Birmanisch – Die Sprache im Irrawaddy-Tal

Die Geschichte der burmesischen Sprache ist eng mit der Ausbildung politischer Zentren im Irrawaddy-Tal verbunden. Sie entwickelte sich in einem Raum, in dem Handel, religiöser Austausch und königliche Herrschaft früh ineinandergriffen. Sprache diente hier nicht nur der Alltagskommunikation. Sie wurde auch zu einem Mittel der Verwaltung, der religiösen Unterweisung und der Darstellung königlicher Autorität.

Die Entstehung des Altburmesischen

Die ältesten gesicherten Zeugnisse des Burmesischen stammen aus dem 11. Jahrhundert. In dieser Zeit stieg Bagan zu einem bedeutenden politischen und religiösen Zentrum auf. Mit dem Ausbau königlicher Herrschaft gewann auch die Sprache der Burmanen über den regionalen Rahmen hinaus an Gewicht. Inschriften aus dieser Epoche zeigen bereits eine weit entwickelte Schriftsprache, die für administrative und religiöse Zwecke genutzt wurde.

Das verwendete Schriftsystem geht auf indische Brahmi-Traditionen zurück, die vermutlich über monische Vermittlung in den birmanischen Raum gelangten. Das Altburmesische war stark durch religiöse Texte geprägt. Der Theravada-Buddhismus brachte eine enge Verbindung zum Pali mit sich. Viele Begriffe aus diesem Bereich wurden übernommen und prägten vor allem religiöse, rechtliche und höfische Texte. Trotz dieser Einflüsse blieb die grammatische Grundstruktur der Sprache über lange Zeiträume hinweg bemerkenswert stabil.

Schriftkultur und Wandel im Mittelburmesischen

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert lässt sich ein allmählicher Übergang zum Mittelburmesischen beobachten. Diese Phase fiel mit der Ausdehnung burmesischer Reiche und einer wachsenden Schriftlichkeit zusammen. Chroniken, Gesetzestexte und literarische Werke wurden zunehmend auch von Laien verfasst und nicht mehr ausschließlich von Mönchen.

In dieser Zeit setzte sich das heute typische runde Schriftbild durch. Diese Form hing eng mit dem Schreiben auf Palmblättern zusammen, das kantige Linien unpraktisch machte. Viele orthographische Konventionen des heutigen Burmesisch lassen sich auf diese Phase zurückführen.

Klöster, Bildung und sprachliche Einheit

Im späten 18. Jahrhundert nahm das moderne Burmesisch Gestalt an. Klöster spielten dabei eine zentrale Rolle als flächendeckende Bildungsinstitutionen. Sie ermöglichten eine für die damalige Zeit ungewöhnlich hohe Alphabetisierungsrate im Volk. Durch die einheitliche Vermittlung religiöser Texte trugen sie zugleich zu einer weitgehenden sprachlichen Vereinheitlichung im Kernraum des Irrawaddy-Tals bei.

Diese frühe institutionelle Verankerung erklärt, warum sich regionale Varianten des Burmesischen vergleichsweise wenig auseinanderentwickelten. Die Sprache blieb über große Distanzen hinweg verständlich und behielt ihre innere Geschlossenheit.

Kolonialzeit und nationale Sprache

Die britische Kolonialzeit veränderte den Stellenwert des Burmesischen deutlich. Englisch gewann im Bildungswesen und in der Verwaltung an Gewicht, während Burmesisch in formellen Kontexten zurückgedrängt wurde. Gleichzeitig entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert eine sprachliche Selbstvergewisserung, die eng mit politischen Autonomiebestrebungen verbunden war.

Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1948 wurde Burmesisch zur offiziellen Staatssprache erklärt. In den folgenden Jahrzehnten arbeiteten staatliche Institutionen gezielt daran, die Sprache weiterzuentwickeln und an moderne Wissens- und Verwaltungsbereiche anzupassen. Damit knüpfte das Burmesische an eine lange Tradition an, in der Sprache stets Teil politischer und religiöser Ordnungsvorstellungen gewesen war.

Burmesisch auf einen Blick: Schrift und Sprache
So sieht die Schrift aus
မြန်မာဘာသာ (myanma batha – burm. Sprache)
မင်္ဂလာပါ (mingalaba – Guten Tag)
ကျေးဇူးတင်ပါတယ် (kyeizu tin ba deh – Danke)
Typisch sind runde Zeichen mit Vokal- und Tonmarkierungen um den Grundbuchstaben.
Satzbau: Verb am Ende
သူ ထမင်း စားတယ်။
thu hta min sa deh (Wörtlich: er Reis isst)
Vergleich: Wie im Japanischen steht das Verb meist am Satzende. Thai und Khmer ordnen das Verb früher ein.
Töne und Stimmqualität
Im Burmesischen unterscheiden Tonhöhe und Stimmführung die Bedeutung.
ka (tiefer Ton) ≠ ka (hoher/knarrender Ton)
Vergleich: Zusätzlich zur Tonhöhe spielt die Stimmqualität (z. B. „gepresste“ Stimme) eine Rolle.
Schriftlich und gesprochen
Burmesisch kennt eine formelle Schriftsprache und eine alltagssprachliche Sprechweise.
Vergleich: Der Abstand ist deutlicher als im Thai, aber weniger strikt als im klassischen Chinesisch.
Hinweis: Umschriften sind vereinfacht und dienen der Orientierung.

Zum Weiterlesen

Lieberman, Victor (2003): Strange Parallels. Southeast Asia in Global Context – Standardwerk zur langfristigen politischen und kulturellen Entwicklung Südostasiens, mit wichtigen Bezügen zur Geschichte Myanmars und seiner Sprachräume.*

Bildnachweis

Titel: Buddhistischer Text an einem Tempel in Bagan, eigene Aufnahme:
„Dies ist eine Darlegung der Lehre.

Wer diese Worte hört und bewahrt,
der sammelt Verdienst für sich selbst.

Durch rechtes Handeln, rechtes Denken
und durch das Festhalten an der Lehre
entsteht heilsames Wirken.

Wer mit aufrichtigem Herzen gibt,
wer Achtung vor der Lehre zeigt
und sich von falschem Tun fernhält,

der vermehrt sein Verdienst
in diesem Leben
und in zukünftigen Existenzen.“

Schreibe einen Kommentar