Europäische Spuren in Myanmar – Von Nicolò de’ Conti bis Filipe de Brito

Nicolò de’ Conti: Der erste europäische Reisende

Im 15. Jahrhundert war Myanmar in Europa nahezu unbekannt. Der venezianische Abenteurer Nicolò de’ Conti (1395–1469) war der erste Europäer, der das ferne Land bereiste. Seine 25-jährige Reise führte ihn von Arabien bis nach Champa, im heutigen Vietnam. Seine Aufzeichnungen sind fragmentarisch, geben jedoch interessante Einblicke. De’ Conti beschreibt knapp Flora und Fauna Myanmars und widmet sich ungewöhnlichen Details wie dem Intimschmuck der Männer und den Techniken zur Elefantenjagd.

Europäische Kolonialmächte in Südostasien

Ab dem 16. Jahrhundert begannen europäische Mächte, ihre Kolonien in Südostasien zu etablieren. Portugal konzentrierte sich auf den strategisch wichtigen Hafen von Malakka in Malaysia und die Gewürzinseln der Molukken. Kurz darauf folgten die Spanier mit der Philippinen-Kolonie. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erreichten auch die Niederländer die Region. Mit der Zunahme europäischer Siedlungen gelangten immer mehr europäische Reisende nach Myanmar.

Filipe de Brito e Nicote: Ein Portugiese auf Machtkurs

Filipe de Brite e Nicote auf einem Elefanten, Abbildung um 1900

Eine bemerkenswerte Karriere machte der portugiesische Abenteurer Filipe de Brito e Nicote. Wie viele Glücksritter seiner Zeit suchte er in Asien als Kohle- und Salzhändler Reichtum. Doch er strebte nicht nur nach materiellem Gewinn, sondern auch nach gesellschaftlichem Aufstieg und dem Dienst an der portugiesischen Krone.

De Brito trat in die Dienste von Min Razagri, dem König von Arakan im Westen Myanmars. Die Portugiesen galten wegen ihrer fortschrittlichen Kriegstechnik als wertvolle Verbündete. De Brito beteiligte sich an Feldzügen gegen das geschwächte Pegu und half, die Hauptstadt zu erobern. Zur Belohnung erhielt er das Hafenstädtchen Syriam am gegenüberliegenden Flussufer der heutigen Stadt Yangon.

Aufbau eines Machtzentrums in Syriam

Min Razagri erlaubte de Brito, ein Zollhaus an der Flussmündung in Syriam zu errichten, was eine wichtige Einnahmequelle darstellte. In portugiesischer Tradition baute de Brito den Stützpunkt bald zu einer Festung aus.

Mit Unterstützung des portugiesischen Vizekönigs in Goa festigte de Brito seine Macht. Er schloss Bündnisse und gewann das Vertrauen einiger Mon-Stämme. Doch Min Razagri wandte sich gegen ihn und griff seinen ehemaligen Verbündeten vergeblich an.

Fall und Ende de Britos

Im Jahr 1602 ernannte Portugal de Brito zum „König von Pegu“. 1607 sandte de Brito seinen ältesten Sohn zum König von Arakan. Dieser wurde jedoch ermordet, zusammen mit 600 weiteren Portugiesen, als Teil der Rache des Arakan-Herrschers.

Das Ende de Britos kam schließlich durch lokale Mächte. Der König von Ava, der nach einer Wiedervereinigung Myanmars strebte, belagerte Syriam mit 120.000 Soldaten. Trotz fehlender schwerer Geschütze schienen die Portugiesen zunächst standzuhalten. Doch nachdem sie die lokale Bevölkerung durch Tempelplünderungen und Zwangskonvertierungen verärgert hatten, kam es zum Verrat. Nach 34 Tagen wurde das Fort eingenommen. De Brito wurde gefangen genommen und öffentlich hingerichtet – sein Todeskampf soll mehrere Tage gedauert haben.


  • Nicolò de’ Conti unternimmt seine 25-jährige Reise von Arabien bis Vietnam (Champa). Er ist der erste europäische Reisende, der Myanmar besucht.
  • Portugal etabliert erste Kolonien in Südostasien, insbesondere in Malakka und auf den Molukken. Spanien und die Niederlande folgen bald.
  • Filipe de Brito e Nicote kommt als portugiesischer Händler nach Myanmar und tritt in die Dienste von Min Razagri, König von Arakan.
  • De Brito wird von Portugal zum „König von Pegu“ ernannt und baut seine Machtbasis in Syriam aus.
  • De Britos ältester Sohn wird vom König von Arakan ermordet; 600 Portugiesen fallen ebenfalls einem Massaker zum Opfer.
  • König von Ava belagert Syriam mit 120.000 Soldaten. Nach 34 Tagen gelingt die Einnahme durch Verrat.
  • Filipe de Brito wird gefangen genommen und hingerichtet. Sein Tod markiert das Ende seiner Herrschaft in Myanmar.

Zum Weiterlesen

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Michael Arthur Aung-Thwin, Maitrii Aung-Thwin (2013): A History of Myanmar Since Ancient Times: Traditions and Transformations.*

Bildnachweis

Titel: Die Genueser-Karte wurde 1457 nach den Berichten von de‘ Conti gestaltet.

Alle Bilder gemeinfrei.

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