die Geschichte Asiens</description>
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		<title>Hirse in den Gruben – Die Dörfer von Cishan und Peiligang</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Chinesische Frühgeschichte]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.imperien-und-inseln.de/china/hirse-in-den-gruben-die-doerfer-von-cishan-und-peiligang/">Hirse in den Gruben – Die Dörfer von Cishan und Peiligang</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.imperien-und-inseln.de">Imperien und Inseln</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Boden von Cishan lagen Hunderte Gruben. Bei den Grabungen von 1976 bis 1978 legten Archäologen 474 von ihnen frei. In 88 fanden sie umfangreiche Getreidereste, die sich als Hirse bestimmen ließen. Die Pflanzenreste lagen als ascheartiges Material vor und waren mit Erde vermischt. Die Funde sprechen dafür, dass die Bewohner Pflanzen anbauten und einen Teil der Ernte in der Siedlung aufbewahrten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Stone_Sickles_Xinzheng-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-8301" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Stone_Sickles_Xinzheng-1024x683.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Stone_Sickles_Xinzheng-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Stone_Sickles_Xinzheng-768x512.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Stone_Sickles_Xinzheng-1536x1024.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Stone_Sickles_Xinzheng-2048x1365.jpg 2048w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Stone_Sickles_Xinzheng.jpg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sicheln der Peiliang-Kultur</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Cishan lag im Süden der heutigen Provinz Hebei. Weiter südlich, im heutigen Henan, hinterließen andere Dörfer ähnliche Gefäße und Steinwerkzeuge. Archäologen ordnen sie der Peiligang-Kultur zu. Beide Bezeichnungen stammen von modernen Fundorten. Sie helfen dabei, wiederkehrende Formen von Häusern, Keramik und Werkzeugen zeitlich einzuordnen. Historische Reiche oder Völker bezeichnen sie nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dörfer bestanden ungefähr zwischen 7000 und 5000 v. Chr. In dieser Zeit breiteten sich am mittleren und unteren Gelben Fluss Gemeinschaften aus, die längere Zeit an einem Ort lebten. Hirse gehörte zu ihren wichtigsten Kulturpflanzen. Sie machte die Menschen jedoch nicht mit einem Schlag zu Bauern. Jagd und das Sammeln wilder Pflanzen blieben ebenso wichtig wie die Haltung von Tieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Klima für neue Dörfer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn des Holozäns wurde das Klima in weiten Teilen Nordchinas wärmer und feuchter. Die sommerlichen Monsunregen reichten weiter nach Norden. Wälder breiteten sich aus, Seen führten mehr Wasser und Flusslandschaften boten Pflanzen und Tieren neue Lebensräume.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen hatten schon zuvor Keramik hergestellt und zeitweise an günstigen Plätzen gelebt. Nun entstanden häufiger Siedlungen, in denen Häuser, Feuerstellen und Vorratsgruben über längere Zeit genutzt wurden. Am Gelben Fluss entwickelten sich mehrere regionale Gruppen. In Henan sprechen Archäologen von Peiligang, im südlichen Hebei von Cishan. Weiter östlich lag die Houli-Kultur, westlich die Laoguantai-Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Politisch bildeten diese Gemeinschaften eigenständige Gruppen. Zwischen ihren Siedlungen lagen große Entfernungen. Dennoch ähnelten sich manche Geräte und Formen der Vorratshaltung. Menschen tauschten Rohstoffe aus, beobachteten die Arbeitsweisen benachbarter Dörfer und übernahmen Techniken, die sich unter den jeweiligen Bedingungen bewährten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jiahu, das Dorf der ersten Folge, lag am südlichen Rand dieser Welt. Dort bauten Menschen auch Reis an. Weiter nördlich eignete sich Hirse besser für das Klima. Sie benötigte eine vergleichsweise kurze Wachstumszeit und kam mit geringeren Niederschlägen aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Körner für den Winter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Funde aus Cishan zeigen, dass Hirse nicht nur gelegentlich gesammelt wurde. Die Bewohner brachten Körner in die Siedlung und lagerten sie in Gruben. Dafür mussten sie ihre Arbeit über einen längeren Zeitraum planen. Der Boden wurde vorbereitet, die