Ein Kind auf dem Thron – Kangxi und der Beginn einer langen Herrschaft

Chronik der Qing-Dynastie – Folge 6

Der Tod des Kaisers Shunzhi im Februar 1661 hinterlässt einen Hof, der auf Kontinuität angewiesen ist. Teile des Reiches stehen erst seit wenigen Jahren unter Qing-Kontrolle, Verwaltung und Militär sind eng miteinander verflochten. In dieser Situation fällt die Entscheidung für einen Nachfolger, der selbst kaum handeln kann. Der Thron geht an Xuanye, der nach westlicher Zählweise sechs Jahre alt ist. Er nimmt im folgenden Jahr den Herrschernamen Kangxi an.

Regentschaft im Namen des Kaisers

Oboi (1610-1669)

Da der neue Kaiser minderjährig ist, wird die Regierung einem Regentschaftsgremium übertragen. Vier hohe mandschurische Würdenträger übernehmen diese Aufgabe: Sonin, Suksaha, Ebilun und Oboi. Sie führen die laufenden Geschäfte des Reiches und handeln im Namen des Kaisers.

Der junge Herrscher bleibt sichtbar. Er nimmt an Audienzen teil, sitzt bei Ritualen auf dem Thron und folgt den festgelegten Abläufen des Hofes. Lehrer unterrichten ihn in Schrift, Geschichte und den konfuzianischen Klassikern. Der Tagesablauf wiederholt sich in festen Formen.

Ein Hof nach der Eroberung

Die frühen Jahre der neuen Regierung stehen im Zeichen der Neuordnung nach den Feldzügen der vorangegangenen Jahrzehnte. Die militärische Durchsetzung der Qing-Herrschaft ist abgeschlossen, doch ihre dauerhafte Verankerung im Reich bleibt eine Aufgabe.

Für den Hof rückt die Zusammenarbeit mit der bestehenden Verwaltung in den Vordergrund. Han-chinesische Beamte behalten zentrale Funktionen, Steuererhebung, Gerichtsbarkeit und lokale Verwaltung arbeiten weiter. Routine kehrt zurück in Kanzleien, Gerichte und Provinzverwaltungen.

Der Kaiser erlebt, wie Berichte aus den Provinzen eingehen, wie Streitigkeiten zwischen mandschurischen Würdenträgern und zivilen Beamten ausgetragen werden und wie Entscheidungen beschleunigt oder verzögert werden können. Wer Zugang zum Kaiser hat und Verfahren steuern kann, verfügt über Einfluss.

Lernen im Schatten der Regenten

Xiaozhuang (1613-1688)

Xuanye wächst in einem Palast auf, in dem andere handeln. Die Regenten bestimmen Gespräche, setzen Prioritäten und verschieben Zuständigkeiten. Der Kaiser hört zu, stellt Fragen und merkt sich Namen. Er erkennt, welche Personen regelmäßig Zugang haben und welche aus dem inneren Kreis verschwinden.

In dieser Phase erhält er Unterstützung aus dem engsten Umfeld des Hofes, insbesondere durch seine Großmutter, die Kaiserinwitwe Xiaozhuang. Sie sichert Rückhalt, vermittelt zwischen Gruppen und stabilisiert die Stellung des jungen Kaisers.

Xuanye entwickelt früh Interesse an Verwaltungsfragen. Er lässt sich Berichte erklären, fragt nach Provinzen, Abgaben und Zuständigkeiten. Sein Verständnis für Abläufe vertieft sich.

Der Weg zur eigenen Herrschaft

Im Jahr 1667 erklärt der Kaiser seine Volljährigkeit und übernimmt formal die Regierung. In der Praxis konzentriert sich die Macht weiterhin bei Oboi, der seine Stellung innerhalb des Regentschaftsgremiums ausbaut. Beschwerden aus dem Beamtenapparat mehren sich, Entscheidungen konzentrieren sich zunehmend bei einer Person.

Im Juni 1669 greift der Kaiser entschlossen ein. Mit Unterstützung loyaler Palastoffiziere lässt er Oboi während einer Audienz festnehmen und entmachten. Die Verhaftung gelingt ohne offenen Widerstand. Mit diesem Schritt erlangt der Kaiser erstmals die tatsächliche Kontrolle über Hof und Regierung.


清朝 • Die Herrscher der Qing-Dynastie

Persönlicher Name Tempelname Äraname (Regierungsdevise) Zeitraum Bekannter Name
Nurhaci 努爾哈赤 Tàizǔ 太祖 Tiānmìng Abkai fulingga 1616–1626 Nurhaci
Huáng Tàijí 皇太极 Tàizōng 太宗 Tiāncōng / Chóngdé Abkai sure / Wesihun erdemungge 1626–1643 Huáng Tàijí
Fúlín 福臨 Shìzǔ 世祖 Shùnzhì Ijishūn dasan 1643–1661 Shùnzhì
Xuányè 玄燁 Shèngzǔ 聖祖 Kāngxī Elhe taifin 1661–1722 Kāngxī
Yìnzhēn 胤禛 Shìzōng 世宗 Yōngzhèng Hūwaliyasun tob 1722–1735 Yōngzhèng
Hónglì 弘曆 Gāozōng 高宗 Qiánlóng Abkai wehiyehe 1735–1796 Qiánlóng
Yóngyǎn 顒琰 Rénzōng 仁宗 Jiāqìng Saicungga fengšen 1796–1820 Jiāqìng
Mínníng 旻寧 Xuānzōng 宣宗 Dàoguāng Doro eldengge 1820–1850 Dàoguāng
Yìzhǔ 奕詝 Wénzōng 文宗 Xiánfēng Gubci elgiyengge 1850–1861 Xiánfēng
Zǎichún 載淳 Mùzōng 穆宗 Tóngzhì Yooningga dasan 1861–1874 Tóngzhì
Zǎitián 載湉 Dézōng 德宗 Guāngxù Badarangga doro 1874–1908 Guāngxù
Pǔyí 溥儀 Xuāntǒng Gehungge yoso 1908–1912 Pǔyí (Henry)

Zum Weiterlesen

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Elliott, Mark C. (2001): The Manchu Way: The Eight Banners and Ethnic Identity in Late Imperial China * – Standardwerk zur politischen und sozialen Organisation der frühen Qing.
Crossley, Pamela Kyle (2002): The Manchus * – Überblick zur Entstehung mandschurischer Herrschaft und Identität.

Bildnachweis

Titel: Der junge Kangxi, Portrait aus der Kangxi-Periode.

Alle Abbildungen gemeinfrei.

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