Saat ausgebracht und die reifen Rispen mussten rechtzeitig geschnitten werden. Danach folgten Trocknen, Dreschen und Einlagern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Ernte bot den Menschen gute Gründe, immer wieder an denselben Ort zurückzukehren. Wer Saatgut und Vorräte im Boden aufbewahrte, musste sie schützen. Felder brauchten Pflege, und gelagerte Nahrung musste bis zur nächsten Ernte reichen. Das Dorf wurde dadurch zu einem Ort, an dem vergangene Arbeit aufbewahrt und die kommende Aussaat vorbereitet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Steinerne Sichelklingen und Spaten gehörten zu dieser Wirtschaftsweise. Auf flachen Mahlsteinen konnten die Bewohner Körner oder andere Pflanzen zerkleinern. Der genaue Gebrauch eines einzelnen Geräts lässt sich nicht immer bestimmen. Dasselbe Werkzeug konnte bei der Feldarbeit und beim Sammeln verschiedener Pflanzen dienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Haustiere gehörten zu den Siedlungen. Schweine und Hunde sind an mehreren Orten belegt. Daneben jagten die Bewohner Wild und nutzten Gewässer in der Umgebung. Hirse verringerte die Abhängigkeit von einzelnen wilden Nahrungsquellen, ersetzte sie aber nicht. Die frühen Dörfer lebten von einer Verbindung aus Anbau und der Nutzung ihrer Umgebung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kleine Häuser und tiefe Gruben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten bekannten Siedlungen waren klein. Sie umfassten häufig nur 1 oder 2 Hektar; selbst die größeren erreichten kaum mehr als 6 Hektar. Die Häuser waren meist rund und teilweise in den Boden eingetieft. Viele boten lediglich 4 bis 6 Quadratmeter Innenraum.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img decoding="async" width="300" height="200" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Red_Pottery_Pot_Xinzheng-300x200.jpg" alt="" class="wp-image-8303" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Red_Pottery_Pot_Xinzheng-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Red_Pottery_Pot_Xinzheng-768x512.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Peiligang_Culture_Red_Pottery_Pot_Xinzheng.jpg 960w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption class="wp-element-caption">Keramik der Peiliang-Kultur</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Ein solches Haus reichte für wenige Menschen und ihre unmittelbaren Tätigkeiten. Gekocht und gearbeitet wurde wahrscheinlich auch davor. Gruben nahmen Vorräte auf und dienten später teilweise als Abfallplätze. Keramikgefäße hielten Wasser oder Nahrung bereit. Dreibeinige Gefäße ließen sich über einer Feuerstelle erhitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häuser mussten ausgebessert und Gruben neu angelegt werden. Wer länger blieb, veränderte den Siedlungsplatz mit jeder Arbeitsphase. Ein Dorf umfasste mehr als seine Gebäude. Auch der Raum zwischen den Häusern und aufgegebene Gruben gehörten dazu. Was Archäologen als eine Siedlung erfassen, entstand durch zahlreiche Entscheidungen einzelner Haushalte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werkzeuge aus den Bergen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht jedes Dorf verfügte über dieselben Rohstoffe. Siedlungen am Rand der Gebirge lagen näher an geeignetem Gestein als Orte in den Ebenen. In Tieshenggou, Egou und weiteren Plätzen fanden Archäologen Abfälle der Werkzeugherstellung. Dort schlugen und schliffen Menschen Steingeräte wahrscheinlich auch für Bewohner anderer Siedlungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Grab in Shawoli macht diese Arbeit besonders sichtbar. Der Tote in Grab M19 erhielt mehrere Spaten und Meißel. Daneben lagen Äxte, Schleifsteine und Abfälle der Steinbearbeitung. Möglicherweise hatte dieser Mensch selbst Werkzeuge hergestellt. Die Beigaben kennzeichneten ihn als einen Menschen mit besonderen handwerklichen Kenntnissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Werkstätten blieben klein. Wahrscheinlich stellten einzelne Haushalte Geräte nur während eines Teils des Jahres her. Die betreffenden Siedlungen waren nicht größer als andere Dörfer und kontrollierten ihre Nachbarn nicht. Trotzdem gleichen sich geschliffene Steingeräte aus verschiedenen Orten. Rohmaterial und fertige Werkzeuge gelangten zwischen den Siedlungen weiter. Mit ihnen verbreitete sich das Wissen über ihre Herstellung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Friedhof ohne Fürsten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gering die sozialen Unterschiede noch waren, zeigt der Friedhof von Shuiquan im heutigen Henan. Er stammt aus der späten Peiligang-Zeit um 5300 v. Chr. Archäologen legten dort 120 Bestattungen frei. Die Gräber bildeten 2 Gruppen, zwischen denen ein freier Streifen lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Grab fiel durch seine Größe und seine 21 Beigaben auf. Der Tote aus Grab M29 erhielt jedoch keine kostbaren Gegenstände aus fernen Regionen. Bei ihm lagen Keramik und Werkzeuge, also Dinge, die auch den Alltag der Lebenden bestimmten. Das Grab befand sich inmitten der übrigen Bestattungen und war nicht räumlich abgesondert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Tote erhielten weniger Beigaben oder gar keine. Die Unterschiede konnten mit dem Alter, dem Geschlecht, persönlichen Beziehungen oder den Aufgaben eines Menschen zusammenhängen. Es gibt aber keine erkennbare Gruppe, die sich durch aufwendige Gräber und seltene Güter dauerhaft von allen anderen abhob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Verteilung der Siedlungen spricht gegen eine übergeordnete Macht. Für Henan sind mehr als 70 Fundplätze der Peiligang-Kultur bekannt. Sie unterscheiden sich nur begrenzt in ihrer Größe. Kein Ort ragt als Hauptstadt hervor, von der aus kleinere Dörfer gelenkt worden wären.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vorräte verändern den Alltag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hirse schuf noch keine Könige. Sie veränderte jedoch die Aufgaben, die Menschen miteinander verbanden. Aussaat und Ernte mussten zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Vorräte verlangten Schutz und eine Entscheidung darüber, wie viel bis zur nächsten Wachstumszeit verbraucht werden durfte. Werkzeuge mussten hergestellt und weitergegeben werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Haushalte und verwandte Gruppen organisierten diese Arbeiten gemeinsam. Die Dörfer von Cishan und Peiligang zeigen eine Lebensweise, in der Menschen ihre Versorgung zunehmend planten, aber noch keine größeren politischen Zentren errichteten. Ihre Siedlungen blieben klein und gleichrangig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter südlich wählten Gemeinschaften andere Pflanzen und bauten ihre Häuser in einer wasserreicheren Landschaft. Am Unterlauf des Jangtse bildete Reis die Grundlage von Dörfern, deren hölzerne Bauteile sich im feuchten Boden erhalten haben. Dort lässt sich beobachten, wie eine andere Form früher Landwirtschaft den Alltag prägte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/20260810_Yellow_River_in_Zhengzhou_and_Jiaozuo-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-8305" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/20260810_Yellow_River_in_Zhengzhou_and_Jiaozuo-1024x683.jpg 1024w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/20260810_Yellow_River_in_Zhengzhou_and_Jiaozuo-768x512.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/20260810_Yellow_River_in_Zhengzhou_and_Jiaozuo-300x200.jpg 300w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/20260810_Yellow_River_in_Zhengzhou_and_Jiaozuo-1536x1024.jpg 1536w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/20260810_Yellow_River_in_Zhengzhou_and_Jiaozuo.jpg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liu, Li (2005): <em><a href="https://link.amazon/B0exClQ64">The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States</a></em>.* Untersuchung jungsteinzeitlicher Siedlungen, Bestattungen und gesellschaftlicher Veränderungen mit ausführlicher Einordnung von Jiahu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Li, Feng (2013): <em><a href="https://link.amazon/B0fK4vv2B">Early China. A Social and Cultural History</a></em>. Überblick über die regionalen Anfänge von Landwirtschaft und dauerhaften Siedlungen sowie die weitere Entwicklung des frühen China.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Lebenswelt der der Cishan-Kultur, Handan Museum. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gelber Fluss. Wikimedia Commons, Windmemories. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
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		<title>Jiahu vor 9000 Jahren – Ein Dorf am Beginn der Jungsteinzeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kuratierte Artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine schmale Röhre aus Vogelknochen lag neben einem der Toten. In regelmäßigen Abständen hatte jemand Löcher hineingebohrt. Es war eine Flöte. Weitere Exemplare kamen in anderen Gräbern zum Vorschein, manchmal &#8230; </p>
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<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Jiahu_vor_9000_Jahren.mp3"></audio></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine schmale Röhre aus Vogelknochen lag neben einem der Toten. In regelmäßigen Abständen hatte jemand Löcher hineingebohrt. Es war eine Flöte. Weitere Exemplare kamen in anderen Gräbern zum Vorschein, manchmal zusammen mit Schildkrötenpanzern, in denen kleine Steine lagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Funde stammen aus Jiahu, einem jungsteinzeitlichen Dorf im heutigen Henan. Menschen lebten dort ungefähr zwischen 7000 und 5800 v. Chr. Sie hinterließen keine Texte und keine Namen. Dennoch lässt sich erkennen, wie sie ihre Häuser anordneten und welche Verstorbenen sie mit besonderen Beigaben bestatteten. Es gab weder ein China noch Könige, aber bereits dauerhafte Dörfer und gemeinschaftliche Rituale.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Dorf zwischen Wasserläufen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jiahu lag im heutigen Kreis Wuyang, südlich des Gelben Flusses im Einzugsgebiet des Huai. Ein See und 2 Flüsse begrenzten den etwa 5,5 Hektar großen Siedlungsplatz. Die feuchte Landschaft bot den Bewohnern unterschiedliche Möglichkeiten, Nahrung zu gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschen fingen Fische und sammelten Muscheln. Sie jagten unter anderem Hirsche, Wasservögel und kleinere Raubtiere. Knochen von Schweinen und Hunden zeigen zugleich, dass Haustiere zum Dorf gehörten. Pflanzenreste und Abdrücke belegen den Umgang mit Reis. Wie groß der Anteil angebauter Pflanzen an der täglichen Ernährung war, lässt sich jedoch nicht genau bestimmen. Landwirtschaft, Jagd, Fischfang und Sammeln ergänzten einander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit unterschied sich Jiahu von vielen gleichzeitigen Siedlungen weiter im Norden, in denen Hirse eine größere Rolle spielte. Der Ort lag in einer Übergangszone zwischen Gebieten, die später mit nördlicher Hirsewirtschaft und südlichem Reisanbau verbunden werden. Seine Bewohner nutzten beides, ohne diese moderne Trennung zu kennen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="504" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/CMOC_Treasures_of_Ancient_China_exhibit_-_millstone_and_roller.jpg" alt="" class="wp-image-8295" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/CMOC_Treasures_of_Ancient_China_exhibit_-_millstone_and_roller.jpg 960w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/CMOC_Treasures_of_Ancient_China_exhibit_-_millstone_and_roller-768x403.jpg 768w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/CMOC_Treasures_of_Ancient_China_exhibit_-_millstone_and_roller-300x158.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Häuser um einen Mittelpunkt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Häuser waren klein und in den Boden eingetieft. Ihre Grundrisse waren rund, oval oder unregelmäßig. Einige Gebäude standen ebenerdig, andere ruhten auf Pfosten. Mehrfach erweiterten die Bewohner einzelne Häuser, indem sie neue Räume hinzufügten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ältesten Siedlungsphase bildeten die Häuser mehrere Gruppen. Eine davon bestand aus 7 Gebäuden, mehr als 30 Gruben, 2 Brennöfen und 24 Gräbern. Im Zentrum lag das Haus F17. Mit etwa 24 Quadratmetern war es größer als die umliegenden Gebäude. Die Türen der kleineren Häuser öffneten sich zu diesem Mittelpunkt hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">F17 diente vermutlich gemeinschaftlichen Arbeiten. In seinem Inneren fanden sich Spuren verschiedener Tätigkeiten: Geräte zur Nahrungsverarbeitung, Werkzeuge und Reste der Herstellung anderer Gegenstände. Auch ein weiteres großes Haus enthielt mehr Gefäße und Werkzeuge als die kleineren Gebäude. Darin könnte eine verwandte Gruppe gemeinsam gearbeitet oder Vorräte verarbeitet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anordnung veränderte sich während der jahrhundertelangen Nutzung des Platzes. In späteren Phasen blieben die Häuser zu Gruppen zusammengefasst, doch die Toten lagen nun auf Friedhöfen, die deutlicher von den Wohnbereichen getrennt waren. Auch Brennöfen befanden sich gebündelt an bestimmten Stellen. Abschnitte eines Grabens könnten Teile einer Umfriedung gebildet haben. Die Bewohner ordneten Wohnraum, Arbeit und Bestattung immer wieder neu.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Arbeit im Dorf</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="278" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08-278x300.jpg" alt="" class="wp-image-8296" srcset="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08-278x300.jpg 278w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08-767x828.jpg 767w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08-949x1024.jpg 949w, https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/PeiligangCulture-RedPotWithTwoEars-ShanghaiMuseum-May27-08.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px" /><figcaption class="wp-element-caption">Keramik der Peiligang-Kultur</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">In Jiahu standen Brennöfen für Keramik. Abfälle und unfertige Stücke zeigen, dass die Bewohner auch Steinwerkzeuge am Ort herstellten. Die meisten Rohstoffe fanden sie in den nahen Flüssen. Für einige Gesteinsarten legten Menschen jedoch Entfernungen von bis zu 100 Kilometern zurück oder erhielten sie durch Austausch mit anderen Gemeinschaften. Wenige Objekte aus Jade und Türkis kamen vermutlich aus noch weiter entfernten Gebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dorf konnte einen großen Teil seines Bedarfs selbst decken, war aber nicht abgeschlossen. Menschen gaben Werkstoffe und Kenntnisse zwischen verschiedenen Siedlungen weiter. Ein Zentrum, das diesen Austausch lenkte, ist nicht erkennbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch innerhalb des Dorfes verteilten sich Tätigkeiten nicht vollkommen gleich. Werkzeuge in den Gräbern lassen vermuten, dass manche Arbeiten häufiger mit Männern und andere häufiger mit Frauen verbunden waren. Die Unterschiede blieben jedoch begrenzt. Es gibt keine Hinweise auf eine kleine Gruppe, die dauerhaft über Werkstätten, Vorräte oder die Arbeit der übrigen Bewohner verfügte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Toten von Jiahu</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Archäologen legten in Jiahu 349 Gräber frei. In der frühen Siedlung lagen Bestattungen noch dicht bei den Häusern. Die Lebenden bewegten sich damit täglich in der Nähe ihrer Toten. Später erhielt jede größere Hausgruppe offenbar einen eigenen, räumlich abgegrenzten Friedhof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gräber unterscheiden sich in ihrer Größe und in der Zahl der Beigaben. Manche Tote wurden unmittelbar bestattet, andere Knochen erst später erneut niedergelegt. Neben einzelnen Bestattungen gab es Gräber mit mehreren Verstorbenen. Viele Tote erhielten Gefäße oder Werkzeuge, einige auch persönlichen Schmuck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterschiede ergeben jedoch noch keine feste Rangordnung. Größere Gräber enthielten nicht automatisch besonders viele oder wertvolle Gegenstände. Die meisten Beigaben waren Dinge des täglichen Lebens. Im Vergleich zu späteren jungsteinzeitlichen Friedhöfen, auf denen wenige Tote große Mengen kostbarer Güter erhielten, wirkt Jiahu relativ ausgeglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzelne Menschen erhielten dennoch ungewöhnliche Beigaben. In 25 Gräbern fanden sich Gegenstände, die mit Musik oder rituellen Handlungen verbunden gewesen sein könnten. Zu ihnen gehörten Flöten, bearbeitete Schildkrötenpanzer und spitz zulaufende Knochenobjekte unbekannter Funktion. Wer mit solchen Beigaben bestattet wurde, besaß nicht zwingend großen materiellen Reichtum. Diese Menschen könnten eine besondere Rolle bei gemeinschaftlichen Handlungen gespielt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Knochen werden zu Flöten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Flöten bestanden aus langen Vogelknochen. Ein erhaltenes Exemplar misst etwas mehr als 22 Zentimeter. Seine Herstellung verlangte Erfahrung. Der Knochen musste ausgewählt, geglättet und durchbohrt werden, ohne zu brechen. Die Abstände der Löcher bestimmten, welche Töne das Instrument hervorbringen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Flöten lagen in Gräbern und gehörten damit zu den Beigaben, die ihre Besitzer auch im Tod kennzeichneten. Ob die Instrumente bei Tänzen, Bestattungen, Heilungen oder anderen Zusammenkünften erklangen, ist unbekannt. Ihre Lage zeigt lediglich, dass Musik nicht nur eine beiläufige Beschäftigung gewesen sein muss. Manche Instrumente waren wichtig genug, um sie der weiteren Nutzung zu entziehen und mit einem Toten niederzulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Flöten lagen zusammen mit Schildkrötenpanzern. In 23 der 349 untersuchten Gräber kamen solche Panzer vor. Einzelne Tote erhielten bis zu 8 Exemplare. Kleine Löcher deuten darauf hin, dass Ober- und Unterseite miteinander verschnürt waren. Im Inneren lagen Kiesel unterschiedlicher Größe und Farbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gefüllten Panzer könnten als Rasseln gedient haben. Möglich ist auch, dass Menschen die Steine ausschütteten oder nach bestimmten Regeln bewegten, um Entscheidungen zu treffen. Spätere chinesische Gesellschaften verwendeten Schildkrötenpanzer zur Weissagung. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Bewohner von Jiahu bereits dieselben Rituale kannten. Zwischen Jiahu und den beschrifteten Orakelknochen der Shang-Dynastie lagen mehr als 4 Jahrtausende.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zeichen ohne Text</h2>


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<figure class="alignright size-medium"><img loading="lazy" decoding="async" width="147" height="300" src="https://www.imperien-und-inseln.de/wp-content/uploads/2026/10/Jiahu_writing-147x300.gif" alt="" class="wp-image-8294"/><figcaption class="wp-element-caption">Schriftzeichen aus Jiahu</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Besondere Aufmerksamkeit fanden eingeritzte Zeichen auf einigen Schildkrötenpanzern. Auch Knochen und Keramikstücke tragen einzelne Markierungen. Manche erinnern entfernt an sehr viel spätere chinesische Schriftzeichen. Diese Ähnlichkeit verführt dazu, in Jiahu den Anfang der chinesischen Schrift zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür reichen die Funde nicht aus. Die Ritzungen stehen einzeln. Es gibt keine längeren Folgen, keine erkennbare Grammatik und keinen Beleg dafür, dass sie gesprochene Wörter wiedergaben. Sie könnten Besitz markieren, Bilder darstellen oder eine rituelle Bedeutung tragen. Eine Schrift bildet gesprochene Sprache nach festen Regeln ab. Dafür bieten die einzelnen Ritzungen keinen Beleg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jiahu steht deshalb nicht am Anfang einer geraden Entwicklung, die zwangsläufig zu den Königen der Shang und zum chinesischen Kaiserreich führte. Das Dorf gehörte zu einer Vielzahl regionaler Gemeinschaften. Einige ihrer Praktiken verschwanden, andere tauchten in veränderter Form an späteren Orten wieder auf. Selbst die Siedlung endete nicht in einem größeren Reich. Eine Überschwemmung hinterließ über den jüngsten jungsteinzeitlichen Schichten eine Lage aus abgelagertem Sediment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Flöten und Schildkrötenpanzer blieben im Boden. Sie zeigen, dass Menschen schon in einem frühen Bauerndorf bestimmte Fähigkeiten und Gegenstände mit einzelnen Personen verbanden. Noch begründeten solche Rollen offenbar keine dauerhafte Herrschaft. In späteren Gesellschaften sollten Rituale, kostbare Materialien und der Zugang zu den Toten jedoch zu wichtigen Mitteln politischer Macht werden.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Zum Weiterlesen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liu, Li (2005): <em><a href="https://link.amazon/B0exClQ64">The Chinese Neolithic. Trajectories to Early States</a></em>.* Untersuchung jungsteinzeitlicher Siedlungen, Bestattungen und gesellschaftlicher Veränderungen mit ausführlicher Einordnung von Jiahu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Li, Feng (2013): <em><a href="https://link.amazon/B0fK4vv2B">Early China. A Social and Cultural History</a></em>. Überblick über die regionalen Anfänge von Landwirtschaft und dauerhaften Siedlungen sowie die weitere Entwicklung des frühen China.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bildnachweis</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Flöte aus Jiahu im Luohe Stadtmuseum. Wikimedia Commons, ASHillocks.<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en"> CC BY-SA 4.0</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mahlstein: Wikimedia Commons, Editor at Large. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en">CC BY-SA 2.5</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Töpferei: Wikimedia Commons, Captmondo. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en">CC BY-SA 2.5</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle weiteren Bilder gemeinfrei.</p>
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